Wann braucht mensch schon mal lange Sreenshots? Richtig: eher selten. Bei der Suche nach einer Möglichkeit bin ich über die Entwicklungskonsole von Brave gestoßen, die sich mit F12 öffnen lässt. Dann ctrl und shift P drücken, bei Run "Screenshot" eingeben und tadaa!
Geht hin und vermehrt euch! Mögen 10 – 100 – 1000 Server aus dem Boden sprießen
In diesen Zeiten fanatischer, ideologischer und grundloser Unterdrückung habt ihr uns oft gefragt: „Wie können wir euch unterstützen?“
Die erste Antwort, die uns in den Sinn gekommen ist, lautet: Wenn ihr helfen wollt, schafft neue Räume im Netz. Es gibt viel zu wenige autonome Server da draußen, sei es für E-Mail und Webhosting oder für andere nützliche Kommunikationsmittel.
Diese Idee ist keineswegs neu. Wir wiederholen sie schon seit März 2001, als A/I sein Abenteuer begann. Schon damals hatten wir begonnen, zur Einrichtung unzähliger selbstverwalteter Server aufzurufen, und mit dieser Hoffnung im Hinterkopf prägten wir den pseudobiblischen Satz: „Geht hin und vermehrt euch, sagten die Heuschrecken!“
So sehr diese Worte damals auch wie eine paranoide Cyberpunk-Prophezeiung geklungen haben mögen, heute erweisen sie sich als dringende Notwendigkeit.
Geht also hin und vermehrt euch. Macht es uns nach. Kopiert, was wir getan haben. Kopiert den Code, den wir verwendet haben. Kopiert die Idee, der wir Gestalt zu geben versucht haben. Oder nehmt einfach, was ihr von uns braucht, und remixt es. Wenn es etwas gibt, das unsere Gegner fürchten und verabscheuen – jetzt, in der Vergangenheit und für immer –, dann ist es unsere Fähigkeit, den Virus der Selbstverwaltung und Selbstbestimmung zu verbreiten und Infrastrukturen des Widerstands fraktal zu vervielfältigen.
Autistici/Inventati, das sind nicht nur wir. Autistici/Inventati mag sterben, aber Tausende sind bereits entstanden und Tausende weitere werden folgen.
Und das ist noch nicht alles. Was sich überall um uns herum abspielt, ist eine koordinierte Strategie zur Eskalation der Repression mit dem Ziel, nicht nur die Spielregeln, sondern das Spielfeld selbst grundlegend zu verändern. Das bedeutet, dass das, was gerade geschieht, nicht nur eine Handvoll Menschen betrifft, sondern gemeinsam und so breit wie möglich angegangen werden muss – von Einzelpersonen, autonomen Projekten, Organisationen und der gesamten Gesellschaft.
Auf dem Spiel stehen die Meinungs-, Informations- und Vereinigungsfreiheit sowie die bloße Existenz einer Infrastruktur, die in der Lage ist, dem Autoritarismus Widerstand zu leisten (nicht nur in den Vereinigten Staaten). Auf dem Spiel steht die Möglichkeit, überall weiterzukämpfen, um grundlegende Gemeingüter – wie Kommunikationsinfrastrukturen – vor dem Imperialismus bestimmter Akteure zu verteidigen.
Das geht weit über uns selbst hinaus. Es betrifft jeden, der leben will, ohne sich als Ware zu fühlen, und danach strebt, sein Leben und seine Beziehungen selbst zu bestimmen. Wenn wir diesem voranschreitenden Techno-Faschismus Widerstand leisten wollen, brauchen wir eine breite internationale Solidaritätsbewegung, um Rahmenbedingungen zum Schutz autonomer Infrastrukturen und Räume zu schaffen, die frei von jeglicher autoritärer Absicht sind.
Kommen wir also zurück zu der Frage, mit der wir begonnen haben: Wir sind euch allen dankbar, die ihr die Geschichte dessen erzählt habt, was uns widerfahren ist. Wir sind dankbar für die breite Solidarität, die ihr uns entgegengebracht habt, und für euer Verständnis dafür, dass das, was uns widerfahren ist, nur ein kleiner Schritt in der Kette von Ereignissen ist, die sich wahrscheinlich entfalten werden – sicherlich zum Schlechten, aber vielleicht auch zum Guten.
Diese Vision erfüllt unsere Herzen. Doch nun ist es an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen und unsere Vorstellungskraft über die schrumpfenden Horizonte des Möglichen hinauszuschieben, die uns diese dunklen Zeiten aufzwingen. Unsere Hoffnung ist, dass dieser Angriff auf die Freiheit der Netzwerke einen kraftvollen und kreativen kollektiven Widerstand entfesselt. Mögen tausend Plattformen erblühen, mögen tausend Hacktivisten-Kollektive entstehen, mögen tausend Server in Betrieb gehen! Möge das Ende von A/I eine Unzahl von Infrastrukturen des Widerstands hervorbringen, wie wir sie uns zuvor nie hätten vorstellen können.
Geht hinaus und vermehrt euch, sagten die Heuschrecken! Und wenn ihr schon dabei seid, versucht euch eine Welt des Kampfes, des Widerstands und der Selbstverwaltung vorzustellen, wie ihr sie noch nie gesehen habt.
KOLLEKTIV AUTISTICI/INVENTATI
Quelle / Eigene Übersetzung, 12. September 2026
A/I shuts down - Stay human

An dem Tag, als wir erfuhren, dass wir als globale Terrororganisation eingestuft worden waren, haben wir versprochen, dass wir versuchen würden, so lange wie möglich Widerstand zu leisten, dass wir nicht nachgeben würden, solange wir noch Möglichkeiten sähen, unsere Position zu verteidigen. Seit Jahren pflegen und verteidigen wir stolz eine freie, datenschutzfreundliche, autonome und politisch engagierte Infrastruktur.
„Bleibt menschlich“ ist für uns keine leere Floskel.
Es bedeutet vor allem, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Nutzer*innen zu schützen – jene, die die menschlichen Netzwerke aufbauen, auf die wir uns verlassen, und die Gemeinschaften, die uns mit Botschaften der Unterstützung und Solidarität überschüttet haben.
Wir können uns nicht auf einen Kampf einlassen oder uns Manipulationen aussetzen, die das Leben dieser Menschen und ihrer Angehörigen bedrohen und sie der Gnade von Autokraten, Faschisten und Behörden ausliefern, die extralegale Maßnahmen ergreifen. Die Möglichkeit, dass unsere Arbeit rechtliche und finanzielle Konsequenzen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die uns nahestehen – oder auch nur irgendetwas mit uns zu tun haben –, lässt uns keine andere Wahl.
A/I wird geschlossen. Das Kollektiv Autistici/Inventati löst sich auf und wird in Kürze alle von uns angebotenen Dienste einstellen.
Es gibt keinen einfachen Weg, dies anzukündigen oder zu erklären
Jeder Tag, an dem wir nach dem 26. August 2026 online geblieben sind, war ein Sieg, doch nun sind wir gezwungen, aufzuhören.
Keiner von uns hält heldenhafte Gesten und Märtyrer für besonders bewundernswert, daher werden wir keine Opfer verlangen. Weder von uns noch von irgendjemand anderem. In diesem politischen Klima gefährdet die Fortsetzung unserer Dienste unsere Nutzer und alle, die Teil unserer Gemeinschaften sind. In einer Welt, in der Anschuldigungen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, können wir nur damit rechnen, dass die Repressionen zunehmend unverhältnismäßig ausfallen werden. Unter diesen Umständen sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche Mission aufrechtzuerhalten – nämlich sichere und nichtkommerzielle digitale Tools anzubieten.
Diese 25 Jahre waren fantastisch. Es war eine „unglaubliche Reise“.
Schaltet jetzt eure PCs aus, geht raus aus euren Wohnungen, kämpft, umarmt euch und hört nicht auf zu lächeln. Wir hören auf, aber der Widerstand und die Ideen hören nicht auf. Bleibt menschlich.
Wir werden euch bald Anleitungen schicken, wie ihr den Inhalt eurer Blogs, E-Mail-Postfächer und Websites sichern könnt, zusammen mit weiteren technischen Empfehlungen. Aber denkt daran: Genauso wie die Domain autistici.org ohne Vorwarnung unerreichbar gemacht wurde, könnten wir in den nächsten Tagen ähnliche Probleme erleben, die wir vielleicht nicht vorhersehen können.
Autistici/Inventati-Kollektiv
Quelle: keepitfree.ai, 6. September 2026
Wikipedia zu Autistici/Inventati
Listung in den USA
Eigene Übersetzung, Danke an Thomas für die Links
Die Leute reißen wirklich massenhaft Flock-Kameras ab. Oder: Die öffentliche Unterstützung krimineller Handlungen ist ein Hauptantrieb für gesellschaftlichen Wandel
Vor drei Wochen haben in Winona, Minnesota, eine oder mehrere unbekannte Personen jede einzelne Flock-Kamera in der Stadt abgerissen und gestohlen. Vier Paare mit je zwei Kameras, die auf die Ein- und Ausfahrtsstraßen der Stadt gerichtet waren.
