trueten.de

»Another fine mess you've gotten me into.« Oliver Hardy

A/I shuts down - Stay human

Zentral steht ein großer Textblock mit der Überschrift 'GOODBYE A/I'. Darunter folgt in schwarzer Schrift auf beigem Hintergrund die Mitteilung, dass Autistici/Inventati neunzehn Tage vor der Frist eingestellt wird. Rechts daneben befindet sich eine stilisierte Kalendergrafik. Im oberen rechten Bereich steht ein rot unterlegtes Logo mit dem Schriftzug 'NOBLOGS' und dem Zusatz 'Welcome to A/I'. Am unteren Rand sind weitere Informationen und Logos abgebildet, darunter 'sabot.media', der Hinweis auf einen vollständigen Artikel sowie auf ein kostenloses Buch.

An dem Tag, als wir erfuhren, dass wir als globale Terrororganisation eingestuft worden waren, haben wir versprochen, dass wir versuchen würden, so lange wie möglich Widerstand zu leisten, dass wir nicht nachgeben würden, solange wir noch Möglichkeiten sähen, unsere Position zu verteidigen. Seit Jahren pflegen und verteidigen wir stolz eine freie, datenschutzfreundliche, autonome und politisch engagierte Infrastruktur.

„Bleibt menschlich“ ist für uns keine leere Floskel.

Es bedeutet vor allem, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Nutzer*innen zu schützen – jene, die die menschlichen Netzwerke aufbauen, auf die wir uns verlassen, und die Gemeinschaften, die uns mit Botschaften der Unterstützung und Solidarität überschüttet haben.

Wir können uns nicht auf einen Kampf einlassen oder uns Manipulationen aussetzen, die das Leben dieser Menschen und ihrer Angehörigen bedrohen und sie der Gnade von Autokraten, Faschisten und Behörden ausliefern, die extralegale Maßnahmen ergreifen. Die Möglichkeit, dass unsere Arbeit rechtliche und finanzielle Konsequenzen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die uns nahestehen – oder auch nur irgendetwas mit uns zu tun haben –, lässt uns keine andere Wahl.

A/I wird geschlossen. Das Kollektiv Autistici/Inventati löst sich auf und wird in Kürze alle von uns angebotenen Dienste einstellen.

Es gibt keinen einfachen Weg, dies anzukündigen oder zu erklären

Jeder Tag, an dem wir nach dem 26. August 2026 online geblieben sind, war ein Sieg, doch nun sind wir gezwungen, aufzuhören.

Keiner von uns hält heldenhafte Gesten und Märtyrer für besonders bewundernswert, daher werden wir keine Opfer verlangen. Weder von uns noch von irgendjemand anderem. In diesem politischen Klima gefährdet die Fortsetzung unserer Dienste unsere Nutzer und alle, die Teil unserer Gemeinschaften sind. In einer Welt, in der Anschuldigungen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, können wir nur damit rechnen, dass die Repressionen zunehmend unverhältnismäßig ausfallen werden. Unter diesen Umständen sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche Mission aufrechtzuerhalten – nämlich sichere und nichtkommerzielle digitale Tools anzubieten.

Diese 25 Jahre waren fantastisch. Es war eine „unglaubliche Reise“.

Schaltet jetzt eure PCs aus, geht raus aus euren Wohnungen, kämpft, umarmt euch und hört nicht auf zu lächeln. Wir hören auf, aber der Widerstand und die Ideen hören nicht auf. Bleibt menschlich.

Wir werden euch bald Anleitungen schicken, wie ihr den Inhalt eurer Blogs, E-Mail-Postfächer und Websites sichern könnt, zusammen mit weiteren technischen Empfehlungen. Aber denkt daran: Genauso wie die Domain autistici.org ohne Vorwarnung unerreichbar gemacht wurde, könnten wir in den nächsten Tagen ähnliche Probleme erleben, die wir vielleicht nicht vorhersehen können.

 

Autistici/Inventati-Kollektiv

Quelle: keepitfree.ai, 6. September 2026

Wikipedia zu Autistici/Inventati
Listung in den USA

Eigene Übersetzung, Danke an Thomas für die Links


 

55 Jahre Operación Abuso

„Operation Abuso“ war der Codename für einen der größten und berühmtesten Gefängnisausbrüche der Weltgeschichte, der sich in den frühen Morgenstunden des 6. September 1971 im Gefängnis von Punta Carretas in Montevideo, Uruguay, ereignete.

Im Rahmen dieser Operation gelang 111 Häftlingen die Flucht. Die große Mehrheit von ihnen (106) waren politische Gefangene der Nationalen Befreiungsbewegung Tupamaros (MLN-T), darunter die Führungsspitze der Organisation und Persönlichkeiten, die die spätere uruguayische Politik prägen sollten, wie der ehemalige Präsident José „Pepe“ Mujica. Die anderen 5 Flüchtigen waren gewöhnliche Häftlinge, die im Gefängnis mitgeholfen hatten.

