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»Es ist besser stehend zu sterben als auf Knien zu leben.« Emiliano Zapata Salazar

Neues Factsheet: Gefährliches Engagement - Menschenrechtsverteidiger*innen in Mexiko

Der Screenshoit zeigt einen Ausschnitt aus dem Factsheet
Ausschnitt aus dem vierseitigen FactSheet
Zum Internationalen Tag der Menschenrechtsverteidiger*innen (9. Dezember) veröffentlicht die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko ein Factsheet mit Hintergrundinformationen und politischen Handlungsempfehlungen für einen besseren Schutz der Aktivist*innen.

In einem Land mit einer der höchsten Gewaltraten weltweit leisten Mexikos Menschenrechts-verteidiger*innen eine unverzichtbare Arbeit: Sie setzen sich dafür ein, dass die Suche nach über 130.000 Verschwundenen vorankommt, prangern Verstrickungen zwischen Politik und organisiertem Verbrechen an oder bringen schwere Menschenrechtsverletzungen ans Licht, über die die breite Öffentlichkeit sonst womöglich nie etwas erfahren hätte.

Doch wer Menschenrechtsverletzungen offen benennt und Gerechtigkeit fordert, gerät oft in den Fokus der Verantwortlichen und Täter*innen, die Aufklärung und strafrechtliche Konsequenzen verhindern wollen. Nach Zahlen des zivilgesellschaftlichen Netzwerks Espacio OSC wurden in Mexiko seit 2016 mindestens 177 Menschenrechtsverteidiger*innen mutmaßlich im Zusammenhang mit ihrem Engagement ermordet, 37 wurden Opfer gewaltsamen Verschwindenlassens. Diesen schweren Gewaltverbrechen gehen oftmals Todesdrohungen, tätliche Angriffe, Diffamierungen oder Versuche der Kriminalisierung voraus.

Was kann unternommen werden, um Menschenrechtsverteidiger*innen in dieser gefährlichen Gesamtlage besser gegen Angriffe zu schützen und Diffamierungen sowie unrechtmäßiger juristischer Verfolgung ein Ende zu setzen?

Zum Factsheet „Gefährliches Engagement: Menschenrechtsverteidiger*innen in Mexiko“

Quelle:
Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko / Coordinación Alemana por los Derechos Humanos en México
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
Deutschland


Die Kriegslogik durchbrechen! Graswurzelrevolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg

Das Buchcover zeigt eine Person, die eine Kerze anzündet. Dahinter ein Transparent mit dem Text "Palestinians and Jews for Peace"
Bernd Drücke (Hg.)
Die Kriegslogik durchbrechen!
Graswurzelrevolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg
14,90 € beim Verlag
Der Sammelband 'Kriegslogik durchbrechen' soll dazu beitragen, dass politische Diskussionen in einem Klima geführt werden können, das nicht von Einschüchterung geprägt ist. Zu Wort kommen Menschen, die sich für Aussöhnung und eine solidarische Gesellschaft jenseits von Nationalismus, Herrschaft und Gewalt einsetzen. Die Aktivist*innen u.a. von New Profile, Combatants for Peace und Palestinians and Jews for Peace weigern sich, Feinde zu sein. Sie solidarisieren sich mit den Geiseln, den Angehörigen der Opfer von Gewalt in Israel und Palästina, den Geflüchteten und Menschen, die sich dem Mord auf Kommando verweigern. Sie stellen sich sowohl gegen den Terror der islamistischen Hamas als auch gegen den der extrem rechten Netanjahu-Regierung.

Das Buch dokumentiert Beiträge, die vom 7. Oktober 2023 bis zum (mittlerweile gebrochenen) Waffenstillstand am 19. Januar 2025 in der Monatszeitschrift Graswurzelrevolution (GWR) erschienen sind, sowie ein aktuelles Geleitwort von Moshe Zuckermann und einen Beitrag aus der GWR 500 vom Sommer 2025 als Nachtrag.

Wann: Freitag 12. Dezember um 20 Uhr
Wo: Buchladen Schwarze Risse, Gneisenaustr. 2a, 2. Hinterhof, Metro-Station Mehringdamm

Eintritt: frei!



50. Todestag von Hannah Arendt

Zum heutigen 50. Todestag von Hannah Arendt ist es an der Zeit, einmal wieder das berühmte und oft zitierte Gespräch in der Fernseh-Sendereihe "Zur Person", in dem Hanna Arendt unter anderem ihre These von der "Banalität des Bösen" erläutert zu zeigen. Das Interview bezeichnete Günter Gaus selbst als "das beste Gespräch", das er je geführt hat.

Neben der vollständigen Aufzeichnung des Gesprächs existiert auch eine komplette Transkripton.




