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»Wenn Gott wirklich existierte, müsste man ihn umbringen.« Michail Bakunin

VVN-BdA ganz in der Ideologie der Staatsräson angekommen 

Logo der VVN-BdA: Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung. Darunter die Abkürzung VVN-BdA
Logo der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisti:*Innen (VVN-BdA): Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung

Im Bundesverband der VVN-BdA haben die pro israelischen Kräfte nun das Sagen, denn im Verbandsblatt antifa September 2026 bespricht Stefan Dietl im Beitrag "Kooperieren statt bekriegen" das Buch "Schattenarmee - Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus 1917 bis 1947" von Hillel Cohen.

Dietls Projekt ist hauptsächlich, der AfD Antisemitismus nachzuweisen. Das ist natürlich schwierig, denn die AfD steht felsenfest an der Seite von Netanjahu, und die AfD lebt die Staatsräson. Dietl tönt, dass die AfD aber "in Wirklichkeit" antisemitisch sei, auch wenn Worte und Taten gegenüber Israel das Gegenteil zeigen. Und wer, wie die schrecklichen Freunde Israels, immer und überall Antisemitismus mit Israelkritik gleichsetzt, der muss wohl davon ausgehen, dass die AfD gar nicht antisemitisch sein kann, oder? Dietl hat dazu auch schon in der Jüdischen Allgemeine geschrieben und wurde von Werteinitiative (!) interviewt.

Aber nun zu Dietls Rezension. 

Dietl: "Seine akribische Darstellung ist dabei im besten Sinne als eine Geschichte von unten zu verstehen. Er begibt sich auf die Spur tausender Araber, die mit dem Zionismus kooperierten oder gar mit ihm sympathisierten: die Land an den Jüdischen Nationalfonds verkauften, jüdische Nachbarn unterstützten und persönliche Bande knüpften, in jüdischen Einrichtungen arbeiteten und zionistische Organisationen mit Informationen versorgten oder den zionistischen Milizen im Kampf gegen nationalistisch-islamistische Hardliner Waffen lieferten." 

Die böse Nationalbewegung war nazigesteuert, gewalttätig, islamistisch fanatisch und natürlich durch Antisemitismus hervorgerufen und motiviert, so Dietls tendenziöse Analyse. Deshalb sind die "palästinensischen Araber" (so sein Sprech) auch selbst schuld: "Ein antisemitischer Wahn, der für die Araber Palästinas schließlich in die Katastrophe führte."

Dietls Staatsräson-Fazit lautet: 

"Cohens Buch zeigt eindrücklich, dass im israelisch-arabischen Konflikt auch eine andere Entwicklung möglich gewesen wäre: eine Entwicklung des Zusammenlebens und der gemeinsamen Verbesserung der eigenen Lebensumstände. Haupthindernis dafür war auch damals schon der Antisemitismus."

Die sich dem Landraub unterordnenden Palästinenser, die froh sein können, Zivilisation und Fortschritt als Subalterne im Dienst der neuen Herren zu bekommen, mehr Kolonialismus geht wohl nicht. 

Die VVN-BDA hat sich nach dem 7. Oktober 2023 weggeduckt, hat geschwiegen und damit Kriegsverbrechen und Völkermord zugestimmt. 2026 werden Kollaboration und Kapitulation in der antifa gelobt, trotz täglich sichtbarem Unrecht in Israel, im Westjordanland und in Gaza.

Jetzt beginnt Ihr sogar, die Unterdrückung zu rechtfertigen, das ist krass.

Euer Handeln ist faktische Unterstützung von Netanjahu, Ben Gvir und all der anderen Faschisten - ja, das sind Faschisten, VVN-BDA... 


 

Faschismus kommt nicht überraschend und fällt auch nicht vom Himmel: Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus

Mit ihren Theorien zum Totalitarismus richtete Hannah Arendt den Blick auf die Wirkungsweisen totalitärer Herrschaft und auf die Voraussetzungen politischen Handelns. Kontroverse Debatten löste 1963 ihr Buch über den Eichmann-Prozess aus. Im Gespräch mit Günter Gaus spricht Arendt unter anderem über ihre Sicht auf Eichmann als kleingeistigen „Hanswurst“ im Räderwerk des Nationalsozialismus.

Die jüdisch-deutsche Publizistin Hannah Arendt (1906–1975), die 1933 über Paris in die USA emigrierte, lehnte die Bezeichnung „Philosophin“ für sich selbst ab. Auch im Interview mit Günter Gaus von 1963, das im ZDF am 28. Oktober 1964 ausgestrahlt wurde, zieht Arendt es vor, ihre Arbeiten als Beitrag zur politischen Theorie zu verstehen: Der Mensch ist für sie nicht nur ein denkendes, sondern immer auch ein handelndes Wesen.

Im Gespräch spricht Arendt über ihre Jugend in Deutschland bis zum Reichstagsbrand 1933, über ihre Hinwendung zur politischen Opposition und ihre Emigration, über die Gleichschaltung der Intellektuellen im nationalsozialistischen Deutschland, über ihr bewusstes Festhalten an der deutschen Sprache und über Auschwitz als einen Zivilisationsbruch, nach dem von „Wiedergutmachung“ nicht mehr im eigentlichen Sinne gesprochen werden könne. Breiten Raum nehmen außerdem ihr Verhältnis zum Nachkriegsdeutschland, die Kritik an ihrem Bericht über den Eichmann-Prozess und ihr Werk Vita activa ein.

Mehr als sechzig Jahre später gewinnt dieses Gespräch eine bedrückende Aktualität. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 erhielt die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Sie gewann 38 der 41 Direktmandate. Von einer politischen Entwicklung, die plötzlich und unerwartet über das Land hereingebrochen wäre, kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Stärke der AfD ist weder über Nacht entstanden noch war sie vor der Wahl verborgen.

Gerade deshalb erscheint ein Gedanke Arendts aus dem Gespräch bemerkenswert: ihre Skepsis gegenüber der nachträglichen Behauptung, historische Entwicklungen seien vollkommen überraschend gekommen. Politische Verhältnisse entstehen nicht außerhalb der Gesellschaft. Sie werden vorbereitet, normalisiert, hingenommen, unterstützt oder bekämpft – durch Institutionen, öffentliche Debatten und durch das Handeln oder Nichthandeln von Menschen.

Wer angesichts des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt vor allem von einer „Überraschung“ spricht, läuft daher Gefahr, den Blick auf die lange Vorgeschichte zu verstellen. Seit Jahren waren die politischen Positionen der AfD, ihre zunehmende Stärke und ihre Verankerung insbesondere in Teilen Ostdeutschlands öffentlich sichtbar. Überraschend mag die Höhe des Ergebnisses für manche gewesen sein. Dass eine solche Entwicklung möglich war, war es nicht.

Das macht Arendts Gespräch nicht zu einem Kommentar über eine Partei, die zu ihren Lebzeiten nicht existierte. Aber ihre Überlegungen über politische Verantwortung, Anpassung, Urteilsfähigkeit und die Rolle des Einzelnen in gesellschaftlichen Prozessen bieten einen Anlass, genauer hinzusehen – gerade dann, wenn politische Entwicklungen im Nachhinein als etwas dargestellt werden, das niemand habe kommen sehen können.

(Mit Informationen des ZDF: Gaus, Günter. 1964. Zur Person: Hannah Arendt)

 

A/I shuts down - Stay human

Zentral steht ein großer Textblock mit der Überschrift 'GOODBYE A/I'. Darunter folgt in schwarzer Schrift auf beigem Hintergrund die Mitteilung, dass Autistici/Inventati neunzehn Tage vor der Frist eingestellt wird. Rechts daneben befindet sich eine stilisierte Kalendergrafik. Im oberen rechten Bereich steht ein rot unterlegtes Logo mit dem Schriftzug 'NOBLOGS' und dem Zusatz 'Welcome to A/I'. Am unteren Rand sind weitere Informationen und Logos abgebildet, darunter 'sabot.media', der Hinweis auf einen vollständigen Artikel sowie auf ein kostenloses Buch.

