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»Sie haben es getan und sie werden es jederzeit wieder tun, wenn es ihnen gestattet wird.« Hans Frick

VVN-BdA ganz in der Ideologie der Staatsräson angekommen 

Logo der VVN-BdA: Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung. Darunter die Abkürzung VVN-BdA
Logo der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisti:*Innen (VVN-BdA): Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung

Im Bundesverband der VVN-BdA haben die pro israelischen Kräfte nun das Sagen, denn im Verbandsblatt antifa September 2026 bespricht Stefan Dietl im Beitrag "Kooperieren statt bekriegen" das Buch "Schattenarmee - Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus 1917 bis 1947" von Hillel Cohen.

Dietls Projekt ist hauptsächlich, der AfD Antisemitismus nachzuweisen. Das ist natürlich schwierig, denn die AfD steht felsenfest an der Seite von Netanjahu, und die AfD lebt die Staatsräson. Dietl tönt, dass die AfD aber "in Wirklichkeit" antisemitisch sei, auch wenn Worte und Taten gegenüber Israel das Gegenteil zeigen. Und wer, wie die schrecklichen Freunde Israels, immer und überall Antisemitismus mit Israelkritik gleichsetzt, der muss wohl davon ausgehen, dass die AfD gar nicht antisemitisch sein kann, oder? Dietl hat dazu auch schon in der Jüdischen Allgemeine geschrieben und wurde von Werteinitiative (!) interviewt.

Aber nun zu Dietls Rezension. 

Dietl: "Seine akribische Darstellung ist dabei im besten Sinne als eine Geschichte von unten zu verstehen. Er begibt sich auf die Spur tausender Araber, die mit dem Zionismus kooperierten oder gar mit ihm sympathisierten: die Land an den Jüdischen Nationalfonds verkauften, jüdische Nachbarn unterstützten und persönliche Bande knüpften, in jüdischen Einrichtungen arbeiteten und zionistische Organisationen mit Informationen versorgten oder den zionistischen Milizen im Kampf gegen nationalistisch-islamistische Hardliner Waffen lieferten." 

Die böse Nationalbewegung war nazigesteuert, gewalttätig, islamistisch fanatisch und natürlich durch Antisemitismus hervorgerufen und motiviert, so Dietls tendenziöse Analyse. Deshalb sind die "palästinensischen Araber" (so sein Sprech) auch selbst schuld: "Ein antisemitischer Wahn, der für die Araber Palästinas schließlich in die Katastrophe führte."

Dietls Staatsräson-Fazit lautet: 

"Cohens Buch zeigt eindrücklich, dass im israelisch-arabischen Konflikt auch eine andere Entwicklung möglich gewesen wäre: eine Entwicklung des Zusammenlebens und der gemeinsamen Verbesserung der eigenen Lebensumstände. Haupthindernis dafür war auch damals schon der Antisemitismus."

Die sich dem Landraub unterordnenden Palästinenser, die froh sein können, Zivilisation und Fortschritt als Subalterne im Dienst der neuen Herren zu bekommen, mehr Kolonialismus geht wohl nicht. 

Die VVN-BDA hat sich nach dem 7. Oktober 2023 weggeduckt, hat geschwiegen und damit Kriegsverbrechen und Völkermord zugestimmt. 2026 werden Kollaboration und Kapitulation in der antifa gelobt, trotz täglich sichtbarem Unrecht in Israel, im Westjordanland und in Gaza.

Jetzt beginnt Ihr sogar, die Unterdrückung zu rechtfertigen, das ist krass.

Euer Handeln ist faktische Unterstützung von Netanjahu, Ben Gvir und all der anderen Faschisten - ja, das sind Faschisten, VVN-BDA... 


 

Die tollste Stadt in Baltimore oder: Ich habe Molly Crabapple auf einem Festival zum „Bund“ interviewt

In letzter Zeit interessiere ich mich mehr für das Schreiben dieser etwas längeren Beiträge, und die kosten mich mehr Kraft. Deshalb werde ich vielleicht nur noch 2–3 Mal im Monat etwas posten statt jede Woche – mal sehen. Danke für eure Unterstützung, das bedeutet mir unglaublich viel.

In dem Beitrag dieser Woche geht es um meinen Ausflug nach Baltimore am vergangenen Wochenende, wo ich die Autorin Molly Crabapple auf der Bühne zu ihrem Buch Here Where We Live is Our Country interviewt habe, das ihr über diesen Affiliate-Link bei einer Buchhandlung kaufen könnt, die von queeren und von den Beschäftigten selbst geführt wird. Oder ihr holt es euch in eurer Bibliothek.

Die großartigste Stadt in Baltimore

Baltimore ist im September grün, oder vielleicht sagen wir es mal so, es ist überwuchert.

Das Foto zeigt das Zentrum von Baltimore beleuchtet in der Dämmerung  während der "blauen Stunde"
Ein Panorama vom Inner Harbor in Baltimore.
Foto: Patrick Gillespie
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Die Betonlärmschutzwände, die sich rund um die Autobahn erheben, sind mit Efeu überwuchert. Wenn man von Westen hereinfährt, kommt man durch kurvige Schluchten, und die Straßenlaternen sind mit Efeu überwuchert. Die Brücken sind mit Rost, Graffiti und Efeu überwuchert. Es ist eine wunderschöne Stadt, geradezu schockierend schön.

Letzten Sonntag war ich in der Stadt, um gemeinsam mit Molly Crabapple beim Baltimore Book Festival einen Vortrag zu halten. Nach unserem Vortrag aß ich einen veganen Sloppy Joe von Red Emma’s und unterhielt mich mit alten Freunden, als jemand auf die Mitarbeiter des Bauamts hinwies, die entlang des Gehwegs Bäume pflanzten. Meinem Freund zufolge kann man, wenn man ein Haus in Baltimore besitzt, einfach bei der Stadt anrufen, und schon pflanzen sie Bäume vor deinem Haus.

Baumbestand ist einer der wichtigsten Faktoren für die Klimaresilienz von Städten (und Städte sind mit ihrer höheren Bevölkerungsdichte und geringeren Treibhausgasemissionen pro Kopf entscheidend für die Eindämmung des Klimawandels im weiteren Sinne). Betonierte, schattenlose Städte schaffen ihr eigenes Mikroklima und eine Hitzekuppel. Städte mit Baumbestand sind viel, viel kühler und können Regenwasser besser ableiten.

Natürlich sind es dank Umweltrassismus und Klassismus vor allem wohlhabendere Städte, die ihren Baumbestand erhalten.

Baltimore war, zumindest in meinem Leben, noch nie der Ort, den man als „wohlhabendere Stadt“ bezeichnen würde. Der Stadt haftet vor allem der Ruf von Armut und Gewalt an. Als die Stadt in den 1980er Jahren den Spitznamen „Charm City“ annahm, fingen die Leute an, sie „Harm City“ zu nennen. Als die Stadt 1988 den Slogan „Die Stadt, die liest“ annahm und ihn auf Parkbänke und Bushaltestellen brachte, fingen die Leute an zu sagen: „Die Stadt, die blutet.“
Anfang der 2000er Jahre entschied der Bürgermeister, dass Baltimore unter einem Übermaß an Bescheidenheit litt, und änderte den Slogan sowie die Beschriftung der Bänke in „Baltimore: die großartigste Stadt Amerikas“. Die meisten Leute schauten sich die Armut und die Mordrate an und dachten: „Na ja, das stimmt doch ganz offensichtlich nicht.“

Ich habe viel Zeit in Baltimore verbracht und ich liebe die Stadt, aber mir hat die Abwandlung „Baltimore: die großartigste Stadt in Baltimore“ immer am besten gefallen.

Baltimore ist nicht reich, aber es ist grün. Bäume erobern die Außenbezirke zurück, und die Stadt pflanzt mehr Bäume an den Gehwegen. Derzeit liegt Baltimore bei der Baumbedeckung auf Platz 19 im ganzen Land und hat doppelt so viele Bäume pro Einwohner wie Portland, Oregon.
Baltimore ist eine arme Stadt, aber es ist eine Stadt, die die Frage stellt: „Warum können wir nicht trotzdem reiche Leute haben?“ Warum können wir keine Bäume haben, warum können wir keine Sozialprogramme haben, warum können wir keinen Zugang zur Kunst haben? Warum können wir nicht zu der Stadt werden, die liest?

Und genau das tun soziale Bewegungen, echte soziale Bewegungen, von der Art, die zu Revolutionen werden können. Sie schenken armen Menschen ein reichhaltiges Leben.

Deshalb überrascht es mich nicht, dass das Buchfestival der Stadt auf der Straße neben „Red Emma’s“ stattfindet, der Buchhandlung, die nach Emma Goldman benannt ist, einer Anarchistin, die die USA während der ersten „Roten Angst“ abgeschoben haben. Denn echte soziale Bewegungen veranstalten Buchfestivals, und echte soziale Bewegungen stehen nicht außerhalb der Gesellschaft, sie nehmen an ihr teil. Sie prägen sie.


Für mich ist es leicht, Baltimore zu romantisieren. Ich bin etwa eine Stunde von der Stadt entfernt aufgewachsen, und dort habe ich gelernt, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Als ich fünfzehn oder sechzehn war, fuhren meine Freundin und ich mit dem Bus zur U-Bahn und dann zur Stadtbahn, um barfuß im Inner Harbor herumzustolzieren (meine Eltern mussten schließlich die Regel aufstellen, dass ich das Viertel nicht ohne Schuhe verlassen durfte). Als ich siebzehn war, fing ich an, Kunstunterricht bei dem Goth-Paar zu nehmen, das zu meinen Mentoren wurde: Steven Archer und Donna Lynch von der Band Ego Likeness, und ich fuhr jeden Samstag in die Stadt, um etwas über das Leben und die Kunst zu lernen.

Als ich 19 war, brach ich die Kunstschule ab und landete als Straßenkind in einer besetzten Wohnung in Towson, einem Vorort von Baltimore, der später als Geburtsort von St. Luigi Mangione berühmt wurde.

Ich lernte, ein Punk zu sein, indem ich per Anhalter in die Stadt fuhr und zu Konzerten im Keller des „Love Not Bombs“-Hauses ging.

Als ich 22 war, schrieb ich mein erstes Theorie-Zine mit dem Untertitel „Feministische Theorie für anarchistische Männer“, während ich im ersten „Red Emma’s“ saß, einem schummrig beleuchteten, aber liebevoll geschmückten Kellercafé in der St. Paul Street. Ein anarchistischer Stahlbauer hatte den Ort mit wunderschönem industriell anmutendem Schmiedeeisen und umfunktionierten Zahnrädern ausgebaut. Ich saß auf der Couch und nutzte ihre Buchhandlung als Nachschlagebibliothek. Ich habe nie etwas gekauft, und sie haben mich nie rausgeworfen.

Baltimore hat mich aufgefangen, als ich Mitte zwanzig mit gebrochenem Herzen von der Westküste zu ihr zurückkrabbelte. In einem eiskalten Winter lief ich jeden Tag die Falls Road von Fells Point in die Innenstadt entlang – so traurig wie nie zuvor in meinem Leben. Jedes Mal blieb ich vor der Edgar-Allan-Poe-Statue stehen, um mich mit einem anderen traurigen Schriftsteller auszutauschen. Wenn er es bis 40 geschafft hat, sagte ich mir, dann schaffe ich das sicher auch.


Letzten Sonntag konnte ich nach meinem Vortrag nicht allzu lange verweilen. Die Hundebetreuung war ins Wasser gefallen, und Rintrah war allein zu Hause, also wurde es ein Blitzbesuch. Als ich die Stadt verließ und auf der 83 nach Norden fuhr, versank ich in Gedanken. Ich bog in die Umgehungsstraße ein – in die falsche Richtung – und fuhr an dem Abschnitt der 695 vorbei, an dem mein Freund Darkstar vor dreiundzwanzig Jahren verblutet war.

Er starb bei einer Trunkenheitsfahrt, wie ein Arschloch, wie ein Idiot. Er war nicht immer beides, aber an einem Tag war er beides – und das war sein letzter Tag. Er starb 2003 auf dem Heimweg, nachdem er bei Kinkos Kopien seiner anarchistischen Zines erschwindelt hatte. Er schrieb von irischer Folklore inspirierte Geschichten, und wir haben einen besonderen Menschen verloren, als wir ihn an Dummheit und Arschlochverhalten verloren haben. Er hatte Bewährung bekommen, nachdem er etwa einen Monat im Gefängnis verbracht hatte, weil er sich in Michigan gegen ein paar Studentenverbindungsjungs verteidigt hatte. Er war nach Maryland zurückgeschickt worden und durfte den Ort nicht verlassen – doch dieser Reisende hatte Schwierigkeiten, an einem Ort zu leben, und kam damit schlecht zurecht.

Soweit ich weiß, verstreuten sich um zwei Uhr morgens Zines und „Natty Bo“ (das lokale Scheißbier) über die Fahrspuren, als er auf der Autobahn von der Auffahrt kommend ins Schleudern geriet.

Edgar Allan Poe starb betrunken in der Gosse in Baltimore, und Darkstar starb betrunken auf dem Bürgersteig von Baltimore, und beide schrieben wunderschöne Geschichten, und ich habe zu beiden aufgeschaut, und ich bin jetzt älter, als es beiden jemals gelungen ist.

Auch der Vater meines Freundes hat sich in Baltimore zu Tode getrunken. Einmal, während eines seiner vielen Krankenhausaufenthalte in der Innenstadt, stand er auf und ging einfach weg. Dieser Typ, in seinem Krankenhauskittel, einen Infusionsständer hinter sich herziehend, lief die paar Blocks bis zu Edgar Allan Poes Grab. Dort holte ihn das Krankenhauspersonal ein – er rauchte gerade Zigaretten und unterhielt sich mit dem Schutzpatron der Goth-Szene. Sie schleppten ihn zurück in sein Bett. Er starb ein paar Jahre später.

Ich weiß nicht, ob er selbst geschrieben hat, aber sein Sohn ist einer der besten Autoren, die ich kenne.


Früher wurde in Baltimore etwa einmal am Tag jemand ermordet. In den letzten Jahren ist die Zahl rapide gesunken, auf ein Drittel davon. Soweit ich das beurteilen kann, liegt das am Vormarsch von Lösungen für Probleme, die nicht von der Polizei kommen, darunter gemeindebasierte Interventionen, aufsuchende Sozialarbeit und Therapie. Die Polizei schreibt sich das natürlich als Verdienst zu, aber es ist nie eine gute Idee, der Polizei einfach zu glauben, und Baltimore hat eine der bekanntesten korrupten Polizeibehörden im ganzen Land.