Das Bild zeigt eine gezeichnete Skizze des Tunnels sowie die Lage des alten Tunnels von 1931

Skizze des Tunnels

Die Häftlinge flohen durch einen 45 Meter langen, komplexen Tunnel, der eine der Zellen im Erdgeschoss mit dem Obergeschoss eines Einfamilienhauses direkt gegenüber dem Gefängnis verband, das zuvor von der Guerillagruppe eingenommen worden war.  Während der geheimen Grabungsarbeiten stießen die Tupamaros auf die Überreste eines alten, im Jahr 1931 von anarchistischen Gefangenen genutzten Fluchttunnels, was ihnen die Belüftung und den Vortrieb erleichterte.

Um die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte während der Flucht abzulenken, organisierten Militante außerhalb des Gefängnisses Unruhen und einen bewaffneten Aufstand in den Stadtvierteln El Cerro und La Teja – ein Manöver, das als „Operation Tero“ bekannt wurde.

Der Plan wurde so präzise umgesetzt, dass kein einziger Schuss fiel. Wegen des Ausmaßes der Flucht wurde das Unterfangen sogar vorübergehend im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet.

Die Flucht war ein schwerer politischer Schlag für die Regierung des damaligen Präsidenten Jorge Pacheco Areco, dessen Kabinett nach der Massenflucht in eine Krise geriet. Wenige Tage nach dem Vorfall beschloss die Exekutive, die Streitkräfte offiziell einzuberufen, damit sie direkt in den Kampf gegen die Guerillabewegung eingreifen – was die Eskalation der staatlichen Gewalt im Land beschleunigte.

Heute dient das ehemalige Gefängnis von Punta Carretas nicht mehr als Haftanstalt; das Gebäude wurde umgebaut und beherbergt nun ein bekanntes Einkaufszentrum sowie einen Bereich, der der Gedenkstätte des ehemaligen Gefängnisses von Punta Carretas gewidmet ist, um an die Ereignisse jener Zeit zu erinnern.


 

Buchtipp: Freiheitsschiffe. Die unbekannte Geschichte der Flucht aus der Sklaverei auf dem Seeweg

Das Cover ezigt den Einband des Buches mit Titel und Autorenangabe sowie einem Stich eines Segelschifffes

Buchcover

»Freiheitsschiffe« beschreibt die dramatische Geschichte versklavter Afroamerikaner, die sich auf Schiffen versteckten, die sie in die Freiheit brachten. Bis zu 100.000 versklavten Menschen gelang die Flucht aus der Knechtschaft in den Südstaaten. Sie entkamen entlang eines Netzwerks von Fluchtwegen, das heute als Underground Railroad bekannt ist. Eine immens große Zahl von Fluchtversuchen fand jedoch nicht zu Lande, sondern auf dem Seeweg statt. Die dramatischen Berichte der Entkommenen von heimlichen Verschwörungen und wehenden Segeln machen das Buch zu einer fesselnden Lektüre.

Marcus Rediker vermittelt mit seiner detailgenauen Recherche einen tiefen Einblick in die geheime Welt der blinden Passagiere und der Schiffe, die sie in die Freiheit brachten. Er beleuchtet die wenig bekannten Geschichten von Freiheitssuchenden, die ihren Blick aufs Meer richteten. Er berichtet von den Tausenden, die sich heimlich unter Deck versteckten, zum Teil entdeckt wurden und erneut flohen. Er erzählt die Geschichte von Frederick Douglass, der als Matrose verkleidet auf einem Schiff entkam und nach seiner Flucht zu einem der bekanntesten Abolitionisten wurde, und von Harriet Tubman, einer ehemaligen Sklavin, die zu einer der Architektinnen der Underground Railroad wurde.

Marcus Rediker beweist erneut seine überragende Kompetenz in der Geschichtsforschung von unten und begibt sich auf eine spannende Reise entlang der Küsten des Atlantiks, auf den Spuren derer, die bei ihrer Suche nach Freiheit alles riskierten.

Freiheitsschiffe
Die unbekannte Geschichte der Flucht aus der Sklaverei auf dem Seeweg
26,00 €
Aus dem Englischen von Emma Hill, 400 Seiten, broschiert, mit Illustrationen 
SBN 978-3-86241-519-9
Erschienen 09/2026

 


 