An dem Tag, als wir erfuhren, dass wir als globale Terrororganisation eingestuft worden waren, haben wir versprochen, dass wir versuchen würden, so lange wie möglich Widerstand zu leisten, dass wir nicht nachgeben würden, solange wir noch Möglichkeiten sähen, unsere Position zu verteidigen. Seit Jahren pflegen und verteidigen wir stolz eine freie, datenschutzfreundliche, autonome und politisch engagierte Infrastruktur.

„Bleibt menschlich“ ist für uns keine leere Floskel.

Es bedeutet vor allem, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Nutzer*innen zu schützen – jene, die die menschlichen Netzwerke aufbauen, auf die wir uns verlassen, und die Gemeinschaften, die uns mit Botschaften der Unterstützung und Solidarität überschüttet haben.

Wir können uns nicht auf einen Kampf einlassen oder uns Manipulationen aussetzen, die das Leben dieser Menschen und ihrer Angehörigen bedrohen und sie der Gnade von Autokraten, Faschisten und Behörden ausliefern, die extralegale Maßnahmen ergreifen. Die Möglichkeit, dass unsere Arbeit rechtliche und finanzielle Konsequenzen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die uns nahestehen – oder auch nur irgendetwas mit uns zu tun haben –, lässt uns keine andere Wahl.

A/I wird geschlossen. Das Kollektiv Autistici/Inventati löst sich auf und wird in Kürze alle von uns angebotenen Dienste einstellen.

Es gibt keinen einfachen Weg, dies anzukündigen oder zu erklären

Jeder Tag, an dem wir nach dem 26. August 2026 online geblieben sind, war ein Sieg, doch nun sind wir gezwungen, aufzuhören.

Keiner von uns hält heldenhafte Gesten und Märtyrer für besonders bewundernswert, daher werden wir keine Opfer verlangen. Weder von uns noch von irgendjemand anderem. In diesem politischen Klima gefährdet die Fortsetzung unserer Dienste unsere Nutzer und alle, die Teil unserer Gemeinschaften sind. In einer Welt, in der Anschuldigungen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, können wir nur damit rechnen, dass die Repressionen zunehmend unverhältnismäßig ausfallen werden. Unter diesen Umständen sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche Mission aufrechtzuerhalten – nämlich sichere und nichtkommerzielle digitale Tools anzubieten.

Diese 25 Jahre waren fantastisch. Es war eine „unglaubliche Reise“.

Schaltet jetzt eure PCs aus, geht raus aus euren Wohnungen, kämpft, umarmt euch und hört nicht auf zu lächeln. Wir hören auf, aber der Widerstand und die Ideen hören nicht auf. Bleibt menschlich.

Wir werden euch bald Anleitungen schicken, wie ihr den Inhalt eurer Blogs, E-Mail-Postfächer und Websites sichern könnt, zusammen mit weiteren technischen Empfehlungen. Aber denkt daran: Genauso wie die Domain autistici.org ohne Vorwarnung unerreichbar gemacht wurde, könnten wir in den nächsten Tagen ähnliche Probleme erleben, die wir vielleicht nicht vorhersehen können.

 

Autistici/Inventati-Kollektiv

Quelle: keepitfree.ai, 6. September 2026

Wikipedia zu Autistici/Inventati
Listung in den USA

Eigene Übersetzung, Danke an Thomas für die Links


 

Blogkino: Espion Lève Toi (1982)

Heute führen wir in unserer Reihe Blogkino die Serie mit französischen Krimis mit dem Agententhriller "Der Maulwurf" fort: In der Straßenbahn wird der Schweizer Sektionsleiter des französischen Geheimdienstes Alfred Zimmer durch Terroristen der sogenannten Volksfrontbrigaden liquidiert. Das offensichtlich politisch motivierte Attentat löst die Reaktivierung des französischen Ex-Agenten Sébastien Grenier aus, welcher kurz darauf von einem ominösen Bundesratsbeamten kontaktiert wird.


Die Leute reißen wirklich massenhaft Flock-Kameras ab. Oder: Die öffentliche Unterstützung krimineller Handlungen ist ein Hauptantrieb für gesellschaftlichen Wandel

Vor drei Wochen haben in Winona, Minnesota, eine oder mehrere unbekannte Personen jede einzelne Flock-Kamera in der Stadt abgerissen und gestohlen. Vier Paare mit je zwei Kameras, die auf die Ein- und Ausfahrtsstraßen der Stadt gerichtet waren.

Die Polizei veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite einen Aufruf, in dem sie die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens bat – nur um von Menschen überschwemmt zu werden, die die Vandalen unterstützten.

Letzte Woche in Winona, Minnesota, erklärte die Polizei ihre Kapitulation.

Das Vertrauen unserer Gemeinschaft ist die Grundlage für eine effektive Polizeiarbeit, und wir haben hart daran gearbeitet, dieses Vertrauen aufzubauen und zu bewahren. Zwar war Flock ein wertvolles Instrument, doch glauben wir, dass sein Einsatz zu wachsenden Bedenken hinsichtlich des Vertrauens in die Polizeiarbeit beigetragen hat – sowohl vor Ort als auch landesweit und landesweit. Nach reiflicher Überlegung hat die Polizei von Winona beschlossen, keine Flock-Kameras mehr in der Stadt Winona zu installieren.

Und ich habe mindestens zwei weitere Gerichtsbezirke ausgemacht, die dem gleichen Muster gefolgt sind.

Eine Flock-Sicherheitskamera mit Solarpanel im Jahr 2025

Eine Flock-Sicherheitskamera mit Solarpanel im Jahr 2025 Foto: Julian Focareta Lizenz: CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Soziale Bewegungen sind gerade dann wirksam, wenn Solidarität zwischen ihrer breiten Basis und den Menschen herrscht, die kriminelle direkte Aktionen begehen. Wenn soziale Bewegungen hinter ihren „Kriminellen“ stehen, gewinnen sie.

Winona, Minnesota, ist kein Einzelfall. Gerade in diesem Jahr haben Menschen im ganzen Land – egal ob in „roten“ oder „blauen“ Bundesstaaten – den Überwachungsstaat angegriffen und wurden dafür als Helden gefeiert.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich jemals eine populärere Verbrechenswelle gesehen habe.

Letzte Woche habe ich in einer Stadt im „Rust Belt“ meine Reifen wechseln lassen und mich eine Weile mit den Leuten dort unterhalten. Im Gespräch kam das Thema Überwachungskameras zur Sprache.

„Wo sind denn all unsere mit Mais gefütterten Arschlöcher? Die müssen endlich was gegen diesen Scheiß unternehmen“, sagte mir ein Mann.

„Du weißt doch, die haben Schrotflinten“, stimmte ich zu.

Im Nachhinein habe ich gute Nachrichten für den Reifenmann. Mit Schrotflinte und Winkelschleifer (und Handbandsäge), mit Expansionsschaum und Sprühfarbe sind die Leute tatsächlich da draußen und zerstören diese Kameras massenhaft. Viele werden dabei erwischt (meistens von anderen Kameras), aber nicht alle. Am 13. August veröffentlichte die Stadt Charlotte in North Carolina einen Beitrag auf ihrer offiziellen Facebook-Seite, in dem sie die Öffentlichkeit um Hilfe bat, um diejenigen aufzuspüren, die Expansionsschaum auf ihre Kennzeichenlesekameras gesprüht hatten. Dabei gaben sie versehentlich zu, dass diese Kameras mehr als nur Kennzeichen erfassen. Bislang gibt es mehr als 70.000 Kommentare zu diesem Beitrag, die überwiegend die Zerstörung dieser Kameras befürworten.

In Monterey, Kalifornien, wurde ein 40-jähriger Mann namens Marcus Bee festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, einfach mit seinem Pick-up (der mit Frontschutzbügeln ausgestattet ist, die beim Rammen helfen) über drei Flock-Kameras gefahren zu sein und/oder ein Abschleppseil angebracht zu haben, um sie aus dem Boden zu ziehen. Er wurde von anderen Überwachungskameras in der Gegend erfasst.

Auf der anderen Seite des Landes und mit Hilfe eines im Grunde gegensätzlichen Fahrzeugs muss sich ein 21-Jähriger nun vor Gericht verantworten, da er angeblich mit einem Baseballschläger auf einen Subaru Forester geklettert ist, um mehrere Kameras zu zerstören.

