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»Wenn du eine gute Idee hast, dann tu es einfach. Denn es ist einfacher, um Vergebung zu bitten, als um Erlaubnis.« Grace Murray Hopper

Ausstehende Löhne: FAU Berlin fordert 14.000 Euro vom Café Superfoods

Kundgebung vor dem Superfoods mit zwei Dutzend Menschen mit FAU Fahnen und Westen stehen vor dem Kundgebung vor dem Superfoods
Kundgebung vor dem Superfoods
Foto FAU Berlin
Das Allgemeine Syndikat der FAU Berlin fordert vom Café Superfoods für drei ehemalige Beschäftigte mehr als 14.000 Euro brutto. Die Forderungen ergeben sich aus offenen Lohn- und Urlaubsansprüchen. Bereits im November hatte Superfoods in einem außergerichtlichen Vergleich mit der FAU Berlin unterschrieben, die Forderung ab dem ersten Dezember in monatlichen Raten von je 2000€ zu begleichen.

Dazu erklärt Enrico S., der den Konflikt für die FAU Berlin als Gewerkschaftssekretär betreut:
„Dass wir von den bis heute offenen 6000 Euro keinen Cent gesehen haben deuten wir so, dass sich die Geschäftsführung über Vereinbarungen und geltendes Recht hinwegsetzt, nicht nur unseren Mitgliedern sondern auch uns als Gewerkschaft gegenüber.“

Die Kommunikation der Verantwortlichen der Superfoods UG bezeichnet die FAU Berlin als Hinhaltetaktik. Paral lel zum öffentlichen Druck hat die Gewerkschaft rechtliche Schritte eingeleitet.

Dazu erklärt Cosmo B., eines der betroffenen Mitglieder:
„Unsere Forderungen sind nicht nur eine rechtliche Frage, sondern auch eine Frage der Gerechtigkeit. Wir sind alle drei Immigrant*innen und sind es leid, ignoriert zu werden, weil wir nicht deutsch und nicht reich sind. Wir brauchen das Geld zum Leben. Wie Superfoods seine Beschäftigten behandelt darf nicht unwidersprochen bleiben.“

Croma R., ein weiteres betroffenes Mitglied, fügt hinzu:
„Da wir alle drei betroffenen Kolleg*innen Migrant*innen sind, wenig Deutsch sprechen und nicht so viel Ahnung von deutschem Arbeitsrecht haben, ging das Unternehmen wahrscheinlich davon aus, dass wir nicht lange für unsere ausstehenden Löhne kämpfen würden.“

Die FAU Berlin fordert im Sinne ihrer Mitglieder Superfoods auf, die offenen Ansprüche unverzüglich zu zahlen.

Am 23. Februar ruft die FAU Berlin zu 12.30 Uhr erneut zu einer Kundgebung vor dem Café in der Schlüterstraße 37 in Berlin-Charlottenburg auf.

Quelle / Mehr Informationen

Berlin: Demo für Brandmauer gegen AFD

Das Foto von © Kinkalitzken zeigt das Fronttransparent der Demo mit dem Text "Wir sind die Brandmauer - Keine Zusammenarbeit mit der AfD!" auf der Straße des 17. Juni, hinter dem sich Massen von Menschen bis hin zumBrandenbruger Tor versammelt haben
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Über 200.000 Menschen stellten sich am 2. Februar 2025 in Berlin gegen die löchrige Brandmauer der CDU gegenüber der AfD. Die Großdemonstration führte mit zahlreichen selbstgestalteten Schildern gegen die AfD und den Kanzlerkandidaten der CDU Friedrich Merz vom Bundestag zur CDU-Zentrale.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema


Von allen Seiten auf das Ding einhämmern oder: Danke, Diane DiPrima

Das schwarz-weiß Foto zeigt Diane DiPrima mit kurzen Haaren auf einem Bett sitzend, den Blick auf ihre Hände gesenkt
Diane DiPrima Mitte der 50er Jahre. Foto: Ausschnitt aus "Memoirs of a Beatnik by Diane DiPrima" (1998)
KEINE METHODE FUNKTIONIERT,
wir müssen alle
von allen Seiten auf das Ding einschlagen,
um es zu Fall zu bringen.

–Diane di Prima, Revolutionary Letter #8

Ich habe letztes Wochenende in einer Kleinstadt in West Virginia einen Vortrag gehalten und eine Lesung gehalten, und bei allem, was in der Welt vor sich geht, brauchte ich einen Moment, um mich auf das Lesen von Belletristik zu konzentrieren. Wenn ihr euch an die Krise vor drei Tagen im Vergleich zu den Krisen dieser Woche bis jetzt erinnert, war der US-Präsident damit beschäftigt, mit anderen Staats- und Regierungschefs der Welt Mutproben zu machen und damit zu drohen, die gesamte Weltwirtschaft zum Absturz zu bringen. Mein vor dem Haus geparkter Truck war mit Grundnahrungsmitteln beladen, die ich auf dem Weg zum Vortrag abgeholt hatte.

Ich habe trotzdem etwas Folklore gelesen, und ich bin froh, dass ich das getan habe, denn ich brauchte einen Moment der Leichtigkeit, einen Moment, um zu sehen, wie eine Kunstgemeinschaft einer Kleinstadt zusammenkommt. Ich brauche auch die veganen Cupcakes, die jemand für die Veranstaltung gebacken hat. Danach haben wir uns unterhalten.

In den letzten Wochen wurde ich sehr oft gefragt, in der einen oder anderen Variante der Frage: „Was zum Teufel sollen wir tun?“ Ich bin schüchtern, wenn es um Antworten geht, denn was weiß ich schon? Ich bin in dieser Scheiße genauso verloren wie alle anderen. Wenn ich auf zwanzig Jahre Proteste zurückblicke, fühlt es sich manchmal so an, als würde ich auf eine Reihe von Misserfolgen zurückblicken.

Dann wird mir klar: Auf Misserfolge zurückzublicken und daraus zu lernen, ist genau das, was wir tun sollten. Und dann, wenn man das Ganze noch größer betrachtet, wird einem klar: Diese Proteste waren keine Misserfolge.

