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»Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen.« Erich Kästner

Berlin: Mehr als abstrakte Hoffnung

Gegen Gewalt und organisierte Verwahrlosung: Wie eine Klinik in Chiapas kollektive Fürsorge denkbar macht. Mit Victórico Gálvez Pérez (Frayba), Pablo Uc (IRGAC), Felicitas Treue (EuropaZapatista) und medico.

Grafisch gestaltetes Plakat in Türkis, Schwarz, Hellgrün, Orange und Rot. Vor einem großen schwarzen Kreis ist eine flache, langgestreckte Klinik dargestellt. Das Gebäude ist nur durch hellgrüne Konturen und wenige Details angedeutet. Rechts daneben steht ein kleiner Krankenwagen mit einem weißen Kreuz. Ein geschwungener orangefarbener Weg führt vom unteren Bildrand zum Eingang der Klinik.  Über dem Gebäude steht in großen hellgrünen Großbuchstaben der spanische Schriftzug „CLÍNICA PARA TOD@S“, sinngemäß „Klinik für alle“. Das „@“ ist rot hervorgehoben und in ein weiß umrandetes Kreissymbol eingebettet. Im Hintergrund verlaufen türkisfarbene, wellenartige Linien durch die schwarze Fläche. Die bewusst rauen, teilweise ausgefransten und unregelmäßigen Strukturen verleihen der Grafik den Charakter eines politischen Plakats oder Siebdrucks.  Unten links befinden sich zwei rote Logos: CAREA sowie medico international.

Grafik: medico

Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas werden indigene Gemeinden systematisch von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen. Auch deshalb rebelliert dort seit 1994 die zapatistische Autonomiebewegung. Sie kämpfen für Freiheit, Gerechtigkeit und ein gutes Leben in Würde.

Während angesichts der Lage der Welt vielerorts Ohnmacht und Lähmung um sich greifen, zeigen die Zapatistas, dass Widerstand mehr als eine abstrakte Hoffnung sein kann. Angesichts eines immer gewalttätigeren Umfelds stärken sie ihre Autonomie und das Gemeinschaftliche.

Nun haben die zapatistischen Gemeinden mit Unterstützung solidarischer Initiativen wie medico international mitten im Regenwald mit dem Bau einer selbstverwalteten Klinik begonnen: Gynäkologie, Labor, zahnärztliche Versorgung – offen für alle.

Wir sprechen mit unseren Gästen über die Lage in Chiapas, den Widerstand der Zapatistas gegen organisierte Verwahrlosung und systematische Entrechtung und über die Bedeutung der Klinik als Infrastruktur der Fürsorge.

Victórico Gálvez Pérez ist Menschenrechtsverteidiger und Anwalt. Der Spezialist für Menschen- und politische Rechte arbeitet im Bereich internationale Advocacy für das Menschenrechtszentrum Frayba in San Cristóbal de las Casas, Chiapas.

Pablo Uc ist Schriftsteller, Wissenschaftler und Aktivist für den Schutz des Territoriums in Chiapas und darüber auch im engen Kontakt mit den Zapatistas. Er ist Teil der International Research Group on Authoritarianism and Counter-Strategies (IRGAC).

Felicitas Treue ist Teil von Frankfurt International, einer Gruppe des Netzwerks Europa Zapatista. Sie besucht regelmäßig die zapatistischen Gemeinden und berichtet von ihren Eindrücken.

Durch den Abend führen die medico-Referent:innen für Lateinamerika Timo Dorsch, Moritz Krawinkel und Jana Flörchinger.

Donnerstag, 15.10.2026

Beginn: 19:00 Uhr

Veranstaltungsort

aquarium
Skalitzer Str. 6
10999 Berlin

Alle Informationen und Spendenmöglichkeiten zur Kampagne “Klinik für alle“

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos. 