Widersetzen gegen AFD in Giessen

Ein Teil der Demo bei einer Blockade mit dem pinken Transparent des "Widersetzen" Bündnisses mit dem Text "Eine lebenswerte Zukunft für Alle - Genaration Antifa". Daneben ein weiteres Transparent mit dem Text "Wir wollen keine Blumen, gebt uns ein Leben ohne Angst"
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Am Morgen des 29. November füllten sich die Straßen rund um Gießen mit Bussen aus ganz Deutschland. Eine bunte Gruppe an Menschen hatte sich die letzten Wochen und Monate darauf vorbereitet, sich gegen die Gründung der neuen AfD Jugend zu stellen. Mehrere 10.000 Menschen versperrten mit Demonstrationen und Blockaden über Stunden die Zugänge zum Tagungsort. Erst mit 2,5 Stunden Verspätung konnten die Rechtsextremen ihren Kongress in einer halb leeren Halle beginnen.

Diese Aktion war wohl die größte antifaschistische Mobilisierung in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Aktivist*innen und Demo- Teilnehmer*innen standen ein für Solidarität, offene Grenzen, feministische Selbstbestimmung, ein Klima des Antimilitarismus und natürlich: für Antifaschismus. Diese Vielfalt zeigte sich auch im breiten Widersetzen Bündnis, dass aus antirassistischen und antifaschistischen Initiativen, Omas gegen Rechts, migrantischen Gruppen, Azubis und vielen anderen besteht. (Juli vom Widersetzen Bündnis)

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Links


Deine Einsamkeit war eine bewusste Entscheidung deines Gegners oder: Sie wollen uns isolieren, weil es so einfacher ist, uns irgendwelchen Mist zu verkaufen

Caspar David Friedrich, "Der Wanderer im Nebel" ca. 1817
Synonym für Einsakeit: Caspar David Friedrichs "Der Wanderer im Nebel" ca. 1817
An den besten Tagen meines Lebens merke ich mein Handy kaum. Wenn ich den Tag draußen in der Welt verbringe, vergesse ich, dass ich Social-Media-Konten habe, die ich checken könnte, und Nachrichten, die ich durchscrollen könnte. An den besten Tagen meines Lebens bin ich meistens, aber nicht immer, mit Leuten zusammen (oder meinem Hund, der auch als Mensch zählt), und es kommt mir einfach nicht in den Sinn, auf einen kleinen Bildschirm zu schauen. Einige der besten Tage meines Lebens verbringe ich in meiner Hängematte und lese gedruckte Bücher.

Ich glaube, jeder, den ich kenne, hat die Fantasie, sein Handy oder seinen Computer zu zerstören. Jeder hat eine andere, aber seltsam spezifische Art, wie er das tun würde: mit einem Stein zerschlagen, von einem Wolkenkratzer werfen, auf die Bahngleise legen. Ich selbst – und ich weiß, dass das nicht umweltfreundlich ist – stelle mir vor, ich wäre auf einem kleinen Segelboot irgendwo auf dem Ozean (obwohl ich nicht segele) und würde meine Geräte über Bord werfen. Ich will nicht einfach nur mein Handy oder meinen Computer zerstören, ich will diese Geräte den Göttern des Ozeans opfern.

Wir haben diese Gedanken, aber wir irren uns, warum wir sie haben. Meistens, wenn ich mir vorstelle, wie die Tiefe mein Handy verschluckt, denke ich, dass es daran liegt, dass ich aus der Gesellschaft verschwinden will, dass ich die Welt der Menschen hinter mir lassen will. Ich möchte den Computer auf die Gleise legen und dann für immer in den Wald gehen.

Die Sache ist nur, dass ich diese Fantasie falsch umsetze, sogar in meinem eigenen Kopf. Wir haben irgendwie beschlossen, dass unsere Telefone mit ihrem Versprechen der ständigen Vernetzung Repräsentationen von Menschen, von Gesellschaft und von Gemeinschaft sind. Wir glauben, dass wir mit unseren Telefonen fertig sein wollen, weil wir mit den Menschen fertig sein wollen. Aber das ist einfach nicht der Fall. Was wir hinter uns lassen wollen, sind oberflächliche, unverbindliche Interaktionen. Wir wollen keine Benachrichtigungen und keine Interaktionen mehr. Wenn Geselligkeit Essen wäre, würden wir eine Mahlzeit wollen, aber wir bekommen nur leere Kalorien.

Denn fast das gesamte (aber nicht das gesamte) Online-Ökosystem ist so konzipiert, dass es uns nicht zusammenbringt, sondern uns voneinander trennt.

Das ist kein Zufall. Es wurde so konzipiert. Es wurde von unseren Feinden so konzipiert.

Ich weiß, dass es einfach ist, alle unsere Probleme dem Kapitalismus zuzuschreiben, aber dieses Problem wurde vom Kapitalismus geschaffen.

Opfer, so wie ich es verstehe (ein guter Freund hat mir das erzählt, als er die Arbeit von Georges Bataille beschrieb), hat weniger mit Blut zu tun als vielmehr damit, Dinge (oder Tiere oder Menschen, wenn wir von Opfern alter Schule sprechen) unproduktiv zu machen. Wir machen Dinge heilig (Opfer und heilig haben denselben etymologischen Ursprung), indem wir sie aus dem Bereich der produktiven Wirtschaft herausnehmen. Indem wir Dinge einfach nur existieren lassen und sie niemals „nützlich” sein lassen. Historisch gesehen war der Sabbat gerade deshalb heilig, weil er unproduktiv war.