Die Polizei veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite einen Aufruf, in dem sie die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens bat – nur um von Menschen überschwemmt zu werden, die die Vandalen unterstützten.
Letzte Woche in Winona, Minnesota, erklärte die Polizei ihre Kapitulation.
Das Vertrauen unserer Gemeinschaft ist die Grundlage für eine effektive Polizeiarbeit, und wir haben hart daran gearbeitet, dieses Vertrauen aufzubauen und zu bewahren. Zwar war Flock ein wertvolles Instrument, doch glauben wir, dass sein Einsatz zu wachsenden Bedenken hinsichtlich des Vertrauens in die Polizeiarbeit beigetragen hat – sowohl vor Ort als auch landesweit und landesweit. Nach reiflicher Überlegung hat die Polizei von Winona beschlossen, keine Flock-Kameras mehr in der Stadt Winona zu installieren.
Und ich habe mindestens zwei weitere Gerichtsbezirke ausgemacht, die dem gleichen Muster gefolgt sind.

Eine Flock-Sicherheitskamera mit Solarpanel im Jahr 2025 Foto: Julian Focareta Lizenz:
Soziale Bewegungen sind gerade dann wirksam, wenn Solidarität zwischen ihrer breiten Basis und den Menschen herrscht, die kriminelle direkte Aktionen begehen. Wenn soziale Bewegungen hinter ihren „Kriminellen“ stehen, gewinnen sie.
Winona, Minnesota, ist kein Einzelfall. Gerade in diesem Jahr haben Menschen im ganzen Land – egal ob in „roten“ oder „blauen“ Bundesstaaten – den Überwachungsstaat angegriffen und wurden dafür als Helden gefeiert.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich jemals eine populärere Verbrechenswelle gesehen habe.
Letzte Woche habe ich in einer Stadt im „Rust Belt“ meine Reifen wechseln lassen und mich eine Weile mit den Leuten dort unterhalten. Im Gespräch kam das Thema Überwachungskameras zur Sprache.
„Wo sind denn all unsere mit Mais gefütterten Arschlöcher? Die müssen endlich was gegen diesen Scheiß unternehmen“, sagte mir ein Mann.
„Du weißt doch, die haben Schrotflinten“, stimmte ich zu.
Im Nachhinein habe ich gute Nachrichten für den Reifenmann. Mit Schrotflinte und Winkelschleifer (und Handbandsäge), mit Expansionsschaum und Sprühfarbe sind die Leute tatsächlich da draußen und zerstören diese Kameras massenhaft. Viele werden dabei erwischt (meistens von anderen Kameras), aber nicht alle. Am 13. August veröffentlichte die Stadt Charlotte in North Carolina einen Beitrag auf ihrer offiziellen Facebook-Seite, in dem sie die Öffentlichkeit um Hilfe bat, um diejenigen aufzuspüren, die Expansionsschaum auf ihre Kennzeichenlesekameras gesprüht hatten. Dabei gaben sie versehentlich zu, dass diese Kameras mehr als nur Kennzeichen erfassen. Bislang gibt es mehr als 70.000 Kommentare zu diesem Beitrag, die überwiegend die Zerstörung dieser Kameras befürworten.
In Monterey, Kalifornien, wurde ein 40-jähriger Mann namens Marcus Bee festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, einfach mit seinem Pick-up (der mit Frontschutzbügeln ausgestattet ist, die beim Rammen helfen) über drei Flock-Kameras gefahren zu sein und/oder ein Abschleppseil angebracht zu haben, um sie aus dem Boden zu ziehen. Er wurde von anderen Überwachungskameras in der Gegend erfasst.
Auf der anderen Seite des Landes und mit Hilfe eines im Grunde gegensätzlichen Fahrzeugs muss sich ein 21-Jähriger nun vor Gericht verantworten, da er angeblich mit einem Baseballschläger auf einen Subaru Forester geklettert ist, um mehrere Kameras zu zerstören.
Vor zwei Wochen berichtete die „New York Post“, dass Long Island von einer Welle von Vandalismus gegen die Kameras heimgesucht wurde, wobei jeweils unterschiedliche Angriffsmethoden zum Einsatz kamen (was auf verschiedene Täter hindeutet). Einige wurden abgeschnitten. Eine wurde überfahren. Bei einer anderen wurden die Kabel abgezogen. Zwei wurden mit Sprühfarbe besprüht. Eine wurde einfach in die andere Richtung gedreht. Selbst auf dieser rechtsgerichteten Seite stehen die Kommentare voll und ganz hinter den Vandalen.
Am 21. Juli wurde ein Teenager in Jacksonville Beach, Florida, festgenommen, weil er die Linsen von drei Kameras mit Sprühfarbe besprüht hatte.
Aus Houston, Texas, wurde berichtet, dass in einer Nacht vier Kameras heruntergeschnitten wurden, nachdem es im vergangenen Monat bereits eine Reihe weiterer Angriffe gegeben hatte. Die Masten wurden einfach dort liegen gelassen, wo sie hingefallen waren.
Ein 37-jähriger unabhängiger Kandidat für das Repräsentantenhaus von Tennessee, Adam Lee Heimerman, wurde festgenommen, weil er angeblich vier Kameras zerschossen haben soll. Einmal, so lässt der Bericht vermuten, war er beim Gottesdienst, ging auf den Parkplatz hinaus und schoss eine Überwachungskamera kaputt, während andere drinnen beteten.
Ein besonders aktiver (beschuldigter) Vandale ist ein 41-jähriger Ingenieur der Luftwaffe, Jeffrey Sovern, der sich in Bezug auf die Zerstörung von 13 „Flock“-Kameras in Virginia im letzten Jahr für nicht schuldig erklärt hat. Ihm wird vorgeworfen, die Masten mit einer Zange demontiert zu haben.
Ein Mann namens Ed Kahle aus Pinal County, Arizona, zeigt keine Reue dafür, dass er mit seinem Arbeits-Lkw rückwärts in eine „Flock“-Kamera gefahren ist. „Wir leben hier draußen, weil wir Ruhe wollen. Wir wollen keinen Ärger machen. Und jetzt werde ich überwacht?“. Die Sheriffs von Pinal County kündigten an, dass sie den Vertrag für die Kameras nicht verlängern werden.
In Fairbault, Minnesota, wird ein 41-jähriger Mann namens Justin Lee Campbell wegen des Durchschneidens der Kabel einer „Flock“-Kamera in drei Fällen strafrechtlich verfolgt. Er wurde von einigen Ladenmitarbeitern verpetzt, denen er damit geprahlt hatte, die Kamera zerstört zu haben. Aber anderswo im selben Bundesstaat wurden in Edina drei Kameras übermalt, und in Plymouth wurden zwei Kameras deinstalliert.
In mindestens fünf Gemeinden in Michigan wurden Kameras deinstalliert oder zerstört. In Westland, Michigan, hat die Polizei ebenfalls kapituliert.
Die Flock-Kamera in Ash Grove, Missouri, wurde von Unbekannten entfernt, die sich ihr von hinten näherten, sodass sie keine Aufnahmen des Angriffs machen konnte.
Der 21-jährige Alex Rattenborg aus Iowa City wurde wegen Sachbeschädigung dritten Grades angeklagt, weil er eine Flock-Kamera abmontiert hatte; er wurde anschließend von anderen Überwachungskameras erfasst, doch die Polizei in Iowa fahndet weiterhin nach den Tätern, die für zwei weitere zerstörte Kameras verantwortlich sind.
Der Sheriff von Lumpkin County, Georgia, versucht verzweifelt, denjenigen zu finden, der eine Kamera zerstört hat. Sein Facebook-Beitrag dazu hat 17.000 Kommentare, die den Vandalismus gutheißen.

Die "Flock Sock" Quelle: SquidLink (MakerWorld)
Ein 3D-Designer namens SquidInk hat den „Flock Sock“ entwickelt, eine 3D-druckbare Hülle, die man über einen Besenstiel stülpen und damit Flock-Kameras zerstörungsfrei abdecken kann.
Der vielleicht höflichste aller Menschen, die direkte Aktionen durchführen, ist ein 77-jähriger Republikaner im Ruhestand aus Florida, der „Flock Blocker“, der seine reichlich vorhandene Freizeit damit verbringt, in einem Campingstuhl zu sitzen – mit einem Anti-Flock-Schild an einer 10-Fuß-Stange – und so die Kameras zu blockieren. Als ich zum ersten Mal Videos in den sozialen Medien sah, in denen Methoden zur Zerstörung dieser Kameras verglichen wurden, fielen mir zwei Dinge besonders auf. Erstens, dass der Hass auf diese Kameras universell ist. Da gibt es zum einen eine stark tätowierte Person wie diese hier, die im Black-Bloc-Look gekleidet ist, und zum anderen ein Unternehmen, das Sicherheitsausrüstung für Schweißer herstellt – beide liefern dieselbe Art von Inhalten an ihr vermutlich unterschiedliches Publikum. (In den Kommentaren zu beiden Beiträgen wird jedoch die Schnittgeschwindigkeit und die leise Leistung der handgeführten Bandsäge empfohlen.)