Veranstaltet von: medico international und Carea

Quelle: medico


 

Vor 34 Jahren: The Truth Lies in Rostock

Heute vor 34 Jahren begann in Rostock - Lichtenhagen ein "Volksfest" der ganz besonderen Art: Eine Woche lang, vom 22. bis zum 26. August 1992, griffen mehrere hundert junge Rechtsradikale die Flüchtlingsunterkunft und ein von vietnamesischen VertragsarbeiterInnen bewohntes Haus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Unterstützt wurde der Mob von über tausend "ganz normalen" Deutschen, die Polizei griff kaum ein. Es handelte sich um die massivsten rassistischen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der von Mark Saunders und Siobhan Cleary produzierte Dokumentarfilm „The truth lies in Rostock“ dokumentiert die Ereignisse. Er entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Deshalb zeichnet sich die Produktion nicht nur durch einen authentischen Charakter aus, sondern versteht sich auch Jahre danach als schonungslose Kritik an einer Grundstimmung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die Pogrome gegen Migranten oder einfach nur „anders aussehende“ überhaupt erst möglich macht. Nicht umsonst sorgte der Film auch in der Linken für eine heiße Debatte um die Frage, in wieweit die rassistischen Übergriffe mit der „Wiedervereinigung“ Deutschlands und dem darauf folgenden nationalistischen Taumel zu tun hatten.

Im übrigen ist deswegen jedwede Orientierung auf staatliche Institutionen (... Politik und Staat dürfen nicht zulassen, dass Rassisten auf der Straße erneut die Oberhand gewinnen....) fehl am Platz. Denn Chemnitz und Heidenau wie auch Lichtenberg und Freital konnten nur in Folge, Billigung und als Ergebnis rassistischer Politik der Bundesregierung als auch der Handlung der Bullen etc. passieren...

• Mehr Infos
• Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen (Antifa Info Blatt)
• Für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung!
• Kein Mensch ist illegal!
• Mehr Videos

Quellen:

• FAU-FFM
• Umbruch Bildarchiv
• gegen0310
• Antifa SFA - Soltau Fallingbostel Walsrode

Filmquelle
 


 

Viele Hitzetote im Stuttgarter Kessel: Mit der Rosensteinbebauung wird alles noch viel schlimmer

„Aus der Extremhitze der letzten Tage in Stuttgart und dem, was uns da noch bevorsteht, muss auch der Stuttgarter Gemeinderat radikale Konsequenzen ziehen“, so Alexander Schauenburg vom Klima - und Umweltbündnis Stuttgart.

Das Logo des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 zeigt die Silouette einer demonstrierende Menschenmenge mit dem darübergelegten Text "Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21" sowie den angedeuteten Transparenten mit dem Text "Kopf bleibt oben" und "Umstieg 21"

In der letzten Juniwoche musste die Stadt Stuttgart eine „Außergewöhnliche Einsatzlage“ (AEL) ausrufen, weil die Kliniken und Rettungsdienste am Limit arbeiteten. Bevor der Sommer so richtig begonnen hatte, zählte das Robert-Koch-Institut schon über 5000 Hitzetote bundesweit. Einen überproportionalen Anteil daran dürften hitzebedingte Tote in Stuttgart ausmachen, denn die Stadt ist aufgrund ihrer Kessel- und Windschattenlage eine Hitzeinsel und zählt daher laut Stadtklimatologie. „zu den niederschlagsärmsten Gegenden in Baden-Württemberg“. Bis 2050 rechnet die Stadt nicht nur mit deutlich mehr Starkregenereignissen, sondern „gleichzeitig mit mehr als doppelt so vielen Hitzetagen mit über 30°“, so heißt es im Klimabeschluss des Stuttgarter Gemeinderats vom 2. Juni 2022, in dem er sich auf Klimaneutralität bis 2035 verpflichtete.