Die Kelten in Gallien (dem heutigen Frankreich) gruben einfach Löcher, schufen Kunstwerke und warfen diese Kunstwerke in die Löcher. Das klingt zunächst albern, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr reizt mich diese Idee. Ich beobachte meine Freunde, wie sie Schals stricken, nur um sie wieder aufzutrennen. Ich spiele Klavier in einem leeren Raum und schreibe Lieder, die ich nie wieder spielen werde. Ich habe dieses Jahr viel zu viele Tomaten angebaut und hatte mehr Freude daran, sie anzubauen, als sie zu konservieren, und irgendwann habe ich sie einfach an den Pflanzen verrotten lassen.

Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, Lebensmittel anzubauen, die niemand isst, aber manchmal serviere ich ein „dummes Abendessen” und stelle einen Teller mit Essen für die Toten bereit, den ich dann in den Wald zu den Feen bringe. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, Schals zu stricken, die man nie tragen wird. Aber die meisten der besten Momente unseres Lebens liegen außerhalb der produktiven Wirtschaft.

Partys sind im besten Fall keine wirtschaftlich produktiven Aktivitäten. Geselligkeit ist im besten Fall kein Multitasking wie Networking.

Dennoch schätze ich auch Produktivität. Ich liebe es, Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich liebe es, Geschichte zu schreiben und zu lehren. Ich liebe es, Kleidung zu nähen, die ich trage, ich liebe es, Regale und Schreibtische aus Holz zu bauen, ich liebe es, Songs zu schreiben, die auf Vinyl gepresst werden.

Aber was uns verkauft wird, ist etwas, das sich irgendwie wie Produktivität anfühlt, aber keine ist. Wir entspannen uns nicht und produzieren auch nichts – kein Wunder, dass wir erschöpft und entfremdet sind.

Die Gig-Economy verkauft uns Isolation und sagt uns, dass das Freiheit ist. Man macht den ganzen Tag einen normalen Scheißjob und bekommt dann mehr „wirtschaftliche Freiheit”, indem man die ganze Nacht Gig-Arbeit macht. (Die „Freiheit”, um die es hier geht, ist in der Regel die Freiheit, nicht zu verhungern.) Und wenn man mit seinen vielen Jobs fertig ist, hat niemand Lust, nur für sich selbst zu kochen, und niemand geht gerne allein ins Restaurant, also bestellt man sich etwas online nach Hause liefern. Essen ohne jegliche soziale Interaktion.

Die Arbeiterbewegung kam durch die Organisation am Arbeitsplatz an die Macht. Vor etwa hundert Jahren las ein Arbeiter in den Fabriken allen anderen während der Arbeit die neueste radikale Zeitung (meist anarchistisch, sozialistisch oder kommunistisch) vor, und selbst weitgehend analphabetische Arbeiter lernten, wie das kapitalistische System sie ausbeutete.

Eine Version davon gibt es natürlich immer noch. Wir haben Instagram-Erklärer, wir haben TikTok-Posts und wir haben Bluesky-Threads, und vielleicht sind wir heute genauso gut darin, Klassenbewusstsein zu verbreiten, aber was wir nicht haben, zumindest nicht so leicht, sind einander. Wir haben keine Genossen; wir haben Leute, denen wir folgen, und Leute, die uns folgen. Wir nennen es „Engagement”, wenn wir einen Beitrag kommentieren, aber es ist kein Engagement, nicht wirklich. Es ist eine seltsame Nachahmung.

Der Algorithmus belohnt kontroverse Meinungen und er belohnt Streitigkeiten, weil beides das Engagement fördert. Der Algorithmus belohnt uns dafür, dass wir uns gegenseitig schlecht behandeln, und das war eine bewusste Entscheidung. Die Leute verbringen ihre begrenzte Zeit auf dieser Erde damit, in Sitzungssälen (jetzt in Zoom-Räumen) zu sitzen, sich Diagramme mit Interaktionstypen auf ihren Plattformen anzusehen und zu sagen: „Die Leute aufzuregen fördert das Engagement für unsere App und bedeutet mehr Marktanteil.”

Je isolierter wir sind, desto mehr werden wir dazu getrieben, gemein zueinander zu sein, desto mehr geben wir das Wenige, das wir haben, für das aus, was uns beworben wird.

Als ich anfing, Podcasts für ein werbefinanziertes Netzwerk zu machen, hatte ich Angst, dass alle sauer auf mich sein würden, weil ich Inhalte produziere, die ein Unternehmen nutzt, um Werbung zu verkaufen. Aber ich glaube, die meisten Leute verstehen, dass sie das auch tun, egal ob sie dafür bezahlt werden oder nicht. Alle unsere Posts und Kommentare sorgen dafür, dass wir Apps, die uns Werbung zeigen, im Blick behalten.

Ich bin nicht sauer auf euch deswegen, ich bin auch nicht sauer auf mich selbst deswegen.