Das andere, was mir auffiel … als ich diese Art von Inhalten zum ersten Mal sah, befürchtete ich, dass es sich nur um theatralische Social-Media-Beiträge handelte. Klar, vielleicht haben ein paar Leute mal eine oder zwei Kameras zerstört, aber ich ging davon aus, dass das nicht weit verbreitet war.
Doch dann habe ich angefangen zu recherchieren.
Und diese Kameras werden tatsächlich eine nach der anderen, zu zweit, von Einzelpersonen und kleinen Gruppen im ganzen Land zerstört. Die meisten kommen damit durch. Viele werden erwischt, und manche haben bereits eine Gefängnisstrafe verbüßt. Mir ist noch keine einzige Quelle bekannt, die all diese Angriffe erfasst und/oder den Leuten die Möglichkeit bietet, diejenigen zu unterstützen, die erwischt wurden, aber hoffentlich wird so etwas noch auftauchen (oder existiert bereits und wird mir irgendwann auffallen). Ursprünglich hatte ich vor, mehr über die Entstehung von ALPRs (automatische Kennzeichenleser) und Flock sowie dessen Konkurrenten wie Axon zu schreiben. Das werde ich in Zukunft tun. Aber ich vertraue euch genug, um zu verstehen, dass diese Kameras auf entsetzliche Weise missbraucht wurden, immer und immer wieder; dass selbst wenn Städte beschließen, keine ALPR-Daten an die ICE weiterzugeben, die örtliche Polizei die Informationen trotzdem an ihre Kumpels bei der ICE weitergibt; dass fehlerhafte KI-Informationen bereits zu brutalen Übergriffen durch die Polizei geführt haben; und dass diese Kameras – sofern die Demokratie in den USA fortbesteht – wahrscheinlich als Verstoß gegen den vierten Verfassungszusatz eingestuft werden – für die meisten ähnlichen Technologien ist mittlerweile ein Durchsuchungsbefehl erforderlich.
Zu lange schon haben die Menschen in diesem Land die Ausweitung des Überwachungsstaates mitangesehen. Es scheint, als hätten die Leute nun wirklich, endlich genug davon. Und dass alle Versuche, die Arbeiterklasse entlang der Linien des Kulturkriegs zu spalten, gerade scheitern – und das ist gut so. Beide Seiten geben sich weiterhin gegenseitig die Schuld an der Überwachung – in den Kommentaren der „New York Post“ werden diese Kameras als Kommunismus bezeichnet. Anderswo nennen die Leute sie Faschismus. Was sie tatsächlich sind, ist Autoritarismus. Und das ist etwas, das wir gemeinsam zerstören müssen.
Ich werde niemals, wirklich niemals, Menschen dazu ermutigen, Dinge zu tun, zu denen ich persönlich nicht bereit bin. Ich bin nicht da draußen und zerstöre Flock-Kameras. Aber ich werde öffentlich meine Unterstützung für die Menschen bekunden, die das tun – und genau das werde ich von euch verlangen: Seid offen und öffentlich in eurer Verurteilung des Überwachungsstaats und in eurer Unterstützung für diejenigen, die direkt dagegen kämpfen.
Ich war noch nie ein großer Anhänger von Online-Aktivismus, aber es scheint, als sei „direkte und ehrliche Unterstützung für Menschen, die Straftaten begangen haben“ die wirksamste Form davon, die ich je gesehen habe. Luigi Mangione hat den Gesundheitsverantwortlichen Angst gemacht, aber nicht so sehr wie der Aufschrei der Unterstützung, den er erhielt.
Und diese Kameras? Sie werden abmontiert, wenn ein paar mutige Seelen sie abreißen, und sie bleiben abmontiert, wenn es eine massive Welle der Unterstützung durch die Bevölkerung gibt. Wenn der Staat erkennt, dass seine Legitimität auf dem Spiel steht. Dann geben sie dem Volk nach.
Wie Frederick Douglass es formulierte:
Macht räumt nichts ein, ohne dass es gefordert wird. Das war noch nie so und wird auch nie so sein. Finde heraus, was ein Volk stillschweigend hinnimmt, und du hast das genaue Maß an Ungerechtigkeit und Unrecht erkannt, das ihm auferlegt wird – und das wird so lange andauern, bis es entweder mit Worten oder mit Schlägen oder mit beidem bekämpft wird. Die Grenzen der Tyrannen werden durch die Ausdauer derer bestimmt, die sie unterdrücken.
Quelle: "People Really Are Cutting Down Flock Cameras En Masse or: public support for criminal activity is a primary driver of social change" von Margaret Killjoy, 19. August 2026
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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]
EINTOPF braucht eure Unterstützung!
Klasse & Methode - IT Kollektiv Stuttgart betreibt seit einigen Jahren den Veranstaltungskalender EINTOPF Stuttgart wo wir unabhängig von Big-Tech unsere Events veröffentlichen können. Das schafft Autonomie von der Willkür der Konzerne ob und wie viel wir auf deren Plattformen stattfinden dürfen. Auf EINTOPF wird unsere Reichweite nicht beschränkt, wenn unsere Inhalte nicht in den Algorithmus passen.
Jetzt braucht Klasse & Methode einen neuen Server, und wir möchten euch bitten die Finanzierung mit einer Spende zu unterstützten, falls ihr könnt. Alle Infos gibt’s auf der Crowdfunding-Seite.
Dann halt mit ckeditor...
Jetzt habe ich jahrelang mit dem ScribeFire Browserplugin die Formatierung von Blogbeiträgen geregelt und bei Copy & Paste Passagen die Originalformatierung von Beiträgen etc. problemlos und 1:1 übernehmen können. Die Tage wurde dann die Unterstützung des Plugins in Brave oder anderen Brosern eingestellt, die damit dem Beispiel von Firefox folgen. Verständlich einerseits, ist doch das Plugin seit 2018 nicht mehr aktiv entwickelt worden.
Ärgerlich andererseits, daß ich armer Tropf nun auf der Suche nach einem anständigen WYSIWYG HTML Editor bei ckeditor r 4.14.0 (revision 8a12b04171) gelandet bin, der bei unserem Blogsystem schon immer dabei ist. Auch das ist nicht gerade taufrisch, aber irgendwie bin ich gerade zu faul, um da eine aktuelle Version reinzuprökeln, zumal die ziemlich sackteuer ist.
Man kann eben nicht immer gewinnen...
Integration von Midea Geräten in Home Assistant
KI funktioniert nicht und wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert, oder: Warum ich KI nicht mag
Ich führe eine Liste mit Buchempfehlungen bei der von den Mitarbeitern und Queers geführten Buchhandlung Firestorm, und ich bekomme zwar eine Provision für alle Bücher, die ihr über meine Empfehlungen kauft, aber ihr bekommt auch 10 % Rabatt und unterstützt damit eine Buchhandlung, die zudem ein wichtiger Teil der Infrastruktur der Bewegung ist.
In diesem Beitrag geht es um KI, und ich empfehle euch den Podcast „Better Offline“ von Ed Zitron, meinem Kollegen bei Cool Zone Media, der ausführlich und mit großer Begeisterung über die wirtschaftlichen Aspekte von KI spricht.
KI funktioniert nicht und wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert
Quelle: JPxG - DALL-E 3
Gemeinfrei
Hätten diese Absolventen mit derselben Effizienz wie KI gearbeitet, wären sie keine Absolventen.
Die Gesellschaft ist dabei, sich um ein Werkzeug herum neu zu strukturieren, das einfach nicht funktioniert. Wir alle wissen, dass es nicht funktioniert. Wenn du eine Brücke bauen müsstest, würdest du keinen Bauingenieur beauftragen, der es nur in etwa 70 % der Fälle richtig macht. Du würdest kein Geschichtsbuch lesen, das zu 30 % Fiktion ist, aber dir nicht verrät, welche 30 %. Du solltest dich nicht mit jemandem verabreden, der dir immer sagt, dass du Recht hast, und der dich mit einem Lächeln auf den Lippen anlügt.
Mein Großvater war Schiffsbauingenieur bei der US-Marine und hat im Zweiten Weltkrieg gekämpft, und ich spreche oft von ihm, weil ich ihn ständig vermisse, und er lachte immer und sagte „gut genug für die Arbeit der Regierung“, wenn etwas gut genug, aber nicht perfekt war. Also sagt mein Vater das jetzt, und ich sage es auch. Aber… es ist ein Witz. Jedes Mal, wenn mein Großvater ein Schiff entwarf, fuhr er damit in die schlimmsten Stürme, die er finden konnte, stellte sich auf das Deck und trotzte dem Wetter, denn warum sollte er etwas bauen, von dem er nicht glaubte, dass es gut genug war?