„Angesichts der Erfahrungen der letzten Hitzetage und angesichts der kurz - und langfristigen Bedrohungsszenarien, muss jetzt Schluss sein mit dem verantwortungslosen Aufweichen der Klimaziele“, so Schauenburg weiter. Parallel dazu, und nicht alternativ dazu, müssen alle Register gezogen werden, um die Menschen vor den Folgen der langjährigen klimapolitischen Versäumnisse zu schützen – und vor allem nicht noch Öl ins Feuer zu gießen mit kontraproduktiven Maßnahmen, die die Hitzebelastungen besonders im Stuttgarter Kessel noch verschärfen. Damit gemeint ist das Festhalten am Bau eines neuen Stadtteils namens Rosensteinquartier mitten in die Stuttgarter Frischluftschneise. Wo doch von der Architektenkammer BaWü, der IBA 2027 u.a. längst das Signal ausgeht: „anders! bauen im Bestand“ – Wege zur Bauwende (IBA 2027).

Das KUS Logo zeigt die Erdkugel über dem blauen "K", eine Baumsilouette über dem grünen "U" und das Wappentier der Stadt Stuttgart - ein sich aufbäumendes Pferd - über dem gelben "U".

Nächtliche Fallwinde von den Hanglagen und die Windströmung von Kalten(!)tal Richtung Neckar sorgen für nächtliche Abkühleffekte, wobei der stärker abkühlende Gleiskörper des Kopfbahnhofs eine wichtige Rolle spielt. Bauhöhen von 21 bis 30m würden den Winddurchfluss in dieser klimasensiblen Zone um 40% bremsen, die inzwischen geplanten Bauhöhen von 24 bis 48m entsprechend stärker. Windbewegungen in Bodennähe kommen fast zum Erliegen, so ein leider unberücksichtigt gebliebenes Fachgutachen der Stadtklimatologie.

Angesichts des im livestream scheiternden Projekts Stuttgart21wird der Kopfbahnhof ohnehin mindestens noch 6 Jahre gebraucht - angesichts der neuen, völlig unrealistischen Inbetriebnahmetermine sicherlich noch viel länger bzw. für immer. Aufgrund der dramatischen Hitzeentwicklung in der Stadt fordern KUS und Aktionsbündnis die sofortige Umwidmung der Millionenbeträge für Personal und Bewerbung des Rosensteinquartiers zugunsten von Schutzmaßmahnen für die hitzebetroffene Bevölkerung und für die Realisierung von Wohnbau im Bestand.

Der realpolitisch unabweisbare Abschied von dem illusionären, viele Milliarden teuren Rosensteinprojekt wäre allein schon ein Gebot haushälterischer Vernunft für eine „Stadt am Limit“. Er wäre auch ein Richtungswechsel der Verkehrs- und Klimawende von rückwärts nach vorwärts, indem ein Bahnhof mit Zukunft ermöglicht würde.


„Stuttgart 2035 klimaneutral - wird das noch was?“
Diese Frage, konkret gemünzt auf das Thema Wärmewende, stellt KUS unterstützt von vielen Verbänden aus dem Umwelt- und Verkehrsbereich Vertretenden der Gemeinderatsparteien, die sich in einem gemeinsamen Beschluss 2022 auf dieses Klimaziel verpflichtet hatten – und zwar am Dienstag, den 14. Juli um 18h im Großen Saal des Stuttgarter Rathauses

Mehr dazu: Stuttgart 2035 klimaneutral

Quelle: Pressemitteilung Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und Klima- und Umweltbündnis Stuttgart, 12. Juli 2026


 