Ich bin sauer auf die Leute, die diese Designentscheidungen treffen. Ich bin sauer auf die Milliardäre und die angehenden Milliardäre, die sich buchstäblich von unserer Verzweiflung und Einsamkeit ernähren und die sich die Finger lecken, wenn sie sehen, wie wir uns im Internet gegenseitig fertigmachen.

Die Leute reden über die „Epidemie der männlichen Einsamkeit” und andere sagen, dass es so was nicht gibt, weil jeder mal einsam ist, und warum Männer so besonders im Fokus stehen.

Es stimmt aber, dass Männer einsam sind. Frauen auch. Andere Leute auch. Wir sind alle einsam, und zwar auf einzigartige und sich überschneidende Weise. Wir könnten gemeinsam einsam sein, aber stattdessen streiten wir darüber, wer am einsamsten ist.

Dass wir darüber streiten, ist eine bewusste Entscheidung.

Ich will nicht angeben, aber ich bin nicht einsam, nicht wirklich. Das liegt nicht daran, dass ich introvertiert bin. Ich sehne mich nach Einsamkeit, aber ich verstehe, dass Einsamkeit nicht Isolation ist, nicht Einsamkeit. Einsamkeit funktioniert für mich gut, weil ich weiß, dass es eine Entscheidung ist. Ich möchte einen Großteil meiner Zeit allein oder in sehr begrenzter Gesellschaft verbringen. Ich war schon immer so, und der Rest meiner Familie ist auch so. Es braucht schon einiges, um mich einsam zu machen.

Ich bin aber misstrauisch gegenüber jeder Dichotomie und jeder Persönlichkeitskategorisierung. Wir alle haben unterschiedliche Eigenschaften in unterschiedlichem Maße. Ich bin introvertiert, weil Einsamkeit meine Batterien wieder auflädt. Aber ich bin auch extrovertiert, weil ich einen separaten Satz Batterien habe, den ich durch soziale Interaktion aufladen muss. Diese Batterien laden sich viel schneller auf und halten viel länger, aber sie sind da. Ich sehne mich auch nach sozialen Kontakten.

Ich habe diese „Batterie”-Metapher schon immer gehört und verwendet, aber ich halte sie für nur begrenzt brauchbar. Denn wir sind keine Maschinen, wir sind Tiere. Wir haben keine Batterien, wir haben Muskeln. Wir verbessern uns durch Übung. Sozialisieren ist also ein Muskel. Einer, den wir stärken können. Als ich während der Pandemie in Isolation geriet (echte Isolation, nicht nur Einsamkeit), sind diese Muskeln verkümmert. Jetzt stärke ich sie wieder. Deshalb bin ich nicht einsam.

Aber, und das ist entscheidend, ich mache das nicht alleine. Ich mache das mit anderen Menschen. Mit Freunden, mit meiner Gemeinschaft. Das sind Muskeln, die wir gemeinsam entwickeln. Ähnlich wie Solidarität, ein weiterer Muskel, den wir stärken müssen. Die Fähigkeit, Unterschiede zu akzeptieren (und zu feiern) ist die Grundlage für Solidarität.

Wenn du mich kennst, wusstest du, dass ich vorschlagen würde, dass Solidarität die Lösung dafür ist, wie wir alle systematisch voneinander isoliert werden. Wir brauchen echte soziale Interaktion (die auch online stattfinden kann, das ist nur schwieriger). Wir müssen uns treffen und wir müssen reden. Wir müssen über unser Leben reden, über unsere Probleme reden und über Lösungen für unsere Probleme reden. Wir müssen Menschen dort treffen, wo sie sind, und wir müssen Menschen treffen, die anders sind als wir.

Wir müssen zusammenkommen, denn es stellt sich heraus, dass wir dieselben Feinde haben: die Leute, die versuchen, uns einsam zu machen – dieselben Leute, die versuchen, uns arm zu machen, die dieselben Leute, die die Seen trockenlegen, um Rechenzentren zu bauen, die dieselben Leute, die versuchen, Grenzen zu schließen, die dieselben Leute, die diese Grenzen überhaupt erst gezogen haben.

Mein Handy ins Meer zu werfen, ist keine Lösung für meine Probleme, weil es eine individuelle Lösung für ein systemisches Problem ist. Ohne deine Hilfe kann ich die Probleme in meinem Leben nicht lösen, und ohne meine Hilfe kannst du sie auch nicht lösen.

Außerdem werde ich mein Handy nicht ins Meer werfen, weil die Fische nichts so Schlimmes getan haben, dass sie auf Instagram gezeigt werden sollten.

Quelle: Margaret Killjoy, Your Loneliness Was a Design Decision Made by Your Enemy or: they want us isolated because it's easier to sell us shit, 28. November 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]


Über Vergebung

Thomas Walker, der die Rolle des Captain Macheath in „The Beggar's Opera“ kreierte, in seiner Rolle in einem Stich von 1728
Thomas Walker, der die Rolle des Captain Macheath in „The Beggar's Opera“ kreierte, in seiner Rolle in einem Stich von 1728
Captain Macheath tritt die sowohl in John Gays The Beggar's Opera (1728) und dessen Fortsetzung Polly (1777) als auch 150 Jahre später in Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper (1928) auf.

