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»Au point de vue barbare, liberté est synonyme d’isolement: [...]« Pierre Joseph Proudhon

8. März. Gegen Krieg. Für die Frauenrevolution

Das Foto von © Monika von Wegerer zeigt drei Teilnehmer*innen der Aktion mit selbstgemalten Plakaten: "Gegem Macker und Rassisten - Fight the Power - Fight the Cistem" "Kein Täter darf sich sicher fühlen" sowie Durchgestrichen: "Beziehungstat - Femizid" Durchgestrichen "Minderjährige Frauen - Mädchen" Durchgestrichen: "Hysterie - Wut"
Foto: © Monika von Wegerer via Umbruch Bildarchiv
Am 8. März 2026 versammelten sich mehrere hundert Frauen am Gesundbrunnen zu einer Demonstration durch den Wedding unter dem Motto: „Gegen Krieg, für die Frauenrevolution.“ Der Protest richtete sich gegen patriarchale Gewalt, für Gleichberechtigung, gegen gekürzte Sozialleistungen, explodierende Miet-, Lebensmittel und Energiepreise bei gleichzeitigen Milliardenausgaben für Rüstung und deutscher Beteiligung an völkerrechtlichen Kriegen. So führte die Demo auch vorbei an Rheinmetall aus Protest gegen die dort geplante Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter. Ab Frühsommer will Rheinmetall im Werk in der Scheringstraße 2 statt Autozubehör Geschosshülsen für Artilleriemunition herstellen. Erstmals seit Jahrzehnten sollen in Berlin wieder Rüstungsgüter produziert werden.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.
Während Deutschland den Genozid in Gaza und den Krieg gegen Rojava weiter fleißig mit Waffen und Geld unterstützt, kürzt der Staat an allen Ecken und Enden im Sozialen Bereich und in der Gewaltschutzhilfe. Die Fassade eines Landes, das angeblich Frauen- und LGBTI+ Schutz ganz nach vorne stellt bröckelt immer mehr!
Wir wissen: Während fast jeden Tag eine Schwester von uns durch die Hand eines Mannes ermordet wird und unsere Schwestern weltweit mit deutschen Bomben das Leben zur Hölle gemacht wird, sind wir es, die uns gegenseitig schützen und für unsere Befreiung kämpfen werden! Deshalb am 8. März mit uns auf die Straßen!

(Aufruf zur Demo)

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Aus Minneapolis: So was wie das hab ich noch nie gesehen oder: ein Bericht von meinem ersten Tag in Minneapolis

Das Foto zeigt eine Gruppe von Menschen auf einer verschneiten Hauseinfahrt, ihnen gegenüber dutzende vermummte, bis an die Zähne bewaffnete ICE Agenten.
Bürger stehen am Ort der tödlichen Schüsse am 7. Januar 2026 bewaffneten ICE-Beamten gegenüber
Foto: Chad Davis
Lizenz: CC BY 4.0
Wenn man sich mit sozialen Bewegungen und Aufständen beschäftigt, fällt einem ein ziemlich klares saisonales Muster auf: Im Sommer gehen die Leute auf die Straße und machen Krawall, und wenn es kühler wird, beruhigt sich die Lage wieder. Das war 2020 definitiv so, und das sieht man immer wieder, wenn man sich mit Geschichte beschäftigt.

Und trotzdem war ich im Januar auf dem Weg nach Minneapolis.

Bevor ich mich entschied, über den Widerstand gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) dort zu berichten, habe ich einen Freund kontaktiert, der dort lebt. „Diese Woche wird es echt, echt kalt. Werden die Leute trotzdem kommen?“

„Die Leute aus Minnesota werden da sein“, sagte er mir. „Die ICE wird es schwer haben.“

Denn, wie ein anderer Freund mir sagte: „Die ICE hat einen klassischen Nazi-Fehler gemacht: Sie hat im Winter ein Wintervolk angegriffen.“

Die Leute aus Minnesota hatten noch nie Angst vor Eis, und jetzt zeigen sie, dass sie auch keine Angst vor der ICE haben.

Ich hab, ehrlich gesagt, vor beidem ein bisschen Angst. Aber man tut, was man kann.

„Man tut, was man kann“ - das ist vielleicht die Einstellung, die mich überhaupt erst dazu gebracht hat, Minneapolis besuchen zu wollen.

Vor ein oder zwei Wochen habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der hier oben lebt. Er war unterwegs, um Wohnhäuser vor der ICE zu schützen, indem er einfach vor der Tür stand und sagte: „Nein, Sie dürfen hier nicht rein.“ Er saß vor Hotels, von denen bekannt war, dass dort ICE-Beamte untergebracht waren, und schrieb die Autokennzeichen auf.

Dieser Freund von mir ist niemand, den ich jemals mit einer bestimmten politischen Ideologie in Verbindung gebracht hätte, und ich kenne ihn auch nicht als Aktivisten. Er ist einfach ein junger, introvertierter Queer. Ich habe ihn gefragt, warum er diese Arbeit macht - die, wie die Nachrichten der letzten Wochen deutlich gemacht haben, nicht gerade sicher ist. Er sagte mir, dass er sich immer gesagt habe, dass er jemand sein würde, der sich einsetzt, wenn es nötig ist.

Dieser Freund von mir ist mutig. Aber er ist keine Ausnahme. Minneapolis ist eine Stadt voller Menschen, die sich gegen ein buchstäblich mörderisches Regime auflehnen.

Das wollte ich hier sehen.

Ich bin auf seltsame Weise ein professioneller Optimist. Ich war schon immer fasziniert davon, wie Menschen in Krisenzeiten zusammenkommen, um sich gegenseitig zu helfen. Und die Menschen hier sind zusammengekommen.

Von meinem Wohnort nach Minneapolis sind es zwei Tage Fahrt, zumindest theoretisch. Aber es ist Januar, und der Winter im Mittleren Westen ist nicht ohne. Am Montag gab es Schnee. Am Mittwoch? Schnee. Also musste ich die dreizehnstündige Fahrt am Dienstag machen.

Ich hatte überlegt, schon am Abend vorher loszufahren, und bin froh, dass ich es nicht getan habe - in Indiana gab es eine Massenkarambolage mit 37 Autos, bei Whiteout-Bedingungen und Eis auf der Autobahn. Ich habe es aber nicht in den Nachrichten gesehen, weil es in derselben Nacht in Michigan eine Massenkarambolage mit hundert Autos gab. Während einer Stunde meiner Fahrt kam ich an 32 Autos und Lastwagen vorbei, die im Graben standen.

Ich selbst war nicht allzu besorgt. Das Wetter war klar und die meisten Straßen waren geräumt und gestreut. Ich bin ein bisschen ein Prepper und mein Allrad-Lkw hat gute Reifen, Ketten, falls ich sie brauche, und jede Menge Winterausrüstung.

Minneapolis ist im Winter kalt, und dieser Winter ist besonders kalt, und diese Woche ist es besonders kalt. Ich habe Winterkleidung - schließlich lebe ich ländlich in den Bergen -, aber es ist eine Sache, das zu haben, was man braucht, um bei 10 Grad draußen zu arbeiten, und eine andere, das zu haben, was man braucht, um stundenlang bei -20 Grad herumzustehen. Ich gehe davon aus, dass es am Freitag, dem Tag des bevorstehenden Generalstreiks, (mit Windchill) die kältesten Temperaturen geben wird, die ich je in meinem Leben erlebt habe.

Also bin ich dreizehn Stunden gefahren, habe meinen Kollegen vom Flughafen abgeholt und bin zu unserer Unterkunft gefahren. Wir haben über Audiorecorder und Gasmasken gesprochen, wir haben über die Geschichten gesprochen, die wir im Kopf hatten, über das, was gerade passiert, wir haben darüber gesprochen, was wir lernen und sehen möchten.