Elon Musk würde nicht in eine von Grok entworfene Rakete zum Mars steigen, aber ich bin mir sicher, er wäre nur zu gerne bereit, dich und mich darauf zu setzen.
Die Kapitalisten und Autoritären, die diese Welt regieren, sind nur allzu gerne bereit, uns alle durch Roboter zu ersetzen, die ständig Mist bauen – denn sie nehmen lieber schlampige Arbeit in Kauf, als Menschen zu bezahlen.
Das ist schlimm, und ich bin wütend, und du solltest auch wütend sein.
Ich habe gesehen, wie Menschen, die mir am Herzen liegen, auf KI-Wahnvorstellungen hereingefallen sind und glaubten, mit Hilfe von KI bahnbrechende Forschung zu betreiben. Mein Kollege Robert Evans hat eine hervorragende Serie von Podcast-Episoden darüber gemacht, wie KI letztendlich die Methoden von Sektenführern nachahmt, um ihre Nutzer davon zu überzeugen, dass sie Genies sind.
Es ist ein neues Buch von diesem zweitklassigen Journalisten erschienen, der vielleicht nicht immer ein zweitklassiger Journalist war, aber dank seiner Abhängigkeit von KI zu einem geworden ist. Das Buch heißt „The Future of Truth: How AI Reshapes Reality“ und jeder, der an der Veröffentlichung beteiligt war, sollte gefeuert werden. Es ist ein Buch darüber, wie, na ja, KI die Realität umgestaltet. Aber es wurde mit „Forschungshilfe“ durch KI geschrieben, und die New York Times hat aufgedeckt, dass es falsche Aussagen enthält, die echten Menschen zugeschrieben werden, die aber von der KI halluziniert wurden. Der Autor behauptet, ein Experte für das Thema „Wahrheit“ zu sein, doch als er das Problem einräumte, gab er zu, dass das Buch „synthetische“ Zitate enthalte.
Lügen. Es enthält Lügen.
Wenn ich in meinem Podcast Zitate komplett erfinden und sie echten Menschen zuschreiben würde, würde ich aus triftigem Grund gefeuert werden.
Ich bin bei meinen Kollegen schon lange unbeliebt wegen meiner kompromisslosen Ethik in Sachen Wahrhaftigkeit. Ich glaube nicht, dass es ethisch ist, jemanden anzulügen, den man nicht schlagen dürfte. Man muss nicht immer Fragen beantworten und kann ausweichend reagieren, aber wenn man jemandem etwas erzählt, das nicht wahr ist, verzerrt man dessen Realitätssinn. Man tut das, um dessen Denken und Verhalten zu kontrollieren. Genauso wie wenn man jemanden schlägt.
Man muss aber bedenken, dass ich Gewalt in vielen Situationen für völlig akzeptabel halte. Wenn jemand versucht, Macht über dich auszuüben, ist Lügen zur Selbstverteidigung oft sicherer und effektiver als der Rückgriff auf Gewalt. Oder um es ganz klar zu sagen: Es ist ethisch, Polizisten zu schlagen – es ist nur meistens nicht strategisch klug.
Ich glaube fest an den Wert der Wahrheit. Wenn ich über die Haymarket-Anarchisten von Chicago in den 1880er Jahren lese – jene Einwanderer und der ehemalige Sklave, die die moderne Arbeiterbewegung aufbauten –, fällt mir auf, wie jede Quelle ihre schockierende Ehrlichkeit und Offenheit hervorhebt.
Mir wurde gesagt, es sei eine neurologische Besonderheit von mir, dass ich in Bezug auf Lügen so „gerechtigkeitssensibel“ bin, und es macht mich traurig, mir vorzustellen, dass meine Haltung vielleicht kein Mainstream-Wert ist. Aber die Tatsache, dass wir die Kontrolle über unsere Gesellschaft an Lügenmaschinen abgeben, ist einfach das Dystopischste, was ich mir vorstellen kann.
Wasserhungrige, machthungrige Maschinen werden gebaut, während das Wetter wärmer wird, während Energie knapper wird, während Wasser noch kostbarer wird. Es kommt mir im Grunde wie ein Sakrileg vor, dass unsere Herrscher diesen falschen Maschinengöttern endlose Mengen Wasser opfern, dass unsere Herrscher das Wasser opfern, das wir für unsere Ernten und unseren Körper brauchen.
Die Leute, die diese Maschinen gebaut haben, bieten uns nicht einmal eine Utopie als Gegenleistung an. Sie bieten uns Vertreibung an, sie bieten uns Enteignung an. Sie bieten uns Entlassungen und Armut und Hungersnot an, und sie versprechen uns im Grunde, dass wir dank ihrer Maschinen weniger intelligent werden können, dass uns die Plackerei erspart bleibt, schöne Dinge zu erschaffen und erfüllte Leben zu führen. Und anstatt miteinander über unsere Probleme zu reden, dürfen wir jeder mit einem kriecherischen Maschinen-„Freund“ sprechen.
Ich glaube nicht an Verschwörungen, außer an die, die sich als wahr erwiesen haben (und die erweisen sich meist schnell genug als wahr). Ich glaube eigentlich nicht, dass die Reichen gemeinsam planen, uns alle einfach umzubringen, nachdem wir überflüssig geworden sind.
Aber ich vermute, keinem von ihnen würde es etwas ausmachen, wenn genau das passieren würde.
Das Ganze ist für mich sehr frustrierend, zum Teil, weil ich kein Technikfeind bin. Ich halte Brillen und Antibiotika für zwei der besten Errungenschaften der Menschheit, und ich habe denselben Stolz empfunden wie alle anderen (keinen Nationalstolz, sondern Stolz auf die Menschheit), als Artemis den Mond umkreiste.
Es gibt „Machine-Learning“-Aufgaben, die mich nicht stören. Mein Problem mit Google Maps hat weitaus mehr mit Überwachung zu tun als mit „KI“. Ich hasse ein Programm zur Grammatikprüfung nicht grundsätzlich (obwohl Autocomplete und Autokorrektur den menschlichen Ausdruck auf eine Weise einschränken, die sich auf die Entwicklung der Sprache auswirken wird, da bin ich mir sicher).
Ich wäre vollkommen glücklich, wenn ich einen Computer-Forschungsassistenten à la Star Trek hätte, jemanden, den ich fragen könnte: „Wie viele Menschen lebten während der protestantischen Reformation offen in homosexuellen Paaren in Deutschland?“ oder so einen Quatsch, und einen Computer all das menschliche Wissen durchkämmen lassen könnte, das jemals zu Papier gebracht wurde (naja, in Bits und Bytes), und mir eine Antwort geben lassen.
Aber KI macht das nicht. Sie kann es funktional nicht. Weil sie nicht denkt. Sie ist eine ausgeklügelte Autovervollständigung, die speziell darauf ausgelegt ist, uns davon zu überzeugen, dass sie zu eigenständigem Denken und Forschen fähig ist. Sie ist nicht darauf ausgelegt, alle Quellen zu durchforsten und eine richtige Antwort auszuspucken, sondern uns davon zu überzeugen, dass sie das getan hat.
Wenn ich einen Forschungsassistenten einstellen und ihm eine Frage stellen würde und er mir eine unvollständige Antwort geben würde, könnte ich das akzeptieren. Wenn ich einen wissenschaftlichen Mitarbeiter einstellen und ihm eine Frage stellen würde und er mit einer bizarren Mischung aus Wahrheit und Dingen zurückkäme, die er sich einfach aus den Fingern gesogen hat, würde ich ihn feuern.
Studenten, die Quellen erfinden, werden zu Recht des Betrugs bezichtigt. Doch wenn KI das tut, akzeptieren wir es?
Die Folgewirkungen davon sind unkalkulierbar (obwohl du eine KI bitten könntest, sie trotzdem zu berechnen, wenn dir falsche Informationen nichts ausmachen). Da immer mehr Informationen im Internet von KI generiert werden, wird es immer schwieriger, Fakten von Fiktion zu unterscheiden. KI wird sich zunehmend von KI selbst ernähren, und bald wird sie sich immer weiter von jeglicher Kohärenz entfernen.
Wie Cory Doctorow es formulierte: „KI ist das Asbest, das wir in die Mauern unserer Gesellschaft schaufeln, und unsere Nachkommen werden es über Generationen hinweg wieder herausgraben.“
Die Ludditen-Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts war eigentlich keine antitechnologische Bewegung an sich, sondern eher eine Arbeiterbewegung. Qualifizierten Arbeitern wurden ihre Arbeitsplätze durch Automatisierung weggenommen, und die Textilarbeit verlagerte sich von der Werkstatt (der „Heimindustrie“, die buchstäblich in einer Hütte stattfand) in die Fabrik. Die Menschen wechselten von einem selbstbestimmten Leben zu einem Leben, in dem sie selbst wie Rädchen in einer Maschine arbeiten mussten.