Dort bittet er um Verzeihung...
Die Kerle, die in Häuser brechen
Dieweil sie keine Bleibe kennen;
Die Lästermäuler, selbst die frechen
Sie könnten eure Mütter sein!
’s mag ihnen nur an Härte fehlen –
Ich bitt euch, ihnen zu verzeihn.

Habt da mehr Nachsicht mit den kleinen
Und weniger mit den großen Dieben
Die euch in Krieg und Schande trieben
Und betten euch auf blut’gen Steinen.
Die euch erpreßt zu Mord und Raube
Und nunmehr winseln ihr „Vergib!“ –
Stopft ihnen’s Maul und mit dem Staube
Der von eur’n schönen Städten blieb!

Und die da reden von Vergessen
Und die da reden von Verzeihn –
All denen schlage man die Fressen
Mit schweren Eisenhämmern ein.


Bertolt Brecht in: Gesammelte Gedichte Bd. 4, Ffm 1976, S. 1124 f.

Angriff auf Venezuela - Thesen

Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford (CVN-78) der US-Marine befährt den Atlantik während einer simulierten Meerengepassage mit der Gerald R. Ford Carrier Strike Group (GRFCSG) im Atlantik am 9. Oktober 2022.
Mit der Ankunft des US-Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford vor der Küste Lateinamerikas haben sich die Spannungen zwischen den USA und Venezuela weiter verschärft. Es ist das größte Kriegsschiff der Erde, 333 Meter lang und bietet Platz für bis zu 90 Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie mehrere Tausend Soldaten - und wird von zwei Atomreaktoren angetrieben.

Foto: U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Jackson Adkins
Lizenz: Gemeinfrei
William Serafino, Politologe und Absolvent der Zentraluniversität in Venezuela, wird bei amerika21 zur Aggression der USA gegenüber Venezuela interviewt.

Er sieht "breitere geostrategische Überlegungen" mit dem Ziel der "Einkreisung der Karibik, der Rückeroberung der Region als exklusive Einflusssphäre der USA" und damit der Wiederbelebung der Roosevelt-Doktrin von 1904 , die ja eine radikalisierte Fassung der berüchtigten Monroe-Doktrin ist.
Er weist auf die enormen globalen Gefahren eines Krieges hin: "Eine militärische Eskalation in der weltweit größten Ölreserve und einer der wichtigsten Gasregionen hätte verheerende globale Folgen - insbesondere für die EU."

Wir wissen nicht, ob der militärische Aufmarsch nur Drohgebärde ist, oder ob die USA in Kürze die Bolivarianische Republik Venezuela direkt angreifen werden.

Ich möchte einige Argumente darlegen, die einen baldigen Angriff durch die US-Armee wahrscheinlich machen.

1. Die Herrschenden weltweit haben - über 2 Jahre! in Gaza gesehen: Alles ist möglich!
Kriegsverbrechen und Genozid werden nicht versteckt durchgeführt, sondern vor der Weltöffentlichkeit ausgebreitet.

Die militärische und politische Radikalität des israelischen Vorgehens kann eine neue Stufe der Aggression in zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen eingeleitet haben.

2. Technisch handelt es sich in Gaza sich um einen Bomben- und Raketenkrieg mit Drohneneinsatz und mit teilweisem Einmarsch und Besatzung in Verbindung mit klassischen und modernen Geheimdienstaktivitäten. Den Geheimdiensten liegt ein enormes Herrschaftswissen vor aus der permanenten Spionagetätigkeit seit Jahrzehnten.

Der moderne Luftkrieg wurde auch gegen die mittlere Militärmacht Iran geführt.
Zentral war hier, dass der Iran keine eigene Luftwaffe besitzt und keine effektive Luftabwehr. Der militärische Nachteil veralteter Technik wurde vorgeführt und hat die Überlegenheit des extremen Zerstörungspotentials von Israel (und USA) gezeigt.

Venezuelas militärische Ressourcen sind ähnlich wie die Irans einzuschätzen.

3. Das Zeitfenster für einen Krieg der Triumph-Regierung gegen Venezuela ist klein, es sind 2 Jahre plus einige Monate , also die Jahre 2026 und 2027. 2028 findet der Präsidentschaftswahlkampf statt.

4. Beeindruckt von den "Erfolgen" der extremen israelischen Kriegsführung, WOLLEN Trump und seine faschistische Regierung jetzt einen eigenen Krieg führen, und gewinnen. Sie wollen "siegreiche Feldherren" sein.
Die Intention ist irrational.

5. Bei "Regimechange" profitiert die gesamte herrschende Klasse vom Ergebnis durch den Zugriff auf grosse Mengen billigen Öls und Gases, der jetzt nicht gegeben ist.
Dieses Ziel, die mittelbare und unmittelbare Kontrolle der US-Unternehmen auf die enormen Ölvorkommen des Landes, die offene Dominanz der USA, ist die rationale Intention in der Trumpschen Strategie.

