Heute zeigen wir im Blogkino den Thriller "Detour": Der Klavierspieler Al (Tom Neal) ist verbittert darüber, in einem New Yorker Nachtclub arbeiten zu müssen. Nachdem seine Freundin Sue (Claudia Drake) weggeht, um in Hollywood nach Ruhm zu streben, beschließt er, ihr zu folgen. Da er nur wenig Geld hat, muss er per Anhalter durch das Land reisen. In Arizona nimmt ihn der Buchmacher Charles Haskell Jr. (Edmund MacDonald) in seinem Cabrio mit. Haskell lässt Al unterwegs mehrmals Pillen verabreichen. In dieser Nacht fährt Al, während Haskell schläft, als ein Regenschauer Al zwingt, anzuhalten und das Verdeck zu schließen. Da es ihm nicht gelingt, Haskell zu wecken, öffnet Al die Beifahrertür. Haskell fällt heraus und schlägt mit dem Kopf auf dem Boden auf. Daraufhin stellt Al fest, dass der Buchmacher tot ist. Aus Angst, die Polizei könnte glauben, dass er Haskell getötet hat, wirft Al die Leiche am Straßenrand ab, nimmt Haskells Geld, Kleidung und Ausweispapiere an sich und fährt dann davon. Nachdem er die Nacht in einem Motel verbracht hat, nimmt Al eine andere Anhalterin, Vera (Ann Savage), an einer Tankstelle auf. Durch reines Pech stellt sich heraus, dass die Femme fatale zuvor auch von Haskell mitgenommen worden war. Sie hat ihn tief in den Arm gekratzt und ist ausgestiegen, nachdem er versucht hatte, zu freundlich zu sein. Als Al sich als Haskell zu erkennen gibt, erpresst sie ihn, indem sie droht, ihn zu verraten...
Karlsruhe: Naziaufmarsch am Tag der Reichspogromnacht verhindern!
Wir unterstützen den Aufruf des Netzwerks Karlsruhe gegen Rechts:
Am Jahrestag der Reichspogromnacht wollen die faschistischen Kleinstparteien „Die Rechte“ und die „NPD“ in Karlsruhe Durlach aufmarschieren und mobilisieren dazu überregional in ihren Kreisen. Die von der NSDAP organisierten Pogrome vom 9. auf den 10. November 1938 richteten sich flächendeckend gegen die jüdische Bevölkerung im Land und markierten den Beginn der systematischen Verfolgung und Deportation von Jüd:innen in Konzentrationslager, was später in die Shoa mündete.
Dass nun 86 Jahre später Faschist:innen aufmarschieren stellt eine Provokation sondergleichen dar.
Diese Provokation werden wir nicht dulden und rufen daher alle Karlsruher:innen auf, sich an der Protestaktion des Netzwerks Karlsruhe gegen rechts zu beteiligen und gegen die Nazis aktiv zu werden!
Alle zusammen gegen den Faschismus!
Naziaufmarsch verhindern!
Am Jahrestag der Reichspogromnacht wollen die faschistischen Kleinstparteien „Die Rechte“ und die „NPD“ in Dass nun 86 Jahre später Faschist:innen aufmarschieren stellt eine Provokation sondergleichen dar.
Diese Provokation werden wir nicht dulden und rufen daher alle Karlsruher:innen auf, sich an der Protestaktion des Netzwerks Karlsruhe gegen rechts zu beteiligen und gegen die Nazis aktiv zu werden!
Alle zusammen gegen den Faschismus!
Naziaufmarsch verhindern!
Berlin: Marsch für das Leben 2024
Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.
Gegenprotest begleitete den Aufzug kontinuierlich. Von Störaktionen auf der Bühne und am Rand bis hin zu einer Umleitung aufgrund von „stinkender Flüssigkeit“ (mutmaßlich Buttersäure) auf der Route: Queer-Feminist*innen vermiesten den christlichen Fundamentalisten den Tag.
Am sog. „Marsch für das Leben“ beteiligte sich als erster Redner der Holocaustleugner Pablo Munoz Iturrieta mit einem Aufruf zum „Kulturkampf“. Auch Beatrix von Storch war nach langer Abwesenheit ebenso wieder dabei, wie weitere AfD-Mitglieder.
„Wir kämpfen auch weiterhin für die Abschaffung von §218, für die Freiheit aller Geschlechter so zu leben und lieben wie sie wollen, für Solidarität und gegen faschistische Ideologien“, erklärte das „What the fuck“-Bündnis.
Weitere Ereignisse zu diesem Thema
Links
- https://whatthefuck.noblogs.org/
- WHAT THE ... - Christliche Fundamentalist*innen in Berlin (Video Leftvision)
- Gegendemonstranten stürmen Rednerbühne (Bericht im Tagessspiegel 21.9.24)
"Patriarchat sterben lassen": F*Antifa gegen Neonazis
Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.
Knapp über 100 Neonazis fühlten sich anscheinend getroffen und kamen zu einer Gegendemonstration zusammen – darunter u.a. „Deutsche Jugend Voran“ (DJV), „Jung & Stark“ (JS), „Chemnitz Revolte“, „3. Weg“ und „Die Heimat“ (vormals NPD). Angemeldet waren 400 Teilnehmende, die trotz überregionaler Mobilisierung ausblieben.
Die Polizei ermöglichte den Neonazis, der feministischen Demo mit hunderten Metern Abstand auf ihrer Strecke zu folgen. Die feministische Demonstration ließ sich davon weder stören, noch beeindrucken.
„Kreuzberger Gratismut ist vorbei, gerade in Berliner Außenbezirken, wo viele der Faschos wohnen, muss Antifeminismus und Faschismus die Stirn geboten werden“, hieß es im Aufruf der F*Antifaschist*innen.
Links
- Patriarchat Sterben Lassen - Kämpferische Herbstdemo (Aufruf auf indymedia)
- Neonazis gegen Feminst*innen (Fotos von Kinkalitzken)
- Bericht des Demobeobachtungsteam des arbeitskreis kritischer jurist*innen (akj) der HU Berlin
- Kurzes Video der Nazidemo von democ auf X
- Wieder mal Arbeit für die Antifa (taz, 20.10.2024)
Ein Lyd ohne Nakba
Zwei Stunden bevor ich Anfang des Monats an der Premiere von Rami Younis und Sarah Ema Friedlands Film „Lyd“ in Israel teilnehmen sollte, erhielt ich eine Nachricht von den Organisatoren, in der mir mitgeteilt wurde, dass die Veranstaltung abgesagt wurde. Auf Anweisung von Kulturminister Miki Zohar hatte die Polizei das von Palästinensern geführte Al-Saraya-Theater in Jaffa gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Als Vorwand diente eine hundert Jahre alte Verordnung aus der britischen Mandatszeit, nach der Theater für jeden gezeigten Film eine vorherige Genehmigung einholen müssen. Für Zohar schien jedoch ein anderer Faktor im Spiel zu sein.
„Der Film zeichnet ein wahnhaftes, verlogenes Bild, in dem israelische Soldaten angeblich ein brutales Massaker begangen haben“, sagte der Minister vor der Absage. Seine Aussage folgte dem Druck der rechtsgerichteten Gruppe B'tsalmo, die bereits geplant hatte, gegen die Vorführung im Al-Saraya zu protestieren, Younis als ‚Aufwiegler‘ verleumdete und davor warnte, dass der Film ‚Terroranschläge von israelischen Arabern auslösen könnte‘.