Baltimore ist außerdem eine Genossenschaftsstadt. Überall entstehen von Arbeitnehmern geführte Genossenschaften (hier ist eine Liste von 30 davon), die daran arbeiten, die wirtschaftliche Ausbeutung zu beenden, unter der arme Gemeinden leiden. In Baltimore gibt es zwei verschiedene Eisdielen, die von den Beschäftigten und von Schwarzen geführt werden. Es gibt ein Piercing-Studio in Arbeitnehmerhand. Cafés in Arbeitnehmerhand können Kaffee servieren, der von einer Rösterei in Arbeitnehmerhand geröstet wurde. Eine Baufirma in Arbeitnehmerhand renoviert verlassene Immobilien und lässt ihre eigenen Mitarbeiter dort einziehen – so wie ich es früher als Hausbesetzer gemacht habe, nur noch einen Schritt weiter.

Und ich kann den Boom der mitarbeitergeführten Unternehmen in Baltimore auf die Truppe zurückführen, die vor mehr als zwei Jahrzehnten den ersten „Red Emma’s“-Standort in jenem Keller in der St. Paul Street eröffnet hat. Sie sind mittlerweile an ihrem vierten Standort, aber dank der Finanzierungsarbeit des Baltimore Roundtable for Economic Democracy (BRED, wie in „get that bread“) gehört ihnen das Gebäude. Heutzutage verfügt Red Emma’s über ein vollwertiges Café und Restaurant, eine zweistöckige Buchhandlung und eine freie Schule im ebenerdigen Keller. Soweit ich weiß, befindet sich der Großteil im Besitz von People of Color.

Letztendlich sind sie eine linke Buchhandlung mit breitem Spektrum, also nicht speziell und ausschließlich anarchistisch, aber sie hatten schon immer das Ziel, einen Raum zu schaffen, der sowohl einladend als auch radikal ist. Und das schaffen sie auch.

Das Baltimore Book Festival, das offizielle Festival der Stadt, findet in der Straße neben Red Emma’s statt. Das ist es, was ich an Baltimore mehr als alles andere liebe. Ich liebe eine Stadt, in der sich die Linke nicht als vom Volk getrennt sieht.

Ich kann dir keine Utopie schildern. Als ich dort war, sagte ich zu meiner Freundin: „Baltimore ist so verdammt schön“, und sie sah mich besorgt an. „Geistig oder physisch?“, fragte sie.

Sie war Aktivistin und hatte sich schon seit Jahrzehnten mit der Stadt, ihrer Politik und ihrer Regierung herumgeschlagen. Die wirtschaftliche Ausbeutung der Stadt geht weiter, und selbst trotz des dramatischen Rückgangs der Kriminalität ist sie immer noch weitaus gefährlicher als die durchschnittliche amerikanische Stadt.

„Ich meinte physisch“, sagte ich. „Aber ich schätze, beides.“


Die Anarchisten von Chicago in den 1880er Jahren und die Bundisten in Polen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hätten sich in einigen wichtigen Punkten einig gewesen (Ja zum Sozialismus, Nein zu Königen) und in anderen uneinig (die Rolle staatlicher Strukturen in der Revolution).

Beide haben – und das ist wichtig – unermüdlich daran gearbeitet, den Armen, den Verarmten, den Kämpfenden Kultur zu bringen. Das heißt: sich selbst. Wenn ich über die Chicagoer Anarchisten lese, beeindruckt es mich, wie sehr sie Kultur schätzten. Da waren Menschen, die 12 oder 14 Stunden am Tag arbeiteten, sechs Tage die Woche, und trotzdem bestanden sie darauf, dass sie Kultur verdienten, dass sie Bildung verdienten.

Mittellose Menschen finanzierten Zeitungen, die sie buchstäblich mit Radikalen auf der ganzen Welt in Kontakt brachten. Einwanderer, die in Illinois in Fabriken arbeiteten, konnten über die anarchistische Bewegung in Südamerika und in Asien lesen. Sie veranstalteten Theateraufführungen und Festivals. Sie machten Picknicks und organisierten Paraden. Sie brachten sich gegenseitig etwas bei. Und sie übten den Umgang mit Schusswaffen, marschierten gemeinsam und viele von ihnen starben gemeinsam.

Ich könnte an diesem Absatz fast nichts ändern und würde trotzdem über die Bundisten sprechen – oder über soziale Bewegungen auf der ganzen Welt, die etwas auf sich halten.

Wir schaffen Kultur und verteidigen sie dann.


Buchcover von Molly Crabapple: 'Here Where We Live Is Our Country: The Story of the Jewish Bund'. Die Illustration zeigt jüdische Widerstandskämpfer des frühen 20. Jahrhunderts vor einer großen roten Flagge mit jiddischer Aufschrift. Ein violetter Kreis markiert das Buch als New York Times Bestseller.
ISBN 9780593229453
Erschienen am 07. April 2026
Herausgegeben von One World
480 Seiten

Also bin ich am Sonntag nach Baltimore gefahren, um auf dem Buchfestival zu sprechen und mich in Nostalgie zu verlieren – und beides ist mir gelungen. Obwohl, um ehrlich zu sein: Über radikale Geschichte zu sprechen und mich in Nostalgie zu verlieren, sind zwei der Dinge, die ich am besten kann.
Ich war dort, um mit meiner Freundin Molly Crabapple zu sprechen, die ein Buch mit dem Titel Here Where We Live is Our Country herausgebracht hat, eine Geschichte des Jüdischen Arbeiterbunds. Niemand, schon gar nicht der Verlag, hatte erwartet, dass dieses antizionistische Buch über osteuropäische Geschichte ein Bestseller werden würde. Alle haben unterschätzt, wie bereit die Menschen waren, die Geschichte einer der größten Gruppen antizionistischer Juden in der Geschichte zu hören.

Molly ist Sozialdemokratin. Ich bin Anarchistin. Und wir saßen auf der Bühne und sprachen über die polnische Stadt Białystok, wo vor hundert Jahren der Bund (jüdische Sozialdemokraten) und das „Schwarze Banner“ (jüdische Anarchisten) im Kampf gegen Antisemitismus und die Herrschaft des Zaren nur rein technisch auf derselben Seite standen. Es waren zwei Gruppen, die um einen Anteil an der Revolution kämpften, um Einflussgebiete. (Spoiler: Die Bolschewiken nutzten beide als nützliche Idioten aus, verrieten beide und töteten Unmengen von Bundisten, Anarchisten und Bolschewiken gleichermaßen.)
Und mir sind die Unterschiede zwischen „Black Banner“ und dem Bund wichtig – und gleichzeitig sind sie mir egal. Je älter ich werde, desto leichter fällt es mir, versehentlich die Konflikte einer längst vergangenen Ära neu aufrollen zu wollen, aber Geschichtsforschung ist kein Wettbewerb darum, wer die besten Beweise ausgraben kann, um die eigene aktuelle Position zu untermauern. Das ist nicht das Wichtige an der Geschichte.

Das Wichtige an der Geschichte ist, dass sie uns hilft zu erkennen, woher wir kommen und woher unsere Probleme stammen. Man kann keinen Verlauf anhand eines einzigen Bezugspunkts nachzeichnen. Wenn man nur weiß, was gerade passiert, hat man keine Ahnung, wohin die Reise geht (und wenn man nur die Vergangenheit kennt, hat man überhaupt nichts Nützliches).

Erst durch die Kenntnis der Vergangenheit können wir Muster und Trends erkennen. Eine soziale Bewegung kann es nicht geben ohne – nun ja – Bewegung.

Ohne Entwicklung. Und eine Entwicklung gibt es nicht ohne Geschichte.

Was Mollys Buch wirklich gut macht – abgesehen davon, dass es ein zugängliches, aber ernsthaftes Stück Geschichtsschreibung ist –, ist, dass es eine Gegenerzählung zu den Zionisten bietet. Es präsentiert eine jüdische Geschichte, die nicht in irgendein ethnonationalistisches Völkermordprojekt verwickelt ist.

Ich bin kein Jude, aber so viele Menschen, die ich liebe – sowohl Familie als auch Freunde – sind es. In den ersten Jahren meines Podcasts habe ich mich stark auf Osteuropa konzentriert, und die Geschichte der Linken ist seit der Gründung der modernen Linken eng mit der jüdischen Geschichte verwoben.
Viele der ersten Linken aller Strömungen waren antisemitisch oder begannen ihre linke Laufbahn zumindest als Antisemiten. Seht ihr, jahrhundertelang waren Juden die Sündenböcke der Reichen gewesen. David Graeber spricht darüber in der Einleitung zu seinem Buch Debt: Im Grunde war Geldverleih für mittelalterliche Christen eine Sünde, daher gehörten Juden, denen die meisten anderen Tätigkeiten verwehrt waren, zu den wenigen, die Geld verleihen konnten. Und ihnen waren die meisten anderen Berufe verboten. Immer wenn die Armen dann anfingen, über ihre Armut zu murren, sagte der Adel: „Gebt den Juden die Schuld“, und es kam zu entsetzlicher Gewalt gegen die Juden.

Der eigentliche Klassenfeind, das Königshaus, blieb unangefochten.

Dann, im frühen 19. Jahrhundert, wurde die europäische Linke vom Nationalismus mitgerissen (und hat ihn im Grunde selbst erfunden). Überall gab es diese großen Reiche, die multikulturell waren (wenn auch nicht gerade egalitär). Die Osmanen, die Russen – sie nahmen gerne deine Steuern ein, egal welcher ethnischen Gruppe du angehörtest oder welchen Glauben du ausübtest. Viele frühe linke Bewegungen waren also Nationalisten, die „Polen den Polen“ oder Ähnliches forderten, weil es wie eine gute Alternative zur imperialen Herrschaft klang.

Aber die Juden waren ein Volk ohne Heimat, daher ergab das nationalistische Projekt für sie nicht so viel Sinn. Sie lebten schon seit Jahrhunderten an diesen verschiedenen Orten, und viele von ihnen dachten: „Nun, hier, wo ich lebe, ist mein Land.“ Allein durch ihre Existenz erschwerten sie somit das nationalistische Projekt, die Welt in Ethnostaaten aufzuteilen. Der Zionismus war im Wesentlichen die Bereitschaft, sich diesem Projekt anzuschließen, sich dem antisemitischen Drang des europäischen Nationalismus zu beugen.

Antizionistische Juden, wie der Bund, über den Molly schreibt, sagten stattdessen: „Was wäre, wenn niemand einen Ethnostaat bekäme? Was wäre, wenn wir einfach weiterhin multikulturell leben würden, aber ohne ein ausbeuterisches, tyrannisches Imperium?“

Der linke Nationalismus war die entstehende Form des Linken. Der Internationalismus war seine ausgereifte Form. Und damit das Linke erwachsen werden konnte, musste es von einer der staatenlosen Gruppen Europas geprägt werden – es musste von den Juden geprägt werden.

Zionismus und Ethnonationalismus hätten sich jeder ausdenken können (und tatsächlich waren viele frühe Zionisten keine Juden, sondern wollten einfach nur, dass die Juden Europa verlassen). Antizionismus und Internationalismus – das waren Ideen, die aus der einzigartigen jüdischen Erfahrung hervorgingen.


Es war schön, mit Molly auf der Bühne zu stehen und sie über den Bund zu interviewen, über Geschichte zu sprechen und darüber, warum sie für uns heute wichtig ist. Das Zelt war brechend voll, und die Hälfte der Fragen drehte sich um den direkten Einfluss des Bunds auf die moderne amerikanische Politik.
Die Vergangenheit lebt, und sie ist wichtig.

Es war schön, danach auf dem Bürgersteig zu stehen, auf der Straße, die neben der nach Emma Goldman (selbst eine osteuropäische Jüdin) benannten Buchhandlung gesperrt worden war, und das Gefühl zu haben, Teil der Fortsetzung eines großartigen und langjährigen Projekts zu sein – des Projekts, uns selbst Kultur zu schaffen.

Das ist letztendlich alles, was wir tun können. Wir können darauf bestehen, dass wir schöne Dinge haben können, und wir können schöne Dinge für uns selbst schaffen, und wir können versuchen, diese Dinge zu verteidigen. Und ich habe meinen Sloppy Joe gegessen und mich mit alten Freunden unterhalten, habe zugesehen, wie in Baltimore Bäume gepflanzt wurden, und bin dann nach Westen in die Berge gefahren, wo ich überhaupt nicht viel über andere Menschen nachdenken muss. Mein Hund hat sich gefreut, mich zu sehen.


Quelle: "The Greatest City in Baltimore or: I interviewed Molly Crabapple about the Bund at a festival" von Margaret Killjoy, 23. September 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Molly Crabapple ist eine in New York lebende Künstlerin und Autorin. Sie ist Autorin von zwei Büchern, Drawing Blood und Brothers of the Gun (zusammen mit Marwan Hisham), das auf der Longlist für den National Book Award stand. Sie war 2020 New America Fellow, und ihre Reportage wurde mit dem Bernhard-Preis für Journalismus ausgezeichnet und wurde

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Faschismus kommt nicht überraschend und fällt auch nicht vom Himmel: Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus

Mit ihren Theorien zum Totalitarismus richtete Hannah Arendt den Blick auf die Wirkungsweisen totalitärer Herrschaft und auf die Voraussetzungen politischen Handelns. Kontroverse Debatten löste 1963 ihr Buch über den Eichmann-Prozess aus. Im Gespräch mit Günter Gaus spricht Arendt unter anderem über ihre Sicht auf Eichmann als kleingeistigen „Hanswurst“ im Räderwerk des Nationalsozialismus.

Die jüdisch-deutsche Publizistin Hannah Arendt (1906–1975), die 1933 über Paris in die USA emigrierte, lehnte die Bezeichnung „Philosophin“ für sich selbst ab. Auch im Interview mit Günter Gaus von 1963, das im ZDF am 28. Oktober 1964 ausgestrahlt wurde, zieht Arendt es vor, ihre Arbeiten als Beitrag zur politischen Theorie zu verstehen: Der Mensch ist für sie nicht nur ein denkendes, sondern immer auch ein handelndes Wesen.

Im Gespräch spricht Arendt über ihre Jugend in Deutschland bis zum Reichstagsbrand 1933, über ihre Hinwendung zur politischen Opposition und ihre Emigration, über die Gleichschaltung der Intellektuellen im nationalsozialistischen Deutschland, über ihr bewusstes Festhalten an der deutschen Sprache und über Auschwitz als einen Zivilisationsbruch, nach dem von „Wiedergutmachung“ nicht mehr im eigentlichen Sinne gesprochen werden könne. Breiten Raum nehmen außerdem ihr Verhältnis zum Nachkriegsdeutschland, die Kritik an ihrem Bericht über den Eichmann-Prozess und ihr Werk Vita activa ein.

Mehr als sechzig Jahre später gewinnt dieses Gespräch eine bedrückende Aktualität. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 erhielt die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Sie gewann 38 der 41 Direktmandate. Von einer politischen Entwicklung, die plötzlich und unerwartet über das Land hereingebrochen wäre, kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Stärke der AfD ist weder über Nacht entstanden noch war sie vor der Wahl verborgen.

Gerade deshalb erscheint ein Gedanke Arendts aus dem Gespräch bemerkenswert: ihre Skepsis gegenüber der nachträglichen Behauptung, historische Entwicklungen seien vollkommen überraschend gekommen. Politische Verhältnisse entstehen nicht außerhalb der Gesellschaft. Sie werden vorbereitet, normalisiert, hingenommen, unterstützt oder bekämpft – durch Institutionen, öffentliche Debatten und durch das Handeln oder Nichthandeln von Menschen.