Vor zwei Wochen berichtete die „New York Post“, dass Long Island von einer Welle von Vandalismus gegen die Kameras heimgesucht wurde, wobei jeweils unterschiedliche Angriffsmethoden zum Einsatz kamen (was auf verschiedene Täter hindeutet). Einige wurden abgeschnitten. Eine wurde überfahren. Bei einer anderen wurden die Kabel abgezogen. Zwei wurden mit Sprühfarbe besprüht. Eine wurde einfach in die andere Richtung gedreht. Selbst auf dieser rechtsgerichteten Seite stehen die Kommentare voll und ganz hinter den Vandalen.

Am 21. Juli wurde ein Teenager in Jacksonville Beach, Florida, festgenommen, weil er die Linsen von drei Kameras mit Sprühfarbe besprüht hatte.

Aus Houston, Texas, wurde berichtet, dass in einer Nacht vier Kameras heruntergeschnitten wurden, nachdem es im vergangenen Monat bereits eine Reihe weiterer Angriffe gegeben hatte. Die Masten wurden einfach dort liegen gelassen, wo sie hingefallen waren.

Ein 37-jähriger unabhängiger Kandidat für das Repräsentantenhaus von Tennessee, Adam Lee Heimerman, wurde festgenommen, weil er angeblich vier Kameras zerschossen haben soll. Einmal, so lässt der Bericht vermuten, war er beim Gottesdienst, ging auf den Parkplatz hinaus und schoss eine Überwachungskamera kaputt, während andere drinnen beteten.

Ein besonders aktiver (beschuldigter) Vandale ist ein 41-jähriger Ingenieur der Luftwaffe, Jeffrey Sovern, der sich in Bezug auf die Zerstörung von 13 „Flock“-Kameras in Virginia im letzten Jahr für nicht schuldig erklärt hat. Ihm wird vorgeworfen, die Masten mit einer Zange demontiert zu haben.

Ein Mann namens Ed Kahle aus Pinal County, Arizona, zeigt keine Reue dafür, dass er mit seinem Arbeits-Lkw rückwärts in eine „Flock“-Kamera gefahren ist. „Wir leben hier draußen, weil wir Ruhe wollen. Wir wollen keinen Ärger machen. Und jetzt werde ich überwacht?“. Die Sheriffs von Pinal County kündigten an, dass sie den Vertrag für die Kameras nicht verlängern werden.

In Fairbault, Minnesota, wird ein 41-jähriger Mann namens Justin Lee Campbell wegen des Durchschneidens der Kabel einer „Flock“-Kamera in drei Fällen strafrechtlich verfolgt. Er wurde von einigen Ladenmitarbeitern verpetzt, denen er damit geprahlt hatte, die Kamera zerstört zu haben. Aber anderswo im selben Bundesstaat wurden in Edina drei Kameras übermalt, und in Plymouth wurden zwei Kameras deinstalliert.

In mindestens fünf Gemeinden in Michigan wurden Kameras deinstalliert oder zerstört. In Westland, Michigan, hat die Polizei ebenfalls kapituliert.

Die Flock-Kamera in Ash Grove, Missouri, wurde von Unbekannten entfernt, die sich ihr von hinten näherten, sodass sie keine Aufnahmen des Angriffs machen konnte.

Der 21-jährige Alex Rattenborg aus Iowa City wurde wegen Sachbeschädigung dritten Grades angeklagt, weil er eine Flock-Kamera abmontiert hatte; er wurde anschließend von anderen Überwachungskameras erfasst, doch die Polizei in Iowa fahndet weiterhin nach den Tätern, die für zwei weitere zerstörte Kameras verantwortlich sind.

Der Sheriff von Lumpkin County, Georgia, versucht verzweifelt, denjenigen zu finden, der eine Kamera zerstört hat. Sein Facebook-Beitrag dazu hat 17.000 Kommentare, die den Vandalismus gutheißen.

Das Foto zeigt die Flock Sock, montiert an einer Kamera auf einem Stock.

Die "Flock Sock" Quelle: SquidLink (MakerWorld)

Ein 3D-Designer namens SquidInk hat den „Flock Sock“ entwickelt, eine 3D-druckbare Hülle, die man über einen Besenstiel stülpen und damit Flock-Kameras zerstörungsfrei abdecken kann.

Der vielleicht höflichste aller Menschen, die direkte Aktionen durchführen, ist ein 77-jähriger Republikaner im Ruhestand aus Florida, der „Flock Blocker“, der seine reichlich vorhandene Freizeit damit verbringt, in einem Campingstuhl zu sitzen – mit einem Anti-Flock-Schild an einer 10-Fuß-Stange – und so die Kameras zu blockieren. Als ich zum ersten Mal Videos in den sozialen Medien sah, in denen Methoden zur Zerstörung dieser Kameras verglichen wurden, fielen mir zwei Dinge besonders auf. Erstens, dass der Hass auf diese Kameras universell ist. Da gibt es zum einen eine stark tätowierte Person wie diese hier, die im Black-Bloc-Look gekleidet ist, und zum anderen ein Unternehmen, das Sicherheitsausrüstung für Schweißer herstellt – beide liefern dieselbe Art von Inhalten an ihr vermutlich unterschiedliches Publikum. (In den Kommentaren zu beiden Beiträgen wird jedoch die Schnittgeschwindigkeit und die leise Leistung der handgeführten Bandsäge empfohlen.)

Das andere, was mir auffiel … als ich diese Art von Inhalten zum ersten Mal sah, befürchtete ich, dass es sich nur um theatralische Social-Media-Beiträge handelte. Klar, vielleicht haben ein paar Leute mal eine oder zwei Kameras zerstört, aber ich ging davon aus, dass das nicht weit verbreitet war.

Doch dann habe ich angefangen zu recherchieren.

Und diese Kameras werden tatsächlich eine nach der anderen, zu zweit, von Einzelpersonen und kleinen Gruppen im ganzen Land zerstört. Die meisten kommen damit durch. Viele werden erwischt, und manche haben bereits eine Gefängnisstrafe verbüßt. Mir ist noch keine einzige Quelle bekannt, die all diese Angriffe erfasst und/oder den Leuten die Möglichkeit bietet, diejenigen zu unterstützen, die erwischt wurden, aber hoffentlich wird so etwas noch auftauchen (oder existiert bereits und wird mir irgendwann auffallen). Ursprünglich hatte ich vor, mehr über die Entstehung von ALPRs (automatische Kennzeichenleser) und Flock sowie dessen Konkurrenten wie Axon zu schreiben. Das werde ich in Zukunft tun. Aber ich vertraue euch genug, um zu verstehen, dass diese Kameras auf entsetzliche Weise missbraucht wurden, immer und immer wieder; dass selbst wenn Städte beschließen, keine ALPR-Daten an die ICE weiterzugeben, die örtliche Polizei die Informationen trotzdem an ihre Kumpels bei der ICE weitergibt; dass fehlerhafte KI-Informationen bereits zu brutalen Übergriffen durch die Polizei geführt haben; und dass diese Kameras – sofern die Demokratie in den USA fortbesteht – wahrscheinlich als Verstoß gegen den vierten Verfassungszusatz eingestuft werden – für die meisten ähnlichen Technologien ist mittlerweile ein Durchsuchungsbefehl erforderlich.

Zu lange schon haben die Menschen in diesem Land die Ausweitung des Überwachungsstaates mitangesehen. Es scheint, als hätten die Leute nun wirklich, endlich genug davon. Und dass alle Versuche, die Arbeiterklasse entlang der Linien des Kulturkriegs zu spalten, gerade scheitern – und das ist gut so. Beide Seiten geben sich weiterhin gegenseitig die Schuld an der Überwachung – in den Kommentaren der „New York Post“ werden diese Kameras als Kommunismus bezeichnet. Anderswo nennen die Leute sie Faschismus. Was sie tatsächlich sind, ist Autoritarismus. Und das ist etwas, das wir gemeinsam zerstören müssen.

Ich werde niemals, wirklich niemals, Menschen dazu ermutigen, Dinge zu tun, zu denen ich persönlich nicht bereit bin. Ich bin nicht da draußen und zerstöre Flock-Kameras. Aber ich werde öffentlich meine Unterstützung für die Menschen bekunden, die das tun – und genau das werde ich von euch verlangen: Seid offen und öffentlich in eurer Verurteilung des Überwachungsstaats und in eurer Unterstützung für diejenigen, die direkt dagegen kämpfen.