Wir leben nicht in einer Utopie, das ist wahr. Wo ich lebe, driftet (oder läuft) die Dystopie jeden Tag näher und näher. Nichts von dem, was die Rebellen vor uns getan haben, hat also „funktioniert“, da sie keine stabile, perfekte Gesellschaft geschaffen haben.

Aber nach diesem Maßstab hat auch nichts von dem, was die Reaktionäre getan haben, funktioniert, denn wir leben nicht in der Hölle, in der wir ihrer Meinung nach leben sollten. Wir leben an einem wunderschönen, schrecklichen Ort voller wunderbarer und schrecklicher Dinge, die ineinander übergehen. Jedes bisschen Sicherheit und Glück in unserem Leben wurde mit der Arbeit und dem Blut sozialer Bewegungen erkauft, die vor uns kamen.

Die Proteste, an denen ich teilgenommen habe, waren kein Fehlschlag. Die Proteste gegen die Globalisierung von 1999 bis 2003 waren weitaus erfolgreicher darin, die Ausplünderung des globalen Südens zu stoppen, als wir damals dachten. Auf einer persönlicheren Ebene war einer der ersten Proteste, an denen ich 2002 teilgenommen habe, für Leonard Peltier, der diesen Monat aus dem Gefängnis entlassen wird, weil er fünfzig Jahre lang organisiert hat.

Ich habe also letztes Wochenende in West Virginia diese Rede gehalten und danach haben wir darüber gesprochen, was zu tun ist. Der Kern, der Kern des Organisierens, war, dass sie beschlossen haben, sich regelmäßig zu treffen und zu reden. Das war's. Das ist der Kern des Organisierens.

Möchtest du wissen, was ich denke, was du tun solltest? Du solltest Gleichgesinnte in deiner Umgebung finden – einige davon kennst du bereits, andere nicht – und mit ihnen reden. Sprich über die Probleme, mit denen du konfrontiert bist, die Probleme, mit denen du wahrscheinlich konfrontiert sein wirst, und darüber, was man dagegen tun kann.

Sie wählten „Saatguttausch“ als Format für ihr Treffen, weil ihnen die Ernährungssouveränität wichtig war und es ihren Stärken und Interessen entsprach. Sie dachten, sie könnten sich treffen und Saatgut austauschen und sich gegenseitig bei Gärten und Obstplantagen helfen und über ihre Probleme sprechen und darüber, was auf sie zukommt, und besprechen, wie sie sich gegenseitig helfen können.

Und wenn wir alle das tun, verändern wir die Welt.

Ich weiß nicht genau, was funktioniert, aber ich weiß, was nicht funktioniert.

Was nicht funktioniert, ist die endlose und zwanghafte Suche nach dem „einen richtigen Weg“, um die Welt zu verbessern. Es gibt keine einzelne Avantgarde, die uns retten kann, genauso wenig wie es einen Politiker oder Revolutionsführer gibt, der uns alle in eine strahlende Zukunft führen wird. Es gibt auch keine einzelne Ideologie – nicht einmal meinen geliebten Anarchismus –, die das schaffen wird.

Die Zapatistas haben ein Sprichwort, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht: Sie kämpfen für eine Welt, in der viele Welten möglich sind. Wenn wir für eine pluralistische, multikulturelle Welt kämpfen, dann müssen wir dafür auf pluralistische, multikulturelle Weise kämpfen.

Es wird Saatgut-Erhaltungszirkel in den Bergen brauchen, die mit einheimischen Pflanzen arbeiten, die den Launen des Klimawandels standhalten, um sicherzustellen, dass die Menschen weiterhin ernährt werden. Es wird Menschen brauchen, die Polizeireviere niederbrennen. Es wird Videospielfiguren in grünen Overalls brauchen. Es wird wütende und höfliche Demonstranten brauchen. Es wird Saboteure brauchen und es wird Atheisten brauchen und es wird interreligiöse Koalitionen brauchen.

Und die einzige Möglichkeit, wie wir diese schöne, chaotische, kraftvolle Bewegung haben können, ist, wenn wir aufhören, uns vorzustellen, dass ein Weg der richtige Weg ist. Ironischerweise haben religiöse Radikale in dieser Hinsicht einen Vorsprung ... nach Tausenden von Jahren des Streits über Religion hat eine große Anzahl von Menschen erkannt: „Es gibt keine wahre und perfekte Religion, es gibt nur die eine, die für mich funktioniert.“ So sehen wir interreligiöse Koalitionen. Wir sehen Menschen, die Unterschiede nicht nur „beiseitelegen“, sondern feiern.

Um weiterhin eine Reihe von Klischees und Slogans auf euch zu werfen, brauchen wir eine „Vielfalt an Taktiken“. Das bedeutet, kurz gesagt, dass wir aufhören müssen, über Menschen herzuziehen, die Dinge auf andere Weise tun, als wir es tun würden. Es bedeutet, nicht die Polizei zu rufen, wenn jemand eine Scheibe einschlägt, und es bedeutet, nicht auf friedliche Demonstranten herabzuschauen. Es bedeutet, anzuerkennen, dass wir uns in einer sehr schlechten Situation befinden und dass verschiedene Menschen dazu neigen werden, verschiedene Methoden anzuwenden, um diese schlechte Situation anzugehen.

Die Strategien, die funktionieren können, sind die Strategien, die Vielfalt als unsere Stärke begreifen, anstatt zu versuchen, uns kulturelle, strategische oder politische Homogenität aufzuzwingen.

Die griechischen Anarchisten haben ein Sprichwort (es gibt so viele Slogans und Sprichwörter in der Protestkultur), dass sie keine Bewegung sind, sondern eine Sternenkonstellation. Sie sind der Nachthimmel. Sie müssen sich nicht alle in einer Reihe aufstellen, sie müssen nicht einmal in die gleiche Richtung drängen. Sie müssen nur die Machtstruktur durchbrechen, die die Welt in den Ruin treibt.