Wer angesichts des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt vor allem von einer „Überraschung“ spricht, läuft daher Gefahr, den Blick auf die lange Vorgeschichte zu verstellen. Seit Jahren waren die politischen Positionen der AfD, ihre zunehmende Stärke und ihre Verankerung insbesondere in Teilen Ostdeutschlands öffentlich sichtbar. Überraschend mag die Höhe des Ergebnisses für manche gewesen sein. Dass eine solche Entwicklung möglich war, war es nicht.

Das macht Arendts Gespräch nicht zu einem Kommentar über eine Partei, die zu ihren Lebzeiten nicht existierte. Aber ihre Überlegungen über politische Verantwortung, Anpassung, Urteilsfähigkeit und die Rolle des Einzelnen in gesellschaftlichen Prozessen bieten einen Anlass, genauer hinzusehen – gerade dann, wenn politische Entwicklungen im Nachhinein als etwas dargestellt werden, das niemand habe kommen sehen können.

(Mit Informationen des ZDF: Gaus, Günter. 1964. Zur Person: Hannah Arendt)

 

A/I shuts down - Stay human

Zentral steht ein großer Textblock mit der Überschrift 'GOODBYE A/I'. Darunter folgt in schwarzer Schrift auf beigem Hintergrund die Mitteilung, dass Autistici/Inventati neunzehn Tage vor der Frist eingestellt wird. Rechts daneben befindet sich eine stilisierte Kalendergrafik. Im oberen rechten Bereich steht ein rot unterlegtes Logo mit dem Schriftzug 'NOBLOGS' und dem Zusatz 'Welcome to A/I'. Am unteren Rand sind weitere Informationen und Logos abgebildet, darunter 'sabot.media', der Hinweis auf einen vollständigen Artikel sowie auf ein kostenloses Buch.

An dem Tag, als wir erfuhren, dass wir als globale Terrororganisation eingestuft worden waren, haben wir versprochen, dass wir versuchen würden, so lange wie möglich Widerstand zu leisten, dass wir nicht nachgeben würden, solange wir noch Möglichkeiten sähen, unsere Position zu verteidigen. Seit Jahren pflegen und verteidigen wir stolz eine freie, datenschutzfreundliche, autonome und politisch engagierte Infrastruktur.

„Bleibt menschlich“ ist für uns keine leere Floskel.

Es bedeutet vor allem, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Nutzer*innen zu schützen – jene, die die menschlichen Netzwerke aufbauen, auf die wir uns verlassen, und die Gemeinschaften, die uns mit Botschaften der Unterstützung und Solidarität überschüttet haben.

Wir können uns nicht auf einen Kampf einlassen oder uns Manipulationen aussetzen, die das Leben dieser Menschen und ihrer Angehörigen bedrohen und sie der Gnade von Autokraten, Faschisten und Behörden ausliefern, die extralegale Maßnahmen ergreifen. Die Möglichkeit, dass unsere Arbeit rechtliche und finanzielle Konsequenzen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die uns nahestehen – oder auch nur irgendetwas mit uns zu tun haben –, lässt uns keine andere Wahl.

A/I wird geschlossen. Das Kollektiv Autistici/Inventati löst sich auf und wird in Kürze alle von uns angebotenen Dienste einstellen.

Es gibt keinen einfachen Weg, dies anzukündigen oder zu erklären

Jeder Tag, an dem wir nach dem 26. August 2026 online geblieben sind, war ein Sieg, doch nun sind wir gezwungen, aufzuhören.

Keiner von uns hält heldenhafte Gesten und Märtyrer für besonders bewundernswert, daher werden wir keine Opfer verlangen. Weder von uns noch von irgendjemand anderem. In diesem politischen Klima gefährdet die Fortsetzung unserer Dienste unsere Nutzer und alle, die Teil unserer Gemeinschaften sind. In einer Welt, in der Anschuldigungen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, können wir nur damit rechnen, dass die Repressionen zunehmend unverhältnismäßig ausfallen werden. Unter diesen Umständen sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche Mission aufrechtzuerhalten – nämlich sichere und nichtkommerzielle digitale Tools anzubieten.

Diese 25 Jahre waren fantastisch. Es war eine „unglaubliche Reise“.

Schaltet jetzt eure PCs aus, geht raus aus euren Wohnungen, kämpft, umarmt euch und hört nicht auf zu lächeln. Wir hören auf, aber der Widerstand und die Ideen hören nicht auf. Bleibt menschlich.

Wir werden euch bald Anleitungen schicken, wie ihr den Inhalt eurer Blogs, E-Mail-Postfächer und Websites sichern könnt, zusammen mit weiteren technischen Empfehlungen. Aber denkt daran: Genauso wie die Domain autistici.org ohne Vorwarnung unerreichbar gemacht wurde, könnten wir in den nächsten Tagen ähnliche Probleme erleben, die wir vielleicht nicht vorhersehen können.

 

Autistici/Inventati-Kollektiv

Quelle: keepitfree.ai, 6. September 2026

Wikipedia zu Autistici/Inventati
Listung in den USA

Eigene Übersetzung, Danke an Thomas für die Links


 

Die Rückeroberung der Macht durch das Volk oder: Margaret schreibt ein bisschen Theorie

Seit ein paar Wochen schreibe ich nun schon in meinem Geschichts-Podcast über Flock-Kameras und ganz allgemein über den Kampf gegen automatische Kennzeichenlesegeräte.

Ich erzähle dabei, wie das Ganze eigentlich nur um gestohlene Autos dreht: Die erste ALPR-gestützte Festnahme betraf einen Autodieb in London, vor etwa dreißig Jahren, und „Autodiebe fangen“ ist die Hauptbegründung, die von den Polizeichefs vorgebracht wird, die genervt sind, dass niemand in einem Überwachungsstaat leben will; die ersten amerikanischen Datenbanken mit ALPR-Daten wurden vor etwa zwanzig Jahren von Pfändungsbeamten aufgebaut, während sie herumfuhren und nach Autos suchten, die sie legal von den ärmsten Menschen unserer Gesellschaft stehlen konnten; und die Finanzierung der ALPRs stammte vor der Ära der massiven Bundeszuschüsse größtenteils aus dem Geld, das die örtliche Polizei durch „zivilrechtliche Vermögensbeschlagnahmung“ einnahm – also genau das Zeug, das die Bullen den Leuten gestohlen haben, wie zum Beispiel Autos.

ALPRs existieren also „um Autodiebe zu fangen“, haben ihren Ursprung aber größtenteils im legalen Autodiebstahl. Tolle Sache.

ALPRs sind derzeit äußerst unbeliebt, und Flock-Kameras werden landesweit und quer durch das politische Spektrum in bemerkenswertem Tempo von Vandalen zerstört. Und genau dieselben Politiker, die ihre Finanzierung und Installation beaufsichtigt haben, prangern nun die Systeme an, zu deren Einführung sie beigetragen haben. (DeSantis in Florida sagt, Flock-Kameras seien „außer Kontrolle“, während Abbott in Texas staatliche Zuschüsse für die Kameras

Im Großen und Ganzen wechseln Städte, die ihre Verträge mit Flock kündigen, einfach zu dessen Konkurrenten, Axon. Denn unser politisches System ist darauf ausgelegt, die Empörung der Bevölkerung in milde Reformen umzuwandeln, die den Status quo nicht grundlegend in Frage stellen.

Sprechen wir also darüber.


Du hast wahrscheinlich schon mal die wirtschaftliche Maxime „Arbeit schafft allen Reichtum“ gehört. Die Idee dahinter ist einfach: Es sind die Menschen, die Dinge herstellen und Arbeit leisten, die wirtschaftlichen Wert schaffen. Chefs bauen keine Flugzeuge, das machen Mechaniker. Maurer bauen Villen, nicht Milliardäre.

Es stimmt auch, dass alle politische Macht vom Volk nach oben fließt. Das ist in einer Demokratie selbstverständlich: Politiker erhalten ihre Macht nur durch die Menschen, die für sie stimmen. Aber das gilt für jedes politische System, und gelegentlich holen die Menschen eine Guillotine hervor und erinnern ihre Herrscher daran, wo die Macht liegt.

Die Menschen wollen viele verschiedene Dinge. Eine Achse, entlang derer man die Menschen einteilen kann, ist die klassische Links-Rechts-Achse, mit Sozialisten (im weitesten Sinne, einschließlich Kommunisten, Anarchisten und anderen) auf der linken Seite, dann den Progressiven, dann den Zentristen, dann den Konservativen und schließlich den Faschisten. (Es gibt noch andere Möglichkeiten, Politik einzuordnen, aber das reicht fürs Erste). Das Volk selbst, die Macht des Volkes, könnte so aussehen:

Waagerechtes politisches Spektrum von Sozialisten und Progressiven links über eine markierte Mitte zu Konservativen und Faschisten rechts.

Ich habe die Gemäßigten weggelassen, weil mir der Platz ausgegangen ist. Die werden schon darüber hinwegkommen.

Unsere Macht fließt nach oben, und in einer demokratischen Gesellschaft wie der unseren befähigt diese Macht dann die politischen Parteien, denen anvertraut ist, unsere Wünsche umzusetzen. Die Parteien dienen als vermittelnde Kraft, als mäßigende Kraft. Diese höhere Ebene der Macht können wir in diesem Zusammenhang als „politische Macht“ bezeichnen.

Es gibt natürlich Argumente für dieses System. Wild auseinandergehende Ideen und Extreme werden ausgeglichen. Die Ecken und Kanten werden geglättet, und wir können besser miteinander leben, ohne uns über alles zu streiten. Vielleicht haben die Gemäßigten doch recht.

Aber diese Vermittlung bedeutet auch, dass die Macht des Volkes abgeschwächt wird und der Gesellschaft die Fähigkeit genommen wird, dramatische Veränderungen herbeizuführen.

Infolgedessen bleiben grundlegende Probleme des Systems unberührt (sodass Themen wie „eine angeblich demokratische Nation zu sein, die auf Völkermord und Sklaverei aufgebaut ist“ nur schwer sinnvoll angegangen werden können). Außerdem ist es unmöglich, schnell auf Krisen zu reagieren, die einen grundlegenden Wandel in Ethik und Wirtschaft erfordern. Das bestehende System scheint beispielsweise nicht in der Lage zu sein, den Klimawandel in einem akzeptablen Zeitrahmen sinnvoll anzugehen.

Populistische Macht drückt sich auf eine von zwei Arten aus: direkt oder indirekt. Direktes Handeln umgeht vermittelnde Instanzen wie das politische System und bedeutet, Probleme einfach direkt anzugehen, Dinge direkt zu verändern und die Menschen dann dazu aufzufordern, diese Veränderung zu akzeptieren. Indirektes Handeln ist der Versuch, Druck auf das bestehende politische System auszuüben, damit es sich ändert.

Du kannst heute selbst die Schlaglöcher auf der Straße füllen oder du kannst Druck auf die Stadt ausüben, damit sie es irgendwann tut. Beides hat seine Vorteile. Direkte Aktionen bringen die Sache auf den Weg. Die indirekte Methode – falls sie überhaupt funktioniert – könnte bedeuten, dass Fachleute die Sache besser erledigen, als du es hättest tun können, und es besteht sogar die Chance, dass du die Stadt dazu bringen kannst, den Schlaglöchern auf systemischer Ebene mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das würde allerdings eine Veränderung des Status quo erfordern, also wahrscheinlich eher nicht.

Politische Parteien lassen sich ihrerseits in zwei Kategorien einteilen. Die eine ist die, die wir aus den Vereinigten Staaten kennen: Parteien können rekuperativ sein. Rekuperation ist in diesem Zusammenhang der Prozess, durch den das politische System die Macht des Volkes in politische Macht umlenkt, wodurch der Status quo letztlich unangefochten bleibt oder nur geringfügig verändert wird.

Es kann sich aber auch um revolutionäre Parteien handeln, die sich der Umgestaltung der Macht und dem Bruch mit dem Status quo verschrieben haben. Das ist auch nicht von Natur aus gut – siehe die moderne Republikanische Partei.

Aber natürlich: Wenn alle Parteien in einem politischen System rekuperative Parteien sind, kann nur direkte Aktion groß angelegte Veränderungen bewirken.

Die meiste Zeit meines Lebens war das die politische Situation in den Vereinigten Staaten. Es gab zwei politische Parteien, die beide rekuperativ waren. Jede war die loyale Opposition der anderen, jede war darauf bedacht, den Status quo mit nur schrittweisen Verschiebungen aufrechtzuerhalten.

Die Demokraten waren eine Partei der Mitte, während die Republikaner Mitte-rechts standen.

Nach der alten Vorgehensweise wurde der größte Teil der Macht des Volkes in politische Macht umgewandelt, doch die linken und rechten Flügel des Spektrums strebten oft nach größeren Veränderungen, als es der Status quo zuließ, und griffen daher sowohl auf direkte als auch auf indirekte Aktionen zurück. Man könnte es sich so vorstellen:

Politisches Spektrum von Sozialisten bis Faschisten mit Demokraten und Republikanern nahe der Mitte. Eine obere Linie markiert die Grenze des Status quo; Pfeile veranschaulichen politische Bewegungen innerhalb und über diese Grenze hinaus.

Diese Grafiken sind nicht besonders gut, aber ich habe mir den Finger gebrochen, daher ist das das Beste, was ich hinbekomme.

Als Mussolini den Faschismus erfand, war es sein konkretes Ziel, die revolutionäre Strategie und das Ethos der Linken zu übernehmen und auf die rechte Politik anzuwenden. Das heißt, er entwickelte die Idee der rechtsgerichteten revolutionären Partei – einer Partei, die dazu dienen sollte, die rechtspopulistische Macht auf eine radikale Umgestaltung des Status quo zu bündeln.

Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich die Republikanische Partei von einer rekuperativen Partei zu einer revolutionären Partei gewandelt. Da es sich um eine rechtsgerichtete revolutionäre Partei handelt, bedeutet das, dass sie faschistisch ist. Aber sie ist immer noch eine vermittelnde Kraft. Sie ist nicht der direkte Wille des Volkes. Eine revolutionäre Partei ist eine Struktur, die populistische Macht zu revolutionärer politischer Macht organisiert. Daher werden einige populistische Forderungen weiterhin in den Status quo eingebunden – der rechtspopulistische Widerstand gegen Flock wird wahrscheinlich eingedämmt und wird keinen bedeutenden, dauerhaften Einfluss auf den Überwachungsstaat haben.

Die politische Lage sieht nun also eher so aus: Die Tatsache, dass rechtspopulistische Macht mittlerweile durch den Staat gefiltert wird, ist überall zu beobachten. Die „Proud Boys“ waren früher eine Direaktionsgruppe, doch jetzt dienen sie dem Staat – vor allem, indem sie zu ICE-Agenten geworden sind. Unterdessen wird die konservative Empörung darüber, dass sich „die Dinge ändern“ und „das Leben schlechter wird“, in Fremdenfeindlichkeit und Transphobie kanalisiert – weg von Themen wie „Milliardärs-Pädophile regieren die Welt“, einem Thema, das allen Menschen über das gesamte politische Spektrum hinweg am Herzen liegt.