Also lehnten sich die Menschen in großem Stil auf und kamen dem Sturz des frühen kapitalistischen Systems nahe.
Die Ludditen inspirieren mich unendlich. Aber die Sache ist die: diese automatischen Webstühle? Zumindest diese Dinger, so teuflisch sie auch waren, funktionierten tatsächlich. Was auch immer ihre negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft waren, sie automatisierten tatsächlich und effektiv die Textilproduktion.
KI funktioniert nicht. Sie kann nicht einmal zu einem allmächtigen Maschinengott werden, der uns alle regiert, sei es wohlwollend oder böswillig, denn sie ist nicht bewusst und sie denkt nicht.
KI-Entwickler erzählen uns immer wieder, dass sie alle Fehler ausbügeln werden und dass KI eines Tages das erreichen wird, was sie heute vorzugeben vorgibt. Das bezweifle ich. Sie scheint strukturell unfähig zu sein, das zu tun, was ihr versprochen wird.
Wozu KI fähig ist, ist das, was sie bereits tut: qualifizierte Arbeitskräfte durch gerade noch ausreichend gute Automatisierung zu ersetzen. KI ist fähig, Menschen vorzugaukeln, sie würde helfen. KI ist fähig, unsere Fähigkeit zum kritischen Denken zu schwächen. KI ist fähig, Kunst (die von Natur aus Ausdruck ist) durch hohle Nachahmungen zu ersetzen.
Die Probleme der KI reichen tiefer als nur die Frage „Wer wird in einer Ära der KI noch Illustratoren einstellen?“, obwohl das allein schon eine wichtige Frage ist. Die Probleme reichen so tief, wie es nur geht. KI ist eine existenzielle Bedrohung, und zwar nicht in dem Sinne, dass „sie zu einem empfindungsfähigen Wesen wird und uns alle vernichtet“, sondern in dem Sinne, dass „KI für militärische Zielerfassung genutzt wird“, dass „KI das Bildungswesen zerstört“ und dass „KI eine Blase ist, die platzen und die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen wird“.
Aber es gibt Hoffnung.
Und diese Hoffnung sieht so aus, wie Studenten, die Redner ausbuhen, die versuchen, ihnen KI schmackhaft zu machen, und sie sieht so aus wie die massive und erfolgreiche Bewegung gegen Rechenzentren, die einen geplanten Standort nach dem anderen zur Schließung zwingt.
Und diese Hoffnung könnte bald wie eine militante Neo-Ludditen-Bewegung aussehen. Und nach den Schildern zu urteilen, die ich im ländlichen Amerika sehe, könnte diese Bewegung parteiübergreifend sein oder werden. Oder besser gesagt, es könnte eine Klassenbewegung sein, der Arbeiterklasse, ungeteilt durch Fragen des Kulturkriegs, die gegen die herrschende Klasse kämpft.
Wenn dem so ist, bin ich dabei.
Quelle: „AI Doesn't Work and We All Know it Doesn't Work or: why I don't like AI“ von Margaret Killjoy 20. Mai 2026
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Übersetzung, Ergänzung des Links zu Margarets Podcast und zu den Ludditen: Thomas Trueten [Autorisiert]
Die bevorstehende Datenschutz-Apokalypse oder: Unser Betriebssystem sollte nicht wissen, wer wir sind
Letzte Woche habe ich über das Buch Avalon, Rise von Madeline Ffitch gesprochen, und es kann jetzt bei meinem Lieblings-Online-Buchladen Firestorm Books, einer Genossenschaft in North Carolina, vorbestellt werden. Es ist ein Buch über Antifaschisten in einer Kleinstadt und geht mir nicht mehr aus dem Kopf, seit ich es zu Ende gelesen habe. Also habe ich es zu meiner Empfehlungsliste (das ist ein Empfehlungsprogramm. Du bekommst 10 % Rabatt und ich bekomme 10 %, um das gleich vorweg zu sagen).
Die kommende Datenschutz-Apokalypse
Tolkien war kein subtiler Autor. Er schreibt über tapfere Soldaten des Lichts und über hirnlose (und rassistisch kodierte, was ihm zum Vorwurf gemacht wird) Schurken der Dunkelheit. Und sein Bösewicht aller Bösewichte, der archetypische „Big Bad“, von dem alle „Big Bads“ des 20. Jahrhunderts abgeleitet sind, war Sauron.
Und Sauron hatte ein Handy. Eine Kristallkugel, mit der er seinen besten Handlanger, Saruman, anrufen konnte. Es gab ein ganzes Netzwerk dieser Telefone, und Sauron konnte jeden ausspionieren, der eines besaß.
Diese Kristallkugeln? Tolkien nannte sie die Palantíri.
Vielleicht hat sich das wohl einflussreichste Unternehmen, das daran arbeitet, den Überwachungsstaat in den Vereinigten Staaten auszubauen, Palantir, nach diesen Steinen benannt. Sie haben sich nach einem Werkzeug benannt, das vom Inbegriff des Bösen und der Macht für böse Zwecke genutzt wurde. Das weißt du wahrscheinlich.
Letztes Jahr hat der CEO von Palantir, Alex Karp, ein Buch mit dem Titel The Technological Republic mitverfasst. Theoretiker haben es nüchtern als Technofaschismus bezeichnet, und es ist ganz offensichtlich ein Versuch, den Weg für KI-Killermaschinen zu ebnen. Da niemand mehr die Lust hat, ganze Bücher zu lesen (und um ehrlich zu sein, ich will dieses spezielle Werk auch nicht lesen), hat Palantir eine 22-Punkte-Zusammenfassung veröffentlicht. Das ist wie aus Starship Troopers. Sie schlagen vor, dass Silicon Valley eine Pflicht gegenüber der Nation hat und nicht nur westliche Werte schützen, sondern sie weltweit verbreiten soll. Einzelpersonen haben die Pflicht, dem Staat zu dienen und Militärdienst zu leisten. Manche Kulturen sind degeneriert und weniger wertvoll als andere. Pluralismus war ein Fehler. Führungskräfte sollten der Öffentlichkeit gegenüber nicht rechenschaftspflichtig sein. Es geht immer so weiter.
Die Republikanische Partei hat die letzten zehn Jahre damit verbracht, sich von einer konservativ-neoliberalen Partei zu einer faschistischen Partei umzustrukturieren. Wirtschaftlich wurde der ungezügelte Kapitalismus durch Nationalismus ersetzt. Geopolitisch wurde Soft Power durch Hard Power ersetzt (naja, eigentlich wurde sie durch Inkompetenz ersetzt).
Palantir will Silicon Valley zu demselben Wandel zwingen: weg von Kapitalismus und Innovation um ihrer selbst willen (was schon schlimm war) hin zu „bürgerlicher Pflicht“, Hard Power und kultureller Vorherrschaft (was noch schlimmer ist). Die Republikaner sind faschistisch geworden, sagt Palantir, warum also nicht auch die Milliardäre?
Ich stehe beiden Seiten des politischen Spektrums in der US-Politik seit langem kritisch gegenüber. Mein ganzes Leben lang hat das Zweiparteiensystem wie ein Ratschenmechanismus funktioniert: Die Republikaner haben böse Dinge getan, dann kamen die Demokraten an die Macht und haben sich nicht die Mühe gemacht, diese Veränderungen rückgängig zu machen.
Das einfachste Beispiel, das ich anführen kann, ist Guantanamo Bay. Als Bush Jr. das Folterlager eröffnete und Männer inhaftierte, denen kein Verbrechen vorgeworfen wurde, war das eine eklatant illegale Handlung. Obama versprach im Wahlkampf, den Ort zu schließen, aber stattdessen legalisierte er ihn – als ob das Problem mit dem Ort darin bestünde, dass er illegal war, und nicht darin, dass es ein Foltergefängnis für Männer war, denen kein Verbrechen vorgeworfen wurde.
Unterdessen schienen sich die Demokraten einfach zu weigern, das Recht auf Abtreibung im Bundesrecht zu verankern, vermutlich weil die Bedrohung dieser Rechte ein so wirkungsvolles Mittel zur Spendensammlung war.