Ich persönlich habe nichts dagegen, uns als „Bewegung“ zu betrachten, solange es eine „Bewegung der Bewegungen“ ist. (Hier ist ein weiterer zu einfacher Slogan für euch!)

Aus rein praktischer Sicht gibt es eine Reihe von Grundsätzen, die Aktivisten 2008 bei Protesten gegen den Republikanischen Nationalkonvent angenommen haben und die nützlich sein könnten:

  1. Unsere Solidarität basiert auf dem Respekt für die Vielfalt der Taktiken und Pläne anderer Gruppen.

  2. Die angewandten Aktionen und Taktiken werden so organisiert, dass eine zeitliche oder räumliche Trennung gewahrt bleibt.

  3. Alle Debatten oder Kritikpunkte bleiben innerhalb der Bewegung, um öffentliche oder mediale Anprangerungen von Mitaktivisten und Veranstaltungen zu vermeiden.

  4. Wir lehnen jede staatliche Unterdrückung von Dissens ab, einschließlich Überwachung, Infiltration, Störung und Gewalt. Wir verpflichten uns, Strafverfolgungsmaßnahmen gegen Aktivisten und andere nicht zu unterstützen.

Wie kommen wir also durch diese Zeit? Auf die gleiche Weise, wie Menschen sich entwickelt haben, um alles zu überstehen: durch Solidarität.

Wir werden das durchstehen, indem wir Saatgut teilen und Nachbarn verstecken und Busse blockieren und nicht die Polizei rufen, wenn einer von uns in Schwierigkeiten steckt. Wir werden das durchstehen, indem wir Konflikte lösen und unsere eigenen Unvollkommenheiten akzeptieren. Wir werden das durchstehen, indem wir erkennen, dass wir alle eine lebenswerte Welt brauchen und dass der Faschismus eine Bedrohung für jedes Lebewesen auf der Erde darstellt.

Einige von uns werden das nicht überstehen. Das ist auch in Ordnung. Keiner von uns war unsterblich.

Wir sind
endlos wie das Meer, nicht getrennt, wir sterben
eine Million Mal am Tag, wir werden
eine Million Mal geboren, jeder Atemzug Leben und Tod:
Aufstehen, Schuhe anziehen, loslegen,
jemand wird fertig werden

– Diane di Prima, Revolutionary Letter #2
Quelle: Margaret Killjoy, in Birds Before the Storm: Shoving at the Thing From All Sides or: thanks, Diane di Prima 5. Februar 2025

Vorbemerkung:
Ich habe mit Raechel Anne Jolie und Hazel Acacia auf Raechels Substack über die Idee von „Anarcho-Hebammen“ gesprochen, wenn ihr das Gespräch hören wollt.

Wenn du queere, schmutzige Punkrock-Comics magst, mein Freund und manchmal auch mein Mitarbeiter Jonas Goonface bringt gerade sein Buch „The Unsinkable Ship of Fools“ heraus, und eine der Hauptfiguren trägt ein Feminazgûl-Abzeichen, also weißt du, dass es Stil hat.

Ich werde mein nächstes Buch, „The Immortal Choir Holds Every Voice“, im März herausbringen und du kannst dich auf Kickstarter für Benachrichtigungen darüber anmelden.

(Kickstarter und andere Vorbestellungskampagnen sind für Indie- und Kleinverlage unverhältnismäßig wichtig, wegen einer Reihe von seltsamen Dingen, die mit der Arbeitsweise von Verlagen zu tun haben.)

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, sollten Sie ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung [Autorisiert]: Thomas Trueten


Majestätsbeleidigung

Eine Toilettenbürste, bestehend aus einer Trump Figur und orangefarbenen Borsten
Jeder Mensch, und sei er noch so schlecht, ist für irgendetwas gut.

„Voran, voran, voran!“, riefen die Anführer im Hintergrund oder: der Angriff der leichten Brigade und Du

Das Bild zeigt die Karrikatur von Joseph Noel Paton aus dem Januar 1855: Krankheit und Hunger folgen der Figur des Todes, die mit Hilfe eines zusammengerollten Marschbefehls mit der Beschriftung „Routine“, wie mit einem Marschallstab zum Angriff antreibt. Ungeöffnete Kisten mit „Winterkleidung“ und „Arzneimittel“ sowie Bauteile mit „Camp-Hospital“ beschriftet liegen im Morast und verrotten auf dem Schlachtfeld. Dies beschreibt das logistische Chaos der Sewastopol-Schlacht.
Krankheit und Hunger folgen der Figur des Todes, die mit Hilfe eines zusammengerollten Marschbefehls mit der Beschriftung „Routine“, wie mit einem Marschallstab zum Angriff antreibt. Ungeöffnete Kisten mit „Winterkleidung“ und „Arzneimittel“ sowie Bauteile mit „Camp-Hospital“ beschriftet liegen im Morast und verrotten auf dem Schlachtfeld. Dies beschreibt das logistische Chaos der Sewastopol-Schlacht.
Quelle: „The Commander-in-Chief of British Forces in the Crimea / and staff - „Let the Galled Jade wince“ - below the mount“, Joseph Noel Paton, Januar 1855
Ich weiß, dass ihr alle wegen der schonungslosen Analysen, der heißesten Themen und der Gespräche über die am wenigsten obskuren Themen auf meinen Substack kommt. Hier ist also ein Beitrag, der die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft unter Trump mit dem Angriff der leichten Brigade von 1854 vergleicht, wie er in vier poetischen Interpretationen dieses Ereignisses erzählt wird.

I


»Eine halbe Meil', eine halbe Meil',
Auf Sattel und Schabracke,
Vor, in Sturmeseil',
Vor, zur Attacke.
Zählt nicht der Kanonen Zahl,
Hinein, hinein ins Todestal ...«
(Alle hören's verwundert)
»Vorwärts, Leichte Brigade, vor« -
Und hinein ins Feuer- und Höllentor
Reiten die Sechshundert.