Wir haben viele große Fragen, und eine davon lautet einfach: Wie groß ist das Ausmaß der Krise hier? Es wird beschrieben, als sei der Ort ein Kriegsgebiet, aber viele US-Städte wurden in den letzten Jahren als Kriegsgebiete beschrieben, und das war selten der Fall. Wie präsent war die ICE und der Widerstand gegen sie?

Am frühen Morgen fuhr eine Reihe von Autos die Wohnstraße entlang, in der wir wohnen, und hupten. Wie wir vermutet hatten und später bestätigt bekam, waren es ICE-Beobachter, die einem ICE-Fahrzeug folgten und hupten, um die Bundesbehörden daran zu hindern, im Verborgenen zu operieren.

Ich konnte meine neuen schicken isolierten Stiefel nicht schnell genug anziehen, und als ich draußen war, waren sie schon an uns vorbeigefahren.

Aber ja, die Stadt ist besetzt.

Wir haben uns für unsere Unterkunft entschieden, weil wir nicht mitten im Geschehen sein wollten, aber es hat sich herausgestellt, dass die ganze Stadt, ebenso wie St. Paul und die Vororte, mitten im Geschehen sind. Wir mussten nicht mehr als drei Blocks fahren, bevor wir auf eine Menschenmenge stießen, die eine Kindertagesstätte bewachte. Stell dir vor, du musst eine Kindertagesstätte bewachen.

An jeder zweiten Straßenecke in der Stadt scheinen Leute nach ICE Ausschau zu halten, bereit, verdächtige Fahrzeuge an die dezentralen Netzwerke zu melden, die die Bewegungen der Rebellen in der Stadt überwachen.

Es ist die ICE, die sich heimlich in Minneapolis bewegt, während die Rebellen reflektierende Westen und dicke Jacken tragen.

Ich habe gestern mit Organisatoren gesprochen, aber das Erste, was mir ein Freund sagte, war, dass es im Gegensatz zu den meisten sozialen Bewegungen keinen „Ansprechpartner“ gibt. Es gibt einfach keinen zentralen Anführer und auch keine zentrale Führungsriege. Es gibt keine Avantgarde, die den Widerstand anführt.

Der Widerstand gegen die ICE in Minneapolis ist stark, weit verbreitet und nachhaltig. Er ist auch völlig dezentralisiert und führerlos (oder „führerreich”, wenn man so will). Es gibt Rollen. Es gibt Organisation - es gibt so viel Organisation. Es gibt so viele Organisatoren aus so vielen Gemeinschaften und mit so vielen Identitäten.

Das macht mich natürlich glücklich.

Ich bin mir sicher, dass es für die Bundesbehörden, die die Stadt besetzt halten, auch verdammt frustrierend ist. Sie wollen ein paar Leute herauspicken und sie vor Gericht stellen. Das könnte immer noch passieren, aber es wäre ein Scheinprozess. Wenn es eine Verschwörung gibt, dann ist es die Verschwörung der ganzen Stadt, frei zu sein.

In den USA sind die meisten von uns daran gewöhnt, Protestbewegungen als eine Art interne Rebellion zu sehen. Gegen die örtliche Polizei, gegen die kapitalistische Infrastruktur. Was hier passiert, ist grundlegend anders. Dies ist eine Rebellion gegen etwas, das einer ausländischen Besatzung gleichkommt. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass dies der Grund ist, warum das Wetter die Menschen nicht davon abhält, auf die Straße zu gehen. Sicher, die Menschen hier besitzen viel mehr Schneekleidung als der durchschnittliche Amerikaner und sind es eher gewohnt, auf ungeräumten Straßen zu fahren, aber ich denke, mehr als alles andere ist es einfach so, dass diese Situation unerträglich ist. Die Menschen sind bereit, mehr zu riskieren.

Weil ihre verdammten Familien entführt werden. Ihre Nachbarn werden entführt. Kinder aus ihren Schulen werden entführt. Sie selbst werden entführt.

Als wir gestern mit dem Auto unterwegs waren, sahen wir Lehrer, die mit Schülern aus den Schulen kamen. Als ich nach Hause kam und die Nachrichten las, erfuhr ich, warum.

Wir wissen noch nicht, wie viele Menschen in ICE-Haft gestorben sind, weil sie uns das natürlich nicht sagen. Wir wissen nicht, wie viele Menschen bei der Abschiebung gestorben sind, aber niemand flieht ohne Grund, und Menschen, die in den USA Asyl suchen, tun dies, weil die Rückkehr in ihr Heimatland oft ein Todesurteil ist.

Die Ermordung einer der ICE-Beobachter:*Innen hat die Menschen also nicht davon abgehalten, die ICE zu beobachten.

Es steht zu viel auf dem Spiel.

Während wir mit Leuten vor der Kindertagesstätte sprachen, drückte uns eine somalische Familie Samosas in die Hand. Wir versuchten, sie nicht anzunehmen: „Wir sind nur Journalisten“, sagten wir ihnen. Das war keine akzeptable Ausrede, um die Samosas nicht anzunehmen. Die waren, ehrlich gesagt, die besten, die ich je gegessen habe.

Wir unterhielten uns mit einer 76-jährigen Frau darüber, was sie hierher gebracht hatte. Ihr Vater hatte in Italien und Frankreich gegen Faschisten gekämpft, und sie wusste, dass er stolz auf sie sein würde. Das seien ihre Nachbarn, erklärte sie. Mir war ein bisschen kalt, obwohl ich meine neuen Winterklamotten anhatte, während ich mit ihr redete. Sie trug nicht mal eine Mütze.

Ein Tontechniker, den ich flüchtig aus der Metal-Szene kannte, war auch da - einfach ein schöner Moment, wie klein die Welt doch ist - und er sollte an diesem Tag eine ziemlich wichtige Band aufnehmen, aber sein Kind ging in die örtliche Schule und es war völlig ausgeschlossen, dass jemand in seiner Nachbarschaft kommen würde, um die Kinder von irgendjemandem zu holen.

Die Leute waren sich der Schwere der Lage bewusst, sowohl lokal als auch national. Sie wussten, dass es wichtig war, die ICE überall zu frustrieren, um sie überall zu stoppen. Wenn nötig, würden sie als Bollwerk dienen.

Und ihre Zahl war gestiegen, nachdem einer von ihnen erschossen worden war.

Ich habe gestern mit einer Gruppe von Organisatoren gesprochen - eigentlich waren alle Organisatoren - und sie ausführlich gefragt, welche Art von Berichterstattung sie sich wünschen und was die Welt über ihre Bemühungen wissen sollte.

Eine Sache, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist, dass sie zwar froh sind, dass die Medien über all die schrecklichen Dinge berichten, die die ICE tut, aber sie möchten, dass mehr Menschen erfahren, wie schön der Widerstand ist. Ich kann kein rosiges Bild von dem zeichnen, was hier passiert, denn es ist nicht rosig. Es ist nicht idyllisch. Aber es ist inspirierend.

Ich bin jetzt seit 24 Jahren in Protestbewegungen aktiv (vielleicht klingt das kitschig, aber ich habe einen bestimmten Protest als meinen Ausgangspunkt gewählt) und ich habe noch nie eine Bevölkerung gesehen, die so vereint ist, nicht einmal annähernd. Es scheint, als würde sich die ganze Stadt gegen die Entführer erheben.

Ich hätte noch mehr zu sagen, aber die Sonne ist schon aufgegangen und ich bin nur noch ein paar Tage hier, also erzähle ich später mehr.

Mein eigentliches journalistisches Ziel ist es natürlich, ein paar Podcast-Folgen zusammenzustellen, aber ich dachte mir, ich schreibe diese Beiträge, um meine Gedanken unterwegs zu sammeln.