Demokraten und Republikaner arbeiten gleichermaßen daran, das Überwachungssystem auszubauen und die Privatsphäre in den USA zu zerstören, und sie haben wahrscheinlich unterschiedliche Motive dafür. Palantir macht keinen Hehl aus seinem Wunsch nach Technofaschismus, aber die Demokraten behaupten größtenteils, den Überwachungsstaat zu unserem eigenen Schutz zu stärken. Wann immer sie die Befugnisse des Staates ausweiten, diskutieren sie nie darüber, was mit diesen Befugnissen geschehen wird, wenn der Staat das nächste Mal von den Republikanern geführt wird. Die Demokraten bauen oft die Waffen, die von den Republikanern eingesetzt werden. Eines der charakteristischen Merkmale von Sauron war sein Netzwerk aus Spionen und Wahrsagern, das es ihm ermöglichte, durch das allmächtige „Auge von Sauron“ alles im Blick zu behalten, was in Mittelerde geschah. Diese Macht war so wichtig, dass seine Truppen das rote „lidless eye“ als ihr Symbol verwendeten. Das meiste, was ich über den Aufstieg der Überwachung gelesen habe, konzentriert sich verständlicherweise auf Programme wie die Flock-Kameras, die Menschen und Autos verfolgen, oder darauf, wie das FBI zugibt, dass es Standortdaten von App-Herstellern kauft und damit die Schutzbestimmungen des vierten Verfassungszusatzes umgeht. (Angeblich ist ein Durchsuchungsbefehl erforderlich, damit die Regierung auf die Standortdaten zugreifen kann, die durch die Kommunikation zwischen deinem Handy und nahegelegenen Mobilfunkmasten entstehen.) Die ICE ist ganz offensichtlich daran interessiert, ihre Gegner zu überwachen, und entwickelt eine eigene Smart-Brille, um ihre Agenten in Kameras zu verwandeln.
Aber es gibt noch mehr als das. Es gibt so viel mehr als das.
Die Demokraten gewinnen derzeit die Wahlen in den USA haushoch, weil sich der Faschismus bei den Wählern glücklicherweise als äußerst unbeliebt erweist. Rote Staaten tendieren zu lila und lila Staaten zu blau, und die neu erstarkten demokratischen Politiker scheinen ihre ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten, den Aufstieg des Faschismus zu ignorieren und stattdessen „die Kinder zu schützen“, indem sie den Überwachungsstaat ausbauen und das Recht auf Privatsphäre abschaffen.
Politiker lieben es, Spaltthemen zu nutzen. Es ist wie Holz spalten. Sie wählen ein Thema als Spitze des Keils (Transfrauen, die neben Cis-Frauen Sport treiben) und schlagen immer wieder mit einem Hammer darauf, damit der Rest des Themas in das Holz gedrückt wird (wenn wir bei unserer Metapher bleiben). Bald geht es nicht mehr nur um Transfrauen im Sport, sondern um Hormonersatztherapie für Kinder, dann um Geschlechtsangleichung für Kinder, dann um Hormonersatztherapie für Erwachsene, dann um Geschlechtsangleichung für Erwachsene. Und es wird nicht bei Transfrauen aufhören. Sie sind daran interessiert, „Weiblichkeit“ klar rechtlich zu definieren, um alle Frauenrechte zurückzufahren, nicht nur unsere.
Der Staat hat alle möglichen dieser Spaltthemen, und die Sache ist die: Du könntest bei manchen davon sogar der Spitze zustimmen. Politiker in den blauen Bundesstaaten scheinen in rasender Eile zu sein, ihr neu gewonnenes politisches Kapital für umfassende Waffenverbote auszugeben. Vielleicht bist du gegen Waffen. Aber die Gesetze, die sie erwägen (und/oder verabschieden), bieten der Polizei alle möglichen neuen Befugnisse. Wer, glaubst du, setzt Waffengesetze durch, und gegen wen, glaubst du, werden sie durchgesetzt?
In Minneapolis erwägen Politiker (aber um es klar zu sagen: haben noch nicht verabschiedet oder gar vollständig eingebracht) ein Waffenverbot, das die Registrierung jeder Schusswaffe vorschreiben und der Polizei das Recht geben würde, Häuser ohne Durchsuchungsbefehl zu betreten, um sicherzustellen, dass die Waffe sicher aufbewahrt wird.
Ich glaube an die sichere Aufbewahrung von Waffen. Das ist ein Thema, das mir persönlich am Herzen liegt. Wenn du eine Waffe besitzt, musst du den Zugang zu dieser Waffe kontrollieren und sicherstellen, dass sie niemals für diejenigen zugänglich ist, die keinen Zugang dazu haben sollten.
Aber dieser Gesetzentwurf sieht Durchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl vor. Ich gehe nicht davon aus, dass er verabschiedet wird, und ich möchte nicht in die Falle tappen, mit noch nicht verabschiedeten Gesetzentwürfen Panik zu schüren, aber es ist die Art von Sache, auf die wir achten sollten.
Allgemeiner betrachtet – und was Menschen, die keine Waffen besitzen, unmittelbar betrifft – arbeiten immer mehr Bundesstaaten daran, Gesetze zu verabschieden, die etwas verlangen, was derzeit technologisch gar nicht machbar ist: die Vorschrift, dass alle 3D-Drucker daran gehindert werden, Waffenteile oder andere verbotene Gegenstände zu drucken.
3D-Drucker wissen nicht, was sie drucken. Sie erhalten etwas, das „G-Code“ genannt wird (leider nicht der Song von den Geto Boys), das nur aus Zahlen besteht. Der G-Code weist den Drucker an, den Druckkopf zur folgenden Zeit an die folgende Position zu bewegen. Es ist eine separate Software namens „Splicer“, die 3D-Modelle in Code umwandelt. Um diese Gesetze einzuhalten, müssten 3D-Drucker also eine Art G-Code-Umkehr-Software haben, die – vermutlich mithilfe von KI – erkennt, was gedruckt wird, und feststellt, ob es erlaubt ist oder nicht. Das ist so, als würdest du von deinem Hammer verlangen, dass er herausfindet, was du baust, und sich weigert, eine Barrikade zu bauen. Es gibt kein kontroverseres Thema als „den Schutz der Kinder“. Und es gibt keine bevorstehende parteiübergreifende Gesetzesreihe, die furchterregender ist als die Altersverifizierungssysteme, die gerade aufgebaut werden. Um es ganz offen zu sagen: Das offene, anonyme Internet wird verschwinden, wenn sich die Politiker durchsetzen. Es fing mit Pornos an. Die Leute nehmen sich immer zuerst die Sexarbeiter*innen vor. Ein Bundesstaat nach dem anderen hat Gesetze verabschiedet, die Porno-Websites dazu verpflichten, das Alter ihrer Besucher*innen zu überprüfen – als ob irgendjemand seine Ausweisdaten in eine Datenbank von Leuten eintragen wollen würde, die sich Pornos anschauen.
Im Moment betrifft es unsere sozialen Medien. Um Kinder zu schützen, muss das Internet offenbar wissen, wer wir sind. Aber es bleibt nicht bei Websites. Die Gesetzgeber wollen, dass die Altersüberprüfung auf Betriebssystemebene erfolgt, was es illegal machen wird, Betriebssysteme zu produzieren, die keine Methode zur Überprüfung der Identitäten von Menschen haben. Die Folgewirkungen davon sind unkalkulierbar. Schon bald könnte das gesamte Internet nicht konformen Computern den Zugriff verweigern, und der globale Süden (der stark auf ältere Geräte angewiesen ist) würde noch weiter isoliert werden. Open-Source-Programmierung würde in vielen Fällen illegal werden. Politische Organisation und Öffentlichkeitsarbeit könnten online unmöglich werden. Die Macht, die ein de-anonymisiertes Internet Milliardären und ihren Lieblingspolitikern verleiht, ist einfach unvorstellbar. Ganz zu schweigen davon, dass Betriebssysteme in alle möglichen Gegenstände eingebettet sind, die von allen möglichen Menschen genutzt werden… muss die Kasse wissen, wer sie bedient? Muss ein Bibliotheksterminal das wissen?
Keine dieser Eingriffe in die Privatsphäre wird Kinder auf magische Weise schützen. Der Großteil des Missbrauchs geht ohnehin nicht von Fremden aus. Wenn du Kinder schützen willst, zerstöre die ICE, führe eine sozialisierte Gesundheitsversorgung ein, schaff Grenzen ab und demontiere die Infrastruktur für fossile Brennstoffe, die ihre Zukunft zerstört.
Zumindest kannst du offline gehen, denkst du vielleicht. Aber unser Offline-Raum ist zunehmend online. Jedes Gerät, das du besitzt, muss wissen, wer du bist und wie alt du bist. Du musst möglicherweise buchstäblich deinen Ausweis vorzeigen, um einen Kühlschrank oder eine Uhr zu besitzen.
Autos haben Sensoren, Kameras und Modems eingebaut, die deine Fahrgewohnheiten (und sogar dein Sexualleben, ich mache keine Witze) an die Hersteller melden, die diese Daten dann verkaufen. Versicherer drängen zunehmend auf „telematische“ Versicherungen, bei denen deine Prämien auf der Aufzeichnung deiner Fahrgewohnheiten basieren. Wenn du zu stark auf die Bremse trittst, weil ein Radfahrer plötzlich auf die Straße schießt, steigen deine Prämien sofort.
Aber du darfst nicht ohne Versicherung fahren, und Versicherungsgesellschaften sind total begeistert von Telematik und werden mit ihren Daten immer detaillierter. Bei Hausratversicherungen verlangen immer mehr Versicherer plötzlich eine Inspektion. Wie lange dauert es noch, bis Haus-Telematik deine Tarife bestimmt?