1853 zog die europäische Welt in einen Krieg um Territorien und Einfluss, wobei sie religiöse Konflikte in Palästina als Vorwand benutzten. Für den heutigen Leser ist das nicht ungewöhnlich. Es war der Krimkrieg, mit Russland auf der einen Seite und ihrem ewigen Rivalen, dem Osmanischen Reich, auf der anderen Seite, wobei Großbritannien und Frankreich das Osmanische Reich unterstützten, weil sie nicht wollten, dass Russland expandiert und das Gleichgewicht der Kräfte stört.

Der angebliche Grund für den Konflikt war die Kontrolle der christlichen Bevölkerung in Palästina durch die katholische Kirche oder die östlich-orthodoxe Kirche, aber das würde den Rahmen meiner Ausführungen sprengen.

Europa wollte einen Krieg, und es bekam einen Krieg. Am Ende setzten sich die westlichen Mächte durch.

Aber auf dem Weg dorthin ritt 1854 eine Brigade leichter Kavallerie in einem sinnlosen Angriff auf ein schwer verteidigtes Ziel in den Tod und erlangte Unsterblichkeit. Es war während der Schlacht von Balaklawa und wurde von Lord Cardigan angeführt, nur um so viele Referenzen in Strickwaren wie möglich in einen dramatischen und schrecklichen Tag zu bringen. Ihre Befehle wurden schlecht kommuniziert. Die 607 Männer sollten nicht mit Lanzen und Säbeln gegen 29.000 verschanzte russische Truppen reiten, die mit Kanonen und Gewehren bewaffnet waren.

198 Soldaten kehrten von ihrem Ritt ins Tal des Todes zurück, was mehr ist, als man erwarten würde, denke ich.

Lord Tennyson, der Hofdichter Englands, schrieb ein recht charmantes Gedicht namens „The Charge of the Light Brigade“ über den Angriff, das ich als Rahmen für diesen Artikel verwende. Es liest sich heute wie ein Antikriegsgedicht. Das war nicht seine Absicht. Es sollte diejenigen ehren, die bei dem sinnlosen Angriff starben, weil sie ihre Pflicht erfüllt hatten. Tausend Meilen von der Heimat entfernt im Kampf für etwas, das ihr Leben nicht beeinflusste, von ihren Herrschern verstoßen zu sterben, war das höchste Ideal des wahren englischen Soldaten. Alles im Namen von Königin und Vaterland.

II


Leichte Brigade, der Siegespreis
Ist heute hoch, ist heute heiß,
Aber kein Murren, nicht laut, nicht leis,
Keines, obwohlen ein jeder weiß,
's ward irgendwo geblundert -
Vorwärts; sie fragen und zagen nicht,
Vorwärts; sie wanken und schwanken nicht,
Vorwärts, gehorchen ist einzige Pflicht,
Ins Todestal,
In voller Zahl,
Reiten die Sechshundert.

In den USA ist gerade ein rechtsgerichteter Ideologe wieder an die Macht gekommen, indem er sich als revolutionäre Alternative zu einem zerfallenden System präsentiert hat. Trump versprach, die Lebensmittelpreise zu senken, indem er ... Zölle einführt. Was den Preis von nichts senkt, zumindest kurzfristig. Sobald er gewählt wurde, machte er einen Rückzieher und sagte: „Wisst ihr, die Lebensmittelpreise sind schwer zu senken.“ Während die Welt auf Chaos, Krieg und Klimakatastrophen zusteuert, werden die denkbar schlechtesten Leute an die Macht gebracht.

Wir reiten ins Tal, mit Kanonen auf jeder Seite. Menschen werden hungern. Menschen werden an vermeidbaren Krankheiten sterben, weil das Gesundheitswesen und die Aufsicht über das Gesundheitswesen ausgehöhlt werden. Die „Leoparden, die den Menschen das Gesicht abfressen“-Partei wird viele Leoparden viele Gesichter abfressen lassen. Menschen werden auf den Altären des Kapitalismus und des christlichen Nationalismus sterben, getötet von den Anführern. Es ist das höchste Ideal des wahren amerikanischen Patrioten, an vermeidbaren Krankheiten zu sterben. Alles im Namen Gottes und des Vaterlandes.

III


Vorwärts! Kanonen rechts und links,
Kanonen in Front , gewärtig des Winks,
Selbst die Feinde sehen's verwundert.
Schrapnell und Kartätschenschuß,
Todesgruß und Todeskuß,
Falle, was da fallen muß,
In den Höllenrachen, ins Todestal,
Noch voll in Zahl,
Reiten die Sechshundert.

Der Angriff der leichten Brigade geht mir heute Abend aus einem ziemlich albernen Grund durch den Kopf: Ich schreibe eine Fiktion über den Dritten Weltkrieg 3,5 im Jahr 2054 und einige Flugsaurierreiter wurden von russischen Geschützen in einem sinnlosen Angriff niedergeschossen, den ich eindeutig von der berühmten Schlacht kopiere.

Das ging mir durch den Kopf, und ich legte einen meiner Lieblingssongs auf, von einer meiner Lieblingsbands, „The Charge“ von New Model Army. Es ist ein Lied über, ihr wisst schon, den Angriff der Leichten Brigade. Sie haben eine andere Sichtweise, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: Sie sind kein Haufen hirnloser Nationalisten.

Sie singen:

„Vorwärts, vorwärts, vorwärts, schrien die Anführer von hinten
Wir galoppierten die geschwärzten Hügel hinunter
Und in die klaffende Falle
Die Brücken sind hinter uns verbrannt und vor uns warten Gewehre
Ins Tal des Todes ritten die tapferen Hundertschaften

Der Charge (das Lied) wurde in den 1980er Jahren geschrieben, um den Kampf der leidenden Bergleute in England mit dem Schicksal der Soldaten der Light Brigade zu vergleichen. Hier werden Menschen aufgefordert, ihre gute, patriotische Pflicht zu erfüllen und in guter britischer Stille zu leiden. Behaltet die steife Oberlippe, wisst ihr?

Ich habe es mir heute Abend immer wieder angehört, während mein Hund und ich auf der Couch spielten. Wir spielten eines seiner Lieblingsspiele: „Ich versuche, ihn am Kopf zu treffen, und er versucht, meine Hand zu beißen.“ Es ist süßer, als es klingt.