Der auf Arabisch mit englischen Untertiteln erzählte Film „Lyd“ wurde im August 2023 auf dem Amman International Film Festival uraufgeführt, wo er den Jury Award for Arab Feature Documentary Film und den International Film Critics' Award gewann. Bei dieser ersten Vorführung waren Hunderte von Flüchtlingen aus der Stadt Lyd, oder Lydda, anwesend, die heute offiziell als Lod bekannt ist.
Die Stadt liegt im Zentrum des heutigen Israels und wurde Anfang Juli 1948, etwa drei Monate nach der Unabhängigkeitserklärung Israels, von israelischen Streitkräften besetzt. Soldaten massakrierten über 400 palästinensische Einwohner, indem sie wahllos im Stadtzentrum um sich schossen, bevor sie Dutzende von Männern zusammenpferchten und in der Hauptmoschee der Stadt hinrichteten. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner von Lyd und zahlreiche Palästinenser, die bei ihnen Zuflucht gesucht hatten – insgesamt etwa 70.000 – wurden über die Grenzen des neuen israelischen Staates hinaus vertrieben.
Dutzende starben auf ihrem Weg, während die meisten im Westjordanland oder in Amman landeten, wo sie oder ihre Nachkommen heute noch leben, ohne dass ihnen die Rückkehr gestattet wäre. David Ben-Gurion, Israels erster Premierminister, prahlte vor seinem Kabinett, dass in Lyd und im nahe gelegenen Ramle „kein einziger Araber zurückgeblieben ist“. Tatsächlich gelang es einigen hundert Einheimischen, zu bleiben und in ihre Heimatstadt zurückzukehren.
„Lyd“, den ich glücklicherweise bereits vor der kürzlich abgesagten Vorführung gesehen hatte, führt den Zuschauer durch diese historischen Ereignisse und stützt sich dabei auf Archivmaterial und nie zuvor gesehene Interviews mit israelischen Soldaten, die an der Operation zur Säuberung der Stadt von ihren Palästinensern beteiligt waren. Der Film enthält auch neue Interviews mit vertriebenen Palästinensern, Nachkommen von lydischen Flüchtlingen, die heute im besetzten Westjordanland leben, und aktuellen palästinensischen Einwohnern von Lod.
Der Film ist jedoch nicht nur eine Dokumentation, sondern auch eine Übung in politischer Vorstellungskraft. Archivmaterial und Interviews werden mit animierten Szenen durchsetzt, die eine alternative Realität darstellen, in der sich die europäischen Kolonialmächte nie in den Nahen Osten einmischten, die Nakba nie stattfand, Lyd nie zu Lod wurde und Palästina nie zu Israel wurde. Stattdessen leben Palästinenser und Juden in einer multikulturellen, egalitären Gesellschaft zusammen.
Younis, ein palästinensischer Staatsbürger Israels aus Lyd (und ein langjähriger Mitarbeiter von +972), und Friedland, ein amerikanischer Jude, hatten geplant, nach der Premiere in Amman Vorführungen auf der ganzen Welt zu zeigen, beschlossen jedoch, diese nach dem 7. Oktober auf Eis zu legen. Sie setzten die Tour im Februar fort und zeigten den Film überall, von den Vereinigten Staaten bis nach Italien, Algerien, Australien und jetzt, bisher vergeblich, in Israel.
Vor der Absage beschrieb Zohar es als „eine Schande, dass der hetzerische und falsche Film ‚Lod‘, der von den antiisraelischen Boykottaktivisten Rami Younis und Roger Waters geschrieben und produziert wurde, auf dem Staatsgebiet gezeigt wird“. In seiner Erklärung betonte er die Rolle von Waters, einem ehemaligen Mitglied der Band Pink Floyd und prominenten Pro-Palästina-Aktivisten, als ausführender Direktor, während er den Namen des Films in den aktuellen israelisierten Namen der Stadt änderte und Friedlands Rolle als Co-Autor und Co-Regisseur ausließ.
„Der Staat Israel will sich nicht einmal der Tatsache stellen, dass diese Stadt einen palästinensischen Namen hat, Lyd, und dass eine jüdische Person neun Jahre ihres Lebens der palästinensischen Geschichte dieser Stadt gewidmet hat“, sagte Friedland als Antwort. Younis dankte Zohar und der israelischen Polizei sarkastisch für die Absage des Films, ein Schritt, der zweifellos sein öffentliches Profil schärfen wird. „Wenn ich als palästinensischer Journalist und Künstler eines gelernt habe“, sagte er, “dann, dass es bedeutet, dass deine Arbeit von entscheidender Bedeutung ist, wenn sie so brutal gegen sie vorgehen.“
Die dreiste Zensur von „Lyd“ durch die israelische Regierung zeigt, dass sie immer noch darauf besteht, die Realitäten der Nakba und ihre anhaltenden Auswirkungen zu unterdrücken. Indem der Film die Massaker und ethnischen Säuberungen von 1948 als Teil einer anhaltenden Struktur jüdischer Vorherrschaft über Palästinenser darstellt, erhält er nach dem jahrelangen Angriff Israels auf den Gazastreifen – der von vielen als Katastrophe noch größeren Ausmaßes angesehen wird – eine ganz neue Bedeutung. Und indem sie dem Zuschauer eine alternative Realität bieten, in der Juden und Palästinenser in der Stadt gleichberechtigt leben, bekräftigen die Filmemacher, dass die Dinge auch anders hätten sein können und immer noch anders sein könnten.
Im allgemeinen israelischen Sprachgebrauch ist Lod eine „gemischte Stadt“ – einer von nur einer Handvoll Orte im Land, an denen Juden und Palästinenser einen städtischen Raum teilen. Die Stadt liegt genau in der Mitte Israels und hat ein relativ niedriges sozioökonomisches Profil und eine hohe Kriminalitätsrate. Ein Besucher, der durch die nicht so glänzenden Straßen schlendert, würde vielleicht nicht glauben, dass es sich früher um einen wohlhabenden Ort handelte. Aber der Film von Younis und Friedland erinnert uns daran, dass es so war.
Vor etwas mehr als hundert Jahren feierten die Einwohner Eid Lyd, einen Feiertag zu Ehren des Heiligen Georg von Lydda (der auch der Schutzpatron Englands, Moskaus und Georgiens ist). Menschen und Waren aus Städten in der gesamten Levante reisten mit Kamelen und Zügen durch die Stadt. Während der britischen Mandatszeit verfügte die Stadt sogar über einen eigenen internationalen Flughafen, der später zum Hauptflughafen Israels wurde.
Es war nicht immer „gemischt“. Hunderte von Jahren lang war Lyd eine arabische Stadt – ähnlich wie Jaffa, Acre, Haifa und Ramle, die anderen Städte in Israel, die das gleiche Etikett tragen. Nachdem die meisten ihrer palästinensischen Einwohner während der Nakba geflohen oder vertrieben worden waren, bilden israelische Juden heute die Mehrheit in jeder dieser Städte, obwohl es weiterhin bedeutende palästinensische Minderheiten gibt. Für die israelische Rechte werden diese binationalen Städte zunehmend als interne Grenze für die Judaisierung angesehen.
Im heutigen Lod machen Palästinenser etwa 30 Prozent der Bevölkerung aus, obwohl die beiden Gemeinschaften nicht vermischt sind, sondern in getrennten jüdischen und arabischen Vierteln leben. In Younis und Friedlands imaginärem Lyd hingegen leben Muslime, Christen und eine beträchtliche Minderheit von Juden zusammen, ohne dass eine Gemeinschaft die anderen dominiert.