Die Linke hat in diesem Land seit mindestens hundert Jahren keine eigene politische Partei (weder eine, die das System für sich nutzt, noch eine revolutionäre) mehr gehabt (obwohl die Demokraten unter FDR dem am nächsten kamen). Höchstwahrscheinlich hängt das mit der Struktur unserer Demokratie zusammen, die von anderen westlichen Demokratien weitgehend als primitiv angesehen wird – wir sind strukturell so aufgebaut, dass ein Zweiparteiensystem gefördert wird.

Die „Democratic Socialists of America“ (DSA) haben kürzlich einen kühnen Vorschlag gemacht: Was wäre, wenn die Demokraten tatsächlich die Progressiven und Linken vertreten würden, anstatt nur ihre Stimmen und ihr Geld einzustecken? Es ist ein lohnenswertes Experiment, und ich wünsche ihnen viel Glück dabei, auch wenn die Geschichte darauf hindeutet, dass demokratische Sozialisten eher als rekuperative denn als revolutionäre Kraft wirken. Allerdings hat New York City sicherlich viel dafür getan, Schlaglöcher zu füllen, seit es einen DSA-Bürgermeister hat.

Linke revolutionäre Parteien gab es natürlich schon vor dem Faschismus. Mussolini begann als Kommunist. Aber es ist möglich, dass revolutionäre Parteien (also Systeme, die die Macht des Volkes vermitteln und in politische Macht umlenken) von Natur aus zum Autoritarismus neigen. Sicherlich haben die meisten Beispiele, die wir von rechts- und linksgerichteten revolutionären Parteien haben, die an die Macht kamen, zu autoritären Exzessen geführt.

Vielleicht wäre es besser, wenn revolutionäre populistische Energie gar nicht erst in eine Partei kanalisiert würde. Der Ansatz der Anarchisten war schon immer, die Umwandlung von Volksmacht in politische Macht abzulehnen – zumindest innerhalb des derzeitigen staatlichen Rahmens.

Aber der Begriff „Populismus“ hat seine eigene Last und negative Geschichte. Es scheint wahrscheinlich, dass wir Strukturen in unserer Gesellschaft brauchen, um die schlimmsten Auswüchse der menschlichen Natur zu verhindern (und deren beste Aspekte zu fördern). Wir brauchen Strukturen, nur eben kooperative. Wir brauchen politische Macht, die keine politische Macht ist. Wir brauchen revolutionäre Parteien, die die Macht des Volkes nicht vermitteln, sondern sie einfach organisieren.

Wir haben Beispiele dafür gesehen, im Laufe der Geschichte und auf der ganzen Welt. Wir haben gesehen, wie einige der indigenen Bewohner Nordamerikas wahrhaft demokratische Strukturen praktiziert haben und riesige Konföderationen schufen, die darauf ausgelegt waren, Vielfalt zu respektieren und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt zu fördern. Wir haben gesehen, wie die Menschen in Chiapas ihre traditionellen antiautoritären Werte anwandten, um eine revolutionäre kommunistische Armee zu dem zu formen, was wir heute als die Zapatisten kennen. Wir haben gesehen, wie die Kurden den demokratischen Konföderalismus entwickelt haben und nach seinen Prinzipien leben. Wir haben gesehen, wie die Anarchosyndikalisten im revolutionären Spanien Millionen von Menschen ernährten und gleichzeitig einen faschistischen Putsch abwehrten.

Es ist machbar.

Aber lasst euch in der Zwischenzeit von keiner der Parteien einreden, dass ihr einfach nur Flock-Safety-Kameras gegen Axon-Kameras austauschen könnt.

Der bessere Weg, politische Macht zu beeinflussen, besteht darin, sie zu zwingen, zu euch aufzuschließen. Bettelt nicht am Tisch um Krümel. Versorgt euch selbst und andere, und zwingt die Parteien dazu, sich an dem beteiligen zu wollen, was ihr bereits tut.

Wie Malatesta es vor hundert Jahren so treffend formulierte:

„Wir werden die Institutionen niemals anerkennen; wir werden alle möglichen Reformen mit demselben Geist erobern oder erringen, mit dem man dem Feind besetztes Gebiet entreißt, um weiter voranzukommen.“

Quelle:  "The Recuperation of Popular Power or: Margaret writes some Theory" von Margaret Killjoy, 04. September 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

21.7. Film & Q&A - "Nestwärme - mein Opa, der Nationalsozialismus und ich"

Ein vererbter Familienschatz an Fotos und Filmaufnahmen zeigen den Großvater in den 1940er-Jahren, in einem der Filmausschnitte am Jackenaufschlag ein Hakenkreuz. Wie verändert sich der Blick auf einen geliebten Menschen durch ein Symbol, das für millionenfaches Morden steht? Wieiviel wissen wir über unsere Großeltern und wie lässt sich ein Puzzle aus Fotos und Filmaufnahmen, Erinnerungen und Familiennarrativen sowie Archivalien zu einem kohärenten Bild zusammensetzen, wo sich das Scharnier aus Geschichte und Familiengeschichte zusammenfindet? Ein Ringen um die Erinnerung.

Produktion: Filmuniversität I Film University Babelsberg KONRAD WOLF, Marlene-Dietrich-Allee 11, D-14482 Potsdam

Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit dem Filmemacher Eric Esser.

Dienstag, 21.07.2026, 19 Uhr
Ort: Raum für Beteiligung im Hubertusbad Hubertusstraße 47 10365 Berlin
Anmeldung: mitmachen@licht-blicke.org

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe zum Thema Nationalsozialismus und Familiengeschichte, organisiert vom Runden Tisch für Politische Bildung Lichtenberg in Kooperation mit dem Antisemitismusbeauftragten Lichtenbergs.


Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, verschwörungsideologische, antifeministische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zugang zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


 

„Es ist doch nur Sport“, sage ich mir mit einem nervösen Lachen oder: Es geht einfach nur um gesellschaftliche Akzeptanz

Vor vielleicht fünf Jahren habe ich mich dem Typen, der meine Klärgrube in den ländlichen Appalachen gereinigt hat, als Transperson geoutet. Wir hatten uns schon ein paar Stunden unterhalten, weil ich neugierig war, wie Klärgruben funktionieren, und weil ich ziemlich froh war, den angesammelten Mist der Vorbesitzer meines Hauses loszuwerden. Wir redeten hauptsächlich darüber, Prepper zu sein und Fahrzeuge in Wohnräume umzubauen … Ich hatte meinen Van, er hatte einen Krankenwagen. Er fand heraus, dass ich in einer Band war, also fragte er, in welcher, und ich sagte ihm Feminazgul. Um den Namen zu erklären, erzählte ich ihm, dass ich trans bin.

„Oh, also bist du sozusagen eine Tussi, wenn du ausgehst?“

Nun höre ich in meinem Alltag das Wort „Tussi“ nicht allzu oft. Aber ich nehme an, ich bin eine, wenn ich ausgehe. Und wenn ich zu Hause bin. Aber ich trug schwarze Jeans und ein ärmelloses Shirt, denn ich bin vielleicht eine Tussi, aber wenn schon, dann bin ich eine Punk-Tussi.

Ich hatte keine Lust zu streiten, also sagte ich: „Ja, im Grunde schon“, und wir redeten eine Weile darüber.

„Was ist deine Meinung – oder besser gesagt, die Meinung der Trans-Community – zu Trans-Menschen im Sport?“, fragte er.

Ich dachte einen Moment darüber nach und sagte dann zu ihm: „Das ist eine Ablenkung. Es ist ein Streitpunkt, den sie nutzen können, um die Leute gegen uns aufzuhetzen.“

„Oh“, sagte er und dachte darüber nach, während ein zweihundert Fuß langer Schlauch Abwasser aus meinem Hinterhof in seinen Lkw saugte. „Das leuchtet ein.“

Später, als ich die Rechnung bezahlte, fragte er mich: „Also … weiß deine Freundin, dass du eine Frau bist?“

„Ja, das weiß sie“, sagte ich.

„Wow“, sagte er. „Ihr seid also so was wie Lesben?“

„Das sind wir.“

„Das ist cool, meine Cousine ist auch lesbisch.“



Meistens, wenn ich über diese Geschichte nachdenke, ist es eine Geschichte über Akzeptanz auf dem Land. Es ist eine Geschichte darüber, dass es den meisten Leuten – zumindest den armen Leuten in den Appalachen – eigentlich völlig egal ist, was du tust. Es ist eine Geschichte über einen lustigen, aber freundlichen kleinen Kulturkonflikt, wenn man in einem abgelegenen Tal lebt.

Sport, das kann ich mir einreden, spielt keine Rolle. Ich bin nicht mit Sport aufgewachsen – ich bin mit Büchern aufgewachsen.



Das Sharepic zeigt Becky Pepper-Jackson vor dem Capitol in Washington D.C. sowie den Text in der Bildunterschrift.
"Meine Rechte und mein Leben wurden von Politikern diskutiert, die mich noch nie getroffen haben. Niemand sollte so behandelt werden, wie ich und viele andere Transgender-Kinder heute in diesem Land behandelt werden."


Becky Pepper-Jackson, ACLU-Klägerin im Fall „West Virginia gegen B.P.J.“ vor dem Obersten Gerichtshof
Foto: ACLU

Das sollte aber keine Entweder-oder-Sache sein. Gestern hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass Bundesstaaten Transmädchen vom Mädchensport ausschließen dürfen, und vieles davon dreht sich um ein Mädchen aus West Virginia, Becky Pepper-Jackson, die gar nie eine „männliche“ Pubertät durchgemacht hat und einfach nur in ihrer Mittelschule Leichtathletik betreiben wollte. In der Highschool, als Neuntklässlerin, belegte sie nach Jahren harter Arbeit und Training – dank ihrer angeborenen männlichen Überlegenheit (das ist Sarkasmus) – den dritten Platz im Diskuswerfen und den achten Platz im Kugelstoßen.

Sie ist die drittbeste Schülerin in West Virginia darin, sich im Kreis zu drehen und einen Frisbee loszulassen, und sie ist die achtbeste darin, einen schweren Gegenstand zu werfen – also müssen wir die anderen Mädchen vor ihr schützen.



Letztes Wochenende unterhielt ich mich mit jemandem, einem Mann aus dem Mittleren Westen Ende 60, der für seine drei Kinder Mädchenfußball trainiert hatte. Die Weltmeisterschaft lief gerade, und er fragte mich, ob ich Sport verfolge.

Ich bin gerne ehrlich, wenn es irgendwie geht. Ich sagte ihm, dass ich als Kind keinen Sport getrieben habe.

Ich verfiel in meine übliche Abwehrhaltung: „Wir sind stattdessen in die Bibliothek gegangen“, was stimmt. Und ich erzählte ihm meine übliche Geschichte: „Im Sportunterricht in der Highschool saß ich mit den anderen Mädchen in der Ecke, wir lackierten uns die Nägel und machten nicht mit“, was ebenfalls stimmt. Beides klang für mich nach niedlichen, unschuldigen Geschichten. Einfache Wege, um zu erklären, wer ich heute bin.

„Das ist schade“, sagte er. Das war mir noch nie bewusst geworden.

„Ach?“, fragte ich.

„Es ist schade, dass dir diese Erfahrung von Zusammengehörigkeit, von Teamwork und Erfolg gefehlt hat.“

Mir wurde klar, dass ich diese Liste der Dinge, die mir entgangen waren, noch weiter hätte ausbauen können. Mir fehlte die Erfahrung, meinen Körper kennenzulernen, meine Grenzen und Stärken zu entdecken.

Denn die Wahrheit ist: Als Kind habe ich es geliebt, Sport zu treiben – wenn ich sozial damit zurechtkam. Der einzige Grund, warum ich nicht mitgemacht habe, war, dass ich regelmäßig verspottet und angegriffen wurde. Das höfliche Wort dafür lautet „gemobbt“. Ich hatte mich nicht dafür entschieden, außerhalb der Gesellschaft zu stehen – ich war ausgestoßen worden.

Außerdem war ich schlecht im Sport, aber das ist ein echtes Henne-Ei-Problem.

Rückblickend scheint es mir, dass Jungen und Mädchen einander instinktiv erkennen, und ich gehörte nicht zu den Jungen – das wussten wir alle –, und die einzigen Mädchen, die mich aufnahmen, trugen Marilyn-Manson-Shirts und große, klobige Stiefel, saßen in der Ecke und starrten alle finster an. Also tat ich das auch, und diese Mädchen haben mir das Leben gerettet. Emily ist vor ein paar Jahren an Krebs gestorben, und ich weiß nicht, was aus Valerie oder Maria geworden ist. Zwei der anderen sind immer noch meine Freundinnen, eine ist Aktivistin gegen die ICE und eine andere ist meine Mitstreiterin bei Strangers in a Tangled Wilderness.



Wir Sonderlinge haben sogar manchmal Sport getrieben, wenn auch nie in der Schule. Wir schnallten uns Inlineskates an und spielten Straßenhockey auf den Tennisplätzen, und wir haben uns nicht nach Geschlecht getrennt und auch diejenigen von uns (wie mich), die darin furchtbar schlecht waren, nicht ausgeschlossen. Ich gebe zu, als sie es auf Trans-Sportler*innen abgesehen hatten, habe ich mich zu dem Thema nicht groß geäußert, weil ich Sport von vornherein „hasste“. Es war so offensichtlich ein Spaltthema, dass ich dachte, meine Zeit am besten damit zu nutzen, einfach weiterhin dafür einzutreten, dass Trans-Menschen überhaupt im öffentlichen Leben existieren dürfen.

Sport ist ein so erfolgreiches Spaltthema, weil es nun mal Reaktionen auf Hormone gibt, die unsere Körper unterschiedlich formen. Und beide Seiten des Themas können wissenschaftliche Veröffentlichungen finden, die ihre Sichtweise stützen. Ja, es gibt eine Metaanalyse von Studien aus dem Jahr 2026, die zeigt, dass Transfrauen, die eine Hormonersatztherapie machen (was nicht auf alle von uns zutrifft), keinen statistischen Vorteil gegenüber Cis-Frauen haben, wenn man die Körpergröße berücksichtigt. Aber die andere Seite kann sich auf eine scheinbar seriöse Quelle wie die BBC berufen, um zu sehen, wie ein Experte vor vier Jahren selbstbewusst das Gegenteil behauptete.

Trans-Sportler*innen befinden sich in einer seltsamen Zwickmühle. Selbst wenn sie an Wettkämpfen teilnehmen dürfen, dürfen sie in ihrer Sportart nicht zu gut werden, sonst kommen die Mistgabeln und Fackeln zum Vorschein.