Ich habe mir The Charge immer wieder angehört, weil das wir sind, das ist Amerika. „Weiter, weiter, weiter!“, riefen die Anführer im Hintergrund. Die Reichen setzen ihre wirtschaftlichen Ideen als eine Art moralischen Kreuzzug durch. Das machen sie schon immer, es ist nicht nur Trump. Die kapitalistische Ordnung hat uns das angetan, schon bevor unsere Ururgroßeltern geboren wurden.

Sie wollen, dass wir in ihren Kriegen kämpfen und sterben, um sicherzugehen. Sie wollen auch, jetzt und immer, dass wir für ihre Wirtschaft arbeiten und sterben. Arbeiter bauen ihre Paläste, während sie ausgeblutet werden. Sie wollen, dass wir in den Tod gehen und unmögliche Gesundheitsgebühren akzeptieren. Sie wollen, dass wir das Hütchenspiel der Wahlpolitik spielen, während der Klimawandel wie russische Artillerie auf uns wartet.

IV


Säbel heraus! Die Klingen fein
Blinken und blitzen im Sonnenschein,
Und die Leichte Brigade, nun ist sie hinein,
Fast über sich selber verwundert;
Ihre Säbel, in Rauch und Pulverqualm,
Singen manch einem den letzten Psalm,
Aber endlich, aus Qualm und Rauch
Und ermattet bis auf den letzten Hauch,
Abgejagt und abgehetzt,
Müssen sie rückwärts, rückwärts jetzt -
Nicht mehr Sechshundert.

Eine Generation nach Tennyson, im Jahr 1890, ergriff ein anderer Dichter das Wort und sprach über die Light Brigade. Dieser Dichter war so weit links wie nur möglich: Rudyard Kipling, der mehr Worte zu Ehren des britischen Empire geschrieben hat als vielleicht jeder andere Mann in der Geschichte. Er prägte buchstäblich den Begriff „die Bürde des weißen Mannes“ in einem Gedicht dieses Namens darüber, warum die USA die Philippinen kolonisieren sollten. Er ist kein Mann, den ich mögen sollte.

Kiplings Gedicht hieß „The Last of the Light Brigade“. Es ist kein besonders schönes Gedicht, nur eine Geschichte, die in Reimen erzählt wird. In dem Gedicht tauchen die letzten zwanzig Überlebenden der Light Brigade bei Tennysons Haus auf. Sie sind alle mittellos und hungrig. Sie bitten nicht um Geld, sondern darum, dass Tennyson ein neues Gedicht schreibt, in dem es darum geht, dass sie vergessen wurden und hungern, obwohl sie zu den buchstäblichen Ikonen der britischen Tapferkeit geworden sind.

Selbst dieser ikonische Dichter der Rechten kritisierte, dass die Soldaten als Ikonen verherrlicht wurden, während sie selbst dem Hungertod überlassen wurden.

Die neue Regierung von Trump stellt natürlich eine massive Bedrohung für die Gesundheitsversorgung von Veteranen dar. Keine Regierung war jemals besonders gut zu den einfachen Veteranen, die nicht den gesunden Menschenverstand hatten, zu sterben, als sie in den Fleischwolf geworfen wurden, gegen die russische Artillerie geworfen wurden.

V


Kanonen rechts, Kanonen links,
Kanonen im Rücken, gewärtig des Winks;
Verdoppelt jetzt Salv' um Salve kracht,
Rückwärts, rückwärts wogt die Schlacht,
Und wen es aus dem Sattel schoß,
Den Reiter zertritt sein eigen Roß,
Das Fahnentuch mit flatterndem Band
Geht schon in dritt' und vierte Hand,
Ist zerschossen und zerzundert,
Der Tod mäht rascher von Schritt zu Schritt,
Leichte Brigade, was bringst du noch mit?
Dein Siegesritt war ein Todesritt,
Ein Todesritt der Sechshundert.

Aber wir verwenden den Angriff hier als Metapher und vergleichen die Light Brigade mit uns allen, die wir uns den wartenden Gewehren des Hungers stellen müssen, angetrieben von den Anführern im Hintergrund. Es liegt eine romantische Schönheit darin, dem Tod ins Auge zu blicken. Das wird es immer geben. Wir alle stellen uns dem Tod, indem wir einfach leben, und diejenigen, die dies direkter tun, werden immer auf irgendeiner Ebene inspirierend sein.

Aber ich denke an eine andere Gruppe von Menschen, die in diesem Fall an der Seite der Briten kämpften. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete der berühmte britische Soldat T. E. Lawrence mit Arabern zusammen, die gegen die osmanische Herrschaft rebellierten. Dies war ein Guerillakampf, und soweit ich weiß, unterschieden sich die nomadischen Kämpfer vom regulären Militär unter anderem dadurch, dass die nomadischen Einheiten einfach nicht bereit waren, schwere Verluste hinzunehmen. Sie waren mutig und kämpften gut und sie halfen immer wieder, das Blatt im Krieg zu wenden, aber sie wollten einfach nicht auf Befehle hören, die sie in den Fleischwolf schickten. Sie lehnten diese britische Vorstellung von Tapferkeit ab.

VI


Wird je verblassen euer Ruhm?
Nimmer. Ihr strahlt in Heldentum,
Und die Welt, sie staunt und wundert.
Hoch unsre Balaklawa-Schlacht,
Und die Leichte Brigade, die's gemacht,
Hoch die Sechshundert!

Eine Schlacht ist kein Krieg, und die Briten siegten im Krimkrieg. Ich bin zeitlich, geografisch und ideologisch zu weit von diesem Krieg entfernt, um wirklich eine starke Meinung dazu zu haben. Der Sieg der Westmächte gegen Russland löste zwar die Kette von Ereignissen aus, die zur Befreiung der russischen Leibeigenen führte, aber er sicherte auch die britische Herrschaft über Indien. Kolonialmächte, die sich bekriegen, während der Rest von uns leidet, das ist eine Geschichte, die so alt ist wie das Konzept eines Staates.