Quelle: Margaret Killjoy, From Minneapolis: I've Never Seen Unity Like This or: a report from my first day in Minneapolis, 22. Januar 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Diese Woche in der Apokalypse oder: Es war keine langweilige Woche

Diese Woche bin ich durch einen Stromausfall gefahren, durch eine Meile mit kaputten Straßenlaternen. Etwa die Hälfte der Autos schien die Regel zu befolgen, dass eine kaputte Ampel wie eine Kreuzung mit Stoppschildern an allen Seiten gilt. Die anderen Autos sind einfach mit voller Geschwindigkeit über die Kreuzungen gefahren. Ich weiß nicht, ob das eine größere Metapher ist, aber es fühlt sich so an.

Ein paar Stunden später fuhr ich denselben Weg zurück, und nichts hatte sich geändert, während die Temperatur auf den nassen Straßen fast auf den Gefrierpunkt sank.

Diese Woche haben wir über das Buch „Parable of the Sower” gesprochen, über langsamen Zusammenbruch versus schnellen Zusammenbruch, über den Hügel, von dem wir das Gefühl hatten, dass wir ihn hinunterstürzen könnten.

Vermummte ICE-Kräfte in Los Angeles
Vermummte ICE-Kräfte in Los Angeles

Quelle: U.S. Immigration and Customs Enforcement (Department of Homeland Security)
Diese Woche erzählte mir eine Freundin, dass ihr Partner, ein US-Bürger, in Minneapolis von der Einwanderungsbehörde ICE aus seinem Auto entführt wurde. Sie scannten sein Gesicht und ließen ihn Stunden später wieder frei, nachdem ein Anwalt eingeschritten war und es vor dem Ort seiner Inhaftierung zu massiven Protesten gekommen war.

Diese Woche berichten meine anderen Freunde in Minneapolis von den herzzerreißendsten und herzerwärmendsten Geschichten über Unterdrückung und Widerstand.

Diese Woche habe ich mit Freunden und Angehörigen Pläne geschmiedet, was wir tun werden, wenn die Mobilfunknetze ausfallen. In wessen Haus werden wir uns versammeln? Wer kennt sich ohne GPS am besten mit den Straßen aus? Wer hat einen Allradantrieb?

Ein paar Stunden zuvor hatte ich von einem Freund gehört, der sich seine Telefonrechnung nicht leisten konnte und auf das Internet angewiesen war, dass das Internet in seinem Haus ausgefallen war. Er war 20 Minuten zu Walmart gefahren, um sich dort ins WLAN einzuloggen und den Leuten mitzuteilen, dass er derzeit keinen Internetzugang hatte. Es scheint, als hätte der Wind die Glasfaserverbindung direkt vom Strommast gerissen.

Die meisten Nächte dieser Woche blieb ich lange wach und scrollte durch düstere Nachrichten, schaute mir Videos von ICE-Razzien und ICE-Belagerungen an.

Es war keine Woche mit guten Nachrichten. Die Dinge scheinen sich immer schneller zu drehen.

Ich werde mit dem Dunklen anfangen, aber dann über das Licht sprechen. Die Sache ist die: Ich glaube wirklich, dass wir gewinnen werden. Aber es wird schwer und beängstigend werden. Wie immer ist der einzige Ausweg, durchzuhalten.

Ich nehme an, dass du, der du das hier liest, weißt, dass Renee Nicole Good in Minneapolis von der ICE ermordet wurde. Ich bin mir sicher, dass du weißt, dass sie nicht die erste Person war, die die ICE getötet hat, und dass sie nicht die letzte sein wird. (Ich schreibe und überarbeite diesen Text seit Tagen, und die Nachrichten ändern sich ständig. Die ICE hat seit Renee Good mindestens drei weitere Menschen erschossen.)

Vielleicht hast du die Videos gesehen, in denen ein ICE-Agent nach dem anderen damit droht, Menschen zu töten, und sagt: „Hast du nichts aus dem gelernt, was wir letzte Woche gemacht haben?“, um jeden einzuschüchtern, der sich ihrer Macht widersetzt.

Es gibt immer mehr Berichte darüber, dass die ICE Menschen aufgrund ihres Aussehens profiliert und entführt und, wenn sie nicht abgeschoben werden können, sie zusammenschlägt und blutend kilometerweit entfernt zurücklässt.

Die ICE hat zahlreiche indigene Menschen festgenommen, darunter mehrere Mitglieder der Oglala Sioux. Die ICE will dem Stamm nicht einmal die Namen der festgenommenen Personen nennen und weigert sich, dies zu tun, solange der Stamm die ICE nicht offiziell anerkennt und ein Einwanderungsabkommen mit ihr abschließt. Der Stamm hat dies verständlicherweise abgelehnt.

Die Frage, um die offenbar alle, einschließlich der Politiker, herumeiern, lautet: „Kann die Welt Trump bis zu den Wahlen an der Macht überstehen, oder muss früher etwas unternommen werden?“ Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota, hat die Nationalgarde mobilisiert, um jede potenzielle Rebellion im Bundesstaat niederzuschlagen, und versucht konsequent, die Menschen davon abzuhalten, sich gegen den Faschismus zu erheben. Aber er scheint sich auch bewusst zu sein, dass es eine Art moralische Verpflichtung gibt, die Nationalgarde einzusetzen, um die ICE zu stoppen, und versucht zu erklären, warum er das trotzdem nicht macht. Er sagte gegenüber der Presse: „Wir waren noch nie im Krieg mit unserer Bundesregierung.“

Jeder weiß, dass der Einsatz von Polizei oder Nationalgarde gegen Bundesbeamte einen Bürgerkrieg auslösen könnte. Die Politiker schleichen um dieses Thema herum und versuchen, das Pulverfass nicht zu zünden. Das bedeutet, dass die Gräueltaten weitergehen dürfen.

Selbst eingefleischte Gemäßigte wie Walz beginnen zu knicken.

Das letzte Mal, dass sich das Land in einer solchen Pattsituation befand – wobei sich die Hälfte der Bevölkerung der moralischen Verpflichtung bewusst war, eine große Gräueltat zu stoppen, aber Angst vor dem Ausmaß der Gewalt hatte, die damit verbunden wäre –, war in den 1850er Jahren. Dieser Stillstand wurde durch einen mutigen Überfall schwarzer und weißer Abolitionisten auf Harper's Ferry durchbrochen, der einen Bürgerkrieg auslöste, der mit enormem Blutvergießen eine der schlimmsten Institutionen beendete, die die Welt je gesehen hat. 2 % der Amerikaner starben in diesem Krieg.

Wenn wir einen weiteren Bürgerkrieg hätten und zwei Prozent von uns sterben würden, wären das fast 7 Millionen Menschen.

Natürlich gibt es keinen Grund zu glauben, dass ein zweiter Bürgerkrieg in Bezug auf die Opferzahlen, aber auch in Bezug auf das Ergebnis, dem ersten ähneln würde. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass so viele oder so wenige Menschen sterben würden. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die bessere Seite gewinnen würde oder dass es überhaupt klare Gewinner geben würde.

Vielleicht hast du mitbekommen, dass Trump aktiv darüber nachdenkt, in Grönland einzumarschieren.

Der vollständige Screenshot des Beitrags von Katie Miller, der Ehefrau von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef von Trump zeigt ihr Post zu Grönland mit dessen Landkarte, mit der darübergelegten Flagge der USA
Screenshot des Beitrags von Katie Miller, der Ehefrau von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef von Trump (4.1.2026, 13:51 MEZ)
Grönland sollte von seinen Ureinwohnern kontrolliert werden, aber es gehört zum Königreich Dänemark. Das ist Teil der NATO. Zu der auch die USA gehören. Die Invasion Grönlands würde zumindest die USA von ihren eigenen umfangreichen Stützpunkten in anderen NATO-Ländern abschneiden. Das könnte zu Sanktionen und vermutlich zu einer Hyperinflation führen. Es könnte auch zu einem Krieg gegen die NATO führen, die bereits Truppen auf der größten Insel der Welt stationiert hat.