6. Die massiven Ausfälle der Ölförderung durch einen Angriff der US-Armee kann nur teilweise ausgeglichen werden durch die Steigerung der Förderung im Nahen Osten. Es ist möglich, dass die Pseudo -Waffenruhe in Gaza die Bedingung der arabischen Staaten war, um dem Angriff der USA auf Venezuela zuzustimmen.
Die unvermeidliche weltweite Ölpreissteigerung führt zu höheren Profiten der Ölstaaten im Nahen Osten (und Russlands).
Mit zynischem Kalkül kann aus einen Teil der Extra-Profite in den arabischen Ländern ein simulierter "Wiederaufbau" in Gazastreifen durchgeführt werden.

Die Risiken eines Angriffs sind enorm, und die weltweiten Folgen wären politisch, sozial und ökonomisch verheerend.

Sebastian Schröder, Diplom-Soziologe

Nestor Machno, ein Bauer aus der Ukraine

Anarchist und Kommunist – zwei Begriffe, die in der Sowjetunion unvereinbar waren. Aber genau das hat Nestor Machno Anfang des 20. Jahrhunderts in der Ukraine gefordert. In atemberaubendem Tempo rekonstruiert Hélène Chatelain sein Leben anhand seiner Schriften, sowjetischer Propagandafilme, Reaktionen heutiger Arbeiter und der Erinnerung, die er im Herzen seines Volkes in Huliai Polye hinterlassen hat. Zwischen der Revolution von 1917 und 1921 ist Machno der Initiator der ersten Kommunen in der Ukraine. Er teilt einige kommunistische Bestrebungen, aber seine lokale Macht und seine Ablehnung von Gewalt und neuen Direktiven können nur Schatten auf die entstehenden Sowjets werfen. Lenin versucht, mit Machno zu vermitteln, um ihn zurück in den Schoß der Bolschewiki zu holen, aber er wehrt sich. Die von der sowjetischen Propaganda geschaffene Legende macht ihn zu einem konterrevolutionären Anarchisten, Banditen und Antisemiten; für die Menschen in Huliai Polye hingegen verteidigt er die Freiheit und die Armen, und die machnowistischen Zeitungen zeigen, dass er auch die Juden verteidigte. „Arbeiter der Welt, geht in die Tiefen eurer Seele, denn nur dort werdet ihr die Wahrheit finden.“


Greta Thunberg braucht keinen Nobelpreis, sie macht das aus, was der Preis vergessen hat

Greta Thunberg in Stockholm 2024, mit einem palästinensischen Keffiyeh
Foto: Kushal Das - Eigenes Werk
Lizenz: CC BY-SA 4.0
In einer Welt, in der der Friedensnobelpreis an Leute geht, die Washingtons geopolitische Agenda unterstützen, ist es vielleicht an der Zeit, dass wir aufhören, ihn als den Gipfel der Gerechtigkeit zu sehen. Hört auf, Greta Thunberg für einen Preis vorzuschlagen, der moralische Legitimität mit liberalem Applaus verwechselt. Greta und alle intersektionalen Feministinnen, die sich weigern, sich der Macht zu beugen, verdienen viel Besseres als diese koloniale Trophäe.

Das Nobelkomitee hat schon lange nichts mehr mit Frieden zu tun, es ist zu einer Bühne geworden, auf der der Westen sich selbst für die Gewalt gratuliert, die er als Tugend tarnt. Vom Drohnenkriegskönig Barack Obama über Aung San Suu Kyi, deren Hände mit dem Blut der Rohingya befleckt sind, bis hin zu Maria Corina Machado – der Preis dient immer als vergoldetes Siegel der moralischen Überlegenheit des Westens.

Machado ist keine Heldin der Demokratie.

Sie ist eine Funktionärin des US-Imperialismus, nimmt über das Súmate-Projekt amerikanisches Geld an, plant Staatsstreiche und fordert ausländische Interventionen, um ihre Regierung zu stürzen. Ausländische Hilfe sollte niemals mit imperialen Bedingungen verbunden sein; die globale Hilfsindustrie wird seit langem als Fortsetzung der „zivilisatorischen Mission” des Kolonialismus kritisiert. Bei der Entgegennahme des Preises dankte sie Donald Trump und der MAGA-Bewegung für ihre Unterstützung und zeigte damit deutlich, wo ihre Loyalitäten liegen. Die Anerkennung legitimen Widerstands ist etwas ganz anderes als die Würdigung einer ungefährlichen Opposition, die sich an die imperialistischen Regeln hält.

In diesem imperialistischen Moraltheater erinnert uns Gretas Widerstand daran, dass Frieden nicht von denen herbeigeführt werden kann, die vom Krieg profitieren, sondern von denen, die es wagen, seine Akteure zu entlarven. Ihre Macht misst sich nicht in Medaillen oder Applaus, sondern in dem Beben, das sie durch eine Welt schickt, die auf Verleugnung aufgebaut ist.