Um zu erklären, wie es dazu kam, wird der Zuschauer gebeten, sich vorzustellen, dass britische und französische Diplomaten sich nie verschworen haben, um den postosmanischen Nahen Osten aufzuteilen; stattdessen gründeten die Gemeinschaften der Region eine aus mehreren Staaten bestehende Föderation namens „Groß-Levante“, um dem westlichen Imperialismus zu trotzen. Aber die filmische Fiktion weicht nicht immer von der historischen Realität ab: Europäische Juden wandern immer noch massenhaft nach Palästina ein, um der antisemitischen Verfolgung zu entkommen, und schließen sich ihren Glaubensgenossen aus dem Osten an, die dort seit Jahrhunderten gelebt haben.
„Mir wurde nicht beigebracht, dass diese Region seit der Vertreibung in der Vergangenheit [durch die Babylonier und Römer] jemals ein sicherer Ort für Juden gewesen sei“, erklärte sie. “Die alternative Geschichte ist eine Rückbesinnung auf die gemeinsame Gesellschaft, die vor der Gründung des Staates Israel existierte.“
Ein wohlwollender Zuschauer kann die spekulative Vorstellungskraft des Films immer noch als vergeblich, als eine Übung in wildem Wunschdenken betrachten. Als ich Friedland darauf ansprach, dass Lod dem Lyd aus ihrem Film immer weniger ähnelt, zuckte sie mit den Schultern. „Ich verstehe, dass das völlig utopisch oder naiv klingen kann. Aber ist das nicht der Sinn der Vorstellungskraft? Man muss sich die Welt vorstellen, die man sehen will, um sie aufzubauen.“
Vom Flüchtlingslager Balata zur G. Habash University
Um diese imaginäre Welt zum Leben zu erwecken, stellt der Film jeder realen lydischen Figur einen fiktiven Doppelgänger zur Seite. In der realen Welt leben Jehad Baba und Anan Tarteer im Flüchtlingslager Balata im Westjordanland. Baba ist ein junger Metallarbeiter, der einst davon träumte, Anwalt zu werden. Tarteer ist Babas geselliger Freund, dem das bescheidene Restaurant Lyd gehört.
Die beiden haben ihr ganzes Leben unter einer militärischen Besatzung verbracht, die ihre beruflichen Möglichkeiten stark einschränkt. In Younis und Friedlands imaginärer Stadt sind sie jedoch Universitätsstudenten – und das nicht nur an irgendeiner Universität, sondern an der „G. Habash University“.
Eine solche Universität könnte es in der israelischen Stadt Lod nicht geben. George Habash, der 2008 starb, wurde in Lyd in eine griechisch-orthodoxe Familie geboren und gründete später die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP). Für Israel ist Habash ein Terrorist. Für die Palästinenser wird er jedoch immer Al-Hakim („der Arzt“ oder „der Weise“) sein, ein engagierter Arzt und nationaler Führer.
Sie bittet ihre Schüler, auf einer offiziellen Landkarte auf Palästina zu zeigen, das dort nicht verzeichnet ist. Die Schüler sind ratlos: Ein Junge zeigt auf Ägypten, ein anderer sagt „Saudi-Arabien“. Nachdem die Kinder gegangen sind, bricht El-Memeh in Tränen aus und eine Kollegin versucht, sie zu trösten.
Doch kaum hat der Zuschauer diese erschütternde Episode gesehen, erscheint auf dem Bildschirm eine alternative Gegenwart, in der El-Memeh zwar immer noch Lehrerin ist, aber an einer ganz anderen Schule. Hier arbeitet sie an der „K. Sakakini School“, benannt nach dem Jerusalemer Pädagogen, öffentlichen Intellektuellen und arabischen Nationalisten Khalil Sakakini, dessen Leben die Zeit der osmanischen, britischen und israelischen Herrschaft umfasste.
Anstatt zu versuchen, ihren Schülern zu helfen, Palästina auf einer Karte zu finden, bringt sie ihnen nun am Vorabend des Festivals die Geschichte von Eid Lyd bei und stellt ihren palästinensischen Schülern eine Frage: „Wie könntet ihr eure palästinensischen Privilegien mit euren jüdischen Klassenkameraden teilen?“
Ein Ausbruch interkommunaler Gewalt
Dann unterbricht die Realität. In einem brutalen Übergang wird die Übung, sich ein gleichberechtigtes, multikulturelles Lyd vorzustellen, abgebrochen und der Zuschauer wird zu den interkommunalen Unruhen vom Mai 2021 teleportiert, die mehrere binationale Städte in Israel – mit Lod im Epizentrum – heimsuchten.
Die Ereignisse dieses Monats schockierten die jüdisch-israelische Gesellschaft und warfen einen Schatten auf die jüdisch-arabischen Beziehungen in Israel. Was Palästinenser als „Unity Intifada“ bezeichnen, war der größte Aufstand der Palästinenser in Israel seit den Ereignissen vom Oktober 2000. Diesmal erhoben sie sich aus Solidarität mit den Menschen im besetzten Ostjerusalem, die von staatlich unterstützten jüdischen Siedlern aus ihren Häusern vertrieben wurden und während des Ramadan auf dem Al-Aqsa-Gelände der Brutalität der Polizei ausgesetzt waren.
In Lod wurden friedliche Demonstrationen am 10. Mai gewaltsam, nachdem palästinensische Jugendliche ihre Nationalflagge von der Al-Omari-Moschee hissten, was die israelische Polizei dazu veranlasste, mit Blendgranaten zu schießen. Die Demonstranten reagierten mit dem Verbrennen von Autoreifen und Autos, und eine Gruppe bewaffneter israelischer Juden erschoss den 32-jährigen Musa Hassuna.
Am nächsten Tag feuerte die Polizei bei Hassunas Beerdigung Tränengas auf die Trauernden ab, was die Spannungen weiter verschärfte. Palästinensische Jugendliche griffen daraufhin Autos und Häuser in jüdischem Besitz an und verletzten Yigal Yehoshua, der später starb. Die Randalierer setzten auch drei Synagogen in Brand, was Bürgermeister Revivo mit der „Kristallnacht in Lod“ verglich. Als Reaktion darauf rief die Regierung den Notstand aus und entsandte die Grenzpolizei, während der israelische Präsident die arabischen Bürgermeister aufforderte, die Gewalt zu verurteilen.
Diese Realität steht im krassen Gegensatz zur offiziellen Darstellung der Stadt, wonach die undankbaren palästinensischen Randalierer plötzlich das friedliche Zusammenleben zerstört haben, das die Stadtverwaltung jahrzehntelang aufgebaut hat. Bürgermeister Revivo verkörperte diese Weltsicht, als er damals gegenüber den Medien sagte: „All die Arbeit, die wir hier jahrelang geleistet haben, ist den Bach runtergegangen.“
Ein Pilotprojekt zur Judaisierung
Ein weiterer Aspekt, der in der offiziellen israelischen Darstellung der Ereignisse vom Mai 2021 nicht erwähnt wird, ist der Prozess der schleichenden Judaisierung in Lod: die anhaltenden Bemühungen, den jüdischen Charakter und die demografische Zusammensetzung der Stadt zu stärken und die palästinensische Minderheit weiter zu verkleinern. „Lyd“ lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Motor hinter diesem Prozess.
Die Garin-Torani-Bewegung (Torah-Kern) ist eine landesweite religiös-zionistische Organisation, die die Logik der Siedlerbewegung im Westjordanland auf die binationalen Städte Israels überträgt. Seit über zwei Jahrzehnten bringt sie Tausende orthodoxer jüdischer Familien nach Lod, kauft arabische Bewohner auf und siedelt aggressiv in den gemischten Stadtvierteln der Stadt, insbesondere in Ramat Eshkol in der Altstadt.