Ich war noch nie ein großer Anhänger von Online-Aktivismus, aber es scheint, als sei „direkte und ehrliche Unterstützung für Menschen, die Straftaten begangen haben“ die wirksamste Form davon, die ich je gesehen habe. Luigi Mangione hat den Gesundheitsverantwortlichen Angst gemacht, aber nicht so sehr wie der Aufschrei der Unterstützung, den er erhielt.

Und diese Kameras? Sie werden abmontiert, wenn ein paar mutige Seelen sie abreißen, und sie bleiben abmontiert, wenn es eine massive Welle der Unterstützung durch die Bevölkerung gibt. Wenn der Staat erkennt, dass seine Legitimität auf dem Spiel steht. Dann geben sie dem Volk nach.

Wie Frederick Douglass es formulierte:

Macht räumt nichts ein, ohne dass es gefordert wird. Das war noch nie so und wird auch nie so sein. Finde heraus, was ein Volk stillschweigend hinnimmt, und du hast das genaue Maß an Ungerechtigkeit und Unrecht erkannt, das ihm auferlegt wird – und das wird so lange andauern, bis es entweder mit Worten oder mit Schlägen oder mit beidem bekämpft wird. Die Grenzen der Tyrannen werden durch die Ausdauer derer bestimmt, die sie unterdrücken.

Quelle:  "People Really Are Cutting Down Flock Cameras En Masse or: public support for criminal activity is a primary driver of social change" von Margaret Killjoy, 19. August 2026

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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

25. Jahrestag des Mordes an Carlo Giuliani: Was geschah wirklich am Piazza Alimonda - Quale verita' per piazza Alimonda?

Carlo Giuliani

Am 20. Juli 2001 starteten die Carabinieri und weitere Ordnungskräfte während der Demonstrationen gegen den G8 Gipfel in Genua 2001 eine Reihe von Attacken, die mit dem Angriff auf den genehmigten Demonstrationszug in der Via Tolemaide endeten.

Die letztere Attacke schnitt den 15.000 DemonstrantInnen jeden Fluchtweg ab. Dies war der Beginn der Ereignisse auf der Piazza Alimonda, die zum Mord an Carlo Giuliani führten und zum Beispiel auch in der Dokumentation "Gipfelstürmer - die blutigen Tage von Genua" behandelt werden. Offen sind immer noch folgende Fragen:

• Ist es möglich, dass ausgebildete Soldaten, auch wenn sie in Panik geraten sind, in das Gesicht eines Jungen zielen, der sich in 4 Metern Entfernung befindet, ihn danach zweimal überfahren und dann innerhalb von nur 7 Sekunden verschwinden?

• Kann ein Müllcontainer einen Defender blockieren?

• Warum greifen die Kollegen, die sich in einer Entfernung von etwa 20 Metern befinden, erst ein, nachdem sich die Tragödie bereits ereignet hat?

• Der Feuerlöscher: Waffe oder Schutzschild?

• Warum bleibt die Waffe auch als die Gefahr bereits vorbei war, auf die DemonstrantInnen gerichtet?

• Weshalb wurde der erste Schuss nicht in die Luft abgegeben?

• Warum tauchen erst nach 6 Monaten vorher verschwundene Patronenhülsen und Pistolen auf?

Giuliano Giuliani ist der Vater von Carlo. Er rekonstruiert in der Dokumentation die letzten Minuten des Geschehens und widerlegt die offizielle Darstellung der Staatsanwaltschaft anhand von Fotos und Videosequenzen, die in dem Ermittlungsverfahren gegen den vermeintlichen Schützen verwendet wurden. Das Verfahren wurde inzwischen eingestellt, der angebliche Todesschütze wegen Notwehr freigesprochen.

Der Film ist aber nicht nur der Versuch einer detaillierten Rekonstruktion der Todesumstände seines Sohnes. Er ist gleichzeitigcarlo giuliani,g8,g8 gipfel,genua,mord,politische rechte eine Anklage gegen Polizei und Justiz, die mit allen Mitteln versucht haben, die Sicherheitskräfte von jeder Verantwortung für Carlos Tod freizusprechen.

Deutschsprachige Version:


Gedanken, Notizen und Barbarenköniginnen oder: Nachrichten und Buchrezensionen

Prairieland

Die Angeklagten im Fall „Prairieland“ wurden gestern verurteilt, und alle ihre Strafen sind geradezu karikaturhaft lang. Im Ernst, es ist unmöglich, in diesem Fall Strafen von 70 Jahren zu lesen, ohne sich vorzustellen, wie der Richter an seinem Schnurrbart zupft, während er seine Urteile verkündet.

Prairieland war eine Lärmdemonstration vor einer ICE-Einrichtung, die schrecklich schiefging, als ein Beamter auftauchte und eine Waffe auf einen unbewaffneten, flüchtenden Demonstranten richtete. Einer der Angeklagten, Champagne, war bewaffnet und schoss auf den Beamten, wodurch er ihn verletzte – und vermutlich dem Flüchtenden das Leben rettete. Mir scheint es wahrscheinlich, dass bei dieser Demo jemand gestorben wäre, wenn Champagne nicht da gewesen wäre und nicht schnell reagiert hätte. Stattdessen ist niemand gestorben. Champagne wurde gerade zu hundert Jahren Haft verurteilt. Hier ist ihre Stellungnahme von gestern.

Jetzt wird jedem, der bei der kleinen Lärmdemonstration dabei war, gesagt, dass er eingesperrt wird – die meisten von ihnen für den Rest ihres Lebens. Um das Unterstützungskomitee zu zitieren:
Screenshot des Postings des Unterstützungskomitees mit dem Text: "Richter O’Connor erklärte vom Richterstuhl aus, dass er im Fall „Prairieland“ die Höchststrafen verhänge, weil „der Staat ein Zeichen an alle setzen will, die eine ähnliche Ideologie vertreten“.".
Richter O’Connor erklärte vom Richterstuhl aus, dass er im Fall „Prairieland“ die Höchststrafen verhänge, weil „der Staat ein Zeichen an alle setzen will, die eine ähnliche Ideologie vertreten“.

Das einzig Positive, was ich daraus mitnehmen kann, ist, dass die Voreingenommenheit des Gerichts so offensichtlich ist, dass unter besseren Umständen vielleicht Hoffnung auf eine Berufung besteht. Und wenn wir Trump endlich aus dem Amt jagen, müssen wir alle laut und oft daran erinnern, dass Trump erst dann weg ist, wenn die Überreste seiner faschistischen Regierung verschwunden sind – und dazu gehören auch die Verurteilungen von Anti-ICE-Demonstranten.

Die Barbarenkönigin

Das hat zwar überhaupt nichts damit zu tun, aber ich habe eine neue Serie namens Throkda, die Barbarenkönigin im Dorf Ash gestartet. Teil eins erscheint in Ausgabe drei des Foghorn Mag, das den Untertitel „Eine anarchistische Chronik des Lebens am Rande“ trägt. Es ist eine reine Printzeitschrift, die zweimal im Jahr erscheint und voller Tipps zur Selbstorganisation, zum Leben abseits des Netzes und ganz allgemein zum Leben am Rande der Gesellschaft ist. Es ist eine tolle Zeitschrift, und als sie mich um einen Beitrag baten, sagte ich ihnen, ich würde lieber über eine Barbarenkönigin aus einer Fantasiewelt schreiben, die durch ein Portal in die Wälder außerhalb von Asheville, North Carolina, tritt. Und sie sagten Ja, solange es einen Bezug zu Menschen hat, die abseits des Netzes leben. Das tut es also. Du kannst Teil eins in Ausgabe Nr. 3 lesen, von der du gedruckte Exemplare online oder in einigen ausgewählten Läden kaufen kannst.