Black Lives Matter Kundgebung am Volksbad

Das Foto von © Björn Obmann zeigt eine Frau mit Kind. Die verpixelte Frau hält eine Papptafel mit dem Text "Die Einladung / Ausladung galt auch meinen Kindern" in die Höhe, das Kind hält eine kleine Papptafel mit dem Text "Rassismus ist blöd" vors Gesicht. Im Hintergrund ist die Volksbühne zu sehen.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Nachdem ein Schwimmnachmittag von EOTO (Each One Teach One) für schwarze Kinder und Jugendliche nach rechten Drohungen und einer Hetzkampagne abgesagt werden musste, demonstrierten am Freitag, den 21. August 2026, mehr als 200 Menschen vor der Volksbühne in Solidarítät mit schwarzen Menschen, die täglich von Rassismus betroffen sind.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Bereits die rechte Hetzkampagne wurde von rechten Streamern befeuert, die auch bei der Kundgebung massiv provozierten und eine ordnungsgemäße Kundgebung zeitweise nahezu unmöglich machten. Statt der Streamer nahm die Polizei eine schwarze Person fest. Nachdem die Streamer weiter provozierten, nahm die Polizei auch einen der Streamer kurzzeitig in Gewahrsam.

Links


 

Vor 34 Jahren: The Truth Lies in Rostock

Heute vor 34 Jahren begann in Rostock - Lichtenhagen ein "Volksfest" der ganz besonderen Art: Eine Woche lang, vom 22. bis zum 26. August 1992, griffen mehrere hundert junge Rechtsradikale die Flüchtlingsunterkunft und ein von vietnamesischen VertragsarbeiterInnen bewohntes Haus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Unterstützt wurde der Mob von über tausend "ganz normalen" Deutschen, die Polizei griff kaum ein. Es handelte sich um die massivsten rassistischen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der von Mark Saunders und Siobhan Cleary produzierte Dokumentarfilm „The truth lies in Rostock“ dokumentiert die Ereignisse. Er entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Deshalb zeichnet sich die Produktion nicht nur durch einen authentischen Charakter aus, sondern versteht sich auch Jahre danach als schonungslose Kritik an einer Grundstimmung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die Pogrome gegen Migranten oder einfach nur „anders aussehende“ überhaupt erst möglich macht. Nicht umsonst sorgte der Film auch in der Linken für eine heiße Debatte um die Frage, in wieweit die rassistischen Übergriffe mit der „Wiedervereinigung“ Deutschlands und dem darauf folgenden nationalistischen Taumel zu tun hatten.

Im übrigen ist deswegen jedwede Orientierung auf staatliche Institutionen (... Politik und Staat dürfen nicht zulassen, dass Rassisten auf der Straße erneut die Oberhand gewinnen....) fehl am Platz. Denn Chemnitz und Heidenau wie auch Lichtenberg und Freital konnten nur in Folge, Billigung und als Ergebnis rassistischer Politik der Bundesregierung als auch der Handlung der Bullen etc. passieren...

• Mehr Infos
• Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen (Antifa Info Blatt)
• Für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung!
• Kein Mensch ist illegal!
• Mehr Videos

Quellen:

• FAU-FFM
• Umbruch Bildarchiv
• gegen0310
• Antifa SFA - Soltau Fallingbostel Walsrode

Filmquelle
 


 

Die Leute reißen wirklich massenhaft Flock-Kameras ab. Oder: Die öffentliche Unterstützung krimineller Handlungen ist ein Hauptantrieb für gesellschaftlichen Wandel

Vor drei Wochen haben in Winona, Minnesota, eine oder mehrere unbekannte Personen jede einzelne Flock-Kamera in der Stadt abgerissen und gestohlen. Vier Paare mit je zwei Kameras, die auf die Ein- und Ausfahrtsstraßen der Stadt gerichtet waren.

Die Polizei veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite einen Aufruf, in dem sie die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens bat – nur um von Menschen überschwemmt zu werden, die die Vandalen unterstützten.

Letzte Woche in Winona, Minnesota, erklärte die Polizei ihre Kapitulation.

Das Vertrauen unserer Gemeinschaft ist die Grundlage für eine effektive Polizeiarbeit, und wir haben hart daran gearbeitet, dieses Vertrauen aufzubauen und zu bewahren. Zwar war Flock ein wertvolles Instrument, doch glauben wir, dass sein Einsatz zu wachsenden Bedenken hinsichtlich des Vertrauens in die Polizeiarbeit beigetragen hat – sowohl vor Ort als auch landesweit und landesweit. Nach reiflicher Überlegung hat die Polizei von Winona beschlossen, keine Flock-Kameras mehr in der Stadt Winona zu installieren.

Und ich habe mindestens zwei weitere Gerichtsbezirke ausgemacht, die dem gleichen Muster gefolgt sind.

Eine Flock-Sicherheitskamera mit Solarpanel im Jahr 2025

Eine Flock-Sicherheitskamera mit Solarpanel im Jahr 2025 Foto: Julian Focareta Lizenz: CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Soziale Bewegungen sind gerade dann wirksam, wenn Solidarität zwischen ihrer breiten Basis und den Menschen herrscht, die kriminelle direkte Aktionen begehen. Wenn soziale Bewegungen hinter ihren „Kriminellen“ stehen, gewinnen sie.