Hundertundsiebzig Jahre später und auf der anderen Seite des Ozeans ist von diesem Krieg nur noch das Gedicht „Angriff der leichten Brigade“ in unserer Erinnerung geblieben. Tennyson wollte, dass wir uns von ihrer Tapferkeit inspirieren lassen, aber ich betrachte diese Reiter mit Trauer. Ihr Gehorsam war ihr Tod, und das völlig grundlos. Der angeborene menschliche Wunsch, nützlich und mutig zu sein, wurde vom Staat manipuliert, um diese Kavallerie-Reiter zu töten, ganz zu schweigen von ihren Pferden.

Hundertundsiebzig Jahre später werden wir immer noch von den Anführern im Hintergrund geleitet, die unsere beste Natur gegen uns verwenden. Die Poesie gegen uns verwenden. Die Ruhm gegen uns verwenden.

Sie erwarten, dass wir ihren Befehlen folgen, und ich hoffe, wir tun es nicht.

Ein vierter Dichter hat sich an einer Beschreibung des Angriffs der leichten Brigade versucht: Peter Jackson, der Regisseur der „Herr der Ringe“-Trilogie. In der Filmversion von Tolkiens Geschichte schickte Denethor, der wahnhafte Verwalter von Gondor, seinen missbilligten Sohn Faramir und ein paar hundert andere Reiter los, um die Stadt Osgiliath zurückzuerobern. Die zum Scheitern verurteilten Männer reiten durch Gondor und nehmen Blumen entgegen, das Verhängnis steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Gandalf, stets die Stimme der Vernunft, fordert sie auf, umzukehren. Faramir sagt, er sei bereit, sein Leben für die Verteidigung der Stadt zu geben, und reitet dann in einen Pfeilhagel hinein.

Faramirs beste Eigenschaften, Loyalität, Tapferkeit und Bescheidenheit, wurden vom Verwalter von Gondor gegen ihn verwendet.

Hoffentlich setzen sich mehr Möchtegern-Könige der Welt einfach selbst in Brand und stürzen sich von ihren eigenen Burgmauern. Hoffentlich tun sie es bald, bevor sie uns alle zum Sterben zur Arbeit oder in den Krieg schicken oder uns alle krank werden und in unseren Häusern sterben lassen.

Das würde uns viel Ärger ersparen.

„Birds Before the Storm“ ist eine lesergestützte Publikation. Die Hälfte der Beiträge, wie dieser hier, sind kostenlos. Die andere Hälfte ist persönlicher und steht zahlenden Abonnenten zur Verfügung. Wenn du neue Beiträge erhalten und meine Arbeit unterstützen möchtest, kannst du dich für ein kostenloses oder kostenpflichtiges Abonnement entscheiden.

Quelle: © "On, On, On!" Cried the Leaders in the Back or: the charge of the light brigade and you in „Birds Before the Storm“ by Margaret Killjoy, Dec 18, 2024

Autorisierte Übersetzung: © Thomas Trueten unter Verwendung der (freien) Übersetzung des Gedichts von Theodor Fontane.


Nicht mit uns - wir sind #Unkürzbar!

Das Foto zeigt die Demo mit 2 Fronttransparenten: "Wir sind alle #unkürzbar! Ein Berlin für alle" und "Is doch Kacke! #Meckerchor". Dahinter diverse weitere Transparente und Texttafeln
Foto © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Mit dem Schlagwort #Unkürzbar rief nach einer Reihe von Protesten ein breites Bündnis von fast 200 Initiativen und Organisationen aus allen Bereichen, die vom Spardiktat betroffen sind, zu einer gemeinsamen Großdemo am 15.12. von der Museumsinsel in Mitte zum Mariannenplatz nach Kreuzberg auf.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Berliner Landesregierung will am 19. Dezember über das größte finanzielle Kahlschlagprogramm seit Jahrzehnten abstimmen. Drei Milliarden Euro will der Senat in allen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt Berlin einsparen. Dagegen wehren sich die Menschen in Berlin seit mehreren Wochen.
Update vom 20.12.2024: Am Donnerstag hat das Abgeordnetenhaus die Milliarden-Kürzungen beschlossen.

Nicht mit uns – wir sind #Unkürzbar!
Wir wollen eine Bewegung aufbauen, die sich gegen die Kürzungsmaßnahmen, eskalierende Armut und gegen die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit erhebt, um zusammen, auf allen Ebenen der Gesellschaft, eine weltoffene, inklusive, sozialgerechte, familien-, kinder- und jugendfreundliche, wohnraum- und umweltgerechte Kultur- und Bildungshauptstadt zu erhalten, zu fördern und weiter auszubauen. (aus dem Aufruf zur Demo)

Links:

Austrittserklärung aus der Partei "Die Linke"

Hiermit erkläre ich meinen Austritt aus der Partei DIE LINKE.

Die Grafik zeigt das Logo der Partei "Die Linke" hinter einer zerbrochenen Glasscheibe
Grafik: Thomas Trueten
Credits: Logo: Die Linke, Scherben: Designed by rawpixel.com via Freepik
Angesichts der militärischen Eskalation in Europa und Nahost sehe ich mich nicht in der Lage, guten Gewissens eine Partei zur Wahl zu empfehlen, die in der existentiellen Frage von Krieg und Frieden so indifferent agiert, wie DIE LINKE. Statt die Friedensbewegung und andere anti-imperialistische Organisationen parlamentarisch, argumentativ und mit Kampagnen zu unterstützen, meidet DIE LINKE das Thema, das wie kein anderes die neoliberale Agenda dominiert und läuft teilweise sogar den Narrativen von Kriegstreibern hinterher. Die Rechten mobilisieren mit "Kanonen statt Butter" für "Sicherheit" und einen "Sieg für die Ukraine" und ruinieren damit den Sozialstaat, die Infrastruktur, die Wirtschaft und den Klimaschutz und für die angebliche Friedenspartei ist dieser Zusammenhang nur ein nachrangiges Thema im Wahlkampf???

Frieden ist nicht Alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. Man kann nicht glaubwürdig für soziale Sicherheit eintreten, wenn man nicht entschlossen gegen jede Kriegspropaganda zu Felde zieht.