Hier ist ein kleiner Vorgeschmack darauf, scheiß drauf:
Blut lief meine Klinge hinunter und Blut lief meine Brust hinunter und eine Kakophonie aus Schreien erfüllte die königliche Kammer und alles, was ich tun wollte, war nachzudenken, unsere Flucht zu planen, aber dafür war keine Zeit. Parieren, stoßen, parieren. Näher herankommen. Näher an den Feind herankommen – das bringt seine Ausbildung durcheinander und verschafft dir einen Vorteil. Es ist nicht sicher, aber nichts ist das. Das Seax in meiner Hand war von meinem Bruder geschmiedet worden (mögen die Sieben Harpyien seine Seele im Land jenseits aller Flüsse gnädig aufnehmen) und es erfüllte seinen Zweck gut.

Meine beiden Freunde waren am Ende des Flurs und arbeiteten gemeinsam daran, die Tür aufzubrechen, die zwischen uns und unserem Ziel stand.
Ein letzter Stoß, und drei Palastwächter lagen tot oder sterbend auf dem Boden der Kammer neben der Leiche ihres Herrn, Herzog Agglethorn.

Jemand würde das alles aufräumen müssen. Ein armer Palastdiener, kaum freier als ein Leibeigener, würde all das Blut aufwischen müssen. Die Flecken würden sich auf keinen Fall jemals aus der Polsterung entfernen lassen. Seidenvelours, auf einem Webstuhl mit zwei Kettfäden gewebt, gefärbt mit Muscheln, die eine nach der anderen vom Meeresboden gepflückt worden waren. Wahrscheinlich hatte ein ganzes Dorf einen ganzen Monat gebraucht, um nur einen einzigen dieser Stühle herzustellen, und da stand ich nun und spritzte das Lebensblut der halben Palastwache durch den Raum.

Vielleicht wollte ich doch keine Zeit zum Nachdenken haben.

Vorsorge

Mahlzeiten aus humanitären Hilfslieferungen sind derzeit extrem, extrem reduziert.

Meine Vermutung ist, dass das Ende der amerikanischen Soft Power zu einem massiven Überangebot an im Grunde veganen MREs auf dem heimischen Markt geführt hat. Das ist keine gute Sache. Aber es bedeutet, dass du im Moment etwa 300 vegane Mahlzeiten für 150 Dollar plus Versand bekommen kannst. Beachte, dass „Prüfdatum“ bedeutet: „Öffne eine Packung, um sicherzugehen, dass sie noch gut sind“, und nicht „Mindesthaltbarkeitsdatum“. Ein Freund von mir, der mutiger ist als ich, hat ein paar davon gegessen und meinte, mit genug scharfer Soße schmecken sie gut, und ich habe jede Menge davon in meinem Keller. (Wie bei allen Vorratsnahrungsmitteln solltest du sie fern von Hitze, Licht und Feuchtigkeit lagern).

Dinge, die ich kürzlich gelesen habe

Bounce House, von Matt Dinniman. 2026.

Ich wollte eigentlich Dungeon Crawler Carl lesen, weil es so ein großes Thema ist, dass ich mir dachte, ich schaue mal, worum es bei dem ganzen Trubel geht, aber seit ich Audible gekündigt habe, höre ich meine Hörbücher über libro.fm, und dort gab es nur dieses andere Buch vom selben Autor. Es erfüllt eine Menge meiner Kriterien für klassische Sci-Fi – die Kinder einer Generation-Ship-Kolonisation kämpfen gegen eine Invasion von Gamern von der Erde, die Mechs steuern. Es macht Spaß. Dinniman ist ein guter Pulp-Autor. Ich verstehe, warum die Leute seine Werke mögen, und ich werde wahrscheinlich noch mehr von ihm lesen, vor allem, wenn ich die Hörbuchversionen auftreibe.

Tunnel in the Sky, von Robert Heinlein. 1955. Ich bin mit Heinlein aufgewachsen, und obwohl ich politisch auf Makroebene nicht mit ihm übereinstimme, gefallen mir seine Bücher und viele seiner Ideen. Das ist wahrscheinlich mein Lieblingsbuch von ihm, und ich lese es jetzt wohl schon zum vierten Mal (zweimal als Kind und jetzt zweimal als Erwachsener). Ich habe zwei Exemplare in meinem Regal, beide sind älter als ich. Eines gehörte meinem Vater, das andere seinem älteren Bruder. Ein Gymnasiast in einem Überlebenskurs auf fremden Welten legt seine Abschlussprüfung ab, indem er durch ein Tor geht, um auf einer fremden Welt zu überleben. Es ist eine libertäre, aber einfühlsame Geschichte. Eine, die als Apologie für die Kolonisierung dient, aber dennoch von einer interessanten Art von Freundlichkeit durchzogen ist und bewusst darauf abzielte, den Jungen der 1950er Jahre, die Pulp-Science-Fiction lasen, „woke“-Lektionen zu erteilen. Es ist interessant zu sehen, wo der vom Autor beabsichtigte Antisexismus und Antirassismus im Nachhinein gelingt und wo er scheitert. Beim erneuten Lesen wird mir klar, wie sehr das meine Gedanken beeinflusst hat – sogar bis heute. In der postapokalyptischen Vignette, die ich gerade hier veröffentlicht habe – The End, Like Sand –, steckt ein bisschen Tunnel in the Sky, und zwar darin, wie darin der Aufbau einer offenen, aber organisierten Gesellschaft in Krisenzeiten thematisiert wird.

Finna, von Nino Cipri. 2020. Ich habe mir das Hörbuch dazu vor ein paar Wochen angehört. Es ist kurz, knackig und unterhaltsam: Ein Geschäft, das rechtlich von Ikea getrennt ist, kann spontan Portale zu Paralleluniversen erzeugen, und ein Mindestlohnempfänger sowie dessen Ex-Partner erfahren, dass es ihre Aufgabe ist, durch dieses Portal zu gehen, um einen vermissten Kunden zu retten. Es macht Spaß. Es ist ein Spektakel. Der Titel „finna“ hat nichts mit dem AAVE-Wort zu tun, das „gonna“ bedeutet – ob das nun gut oder schlecht ist.

Wie immer führe ich auch eine Liste mit Büchern, die ich empfehle, bei der von Arbeiter*innen und Queers geführten Buchhandlung Firestorm. Vollständige Offenlegung: Das ist ein Empfehlungslink, über den ich eine Provision erhalte (und du einen Rabatt).

Was ich mir kürzlich angesehen habe

The Death of Robin Hood. 2026. Ich dachte mir schon, dass ich den Film entweder lieben oder hassen würde – und wie sich herausstellt, liebe ich ihn. Ich bin fasziniert davon, wie moderne Filme (vor allem A24-Filme) bereit sind, die Idee ernst zu nehmen, dass jeder Kampf im Grunde Horror ist, und ihn auch so zu verfilmen. Der Film dreht sich im Grunde um die Frage: „Was wäre, wenn Robin Hood einfach nur ein ganz normaler alter Gesetzloser wäre, der verdammt alt ist und sich wegen all dem Morden und so nicht gerade wohlfühlt?“ Es war nicht der Film, den ich mir erhoffe, eines Tages zu sehen – in dem Robin Hood ein brutaler Antiheld, aber dennoch ein Klassenkämpfer ist. Stattdessen war es ein Film, über den ich froh bin, ihn gesehen zu haben; er verbindet heidnische und christliche theologische Konzepte nahtlos miteinander und fühlt sich echter an, als es jede glattgebügelte Nacherzählung der Vergangenheit jemals tun wird. Und die Musik ist unglaublich.

The Drama. 2026. Noch ein A24-Film, und wenn ich ehrlich bin, hab ich es irgendwie satt, dass es in jedem düsteren Liebesfilm darum geht, wie Menschen einfach nur furchtbar zueinander sind. Auch wenn ich mich vielleicht darüber freuen sollte, dass „wir Liebesfilme so drehen, als wären sie Horrorfilme“, hat mich dieser hier größtenteils auf eine, nun ja, unangenehme Art und Weise verunsichert, statt auf eine coole.

Good Luck Have Fun Don’t Die. 2025. Ein lustiger, schräger Sci-Fi-Film, der zum Nachdenken anregt. Er ist sich bewusst, dass er kitschig ist, und ein bisschen übertrieben in seiner Botschaft „Kinder starren heutzutage zu viel auf ihre Handys“, aber insgesamt eine gute Botschaft, die gut rüberkommt.