Berlin: Revolutionäre 1. Mai- Demonstration 2026

Fronttransparent der Demo mit dem Text "gegen die Gesamtscheiße - Die Zukunft gehört uns!" und einem Roten Stern mit Antifaflaggen auf der linken Seite getragen von verschiedenen Personen, dahinter eine Masse von Menschen am späten Abend.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Unter dem Motto „Gegen die Gesamtscheiße“ startete die diesjährige revolutionäre 1. Mai-Demonstration unter der Beteiligung mehrerer 10.000er Teilnehmer*innen vom Oranienplatz in Kreuzberg. Marxistische Jugendgruppen, Pali-Solidaritäts-Bewegung und ein großer Antifablock bildeten den Anfang. Ein sich schon am Mittag bildener „Menschenteppich“, durch verschiedenste angemeldete und auch nicht angemeldete Party- und Feierangebote in großen Teilen von Kreuzberg erschwerte den Start und einen geschlossenen Demozug. Stundenlange Verzögerungen waren die Folge. Ein Teil der Demo schaffte es die Route einzuhalten, der andere Teil blieb erstmal stecken. Ab dem Görlitzer Park wurde der Antifa-Block von einem dichtem Bullenspalier begleitet. Am Rande der Demo wurden Nazi-Influencer vertrieben, es gab zahlreiche Solidaritätsgrüße von Balkonen und der Bordsteinkante. Gegen 23.00 Uhr erreichte die Demonstration den Abschlußkundgebungsplatz am Südstern. Dort ließen es sich die Bullen nicht nehmen, Teile des Antifablocks anzugreifen, durch Geschlossenheit konnte dieses abgewiesen werden. Was bleibt von diesem Tag? 10.000de waren auf der Straße, organisiert und auch weniger organisiert, und ein Gefühl, das Mensch nicht allein ist mit der Gesamtscheiße um uns herum.

„Wir feiern das Leben, die Rebellion und die Befreiung. Weg damit: Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsregime. Feminizide, Männlichkeit und Patriarchat. Nationalismus, Faschismus und AfD. Wasserprivatisierung, Autobahnausbau und Klimakatastrophe. Regierende Bürgermeister, Zäune und nächtens geschlossene Parks. Autoritarismus, Dogmatismus und scheinbar einfache Wahrheiten. Angriffe auf Rojava, Krieg in der Ukraine und Genozid in Gaza. Racial Profiling, »kriminalitätsbelastete Orte« und neue Polizeigesetze. Finanzielle Kürzungen, Demontage des Sozialstaats und der restliche Monat am Ende des Geldes. Gefangennahme von Cilia Flores mit Ehemann, von Antifaschist*innen und unserer langjährigen Nachbarin Daniela Klette. Private Wohnungsunternehmen, steigende Energiekosten und hohe Mieten. Merz, Pistorius und alle anderen da oben. Alles Würg!

Wir finden das Leben viel zu interessant, um es für all das herzugeben. Deshalb soll die ganze Scheiße zerfallen, wie es einst Karl Marx formulierte, und dazu werden wir beitragen. Wir spielen nicht mit, wir rebellieren, wir widersetzen uns. Wir verweigern uns den auferlegten Pflichten. Wir desertieren aus diesen Verhältnissen. Wir brechen aus und nehmen uns am Ersten Mai die Straße. Denn wenn schon die Gegenwart verloren ist, so wollen wir doch die Zukunft erobern.Mit Zehntausenden werden wir am Abend des 1. Mai in Berlin zur jährlich größten Manifestation der radikalen Linken zusammenkommen. Uns eint unsere Unzufriedenheit mit dem Bestehenden und der Widerspruch zum Herrschenden, das kein Versprechen mehr für uns hat. Mit rebellischer Munterkeit laden wir zu einem Block auf der revolutionären 1.Mai-Demo alle ein: Wütende und Traurige, Lohnabhängige und vermeintlich Überflüssige, Kind und Kegel, Schlawinerinnen und Rabauken, Militante und die gesamte Bagage. In unserer Vielfalt finden wir die Einheit.“

(aus: Aufruf des Antiautoritären Blocks)


Eine gute Übersicht mit Infos zur Demo und allen anderen Aufrufen findet ihr auf der Seite von erstermai.nostate.net/

Weitere Ereignisse zu diesem Thema
Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)Links

1000 Krisen – eine Antwort: Sozialismus! Heraus zum revolutionären 1. Mai 2026!

Das SharePic zeigt das Plakat zum revolutionären 1. Mai 2026 in Stuttgart, sowie den Verweis auf die Webseite des Bündnisses sowie einen QR Code

COVID-19 hinterlässt Spuren im Gehirn: Es werden erhebliche Rückgänge der IQ-Werte festgestellt...