DIE LINKE beschränkt sich auf ihre Kernforderungen: "Die Mieten und die Preise müssen runter." Für die Jugend ist nach einer repräsentativen Umfrage die Kriegsgefahr die wichtigste Sorge! Wollen wir sie der rechten Propaganda "Sicherheit braucht Aufrüstung" kampflos überlassen?

Weitere Details der Begründung findet ihr unten.

(...)

Mit freundlichen Grüßen

Martin Fritsch
Mitgl. Nr. 4010336;
(...)

----------------- B e g r ü n d u n g ---------------------------

Die LINKE ist schon seit Beginn des Ukrainekrieges leider bei den großen Aktionen der Friedensbewegung leider nicht vorneweg marschiert, sondern stand als skeptischer Zuschauer am Rand. Trotz der Zuspitzung des Krieges, seinen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen in Deutschland hat sich das auch nach dem BPT nicht wesentlich geändert.

Dort wurden alle friedenspolitischen Änderungsanträge am Leitantrag abgelehnt. Auch die überwiesenen Friedensanträge an den PV, die koordinierte Aktivitäten mit der Friedensbewegung und Kampagnen gegen die Eskalation des Krieges, die Militarisierung und Aufrüstung wurden abgelehnt. Auch der Zusammenhang zwischen dem "Zeitenwende"-Kurs und den massiven Verwerfungen bei Sozialem, Klima, Demokratie und Infrastruktur sollten im Wahlkampf kein zentrales Thema sein. Nicht einmal für eine Kampagne gegen die Stationierung der Mittelstreckenraketen wurden die nötigen Ressourcen bewilligt.

Bezeichnend für den Kurs ist Jan's DLF-Interview das sich deckt mit den Statements im ND. Es stützt wesentliche NATO-Propaganda-Narrative und wird wohl die öffentliche Wahrnehmung unserer Partei in den Medien prägen.

Die Vorstellung, Russland nach 15 Sanktionspaketen durch ein weiteres wirtschaftlich schaden zu können ist absurd. Solange 7/8 der Weltbevölkerung die Sanktionen nicht mittragen wird das Ergebnis ebenso wirken, wie bei den bisherigen Energie-Sanktionen. Durch Verknappung steigt der Preis auf den Weltmärkten, Energiekonzerne und Russland kassieren Extra-Profite, die bezahlt die europäische Bevölkerung und insbesondere Deutschland gelangt in eine Rezession. Also Russland verzeichnet höhere Gewinne aus Energieexporten nicht t r o t z der Sanktionen, sondern w e g e n der Sanktionen. Um das zu verstehen hilft bei Marxisten ein Blick in „Das Kapital“.

Eingriffe in freie Schifffahrtswege sind eine weitere Eskalationsstufe, völkerrechtlich bedenklich und ein Präzedenzfall für andere Staaten, die ihre Interessen durchsetzen wollen.

Diese Argumentation folgt dem NATO-Narrativ eines unprovozierten Angriffskrieges, dem Schwarz/Weiß Denken und der Maxime, man müsse und könne Russland so schwächen, dass es verhandeln muss. Welch fataler Irrtum: Jeder Tag vernichtet Menschenleben und schwächt die westliche Position. Die Istanbuler Verhandlungen vom März 2022 erbrachten nach Auffassung beider Delegationen für die Ukraine und Russland akzeptable Kompromisse. Sie wurden von den USA torpediert, wie selbst Frau Newland bestätigte. Seitdem wird jeder Politiker, der zu Verhandlungen drängt oder mit Putin spricht von den Repräsentanten des „Westens“ und den herrschenden Medien diffamiert, sei es der Papst, der UN-Generalsekretär oder der EU-Ratspräsident. Es sollte daher klar sein, wer Verhandlungen blockiert und es ist unsere Aufgabe, bei unseren Regierenden diese Blockade-Haltung aufzubrechen.

Ein weiteres ist der sprachliche Duktus, der tiefe Verachtung der russischen Politik offenbart und abschätzige Herabwürdigung des Gegners. Kein Gedanke daran, dass auch Russland seine Sicherheitsinteressen gewahrt sehen möchte. Dabei beschreibt Jan selbst in seinem Buch, dass Friedensverhandlungen nur zum Erfolg führen, wenn beide Seiten sich auf Augenhöhe mit Respekt begegnen, ohne gegenseitige Schuldzuweisungen auch die jeweils anderen Interessen zumindest zur Kenntnis nehmen. Denn beide Seiten müssen das Ergebnis ihren Nationen als akzeptablen Kompromiss vermitteln können. Offenbar ist unsere Parteispitze von politischer Weitsicht und gesellschaftlicher Verantwortung, wie sie John. F. Kennedy oder Willi Brand in Krisenzeiten des Kalten Krieges bewiesen haben, noch weit entfernt. Und beide erhoben nicht einmal den Anspruch, Sozialisten zu sein.

Dazu passen auch die Abstimmungen unserer EU-Parlamentarier in Fragen zu Waffenlieferungen und Aufrüstung: Am 18.9. 1x dafür, 1x Enthaltung, 1x dagegen. Bei der Ukraine Resolution Am 29. 11. war Carola Rackete gleich in die Ukraine gereist um für Waffenlieferungen zu posieren. Das gibt ein verheerendes Bild.

Die LINKE will für „ein bisschen Frieden“ werben, aber doch demonstrativ anschlussfähig bleiben an den NATO-Konfrontationskurs. Ob das Wähler überzeugt, von denen die Hälfte die zunehmende Konfrontation mit Sorge betrachten? Wir können nicht glaubhaft für soziale Sicherung, Daseinsfürsorge, und Klimaschutz eintreten, ohne den „Elefanten im Raum“ zu benennen, den Zusammenhang zur Aufrüstung und den Folgen der Sanktionen herzustellen. Die drohenden sozialen Verwerfungen werden nicht uns nutzen, sondern den Rechten. Diese Lehre aus der Weimarer Zeit sollten wir beherzigen.