Niemand verkörpert die Judaisierung von Lod und den wachsenden Einfluss des religiösen Zionismus in der Stadt besser als Bürgermeister Revivo, ein stolzes Mitglied von Netanyahus Likud-Partei und Lods Garin Torani. Wenn er nicht gerade eine Moschee stürmt, um die Lautsprecher abzuschalten, die den Gebetsruf während des Eid Al-Adha übertragen, schürt er moralische Panik über die eskalierende Kriminalität, deutet auf nationalistische Motive „arabischer Banden“ hin oder bittet die Regierung, den Shin Bet (Israels Inlandsgeheimdienst) zu entsenden, um Recht und Ordnung wiederherzustellen.
Nach seiner Wahl im Jahr 2013 ernannte Revivo den Leiter von Lod, Garin Torani, Aharon Atias, sofort zum CEO der Stadt. Und während er dabei hilft, religiös-nationalistische Juden in arabische Viertel zu drängen, scheut er keine Mühen, um Palästinenser daran zu hindern, das Gleiche zu tun.
Während der Ereignisse im Mai 2021, als, wie Joshua Leifer von Jewish Currents feststellte, „palästinensische Bürger Israels auf die immer dringlichere Gefahr einer Vertreibung aus Stadtvierteln reagierten, in denen sie seit Jahrzehnten leben“, goss Garin Torani Öl ins Feuer.
„Lod dient als eine Art Labor, als Pilotprojekt“, sagt Younis. “Was die israelischen Behörden in Hebron tun, planen sie auch in Lod zu tun.“
Der Dokumentarfilm zeigt den krassen, ja absurden Kontrast zwischen den Aufnahmen der explosiven Unruhen von 2021 und Revivos ruhiger, idyllischer Vorstellung von Lod. In seinem Büro im Rathaus sehen wir ihn ohne einen Hauch von Ironie über ein „Mosaik der Kulturen“ und eine Stadt sprechen, die „weiß, wie man alle unterbringt und jedem Raum gibt“. Seiner Meinung nach leben Juden und Araber bereits gleichberechtigt in einer pluralistischen und multikulturellen Stadt zusammen.
Angst vor dem, was kommen wird
Lod hat noch nicht wieder in der Art von Gewalt ausgebrochen, wie sie 2021 zu beobachten war. Aber unter den palästinensischen Einwohnern ist die Angst, vertrieben, enteignet oder einfach nur aus dem Markt gedrängt zu werden, so stark wie eh und je – und erst recht nach dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober und dem anschließenden israelischen Angriff auf Gaza.
Demonstrationen gegen den Krieg sind so gut wie verboten, vor allem, wenn man Palästinenser ist. Hunderte palästinensische Bürger Israels wurden verhaftet oder entlassen, weil sie in den sozialen Medien ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza bekundet oder die Bombardierung Israels kritisiert hatten.
Die Erzählerin von „Lyd“, die palästinensische Schauspielerin Maisa Abd Elhadi, wurde selbst verhaftet und mit Anrufen des Innenministers konfrontiert, der ihr die israelische Staatsbürgerschaft entziehen lassen wollte, nachdem sie online Beiträge geteilt hatte, die nach Angaben der Polizei die Angriffe vom 7. Oktober unterstützten. Heute, 13 Monate später, steht sie immer noch ohne Gerichtsverfahren unter Hausarrest und kann nicht arbeiten.
Im Februar wurde Revivo als Bürgermeister wiedergewählt und sicherte seiner rechtsgerichteten Koalition eine massive Mehrheit im Stadtrat von Lod. Das Rathaus ist seit mehr als einem Jahr mit Bannern geschmückt, auf denen nationalistische Slogans wie „Die Stadtverwaltung von Lod begrüßt die Sicherheitskräfte“ und „Das Volk Israel lebt“ zu lesen sind.
Ein rassistischer Wahn hat einen Großteil der jüdisch-israelischen Öffentlichkeit erfasst, auch in Lod. Die ehemalige Stadträtin Fida Shehada berichtete der FT, dass ein jüdischer Ladenbesitzer ihr sagte, er würde keine Araber bedienen, als sie Ende letzten Jahres mit ihrem Neffen in den Laden ging, um Schokolade zu kaufen. Bei Treffen, die sie mit lokalen jüdischen und palästinensischen Führungskräften organisierte, sprachen die ersteren offen über die „Auslöschung des Gazastreifens“.
Gegen Ende des Films von Younis und Friedland sagt der Lehrer El-Memeh unter Tränen: „Ich will keine zweite Nakba erleben.“ Während die Palästinenser aus Lod – viele von ihnen Nachkommen derer, die das Massaker und die Massenvertreibung aus Lyd im Jahr 1948 überlebt haben – zusehen, wie Gaza von ihrem Heimatland zerstört wird, fragen sie sich unweigerlich, ob sie die nächsten sein werden.
Dikla Taylor-Sheinman ist Shatil-Stipendiatin für soziale Gerechtigkeit beim Magazin +972. Sie lebt derzeit in Haifa, verbrachte das letzte Jahr in Amman und die sechs Jahre davor in Chicago.
Quelle: +972Mag
Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]
Roma aus ganz Europa versammeln sich in Brüssel wegen der Krise bei der Roma-Repräsentanz und der Gefahr eines Scheiterns der EU-Roma-Politik
Quelle: RAN
Die Konferenz war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer echten transnationalen Repräsentation der europäischen Roma. Die Delegierten diskutierten die Notwendigkeit eines neuen Modells für die Beziehungen zur Europäischen Union und beschlossen, eine strategische Allianz zu bilden, um die Partizipation von Roma an den Entscheidungsprozessen auf EU-Ebene sicherzustellen.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass 80 Jahre nach dem Holocaust an den Roma Europas während des Zweiten Weltkriegs der Rechtsextremismus erneut eine existenzielle Bedrohung für Roma in Europa darstellt. Es ist daher dringend notwendig, den Fokus von der "Roma-Integration" auf den Aspekt der Sicherheit der Roma zu verlagern. Die EU-Roma-Politik muss darüber hinaus dringend reformiert werden, da sie die neuen Realitäten nicht reflektiert, die Roma direkt betreffen – etwa den Aufstieg der Rechtsextremen und den Krieg in der Ukraine.
Delegierte zeigten sich besorgt, dass Politiker mit Neonazi-Hintergrund, die in ihren Heimatländern wegen Anti-Roma-Hasses verurteilt wurden, nach den Wahlen im Juni 2024 im Europäischen Parlament willkommen geheißen wurden, während Roma politisch ausgegrenzt und isoliert wurden. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den Zielen des von der EU-Kommission im Jahr 2020 ins Leben gerufenen Strategischen Rahmens der EU für Gleichstellung, Eingliederung und Teilhabe der Roma 2020-2030 (EU-Roma-Strategie).