Wer hat nicht das Gefühl, dass die Menschen in den USA (und hierzulande) immer dümmer werden? Nun, das liegt nicht nur an KI und Fake News. Es liegt offenbar auch an Covid.

Laut dieser Studie könnten die Langzeitfolgen einer Covid-Infektion die Zahl der Erwachsenen in den USA mit einem IQ unter 70 von 4,7 Millionen auf 7,5 Millionen erhöht haben – ein Anstieg um 2,8 Millionen Erwachsene mit einer kognitiven Beeinträchtigung, die erhebliche gesellschaftliche Unterstützung erfordert. Den Beitrag aber ich ohne die Deeplinks hier übersetzt:

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Berlin ist #unkürzbar

Das Foto von © Björn Obmann zeigt ein Übersichrtsfoto über die bunt gewürfelte Demo in einer Straße
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Der schwarz-rote Senat will einen massiven Kürzungshaushalt beschließen, der die Arbeit von sozialen, kulturellen, ökologischen und Jugendeinrichtungen gefährdet. Egal ob queere Jugendarbeit, Schutzräume für Frauen, Investitionen in Klima- und Hitzeschutz, Jugendarbeit, ökologische Projekte - teilweise sollen Budgets komplett gestrichen werden.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Dagegen protestierten am 10. Oktober 2025 etwa 1.500 Menschen. Auf Schildern forderten sie den Erhalt von Kultur, Soziale Arbeit, Jugendeinrichtungen und Klimaschutz. Ein #kürzbar-Block zeigte, worauf Berlin stattdessen verzichten könnte – Zaun um den Görli, A100, TVO, Olympia...

Zum ersten Mal durfte die Demo nicht wie geplant vor dem Abgeordnetenhaus starten. Begleitet wurde die Demo mit einem großen Polizeiaufgebot inklsuive Gefangenentransporter am Ende der Demo, das ebenfalls kürzbar gewesen wäre. Nach einem Bannerdrop vom Kulturforum versuchte die Polizei das große Aufgebot noch schnell zu rechtfertigen und nahm mehrere Personen auf dem Vorplatz fest, weil auf den Flyern kein Impressum abgedruckt war. Auch die Aktivist:innen auf der Dachterasse wurden festgenommen, kamen aber im Laufe des Abends wieder frei. Die Demo endete am Abend vor dem Roten Rathaus.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Der Himmel und die fallenden Blätter oder: Wie wir uns alle uneinig sind, was gerade passiert, und warum das irgendwie okay ist

Das Foto zeigt nasse Herbstblätter in der Stadt auf dem Boden.
Herbstblätter in der Stadt
Quelle: Polyflux, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Am ersten Herbstmorgen, an dem es sich wirklich wie Herbst fühlte, mit der tief stehenden Sonne in der klaren Luft und den Blättern, die über den Boden verstreut waren, wachte ich auf und fand einen sterbenden Vogel in meinem Wohnzimmer.

Es gibt viele Gründe, warum in meinem Wohnzimmer kein sterbender Vogel liegen sollte, und einer dieser Gründe ist, dass ich mich mit der Identifizierung von Vögeln nicht auskenne, sodass ich nicht einmal in der Lage bin, auf zufriedenstellende Weise über das verdammte Ding zu schreiben. Ich glaube, es war ein Rotkehlchen.

Ein weiterer Grund, warum in meinem Wohnzimmer kein sterbender Vogel liegen sollte, ist, dass die Tür zur Veranda geschlossen war, sodass er eigentlich gar nicht hineinkommen konnte.

Ein weiterer Grund, warum kein sterbender Vogel in meinem Wohnzimmer sein sollte, ist, dass wir unsere Welt jetzt mit der Vogelgrippe teilen und wir uns heutzutage nicht zu sehr in die Nähe von toten (oder vermutlich sterbenden) Vögeln begeben sollten.