Winona, Minnesota, ist kein Einzelfall. Gerade in diesem Jahr haben Menschen im ganzen Land – egal ob in „roten“ oder „blauen“ Bundesstaaten – den Überwachungsstaat angegriffen und wurden dafür als Helden gefeiert.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich jemals eine populärere Verbrechenswelle gesehen habe.

Letzte Woche habe ich in einer Stadt im „Rust Belt“ meine Reifen wechseln lassen und mich eine Weile mit den Leuten dort unterhalten. Im Gespräch kam das Thema Überwachungskameras zur Sprache.

„Wo sind denn all unsere mit Mais gefütterten Arschlöcher? Die müssen endlich was gegen diesen Scheiß unternehmen“, sagte mir ein Mann.

„Du weißt doch, die haben Schrotflinten“, stimmte ich zu.

Im Nachhinein habe ich gute Nachrichten für den Reifenmann. Mit Schrotflinte und Winkelschleifer (und Handbandsäge), mit Expansionsschaum und Sprühfarbe sind die Leute tatsächlich da draußen und zerstören diese Kameras massenhaft. Viele werden dabei erwischt (meistens von anderen Kameras), aber nicht alle. Am 13. August veröffentlichte die Stadt Charlotte in North Carolina einen Beitrag auf ihrer offiziellen Facebook-Seite, in dem sie die Öffentlichkeit um Hilfe bat, um diejenigen aufzuspüren, die Expansionsschaum auf ihre Kennzeichenlesekameras gesprüht hatten. Dabei gaben sie versehentlich zu, dass diese Kameras mehr als nur Kennzeichen erfassen. Bislang gibt es mehr als 70.000 Kommentare zu diesem Beitrag, die überwiegend die Zerstörung dieser Kameras befürworten.

In Monterey, Kalifornien, wurde ein 40-jähriger Mann namens Marcus Bee festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, einfach mit seinem Pick-up (der mit Frontschutzbügeln ausgestattet ist, die beim Rammen helfen) über drei Flock-Kameras gefahren zu sein und/oder ein Abschleppseil angebracht zu haben, um sie aus dem Boden zu ziehen. Er wurde von anderen Überwachungskameras in der Gegend erfasst.

Auf der anderen Seite des Landes und mit Hilfe eines im Grunde gegensätzlichen Fahrzeugs muss sich ein 21-Jähriger nun vor Gericht verantworten, da er angeblich mit einem Baseballschläger auf einen Subaru Forester geklettert ist, um mehrere Kameras zu zerstören.

Vor zwei Wochen berichtete die „New York Post“, dass Long Island von einer Welle von Vandalismus gegen die Kameras heimgesucht wurde, wobei jeweils unterschiedliche Angriffsmethoden zum Einsatz kamen (was auf verschiedene Täter hindeutet). Einige wurden abgeschnitten. Eine wurde überfahren. Bei einer anderen wurden die Kabel abgezogen. Zwei wurden mit Sprühfarbe besprüht. Eine wurde einfach in die andere Richtung gedreht. Selbst auf dieser rechtsgerichteten Seite stehen die Kommentare voll und ganz hinter den Vandalen.

Am 21. Juli wurde ein Teenager in Jacksonville Beach, Florida, festgenommen, weil er die Linsen von drei Kameras mit Sprühfarbe besprüht hatte.

Aus Houston, Texas, wurde berichtet, dass in einer Nacht vier Kameras heruntergeschnitten wurden, nachdem es im vergangenen Monat bereits eine Reihe weiterer Angriffe gegeben hatte. Die Masten wurden einfach dort liegen gelassen, wo sie hingefallen waren.

Ein 37-jähriger unabhängiger Kandidat für das Repräsentantenhaus von Tennessee, Adam Lee Heimerman, wurde festgenommen, weil er angeblich vier Kameras zerschossen haben soll. Einmal, so lässt der Bericht vermuten, war er beim Gottesdienst, ging auf den Parkplatz hinaus und schoss eine Überwachungskamera kaputt, während andere drinnen beteten.

Ein besonders aktiver (beschuldigter) Vandale ist ein 41-jähriger Ingenieur der Luftwaffe, Jeffrey Sovern, der sich in Bezug auf die Zerstörung von 13 „Flock“-Kameras in Virginia im letzten Jahr für nicht schuldig erklärt hat. Ihm wird vorgeworfen, die Masten mit einer Zange demontiert zu haben.

Ein Mann namens Ed Kahle aus Pinal County, Arizona, zeigt keine Reue dafür, dass er mit seinem Arbeits-Lkw rückwärts in eine „Flock“-Kamera gefahren ist. „Wir leben hier draußen, weil wir Ruhe wollen. Wir wollen keinen Ärger machen. Und jetzt werde ich überwacht?“. Die Sheriffs von Pinal County kündigten an, dass sie den Vertrag für die Kameras nicht verlängern werden.