Klar, du kannst ein älteres Auto kaufen, das deine Daten nicht erfasst, aber ältere Autos sind teurer in der Wartung, und Benziner selbst werden wahrscheinlich bald veraltet sein. (Ich hätte total gerne ein „dummes“ Elektroauto. Ich glaube, jemand könnte Milliarden verdienen, wenn er ein modernes Fahrzeug baut, das keine Kamera auf dein Gesicht richtet, die dich anschreit, wenn du von der Straße wegschaust.)
Ganz zu schweigen davon, dass dein riesiger Fernseher so billig war, weil er Daten darüber sammelt, was du dir ansiehst, und diese verkauft.
Der Gesetzgeber in New Jersey hat gerade ein Gesetz verabschiedet, das alle E-Bike-Fahrer dazu verpflichtet, eine Zulassung und einen Führerschein mitzuführen, und für die meisten auch eine Versicherung. Wir reden hier nicht von Motorrädern oder gar Mopeds. Es sind Fahrräder. Die meisten von ihnen sind auf 20 Meilen pro Stunde begrenzt, und die schnellsten von ihnen auf 28 Meilen pro Stunde. „Schützt die Kinder“, indem ihr ihnen das Fahren moderner Fahrräder verbietet, und gebt diesen Fahrrädern eine Art Zulassung, die es ermöglicht, dass sie von Flock verfolgt werden. Ich vermute, dieses Gesetz hat viel mehr mit sozialer Kontrolle (und rassistischer Polizeiarbeit gegenüber schwarzen Jugendlichen) zu tun als mit öffentlicher Sicherheit.
Es gibt noch mehr als das. Es gibt so viel mehr. Geschäfte machen sich zunehmend nicht mehr die Mühe, Ladendiebe beim Verlassen des Ladens zu erwischen, sondern später bei ihnen zu Hause – was bedeutet, dass private Unternehmen die Polizei als Waffe einsetzen können, oft gegen Menschen, die von fehlerhaften KI-Systemen ins Visier genommen werden.
Um ehrlich zu sein, habe ich mir früher nie genug Gedanken über digitale Überwachung durch diesen oder jenen Megakonzern gemacht. Klar, meine Instagram-Anzeigen waren unheimlich zielgenau, aber das hat mich nicht gestört. Doch der Staat wurde von Faschisten gekapert, und Palantir ist nicht das einzige Unternehmen, das versucht, Silicon Valley auf eine Linie mit dem neuen Regime zu bringen. Die Demokraten haben das Überwachungssystem aufgebaut, und die Republikaner können es nutzen. Im Moment gibt es Möglichkeiten, sich davon abzumelden. Um es klar zu sagen: Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, das vollständig zu tun. Ich benutze immer noch meine Kundenkarte im Supermarkt, obwohl ich weiß, dass sie ein Profil über mich erstellen und wissen, dass ich meinen Tofu extra fest mag und immer noch auf Mandelmilch stehe statt auf die umweltfreundliche Hafermilch.
Ich zahle lieber etwas mehr für die Kfz-Versicherung, als für meine guten Fahrgewohnheiten „belohnt“ zu werden, aber ich weigere mich nicht, Autos mit Modems zu fahren.
Man kann immer noch 3D-Drucker kaufen, und vielleicht fallen sie unter Bestandsschutz bei neuen Gesetzen. Vielleicht auch nicht. Wenn die Altersüberprüfung auf Betriebssystemebene kommt, wird es wahrscheinlich kriminelle Linux-Distributionen geben, die sich weigern, sich daran zu halten. Wenn das Internet anfängt, alle nicht konformen Computer zu blockieren, kannst du dich einem beliebigen Spiegel des Internets anschließen, der sicher auftauchen wird. Vielleicht nutzen wir alle VPNs, um in irgendeinem sicheren Hafenland auf das Internet zuzugreifen.
Aber sich „auszuklinken“ wird immer schwieriger. Einige digitale Minimalisten sind zu einfachen Handys zurückgekehrt, nur um festzustellen, dass sie sich ohne eine App für die Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht für Kurse anmelden können.
Wir befinden uns in einem einzigartigen Moment der Geschichte, zumindest in den USA. Die Demokraten sind sich voll und ganz bewusst, dass sie nur deshalb beliebt sind, weil Trump so unbeliebt ist. Wenn wir laut genug über Datenschutz sprechen und aufhören, uns durch Streitfragen (wie Waffenrechte oder Sexarbeit) von anderen Menschen trennen zu lassen, denen Datenschutz wichtig ist, könnten wir vielleicht mehr als sonst den Ausschlag geben. Wir müssen klarstellen, dass Datenschutz ein unverhandelbares Recht ist.
Es gibt bereits einige Bewegungen in diese Richtung. Manche sagen: „Hey, vielleicht sollten die Bundesbehörden nicht einfach Verbraucherdaten kaufen können, um den Prozess der Einholung von Durchsuchungsbefehlen zu umgehen“, und Autohersteller werden gelegentlich aufgefordert, nicht mehr zu verfolgen, mit wem wir auf dem Rücksitz rummachen. Davon brauchen wir mehr, und wir müssen lauter werden.
In der Linken ist es aus der Mode gekommen, die Meinungsfreiheit zu verteidigen, weil rechte Trolle das Thema für sich beansprucht haben, aber wir müssen die Meinungsfreiheit verteidigen und dürfen nicht zulassen, dass die Rechte sie als ihr Thema beansprucht. Wir müssen aufhören, dem Staat die Möglichkeit zu geben, neue Methoden zu entwickeln, mit denen er uns kontrollieren kann.
Es gibt Leute, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich arbeiten. Die beste Organisation, die ich kenne und die sich mit Datenschutzfragen beschäftigt, ist die Electronic Frontier Foundation.
Quelle: "The Coming Privacy Apocalypse or: our operating system shouldn't know who we are", 24. April 2026 von Margaret Killjoy.
Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.
Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]
Wenn wir uns von den lügenden Maschinen abwenden oder: eine Verkündung von Untergang und Hoffnung, verbunden mit schlechtem Gerede über KI
Quelle: JPxG - DALL-E 3
Gemeinfrei
KI könnte die Zivilisation zerstören, oder zumindest das Internet, aber ich will dir keine falschen Hoffnungen machen.
KI hat etwas an sich, das zu großspurigen Aussagen, zu Verkündigungen einer neuen Göttlichkeit oder des Untergangs führt. Es gibt Leute, Leute in Machtpositionen, die glauben, dass die Copy-Paste-Maschinen, die sie gebaut haben, bald zu Göttern aufsteigen werden, und diese Leute in Machtpositionen ergreifen rücksichtslos Maßnahmen, weil sie davon ausgehen, dass das stimmt. Dann gibt es Leute wie mich, die Essays schreiben, die mit Sätzen wie „KI könnte die Zivilisation zerstören” anfangen.
Wahrscheinlich liege ich falsch. Von all den Zeiten, in denen die Zivilisation erschüttert wurde, von all den Zeiten, in denen die Zivilisation ins Wanken geriet, zumindest in den letzten tausend Jahren, hat sie sich zusammengehalten.
Aber bitte habt Geduld mit mir, während ich Übertreibungen benutze, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen.
Die moderne Gesellschaft basiert auf Vernetzung, globalem Handel, Netzwerkstandards, Kommunikation und unserer Fähigkeit, bestimmte Informationen zu überprüfen. Sie basiert auf einem allgemeinen Gefühl des Vertrauens. Das scheint gefährdet zu sein.
Erwachsene von heute, mich eingeschlossen, leiden unter Leichtgläubigkeit. Wir sind daran gewöhnt, dass wir, wenn wir zum Telefon greifen und die Stimme unserer Mutter hören, mit unserer Mutter sprechen. Wir sind es gewohnt, den Nachrichten zu glauben, wenn wir klare Videos von Ereignissen sehen. Klar, Dunkelkammer-Tricks, Photoshop und CGI gibt es schon seit geraumer Zeit, aber die überwiegende Mehrheit der Fotos, die wir gesehen haben, sind tatsächliche Darstellungen dessen, was die Kamera gesehen hat. Wenn wir ein einzelnes Foto sehen, vertrauen wir ihm vielleicht nicht. Wenn wir Fotos und Videos aus mehreren Blickwinkeln und Videoaussagen von mehreren Zeugen sehen, glauben wir daran.
Wir leiden unter Leichtgläubigkeit, und für uns bricht gerade die Realität zusammen, weil wir so daran gewöhnt sind, den Beweisen unserer eigenen Augen zu glauben. Wir alle (oder vielleicht bin es nur ich) haben lustige oder seltsame Videos in den sozialen Medien geteilt, nur um später zu erfahren (um ein konkretes Beispiel zu nennen), dass Kängurus tatsächlich nicht rückwärts springen können.