Ich warf ein Geschirrtuch über ihn, wo er auf dem Boden lag, setzte eine Atemschutzmaske auf und trug ihn vorsichtig nach draußen. Ich legte ihn auf einen Haufen Gerümpel in meinem Garten und beobachtete, wie der kleine Kerl atmete und blinzelte. Ich könnte schwören, dass ich eine Träne über sein Gesicht laufen sah, aber selbst als ich das sah, sagte mir mein Verstand, dass ich so etwas nicht gesehen haben konnte – obwohl ich später bei Google herausfand, dass Vögel tatsächlich Tränen produzieren können. Nur wahrscheinlich nicht als Reaktion auf Emotionen.

Ich ging ins Haus, wusch mir die Hände und beschloss, dass es meinem Leben nicht gut tun würde, wenn ich jetzt wegen einer Krankheit in Panik geriete. Zehn Minuten später, als ich wieder nach draußen ging, um mit meinem Hund spazieren zu gehen, hatte das Rotkehlchen aufgehört zu atmen.

Willkommen, Herbst. Gut, dass ich nicht voll und ganz an Omen glaube.

Wir haben noch keinen Konsens darüber gefunden, wie schlimm die Lage in Amerika gerade ist. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, hat eine andere Meinung zur aktuellen Krise. Einige Leute sind total wachsam und beobachten den Himmel auf Anzeichen dafür, dass er herunterfällt. Andere halten den Kopf gesenkt und starren fest auf den Weg vor sich. Wieder andere schreiben verworrene Metaphern über all das in ihre Newsletter.

Wir können uns nicht darauf einigen, was gerade passiert, daher waren alle Gespräche, die ich in den letzten Wochen geführt habe, für alle Beteiligten in gewisser Weise verwirrend. Fällt der Himmel oder fällt er nicht?

Die Antwort ist natürlich, dass die Faschisten versuchen, den Himmel auf uns fallen zu lassen, aber sie sind derzeit nicht in der Lage, dies so vollständig zu tun, wie sie es gerne hätten. Sie lassen so viele Brocken des Himmels wie möglich auf uns alle fallen und drohen, den Rest des Himmels auf den Rest von uns fallen zu lassen, in der Hoffnung, dass wir aufhören, uns zu wehren. Zum Glück funktionieren ihre Drohungen nicht ganz, noch nicht vollständig, noch nicht.

Dieser nicht ganz so apokalyptische Moment verwirrt unser Nervensystem und führt dazu, dass wir alle zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Einige Leute geraten in Panik. Andere vermeiden Panik, indem sie der Situation aus dem Weg gehen. Wieder andere versuchen (meiner Meinung nach klugerweise), die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, nüchtern zu betrachten und sich auf Eventualitäten vorzubereiten.

Vergleichen wir zwei gegensätzliche, vernünftige Standpunkte. Salon hat diese Woche einen Artikel mit dem Titel „MAGA kann seine Basis nicht erweitern – und christliche Musik sagt uns warum” veröffentlicht. Darin wird klar und rational dargelegt, wie unbeliebt Trump und seine Politik sind, und natürlich braucht eine autoritäre Gesellschaft tatsächlich die Zustimmung der Bevölkerung. Dieser Artikel ist optimistisch, ohne naiv zu sein.

Auf der anderen Seite hat Truthout einen Artikel mit dem Titel „National Security Directive Declares War on Those Who Don't Support Trump Agenda” (Nationale Sicherheitsrichtlinie erklärt denen den Krieg, die Trumps Agenda nicht unterstützen) veröffentlicht, der NSPM-7, das National Security Presidential Memorandum 7, beschreibt. Die wenigen Berichte, die ich dazu gesehen habe, bezeichnen es fälschlicherweise meist als Executive Order. Das ist es aber nicht. Es ist eine Richtlinie für die Bundespolizei, die ihnen sagt, gegen wen sie vorgehen sollen. Sie behauptet nicht einmal, dass ihr Feind „Antifa” ist, sondern bezeichnet ganz allgemein und ausdrücklich „Antifaschismus” als Feind.