Natürlich sehen wir bereits, wie sich dieses Spalt-Thema immer weiter ausweitet. Es würde niemals bei Trans-Sportler*innen aufhören, und das ist es auch nicht. Die Faschisten, die gerade dabei sind, die Kontrolle über die US-Regierung zu erlangen, haben uns ein Recht nach dem anderen entzogen.



Letztes Wochenende bin ich mit ein paar Leuten in ein Wissenschaftsmuseum in Chicago gegangen, weil ich das erbeutete Nazi-U-Boot sehen wollte, das dort ausgestellt ist – weil ich gerade eine Art Hyperfokus auf U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg habe, weil ich ganz normal bin und ganz normale Interessen habe.

Ich habe im Museum keine Toilette benutzt, weil es nirgendwo eine „Familientoilette“ gab. Ich weiß nicht, ob Cis-Menschen wissen, wie lange wir gelernt haben, ohne Pinkeln auszukommen.

Ich benutze die Herrentoilette, wenn ich eine öffentliche Toilette benutzen muss, selbst wenn ich ein Kleid trage und geschminkt bin. Ich verlasse mich auf meine allgemeine Schroffheit und mein Punkrock-Auftreten, um mich zu schützen. Andere Frauen, die ich kenne, gehen auf die Damentoilette und verstecken sich in der Kabine, wenn sie fertig sind, und warten, bis die Luft rein ist, bevor sie herauskommen.



Es ging nie nur um Sport. Es ging nie nur um Sport, aber selbst wenn es so gewesen wäre, müssen wir uns wehren, denn die Teilnahme am Sport ist genauso selbstverständlich wie ein Ort, an dem man in der Öffentlichkeit pinkeln kann. Teilnahme am Sport bedeutet Teilnahme an der Gesellschaft.

Ich bin mit Dysphorie aufgewachsen. Ich habe erst mit Mitte dreißig wirklich verstanden, wie groß und wie mein Körper geformt ist. Ich dachte immer, ich wäre viel kleiner, als ich bin. Die beiden Dinge, die meine eigene Vorstellung von meinem Körper korrigiert haben, waren mein Coming-out als Frau und der Beginn, bewusst Sport zu treiben.

Ich hebe jetzt Gewichte, und mein Trainer nennt uns alle „Sportler*innen“ – die meisten von uns wurden noch nie in ihrem Leben so bezeichnet –, aber wir sind eine Gruppe von dicken, queeren und älteren Menschen, die Deadlifts, Kniebeugen und Snatches machen und Übungen, deren Namen ich nie gelernt habe, wie zum Beispiel „den 100-Pfund-Sandsack immer und immer wieder über die Stange heben“. Ich nenne den Kurs „Kurs für schwere Gegenstände“ und ich will eigentlich nie hingehen, aber ich gehe trotzdem hin und es ist der Höhepunkt meiner Woche. Ich habe mit vierzig angefangen, alleine in meinem Keller Gewichte zu stemmen, und das ist eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

Ich mag Gewichtheben, weil ich nicht gegen andere antrete – nicht wirklich. Es wird immer Leute geben, die mehr Gewicht bewegen können als ich. Ich trete gegen mich selbst an. Ich will so fit sein, wie ich nur kann; ich will an einigen meiner Grenzen arbeiten und andere überwinden.



Ich sage mir, ich sei geboren, um ein Rebell zu sein, weil die Gesellschaft mich nie akzeptiert hat. Aber ich träume nicht von einer Gesellschaft, in der ich überhaupt rebellieren müsste. Ich träume von einer anarchistischen Gesellschaft, einer horizontal strukturierten, nicht-kapitalistischen Gesellschaft, in der lokale Räte gemeinsam Entscheidungen treffen und sich dann zu Verbänden zusammenschließen, um größere Entscheidungen zu treffen, ohne dabei einen Staat oder eine nationale Grenze zu schaffen.

Wenn ich in dieser Gesellschaft leben würde, wäre ich kein Rebell – außer vielleicht im Sinne von Le Guins "Die Enteigneten", in dem ich mir immer wünsche, dass sich meine Gesellschaft verbessert.

Eigentlich mag ich es gar nicht, immer am Rande von allem zu stehen. Ich sage den Leuten schon seit Jahren, dass der einzige Grund, warum ich ästhetisch gesehen nicht noch schräger bin, darin liegt, dass ich bereits den „Höhepunkt der Schrägheit“ erreicht habe. Ich bin so schräg, wie ich es gerade ertragen kann. Ich hätte lieber spitze Ohren und würde lieber einen Umhang tragen, und ich habe tatsächlich einen ganzen Sommer lang Kettenhemd unter meiner Punkweste getragen. Diese Dinge passen zu meinem ästhetischen Verständnis und ich möchte sie tun, aber ich werde bereits so oft angestarrt, wie ich es ertragen kann.

Ich halte das eigentlich nicht für Feigheit meinerseits, obwohl es das vielleicht ist. Vielleicht kommt es aus derselben Ecke, die mir sagt, dass es nicht sicher ist, in der Öffentlichkeit Kleider zu tragen – was ich trotzdem tue.

Aber ich ziehe mich nicht seltsam an, nur um mich seltsam anzuziehen. Eigentlich würde ich mich sogar noch seltsamer anziehen, aber ihr macht euch ständig lustig deswegen.

Ich lehne die Gesellschaft nicht ab. Die Gesellschaft hat mich abgelehnt.

Der Grund, warum mir das Sportverbot das Herz bricht, ist, dass ich, wenn ich trans Jugendliche sehe, alles sehe, was mir verwehrt wurde. Die Gesellschaft hat mir eine Kindheit als Mädchen verwehrt, und für einen kurzen Moment in den 2010er Jahren sah ich Transmädchen, die einfach nur Mädchen sein durften, die richtig aufwachsen durften. Das war eines der schönsten Dinge, die ich je gesehen habe.

Ich glaube nicht, dass ich jemals in Worte fassen kann, wie sehr ich mir als Kind einfach nur gewünscht habe, eines der Mädchen zu sein, oder wie dankbar ich den Mädchen bin, die versucht haben, mich dabei zu akzeptieren. Ich bin den Mädchen ewig dankbar, die mich mit ihnen in der Ecke meine Nägel lackieren ließen, die mir halfen, mich zu schminken, nachdem ich es zur Schule geschafft hatte. Ich bin unendlich dankbar für die Goth-Szene, die mir gezeigt hat, dass es okay ist, Geschlechterrollen zu durchbrechen.

Aber es wäre auch cool gewesen, im Feldhockey-Team zu sein. Es macht Spaß, in Dingen gut zu werden. Es macht Spaß, unseren Körper einzusetzen. Es macht Spaß, all diese Dinge gemeinsam mit anderen Menschen zu tun.



Das Sportverbot wird natürlich endlose Folgewirkungen haben. Wir erleben bereits rassistische Kontrollen der Körper von Cis-Frauen im Namen der Transphobie. Die Gesellschaft wird anfangen, auf die Genitalien von Kindern zu starren, um sie in der Schule in Schubladen zu stecken – und das ist nicht gut.

Und natürlich lieben es Faschisten, Menschen in Kategorien einzuteilen, um sie zu unterdrücken oder zu vernichten, und anti-trans-Liberale helfen ihnen dabei, „Weiblichkeit“ als unveränderliche Kategorie festzulegen. Faschisten werden ein Gefängnis für Cis-Frauen bauen, das aus den Knochen von Trans-Menschen errichtet ist.

Aber selbst wenn dieses Urteil nur die trans-Mädchen-Sportlerinnen betreffen würde und sie formal aus der Gesellschaft ausgrenzen würde, indem man sie aus dem Sportteam ausschließt, wäre das schon schlimm genug.

Selbst wenn es nur die drittbeste Diskuswerferin in West Virginia beträfe, wäre das schon schlimm genug.

Quelle: „It's Just Sports, I Tell Myself, With Nervous Laughter or: it's just acceptance in society“ von Margaret Killjoy, 01. Juli 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Lesung anlässlich des 50. Jahrestages des Ausbruchs aus dem Frauenknast Lehrter Straße 61 in Westberlin

Das Cover des Buches zeigt das historische Foto nach dem Ausbruch, als  zwei Polizeibeamte zum Fenster der Zelle hochschauen. Dazu Angaben zum Buch.
Herausgeber ‏ : ‎ Immergrün e.V.
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. Mai 2026
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3910281222
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910281226
K9 MITTWOCH 8. JULI 2026 - 19 Uhr

„Als wir es das erste Mal gesehen haben, war das wie eine Offenbarung: ein Fenster ohne Gitter!“

Am 7. Juli 1976 gelang Monika Berberich zusammen mit den drei anderen Gefangenen: Gabriele Rollnik, Juliane Plambeck und Inge Viett, alle aus der RAF und der Bewegung 2. Juni, die Flucht aus dem Frauenknast Lehrter Straße 61 in Westberlin. Sie überwältigten zwei Schließerinnen und seilten sich an Bettlaken ab.

Wir erinnern uns diesem unbedingten Willen nach Freiheit und laden einen Tag nach dem 50. Jahrestag der Befreiung zur Lesung, Buchvorstellung, Informationen und Diskussion ein. Jemensch aus dem Verlag immergrün liest aus dem Kapitel „Das vierzehnte Treffen: Der Ausbruch“ aus dem Buch: Der Kern ist unzerstörbar, Versuch einer Annäherung. Gespräche mit Monika Berberich.

kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


Mein Notfallrucksack im Jahr 2026 oder: Ausrüstung, so viel Ausrüstung

Ich muss euch ein Geständnis machen. Fast das ganze letzte Jahr über lag mein Notfallrucksack vergessen und verlassen in einer Ecke meines Schranks. Dinge, die ich mir daraus ausgeliehen hatte, wurden selten zurückgelegt.

Dafür hatte ich eine gute Ausrede: Ich habe meinen EDC-Rucksack (Everyday Carry, für diejenigen unter euch, die nicht ihre ganze Zeit damit verbringen, Prepper-Foren zu lesen) in eine Art Notfallrucksack verwandelt. Mein EDC-Rucksack enthält Hygieneartikel, Überlebensausrüstung und Erste-Hilfe-Zubehör, und ich nehme ihn sowieso meistens überallhin mit – es ist also die Tasche, die ich zu jedem Zeitpunkt am ehesten bei mir habe. Vielleicht stelle ich ihn und seinen Inhalt bald mal vor.

Also wusste ich die meiste Zeit des letzten Jahres nicht wirklich, was ich von einem Notfallrucksack erwartete. Es waren nicht „meine gesamte Campingausrüstung“ (die befindet sich in meinem Van) und es war auch nicht „das absolute Minimum, das ich bei mir haben will“ (das war in meinem EDC-Rucksack).

Aber der Sinn einer Notfalltasche ist nicht „die Tasche, die du immer dabei hast“, sondern „die Tasche, die du schnappst, wenn dein Haus brennt oder der Wald brennt oder die Faschisten auf dem Weg sind“. Es ist die erste Tasche, die du ins Auto wirfst, wenn du es wirklich eilig hast, egal ob du zu Freunden, zu einem Grenzübergang irgendwo, in ein Flüchtlingszentrum oder in den Wald fährst.

Also habe ich meine Notfalltasche als 72-Stunden-Überlebenstasche für städtische, ländliche oder vorstädtische Umgebungen neu gestaltet. Es ist keine Wander-, Camping- oder Kampftasche. Es ist einfach eine Notfalltasche.

Und ich bin wirklich zufrieden damit.

Also werde ich darüber sprechen.

Zunächst einmal geht es in diesem Beitrag nicht um Markenempfehlungen oder darum, dir zu sagen, dass du das tun musst, was ich tue.

Meine Tasche ist wahrscheinlich übertrieben. Ich habe schon immer maximal gepackt, sogar (oder gerade?) damals, als ich aus einem Rucksack lebte, was ich den größten Teil meiner 20er Jahre tat. (Ich war so ein squattender, reisender Aktivist.)

Bevor ich endlich in der Welt aufstieg und mir einen Minivan kaufte, in dem ich lebte, reiste ich mit einem großen Rucksack (wahrscheinlich so um die 65 Liter), einem hölzernen Akkordeonkoffer mit einem großen Akkordeon darin und einer Laptoptasche. Ich mochte es, meine Sachen dabei zu haben, denn das war alles, was ich besaß.

Die meisten Menschen haben nicht dieselbe Einstellung zu ihren Sachen. Mit zunehmendem Alter (und nachdem ich einen Ort gefunden habe, an dem ich meine Sachen unterbringen kann) habe ich angefangen, das Gewicht, das ich gerne mit mir herumtrage, etwas zu reduzieren, aber dies ist immer noch eine ziemlich maximalistische Ausrüstungsliste.

Wenn du noch keine Notfalltasche hast, empfehle ich dir, dir eine zusammenzustellen. In den meisten Krisen solltest du lieber „zu Hause bleiben“ als „flüchten“ und dich in deinem Zuhause in Sicherheit bringen. Bei den meisten Evakuierungen hast du ein Fahrzeug dabei. Dennoch ist die Notfalltasche ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung, denn es gibt Situationen, in denen sie nützlich sein wird, aber auch, weil sie wahrscheinlich der einfachste Weg ist, um anzufangen. Das Zusammenstellen einer Notfalltasche bringt dich dazu, über Gefahren nachzudenken und darüber, wie du dich auf diese Gefahren vorbereiten kannst. Es macht auch Spaß.

Fang mit den Grundlagen an: ein Rucksack, etwas Wasser, etwas Essen, warme Kleidung, Unterwäsche. Füge nach und nach weitere Dinge hinzu: Grundausstattung für Überleben, Hygiene, Erste Hilfe, digitale Kopien von Dokumenten. Eine Taschenlampe. Ein Messer. Pfefferspray. Eine Powerbank und ein Ladekabel für dein Handy. Und mach einfach so weiter.

Es macht keinen Sinn, meine Liste einfach abzuschreiben. Wenn du meine allgemeineren Gedanken zum Zusammenstellen eines Notfallrucksacks lesen möchtest, findest du sie hier. Ich habe aber die vollständige Packliste am Ende, falls du neugierig bist.

Der Rucksack

Der Rucksack selbst ist ein Mystery Ranch Blitz 35. Ich mag ihn. Ich weiß nicht, ob ich sie so sehr mag, dass ich den Aufpreis für Mystery Ranch gezahlt hätte, und ich denke, die meisten günstigen Rucksäcke bei Amazon oder wo auch immer sind von völlig guter Qualität. Aber die wasserabweisenden Reißverschlüsse sind toll, und der große Reißverschluss an der Seite ist toll, und es ist wirklich eine gut gestaltete und bequeme Tasche, also bereue ich den Kauf nicht.
Das Foto zeigt einen liegenden, mit Molle System ausgerüsteten schwarzen Rucksack mit einer Edelstahltrinkflasche in der rechten Seitentasche


Der Inhalt

Hier ist fast alles, was ich in der Tasche habe (ein paar Dinge habe ich irgendwie nicht mit auf das Bild bekommen).
(Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

Die obere Tasche

KN95-Masken:Ich habe ein paar davon in ihrer Verpackung dabei, die sowohl für Pandemien als auch für staubige Umgebungen gut geeignet sind.