In Fairbault, Minnesota, wird ein 41-jähriger Mann namens Justin Lee Campbell wegen des Durchschneidens der Kabel einer „Flock“-Kamera in drei Fällen strafrechtlich verfolgt. Er wurde von einigen Ladenmitarbeitern verpetzt, denen er damit geprahlt hatte, die Kamera zerstört zu haben. Aber anderswo im selben Bundesstaat wurden in Edina drei Kameras übermalt, und in Plymouth wurden zwei Kameras deinstalliert.

In mindestens fünf Gemeinden in Michigan wurden Kameras deinstalliert oder zerstört. In Westland, Michigan, hat die Polizei ebenfalls kapituliert.

Die Flock-Kamera in Ash Grove, Missouri, wurde von Unbekannten entfernt, die sich ihr von hinten näherten, sodass sie keine Aufnahmen des Angriffs machen konnte.

Der 21-jährige Alex Rattenborg aus Iowa City wurde wegen Sachbeschädigung dritten Grades angeklagt, weil er eine Flock-Kamera abmontiert hatte; er wurde anschließend von anderen Überwachungskameras erfasst, doch die Polizei in Iowa fahndet weiterhin nach den Tätern, die für zwei weitere zerstörte Kameras verantwortlich sind.

Der Sheriff von Lumpkin County, Georgia, versucht verzweifelt, denjenigen zu finden, der eine Kamera zerstört hat. Sein Facebook-Beitrag dazu hat 17.000 Kommentare, die den Vandalismus gutheißen.

Das Foto zeigt die Flock Sock, montiert an einer Kamera auf einem Stock.

Die "Flock Sock" Quelle: SquidLink (MakerWorld)

Ein 3D-Designer namens SquidInk hat den „Flock Sock“ entwickelt, eine 3D-druckbare Hülle, die man über einen Besenstiel stülpen und damit Flock-Kameras zerstörungsfrei abdecken kann.

Der vielleicht höflichste aller Menschen, die direkte Aktionen durchführen, ist ein 77-jähriger Republikaner im Ruhestand aus Florida, der „Flock Blocker“, der seine reichlich vorhandene Freizeit damit verbringt, in einem Campingstuhl zu sitzen – mit einem Anti-Flock-Schild an einer 10-Fuß-Stange – und so die Kameras zu blockieren. Als ich zum ersten Mal Videos in den sozialen Medien sah, in denen Methoden zur Zerstörung dieser Kameras verglichen wurden, fielen mir zwei Dinge besonders auf. Erstens, dass der Hass auf diese Kameras universell ist. Da gibt es zum einen eine stark tätowierte Person wie diese hier, die im Black-Bloc-Look gekleidet ist, und zum anderen ein Unternehmen, das Sicherheitsausrüstung für Schweißer herstellt – beide liefern dieselbe Art von Inhalten an ihr vermutlich unterschiedliches Publikum. (In den Kommentaren zu beiden Beiträgen wird jedoch die Schnittgeschwindigkeit und die leise Leistung der handgeführten Bandsäge empfohlen.)

Das andere, was mir auffiel … als ich diese Art von Inhalten zum ersten Mal sah, befürchtete ich, dass es sich nur um theatralische Social-Media-Beiträge handelte. Klar, vielleicht haben ein paar Leute mal eine oder zwei Kameras zerstört, aber ich ging davon aus, dass das nicht weit verbreitet war.

Doch dann habe ich angefangen zu recherchieren.

Und diese Kameras werden tatsächlich eine nach der anderen, zu zweit, von Einzelpersonen und kleinen Gruppen im ganzen Land zerstört. Die meisten kommen damit durch. Viele werden erwischt, und manche haben bereits eine Gefängnisstrafe verbüßt. Mir ist noch keine einzige Quelle bekannt, die all diese Angriffe erfasst und/oder den Leuten die Möglichkeit bietet, diejenigen zu unterstützen, die erwischt wurden, aber hoffentlich wird so etwas noch auftauchen (oder existiert bereits und wird mir irgendwann auffallen). Ursprünglich hatte ich vor, mehr über die Entstehung von ALPRs (automatische Kennzeichenleser) und Flock sowie dessen Konkurrenten wie Axon zu schreiben. Das werde ich in Zukunft tun. Aber ich vertraue euch genug, um zu verstehen, dass diese Kameras auf entsetzliche Weise missbraucht wurden, immer und immer wieder; dass selbst wenn Städte beschließen, keine ALPR-Daten an die ICE weiterzugeben, die örtliche Polizei die Informationen trotzdem an ihre Kumpels bei der ICE weitergibt; dass fehlerhafte KI-Informationen bereits zu brutalen Übergriffen durch die Polizei geführt haben; und dass diese Kameras – sofern die Demokratie in den USA fortbesteht – wahrscheinlich als Verstoß gegen den vierten Verfassungszusatz eingestuft werden – für die meisten ähnlichen Technologien ist mittlerweile ein Durchsuchungsbefehl erforderlich.