Apropos Hyperinflation: Trump versucht, die Federal Reserve zu zwingen, die Zinsen zu senken. Die Federal Reserve legt die Zinsen fest, zu denen Banken sich gegenseitig Geld leihen (was sie jeden Tag machen, weil sie verpflichtet sind, einen bestimmten Betrag an Bargeld vorrätig zu haben, aber lieber so viel Geld wie möglich investieren möchten, sodass sie alle ständig ein heikles Spiel spielen). Diese Zinsen wirken sich auf die gesamte Wirtschaft aus. Wenn die Zinsen niedrig sind, sind die Leute eher bereit, Kredite aufzunehmen, sodass die Wirtschaft wächst und mehr Jobs entstehen, aber das führt zu Inflation. Wenn die Zinsen hoch sind, leihen sich die Leute weniger Geld, und die Inflation wird kontrolliert, aber die Wirtschaft kühlt sich ab. Das ist alles ein bisschen kompliziert, aber hier gibt's eine gute Erklärung.

Trump will, dass die Zinsen noch weiter gesenkt werden, weil er kurzfristige Gewinne für die Wirtschaft will. Die Federal Reserve ist genau aus diesem Grund relativ unabhängig – es ist im besten langfristigen Interesse der US-Wirtschaft, nicht von politischen Manövern abhängig zu sein.

Also hat Trump ein paar Ausreden gefunden, um zu versuchen, den Chef der Federal Reserve zu entlassen, was einen großen Teil seiner Basis – die Finanzleute – ziemlich sauer gemacht hat. Wenn Trump es schafft, die Federal Reserve zu kontrollieren, könnte das leicht zu Hyperinflation und einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führen. Selbst seine Drohungen gegen die Federal Reserve haben die Aktienkurse fallen und den Goldpreis steigen lassen. Und da ein großer Teil der Weltwirtschaft vom US-Dollar abhängt, würde eine Hyperinflation in den USA Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Das ist noch milde ausgedrückt.

Ich traue Leuten nicht, die im Internet Angst und Unsicherheit verbreiten, und das solltest du auch nicht. Ich bin für Vorsorge, aber ich finde 90 % der Prepper-Inhalte nervig, weil man am besten Aufmerksamkeit für ein Video oder einen Substack-Beitrag bekommt, wenn man den Leuten erzählt, wie schlimm alles bald sein wird.

Das will ich nicht. Ich versuche wirklich, das nicht zu tun.

Ein Grund dafür ist, dass ich selbst nicht daran glauben will. Ich will keinen Zusammenbruch. Ich will keinen globalen Krieg oder Bürgerkrieg. Ich will mit meinen Freunden Rollenspiele spielen, Fantasy-Romane schreiben und Spendenaktionen für die Gemeinde organisieren.

Letztes Jahr habe ich meinen Freunden gesagt: „Hört mal, ich glaube nicht, dass wir im nächsten Jahr einen Bürgerkrieg haben werden. Ich schätze, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 5 %. Aber die Sache ist die: In den meisten Jahren liegt sie bei 0,01 %, also ist das ein Thema, das man ernst nehmen sollte.“ Jeder, der schon mal „Dungeons and Dragons“ gespielt hat, weiß, dass eine Wahrscheinlichkeit von 5 % ständig vorkommt. Das ist, wenn man eine 1 mit einem zwanzigseitigen Würfel würfelt.

Natürlich hatte ich diese Zahl komplett aus der Luft gegriffen. Aber „hey, es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 5 %, dass etwas wirklich Großes passiert“ ist Grund genug, sich darauf vorzubereiten.

Und ehrlich gesagt schätze ich die Wahrscheinlichkeit eines globalen oder Bürgerkriegs heute viel höher ein als noch vor einem Jahr.

Eine letzte Unsicherheit: Ein befreundeter Arzthelfer erzählte mir, dass etwa die Hälfte der Ärzte einen Berufswechsel anstrebt, und schickte mir dann diesen Artikel aus Forbes, in dem es darum geht, warum. Es gibt eine Reihe von Gründen, darunter: Patienten nutzen KI, um sich selbst falsch zu diagnostizieren, und Ärzte müssen immer mehr Zeit damit verbringen, Fehlinformationen zu widerlegen; Versicherungsgesellschaften machen es unmöglich, Patienten die Behandlung zukommen zu lassen, die sie brauchen; das Ende von Roe v. Wade hat grundlegende reproduktive Gesundheitsversorgung illegal gemacht.

Es droht ein Mangel an medizinischem Personal. 40 % der Ärzte werden in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, und der „Big Beautiful Bill” hat die Darlehen für das Medizinstudium auf 50.000 Dollar pro Jahr oder insgesamt 200.000 Dollar begrenzt. Daher kann es sich niemand leisten, Medizin zu studieren.

Und die EPA berücksichtigt bei der Festlegung ihrer Politik zur Umweltverschmutzung nicht mehr die menschliche Gesundheit.

Das Jahr 2026 hat einen schwierigen Start hingelegt.

Aber wie ich immer wieder betone, können wir aus der Wintersonnenwende lernen, dass die Kälte erst einsetzt, wenn die Sonne wieder zurückkehrt. Es gibt eine Verzögerung zwischen der Rückkehr der Hoffnung und der Verbesserung der Lage. Der Frühling kommt.

Daran glaube ich fest.

Auf seltsame Weise bin ich hoffnungsvoller für die Zukunft als je zuvor. Zum ersten Mal in der Geschichte sind mehr Amerikaner für die Abschaffung der ICE als gegen die Abschaffung der ICE (46 % zu 43 %). Die ICE war schon immer ein Problem. Sie sollte nicht reformiert werden, und jeder Politiker, der ihre Reform fordert, hat leider den Bezug zur Realität verloren. Autoritarismus und Kapitalismus waren schon immer ein Problem. Immer mehr Leute sind sich dessen bewusst und immer mehr Leute tun etwas dagegen.

Ich habe gesagt, dass ich mir Videos von ICE-Razzien und ICE-Belagerungen angesehen habe. Seltsamerweise geben mir die Belagerungen Hoffnung. Immer mehr und immer mehr und immer mehr Leute stehen auf und sagen mit zitternden Knien und bebender Stimme: „Fuck you, ihr könnt meine Nachbarn nicht stehlen.“

Die ICE war sich sicher, dass die Videos, in denen sie Renee Good ermordet, die Öffentlichkeit einschüchtern würden. Sie dachten, dass Terrorismus (in diesem Fall eine Politik, die Angst verbreitet) ihre Gegner zum Schweigen bringen würde. Sie haben sich geirrt. Es hat die Leute ermutigt.

Letzte Nacht haben Demonstranten die ICE aus North Minneapolis verjagt und sie gezwungen, ihre Fahrzeuge zurückzulassen. Die Demonstranten fanden in diesen Fahrzeugen alle möglichen Unterlagen.

Anfang dieser Woche hat ein Whistleblower aus dem DHS die persönlichen Daten von 4500 ICE- und Grenzschutzbeamten veröffentlicht.

Sie sind so verzweifelt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, dass sie versehentlich einen antifaschistischen Journalisten eingestellt haben.

Ich glaube, der Widerstand zeigt Wirkung.

Die Politiker tun nichts, um Menschen zu retten. Sie wissen, dass sie es tun sollten, aber sie tun es nicht. Die Menschen handeln, um sich gegenseitig und sich selbst zu schützen, und es funktioniert.

Aber es wird erst mal schlimmer werden, bevor es besser wird.