Weil wir dazu neigen, zu glauben, was wir sehen, werden wir leicht von Social-Media-Algorithmen isoliert, die uns unterschiedliche Sichtweisen der Realität vermitteln. Erst letzte Woche habe ich sowohl ein KI-Video gesehen, in dem jemand in einem lächerlichen Kostüm vor der Einwanderungsbehörde ICE davonläuft, als auch ein KI-Foto, auf dem dankbare Einwohner einer Stadt die ICE mit kostenlosem Kaffee und Willkommensschildern begrüßen. Was auch immer du bereits glaubst, es gibt KI-Schund, den du verschlingen kannst.
Diese Abschottung der Realität war schon vorher ein Problem, und es wird noch schlimmer werden, da falsche Bilder und Videos immer einfacher zu produzieren und immer schwerer zu erkennen sind. „Medienkompetenz” wird immer schwieriger zu vermitteln. KI verbessert sich schneller, als die Öffentlichkeit lernt, sie zu erkennen. Diese Abschottung der Realität ist ein Problem, das mir schon seit einiger Zeit bewusst ist und über das ich immer wieder höre. Im Moment besteht das Problem darin, dass wir dazu neigen, das zu glauben, was wir sehen.
Die nächsten Generationen werden meiner Meinung nach unter einem im Wesentlichen umgekehrten Problem leiden.
Ein Kind, das heute geboren wird, wird nie eine Welt erleben, in der es einen Grund gibt zu glauben, dass realistische Bilder, Videos oder Audiodateien die Realität widerspiegeln oder dass eine Person die Worte geschrieben hat, die es liest. Anstatt davon auszugehen, dass jedes fotorealistische Bild (oder glaubwürdig klingende Audioaufnahme) echt ist, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, könnten sie einfach annehmen, dass jedes Bild und jeder Text von den monströsen Lügenmaschinen erzeugt wurde, die in Lagerhäusern außerhalb unserer Städte stehen und unser ganzes Wasser und unsere ganze Energie verbrauchen. Ein Video, das als Beweismittel vor Gericht verwendet wird, wird ungefähr so glaubwürdig erscheinen, als hätte der Staatsanwalt eine Diashow mit Ölgemälden gezeigt.
Es gibt keinen Grund zu glauben, dass ein Kommentar in einem Forum von einem Menschen geschrieben wurde, keinen Grund zu vermuten, dass die Influencer auf YouTube echte Menschen mit echten Meinungen oder echten Informationen sind. Ein anderer Spieler in einem Online-Spiel ist genauso wenig wahrscheinlich eine Person wie auch nicht.
Die einzigen überprüfbaren Interaktionen sind diejenigen mit Menschen, die wir persönlich getroffen haben oder die direkt von Menschen überprüft wurden, die wir persönlich getroffen haben.
Wenn diese Kultur des Misstrauens zur Norm wird, sind die Auswirkungen davon erstaunlich und weitreichend. Im Grunde genommen werden die einzigen nachprüfbaren Erfahrungen die sein, die von Angesicht zu Angesicht gemacht werden. Vertrauen wird nur dort zu finden sein, wo es verdient ist, und in einer Kultur, die von Lügenmaschinen beherrscht wird, könnten Ehrlichkeit und Menschlichkeit über alles andere gestellt werden.
In Kreisen von
Das Internet wird sich grundlegend verändern und nicht mehr ein Ort sein, an dem man Dinge lernen kann, sondern nur noch eine Art seltsame kollektive Halluzination. Wir werden Fahrer in einem Nebel aus Desinformation sein, deren Weg nur von den schwachen Scheinwerfern des Vertrauens beleuchtet wird.
Es gibt Leute, die an Technologien wie digitalen Signaturen arbeiten, die es Computern ermöglichen, einander zu vertrauen. Videokameras könnten mit Signaturen ausgestattet werden, die Spoofing verhindern (oder erschweren). Aber ich bin skeptisch, dass diese Technologie durchweg zuverlässig sein wird, geschweige denn benutzerfreundlich genug, um sich so weit zu verbreiten, dass sie das Blatt gegen Desinformation wenden kann.
Ich bin vorsichtig gegenüber jedem, der großspurige Untergangsprognosen macht, und du solltest mir gegenüber vorsichtig sein. Aber das beste Szenario, das ich mir vorstellen kann, versetzt uns ungefähr zurück ins 18. Jahrhundert, vor das Aufkommen der Fotografie. Doch obwohl Zeitungen und Journalisten schon immer voreingenommen waren (und vor dem 20. Jahrhundert noch viel mehr), konnte man früher zumindest darauf vertrauen, dass dieser oder jener Artikel von einer Person geschrieben wurde und zumindest die Meinung des Autors wiedergibt. Heute gibt es keinen Grund mehr, einer Meldung zu vertrauen, es sei denn, man vertraut dem Verfasser.
In der Welt der Belletristik sind wir bereits seit mehreren Jahren in diesem Niedergang begriffen. Niemand macht sich die Mühe, Geschichten zu lesen, die niemand geschrieben hat, und Belletristikmagazine haben in der Regel ziemlich strenge Richtlinien gegen den Einsatz von KI. Diese Richtlinien werden immer schwieriger durchzusetzen. Der größte Vorteil, den ich als Autor habe, wenn ich Beiträge bei diesen Magazinen einreiche, ist, dass die Leute wissen, wer ich bin. Ich habe einen guten Ruf, weil mich niemand beschuldigt hat, meine Texte mit KI zu manipulieren (obwohl ich zugegebenermaßen Emdashes liebe). Ich kann mir nicht vorstellen, wie viel schwieriger es heute ist, in diesem Bereich Fuß zu fassen, und es wird nur noch schlimmer werden.
Vertrauen ist schon jetzt eine soziale Währung. Deshalb teile ich keine Spendenaufrufe, die nicht von mir oder jemandem, den ich gut kenne und dem ich vertraue, persönlich geprüft wurden. Der Wert von Vertrauen als soziale Währung wird aber nur noch steigen. Leute, die den Infos, die sie im Internet lesen, oder den Fotos und Videos, die sie sehen, vertrauen, werden hoffnungslos naiv wirken.
Die weniger leichtgläubige Kultur, die wir vielleicht aufbauen werden, hat aber auch eine gewisse Schönheit. Seit Jahrzehnten verspricht uns die Science-Fiction eine vollständig onlinebasierte Dystopie, in der die Menschen mit Schund gefüttert werden, diesen begierig verschlingen und die physische Welt dem Verfall preisgeben. Ich bin ein professioneller Optimist und glaube nicht, dass es so kommen wird. Sicher, meine eigene Generation und sogar die Zoomers werden sich vielleicht nicht daran anpassen, aber jüngere Menschen werden es wahrscheinlich tun.
Die einzig logische Reaktion auf ein Internet voller Desinformation ist die Rückkehr zu persönlichen Interaktionen. Live-Theater und Live-Musik werden umso wichtiger werden. Journalisten könnten mehr Vorträge vor Ort über das halten, was sie gesehen haben. Wenn wir verzweifelt nach Influencern und heißen Takes suchen, könnten wir sogar die Rückkehr eines der ältesten Berufe der Welt erleben – der Seifenkistenredner, die an Straßenecken stehen und so unterhaltsam wie möglich über dieses oder jenes Thema schwadronieren. (Im Ernst, ich war schockiert, wie verbreitet diese Form der Unterhaltung bis zum Aufkommen des Radios war. Ein guter Seifenkistenredner war gleichzeitig Theoretiker und Komiker und konnte Dutzende oder Hunderte von Menschen in seinen Bann ziehen). Vielleicht werde ich vom Podcasting zum Live-Storytelling wechseln. Vielleicht werde ich glücklicher sein, wenn auch wahrscheinlich ärmer.
Wir werden vielleicht mehr miteinander reden. Wir werden vielleicht Vertrauen aufbauen. Wir werden vielleicht eine Gemeinschaft aufbauen. Wir könnten lernen, dem Lokalen Vorrang zu geben. Wir könnten Dinge mit unseren Händen herstellen und mit unserem Mund sprechen. Wenn ich utopische Aussagen machen soll, würde ich sagen, dass wir vielleicht lernen werden, uns mit lokalen Räten selbst zu regieren, diese lokalen Räte dann zu einem Verband zusammenzuschließen und eine egalitäre Gesellschaft von unten nach oben aufzubauen. Vielleicht werden wir diese Kultur des Misstrauens so weit ausdehnen, dass wir aufhören, Kapitalisten zu vertrauen, und aufhören, den Menschen zu vertrauen, die uns autoritäre Alternativen zum Kapitalismus versprechen.
Vielleicht führt dieser große Neustart des Vertrauens zu einem großen Wiederaufbau. Vielleicht bauen wir eine bessere Welt, größtenteils (aber wahrscheinlich nicht komplett) offline.
Und ich werde mir einen neuen Job suchen müssen.
Aber das ist für mich in Ordnung.
Quelle: „When We Walk Away From the Lying Machines or: a pronouncement of doom and hope, tied into talking trash on AI” von Margaret Killjoy, 04.02.2026
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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]