Die Delegierten der Konferenz wiesen darauf hin, dass die EU-Roma-Strategie aufgrund der fehlenden politischen Partizipation und Repräsentanz von Roma auf nationaler und EU-Ebene zu scheitern droht. Es wurden beunruhigende Trends aufgezeigt:
• das Engagement europäischer Politiker:innen für die Rechte von Roma hat erheblich nachgelassen;
• es gibt keine gewählten Vertreter:innen aus der Roma-Community mehr im Europäischen Parlament;
• die Zahl der Roma, die in der Europäischen Kommission arbeiten, hat abgenommen;
• der Dialog zwischen den Roma-Communities auf der einen und den europäischen und nationalen Institutionen auf der anderen Seite wird zunehmend schwieriger oder es gibt keinen;
• lokale Roma-Organisationen werden auf die Rolle von Subunternehmer:innen und Dienstleister:innen der Regierung reduziert, die Sozialarbeiter:innen, Lehrkräfte und Polizei bei ihrer Arbeit unterstützen (was sie zu einem Anhängsel der staatlichen Verwaltung macht und den Zielen der Roma-Bewegung widerspricht);
• die spezifischen Roma-Themen werden durch umfassendere soziale Probleme der Armen, Arbeitslosen, Menschen mit Behinderungen, Opfer häuslicher Gewalt usw. ersetzt;
• die Roma-Identität wird in den meisten europäischen Ländern anhaltend ignoriert oder missachtet, obwohl Sprache und Kultur der Roma von der UNESCO als gefährdet und besonders schutzbedürftig eingestuft wurden;
• die anhaltende Missachtung des Schicksals der geflüchteten Roma aus der Ukraine, sowie insbesondere auch der geflüchteten Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien, die häufig bis heute nicht als solche anerkannt wurden, während die aus dem Kosovo vertriebenen Roma nach wie vor keine Anerkennung oder Entschädigung für ihre Vertreibung, ihren Eigentumsverlust und das erlittene Leid während und nach dem Kosovo-Krieg erhalten haben;
• das Herunterspielen der Zahl der Holocaust-Opfer aus der Roma-Community, die laut neueren Studien möglicherweise weit über 2 Millionen Todesopfer betragen könnte.
Roma können keinen Einfluss auf die Entscheidung nehmen, wen die Regierungen zu nationalen Roma-Kontaktstellen ernennen. Jedoch können Roma eine europäische Roma-Kontaktstelle einrichten und sie ermächtigen, die derzeit bestehenden ungleichen Beziehungen Roma-Community und den nationalen wie europäischen Organen auszugleichen. Dies wurde als eines der möglichen Ziele der strategischen Allianz diskutiert, die auf der Brüsseler Konferenz Gestalt annahm.
Die Kluft zwischen den Absichten der EU-Roma-Strategie und der Realität vor Ort vier Jahre nach ihrer Verabschiedung, erfordert das Eingreifen unabhängiger Roma-Organisationen sowie Fachleute und Expert:innen aus der Roma-Community. Sie müssen die Kommission dabei unterstützen, ihre bis 2030 zu erreichenden Ziele umzusetzen. Die Unterstützung soll dabei nicht individuell, sondern kollektiv erfolgen – als gut strukturiertes und selbstorganisiertes Gremium, das finanziell nicht von denjenigen abhängig ist, die es überwachen und mit denen es verhandeln soll.
Einige Delegierte äußerten die Befürchtung, dass gerade die Geberinstitutionen bald in die Hände von Personen mit romafeindlichen Ansichten geraten könnten, die die verfügbaren Mittel und die gesammelten Daten über Roma gegen Roma verwenden könnten. Es wurde die logische Frage aufgeworfen: Wenn die europäischen Behörden nicht in der Lage sind, den Einzug der romafeindlichen politischen Kräfte in das Europäische Parlament zu verhindern, wie wollen sie dann verhindern, dass diese in die anderen Strukturen der EU eindringen und Zugang zu noch mehr politischer Macht und finanziellen Ressourcen erhalten?
Die Delegierten der Konferenz waren sich einig, dass die Roma-Intelligenz in Europa keine andere Wahl hat, als sich auf dem schnellsten Weg selbst zu organisieren und einen alternativen Mechanismus für eine unabhängige Repräsentanz der Roma außerhalb der bestehenden politischen Strukturen zu schaffen, aus denen sie bereits mit dem seltsamsten Argument ausgeschlossen werden – nämlich dass dies Demokratie sei.
Abschließend wurde zusammengefasst, dass Roma in diesem für Europa und die Welt kritischen Moment das legitime Recht haben, ihre eigenen politischen Interessen zu formulieren und zu verteidigen. Und wenn die Türen des Europäischen Parlaments für europäische Bürger:innen mit Roma-Herkunft verschlossen sind, werden sie ihre politischen und bürgerlichen Rechte mit anderen Mitteln und Methoden frei ausüben. Dies muss in den kommenden Monaten durch Konsultationen und Dialog mit weiteren Organisationen und Expert:innen aus der Roma-Community sowie Politiker:innen, Diplomat:innen und Akademiker:innen innerhalb und außerhalb der EU entschieden werden.
Es ist an der Zeit, Marginalisierung und Viktimisierung zurückweisen. Roma müssen ihr eigenes Potenzial und ihre Stärke wiederentdecken und neue Verbündete und Freund:innen nicht nur in Europa, sondern auch in der Welt suchen. Denn Roma stellen eine globale Community mit einem starken Willen zum Überleben und Prosperieren dar, wo immer sie sich befinden.
Brüssel, den 16. Oktober 2024
Quelle: Roma Center e.V. / Roma Antidiscrimination Network
Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt
Am 9. November jährt sich die Pogromnacht zum 86. mal. In dieser Nacht und den darauffolgenden Tagen wurden jüdische Menschen in Deutschland und Österreich Opfer brutaler Gewalt. Synagogen brannten, Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört. Jüdische Menschen wurden verhaftet, misshandelt und getötet. Diese Ereignisse waren Vorboten der Shoa, des grausamen Völkermords an über sechs Millionen Jüdinnen und Juden. Wir gedenken der Opfer und erinnern an die Schrecken, die aus Hass, Intoleranz und aus einer Politik der Profitmaximierung und Machterweiterung erwachsen.Aus der Geschichte Schlüsse ziehen
In diesen Zeiten, in denen die AfD in Ostdeutschland zur stärksten Kraft heranwächst, ist es wichtiger denn je, wachsam zu bleiben.
Die Rechtsentwicklung, die bereits vor 1933 ihren Anfang nahm, weist bedrückende Parallelen zur heutigen politischen Situation auf. Damals wie heute schaffen populistische und nationalistische Strömungen ein gefährliches Klima der Intoleranz und des Hasses. Die Militarisierung der Gesellschaft und des Staates, damals wie heute, verstärkt diese Tendenzen und führt zu Repressionen gegen demokratische Bewegungen.
Der Vergleich von Deportationen während des Faschismus und der heutigen Remigrationspolitik ist zwar unzulässig, jedoch passiert Erschreckendes im Umgang mit Minderheiten und Geflüchteten. Es ist unsere Pflicht, diese Parallelen zu erkennen und entschlossen dagegen vorzugehen.
Rechtsentwicklung muss gestoppt werden
Ein stärkeres Eintreten der Gewerkschaften gegen alle Facetten der Rechtsentwicklung und der Militarisierung wäre dringend notwendig. Es ist an der Zeit, die kapitalistische Struktur, die hinter dieser Entwicklung steht, offen zu benennen und zu kritisieren, wie es schon Papst Franzikus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ getan hat. Dort tritt er für eine Gesellschaft ein, die sich an der Würde jedes Menschen und dem Gemeinwohl orientiert und beklagt: „Diese Wirtschaft tötet!“.
Die aktuelle Politik der CDU/CSU und AfD trägt signifikant zum Rechtsruck bei, das ist den meisten aber wahrscheinlich bewusst.
Umso wichtiger ist es aber, auch die Ampelregierung zu kritisieren, denn die Verschärfung der Migrationspolitik widerspricht den Menschenrechten. Durch Sozialabbau, offene Kriegs- und unzureichende Klimapolitik wird unser aller Zukunft in Gefahr gebracht.
Betty Rosenfeld – Ein Leben im Widerstand!