Ich bin diese Woche durch diesen Stromausfall gefahren, weil die öffentliche Infrastruktur in Amerika – zumindest in den Appalachen und im Rust Belt, wo ich meine Zeit verbringe – bröckelt. Die Infrastruktur ist alt und wird nicht modernisiert. Der Klimawandel hat in einigen Gebieten zu mehr Niederschlägen geführt, wodurch Bäume anfälliger für Stürme sind. Die Energieversorger in Ohio bitten um die Erlaubnis, schlechtere Arbeit zu leisten und länger für die Wiederherstellung der Stromversorgung zu brauchen.

Das Land wird derzeit nicht von Politikern regiert, sondern von Dieben, die das Kupfer aus den Mauern unserer Gesellschaft entfernen. Sie treiben uns in den Bankrott und lassen uns im Regen stehen.

Die einzige Frage (und das ist wirklich eine Frage, die Sie sich selbst, Ihrer Familie und Ihrer Gemeinde stellen sollten, anstatt auf Antworten von Anarchisten im Internet mit Newslettern zu hören) lautet: „Was muss geschehen, um diese Situation zu ändern?“

Auf lokaler Ebene würde ich vermuten, dass es dazu nötig ist, dass die Leute mit Megaphonen und Trillerpfeifen und zitternden Stimmen und dem Mut, den wir von unseren mutigsten Vorfahren geerbt haben, zusammenkommen, um der Gestapo direkt ins Gesicht zu sagen: „Verpisst euch aus unserer Stadt!“ Wir haben gesehen, dass das funktionieren kann. Mut funktioniert. (Die genauen Taktiken, mit denen wir unseren Mut zeigen, werden sich wahrscheinlich im Laufe der Zeit in alle möglichen Richtungen verändern.)

Es funktioniert, wenn wir uns nicht von ihnen spalten lassen, weder nach Klassen, Religionen, Ethnien noch nach taktischen Gesichtspunkten. Solidarität funktioniert.

Keiner von uns kennt die Zukunft. Denn die Zukunft ist etwas, das wir gemeinsam bestimmen.

Indem wir mit Mut und Überzeugung handeln, ermutigen wir uns selbst und einander. Faschismus ist eine Ideologie der Angst, und Mut ist sein Gegenteil.

Danke, dass ihr zu meiner Motivationsrede gekommen seid. Ich brauchte sie, um aus dem Bett zu kommen.

Quelle: Margaret Killjoy, This Week in the Apocalypse or: it hasn't been a boring week, 15. Januar 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


Greta Thunberg braucht keinen Nobelpreis, sie macht das aus, was der Preis vergessen hat

Greta Thunberg in Stockholm 2024, mit einem palästinensischen Keffiyeh
Foto: Kushal Das - Eigenes Werk
Lizenz: CC BY-SA 4.0
In einer Welt, in der der Friedensnobelpreis an Leute geht, die Washingtons geopolitische Agenda unterstützen, ist es vielleicht an der Zeit, dass wir aufhören, ihn als den Gipfel der Gerechtigkeit zu sehen. Hört auf, Greta Thunberg für einen Preis vorzuschlagen, der moralische Legitimität mit liberalem Applaus verwechselt. Greta und alle intersektionalen Feministinnen, die sich weigern, sich der Macht zu beugen, verdienen viel Besseres als diese koloniale Trophäe.

Das Nobelkomitee hat schon lange nichts mehr mit Frieden zu tun, es ist zu einer Bühne geworden, auf der der Westen sich selbst für die Gewalt gratuliert, die er als Tugend tarnt. Vom Drohnenkriegskönig Barack Obama über Aung San Suu Kyi, deren Hände mit dem Blut der Rohingya befleckt sind, bis hin zu Maria Corina Machado – der Preis dient immer als vergoldetes Siegel der moralischen Überlegenheit des Westens.

Machado ist keine Heldin der Demokratie.

Sie ist eine Funktionärin des US-Imperialismus, nimmt über das Súmate-Projekt amerikanisches Geld an, plant Staatsstreiche und fordert ausländische Interventionen, um ihre Regierung zu stürzen. Ausländische Hilfe sollte niemals mit imperialen Bedingungen verbunden sein; die globale Hilfsindustrie wird seit langem als Fortsetzung der „zivilisatorischen Mission” des Kolonialismus kritisiert. Bei der Entgegennahme des Preises dankte sie Donald Trump und der MAGA-Bewegung für ihre Unterstützung und zeigte damit deutlich, wo ihre Loyalitäten liegen. Die Anerkennung legitimen Widerstands ist etwas ganz anderes als die Würdigung einer ungefährlichen Opposition, die sich an die imperialistischen Regeln hält.

In diesem imperialistischen Moraltheater erinnert uns Gretas Widerstand daran, dass Frieden nicht von denen herbeigeführt werden kann, die vom Krieg profitieren, sondern von denen, die es wagen, seine Akteure zu entlarven. Ihre Macht misst sich nicht in Medaillen oder Applaus, sondern in dem Beben, das sie durch eine Welt schickt, die auf Verleugnung aufgebaut ist.

In dem Moment, als sie den Zusammenhang zwischen ökologischem Kollaps und imperialistischer Ausbeutung herstellte, wurde sie für die westlichen Medien plötzlich zu unbequem. Dieselben Medien, die sie einst als „globale Ikone” und Gewissen einer Generation feierten, diffamieren sie jetzt als spaltend und sogar gefährlich. Forbes beklagte, dass ihr „Stand With Gaza” die „Neutralität” gefährde und „ein Problem für die Klimabewegung” darstelle.

Aber Greta hat verstanden, was sie am meisten fürchten: dass alle Unterdrückungen miteinander verbunden sind und man den Planeten nicht retten kann, ohne sich dem Imperium zu stellen. Ihre Weigerung, planetarische Gerechtigkeit von menschlicher Gerechtigkeit zu trennen, macht ihren Feminismus ganzheitlich und kraftvoll.

Der Friedensnobelpreis als koloniale Trophäe

Der Friedensnobelpreis, der aus einer eurozentrischen, kolonialen Weltanschauung entstanden ist, war nie für die Befreiung gedacht. Er belohnt diejenigen, die Dissens für das Imperium verdaulich machen, nicht diejenigen, die es abschaffen. Barack Obama bekam ihn, während er den Drohnenkrieg in Westasien und Nordafrika ausweitete. Die Europäische Union wurde inmitten ihrer militarisierten Grenzen und der Todesfälle von Flüchtlingen auf See gefeiert. Henry Kissinger wurde für seine „diplomatischen“ Bemühungen gelobt, von der Unterstützung von Staatsstreichen in Chile und Argentinien über die Führung von Kriegen in Kambodscha, Vietnam und Bangladesch bis hin zum Schutz der israelischen Besatzung in Palästina. Und sollen wir wirklich denselben Preis würdigen, für den auch Präsident Trump und Daniella Weiss, eine Siedlerführerin, die die Apartheidgewalt in Palästina schürt, nominiert waren?

Dann kommt Malala Yousafzai, die Friedensnobelpreisträgerin von 2014. Wer hätte gedacht, dass das junge Mädchen, das wegen seines Wunsches nach Bildung brutal misshandelt wurde, schließlich in die Choreografie der Tugend des Imperiums umgeschrieben werden würde? Hinter dem Image der US-Entwicklungshilfe als Wohltäter verbirgt sich ein ausbeuterisches System, das Ausbeutung mit Mitgefühl maskiert und die Brutalität des Imperiums mildert, ohne es jemals in Frage zu stellen. Hilfe und Imperium sind schließlich symbiotisch – jedes erhält die Illusion der Wohltätigkeit des anderen aufrecht. Als also moralischer Mut gefragt war, als Gaza brannte, als die imperiale Maschine sich gegen andere braune Körper richtete, sagte Malala kein einziges Wort; erst als sie schließlich sah, dass sich das Blatt wendete, während sie weiterhin die Hand des Imperiums küsste.