CAT7-Blutstillungsband: Das einzige Teil aus meinem Erste-Hilfe-Set, das ich griffbereit habe, ist ein CAT7-Blutstillungsband. Diese gelten allgemein als der aktuelle Goldstandard für Blutstillungsbänder in fast jeder Situation (mit Ausnahme von sehr kleinen Gliedmaßen, wie denen eines Kindes oder Tieres). Hüte dich vor gefälschten Blutstillungsbändern und kaufe nicht nur nach dem Preis.

Die obere Vordertasche

Aufsteckbare Taschenlampe: Diese kleine Taschenlampe lässt sich an den Schirm einer Mütze klemmen. Ehrlich gesagt bevorzuge ich eine Stirnlampe, aber meine gute Stirnlampe befindet sich in meiner EDC-Tasche und meine miese hängt an einem Haken neben der Tür, und ich bringe es gerade nicht über mich, eine dritte Stirnlampe zu kaufen.

Ohrstöpsel: Es gibt einen kleinen Metallbehälter mit Ohrstöpseln darin. Das sind die etwas hochwertigeren (immer noch nicht elektrischen), die die Klangfrequenz besser bewahren als Schaumstoff-Ohrstöpsel. Ich habe sie für Konzerte gekauft, aber da sie wiederverwendbarer sind als Schaumstoff-Ohrstöpsel, liegen sie in meiner Notfalltasche. Ohrstöpsel sind nützlich, um in lauten Umgebungen zu schlafen und wenn man sich in der Nähe von lauten Geräten oder Schüssen aufhält. Genauso wie beim Konzertbesuch.

Brillenschraubendreher: Ein winziger Mehrzweck-Brillenschraubendreher zum Öffnen von Elektronikgeräten oder zum Reparieren von Brillen.

Kleines Mehrzweck-Schraubendreher-Set: Ein winziger Mehrzweck-Schraubendreher im Taschenformat mit vier Bits.

Pfeife: Eine robuste kleine Metallpfeife, die man in Notfällen zum Signalisieren und zum Verscheuchen von Staatsbeamten nutzen kann.

Taschen-Brechstange: Es ist schlecht, mit einem Messer zu brechen, besonders mit einem Klappmesser, also habe ich eine winzige EDC-Brechstange. Ehrlich gesagt ist das wahrscheinlich nicht besonders notwendig, aber ich habe sie schon, also scheiß drauf.

Multitool: Ich liebe Multitools mit Zange. Ich benutze sie ständig. Normalerweise habe ich eines am Gürtel, aber ich bewahre ein zweites Multitool in meiner Notfalltasche auf, falls ich gerade keines dabei habe. Als ich draußen lebte, habe ich es jeden Tag viele Male benutzt. Ich persönlich finde, dass Gerber eine absolut vernünftige Qualität hat, und ich habe mir nie die Mühe gemacht, ein Leatherman zu besitzen, aber billige Nachahmermarken sind mir schon oft auseinandergefallen. Als Alternative ist das Gerber Dime eine winzige Version, die sich für viele Zwecke sehr gut eignet.

Fernglas: Es macht Spaß, weit entfernte Dinge aus der Nähe zu sehen. Es gibt taktische und Überlebensgründe, warum man ein Fernglas mitnehmen möchte, aber meistens macht es einfach Spaß. Man kann Vögel beobachten.

Feuerzeug: Ein Bic-Feuerzeug funktioniert in fast jeder Umgebung sehr zuverlässig (manchmal erschweren Nässe und Kälte die Benutzung). In meinem Überlebensset in der Haupttasche ist noch ein weiteres, aber es ist praktisch, schneller auf ein Feuerzeug zugreifen zu können.

Silcock-Schlüssel: Diese Dinger, die wie metallene Pluszeichen aussehen, sind Schraubenschlüssel, die zum Öffnen und Schließen spezieller Dinge wie Wasserhähne an Raststätten oder Gasleitungen an Häusern gedacht sind. Ich habe widersprüchliche Berichte über die Qualität der billigen Modelle gehört und habe diese selbst nie getestet.

Allwetter-Notizbuch: Es gibt einige Marken dieser Notizbücher, am bekanntesten ist Rite-in-the-Rain, und mit ihnen kannst du, nun ja, im Regen schreiben.

Schreibutensilien: Ich habe einen normalen Kugelschreiber, einen Rite-in-the-Rain-Stift, einen Druckbleistift und einen Sharpie-Marker dabei. Zum Beschriften von Gegenständen.

Pfefferspray: (nicht abgebildet). Ich habe hier ein Pfefferspray mit Klappverschluss dabei, das in den meisten Selbstverteidigungssituationen nützlicher ist als eine Schusswaffe oder ein Messer, da die meisten Selbstverteidigungssituationen nicht zu tödlicher Gewalt eskalieren sollten.

Klappmesser: (nicht abgebildet). Ich habe hier ein kleines Klappmesser dabei, das zwar eine Doppelung zum Multitool darstellt, aber im Allgemeinen einfacher zu bedienen ist.

Blinklicht: (nicht abgebildet). Ein winziges rot-weißes Licht, das entweder leuchten oder blinken kann und das ich an der Rückseite des Rucksacks befestigen kann, wenn ich auf der Straße gehe und für Fahrzeuge sichtbar sein muss.

Die untere Vordertasche

Das Bild zeigt eine Tasche für Ausweise sowie Pass, Bargeld  und Hundeimpfpass

Dokumente: In einer Passhülle, die in einem Zip-Beutel steckt, bewahre ich meinen Reisepass, etwas Bargeld in verschiedenen Scheinen und den Tollwutimpfpass meines Hundes auf.

Stromversorgung:
Das Foto zeigt eine mobile Solarladestation (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

In einem weiteren Zip-Beutel habe ich eine Solar-Powerbank (erwarte dir nicht zu viel Leistung von einem Solarpanel, vor allem nicht von einem tragbaren, aber es ist besser als nichts. Meistens lade ich diese Powerbank einfach an der Steckdose auf). Außerdem habe ich ein leistungsstarkes Netzteil dabei, das man an eine Steckdose anschließen kann und das sowohl USB-A- als auch USB-C-Anschlüsse hat. Und ich habe ein Octopus-Kabel dabei, das von USB-A zu USB-C, USB-Mini und Lightning passt. Außerdem habe ich einen Adapter zum Aufladen meiner Uhr dabei (ruhe in Frieden, meine verlorene Uhr. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben). Ich habe vor, noch ein 12-V-DC-USB-Ladegerät hinzuzufügen.

Außerhalb des Rucksacks

Elektrolyte: In der Hüftgurttasche bewahre ich eine Mischung aus Emergen-C-Päckchen und „Zipfizz“ auf, das koffeinhaltig ist und das ich noch nie probiert habe. Ich trinke kein Koffein, außer wenn ich lange Strecken fahre oder in Notfällen. Ich bewahre diese so auf, dass sie schnell griffbereit sind, um sie in eine Wasserflasche zu geben.

Wasserflaschen: In den Wasserflaschentaschen habe ich eine einwandige Titan-Wasserflasche, die nützlich ist, weil man darin bei Bedarf Wasser kochen kann, und eine vakuumisolierte Wasserflasche, die ich dazu nutze, Flüssigkeiten warm oder kalt zu halten. Ich habe Gorilla-Klebeband um den Boden der isolierten Wasserflasche gewickelt. Vielleicht ersetze ich die isolierte Wasserflasche durch eine Smart-Water-Flasche, die ich mit Leitungswasser füllen würde. Der Zweck wäre, eine Flasche mit einem normalen Schraubverschluss zu haben, was nützlich ist, um Dinge wie ein Rucksack-Bidet oder einen Wasserfilter anzubringen.

Hero Clip: Ich denke, ein normaler Karabiner würde völlig ausreichen, aber mir wurde der schicke „Hero Clip“-Karabiner angepriesen, der dafür gedacht ist, dass man seinen Rucksack leichter aufhängen kann, und so habe ich mir einen zugelegt. Daran hängt mein Rucksack gerade in meinem Schrank.

Lose im Hauptfach

Eine Baustellen-Tüte: Eine große, strapazierfähige Plastiktüte kann als Notfall-Poncho oder Unterstand dienen, aber ich habe sie hauptsächlich dabei, damit ich meinen ganzen Rucksack hineinwerfen kann, wenn ich ihn vor starkem Regen schützen muss.

Eine Baseballkappe: Nützlich, um die Sonne aus meinem Gesicht zu halten und so auszusehen, als wäre ich ein ganz normaler Mensch.

Ein Spork mit langem Stiel: Als ich draußen lebte, schwor ich auf Metall-Sporken. Ich hatte immer einen an meinem Gürtel befestigt. Diese Modelle mit längerem Stiel werden von Rucksacktouristen bevorzugt, damit sie in tiefe Dosen und Beutel (wie Rucksacktouristen-Mahlzeitenbeutel) greifen können. Ich habe zwar eigentlich keine Lebensmittel in dieser Tasche, die zubereitet werden müssen, aber der Spork ist sein Gewicht trotzdem wert.

P-Cord: Ich käme wahrscheinlich auch mit weniger P-Cord aus, aber ich denke, ich brauche es nicht nur zum Bauen von Notunterkünften, sondern auch als Leine für meinen Hund, also habe ich eine ganze Menge davon.

Eine mittelschwere Mylar-Rettungsdecke: Diese hier ist so etwas wie eine Mischung aus einer Plane und einer normalen Mylar-Rettungsdecke. Eine billige, dünne Mylar-Rettungsdecke hat mir an meinem 13. Geburtstag das Leben gerettet, als mein Zeltpartner das Zelt bei 2 °C und Regen offen gelassen hat, also schwöre ich auf sie. Diese hier ist etwas größer und dient gleichzeitig als Plane.

Ein Notbiwak: Das ist eine Rettungsdecke in Röhrenform, in die du dich hineinkuscheln kannst, um dich aufzuwärmen.

Eine Papierkarte der USA: Die bewahre ich in einem Ziplock-Beutel auf. Ich finde, das ist unverzichtbar für jeden, der in den meisten Krisen irgendwohin will. Wir sind heutzutage alle viel zu sehr auf unsere Handys angewiesen, ich selbst eingeschlossen.

Lifestraw: (nicht abgebildet). Die sind leicht und günstig und ermöglichen es dir, im Notfall Wasser direkt aus einem Bach zu trinken. Eigentlich bevorzuge und vertraue ich der Marke Sawyer viel mehr und werde dieses hier bald ersetzen, aber mein Sawyer ist bereits in meiner Campingausrüstung und ich hatte diesen Lifestraw gerade zur Hand.

Kleidung

Das Foto zeigt Kleidungsstücke (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Meine gesamte Kleidung befindet sich in großen Ziplock-Beuteln. Erkennst du, was meine Lieblingsfarbe ist?

Warme Kleidung: Wenn du draußen schläfst, wird dir kälter, als du denkst. Das habe ich in meiner allerersten Sommernacht draußen ohne Schlafsack gelernt. In einem Beutel bewahre ich eine synthetische Mütze, ein Woll-„Buff“ (so eine Art Wollschlauch, den man als Schal, Stirnband oder Mütze verwenden kann … es ist ein Thneed) und lange Unterwäsche aus Wolle für oben und unten auf.

Daunenjacke: Ich bewahre eine „packbare“ Daunenjacke aus Synthetik in einem separaten Ziplock-Beutel auf. Echte Daunenjacken sind wärmer und lassen sich kompakter verstauen als Synthetikdaunen, aber Synthetik bleibt auch im nassen Zustand warm und leidet nicht so sehr darunter, ständig verstaut zu sein, daher halte ich sie für den klaren Sieger im Notfall.

Regenjacke: Ich bewahre eine dünne Regenjacke mit Kapuze in einem weiteren Ziplock-Beutel auf. Sie hält den Wind gut ab und verbessert die Isolierung der darunter getragenen Schichten, außerdem hält sie natürlich den Regen ab. Ich persönlich packe keine Regenhose in diesen Rucksack, aber wenn ich an einem feuchteren Ort leben würde oder vorhätte, im Wald zu übernachten, würde ich das in Betracht ziehen.

Unterwäsche: Ich habe zwei Paar Wollsocken und zwei Paar Wollunterhosen in meinem Rucksack. Bei den Socken bin ich fest davon überzeugt, dass sie aus Wolle oder zumindest aus Synthetik sein sollten, während das Material bei der Unterwäsche etwas weniger wichtig ist. Aber die Möglichkeit, sich umzuziehen, ist sehr wichtig. Im schlimmsten Fall kannst du deine Kleidung im Waschbecken oder in einem Bach waschen und sie zum Lüften außen an deinem Rucksack hängen lassen. Luft und UV-Strahlung der Sonne leisten beide recht gute Arbeit beim Auffrischen von Socken. (Als ich in einem Van lebte, habe ich manchmal schmutzige Socken buchstäblich an mein Fenster gehängt, damit der Luftzug sie schneller trocknen ließ.)
Das Foto zeigt zusammengelegte Socken (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Bandana: (nicht abgebildet) Ein Baumwollbandana kann man nass machen, um sich abzukühlen, um den Hals tragen, um cool auszusehen, oder zum Vorfiltern von Wasser verwenden. Ich habe jahrelang jeden Tag ein Bandana um den Hals getragen, als ich auf Güterzügen mitfuhr – sowohl als Maske, um meine Identität zu verbergen, als auch, um den schlimmsten Rauch und andere Schadstoffe herauszufiltern.

Essen

Mein Ziel beim Essen ist es, Kalorien für etwa drei Tage dabei zu haben, die ich weder erhitzen noch in irgendeiner Weise zubereiten muss. Es ist furchtbares Essen und ich würde mich elend fühlen, aber nicht so elend, wie ich mich fühlen würde, wenn mein Körper sich selbst auffressen würde. (Allerdings gehört es auch zur Vorsorge, ein bisschen Übergewicht zu halten. Schau dir Alone an, wenn du mir nicht glaubst. )
Das Foto zeigt diverse verpackte Notrationen. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

Notvorräte: Die weiße Packung mit der Aufschrift „SOS“ auf diesem Foto enthält 3600 Kalorien an „Notvorräten“, bestehend aus Kohlenhydraten und Fetten. Ich habe mich noch nicht getraut, sie zu essen. Ich habe gehört, sie seien „okay“ und fade, aber nicht eklig.

Proteinriegel: Ich esse im Alltag eine peinlich hohe Anzahl an Proteinriegeln, daher sind sie eine naheliegende Wahl für einen Snack. Das sind etwa 2100 Kalorien an Proteinriegeln, insgesamt also 4700 Kalorien, was etwas weniger als 1600 Kalorien pro Tag für drei Tage ergibt – nicht viel, aber überlebbar. Ich habe keine besondere Markentreue zu diesen Marken, es ist einfach das, was ich gerade zur Hand hatte. (Ich esse allerdings zugeben, dass ich viele Protein-Kekse von Larry & Larry’s esse). Es ist wichtig, diese regelmäßig zu verbrauchen, da sie ein Verfallsdatum haben. Zum Glück bekomme ich oft Heißhunger und plündere regelmäßig meine Notfalltasche.