Wake Up Dead Man. 2025. Alle haben mir gesagt, ich müsse mir den unbedingt ansehen, als er rauskam, aber ich hab’s verschlafen. Alle hatten recht. Der Film ist total mein Ding. Ein katholischer Krimi, geschrieben von einem echten Atheisten und gelöst von einem fiktiven Atheisten, aber durchzogen von den besten Einsichten über den Glauben, die man sich vorstellen kann. Mein einziges Problem war, dass ich verdammt gesichtsblind bin, sodass mir einer der wichtigsten Handlungsstränge völlig entgangen ist, bis ich ihn später nachgeschlagen habe.

28 Jahre später: Der Knochentempel. 2025. Einfach umwerfend. Blutiger als das meiste, was ich sonst gerne gucke, aber die Gewalt wirkte größtenteils gerechtfertigt und steigerte sich zu etwas Bedeutungsvollem. Nachdem ich außerdem eine Menge über die Gallier und Kelten gelesen habe, finde ich das ganze Konzept der „Knochensäulen in einem Freiluft-Beinhaus“ umso fesselnder und historisch akkurater. Wenn ich die vier Filme der Reihe in eine Rangliste bringen müsste, würde ich von schlecht nach gut gehen: 28 Weeks Later (der zweite Film), 28 Years Later (der dritte Film), 28 Days Later (der erste Film) und dann Bone Temple, den vierten Film, als den besten der Reihe.

Weapons, 2025. Wusstest du, dass ich jahrelang keine Horrorfilme geschaut habe? So etwa zehn Jahre lang. Ich lebte in einem Van und schlief oft ganz allein mitten im Nirgendwo, also hat es mir einfach nichts gebracht, Horrorfilme anzuschauen. Aber irgendwann, während der Pandemie, hat mich eine Freundin dazu gebracht, sie mit ihr allein in meiner abgelegenen Hütte im Wald anzuschauen, und mir wurde klar, dass Horror besser (oder zumindest zuverlässiger) als jedes andere Genre darin ist, die Welt unter dieser Welt freizulegen, die wir zwar erahnen, aber weder sehen noch berühren können. „Weapons“ schafft das sehr gut: Es bringt echten Horror und Magie (und was ist Magie anderes als Horror?) in eine alltägliche Vorstadtumgebung.


Quelle: „Thoughts and Notes and Barbarian Queens or: news and book reviews“ von Margaret Killjoy, 24. Juni 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


Berlin: Demo gegen KI-Videoüberwachung und die digitale Aufrüstung der Polizei

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Transsparent mit dem Text "Gegen die digitale Aufrüstung der Polizei" sowie vier verpixelte Träger*innen
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Noch vor der Sommerpause will der Bundestag ein massives Überwachungspaket beschließen – mit KI-Fahndung, biometrischem Internetabgleich und Palantir-Software für die Polizei. Über 1.000 Menschen protestierten am 13. Juni 2026 in Berlin gegen die geplante digitale Aufrüstung und Massenüberwachung. Die Demonstration zog lautstark und begleitet von Pyro und Rauch von der Warschauer Straße zum Görlitzer Park und weiter zum Rio-Reiser-Platz.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Bundesregierung plant, Polizei und BAMF zu erlauben, Gesichtsbilder und Stimmen mit dem gesamten öffentlichen Internet abzugleichen. Auch der Einsatz dystopischer Programme wie Palantir & Co soll kommen – und dazu sollen gigantische Datenmengen zur automatisierten Analyse zusammengezogen werden. Massenhaft dürften persönliche Daten außerdem ohne Anonymisierung zum Training von Polizei-KI genutzt und an private Unternehmen weitergegeben werden. Der Bundesrat möchte diese Gesetzentwürfe durch Befugnisse zur Live-Gesichtserkennung noch weiter verschärfen. Zugleich gibt es einen neuen Anlauf zur Vorratsdatenspeicherung.
Der schwarz-rote Senat in Berlin will die Polizei zudem aufrüsten mit KI-gesteuerten Kameras an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten (KBOs) wie zum Beispiel in der Rigaer Straße oder dem Görlitzer Park.

Es reicht! Dagegen gehen wir lautstark auf die Straße!

Links

Kriminelle Anarchie in Minnesota oder: Gedankenverbrechen und fadenscheinige Anklagen

Ich hatte diesen ganzen Beitrag eigentlich schon für euch für heute geschrieben. Darin ging es darum, wie sehr ich Bücher liebe. Es ging darum, dass ich dieses Jahr noch nicht genug Romane gelesen habe, darum, wie sehr ich Hörbücher liebe, aber dass es eine ganz besondere Freude ist, die ganze Welt dazu zu zwingen, einen Gang herunterzuschalten, damit man in einem Sessel sitzen und Belletristik lesen kann, die mit Tinte auf Papier gedruckt ist.

Aber ich kann die Welt nicht immer dazu bringen, langsamer zu werden, und gestern wachte ich mit einer SMS aus Minneapolis auf. „Die ICE hat meine Straße abgesperrt. Sie führen eine Razzia im Haus meines Nachbarn durch.“

Es dauerte nicht lange, bis ich ein Video von einer der Festnahmen sah – von einem Mann namens Isaac, dem Verschwörung zur Behinderung der Strafverfolgung vorgeworfen wird. Er wurde aus seinem Haus geführt, hielt den Kopf hoch und nannte den Nachbarn, die herausgekommen waren, um ihn zu unterstützen, ruhig seinen Namen und seine Daten.

Das Foto zeigt den Protest gegen die ICE in der Innenstadt von Minneapolis am 20. Januar 2026. Eine Person trägt ein "FUCK ICE" Plakat, die Demonstant*innen stehen vor 2 Hochhäuser und sind nur von hinten zu sehen
Protest gegen die ICE in der Innenstadt von Minneapolis
Minneapolis, Minnesota, 20. Januar 2026
Rund 200 Menschen protestierten in der Innenstadt von Minneapolis gegen die ICE. Maskierte Männer, angeblich von der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE), haben in Minnesota Leute von der Straße weggeholt und sie in unmarkierten Fahrzeugen abtransportiert.
Foto: Fibonacci Blue, 20.01.2026
Creative-Commons-Lizenz 4.0 „Namensnennung“
Die Bundesbehörden scheinen entschlossen zu sein, diesen Mann und vierzehn weitere Personen mit der ganzen Härte des Gesetzes zu bestrafen. In der 94-seitigen Anklageschrift sind 276 Vorwürfe aufgeführt. (Ich werde nicht direkt darauf verlinken, da sie auf einer .gov-Website gehostet wird, aber sie ist leicht zu finden. Ich habe nach „Anklageschrift gegen 15 aus Minneapolis“ gesucht.) Der Gruppe werden alle möglichen Straftaten vorgeworfen, von denen fast keine etwas beinhaltet, was ein Laie als kriminell ansehen würde – denn ihnen wird Verschwörung vorgeworfen.

Kurz gesagt (und ich bin kein Anwalt): Eine Verschwörung liegt vor, wenn zwei oder mehr Personen zusammenkommen und sagen: „Wir sollten das folgende Verbrechen begehen.“ Wir haben Meinungsfreiheit, daher ist es an sich nicht illegal zu sagen: „Was wäre, wenn wir ein Verbrechen begehen würden?“ Sobald jedoch eine dieser Personen „offene Handlungen“ (einschließlich ansonsten legaler Handlungen) zur Förderung der Verschwörung vornimmt, wird daraus eine kriminelle Verschwörung, und alle sind strafbar. Wenn du und ich in einem Raum wären und ich sagen würde: „Wir sollten Süßigkeiten aus Automaten klauen“, und du später Baupläne eines Automaten nachschlagen würdest, könnte der Staat einen Fall wegen Verschwörung gegen uns vorbringen – obwohl es legal ist, über ein Verbrechen zu reden, und es legal ist, Informationen nachzuschlagen.

Das ist – aus Sicht des Staates – eine fantastische Gesetzeslücke, um Verhaltensweisen strafrechtlich zu verfolgen, die ansonsten verfassungsrechtlich geschützt wären.