Unsere Erinnerungskultur, besonders in Stuttgart, darf nicht nur aus symbolischen Handlungen bestehen. Wir müssen uns aktiv mit den Opfern des Faschismus solidarisieren und ihre Geschichten lebendig halten. Ein Beispiel hierfür ist Betty Rosenfeld, eine jüdische Krankenschwester. Sie war politisch interessiert und besuchte die „Marxistische Arbeiterschule“ in Stuttgart. Nach der Machtübertragung an die NSDAP 1933 sah sich Betty durch ihr Engagement für die „Rote Hilfe“, die Nähe zur KPD und wegen der zunehmenden Judenverfolgung in ihrer Existenz bedroht. Gemeinsam mit ihren Schwestern wanderte sie 1935 nach Palästina aus. Als Betty im Sommer 1936 vom Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs hörte, entschied sie sich, die Internationalen Brigaden zu unterstützen. Nach dem Sieg des Franquismus flüchtete Betty im Frühjahr 1939 mit ihrem Ehemann über die Pyrenäengrenze nach Frankreich. Im Juni 1939 wurde sie mit ihrem Mann von der französischen Polizei in das angrenzende Internierungslager Gurs gebracht. Deutschland hatte die Auslieferung der Jüdinnen und Juden gefordert, und das Vichy-Regime folgte den Anordnungen der deutschen Besatzer. Am Morgen des 7. September 1942 wurden Betty und ihr Ehemann von Drancy aus mit dem Eisenbahn-„Konvoi 29“ zusammen mit weiteren 998 jüdischen Frauen und Männern nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie zwei Tage später ankamen und an einem unbekannten Datum in einer Gaskammer ermordet wurden. Ihre und die Geschichten vieler anderer Jüdinnen und Juden mahnen uns, wachsam und engagiert zu bleiben. Die Geschichte darf sich nicht wiederholen und der Faschismus darf nicht wiederkehren!
Gemeinsam für eine Welt des Friedens und der Solidarität
Wir solidarisieren uns mit allen Menschen weltweit, die von Faschismus, Verfolgung, Unterdrückung, Krieg und Hunger betroffen sind. Jegliche Unterstützung des deutschen Staates für unterdrückende Regierungen lehnen wir entschieden ab.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Schrecken der Vergangenheit sich nicht wiederholen. Erinnern heißt handeln – gegen das Vergessen, gegen das Erstarken rechter Ideologien und Politik. Für eine gerechte, solidarische und friedliche Welt. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.
Gegen das Vergessen – Kommt am 9. November zur Gedenkkundgebung!
Für uns gilt getreu dem Schwur von Buchenwald:
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Samstag, 9. November 2024, 17.00 Uhr auf dem Cannstatter Marktplatz, anschließend Demonstration zum Platz der ehemaligen Synagoge – 18.00 Uhr Kranzniederlegung
Mit Reden von:
Anthony Cipriano; Landesgeschäftsführer, VVN-BdA Ba.-Wü. (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten)
Vertreter:in des Antifaschistischen Aktionsbündnis Stuttgart und Region (AABS)
Beitrag Stuttgarter Jugendorganisationen
Kulturprogramm: Freier Chor Stuttgart mit antifaschistischen Liedern
Veranstalter: Bündnis zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt
Ursula Le Guin über Anarchismus und Belletristik
Foto: Marian Wood Kolisch
Dieses Interview kursierte im Internet auf einigen verschiedenen Websites, aber die sind jetzt alle verschwunden. Diese Woche hatte Le Guin Geburtstag, und ich habe gesehen, wie sich Leute gefragt haben, warum wir sie Anarchistin nennen. Wir nennen sie Anarchistin, weil ich sie gefragt habe: „Können wir dich Anarchistin nennen?“ und sie sagte, sie fühle sich geehrt. Sie sagte, dass pazifistischer Anarchismus „die einzige Art des politischen Denkens ist, in der ich mich zu Hause fühle“.
Hier ist das Interview.
Ursula Le Guin über Anarchismus und Belletristik
Margaret: Ich bin sehr neugierig auf die Rolle des Radikalen als Belletrist. Was glaubst du, was du mit deinem Schreiben auf sozialer/politischer Ebene erreicht hast? Hast du konkrete Beispiele für Veränderungen, die du mit angestoßen hast?
Ursula: Ich stimme Shelley vielleicht zu, dass Dichter die nicht anerkannten Gesetzgeber der Welt sind, aber er meinte nicht, dass sie wirklich viele Gesetze erlassen, und ich glaube, ich habe nie wirklich nach definierbaren, praktischen Ergebnissen von dem, was ich schreibe, gesucht. Meine Utopien sind keine Blaupausen. Tatsächlich misstraue ich Utopien, die vorgeben, Blaupausen zu sein. Fiktion ist kein gutes Medium zum Predigen oder Planen. Sie eignet sich jedoch hervorragend für das, was wir früher Bewusstseinsbildung nannten.
In meinem Arbeitsbereich – der phantasievollen Fiktion – hatte ich meiner Meinung nach einen nennenswerten Einfluss auf die Darstellung von Geschlecht und „Rasse“, insbesondere der Hautfarbe. Als ich in diesen Bereich kam, war die Perspektive völlig männerzentriert und alle waren weiß. Anfangs schrieb ich auch so. In der Science-Fiction schloss ich mich der feministischen Bewegung an, als sie Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger wieder auflebte, und wir schafften die quietschenden Barbies ab und begannen, echte weibliche Charaktere zu schreiben. In der Fantasy waren meine Helden Farbige, soweit ich weiß, waren es sonst niemandes. (Und dennoch kämpfe ich immer noch, bei jedem einzelnen Fantasy-Buchcover, dafür, dass sie als nicht-weiß dargestellt werden).
Margaret: Aus der anderen Richtung gefragt: Fühlst du dich jemals von der „radikalen“ Gruppe unter Druck gesetzt, „politischer“ oder in eine bestimmte Richtung zu schreiben?
Ursula: Ich setze mich nicht der Gefahr aus, von irgendjemandem unter Druck gesetzt zu werden. Ich bin kein Mitläufer und halte mich in der Öffentlichkeit zurück (außer bei Protestmärschen, an denen ich seit einem Jahrtausend teilnehme).
Natürlich wurde ich von Marxisten dafür gescholten, dass ich kein Marxist bin, aber sie schimpfen auf alle, die keine Marxisten sind. Und Anarchisten in der Bewegung hoffen immer, dass ich vielleicht ein Aktivist bin, aber ich denke, sie wissen, dass ich ein lausiger wäre, und lassen mich weiterschreiben, was ich schreibe.
Jefferson war der Meinung, dass Freiheit bereits ein unveräußerliches Recht sei und wir nur noch nach Glück streben müssten. Ich denke, dass es bei der Linken hauptsächlich um das Streben nach Freiheit geht. Aber ich denke auch, dass man sich als Künstler, wenn man wirklich nach Freiheit strebt, keiner Bewegung anschließen kann, die Regeln hat und organisiert ist. So gesehen war der Feminismus in Ordnung – wir haben vor allem erkannt, dass wir alle auf unsere eigene Weise Feministinnen sein können. Die Friedensbewegungen, sehr locker und ad hoc, waren in Ordnung. Und ich kann für Dinge wie Planned Parenthood oder Nature Conservancy oder eine politische Kampagne arbeiten, aber nur als Briefumschlagbefüller: Ich kann meine Arbeit nicht direkt in ihren Dienst stellen und ihre Ziele zum Ausdruck bringen. Sie muss ihren eigenen Weg in Richtung Freiheit gehen.
Margaret: Bist Du aufgrund Deiner politischen Einstellung auf Probleme gestoßen, als Du in der Mainstream-Belletristik-Welt veröffentlicht hast?