Nach der Exekutivverordnung der vergangenen Woche, die „Antifa” als inländische terroristische Vereinigung einstufte, waren einige Leute besorgt. Andere versuchten verständlicherweise, Ruhe zu verbreiten. In den USA gibt es keine rechtliche Einstufung als „inländische terroristische Vereinigung“. Antifa ist keine echte Organisation. Durchführungsverordnungen sind keine Gesetze. All das ist wahr. Aber das ist nur ein schwacher Trost, denn Trump hat gezeigt, dass er bereit ist, gegen das Gesetz, die Verfassung und die Gerichte zu verstoßen, und es gibt keinen Grund zu glauben, dass irgendetwas davon ihn davon abhalten wird, seine Macht auszuüben. Und die Anweisung an die Bundespolizei liegt sicherlich in seiner rechtlichen Befugnis.

Wir wissen nicht, wie schlimm es noch werden wird. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass wir das Ausmaß an Bösem erreichen werden, das wir in faschistischen Regimes der Vergangenheit gesehen haben, aber wir sollten auch nicht davon ausgehen, dass dies nicht der Fall sein wird.

Wir haben ein Problem mit der Normalitätsverzerrung. Ironischerweise leiden einige der radikalsten Menschen, die ich kenne, am meisten darunter – wenn man bereits davon überzeugt ist, dass die US-Regierung böse ist (was leicht zu glauben ist, da dies während der gesamten Geschichte des Landes der Fall war), ist es schwer, über „böse“ hinauszugehen. Wir sind so daran gewöhnt, Demokraten und Republikaner als funktional gleichwertig zu betrachten, als zwei Seiten derselben imperialistischen Medaille, dass es uns schwerfällt, uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass die derzeitige Regierung so viel schlimmer ist. Der Faschismus ist in der Tat schlimmer als der Neoliberalismus oder Neokonservatismus.

Das bedeutet ironischerweise, dass Radikale derzeit von Progressiven und Liberalen überholt werden, wenn es darum geht, gegen den Aufstieg des Faschismus in Amerika zu kämpfen, weil Progressive und Liberale daran gewöhnt sind, die Regierung als „gut“ zu sehen, und sich Sorgen machen, dass sie „schlecht“ werden könnte.

Es stimmt, dass Bidens Regierung die Rücknahme aller versprochenen Reformen überwacht hat, die wir angeblich während des Aufstands von 2020 erreicht haben. Es stimmt, dass Bidens Regierung während der Unterdrückung der Stop Cop City-Bewegung an der Macht war. Es stimmt, dass Bidens Regierung für ein Übel nach dem anderen verantwortlich ist (wie jede Regierung vor ihr).

Es stimmt aber nicht, dass Biden mehr Leute abgeschoben hat als Trump. Obama ist immer noch der Rekordhalter, der während seiner ersten Amtszeit mehr als tausend Leute pro Tag abgeschoben hat, aber Trumps tägliche Abschiebungen in seiner ersten Amtszeit waren mehr als doppelt so hoch wie die von Biden. Wichtig ist, dass zusätzlich zu den Abschiebungszahlen auch die Verhaftungen von Migranten zugenommen haben und Trump eine Kultur der Angst aufbaut und den Menschen in diesem Land offen den Krieg erklärt.

Wir müssen uns daran erinnern, dass die Demokraten (und der Staat selbst) sich unaussprechlicher Verbrechen schuldig gemacht haben, aber wir müssen auch bedenken, dass das, was jetzt passiert, noch schlimmer ist.