Elektrolyte: Mehr Elektrolyte und Koffeinpulver in der Verpflegungstasche. Die Nuun-Tabletten sind derzeit mein Favorit.

Für meinen Hund

Das Foto zeigt unter anderem einen faltbaren Wasser und Futternapf. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Futter: (nicht abgebildet, außer auf dem Hauptbild oben): Ich bewahre etwa 9 Tassen Hundefutter in einem Drybag auf, den ich dann in einen weiteren Ziplock-Beutel stecke, damit mein Rucksack nicht nach Futter riecht. Darin befindet sich ein Plastik-To-Go-Behälter, der gleichzeitig als Hundenapf dienen kann.

Zusammenklappbarer Napf: Das schwarze Objekt unten rechts ist ein zusammenklappbarer Becher, den ich für Hundewasser benutze. Er ist nicht gerade der robusteste, aber für kurze Zeit reicht er aus, bis ich etwas anderes auftreibe.

Karabiner: Anstatt eine ganze Hundeleine mitzuschleppen, habe ich ein P-Kord und einen Karabiner dabei, den ich am Geschirr meines Hundes befestigen kann.

Hundekotbeutel: In vielen Krisensituationen sind eher viele Menschen auf engstem Raum zusammen als dass man sich im Wald durchschlagen muss, deshalb habe ich eine Rolle Hundekotbeutel dabei. Zusätzliche Plastiktüten sind sowieso überall nützlich.

Medikamente: Mein Hund braucht monatlich ein Mittel gegen Parasiten, deshalb habe ich eine Tablette davon dabei. Er nimmt außerdem täglich Prozac, weil er ein arbeitsloser Arbeitshund ist und ohne das Mittel sehr ängstlich wäre, und er hat auch ein Rezept für Trazodon für Notfälle, das sehr hilft, wenn er sehr gereizt reagiert (wie zum Beispiel bei einer größeren Krise). Normalerweise finde ich, dass alle Medikamente in ihren Originalflaschen aufbewahrt werden sollten, damit es bei einer Begegnung mit der Polizei nicht unangenehm wird, aber bis ich von jedem Mittel eine zusätzliche Flasche habe, die ich in der Tasche aufbewahren kann, gehe ich einfach dieses Risiko ein.

Erdnussbutter-Päckchen: (Die werde ich hinzufügen) Um ihm die Einnahme der Medikamente zu erleichtern.

Leckerlis: (Die werde ich hinzufügen) Weil er ein sehr braver Junge ist.

GPS-Hundehalsband: (Das werde ich hinzufügen). Erfordert ein Abonnement, das ich jetzt verlängern werde, da ich es mir leisten kann.

Überlebensausrüstung

In der Tasche ist ein kleines Täschchen mit Überlebensausrüstung. Es ist ziemlich minimalistisch: Es ist keine Tasche, um im Wald zu leben, sondern nur eine Tasche, die mich am Sterben hindert, falls ich dort lande.
Das Foto zeigt ein Survival Kit. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Kabelbinder: Diese kleinen Dinger sind super, um im Notfall Dinge zu reparieren. Mein Vater ist überzeugt, dass sie in der Apokalypse mindestens genauso viel Wert haben werden wie Munition oder Schnaps.

Nähset: Ich habe ein kleines Fläschchen mit Nähnadeln (normale und für Leder) und Sicherheitsnadeln dabei. Ich bin es gewohnt, alles mit Zahnseide als Faden zu nähen, weil das damals so der Stil war, als ich als Crust-Punk anfing, also benutze ich dafür die Zahnseide aus meinem Hygiene-Set.

Chemlight: Auch bekannt als Leuchtstab. Tactical-Prepper-Männer sind davon besessen, weil man sie in coolen taktischen Situationen benutzt, um seinem Team Signale zu geben, aber sie machen auch irgendwie Spaß und lassen das Campen in einer schwierigen Situation besonders und magisch anmuten, und sie sind eine kleine Notbeleuchtung und Signalmethode, also was soll’s.

Kleiner Überlebensratgeber: Ein kleiner Ausdruck mit Überlebensinfos ist nicht schlecht, um ihn dabei zu haben.

Feuermachen: Ich habe hier noch ein Bic-Feuerzeug sowie Sturmstreichhölzer, Zunder und eine kleine Brennstofftablette dabei. Ich mache mir keine Gedanken um einen Feuerstahl, weil ich damit aus der Übung bin und weil das hier kein Campingrucksack ist.

Hand- und Zehenwärmer: Ich liebe diese Dinger. Ich habe sie benutzt, als ich jünger war und öfter im Schnee gezeltet habe, und dann diesen Winter, als ich nach Minneapolis fuhr, um über die Anti-ICE-Proteste zu berichten, haben sie mir wahrscheinlich die Zehen gerettet, als es etwa -15 Grad oder so waren.

Kompass: Hör mal, ich bin nicht der weltbeste Landnavigator, aber lass dich davon nicht davon abhalten, einen Kompass dabei zu haben. Manchmal kommt es einfach darauf an, zu wissen, dass man in eine konstante Richtung geht, anstatt raffinierte Tricks mit topografischen Karten oder so zu machen. Wenn du dich verlaufen hast, such dir eine Richtung aus und bleib dabei (und folge dann Bächen).

Signalspiegel: Um Licht zu reflektieren und jemandem ein Signal zu geben, oder einfach, um morgens deine Hygiene-Sachen zu erledigen.

Fresnel-Linse: Ich benutze sie eher, um den winzigen Text im Überlebensratgeber zu lesen oder nach Splittern zu suchen, als um damit ein Feuer zu entfachen, aber sie kann all das und wiegt so gut wie nichts.

P38-Dosenöffner: Dieses winzige Stück Stahl kann Dosen öffnen. Es ist unglaublich. Ich habe mich auf diese und meinen Spork verlassen, um mich satt zu halten, als ich per Anhalter unterwegs war. Diese Dinger haben mir so viele Dosen Chili beschert.

Kreditkarten-Multitool: Ich neige dazu, All-in-One-Überlebensgadgets zu hassen, aber diese hier finde ich ganz okay. Sie können vieles nur schlecht, aber sie können trotzdem vieles. Meistens habe ich es als Notfallmesser oder Schraubenzieher benutzt. Einmal habe ich zum Beispiel mein Nummernschild damit ausgetauscht.

Notfall-Angelausrüstung: Ich mag den Geschmack von Fisch nicht und wurde nie gut im Angeln, egal wie oft ich es als Kind versucht habe, und ich esse eigentlich keine Tiere, also werde ich das hier wahrscheinlich nie benutzen, aber vielleicht tut es jemand anderes, oder vielleicht bin ich mal hungrig genug, um es zu versuchen.

Wasseraufbereitungstabletten: Damit lässt sich Wasser chemisch aufbereiten, damit es trinkbar wird. Ärgerlicherweise stehen die Anweisungen und Mengenverhältnisse nicht auf den Päckchen selbst, also bewahre ich einen Teil der Verpackung dazu auf.

Hygiene-Set

Dein Hygiene-Set wirst du wahrscheinlich öfter benutzen als dein Überlebens-Set. Es ist nicht so aufregend, aber wahrscheinlich wichtiger. Es ist auch ziemlich wichtig für deine Gesundheit. Das ist immer noch ein sehr reduziertes Set. Ich würde in Erwägung ziehen, bessere Feuchttücher, eine bessere Haarbürste und vielleicht ein kleines Handtuch hinzuzufügen, aber meine Tasche ist schon ziemlich voll.
Das Foto zeigt ein Hygieneset. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

Dentalfloss: Zum Zähneputzen und zum Nähen. Früher hatte ich kleine Zahnseidenstäbchen in meinen Taschen, aber die landeten irgendwie überall und waren nervig, also habe ich sie nicht wirklich benutzt.

Zahnbürste und Zahnpasta: Du solltest dir die Zähne putzen, um deinetwillen und um der Menschen in deiner Umgebung willen.

Deodorant: Ich bin ehrlich, im Alltag benutze ich nicht immer Deodorant. Aber ich benutze immer Deodorant in Situationen, in denen ich mit anderen Menschen auf engstem Raum zusammen bin, wie im Bus oder im Flugzeug. Oder, na ja, in den meisten Notsituationen. Ich bevorzuge ein Hippie-Deo, aber das hier ist die Reisegröße, die ich noch herumliegen hatte.

Seifenstreifen: Der kleine gelbe Behälter enthält winzige Papierstreifen mit Seife, mit denen du dir die Hände waschen kannst – das ist unverzichtbar. (Handdesinfektionsmittel ist eigentlich bei weitem nicht so gut und beugt der Übertragung von Krankheiten, die auf fäkal-oralem Weg übertragen werden, überhaupt nicht vor. Es hat seinen Zweck und ist vielleicht eine Überlegung wert, es in ein Set aufzunehmen, ich hatte nur gerade keines zur Hand).

Schlafmaske: Je älter ich werde, desto schlechter schlafe ich in überfüllten Situationen. Eine Schlafmaske und Ohrstöpsel helfen da sehr. Wenn ich Platz hätte, würde ich noch ein ganzes Reisekissen für den Nacken hier reinpacken.

Einwegrasierer und Rasierschaum: Vielleicht musst du dich im Notfall nicht rasieren, aber einige von uns sind trans und wollen keinen Bart haben und sind mit der Laserbehandlung noch nicht fertig.

Klappbare Haarbürste und Haargummis: Ich trage meine Haare meistens in Zöpfen, aber ich muss sie trotzdem bürsten und zusammenbinden.

Famotidin: Nimm alle Medikamente mit, auf die du angewiesen bist. Ich nehme Famotidin gegen Sodbrennen.

Komprimiertes Handtuch: Die winzige weiße Scheibe ist ein Feuchttuch ohne Feuchtigkeit. Einfach Wasser hinzufügen.

Gleitgel und Kondome: Ich habe keinen supercoolen geheimen Überlebensgrund dafür. Sie dienen dazu, Sex bequemer und sicherer zu machen.

Tampons: Auch hier wieder kein supercooler geheimer Überlebensgrund. Sie sind eigentlich nicht gut geeignet, um starke Blutungen zu stoppen. Diese sind für Menschen in meinem Umfeld, die sie für ihre Menstruation brauchen.

Lippenbalsam: Ich benutze selten Lippenbalsam, aber Menschen in meinem Umfeld tun das oft, und ein Lippenbalsam mit Lichtschutzfaktor ist wichtig, wenn man durch Schnee wandern muss. Ich bin kürzlich von der zylindrischen Festform auf die Tube-Variante umgestiegen, weil die bei Hitze wahrscheinlich besser hält.

Feuchttücher: Nur ein paar kleine Feuchttücher. Es könnte sich lohnen, welche zu besorgen, die für den Outdoor-Einsatz gedacht sind, obwohl ich mich nicht wirklich dazu durchringen kann, etwas mitzunehmen, das „Dude Wipes“ heißt. Nicht, weil ich ein Mädchen bin, sondern weil die Zerbrechlichkeit von Männlichkeit urkomisch ist.

Toiletten-Set: In einem separaten Ziplock-Beutel bewahre ich Toilettenpapier, eine Wanderschaufel, ein Wanderbidet und „Travel Johns“ auf. Wenn du draußen kackst und es nicht selbst wegpackst (z. B. in einem Hundekotbeutel), dann musst du um Himmels willen zuerst ein Loch graben und deine Scheiße vergraben. Das ist für die grundlegende Hygiene unerlässlich. Dafür ist die Schaufel da. Das Wanderbidet lässt sich an einer Wasserflasche befestigen und ermöglicht es dir, dich besser zu reinigen und weniger Toilettenpapier zu verbrauchen. Die „Reise-Toilettenbeutel“ sind mit Trockenmittel gefüllte Beutel, in die du pinkeln kannst – so etwas wie Einweg-Pinkelbecher, die einigermaßen hygienisch sind und für verschiedene Genitalien geeignet sind. Man kann nicht immer draußen pinkeln und man findet nicht immer eine Toilette.

Verbandskasten

Mein Verbandskasten ist eine Kombination aus einem „Pflaster-Set“ (also alltägliche Medikamente und Hilfsmittel für kleinere Verletzungen) und einem IFAK (ein Set zur Stillung schwerer Blutungen). Ich bewahre ihn in einer eigenen Tasche oben im Rucksack auf und würde ihn außen am Rucksack befestigen, wenn ich denke, dass ich ihn wahrscheinlich brauchen werde.

Es lohnt sich für jeden (selbst für zimperliche Leute wie mich), einen „Stop the Bleed“-Kurs zu besuchen, um zu lernen, wie man vor Ort mit traumatischen Wunden umgeht, und wenn du dich wirklich dafür interessierst, einen „Care Under Fire“-Kurs, um zu lernen, wie man während eines aktiven Feuergefechts reagiert.
Das Foto zeigt Medikamente und eine erste Hilfe Ausrüstung. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Gaze: Hier sind verschiedene Arten von Verbandmull zur Blutstillung enthalten. Normale Verbandmullrollen, komprimierter Verbandmull sowie „Chito-Verbandmull“, der mit einer blutstillenden Chemikalie imprägniert ist.

Nasale Atemwege: Der grüne Schlauch in der obersten Reihe. Diese sollten nur von Personen mit entsprechender Ausbildung verabreicht werden, und ehrlich gesagt ist es schon zu viele Jahre her, seit ich zuletzt einen Kurs zu ihrer Anwendung besucht habe. Diese werden in die Nase des Patienten eingeführt, um Luft an Hindernissen vorbei zu leiten. Verwende sie nicht, wenn du keinen Kurs absolviert hast, es sei denn, du gehst davon aus, dass ausgebildete Sanitäter in der Nähe sind.

Antiseptische Tücher: Zum Desinfizieren von Gegenständen und wohl auch zum Desinfizieren von Wunden (ich schreibe hier keinen medizinischen Blogbeitrag. Es gibt viele umstrittene Verwendungszwecke für verschiedene Dinge.)

Vaseline: Nützlich zum Feuermachen, und manche Leute mögen sie zur Wundversorgung (andere sagen, man sollte sie nicht zur Wundversorgung verwenden. Siehe oben.)

Brustversiegelungen: Wenn jemand in die Brust geschossen wird, entleeren sich seine Lungen wahrscheinlich und er kann nicht mehr atmen, es sei denn, du verschließt seine Brusthöhle.

Zahn-Erste-Hilfe-Set: Ich habe mich einmal auf so ein Set verlassen, als mir ein Stück Zahn fehlte und ich nicht genug Geld für eine zahnärztliche Notfallbehandlung hatte.

Rezeptfreie Medikamente: Diesmal war ich faul und habe eine kleine Packung gekauft, die eine Reihe verschiedener Medikamente enthält, anstatt mein eigenes Set zusammenzustellen. Ich empfehle Blisterpackungen oder einzeln beschriftete Dosen aller Medikamente, einschließlich der rezeptfreien. Denk an: Aspirin, Ibuprofen, Paracetamol (alles Schmerzmittel), Loperamid (gegen Durchfall), Diphenhydramin (gegen Entzündungen und Juckreiz) und was auch immer du sonst noch brauchst.