Wie Chandra Mohanty (in Feminism without Borders) und María Lugones (in Coloniality of Gender) uns erinnern, verallgemeinert der westliche Feminismus allzu oft die Weiblichkeit und blendet dabei die kolonialen Hierarchien aus, die unser Leben prägen. Er fordert Fortschritt ohne Dekolonialisierung. Homi Bhabha nennt dieses Verhalten „koloniale Mimikry“; dass die Untergebenen Schmerz und Widerstand zeigen dürfen, aber nur so weit, wie es den westlichen Fantasien von Befreiung schmeichelt. Nach dieser Logik wird die „befreite“ Frau zu einem Symbol für die Zivilisiertheit des Imperiums; ein Beweis dafür, dass das System funktioniert, wenn man sich an seine Regeln hält.

In ihrer Kritik der „postkolonialen Performance” erklärt Judith Butler, wie das Imperium „akzeptable” Frauen aus besetzten Nationen des Globalen Südens hochjubelt und sie zu Aushängeschildern des Fortschritts macht. Von Malala in Pakistan bis Maria Corina Machado in Venezuela werden diese Figuren kuratiert und nicht ausgewählt, weil sie die Macht herausfordern, sondern weil sie sie wohlwollend erscheinen lassen.

Der imperiale Kern des liberalen Feminismus

Der liberale Feminismus ist der Kapitalismus der Geschlechterpolitik. Er verkauft Empowerment als Lebensstil, nicht als Befreiung. Er fordert Gleichberechtigung innerhalb des Patriarchats, aber keine Freiheit davon. Er feiert Frauen, die sich der Unterdrückung anpassen, anstatt sie abzubauen. Von Malala Yousafzai über Taylor Swift bis hin zu María Machado hat der liberale Feminismus die Kunst perfektioniert, Befreiung in „Soft Power“ zu verwandeln. Er sagt uns, dass Gleichberechtigung erreicht ist, wenn eine Frau es in den Vorstand, auf die Bühne oder ins Weiße Haus schafft. Aber was nützt Gleichberechtigung innerhalb eines Systems, das auf Unterdrückung ausgelegt ist? Ein Platz am Tisch bedeutet nichts, wenn der Tisch selbst auf Ausbeutung aufgebaut ist.

Dieser Feminismus – Swifts Unternehmensfeminismus, Malalas ausgefeilte Diplomatie, Machados imperiale Ausrichtung – ist der, den das Patriarchat am meisten liebt: sichtbar, verehrt, fügsam und sicher. Das Patriarchat muss Frauen nicht mehr bestrafen, es geht einfach Partnerschaften mit denen ein, die mitspielen. Swift profitiert von der Sprache der Befreiung von weißer Mittelmäßigkeit, die selten über die stereotype Weiblichkeit hinausgeht, ohne jemals den Komfort zu riskieren, den ihr diese Sprache bietet. Ihr Schweigen zu Palästina, dem Sudan und systemischer Gewalt ist das natürliche Ergebnis eines oberflächlichen Feminismus, der darauf ausgelegt ist, zu beruhigen, ohne revolutionär zu sein.

Aber echte Gleichberechtigung wird niemals durch den liberalen Feminismus erreicht werden. Das Problem ist nicht nur, dass Frauen in Machtpositionen fehlen. Das Problem ist, dass das System selbst, das Patriarchat, der Kolonialismus, der Imperialismus und der Kapitalismus so aufgebaut sind, dass sie Ungleichheit erzeugen. Und der liberale Feminismus fordert nicht deren Abschaffung, sondern verlangt, dass Frauen darin zugelassen werden. Das Ergebnis: Nur eine Handvoll Frauen, darunter viele weiße Frauen, steigen auf und erscheinen mächtig, während der Rest unter sich überschneidenden Unterdrückungen gefangen bleibt.

Der radikale und intersektionale Feminismus von Greta bleibt dagegen gefährlich, gerade weil sie sich weigert, konsumiert zu werden. Sie versteht, was der liberale Feminismus nicht sehen will: dass die Geschlechterkrise untrennbar mit den Krisen des Kapitalismus, Kolonialismus und Klimawandels verbunden ist. Ihre Wut lässt sich nicht zähmen, ihre Politik lässt sich nicht mildern, und ihre moralische Klarheit passt nicht in die Choreografie der Tugendhaftigkeit des Imperiums.

Solidarität, Intersektionalität und echter feministischer Widerstand

Intersektionaler Feminismus verlangt, dass wir nicht nur das Geschlecht sehen, sondern auch Rasse, Klasse, Kolonialität, Geografie und Fähigkeiten. Er verlangt, dass wir diejenigen in den Mittelpunkt stellen, die am meisten geschädigt und am stärksten marginalisiert sind – die Frauen in Gaza, im Sudan, in Syrien; behinderte Frauen; indigene Frauen; Transfrauen; Sexarbeiterinnen; Migrantinnen und gewaltsam vertriebene Frauen; Frauen in Umgebungen, die durch Bergbau und Klimakollaps zerstört werden. Er verlangt, dass wir das System in Frage stellen, nicht nur, wer in seine Räume gelangt.

Die liberalen imperialen Feministinnen können Taylor Swift behalten. Sie können Malala behalten. Behalten Sie den Nobelpreis und seine von der CIA finanzierten Preisträgerinnen. Aber wir Menschen mit Gewissen entscheiden uns für Greta, Francesca Albanese, Huwaida Arraf, Bisan, Abby Martin und alle anderen Feministinnen, die die imperiale Macht herausfordern. Einen Feminismus, der Sicherheit riskiert. Einen Feminismus, der nicht nur Gleichberechtigung innerhalb von Systemen fordert, die auf Unterdrückung aufgebaut sind, sondern die Befreiung von ihnen. Der Übergangsfeminismus, der Verbindungen zwischen Klima und Kapitalismus, Geschlecht und Imperium, Gerechtigkeit und Solidarität herstellt und gleichzeitig diese unterdrückerischen Mächte abbaut. Sie brauchen keinen Nobelpreis, um den Wert ihres Widerstands zu beweisen. Ihre Kraft liegt in ihrer Weigerung, sich kaufen, verschönern oder vom Imperium vereinnahmen zu lassen. Sie verkörpern das, was der Preis vergessen hat: moralische Klarheit, Risiko und Solidarität über Grenzen hinweg. Denn wenn wir nur die Frauen loben, die sich der Macht unterwerfen oder von ihr toleriert werden, stärken wir genau die Strukturen, die den meisten Frauen schaden.

In einer Weltordnung, die Komplizenschaft belohnt und Gewissenhaftigkeit bestraft, ist das Radikalste, was eine Frau sein kann, unapologetisch wütend zu sein und sich nicht für die Zustimmung und den Applaus der Unterdrücker zu verstellen.

Sei wie Greta. Sei unregierbar. Sei entschlossen. Widerstand bedeutet Existenz.

Quelle: Aisya A. Zaharin, Greta Thunberg does not need a Nobel Prize, she is everything it has forgotten, 20. Oktober 2025

Aisya A. Zaharin ist Doktorandin, preisgekrönte Menschenrechtsaktivistin und Mitglied des Gender Diverse Expert Advisory Committee der australischen Menschenrechtskommission.