Ich weiß nicht, ob wir uns alle darüber einig werden können, wie schlimm die Lage gerade ist, und noch weniger, wie schlimm sie wahrscheinlich noch werden wird – denn das weiß keiner von uns. Unsere Handlungen, sowohl individuell als auch kollektiv, werden bestimmen, wie schlimm es noch werden wird.

Ich weiß, dass diese Meinungsverschiedenheiten zwischen uns stressig sind. Es fühlt sich an, als würden wir uns gegenseitig manipulieren und darüber streiten, wie hell oder dunkel das Licht ist. Aber keiner von uns lügt den anderen an. Einige von uns belügen sich selbst, aber im Großen und Ganzen nehmen wir das Licht einfach unterschiedlich wahr. Also werde ich weiterhin Gespräche mit Leuten führen, die es seltsam finden, dass ich zu GrapheneOS gewechselt habe, dass ich bei Signal verschwundene Nachrichten als Standard eingestellt habe und dass ich denke, wir sollten alle Pläne machen, falls wir wegen Gedankenverbrechen verhaftet werden.

Und ich werde weiterhin denken, dass es komisch ist, dass Leute glauben, wir wären nicht in unmittelbarer und dramatischer Gefahr. Ich werde aber auch versuchen, ihnen zuzuhören. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass sie Recht haben.

Ich werde es aber nicht bereuen, vorbereitet zu sein, denn es beruhigt mich zu wissen, dass ich Schritte unternimm, um mich und meine Freunde zu schützen. Handeln, nicht nur Hoffen, ist das Gegenmittel gegen Verzweiflung.

Ein Teil meiner Vorbereitungen besteht darin, die Schönheit des Lebens und der Welt zu genießen. Das Knirschen von Blättern unter meinen Füßen, das Tragen von kuscheligen Hoodies und handgestrickten Schals und meinen Freunden zu sagen, dass ich sie liebe, gehören genauso zu meinen Vorbereitungen wie das Verschlüsseln meiner Nachrichten. Denn die Bäume färben sich in den leuchtenden Farben des Todes, und ich hoffe, dass ich noch weitere sechzig Jahre lebe, aber ich sollte immer so leben, als würde ich vielleicht nur noch sechs Monate leben.

Das sage ich mir jedenfalls, wenn der Herbst kommt. Mögen wir alle in Zukunft wieder Winter, Frühling, Sommer und Herbst erleben.

Quelle: Margaret Killjoy, "The Sky and Leaves as They Fall or: how we all disagree about what's happening and how that's sort of okay", 03. Oktober 2025

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]

Marsch für das Leben - What the fuck?!

Das verpixelte Foto von © Björn Obmann zeigt das Transparent mit dem Text "My Body My (F*ching) Choice" neben einer maskierten Person, die den Stinkefinger zeigt.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Mehrere Hundert Queer-Feminist*innen protestierten am 20.9.2025 bunt und laut gegen einen christlich fundamentalistischen Aufzug mit rund 2.000 Teilnehmenden in Berlin-Mitte. Auf halber Strecke blockierten die Pro-Choice-Aktivistinnen die Straße und wurden von der Polizei an die Seite gedrängt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Am jährlichen sog. „Marsch für das Leben“ beteiligten sich neben bundesweit mobilisierten Ultra-Konservativen erneut rechtsextreme Akteure, wie etwa die AfD. Teilnehmende bezogen sich im Antifeminismus geeint u.a. mit einer Schweigeminute positiv auf den erschossenen MAGA-Faschisten Charlie Kirk.

„Gemeinsame Veranstaltungen von christlichen FundamentalistInnen und der Neuen Rechten wie die Durchführung sogenannter Familienkonferenzen belegen gute Kontakte zwischen der „Lebensschutzbewegung“ und der extremen Rechten. Wer hier wegschaut und das Märchen der ach so harmlosen „Lebenschutzbewegung“ glaubt, verharmlost und unterschätzt die Gefahr und normalisiert queerfeindliche und rassistische Erzählungen“

(aus dem Aufruf des „What the fuck“-Bündnisses)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

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