Es gibt also diese 94-seitige Anklageschrift mit 276 nummerierten Vorwürfen gegen Mitglieder einer Gruppe namens DAMN (Direct Action Minnesota; ich stehe den meisten Namen von Protestgruppen sehr kritisch gegenüber, aber verdammt, der ist gut), und fast jeder dieser Vorwürfe ist einfach nur eine Beschreibung dessen, was zur Organisation von Protesten dazugehört. Die Regierung behauptet, dass sie ihre Aktionen über Signal koordiniert haben. Die Regierung behauptet, dass sie Schutzschilde in einem Pick-up transportiert haben. Die Regierung behauptet, dass sie Überprüfungsverfahren genutzt hätten, um festzustellen, wem man vertrauen könne. Die Regierung behauptet, dass sich viele von ihnen selbst als Anarchisten bezeichnet hätten. Die Regierung behauptet, dass sie Blockaden am Whipple Building organisiert hätten, dem Hauptquartier ihrer Besetzung der Twin Cities.

Blockaden. Schutzschilde. Während der Pressekonferenz sprach der Staat den „aggressiven Einsatz von Schutzschilden“ durch die Angeklagten an, ohne auch nur einen Hauch von Ironie in der Stimme.

Ganz, ganz am Ende der Anklageschrift wird einem der Angeklagten (Vorwurf Nr. 275) vorgeworfen, gegen ein Polizeiauto getreten zu haben, und einem weiteren der fünfzehn (Vorwurf Nr. 276) wird vorgeworfen, ein Auto als gefährliche Waffe eingesetzt und einem Polizeibeamten eine Verletzung zugefügt zu haben. Die meisten Leute, mit denen ich gesprochen habe, gehen davon aus, dass sich dieser letzte Vorwurf auf einen geringfügigen Verkehrsunfall mit einem Polizeifahrzeug bezieht. Es war jedenfalls kein Vorfall, der bedeutend genug war, um in irgendeiner der Nachrichten zu erscheinen, die ich finden konnte, und auch dieser einzige Vorwurf einer Körperverletzung war nicht wichtig genug, um auf der Pressekonferenz erwähnt zu werden.

Immer wieder behauptet die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift, dass sich die Angeklagten selbst als Anarchisten bezeichnen. Ein Großteil dieser „Beweise“ stammt aus öffentlichen Vorträgen, die im Rahmen einer Tour gehalten wurden, um dem Land zu zeigen, wie sich die Menschen in den Twin Cities organisiert haben.

Es ist absolut klar, dass die potenzielle anarchistische Identität einiger der Organisatoren ein wesentlicher Bestandteil der Anklage gegen sie ist. Das Wort „Anarchist“ taucht im gesamten Text weitaus häufiger auf als das Wort „Antifa“ – der Name der aufgeführten inländischen Terroristengruppe, von deren Existenz der Staat die Menschen unbedingt überzeugen will.

Natürlich ist es nicht illegal, Anarchist zu sein. Das fällt unter die geschützte Meinungsfreiheit.

Ich zum Beispiel bin Anarchist. Ich glaube, dass die Gesellschaft von unten nach oben organisiert werden sollte, nicht von oben nach unten. Ich glaube, dass wir unsere Gesellschaft auf horizontalen Strukturen aufbauen können. Das Konzept des „Staates“, gegen das Anarchisten (neben anderen unterdrückerischen hierarchischen Strukturen wie Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus) sind, ist in der Menschheitsgeschichte relativ neu, und Anarchisten sind eigentlich nicht gegen Organisation und Zusammenarbeit.

Wir haben natürlich einen beängstigenden Namen. Ein Name, der zu viel Verwirrung geführt hat, weil er so oft missverstanden wird (wie ich bereits zuvor geschrieben habe). In diesem Fall gehe ich davon aus, dass sich der Staat auf das weit verbreitete Missverständnis des Anarchismus stützt. Sie sagen „diese Leute sind Anarchisten“, weil sie die Menschen glauben machen wollen, dass die Angeklagten Batman-Bösewichte sind, die darauf aus sind, überall, wo sie hinkommen, Chaos und Zerstörung zu säen.

Das FBI weiß natürlich sehr wohl, was Anarchismus ist. Ich habe Erläuterungen gelesen, die von unseren Gegnern verfasst wurden und die tatsächlich die Grundzüge dessen erfassen, wofür wir stehen („Kenne deinen Feind“ ist ein grundlegendes und zentrales Prinzip der Kriegsführung). Aber sie werden in einer Anklageschrift wie dieser keine rationale Erklärung darüber aufnehmen, wer wir sind und wofür wir stehen.

Die gestrige Pressekonferenz war kurz, und ehrlich gesagt ist es irgendwie amüsant, das anzuschauen. Der Staat präsentiert die „gruuuuselig“ Beweise – wie zum Beispiel … Facebook-Seiten von Leuten, auf denen Slogans wie „Wir müssen unregierbar werden“ stehen, oder ein Bannerbild in den sozialen Medien von der brennenden Polizeiwache aus dem Jahr 2020.

Die Journalisten im Saal waren alle unglaublich kompetent. Sie sagten (ich fasse das hier mal zusammen): „Wenn es eine Verschwörung zur Begehung gewalttätiger Handlungen gab, könnt ihr dann auf irgendwelche gewalttätigen Handlungen verweisen, die sie begangen haben?“ Und die Staatsanwaltschaft sagte einfach: „Lest die Anklageschrift.“

Die Journalisten fragten: „Wenn ihr versucht, Anklage gegen die gewalttätigen Kriminellen zu erheben, werdet ihr dann auch Anklage gegen die Polizeibeamten erheben, die Good und Pretti getötet haben?“ Und die Staatsanwaltschaft antwortete: „Wenn unsere Ermittlungen in diesen Fällen eine Anklage rechtfertigen.“

Ein Journalist stellte direkt fest, dass es so klinge, als würde die Regierung den Leuten Gedankenverbrechen vorwerfen. Was passend ist, denn einer der Vorwürfe gegen einen der Angeklagten lautete, dass dieser einen Artikel für CrimethInc. geschrieben habe. (Wenn du auch Gedankenverbrechen begehen willst, kannst du CrimethInc lesen, ein anarchistisches Kollektiv, das einige der besten Nachrichten und Analysen zur Weltpolitik zusammenstellt, die du überhaupt finden kannst.)

Aber vielleicht am wichtigsten von allem war, dass die Journalisten im Grunde fragten: „Die meisten eurer bisherigen Versuche, Leute wegen solcher Dinge anzuklagen, sind spektakulär gescheitert. Warum soll es diesmal anders sein?“

Die Regierung antwortete: „Unsere bisherigen Anklagen sind nicht gescheitert.“

Ein anderer Journalist korrigierte ihn und wies darauf hin, dass die Hälfte davon bisher gescheitert ist und immer mehr scheitern.

Denn die Regierung hat bereits versucht, mutmaßliche Demonstranten in Minnesota anzuklagen, und die Richter weisen diese Fälle ab. Ich habe gestern mit einem dieser ehemaligen Angeklagten gesprochen, während ich mich auf die Aufnahme eines Podcasts zu diesem Thema vorbereitete, und diese Person machte deutlich, dass die Regierung Anklagen auf der Grundlage schwacher Fälle erhebt – dass sie verzweifelt ist und um sich schlägt. Sie betonte, dass die Richter in Minnesota die Lügen und die fehlerhaften rechtlichen Argumente der Regierung satt haben.

Die Bundesregierung sucht verzweifelt nach einer kleinen Gruppe von Menschen, denen sie die Schuld zuschieben kann. Sie will unbedingt „teile und herrsche“ anwenden und sagen: „Das sind die bösen Demonstranten – gebt ihnen die Schuld.“ Aber so sehr ich die Anarchisten aus Minnesota auch schätze und so stolz ich auf ihre Teilnahme an den Protesten bin: Der Widerstand gegen die Besetzung der Twin Cities durch die ICE umfasste mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung dieser beiden Städte und beschränkte sich nicht auf eine bestimmte ideologische Richtung. Noch nie in meinem Leben habe ich eine solche Einheit gesehen.

Ich weiß nicht, ob diese neuen Anklagen Bestand haben werden. Es sieht so aus, als würden alle Angeklagten vor dem Prozess aus der Haft entlassen, was ein gutes Zeichen ist, aber der Staat scheint aus diesem speziellen Fall eine größere Sache zu machen als aus früheren. Wir haben Grund, optimistisch zu sein, aber die Leute verdienen und brauchen trotzdem unsere Unterstützung und Solidarität.