Zu lange schon haben die Menschen in diesem Land die Ausweitung des Überwachungsstaates mitangesehen. Es scheint, als hätten die Leute nun wirklich, endlich genug davon. Und dass alle Versuche, die Arbeiterklasse entlang der Linien des Kulturkriegs zu spalten, gerade scheitern – und das ist gut so. Beide Seiten geben sich weiterhin gegenseitig die Schuld an der Überwachung – in den Kommentaren der „New York Post“ werden diese Kameras als Kommunismus bezeichnet. Anderswo nennen die Leute sie Faschismus. Was sie tatsächlich sind, ist Autoritarismus. Und das ist etwas, das wir gemeinsam zerstören müssen.

Ich werde niemals, wirklich niemals, Menschen dazu ermutigen, Dinge zu tun, zu denen ich persönlich nicht bereit bin. Ich bin nicht da draußen und zerstöre Flock-Kameras. Aber ich werde öffentlich meine Unterstützung für die Menschen bekunden, die das tun – und genau das werde ich von euch verlangen: Seid offen und öffentlich in eurer Verurteilung des Überwachungsstaats und in eurer Unterstützung für diejenigen, die direkt dagegen kämpfen.

Ich war noch nie ein großer Anhänger von Online-Aktivismus, aber es scheint, als sei „direkte und ehrliche Unterstützung für Menschen, die Straftaten begangen haben“ die wirksamste Form davon, die ich je gesehen habe. Luigi Mangione hat den Gesundheitsverantwortlichen Angst gemacht, aber nicht so sehr wie der Aufschrei der Unterstützung, den er erhielt.

Und diese Kameras? Sie werden abmontiert, wenn ein paar mutige Seelen sie abreißen, und sie bleiben abmontiert, wenn es eine massive Welle der Unterstützung durch die Bevölkerung gibt. Wenn der Staat erkennt, dass seine Legitimität auf dem Spiel steht. Dann geben sie dem Volk nach.

Wie Frederick Douglass es formulierte:

Macht räumt nichts ein, ohne dass es gefordert wird. Das war noch nie so und wird auch nie so sein. Finde heraus, was ein Volk stillschweigend hinnimmt, und du hast das genaue Maß an Ungerechtigkeit und Unrecht erkannt, das ihm auferlegt wird – und das wird so lange andauern, bis es entweder mit Worten oder mit Schlägen oder mit beidem bekämpft wird. Die Grenzen der Tyrannen werden durch die Ausdauer derer bestimmt, die sie unterdrücken.

Quelle:  "People Really Are Cutting Down Flock Cameras En Masse or: public support for criminal activity is a primary driver of social change" von Margaret Killjoy, 19. August 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Operación Estrella - 30. Juli 1971: Die größte Flucht aus einem Frauenknast in der Geschichte

Die Collage zeigt die 38 Frauen, zusammengestellt aus Pass- oder Fahndungsfotos

38 Frauen des Movimiento de Liberaciön Nacional-Tupamaros (MLN-T)- aus dem Cabildo Gefängnis in Montevideo, Uruguay, brachen in der Nacht des 30. Juli 1971 aus dem FGefängnis aus. Inspiriert von der Nutzung der Kanalisation in Warschau durch den jüdischen Widerstands gegen das Nazi-Regime, entstand die Idee, für den Ausbruch das Abwassersystem Montevideos zu nutzen. Es wurden zwei Tunnel gebaut: einen vom Gefängnis bis zu den Abwasserkanälen u. einen von dort zu einem nahen Haus, das von der Gruppe gemietet worden war. Die Ausgrabung der Tunnel (jeweils 18 Meter lang, 1,20 ‚hoch und 80 cm breit) dauerte etwa fünf Monate...

1994 erschien ein Buch von Graciela Jorge Pansera im Verlagshaus Tupac Amaru Ediciones: Historia de 13 palomas y 38 estrellas: las fugas de la cárcel de mujeres ( ISBN 978-9974-41-025-1). Im Jahr 2018 veröffentlichte Josefina Licitra das Buch "38 estrellas: La mayor fuga de una cárcel de mujeres de la historia (Los Tres Mundos)".