Das gilt erst recht für die Lehren aus NAZI-Diktatur und Holocaust: Wir müssen eintreten gegen jede Form von Rassismus und Faschismus, egal wer ihn verübt und wer aus Gründen angeblicher "Staatsräson" für sich Sonderrechte reklamiert. Das gilt natürlich auch für Faschisten und Rassisten in den Regierungen von Israel und der Ukraine.

So hat sich die LINKE zur Anitsemitismus-Resolution des neoliberalen Blocks im Bundestag nur enthalten, weil einige der Gruppe wohl sonst sogar dafür stimmen wollten-

Diese hat eindeutig das Ziel, die Freiheit in Kultur und Wissenschaft in Bezug auf völkerrechtswidrige Gewalt des israelischen Staates einzudämmen. Mit explizitem Bezug auf „Vorfälle“ bei der Berlinade oder Dokumenta drohen Veranstaltern finanzielle und rechtliche Repressionen und die völlig unbestimmten Rechtsbegriffe erzeugen ein Klima von Zensur bei Behörden und Selbstzensur bei Veranstaltern. Natürlich soll es in einer freien Demokratie über solche „Vorfälle“ streitbare Debatten geben, und gerade wir LINKEN sollten uns auch für die „Freiheit der Andersdenkenden“ einsetzen, aber diese Resolution zielt darauf ab, solche Debatten gar nicht erst zu ermöglichen. Das ist ein weiterer Schritt ins autoritäre Meinungsmanagement – Bestrafe Eine*n, erziehe Hunderte – Orban lässt grüßen!

Der Parteiausschluss unseres Palästina Aktivisten Ramsis Kilani auf Betreiben von Spitzenfunktionären ist skandalös.

Obwohl er in der Anhörung die Anklagepunkte, diffamierende und haltlose Zuschreibungen seitens rechter Medien, widerlegte, ihm in der mündlichen Urteilsbegründung bescheinigt wurde, dass ihm kein Antisemitismus oder vorsätzliche Parteischädigung vorzuwerfen sei, wurde er ausgeschlossen. Begründung war, dass es eine mediale Kampagne gäbe, infolge derer Institutionen die Zusammenarbeit mit der Linken wegen seiner Aktivitäten in der Palästina-Solidarität infrage gestellt hätten.
Ob man seine Aussagen teilt oder nicht, verlangen wir von allen Genoss*innen, ihre Standpunkte dem medialen Klima unterzuordnen? In unserem Programm heißt es: “Wir haben uns zusammengeschlossen zu einer neuen politischen Kraft, die für Freiheit und Gleichheit steht, konsequent für Frieden kämpft, demokratisch und sozial ist, ökologisch und feministisch, offen und plural, streitbar und tolerant”.

Der Parteivorstand hat eine Stellungnahme dazu abgelehnt, wohl wissend, dass die Presse dies als Zustimmung wertet.

Happy Birthday Villa Felix!

Das Foto von © RYC zeigt die frisch bemalte Außenwand der #Schreiner47
Foto © RYC via Umbruch Bildarchiv
Der 35. Jahrestag der Hausbesetzung in der Schreinerstraße 47 in Berlin-Friedrichshain war Anlass für Künstler*innen gemeinsam mit der Hausgemeinschaft deren Fassade neu zu gestalten. Die zentralen Inhalte und Bild-Motive haben die Bewohner*innen entschieden. An diesem Wochenende feiern die Bewohner*innen ihren Hausgeburtstag.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Das Wimmelbild gesellschaftlicher Utopien spiegelt die unterschiedlichen Themen wieder, mit denen sie sich innerhalb ihres Wohnprojekts auseinandersetzen: neben der praktischen Vergesellschaftung von Wohnraum z.B. Feminismus und Klimagerechtigkeit. Der finale Entwurf entstand nach mehreren offenen Treffen im Laufe des Sommers, auf denen Skizzen und Ideen zusammengetragen wurden.

Die Schreiner47 wurde am 29. Dezember 1989 von zunächst einem dutzend Menschen besetzt, die sich aus der unangepassten Oppositionsbewegung der DDR kannten oder u.a. in der Kirche von Unten aktiv waren. Einer von ihnen war Silvio Meier, der im November 1992 am nahegelegenen U-Bahnhof von Neo-Nazis ermordet wurde. Zu seinem Gedenken gibt es seitdem jährliche antifaschistische Demonstrationen.

In der „Villa Felix“, wie das Haus später genannt wurde, gibt es u.a. selbstverwaltete Vereinsräume. Seit 2003 ist die Schreiner im Besitz einer Genossenschaft und damit dem Mietmarkt erfolgreich entzogen. Besetzen lohnt sich!

Links


Stuttgart: Mobilität für Alle - Konferenz 22.11.-24.11.2024

Kesselbambule und Ende Gelände Süd hosten die erste Mobilität für Alle – Konferenz in Stuttgart! Wir kommen für ein Wochenende zusammen, um über eine Mobilität zu sprechen, die uns alle mitnimmt und klimagerecht ist. Dabei wird es zwei Stränge geben:

Klimaprotest vor dem Stuttgarter Rathaus
Klimaprotest vor dem Stuttgarter Rathaus
Der Kesselbambule-Strang ist für Menschen und Gruppen aus Stuttgart und Region. In Workshops und Vernetzungsslots wollen wir über lokale Themen und von unserer jeweiligen Expertise lernen und uns für zukünftige Zusammenarbeit vernetzen.
Im Ende Gelände-Strang wird es besonders um das Thema Vergesellschaftung gehen. Auch hier sind Workshops, Vorträge und Vernetzung geplant.
Natürlich wird auch gemeinsames Rahmenprogramm, leckeres Essen, Feiern und nettes Beisammensein nicht fehlen. – Also markier dir den Termin im Kalender und sei dabei!

Alle Wichtigen Infos


Ort: Prisma (ehem. Schwabenbräu Passage), Bahnhofstr. 14-18, Stuttgart Bad Cannstatt
Zeit: Freitag 22.11. 18:00 – Sonntag 24.11. 18:00

Mehr Infos zum Konferenzort, dem Programm und zur Anmeldung bei Kesselbambule.