Übersetzung: Thomas Trueten


Afd widersetzen in Jüterbog

Das Foto von © kinkalitzken zeigt einige  Menschen mit Einhornhütchen und anderem Kopf und Gesichtsschmuck  hinter dem pinken Transparent mit dem Text "FCK AFD"
Foto: © kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Hunderte Menschen protestierten mit Blockaden gegen einen Parteitag der Berliner AfD am 11. Oktober 2025 im brandenburgischen Jüterbog.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die ungehorsamen Proteste des bundesweit aktiven Aktionsbündnisses „widersetzen“ verzögerten den Parteitag um rund 30 Minuten, Autos und Busse konnten nicht vorfahren, der Fußweg wurde für AfDler tendenziell zum Spießrutenlauf. Mehrfach solidarisierten Passant*innen sich spontan mit den Protesten. Die Polizei ging teilweise mit Gewalt, aber geringem Erfolg gegen Blockaden vor und wirkte an mehreren Stellen überfordert. Der Parteitag fand erneut in Jüterbog statt, da die AfD in Berlin keine Räume fand.
„Faschismus braucht Räume – nicht nur Bühnen, sondern auch das Schweigen derer, die wegsehen oder meinen, „das geht mich nichts an“. Wer solche Räume gibt, macht sich mitschuldig. Wir waren hier, um das zu verhindern – mit Solidarität, Entschlossenheit und gemeinsamem Widerstand. Heute in Jüterbog, morgen in Gießen und überall, wo sie versuchen, sich breit zu machen – sind wir da, um uns ihnen zu widersetzen.“

 Berliner Ortsgruppe von „widersetzen“



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Loblied auf den Herbst und Rituale oder: Margaret redet über Blätter, Hunde, Geister und Priester

Dieses Wochenende bin ich auf der Another Carolina Anarchist Bookfair in Asheville, North Carolina, und habe dort einen Stand für Strangers in a Tangled Wilderness.

Strangers hat diese Woche eine ganze Reihe neuer Sachen, darunter das Hörbuch von The Lamb Will Slaughter the Lion. (Das sollte bald über Hörbuch-Apps verfügbar sein, es dauert nur eine Weile, bis es im System verfügbar ist). Ich arbeite auch an den Hörbüchern zu den Büchern 2 und 3 der Danielle-Cain-Reihe.

Außerdem gibt es jetzt zwei Rückenaufnäher. Der eine ist „Uliksi“ aus den Danielle-Cain-Büchern mit einem Motiv von Robin Savage. Der andere ist „der Rückenaufnäher, den ich auf meiner eigenen Weste trage“, inspiriert von meinen historischen Recherchen, ein Zitat von Willem Arondeus, dem schwulen Antifaschisten, der Nazi-Akten verbrannt hat und in seinem letzten Brief an die Welt schrieb: „Lasst es bekannt sein, dass Homosexuelle keine Feiglinge sind.“ Und schließlich gibt es jetzt auf vielfachen Wunsch auch Strangers in a Tangled Wilderness-Hoodies.

Ich werde diesen Herbst und Winter weniger Veranstaltungen machen, weil ich viel zu schreiben habe. Aber hoffentlich bedeutet das, dass ich bald mehr über neue Arbeiten berichten kann.

Loblied auf den Herbst und Rituale


„Du weißt, dass du gestorben bist, wenn die Dinge um dich herum aufhören zu sterben.“

Elías Contreras, aus „The Uncomfortable Dead“

Das Foto zeigt einen Herbstwald, durch den ein mit abgefallenen Blättern bedeckter Weg führt
Herbstwald in Deutschland
Foto: Martin.Heiss
Lizenz: CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons
Die Blätter waren sich nicht ganz sicher, was sie dieses Jahr tun sollten, aber jetzt fangen sie endlich an, sich zu verfärben und zu fallen – obwohl das Wetter noch warm ist. Ich würde das Wetter als untypisch bezeichnen, aber „untypisch“ ist heutzutage ein ziemlich bedeutungsloser Begriff. Die Jahreszeiten bringen, was sie bringen, egal, was wir denken, dass sie bringen sollten.

Das beste Spiel der Welt ist, wenn du meinen Hund fragst, „Blätterkicken“. Das Spiel ist einfach: Ich kicke Blätter, und Rintrah springt in die Luft, um sie zu fangen. Jeden Morgen auf unserem Spaziergang bin ich vom Kicken erschöpft, bevor er vom Springen und Laufen erschöpft ist. Varianten des Spiels sind „Bachwasser-Kicken“ und „Schnee-Kicken“, die wahrscheinlich keiner weiteren Erklärung bedürfen.

Wenn die Tage kürzer werden, nehmen wir die Sonne nicht mehr so selbstverständlich hin. Da Blätter und Licht für dieses Jahr verblassen, ist es ganz natürlich, dass wir über den Tod um uns herum und den Tod, der uns erwartet, nachdenken – und es wird dich nicht überraschen, dass ich darin Trost und Schönheit finde. Es ist der Tod, der uns umgibt, der uns zum Leben führt.

Ich baue nicht viele Rituale direkt in mein Leben ein. Ich möchte gerne mehr mit Magie zu tun haben, als ich es derzeit tue. In den meisten Jahren bringe ich mich dazu, mit Freunden Kürbisse zu schnitzen. In den meisten Jahren schaffe ich es, ein paar schöne Wanderungen zu machen, während die Blätter noch in der Luft schweben. Ich nehme mir immer etwas Zeit, um mich hinzusetzen und die Blätter zu beobachten. Vor ein paar Jahren haben eine Freundin und ich ein „dumb supper” veranstaltet und beim Abendessen einen Teller für die Toten gedeckt und mit ihnen gesprochen, als wären sie im Raum.

An diesem Abend sprach ich hauptsächlich mit meiner Tante, der Katholikin, die lesbisch war und sich selbst gegenüber nicht offen dazu bekannte. Ich kann nicht behaupten, dass sie ein glückliches Leben geführt hat, und dafür mache ich meistens die Kirche verantwortlich, die ihr beigebracht hat, dass sie nicht sie selbst sein sollte. Als ich an diesem Abend mit ihr sprach, knüpfte ich an das Gespräch an, das wir an ihrem Sterbebett unterbrochen hatten, als sie mir endlich die Fragen stellte, die sie sich aus Angst nicht zu stellen getraut hatte, nämlich die zu meinem Geschlecht.

Nachdem sie gestorben war, erzählte ich ihr von meinem Leben und was ich über ihr Leben dachte und wie ihr Leben und ihr Tod mich verändert hatten. Vielleicht habe ich ihr erzählt, wie ich nach der Beerdigung zum ersten Mal seit dreißig Jahren wieder zur Beichte gegangen bin, in derselben Kirche, in der ich aufgewachsen war. Ich hätte meiner Tante vielleicht erzählt, wie ich den Priester dreißig Minuten lang über Theologie und Sünde ausgefragt habe, bevor ich bereit war, zu beichten. Wie ich ihm gesagt habe, dass ich mich für nichts entschuldigen würde, was mir nicht leid tut. Ich glaube, er dachte, ich meinte damit, dass ich eine Transfrau bin, aber ich meinte all die Ladendiebstähle, die ich in meiner Jugend in Geschäften begangen habe. Das bereue ich nicht. Ich habe nur wegen der Risikoanalyse damit aufgehört. Ich bereute auch nicht, dass ich nicht in die Kirche gegangen bin, dass ich mich nicht an der Hierarchie beteiligt habe, die die Welt gespalten hat, wie es alle Hierarchien tun, egal wie edel die Absichten ihrer Gründer auch sein mögen.

Es gab eine Menge Dinge, die mir nicht leid taten. Aber es gab auch einige Dinge, die mir leid taten, und ich glaube, ich habe meine Tante ein bisschen besser verstanden, indem ich zur Beichte gegangen bin und mit jemandem darüber gesprochen habe, inwiefern ich mein ganzes Leben lang versagt habe, mein bestes Ich zu sein.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich dem Priester erzählt habe, und ich weiß auch nicht mehr genau, was ich meiner Tante erzählt habe, als ihr Geist auf dem Stuhl saß, vor dem ein Teller mit Ravioli stand.