Siehe auch: De 13 Palomas y 38 Estrellas. Die Gefängnisausbrüche der Tupamaras in den 1970er Jahren in Uruguay von Elisabeth Pütz in: Arbeitspapiere zur Lateinamerikaforschung, Ausgabe II-16

  1. Marta Teresita Avella Lucchini
  2. Susana Alberti Alé
  3. Sandra Verónica Angeleri Chamorro
  4. Noemí Lydia Alonso Firpi
  5. Alba Mabel Antúnez Nieto
  6. María del Carmen Beretta Curi
  7. Carmen Teresa Bonilla Bravo
  8. Griselda Borges Saravia
  9. Olga Cairello Pérez
  10. Cristina Cabrera Laport
  11. Águeda Susana Carli Alaniz
  12. Ana Elena Casamayou del Pino
  13. Adriana Iris Castera Morales
  14. Graciela Darré Francia
  15. Raquel Margarita Dupont Olivera
  16. Edda Fabbri
  17. Mirtha Ercilla Fernández Pucurull
  18. Myriam Raquel Fernández Márzico
  19. Santa Nélida Fontora Santos
  20. Xenia Itté González
  21. Graciela Nelly Jorge Pansera
  22. Telma Juárez Beli
  23. María Teresa Labrocca Rabellino
  24. Yessie Arlette Macchi Torres
  25. Lía Margarita Maciel Rodríguez
  26. Nora Maneiro Mancilla
  27. Edith Moraes Alves
  28. Sonia María Mosquera Villamil
  29. Virginia Amanda Oliveri González
  30. Martha Lorelley Pallas Silveira
  31. Rosa Rebollo Pereira
  32. Alicia Rey Morales
  33. Stella Myrna Saravia Rivera
  34. Stella María Sánchez Mendoza
  35. Lucía Topolansky Saavedra
  36. María Elia Topolansky Saavedra
  37. Elida Valdomir Coelho
  38. Esther Carmen Uribasterra Matas
Besten Dank an H. für Information, Bilder und Erinnerung.

Blogkino: Barfuß durch die Hölle: … und dann kam das Ende - The Human Condition - Ningen no jōken (1961)

Heute führen wir in unsere Reihe Blogkino die kurze Serie mit Filmen des japanischen Regisseurs Masaki Kobayashi fort. Er schuf ab 1959 mit der Trilogie Barfuß durch die Hölle (Ningen no Jōken) einen Klasssiker des Antikriegsfilms, basierend auf einem Roman von Gomikawa Jumpei. Der neuneinhalbstündige Film erzählt die Geschichte des gutmeinenden, aber naiven Kaji (gespielt vom gutaussehenden japanischen Superstar Tatsuya Nakadai), einem japanischen Pazifisten und Sozialisten, der versucht, im faschistischen und repressiven Kaiserreich Japan in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zu überleben und seinen Weg vom Aufseher in einem Arbeitslager über einen Soldaten der Kaiserlichen Armee bis hin zum sowjetischen Kriegsgefangenen beschreitet. Ständig bemüht, sich über ein korruptes System zu erheben, muss Kaji immer wieder feststellen, dass seine moralischen Prinzipien eher ein Hindernis als ein Vorteil sind. Als schonungslose Anklage gegen die Kriegsmentalität seines Landes und zugleich als persönliche existenzielle Tragödie ist Kobayashis fesselndes, wunderschön gefilmtes Epos Roman-Kino vom Feinsten.

Wir zeigen heute Teil 3, der hierzulande als "Barfuß durch die Hölle: ... und dann kam das Ende" lief: Im letzten Film sind die japanischen Streitkräfte vernichtend geschlagen. Mit einigen seiner Kameraden macht sich Kaji auf einen gewaltigen Fußmarsch nach Süden, wo er Michiko wiederzufinden hofft. Nachdem er viele Gefahren überlebt hat, wird er von der Roten Armee gefasst und muss daraufhin eine ähnliche Behandlung erdulden, wie sie die Chinesen zuvor erfahren hatten. Nach einiger Zeit gelingt ihm die Flucht. Enttäuscht vom Kommunismus, von dem er sich eine Befreiung der Menschheit erhofft hatte, erkennt er, dass dieses neue System keinen Deut besser ist als alles, wogegen er sich bisher aufgelehnt hatte. Er träumt weiterhin davon, seine Frau wiederzufinden, und muss schließlich seine letzte große Prüfung gegen die weite Ödnis des eurasischen Winters bestehen.

Teil 1 hatten wir am 30. Juni hier gezeigt, Teil 2 am 7. Juli dort.




Afd widersetzen in Erfurt

Das Foto von: © Kinkalitzken zeigt einen Block der Demo mit Seiten und Fronttransparenten. Der Text "Antifaschsimus selber machen - rechte Strukturen bekämpfen" dahinter mehrere Dutzend Demnstrant*innen, die zum Teil mit roten Fahnen dahinter laufen.
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv

Über 30.000 Menschen protestieren am 4. Juli 2026 gegen einen AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Laut dem Aktionsbündnis „widersetzen“ beteiligten sich 17.000 Menschen mit rund 250 Bussen an über 12 Blockadepunkten. Damit handelte es sich um eine der größten antifaschistischen Mobilisierungen der Bundesrepublik.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Polizei fuhr ein Großaufgebot auf und ging an einigen Stellen mit Gewalt gegen den Protest vor. Am Rand versuchten rechte Medienaktivisten zu provozieren. Trotz Blockaden konnte der Parteitag ohne große Verzögerung starten, da viele Teilnehmende frühzeitig anreisten.