Ursula: Nicht, dass ich wüsste. Es ist möglich, dass Charles Scribner, der mein vorheriges Buch veröffentlicht hatte und eine Option auf Die Enteigneten hatte, es nicht mochte, weil er das anarchistische Thema nicht mochte; aber ich glaube, er hielt es einfach für einen riesigen, langweiligen, bedeutungslosen Klotz und verstand es überhaupt nicht. Er bat mich, es um die Hälfte zu kürzen. Ich sagte nein danke, und wir lösten den Vertrag einvernehmlich auf, und Harper and Row schnappte es sich – für mich damals sowieso ein besserer Verlag. Ich kann also nicht sagen, dass ich für meine politische Einstellung leiden musste.
Science-Fiction und Fantasy fallen oft durchs Raster, weißt du? Die Leute suchen einfach nicht nach radikalen Gedanken in einem Bereich, den die angesehenen Kritiker als eskapistisches Geschwätz definieren.
Einiges davon ist in der Tat eskapistisch, aber was es vermeidet, ist der Schwachsinn der Populärliteratur und der meisten Fernseh- und Kinofilme.
Margaret: Ich finde, dass du es hervorragend schaffst, ziemlich radikale Konzepte in Geschichten zu präsentieren, die sich nicht wie Propaganda anfühlen. Zum Beispiel untergräbst du in der Geschichte „Ile Forest“ in Orsinian Tales, glaube ich, das Vertrauen des Lesers in Ideen wie das kodifizierte Recht.
Ursula: Hah! Das freut mich! Es ist eine so romantische Geschichte, dass ich nie daran gedacht hätte, dass sie einen subversiven Sinn hat, aber natürlich hast du recht, das tut sie.
Margaret: Ich kann mich irren, aber ich habe den Eindruck, dass die moderne Fantasy-/Science-Fiction-Kultur sich absichtlich mehr als früher vor der Politik scheut. Viele Zeitschriften geben beispielsweise ausdrücklich an, dass sie nicht an Werken interessiert sind, die sich mit politischen Themen befassen.
Ursula: Tatsächlich? Wow. Das ist unbeschreiblich deprimierend. Sie legen ihren eigenen Maßstab an.
Margaret: Hast du eine Veränderung in diese Richtung bemerkt?
Ursula: Ich schaue mir den Markt einfach nicht mehr an. Ich habe schon seit einer ganzen Weile keine Kurzgeschichten mehr geschrieben, und wenn doch, dann würde mein Agent entscheiden, wohin ich sie schicke.
Aber vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich nicht mehr viel Science-Fiction lese. Ich nehme es in die Hand, dann lege ich es wieder weg. Vielleicht habe ich einfach eine Überdosis davon. Aber es scheint in letzter Zeit fast schon akademisch zu sein. Das Gleiche zu tun, nur mit mehr Schnickschnack, mehr Hardware, mehr Noir. Ich kann mich da auch völlig täuschen.
Margaret: Du hast vielleicht eine meiner Lieblingsbeschreibungen in einem Satz geprägt, was ein Anarchist ist: „Jemand, der sich entscheidet und die Verantwortung der Entscheidung akzeptiert.“ Würdest du dich selbst als Anarchist bezeichnen?
Ursula: Ich tue es nicht, weil mir das aktivistische Element völlig fehlt, und so wirkt es unecht oder zu einfach. Wie Weiße, die sagen, sie seien „zum Teil Cherokee“.
Margaret: Ich hoffe, es stört dich nicht, dass viele von uns behaupten, du gehörst zu uns, etwa so wie wir behaupten, Tolstoi gehöre zu uns. (Von ihm stammt, glaube ich, der Satz: „Die Anarchisten haben recht ... in allem, außer in ihrem Glauben, dass Anarchismus durch Revolution erreicht werden kann“, obwohl ich dieses Zitat nur gelesen habe und nicht seinen Originalaufsatz.)
Ursula: Natürlich stört mich das nicht! Ich bin gerührt und fühle mich unwürdig.
Margaret: Wie kamst du zum ersten Mal mit dem Anarchismus in Berührung?
Ursula: Als ich die Idee zu Die Enteigneten hatte, war die Geschichte, die ich skizzierte, völlig falsch, und ich musste herausfinden, worum es wirklich ging und was sie brauchte. Was sie brauchte, war zunächst etwa ein Jahr, in dem ich alle Utopien las, und dann ein oder zwei weitere Jahre, in denen ich alle anarchistischen Autoren las. Das war meine erste Berührung mit dem Anarchismus. Ich hatte Glück: In den Siebzigern war es schwierig, an solche Sachen heranzukommen – das ist der Schatten von Sacco und Vanzetti! –, aber es gab hier in Portland einen sehr linksgerichteten Buchladen, und wenn man ihn kennenlernte, ließ er einen seine schöne Sammlung aller alten anarchistischen Schriften und einiger neuerer Leute wie Bookchin sehen. So bekam ich eine gute Ausbildung.
Ich fühlte mich mit dem (pazifistischen, nicht gewalttätigen) Anarchismus völlig zu Hause, so wie ich es immer mit dem Taoismus war (sie sind verwandt, zumindest durch Affinität). Es ist die einzige Art des politischen Denkens, mit der ich mich zu Hause fühle. Heutzutage verbindet sie sich auch immer interessanter mit der Verhaltensbiologie und der Tierpsychologie (wie Kropotkin es vorausgesehen hatte).
Margaret: In mehreren Büchern, die ich gelesen oder gesehen habe – Überblicke über die Geschichte des Anarchismus –, wird die erste „anarchistische“ Literatur einem frühen taoistischen Denker zugeschrieben und der Aufsatz wird darin erwähnt, obwohl ich mich beim besten Willen nicht an den Titel oder den Autor erinnern kann. Ich finde die Verbindung jedoch recht interessant.
Ursula: Nun, Teile von Laotses Buch „Tao Te King“ und Teile von Chuang Tzus Buch, das meist nur nach ihm benannt ist, sind eindeutig und radikal anarchistisch (und Chuang Tzu ist auch witzig). Die beste Übersetzung stammt von Burton Watson. Ich habe eine Version von Lao Tzu verfasst, die den Anarchismus ziemlich deutlich hervorhebt, und es ist mir auch gelungen, die sexistische Sprache zu entfernen, was Spaß gemacht hat (und nicht allzu empörend war, da im Altchinesischen im Allgemeinen kein Geschlecht angegeben wird). Ich würde dir ein Exemplar schicken, aber ich habe keine mehr. Der Verlag ist Shambhala. Das sind die beiden großen Namen im „philosophischen“ Taoismus (d. h. nicht die taoistische Religion, die eine ganz andere Sache ist).
Margaret: Wann ist das Singular „they“ aus dem geschriebenen Englisch verschwunden? Es ist schön, diese Praxis verteidigen zu können.