In dem Moment, als sie den Zusammenhang zwischen ökologischem Kollaps und imperialistischer Ausbeutung herstellte, wurde sie für die westlichen Medien plötzlich zu unbequem. Dieselben Medien, die sie einst als „globale Ikone” und Gewissen einer Generation feierten, diffamieren sie jetzt als spaltend und sogar gefährlich. Forbes beklagte, dass ihr „Stand With Gaza” die „Neutralität” gefährde und „ein Problem für die Klimabewegung” darstelle.

Aber Greta hat verstanden, was sie am meisten fürchten: dass alle Unterdrückungen miteinander verbunden sind und man den Planeten nicht retten kann, ohne sich dem Imperium zu stellen. Ihre Weigerung, planetarische Gerechtigkeit von menschlicher Gerechtigkeit zu trennen, macht ihren Feminismus ganzheitlich und kraftvoll.

Der Friedensnobelpreis als koloniale Trophäe

Der Friedensnobelpreis, der aus einer eurozentrischen, kolonialen Weltanschauung entstanden ist, war nie für die Befreiung gedacht. Er belohnt diejenigen, die Dissens für das Imperium verdaulich machen, nicht diejenigen, die es abschaffen. Barack Obama bekam ihn, während er den Drohnenkrieg in Westasien und Nordafrika ausweitete. Die Europäische Union wurde inmitten ihrer militarisierten Grenzen und der Todesfälle von Flüchtlingen auf See gefeiert. Henry Kissinger wurde für seine „diplomatischen“ Bemühungen gelobt, von der Unterstützung von Staatsstreichen in Chile und Argentinien über die Führung von Kriegen in Kambodscha, Vietnam und Bangladesch bis hin zum Schutz der israelischen Besatzung in Palästina. Und sollen wir wirklich denselben Preis würdigen, für den auch Präsident Trump und Daniella Weiss, eine Siedlerführerin, die die Apartheidgewalt in Palästina schürt, nominiert waren?

Dann kommt Malala Yousafzai, die Friedensnobelpreisträgerin von 2014. Wer hätte gedacht, dass das junge Mädchen, das wegen seines Wunsches nach Bildung brutal misshandelt wurde, schließlich in die Choreografie der Tugend des Imperiums umgeschrieben werden würde? Hinter dem Image der US-Entwicklungshilfe als Wohltäter verbirgt sich ein ausbeuterisches System, das Ausbeutung mit Mitgefühl maskiert und die Brutalität des Imperiums mildert, ohne es jemals in Frage zu stellen. Hilfe und Imperium sind schließlich symbiotisch – jedes erhält die Illusion der Wohltätigkeit des anderen aufrecht. Als also moralischer Mut gefragt war, als Gaza brannte, als die imperiale Maschine sich gegen andere braune Körper richtete, sagte Malala kein einziges Wort; erst als sie schließlich sah, dass sich das Blatt wendete, während sie weiterhin die Hand des Imperiums küsste.

Wie Chandra Mohanty (in Feminism without Borders) und María Lugones (in Coloniality of Gender) uns erinnern, verallgemeinert der westliche Feminismus allzu oft die Weiblichkeit und blendet dabei die kolonialen Hierarchien aus, die unser Leben prägen. Er fordert Fortschritt ohne Dekolonialisierung. Homi Bhabha nennt dieses Verhalten „koloniale Mimikry“; dass die Untergebenen Schmerz und Widerstand zeigen dürfen, aber nur so weit, wie es den westlichen Fantasien von Befreiung schmeichelt. Nach dieser Logik wird die „befreite“ Frau zu einem Symbol für die Zivilisiertheit des Imperiums; ein Beweis dafür, dass das System funktioniert, wenn man sich an seine Regeln hält.

In ihrer Kritik der „postkolonialen Performance” erklärt Judith Butler, wie das Imperium „akzeptable” Frauen aus besetzten Nationen des Globalen Südens hochjubelt und sie zu Aushängeschildern des Fortschritts macht. Von Malala in Pakistan bis Maria Corina Machado in Venezuela werden diese Figuren kuratiert und nicht ausgewählt, weil sie die Macht herausfordern, sondern weil sie sie wohlwollend erscheinen lassen.

Der imperiale Kern des liberalen Feminismus

Der liberale Feminismus ist der Kapitalismus der Geschlechterpolitik. Er verkauft Empowerment als Lebensstil, nicht als Befreiung. Er fordert Gleichberechtigung innerhalb des Patriarchats, aber keine Freiheit davon. Er feiert Frauen, die sich der Unterdrückung anpassen, anstatt sie abzubauen. Von Malala Yousafzai über Taylor Swift bis hin zu María Machado hat der liberale Feminismus die Kunst perfektioniert, Befreiung in „Soft Power“ zu verwandeln. Er sagt uns, dass Gleichberechtigung erreicht ist, wenn eine Frau es in den Vorstand, auf die Bühne oder ins Weiße Haus schafft. Aber was nützt Gleichberechtigung innerhalb eines Systems, das auf Unterdrückung ausgelegt ist? Ein Platz am Tisch bedeutet nichts, wenn der Tisch selbst auf Ausbeutung aufgebaut ist.