Spülspritze: Die dient dazu, Wasser tief in Wunden zu spritzen, um sie zu reinigen. Sie ist super und jeder sollte eine haben.

Medizinisches Klebeband: Zum Fixieren von Mullbinden.

Nitrilhandschuhe: Ich mag diese Paare, die in ihren eigenen kleinen Päckchen kommen.

Leukotape: Wanderer scheinen auf dieses Zeug als Kombination aus medizinischem Klebeband und Blasenvorbeugung zu schwören. Ich selbst habe es noch nicht oft benutzt. Diese Rolle ist wahrscheinlich zu groß.

Dreifach-Antibiotikum: Damit aus kleinen Wunden keine großen Probleme werden.

Jodtabletten: Die sind für Atomkatastrophen gedacht, um deine Schilddrüse mit Jod zu fluten, damit du weniger wahrscheinlich Krebs bekommst. Eigentlich sind sie für Leute über 40 kontraindiziert, aber ich habe trotzdem noch Freunde.

Medizinische Schere: Weil man Kleidung entfernen muss, um Wunden zu versorgen.

Ace-Bandage: Zum Einwickeln von Verstauchungen.

Pflaster: Für kleinere Wunden.

Schmetterlingspflaster: Um größere Wunden zu verschließen.

Pinzette: Zum Entfernen von Zecken und Splittern und wahrscheinlich noch anderen Dingen.

Sekundenkleber: (nicht abgebildet). Ein weiteres umstrittenes Mittel, das zum Verschließen von Wunden verwendet wird.

Digitales Zeug

Das Foto zeigt ein Handy und eine RFID sichere Tasche dafür. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Faraday-Tasche: Diese blockiert WLAN- und Handysignale und all so etwas. Ich nehme an, sie hilft deinen elektronischen Geräten, einen EMP zu überstehen, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich glaube, dass EMPs eine besonders realistische Bedrohung darstellen. Aber eine Faraday-Tasche verhindert, dass Leute wittern, dass Elektronik in der Nähe ist – was ein Weg ist, wie man gefunden werden könnte, wenn man sich versteckt. Diese Tasche ist groß genug, um nicht nur mein Ersatztelefon, sondern auch mein Haupttelefon aufzunehmen, und auch meine Uhr, falls ich das verdammte Ding jemals finde.

Ersatzhandy: Mein Ersatzhandy läuft mit einem Minuten-Tarif bei einem anderen Anbieter als mein Haupttelefon, sodass ich eher noch ein Handy habe, falls ein Anbieter ausfällt. Ich zahle 3 $/Monat für die Aufrechterhaltung der Telefonverbindung. Man kann auch einen Prepaid-Tarif nur für Daten bekommen, für den man keine Grundgebühr zahlen muss, aber ich wollte telefonieren und SMS schreiben können. Das Handy selbst enthält keinerlei persönliche Daten, aber ich habe seinen Speicher vollgestopft mit Offline-Apps. Am wichtigsten ist Kiwix, das kostenlos ist und mit dem man Datenbestände herunterladen kann (wie die gesamte Wikipedia sowie jede Menge Notfallanleitungen), und es gibt
CoMaps, das ebenfalls kostenlos ist und mit dem man Karten von überall herunterladen und dann die GPS-Funktion deines Handys nutzen kann.
Das Foto zeigt USB Sticks, eine Nintendo Switch und eine Tasche, um alles darin zu verstauen. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

USB-Sticks: Ich habe zwei USB-Sticks. Einer ist verschlüsselt und enthält persönliche Dokumente wie Kopien meiner Ausweise, Kreditkarten, Versicherungskarten, Fahrzeugscheine und ähnliches. Der andere ist eine Bibliothek mit Büchern, Hörbüchern und Filmen. Alles gemeinfrei, natürlich. Beide USB-Sticks haben sowohl USB-C- als auch USB-A-Anschlüsse.

Nintendo Switch: Zu guter Letzt eines der wichtigsten und am häufigsten übersehenen Dinge, die in jeden Bugout-Bag gehören … eine Videospielkonsole. Ich habe 2020 netzunabhängig gelebt und hatte nur sehr begrenzt Strom, und der Kauf dieses Geräts hat nach einem langen Arbeitstag in meiner Hütte Wunder für meine psychische Gesundheit bewirkt. Ich habe einige Spiele installiert und physische Kassetten von anderen. Ein Steam Deck ist robuster und auch cooler, weil es nicht so stark an Nintendos Ökosystem gebunden ist, aber es ist schwerer und verbraucht mehr Strom, also kommt es nicht in meinen Rucksack. Was auch immer sonst in der Welt vor sich geht, zumindest kann ich in Skyrim verschwinden, weißt du?

Überlebensradio: (Das werde ich vielleicht noch hinzufügen). Es gibt winzige Überlebensfunkgeräte, aber ich habe noch keines gefunden, das mir wirklich gefällt.

GMRS-Funkgeräte oder Amateurfunk: (Das füge ich vielleicht noch hinzu). GMRS-Funkgeräte sind wie Walkie-Talkies, nur etwas besser. Man muss keine Prüfung ablegen, um eine Lizenz zu bekommen, und man muss keine Lizenz vorzeigen, um sie zu kaufen. Ich bewahre meins (mit meiner Lizenz) derzeit in meinem Auto auf, aber vielleicht besorge ich mir noch ein Paar für meinen Rucksack. Amateurfunkgeräte sind viel leistungsstärker und viel komplizierter in der Bedienung, und wenn ich mich darin jemals verbessere oder meine Lizenz erhalte, werde ich vielleicht eines hier aufbewahren.

Auffällig abwesend

Schusswaffen: Ich bewahre keine Schusswaffen in meiner Tasche auf, und das solltest du auch nicht, es sei denn, du bewahrst deine Tasche in einer Art Tresor auf. Alle Schusswaffen sollten weggeschlossen werden, wenn du sie nicht bei dir trägst. Das ist eine grundlegende moralische Verpflichtung. Wenn du Schusswaffen hast, um die Menschen zu schützen, die du liebst, dann ist es deine Pflicht, sicherzustellen, dass sie tatsächlich für Sicherheit sorgen, indem du sie weggeschlossen aufbewahrst. Wenn ich diesen Rucksack in einer Situation schnappen würde, in der ich auch eine Schusswaffe mitnehme, würde ich ein paar zusätzliche Magazine in den Rucksack werfen.

Kocher: Manche Leute möchten vielleicht eine Möglichkeit zum Kochen in ihrer Notfalltasche haben, aber ich mache mir da keine Gedanken. Ich habe fast nie etwas aus meiner Tasche gekocht, als ich aus einem Rucksack lebte. Ich habe meistens kalte Dosen mit Chili und Brot mit Erdnussbutter und solche Sachen gegessen. Wäre dies eine Campingtasche, würde ich vielleicht einen winzigen Raketenkocher oder einen Backpacker-Kocher dabei haben, und ich habe einen Campingkocher in meinem Auto.

Mitreißendes Fazit

Und das war’s. Das ist meine Tasche. Ich werde wahrscheinlich noch mehr laminierte Dokumente hinzufügen, wie Notfallkontakte und so weiter, aber das ist es, was ich habe. Sie ist nicht leicht, aber das muss sie auch nicht sein. Sie ist nicht für den täglichen Gebrauch gedacht.

Jetzt muss ich meine EDC-Tasche systematisieren. Und meinen Wanderrucksack. Und was in meinem Auto ist. Und was in meinem Keller ist.

Die Packliste


Kleidung


  • 2 Paar Wollsocken
  • 2 Paar Wollunterwäsche
  • Thermoblock
  • Thermohose
  • Mütze
  • Daunenjacke
  • Regenjacke
  • Woll-Buff
  • Bandana
  • Baseballkappe

Licht


  • Taschenlampe
  • Blinklicht zum Wandern
  • Stirnlampe

Unterkunft


  • Notbiwak
  • Mittelschwere Rettungsdecke
  • Seil

Essen


  • Überlebensrationen (3600 Kalorien)
  • Proteinriegel (2000 Kalorien)
  • Koffein
  • Elektrolyte

Wasser


  • Titanflasche
  • Isolierte Stahlflasche mit Gorilla-Klebeband
  • Wasserfilter
  • Wasserreinigungstabletten
  • Tragbare Trinkblase

Hundepflege


  • Trazadone
  • Prozac
  • Simparico Trio
  • 3 Tage Hundefutter mit Tupperware-Napf
  • Zusammenklappbarer Napf
  • Kotbeutel
  • Erdnussbutter-Päckchen
  • Hundeleckerlis
  • Hunde-GPS und Kabel

Hygiene


  • Schlafmaske
  • Ohrstöpsel
  • Zahnbürste
  • Zahnpasta
  • Deo
  • Zahnseide
  • Einwegrasierer
  • Nagelknipser
  • Pinzette
  • Seifenstreifen
  • Tampons
  • Gleitgel
  • Kondome
  • Haargummis
  • Feuchttücher
  • Reise-Toilette
  • komprimiertes Handtuch
  • Lippenbalsam
  • Haarbürste
  • Backpacking-Bidet
  • Toilettenpapier
  • Rasiercreme-Päckchen

Werkzeuge


  • Nähset (Nadeln und Sicherheitsnadeln, Zahnseide als Faden verwenden)
  • Multitool
  • Brillenschraubendreher
  • Kleiner Schraubendreher
  • Langgreifender Spork
  • 8-Wege-Silcock
  • Karabiner / Ausrüstungshaken
  • Ultraleichte Schaufel
  • Brechstange
  • Klappmesser

Überleben


  • Pfeife
  • Baustellensack
  • Fernglas
  • Rite-in-Rain-Notizbuch
  • Stifte
  • Marker
  • Bleistift
  • Kompass
  • Handwärmer
  • Zehenwärmer
  • Signalspiegel
  • P38-Dosenöffner
  • 2x Butangasfeuerzeuge
  • Überlebens-Multitool in Kreditkartengröße
  • Chemlight
  • Sturmstreichhölzer
  • Feueranzünder-Block
  • Zunder
  • Kleiner Überlebensratgeber
  • Fresnel-Linse
  • Kabelbinder
  • Angelausrüstung

Medizin


  • Handschuhe
  • Schere
  • Leukotape
  • ACE-Bandage
  • 2x Mullbinden
  • Zahnpflegeset
  • Spülspritze
  • Sekundenkleber
  • Pflaster
  • Schmetterlingspflaster
  • Vaseline
  • Sterile Vorbereitungstücher
  • Medizinisches Klebeband
  • IOSAT
  • Trauma-Verband
  • Chito-Mull
  • Kompressionsmull
  • Nasale Atemwege
  • Brustversiegelungen
  • Dreifach-Antibiotikum
  • Paracetamol
  • Aspirin
  • Ibuprofen
  • Loperamid
  • Famotidin
  • Cat9-Blutstillungsband
  • Diphenhydramin

Elektronik


  • Solar-Akku-Bank
  • Octopus-Kabel
  • Überlebensradio / Scanner
  • GMRS oder Amateurfunk
  • Minutenabrechnung-Handy
  • Faraday-Tasche
  • Nintendo Switch

Sonstiges


  • N95-Masken
  • 500 $ oder 1000 $ oder was auch immer

Dokumente


  • Reisepass
  • Tollwut-Infos
  • Papierkarte der USA
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  • Laminierte Wegbeschreibung (über Nebenstraßen) und zu Fuß von zu Hause zu deinen Lieben und zurück
  • Verschlüsselter USB-Stick (A und C) mit persönlichen Dokumenten
    • Reisepass
    • Sozialversicherungskarte
    • Geburtsurkunde
    • Fahrzeugbrief
    • Hypotheken- oder Mietinformationen
    • Hausratversicherung
    • Kfz-Versicherung
    • Führerschein
    • Kreditkarten
    • Krankenversicherungskarte
    • Gewerkschaftsausweis
  • unverschlüsseltes USB-A- und USB-C-Laufwerk mit Büchern etc.
    • Überlebensratgeber
    • medizinische Ratgeber
    • Filme
    • Fernsehen
    • Hörbücher
    • E-Books


Quelle: „My Go Bag as of 2026 or: gear, so much gear“ von Margaret Killjoy, 10.Juni 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Une Jeunesse Allemande - Eine deutsche Jugend“

Der Flyer zum Film zeigt eine Szene aus dem Film, in der ein Darsteller mit der Pistole in die Kamera zielt. Darunter ein Bild eines Polizeieinsatzes. Ergänzt werden die Fotos durch Angaben zum Film und der Vorführung aus dem Textbeitrag
Flyer zum Film (Vorderseite)
"Wir stürmen und werden Soldaten des revolutionären Krieges oder wir werden wieder Bürger und antikommunistische Schweine."

Dokumentation 2015, Jean-Gabriel Pèriot, 93 Min., dt./frz. OmU
Sonntag 21. Juni 2026, 19 Uhr


In den 1960ern durchlebte die Bundesrepublik Deutschland eine ihrer radikalsten und kritischsten Phasen. Zehntausende gingen auf die Straße, um gegen Kapitalismus und Staat aufzubegehren.

„Une Jeunesse Allemande - Eine deutsche Jugend“ wirft einen Blick von außen auf die BRD und ist sehenswert, weil er die Notwendigkeit der 68er dokumentiert, eine Auseinandersetzung mit der Kriegsgeneration zu forcieren um sozialistische Verhältnisse in der BRD zu erkämpfen:

Ende der 1960er lehnte sich die Nachkriegsgeneration in der Bundesrepublik gegen ihre Eltern auf. Sie war desillusioniert von den antikommunistischen, kapitalistischen Staatsstrukturen, in denen die Elite des tausendjährigen Reichs, umetikettiert zu Demokraten, ihre Verbrechen unter den Teppich gekehrt hatte.

Periot schneidet die Positionen kunstvoll gegeneinander zu einem vielstimmigen Kaleidoskop. Darunter zahlreiche Filmzitate von Fassbinder in „Deutschland im Herbst" über Antonionis „Zabriskie Point” bis hin zu Studentenfilmen von Holger Meins und Reportagen von Ulrike Meinhof, die seitdem nie wieder gezeigt wurden.

Der Filmemacher stellt Staat und bewaffneten Widerstand der 1970er und 1980er Jahre, Gewalt und Geschichte, Radikalisierung und die Reaktionen der Gesellschaft darauf einander kommentarlos gebenüber und erteilt auch Filmemacher jener Jahre das Wort.

„Mit meinem Film hole ich die Bilder der Vergangenheit in unsere Gegenwart und organisiere sie neu zu einer subjektiven Montage. Dabei interessiert mich das, was über die offensichtliche Botschaft der Bilder und Töne hinausgeht. Die Widersprüche und die besondere Präsenz des Materials - wie es mich bewegt und verstört.“ Jean-Gabriel Pèriot

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
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