Ursula: Grammatiker im 17. und 18. Jahrhundert, die versuchten, einen gemeinsamen Weg durch den wilden Dschungel des elisabethanischen Englisch zu finden, regelten viele Verwendungsweisen – einschließlich der Rechtschreibung – an sich keine schlechte Idee; aber sie bewunderten Latein so sehr, dass sie es als Vorbild verwendeten, anstatt zu schauen, wie Englisch einige dieser Probleme tatsächlich löste. „Der Leser“ oder ‚Eine Person‘ stimmt in der Zahl nicht mit ‚sie‘ überein, und im Lateinischen ist es wirklich notwendig, dass Subjekt und Verb in der Zahl übereinstimmen . . . also sagten sie, dass es im Englischen notwendig sei. (Tatsächlich ist das nicht immer der Fall, denn wir haben andere Möglichkeiten, die Bedeutung klar zu machen, wie die Wortstellung, die im Lateinischen fast irrelevant ist.) Umgangssprachliche Ausdrücke wie „he don't“ (was mein Vater, ein Professor, manchmal verwendete) wurden aus der Schriftsprache verbannt, ebenso wie das unbestimmte „they“, obwohl es bei Shakespeare vorkommt. Aber die Grammatiker konnten es nicht aus der gesprochenen Sprache verbannen. Dort ist es vollkommen lebendig und gut. „Wenn jemand sein Eis will, sollte er sich besser beeilen!“ Es braucht also keinen großen Ruck, um es einfach wieder in die Schriftsprache aufzunehmen.
Es ist schon komisch, dass die Leute, die sich am heftigsten über solche „Unkorrektheiten“ beschweren, sich fast immer als politisch weit rechts stehend und/oder sozial unsicher herausstellen.
Quelle: © Margaret Killjoy: My 2007 Interview With Ursula Le Guin, Birds Before the Storm, 23. Oktober 2024
Autorisierte Übersetzung: © Thomas Trueten / thomas@trueten.de
Blogkino: The Red House (1947)
Heute zeigen wir im Blogkino den Thriller "The Red House". Pete (Edward G. Robinson) und Ellen Morgan (Dame Judith Anderson) haben Meg (Allene Roberts) wie ihr eigenes Kind aufgezogen, seit ihre Eltern sie verlassen haben, als sie noch ein Baby war. Jetzt ist Meg ein Teenager und überredet ihren Freund Nath Storm (Lon McCallister), ihr bei der Arbeit auf der Farm zu helfen, da Pete mit seinem Holzbein nicht mehr so gut zurechtkommt. Als Nath darauf besteht, eine Abkürzung durch den Wald nach Hause zu nehmen, wird Pete unruhig und warnt ihn vor Schreien in der Nacht, die mit dem roten Haus verbunden sind. Neugierig geworden, ignorieren Meg und Nath seine Warnungen und beginnen zu forschen. Meg beginnt, sich in Nath zu verlieben, aber seine Freundin Tibby Rinton (Julie London) hat andere Pläne mit ihm.
Währenddessen kommen sie alle der echten Gefahr und dem dunklen Geheimnis des roten Hauses näher...
Währenddessen kommen sie alle der echten Gefahr und dem dunklen Geheimnis des roten Hauses näher...
Einladung des Zukunftsforums und des Metallertreffs zur Veranstaltung zur Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2024
Die erste Runde der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie fand statt. Allein in München demonstrierten zum Verhandlungsauftakt am 11. September 5000 Metallerinnen und Metaller, die größte Tarifaktion während der Friedenspflicht, die es in Bayern je gab. Erwartungsgemäß gab es keine Annäherung und kein Angebot seitens der Metallarbeitgeber-verbände.
Verhandlungsführer und stellvertretender Vorsitzender von Südwestmetall Harald Marquardt hat bereits Anfang Juni klar und deutlich die Richtung für die Tarifrunde vorgegeben: „Zu verteilen gibt es überhaupt nichts; die richtige Zahl wäre eine Null – und selbst die wäre noch zu hoch.“ Und er droht ganz unverhohlen mit Arbeitsplatzabbau, wenn die Löhne steigen: „Jedes Plus bei den Arbeitskosten erhöht den Druck auf die Arbeitsplätze“. Auch sonstige Reaktionen der Kapitalseite auf die Forderung der IG Metall von 7 % zeigen, dass es eine harte Tarifrunde werden wird: „überzogen“, „nicht situationsgerecht“, „völlig unrealistisch“. Unerwähnt blieb in allen Äußerungen, dass es seit 2018 Reallohnverluste von über 10 % gab, dass der Lohnkosten-anteil inzwischen auf rund 15 % gesunken ist, also die Erhöhung gerademal mit 1 % zu Buche schlagen würde und dass die Unternehmen, die jetzt über schwierige Zeiten klagen, dieses Jahr Milliarden an Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet und die Autobosse in den vergangenen zwei Jahren rund 130 Milliarden € Gewinn gemacht haben. Dank der Mehrwertproduktion der Beschäftigten, wohlgemerkt. Und jetzt sollen die Beschäftigten wieder einmal für die Krise bezahlen.
Die Kapitalseite schürt Angst vor De-Industrialisierung und Arbeitsplatzabbau. Damit wollen sie die Kampfkraft der IG Metall untergraben und gemeinsames Handeln schwächen.
Wir wollen mit euch diskutieren, wie in dieser schwierigen Situation mit massiven Ankündigungen von Arbeitsplatzabbau eine gute Tarifausein-andersetzung geführt werden kann.
• Wie können wir eine gute Mobilisierung auf die Beine stellen?
• Können wir die berechtigte Forderung, die eigentlich zu niedrig ist, voll durchsetzen, und zwar sowohl in der Höhe als auch bei der Laufzeit?
• Wie kann verhindert werden, dass die IG Metall unter dem großen Druck der Kapitalseite einknickt?
Mittwoch, 23. Oktober um 18 Uhr in Bad Cannstatt, Marktstraße 61 A in den Räumen von DidF
Verhandlungsführer und stellvertretender Vorsitzender von Südwestmetall Harald Marquardt hat bereits Anfang Juni klar und deutlich die Richtung für die Tarifrunde vorgegeben: „Zu verteilen gibt es überhaupt nichts; die richtige Zahl wäre eine Null – und selbst die wäre noch zu hoch.“ Und er droht ganz unverhohlen mit Arbeitsplatzabbau, wenn die Löhne steigen: „Jedes Plus bei den Arbeitskosten erhöht den Druck auf die Arbeitsplätze“. Auch sonstige Reaktionen der Kapitalseite auf die Forderung der IG Metall von 7 % zeigen, dass es eine harte Tarifrunde werden wird: „überzogen“, „nicht situationsgerecht“, „völlig unrealistisch“. Unerwähnt blieb in allen Äußerungen, dass es seit 2018 Reallohnverluste von über 10 % gab, dass der Lohnkosten-anteil inzwischen auf rund 15 % gesunken ist, also die Erhöhung gerademal mit 1 % zu Buche schlagen würde und dass die Unternehmen, die jetzt über schwierige Zeiten klagen, dieses Jahr Milliarden an Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet und die Autobosse in den vergangenen zwei Jahren rund 130 Milliarden € Gewinn gemacht haben. Dank der Mehrwertproduktion der Beschäftigten, wohlgemerkt. Und jetzt sollen die Beschäftigten wieder einmal für die Krise bezahlen.
Die Kapitalseite schürt Angst vor De-Industrialisierung und Arbeitsplatzabbau. Damit wollen sie die Kampfkraft der IG Metall untergraben und gemeinsames Handeln schwächen.
Wir wollen mit euch diskutieren, wie in dieser schwierigen Situation mit massiven Ankündigungen von Arbeitsplatzabbau eine gute Tarifausein-andersetzung geführt werden kann.
• Wie können wir eine gute Mobilisierung auf die Beine stellen?
• Können wir die berechtigte Forderung, die eigentlich zu niedrig ist, voll durchsetzen, und zwar sowohl in der Höhe als auch bei der Laufzeit?
• Wie kann verhindert werden, dass die IG Metall unter dem großen Druck der Kapitalseite einknickt?
Mittwoch, 23. Oktober um 18 Uhr in Bad Cannstatt, Marktstraße 61 A in den Räumen von DidF