Dieser Feminismus – Swifts Unternehmensfeminismus, Malalas ausgefeilte Diplomatie, Machados imperiale Ausrichtung – ist der, den das Patriarchat am meisten liebt: sichtbar, verehrt, fügsam und sicher. Das Patriarchat muss Frauen nicht mehr bestrafen, es geht einfach Partnerschaften mit denen ein, die mitspielen. Swift profitiert von der Sprache der Befreiung von weißer Mittelmäßigkeit, die selten über die stereotype Weiblichkeit hinausgeht, ohne jemals den Komfort zu riskieren, den ihr diese Sprache bietet. Ihr Schweigen zu Palästina, dem Sudan und systemischer Gewalt ist das natürliche Ergebnis eines oberflächlichen Feminismus, der darauf ausgelegt ist, zu beruhigen, ohne revolutionär zu sein.

Aber echte Gleichberechtigung wird niemals durch den liberalen Feminismus erreicht werden. Das Problem ist nicht nur, dass Frauen in Machtpositionen fehlen. Das Problem ist, dass das System selbst, das Patriarchat, der Kolonialismus, der Imperialismus und der Kapitalismus so aufgebaut sind, dass sie Ungleichheit erzeugen. Und der liberale Feminismus fordert nicht deren Abschaffung, sondern verlangt, dass Frauen darin zugelassen werden. Das Ergebnis: Nur eine Handvoll Frauen, darunter viele weiße Frauen, steigen auf und erscheinen mächtig, während der Rest unter sich überschneidenden Unterdrückungen gefangen bleibt.

Der radikale und intersektionale Feminismus von Greta bleibt dagegen gefährlich, gerade weil sie sich weigert, konsumiert zu werden. Sie versteht, was der liberale Feminismus nicht sehen will: dass die Geschlechterkrise untrennbar mit den Krisen des Kapitalismus, Kolonialismus und Klimawandels verbunden ist. Ihre Wut lässt sich nicht zähmen, ihre Politik lässt sich nicht mildern, und ihre moralische Klarheit passt nicht in die Choreografie der Tugendhaftigkeit des Imperiums.

Solidarität, Intersektionalität und echter feministischer Widerstand

Intersektionaler Feminismus verlangt, dass wir nicht nur das Geschlecht sehen, sondern auch Rasse, Klasse, Kolonialität, Geografie und Fähigkeiten. Er verlangt, dass wir diejenigen in den Mittelpunkt stellen, die am meisten geschädigt und am stärksten marginalisiert sind – die Frauen in Gaza, im Sudan, in Syrien; behinderte Frauen; indigene Frauen; Transfrauen; Sexarbeiterinnen; Migrantinnen und gewaltsam vertriebene Frauen; Frauen in Umgebungen, die durch Bergbau und Klimakollaps zerstört werden. Er verlangt, dass wir das System in Frage stellen, nicht nur, wer in seine Räume gelangt.

Die liberalen imperialen Feministinnen können Taylor Swift behalten. Sie können Malala behalten. Behalten Sie den Nobelpreis und seine von der CIA finanzierten Preisträgerinnen. Aber wir Menschen mit Gewissen entscheiden uns für Greta, Francesca Albanese, Huwaida Arraf, Bisan, Abby Martin und alle anderen Feministinnen, die die imperiale Macht herausfordern. Einen Feminismus, der Sicherheit riskiert. Einen Feminismus, der nicht nur Gleichberechtigung innerhalb von Systemen fordert, die auf Unterdrückung aufgebaut sind, sondern die Befreiung von ihnen. Der Übergangsfeminismus, der Verbindungen zwischen Klima und Kapitalismus, Geschlecht und Imperium, Gerechtigkeit und Solidarität herstellt und gleichzeitig diese unterdrückerischen Mächte abbaut. Sie brauchen keinen Nobelpreis, um den Wert ihres Widerstands zu beweisen. Ihre Kraft liegt in ihrer Weigerung, sich kaufen, verschönern oder vom Imperium vereinnahmen zu lassen. Sie verkörpern das, was der Preis vergessen hat: moralische Klarheit, Risiko und Solidarität über Grenzen hinweg. Denn wenn wir nur die Frauen loben, die sich der Macht unterwerfen oder von ihr toleriert werden, stärken wir genau die Strukturen, die den meisten Frauen schaden.

In einer Weltordnung, die Komplizenschaft belohnt und Gewissenhaftigkeit bestraft, ist das Radikalste, was eine Frau sein kann, unapologetisch wütend zu sein und sich nicht für die Zustimmung und den Applaus der Unterdrücker zu verstellen.

Sei wie Greta. Sei unregierbar. Sei entschlossen. Widerstand bedeutet Existenz.

Quelle: Aisya A. Zaharin, Greta Thunberg does not need a Nobel Prize, she is everything it has forgotten, 20. Oktober 2025

Aisya A. Zaharin ist Doktorandin, preisgekrönte Menschenrechtsaktivistin und Mitglied des Gender Diverse Expert Advisory Committee der australischen Menschenrechtskommission.

Übersetzung: Thomas Trueten