„Wir sind gekommen, um den Parteitag zu verhindern. Das ist uns nicht gelungen. Der Grund dafür ist, dass der SPD Innenminister Georg Maier und seine Polizei es ihnen möglich gemacht hat. […] Bei all der Berichterstattung, wer früher an der Messe war: Das. Ist. Kein. Spiel. Wir meinen es ernst. Dieser Parteitag durfte nicht stattfinden“, resümierte Suraj Mailitafi von „widersetzen“.

„Der Kampf gegen Faschismus ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir mobilisieren jetzt nach Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Am 25.07. laden wir zur Konferenz in Magdeburg ein. Dort planen wir unsere Aktionen für den Herbst. Für den 1.8. ruft widersetzen zu Aktionen gegen den Aufmarsch der AfD-Jugend in Schwerin auf“, ergänzte Noa Sander auf der abschließenden Pressekonferenz.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

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Stop Geas - Bleiberecht für alle!

Das Foto zeigt eine Frau, die eine Papptafel mit dem Text "(Gemeinsames) Grausames Europäisches (Asylsystem) Asylverweigerungs System" hält. Einige Meter dahinter ist das Transparent mit dem Text "From Tegel to all Camps united we fight" zu sehen.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Seit dem 12. Juni gelten die menschenrechtsfeindlichen Regelungen des „Gemeinsamen Europäischen Asylsystems“ (GEAS). Gegen die massive Verschärfung des Asylrechts demonstrierten an diesem Tag mehrere hundert Menschen vor dem Roten Rathaus in Berlin.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Mit dem nationalen GEAS-Anpassungsgesetz hat die Bundesregierung sogar noch schlimmere Verschärfungen im Asylrecht beschlossen als von der EU vorgesehen. Der Zugang für geflüchtete Menschen zu Schutz ist damit massiv eingeschränkt. Ist die Anerkennungsquote aus einem Herkunftsstaat beispielsweise europaweit unter 20%, werden individuelle Asylgründe in einem beschleunigten Verfahren geprüft. Hinzu kommen Grenzverfahren, mehr gewollte Abschiebungen, ein massiv ausgerüsteter Polizei- und Grenzschutzapparat, mehr Überwachung, drastische Sozialleistungskürzungen, weitere Entrechtungen und Kriminalisierung von Schutzsuchenden.

Besonders deutlich werden die Verschärfungen durch die Ausweitung der Inhaftierungen von Schutzsuchenden: Menschen sollen daran gehindert werden Camps zu verlassen, es kann eine sogenannte „Asylverfahrenshaft“ eingeführt werden, die auch für Kinder gilt. Menschen im Dublinverfahren werden in gesonderen Zentren noch mehr isoliert. Gerade erst hat sich die EU zudem auf sogenannte „Return Hubs“ geeinigt, Abschiebezentren in Drittstaaten – eines der Prestigeprojekte des deutschen Innenministeriums.

Die Ausweitung von Inhaftierungen und Lagerinfrastrukturen bedeutet immer mehr Isolation und Verdrängung der Menschen aus der Gesellschaft. Damit ist GEAS und die deutsche Interpretation davon ein großer weiterer Eskalationsschritt einer menschenfeindlichen, rassistischen Politik.

Es gibt jedoch Spielräume für die Bundesländer, was die Anordnung von Haft und Bewegungsbeschränkungen und die Lagerisierung angeht. Wir wollen deshalb das Land Berlin hier nicht aus der Verantwortung entlassen und fordern daher:

– kein Lager für Menschen mit angeblicher schlechter Bleibeperspektive auf dem ehemaligen Flughafen Tegel und andernorts
– das eindeutige Recht auf Besuch, Präsenz von NGOs und Beratungsstrukturen in jeder Unterkunft und Einrichtung in Berlin
– die konsequente Umsetzung der Schutzansprüche von besonders schutzbedürftigen geflüchteten Menschen

Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Berlin ist eine Solidarity City und hat sich deshalb damit zur solidarischen Aufnahme geflüchteter Menschen verpflichtet – dieses Versprechen kann nicht auf Grund „der politischen WetterLage“ gebrochen werden.

Gemeinsam stehen wir auf für eine offene Gesellschaft für alle Menschen!
Deswegen wollen wir am 12.6. unseren Protest auf die Straße tragen.
Gerade jetzt bleiben wir laut: gegen alle Lager, gegen Inhaftierungen, gegen Abschiebungen und Frontex. Bleiberecht für alle! Stop GEAS!

(aus: Aufruf zur Kundgebung)

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