Die mächtigste Waffe des Staates ist die Angst. Sie wollen ein paar Leute herausgreifen und ihnen Anklagen an den Kopf werfen, damit alle anderen zu Hause bleiben und sagen: „Ich kenne diese Leute nicht, und so etwas würde ich niemals tun!“ Sie wollen einzelne Menschen herauspicken und isolieren.

Wenn du glaubst, sie würden nur die Anarchisten ins Visier nehmen, dann hast du noch nie ein Geschichtsbuch gelesen. Die Menschen in Minneapolis wissen das. Das ist ein Grund, warum so viele Menschen auf die Straße gegangen sind. Die Leute wissen, dass der Faschismus nicht nur die Schwächsten ins Visier nimmt – er zielt auf uns alle ab. Wenn es dem Staat gelingt, die „bösen Demonstranten“ herauszugreifen, wird er diese Kategorie ausweiten. (Er musste sie bereits ziemlich weit ausdehnen, wenn sie den „aggressiven Einsatz von Schutzschilden“ umfasst.)

Bei der Anklageverlesung der Angeklagten gestern griff der Staat die vor dem Gerichtsgebäude versammelten Unterstützer an. Sie haben Angst – nicht um ihr Leben, sondern um ihre Legitimität. Die hängt am seidenen Faden.

Ich glaube nicht, dass sie es noch schaffen werden, irgendjemanden erfolgreich herauszugreifen. Nicht dieses Mal. Ob die Anklagen nun standhalten oder nicht, wir können hinter diesen Angeklagten stehen. Die Twin Cities waren das Bollwerk gegen die ICE, und jetzt sind diese Angeklagten das Bollwerk gegen die Unterdrückung. Also werden wir hinter ihnen stehen.

Und wer weiß? Vielleicht kann ich euch nächste Woche davon erzählen, wie sehr ich Bücher liebe, und nicht von noch einer weiteren schrecklichen Sache, die in der Welt passiert.

Quelle: „Criminal Anarchy in Minnesota or: Thoughtcrime and flimsy cases“ von Margaret Killjoy, 17.Juni 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Wer kennt schon MKULTRA?

Das Foto zeigt einen Menschen in einem ABC Schutzanzug, der einen Kaninchenkäfig trägt. Darin sitzt ein Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Es hört sich an wie die schönste Verschwörungstheorie, ist aber weit davon entfernt, sondern im Gegenteil von verschiedenstens Seiten wissenschaftlich dokumentiert, vom US-Kongress und verschiedenen Untersuchungsausschüssen von allen Seiten beleuchtet, verurteilt und verdammt:

Wissenschaftler füllten heute vor sechzig Jahren Glühbirnen mit Bacillus-globigii-Bakterien aka "BG" und heute als Bacillus atrophaeus geläufig und zerschlugen sie anschließend auf den Gleisen der New Yorker U-Bahn. Die Bakterien verbreiteten sich kilometerweit im gesamten U-Bahn-Netz, wurden von Tausenden von Zivilisten eingeatmet und setzten sich auf deren Kleidung ab. Bis zum 10. Juni waren 1 Million New Yorker dem Bakterium ausgesetzt. Dies war nur eines von vielen Experimenten zur biologischen und chemischen Kriegsführung, die an US-Zivilisten durchgeführt wurden. Natürlich gab es Tausende von US-Soldaten, Gefangenen, Zivilisten und Indigenen, die während Atomwaffentests absichtlich und/oder versehentlich Strahlung ausgesetzt waren und im Rahmen des MKULTRA-Programms unwissentlich starken psychedelischen Drogen ausgesetzt wurden.

Das US-amerikanische Programm für biologische Versuche begann offiziell 1943 mit der Gründung der U.S. Army Biological Warfare Laboratories in Camp Detrick (heute Fort Detrick) in Frederick, Maryland. Die Regierung begann mit der Bevorratung von Bacillus anthracis (Anthrax), Francisella tularensis (Tularämie), Brucella spp. (Brucellose), Coxiella burnetii (Q-Fieber), das venezolanische Pferdeenzephalitis-Virus, Botulinumtoxin (Botulismus) und Staphylokokken-Enterotoxin B. Allerdings hatte die Regierung bereits während des Ersten Weltkriegs Ricin getestet.

1950 führte die US-Marine vor der Küste von San Francisco die Operation Sea-Spray durch, bei der zwei Bakterienarten, Bacillus globigii und Serratia marcescens, in die Luft versprüht wurden. Elf Menschen wurden nach dem Test in San Francisco mit schweren bakteriellen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert. Fast jeder Einwohner der Stadt war dem Erreger ausgesetzt gewesen. Einer von ihnen starb. 1951 wurden im Norfolk Naval Supply Center in Virginia Tests durchgeführt, bei denen Pilzsporen unter der überwiegend afroamerikanischen Belegschaft verteilt wurden, um die rassistische Theorie zu überprüfen, dass Schwarze anfälliger für Pilzerkrankungen seien als Weiße. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde Zinkcadmiumsulfid per Flugzeug über eine Reihe von Städten, darunter St. Louis und Minneapolis, versprüht. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden mehrere Journalisten wegen Aufruhrs vor Gericht gestellt, weil sie berichtet hatten, dass die USA während des Koreakriegs biologische Waffen eingesetzt hatten. Im Rahmen der Operation Whitecoat (1954–1973) wurden freiwillige Siebenten-Tags-Adventisten der Tularämie ausgesetzt.

Die Freilandversuche wurden bis in die 1960er Jahre fortgesetzt. 1965 verbreiteten sie Bakterien im gesamten Washingtoner National Airport, und 1966 führten sie einen Test in der New Yorker U-Bahn durch. Präsident Nixon soll 1969 dem offensiven Biowaffenprogramm der Vereinigten Staaten ein Ende gesetzt haben. Biowaffen sind gemäß den Genfer Protokollen von 1925 verboten, die die USA jedoch erst 1975 ratifizierten – im selben Jahr, in dem sie auch die Biowaffenkonvention ratifizierten.

Die Existenz solcher Programme ist hierzulande eher politisch und geschichtlich interessierten Menschen bekannt und erreichte das Bewußtsein eher im kulturellen Bereich: Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson in dem 1962 erschienenen Buch Einer flog über das Kuckucksnest, das 1975 unter demselben Namen verfilmt wurde. Der 2003 veröffentlichte Roman Shutter Island von Dennis Lehane thematisiert ebenfalls Menschenversuche in den Vereinigten Staaten dieser Zeit und wurde 2010 verfilmt. Die 2017 erschienene Serie Wormwood beschäftigt sich mit den Todesumständen von Frank Olson. Stephen Kings Roman Feuerkind von 1980 thematisiert ebenfalls als harmlose Medikamentenstudien getarnte Menschenversuche mit starken Halluzinogenen durch einen Geheimdienst ähnlich der CIA, wodurch zwei Probanden übersinnliche Fähigkeiten entwickeln und diese auch (in Form von Pyrokinese) an ihre Tochter vererben.

Über MKULTRA entstanden die Dokumentationen von Stefan Albrecht und Johannes Schäfer Die Dressierten Killer (4. August 2002/ZDF) sowie Deckname Artischocke von Egmont R. Koch und Michael Wech (12. August 2002/ARD) und eine Reihe von Spielfilmen, darunter Fletcher’s Visionen (1997), Experiment Killing Room (2009) und American Ultra (2015). Auch die TV-Serie Stranger Things nimmt auf das MKULTRA-Programm Bezug.


MKULTRA ist allerdings nicht das einzige derartig menschenverachtende Programm. So existierte bekanntlich mit COINTELPRO und dem ähnelnde Programme wie Operation CHAOS aber auch die anderen (selbstredend "rechtswidrigen") CIA Programme HTLINGUAL (HGLINGUAL), Project 2, Project MERRIMAC, Project RESISTANCE, Domestic Contact Service etc. bis hin zum inflationären Einsatz von Heroin und anderen Drogen zur Heroin gezielt gegen die die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Zerstörung des afroamerikanischen Widerstandes beispielsweise der Black Panther Party (BPP).

Aber das ist eine andere Geschichte...

Quelle: Mike Dunn, WikiPedia, eigene Ergänzungen