Das stille Abendmahl war nicht einfach. Es ist nicht leicht, einen leeren Stuhl anzusehen und die Luft darüber wie einen alten Freund anzusprechen. Ich bin froh, dass ich es getan habe, aber es war nicht einfach.

Ich denke, die meisten Zauber, echte Zauber, die einen verwandeln, sind nie einfach.

Genau wie das Ritual, das wir alle irgendwann mal machen werden, das Ritual, das uns vom Leben in den Tod führt. Das wird nicht einfach sein. Es wird schön sein, aber obwohl ich ein Goth bin, misstraue ich der Endgültigkeit, deshalb möchte ich es so viele Jahrzehnte wie möglich hinauszögern.

Ich sage den Leuten, dass ich Magie nicht oft praktiziere, weil ich daran glaube. Warum sollte ich etwas so Mächtiges einfach so in mein Leben integrieren?

Ich denke, Leaf Kick ist nach diesem Maßstab kein Ritual, keine Magie. Leaf Kick ist einfach. Ich trete gegen die Blätter, und der Welpe (der kein Welpe mehr ist) springt in die Luft, schnappt mit dem Maul und ist glücklich.

Hunde zwingen einen, wie der Herbst, sich mit dem Tod und der Verwandlung auseinanderzusetzen, denn ich schwöre, als ich das letzte Mal hinschaute, war mein Hund ein Welpe, und wenn ich blinzele, wird er ein alter Hund sein, und wenn ich noch einmal blinzele, wird er ein weniger diskreter Teil des Universums sein und auf mich warten. Jedes Mal, wenn ich ihn so fröhlich und lebendig sehe, habe ich das Gefühl, ich könnte die Zukunft und die Vergangenheit gleichzeitig sehen. Er ist ein Welpe, ein junger Hund, ein alter Hund und ein Geist zugleich, genau wie wir alle.

Jetzt ist Herbst, weil ich geblinzelt habe und der Sommer vorbei war, und ich werde blinzeln und es wird Winter, Frühling und Sommer. Es werden alle Jahreszeiten auf einmal sein, und wir können jede einzelne genießen, bevor wir wie Blätter von den Bäumen fallen.

Quelle: In Praise of Autumn and Ritual or: Margaret talks about leaves and dogs and ghosts and priests by Margaret Killjoy, 24. September 2025

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


10 Jahre Selbstorganisation, 10 Jahre Unabhängigkeit, 10 Jahre für die Menschen in Stuttgart-Ost: Stadtteilzentrum Gasparitsch

Der Flyer zeigt grafisch aufbereitet die Eckdaten zum Fest
Einladungsflyer (Vorderseite)
Das selbstverwaltete Stuttgarter Stadtteilzentrum Gasparitsch feiert mit einem Straßenfest nicht nur das eigene Jubiläum, sondern vor allem all diejenigen, die das Gasparitsch überhaupt erst möglich machen: die Nachbarschaft und ganz Stuttgart-Ost.

Kommt vorbei und feiern wir gemeinsam die vergangenen und kommenden großartigen Jahre im Stuttgarter Osten!

Samstag, 19. Oktober, 14-22 Uhr (+ Aftershow Party)
Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125, U4 Ostendplatz, U9 Raitelsberg (gegenüber der Gaststätte Friedenau)

Hier findet ihr den geplanten groben Ablauf für unser Fest… Es kann aber auch immer zu kleinen und größeren Verschiebungen kommen.

Ablauf

ab 14 Uhr:

  • Kinderprogramm
  • Kaffee & Kuchen
  • kaltes Buffet
  • Quiz
16:00 Uhr: Live-Musik mit Dave Collide (Singer/Songwriter)

ab 18:30 Uhr:
  • warmes leckeres Essen
  • bis 18:30 Uhr: Quizabgabe
ab 19:30 Uhr
  • Quizauflösung
ab 20:15 Uhr
  • Live Musik mit bellalebwohl (kantig, roh & tanzbar)
Mehr Informationen rund um das Stadtteilzentrum.

‘Don’t Mention the Children’. A poem for the children of Gaza

‘Israel bans radio advert listing names of children killed in Gaza.’ Guardian, 24 Juli 2014

Don’t mention the children.
Don’t name the dead children.
The people must not know the names
of the dead children.
The names of the children must be hidden.
The children must be nameless.
The children must leave this world
having no names.
No one must know the names of
the dead children.
No one must say the names of
the dead children.
No one must even think that the children
have names.
People must understand that it would be dangerous
to know the names of the children.
The people must be protected from
knowing the names of the children.
The names of the children could spread
like wildfire.
The people would not be safe if they knew
the names of the children.
Don’t name the dead children.
Don’t remember the dead children.
Don’t think of the dead children.
Don’t say: ‘dead children’.


A poem for the children of Gaza, by Michael Rosen


Rally marking the 10th anniversary In memory of Luke Holland - Kundgebung zum 10. Jahrestag In Erinnerung an Luke Holland

Rally
- Saturday, September 20, 2025, 4:00 p.m.
Luke Holland memorial site Ringbahnstraße corner of Walterstraße (near Neukölln S-Bahn station)


Die Grafik zeigt ein Porträt von Luke Holland über das der Text: "Remembering Luke Holland in Gedenken" steht.
Luke Holland
Luke Holland was only 31 years old. On September 20, 2015, he was murdered in the early morning by a neo-Nazi on the street in Neukölln.

Luke came from Manchester and moved to Berlin in 2014. He was murdered because he spoke English. Shortly before the crime, the murderer complained that “only English and Spanish were spoken” in the bar in front of which he committed the murder. Nazi memorabilia, weapons, ammunition, and explosives were found in his apartment. However, judges and prosecutors still did not want to establish a right-wing motive for the crime.

Luke’s father, Philip Holland, believes that Luke’s murderer also murdered Burak Bektaş in 2012 and that the lack of investigative pressure after Burak’s murder gave him the confidence to kill his son Luke as well. In the parliamentary committee of inquiry into the “Neukölln complex,” he sharply criticized the police investigations.

On the 10th anniversary of Luke’s death, we will gather at the site of his death to commemorate him. Please feel free to bring flowers and candles. No one will be forgotten!


Remembering Luke Holland 
- In Erinnerung an Luke Holland: 10. Jahrestag eines rechten Mordes in Neukölln

Kundgebung 
Samstag, 20. September 2025, 16:00 Uhr
 – Luke Holland Gedenkort Ringbahnstraße Ecke Walterstraße (Nähe S-Bahnhof Neukölln) Berlin


Luke Holland wurde nur 31 Jahre alt. Denn am 20. September 2015 wurde er am frühen Morgen von einem Neonazi auf offener Straße in Neukölln ermordet.

Luke kam aus Manchester und zog 2014 nach Berlin. Er wurde ermordet, weil er Englisch sprach. Kurz vor der Tat beschwerte sich der Mörder darüber, dass in der Bar, vor der er den Mord beging, „nur noch Englisch und Spanisch gesprochen“ werde. In seiner Wohnung wurden zahlreiche Nazi-Devotionalien, Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Ein rechtes Tatmotiv wollten Richter und Staatsanwälte aber trotzdem nicht feststellen.

Lukes Vater Philip Holland geht davon aus, dass Lukes Mörder 2012 auch Burak Bektaş ermordet hat und der fehlende Ermittlungsdruck nach dem Mord an Burak dem Verdächtigen das Selbstvertrauen gegeben hat, auch seinen Sohn Luke umzubringen. Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum „Neukölln-Komplex“ kritisierte er die polizeilichen Ermittlungen scharf.

An Lukes 10. Todestag kommen wir an der Todesstelle zusammen, um ihm zu gedenken. Bringt gerne Blumen und Kerzen mit. Niemand wird vergessen!

[Trailer zur Kundgebung bei archive.org / Youtube]

Quelle: Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş