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»Die Flut sagte zum Fischer: Für das Toben meiner Wellen gibt es viele Gründe. Der wichtigste davon ist, dass ich für die Freiheit der Fische und gegen das Netz bin.« Sherko Bekas

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Une Jeunesse Allemande - Eine deutsche Jugend“

Der Flyer zum Film zeigt eine Szene aus dem Film, in der ein Darsteller mit der Pistole in die Kamera zielt. Darunter ein Bild eines Polizeieinsatzes. Ergänzt werden die Fotos durch Angaben zum Film und der Vorführung aus dem Textbeitrag
Flyer zum Film (Vorderseite)
"Wir stürmen und werden Soldaten des revolutionären Krieges oder wir werden wieder Bürger und antikommunistische Schweine."

Dokumentation 2015, Jean-Gabriel Pèriot, 93 Min., dt./frz. OmU
Sonntag 21. Juni 2026, 19 Uhr


In den 1960ern durchlebte die Bundesrepublik Deutschland eine ihrer radikalsten und kritischsten Phasen. Zehntausende gingen auf die Straße, um gegen Kapitalismus und Staat aufzubegehren.

„Une Jeunesse Allemande - Eine deutsche Jugend“ wirft einen Blick von außen auf die BRD und ist sehenswert, weil er die Notwendigkeit der 68er dokumentiert, eine Auseinandersetzung mit der Kriegsgeneration zu forcieren um sozialistische Verhältnisse in der BRD zu erkämpfen:

Ende der 1960er lehnte sich die Nachkriegsgeneration in der Bundesrepublik gegen ihre Eltern auf. Sie war desillusioniert von den antikommunistischen, kapitalistischen Staatsstrukturen, in denen die Elite des tausendjährigen Reichs, umetikettiert zu Demokraten, ihre Verbrechen unter den Teppich gekehrt hatte.

Periot schneidet die Positionen kunstvoll gegeneinander zu einem vielstimmigen Kaleidoskop. Darunter zahlreiche Filmzitate von Fassbinder in „Deutschland im Herbst" über Antonionis „Zabriskie Point” bis hin zu Studentenfilmen von Holger Meins und Reportagen von Ulrike Meinhof, die seitdem nie wieder gezeigt wurden.

Der Filmemacher stellt Staat und bewaffneten Widerstand der 1970er und 1980er Jahre, Gewalt und Geschichte, Radikalisierung und die Reaktionen der Gesellschaft darauf einander kommentarlos gebenüber und erteilt auch Filmemacher jener Jahre das Wort.

„Mit meinem Film hole ich die Bilder der Vergangenheit in unsere Gegenwart und organisiere sie neu zu einer subjektiven Montage. Dabei interessiert mich das, was über die offensichtliche Botschaft der Bilder und Töne hinausgeht. Die Widersprüche und die besondere Präsenz des Materials - wie es mich bewegt und verstört.“ Jean-Gabriel Pèriot

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + Us samariterstraße + S frankfurter allee


Berlin: Feministischer 1. Mai 2026

Das Foto von © kinkalitzken zeigt das Fronttransparent mit dem Text: "Täter, Krieg, Kapital - Widerstand unsere Wahl",, rechts vom Text eine Weiße Taube
Foto: © kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Rund 1.500 Menschen nahmen sich am 1. Mai 2026 die Straßen von Berlin-Charlottenburg, um gegen Patriarchat, Kapitalismus, Faschismus und Imperialismus zu protestieren.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

In den Vorjahren stellten die Veranstalter*innen einen feministischen Block bei der „revolutionären“ 1. Mai-Demonstration Berlin. Die eigenständige feministische Demonstration um 13:12 Uhr wollte keine Konkurrenz zum Abendprogramm darstellen, sondern insbesondere mit Blick Awareness-Strukturen und Umgang mit Täterschutz-Vorwürfen einen Raum für klassenbewussten Feminismus schaffen.

Heraus, Geschwister, zum feministischen ersten Mai! Steigende Preise im Super- und Wohnungsmarkt, ein zerspartes Gesundheitssystem, Krieg in Europa, Nahost und Ostafrika, Wiedereinführung der Wehrpflicht. Eine Krise scheint auf die nächste zu folgen, und wir sind mittendrin. Was ist das für ein Leben, wo wir nie sicher sind, uns auf jeglichen Ebenen Gewalt wiederfährt oder droht? Gewalt, die sich in Kriegen manifestiert, die uns in schlecht bezahlten Berufen ausbeutet, die uns von der Straße prügeln und einsperren will. Vor der wir nicht einmal Zuhause sicher sind. Auch in unseren eigenen Strukturen sind wir oft patriarchalen Mechanismen ausgesetzt.

Scheiß auf Eure Blumen, leere Versprechungen und Girl-Boss-Feminismus. Wir verlangen Veränderung. Wir werden weiterhin patriarchale Strukturen aufbrechen und bekämpfen.
Kein Klassenkampf ohne Feminismus, kein Feminismus ohne Klassenkampf!“

(Aufruf zur Demo)

Links

Brick Pride oder: Ich bin froh, so zu sein, wie ich bin

Das Foto von Andrew Lister zeigt einen Hohlziegel mit 3 Löchern auf einem Holzfußboden
Ein Ziegel allein...
Jeder hasst einen Ziegelstein – bis es darum geht, ein Haus zu bauen oder Polizisten damit zu bewerfen. In der Sub-Subkultur, in der ich als trans-anarchistischer Punk lebe, gibt es ein Wort, das oft verwendet wird, um Transfrauen zu beschreiben, die nicht besonders gut als Frauen durchgehen. „Brick.“

Es stammt aus der Ballroom-Kultur, soweit ich das beurteilen kann, aus den 70er- und 80er-Jahren in New York City, von den Street Queens, die eine Tanzkultur aufgebaut haben, wie sie die Welt noch nie gesehen hatte. Es ist ein so seltener Slangbegriff, dass er noch nicht einmal im Urban Dictionary auftaucht, aber in meinem Leben ist er durchaus geläufig.

Ein Brick ist „clocky“. Wir können entlarvt werden. Die Leute sehen uns an und wissen, dass wir bei der Geburt als männlich zugewiesen wurden. Vielleicht haben wir breite Schultern, vielleicht sind wir groß. Vielleicht haben wir keine Stimmbildung gemacht. Vielleicht können wir uns keine Elektrolyse leisten. Vielleicht nehmen wir keine Hormone. Vielleicht haben wir alles getan und sind trotzdem noch „clocky“. Vielleicht sind wir einfach dumm wie ein Ziegelstein.

Es ist kein nettes Wort, zumindest ursprünglich nicht. Es ist kein Wort, das man aus Höflichkeit sagt. Ich habe noch keine Aufkleber oder T-Shirts gesehen, auf denen „Bewaffnet die Ziegelsteine“ oder „Schützt die Ziegelsteine“ steht. (Wir sind bereits bewaffnet und wir schützen uns selbst.)

Vielleicht will ich keine Dichotomie zwischen den Puppen (die als Frauen durchgehen oder dem nahekommen) und den Ziegelsteinen (die das nicht tun und es vielleicht nie tun werden) aufstellen. Vielleicht dürfen wir alle auch „Puppen“ sein. Ich weiß es nicht. Aber in dieser winzigen, winzigen Szene, in der ich mich befinde, ist die Zweiteilung bereits vorhanden. Niemand hat mich jemals eine Puppe genannt.

Und weißt du was? Das ist in Ordnung.

Ich bin ein Ziegelstein. Ich bin aus Erde gemacht. Ich bin schwer, selten verziert, stark und nützlich.

Das Foto von  Kim Traynor zeigt eine Mauer aus Ziegelsteinen
... kommt selten allein

Quelle: Bricks in Buccleuch Street, Edinburgh by Kim Traynor
Lizenz: CC BY-SA 2.0

Mit Ziegelsteinen kann man eine Mauer bauen und alles schützen, was man liebt. Mit Ziegelsteinen kann man ein Haus bauen, das Jahrhunderten von Wind und Regen standhält. Der moderne LGBT-Stolz begann, als die Polizei das Stonewall Inn in New York City stürmte und (die Details sind hier wahrscheinlich apokryph) eine Transfrau den ersten Ziegelstein auf die Polizisten warf.

Die beiden am häufigsten genannten Anwärterinnen für „warf den ersten Ziegelstein“ sind Marsha P. Johnson, eine schwarze Frau, und Slyvia Rivera, die aus Puerto Rico stammte. Ich möchte nicht in die Vergangenheit reisen und unsere modernen Slang-Begriffe auf sie anwenden. Ich möchte sie nicht in die eine oder andere Schublade stecken. Aber der moderne Pride begann, als jemand einen Ziegelstein auf die Polizisten warf. Wie könnte ich „Ziegelstein“ denn als Beleidigung auffassen?

Die Schönheitsideale für Frauen tun niemandem gut, weder Cis- noch Trans-Personen. Egal, welche Figur du hast, welche Größe du hast, du wirst es nie richtig machen.

Ich habe das Glück, aus einer Linie von Punk-Mädchen und -Frauen zu stammen, die sich sowohl an Schönheitsidealen ergötzten als auch gegen sie rebellierten. Von Menschen, die sich nie rasierten. Von Leuten, die abgeschnittene Jeans trugen, die ihre Dehnungsstreifen und Bäuche zeigten. Von Rebellen, die sowohl Make-up trugen als auch nicht, die aber mit den Besten von ihnen ins Mikrofon schrien und Flaschen auf Nazis warfen.

Erinnerungstafel an die Riots am Stonewall Inn
Foto: Grace Mahony
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die ersten Transfrauen, die ich kannte, waren schlaksig und groß und nicht passend und wunderschön. Tattoos schienen genauso Teil ihrer Transition zu sein wie alle Operationen, die sie hatten oder nicht hatten, oder Hormone, die sie nahmen oder nicht nahmen. Sie waren Anarchistinnen, reisten per Anhalter und Güterzug durch das Land, lebten im Freien, organisierten, protestierten, randalierten, klauten in Läden, feierten und führten wilde queere Leben. Sie nannten sich selbst Trannies, und niemand sonst darf sie so nennen, aber sie durften und dürfen sich verdammt noch mal selbst so nennen.

Sie sangen mit lauten Stimmen. Sie schrien die Polizei mit lauten Stimmen nieder. Sie machten sich nicht klein. Genauso wenig wie die Cis-Frauen in unserer Szene (einer Szene, die das Wort „cis“ noch gar nicht kannte). Ob Femme oder Butch (eine Dichotomie, die sich noch nicht in uns durchgesetzt hatte) – die anarchistischen Punk-Frauen, die ich kannte und kenne, machten sich nicht klein. Sie traten in nichts in den Hintergrund.

Sie waren und sind wunderschön. Jeder wusste das und weiß es.

Ich könnte dir nicht sagen, was es bedeutet, eine Frau zu sein, aber ich kann dir sagen, dass es nicht bedeutet, sich in irgendeine Schachtel, irgendeinen Käfig zu zwängen, der für uns gebaut wurde. Ich hatte schon immer Angst davor, eine Transfrau zu werden, schon seit ich ein Kind war. Ich hatte schreckliche Angst vor meiner eigenen Weiblichkeit und ich hatte schreckliche Angst davor, als eine dieser traurigen Frauen in den Freakshow-Dokumentationen der 90er zu enden. Keine der Frauen in diesen Sendungen kam auch nur ansatzweise durch, und sie waren Objekte des Spottes. Sie wurden nicht als Frauen gezeigt, sondern als Männer, die sich als Frauen verkleidet hatten. Sie wurden als hässlich dargestellt. Die Spielfilme waren noch schlimmer: Wir waren nicht nur hässlich, wir waren monströs.

Wenn ich eine Transfrau würde, würde ich hässlich werden. Vielleicht sogar monströs.

Die Leute sagten mir das ganz offen. Ein Freund, der dachte, er täte mir einen Gefallen, sagte mir: „Du solltest dich nicht outen, denn du bist ein heißer Typ, aber du würdest eine hässliche Frau abgeben.“

Ich habe mich trotzdem geoutet, nach dem Ghost-Ship-Brand in Oakland, bei dem eine Transfrau namens Feral zusammen mit 35 anderen Menschen ums Leben kam. Ich war am anderen Ende des Landes, aber das war meine Szene. Ich hätte in diesem Feuer sein können, und ich hätte als Mann sterben können. Ich würde lieber als Monster in Erinnerung bleiben als als Mann.

Ich habe mich trotzdem geoutet und mir gesagt, dass ich nicht einmal versuchen würde, mich als Mann auszugeben, und daran habe ich festgehalten. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon seit fünfzehn Jahren Punk, und auf keinen Fall würde ich anfangen, mich nur um meiner Sicherheit willen zu verstecken. Es ist keine Schande, als Transfrau „entlarvt“ zu werden, denn das ist es, was ich bin. Wenn die Leute mich hässlich finden, ist das ihre Schuld, ihr Problem.

Ich verdanke den Frauen viel, die sich in diesen Dokumentarfilmen gezeigt haben, die so unverschämt waren, dass sie sich von der ganzen Welt auslachen ließen. Sie waren wunderschön, und es ist mir peinlich, dass ich so lange gebraucht habe, das zu erkennen. Lasst uns alle so ehrlich und ohne Scham leben. Ich fürchte, ich verfestige hier eine Dichotomie zwischen „Bricks“ und „Dolls“, zwischen „Butch“ und „Femme“. Das ist nicht meine Absicht. Wir alle bewegen uns durch die Welt mit unseren eigenen Geschlechtererfahrungen, unseren eigenen Körpern, unseren Wegen, sicher zu bleiben und (wenn wir wollen) die schönste Version von uns selbst zu werden, die wir sein können.

Es gibt hier eigentlich keine Trennlinie. Es gibt nicht nur einen Weg, trans-femme zu sein. Brick-Pride ist keine Brick-Vorherrschaft, und es sollte verdammt noch mal besser keine Femmephobie sein.

Aber die Gesellschaft sagt mir, ich solle mich schämen, so zu sein, wie ich bin, und das tue ich nicht. Ich bin ein Brick. Ob aufgedonnert oder leger gekleidet, ich bin immer noch ein Brick.

Ich gebe mich dem dieser Tage hin. Gewichte zu stemmen fühlt sich genauso geschlechtsbejahend an wie ein Kleid und ein Schal. Wenn ich ein bauchfreies Top trage, sehe ich eher aus wie ein schwuler Mann aus den 1980ern als wie ein Raver-Girl aus den 1990ern, und das ist okay. Ich weiß, wer ich bin. Wenn es ein passenderes Etikett für mich gibt (und ich bin skeptisch), dann ist es „langhaarige Butch“. Ich mag meinen Truck. Ich repariere gerne Sachen. Ich sorge gerne für die Sicherheit anderer. Ich mag auch meine langen Haare.

Ich muss niemandem etwas beweisen.

An die Ziegelsteine, die vor mir kamen, an die Ziegelsteine, die nach mir kommen, sage ich: Lasst uns gemeinsam eine Mauer bauen. Lasst uns ein Haus bauen. Außerdem können unsere Bewunderer behaupten, in der Maurergewerkschaft zu sein, und das ist auch cool.

Quelle: "Brick Pride or: I'm happy to be what I am", 06. Mai 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

USA - Zwangssterilisation hinter Gittern

In Kaliforniens größtem Frauengefängnis werden Frauen jahrelang ohne ihre Zustimmung sterilisiert. Besonders oft betroffen: Women of Color. Eine Betroffene und eine Anwältin brechen das Schweigen, sammeln Beweise und konfrontieren die Verantwortlichen. Der Film zeigt, wie hartnäckig sich eugenische Denkmuster bis heute halten, und begleitet die Frauen bei ihrem mühsamen Kampf für Gerechtigkeit.

Unsere Sichtbarkeit ist irgendwie eine Bedrohung für die Macht oder: zum Trans Day of Visibility

Es ist Trans Day of Visibility und wie immer wünschte ich mir, ich müsste mich nicht darum kümmern, trans zu sein.

Du da, hypothetischer Cis-Leser, hast du es satt, in den Nachrichten ständig von Trans-Scheiße zu hören?

Ich auch, wir alle.

Es ist der Trans Day of Visibility, aber es ist auch der Trans Day of Have To Go To Work Anyway, oder der Trans Day of Who The Fuck is Hiring, oder der Trans Day of How Are We Going to Support All These Queers Who Are Internally Displaced Refugees Here in the States.

Früher trug ich einen selbstgemachten Anstecker, auf dem stand „Ich will wahrscheinlich nicht mit dir über Gender reden“, weil Gender auf meiner persönlichen Prioritätenliste ganz unten steht. Ich bezeichne mich selbst mit den Pronomen „ich/mich/mein“ und das einzige geschlechtsspezifische Wort, das mir persönlich wichtig ist, ist, dass ich Rintrahs Mama bin. Und ihm ist Gender egal, und er pinkelt mit allen vier Pfoten auf dem Boden.

Ich schreibe selten über Trans-Themen, und das liegt nicht daran, dass ich mich selbst hasse, sondern daran, dass mich Gender irgendwie langweilt. Der einzige Grund, warum es mich interessiert, ist, dass die Gesellschaft sich einfach so sehr dafür interessiert. Ich verspreche dir: Meine Gedanken zur Dekolonialisierung und zur Abschaffung von Staat und Kapitalismus stellen eine viel größere Herausforderung für den Status quo dar als die Tatsache, dass ich manchmal Kleider trage, obwohl ich nicht „passiere“.

Zumindest läuft das in meinem Kopf so ab. Aber irgendwie stellt meine bloße Existenz – und die Existenz von etwa der Hälfte der Menschen, die ich kenne – eine grundlegende, existenzielle Bedrohung für die Gesellschaft dar. Unser Modegeschmack ist schlecht, aber so schlimm ist es doch sicher nicht.

Die Sache ist die: Auf individueller Ebene interessiert es niemanden sonst auch nur im Geringsten, dass ich trans bin.

Einmal, im ländlichen West Virginia, erzählte ich dem Klärgrubenreiniger, dass ich eine Transfrau bin, während wir uns unterhielten, als er jahrzehntelang angesammelten Dreck aus der Grube unter meinem Haus entfernte.

„Oh, also bist du sozusagen eine Tussi, wenn du rausgehst?“

„Klar“, sagte ich, weil ich nie besonders Lust hatte, über Details zu streiten.

Er dachte eine Weile darüber nach. Er war vor allem neugierig. Statistisch gesehen, basierend auf dem Landkreis, in dem wir lebten, hatte er entweder für Trump gestimmt oder gar nicht gewählt.

„Was ist mit Frauensport?“, fragte er. „Was denken die Leute in der Trans-Community über dieses Thema?“ Wieder war er neugierig.

„Das ist so eine Art Streitpunkt, eine Kleinigkeit, die sie nutzen können, um alle gegen uns aufzubringen.“

„Das leuchtet ein“, sagte er.

Später, nachdem ich bezahlt hatte und von seinem Truck weggegangen war, rief er mich zurück. Er hatte noch eine letzte Frage an mich.

„Moment, also deine Freundin [ich hatte ihm erzählt, dass ich mit jemandem zusammen bin], weiß sie, dass du eine Frau bist?“

„Ja.“

„Also seid ihr so was wie Lesben?“

„Ja.“

„Cool, meine Cousine ist lesbisch.“

Und er fuhr davon.

Manchen Leuten mag das wichtig sein, aber den meisten nicht. Es sind die Strukturen, denen es wichtig ist, die wollen, dass es allen anderen wichtig ist.

Geschlecht (das soziale Konstrukt, nicht nur das biologische Geschlecht) scheint so alt zu sein wie die menschliche Gesellschaft, aber jede Gesellschaft scheint es zumindest etwas anders behandelt zu haben. Und was wichtig ist: Die meisten Gesellschaften haben historisch gesehen Raum für Abweichungen innerhalb der jeweiligen Geschlechtsstruktur geboten. „Männer“, die als Frauen lebten, „Frauen“, die als Männer lebten, oder Menschen, die in anerkannten dritten, vierten oder fünften Geschlechterrollen lebten.

Entscheidend ist, dass die meisten Gesellschaften in der Geschichte nicht über das soziale Konstrukt verfügten, das wir Staat nennen, und soweit ich das beurteilen kann, stützten sich die meisten Gesellschaften eher auf das, was wir als „Richtlinien“ bezeichnen könnten, als auf „Gesetze“.

Ich glaube, das trifft den Kern der grundlegenden Bedrohung, die wir für den Faschismus und für autoritäre Strukturen im weiteren Sinne darstellen. Autoritarismus stützt sich auf Klassifizierung und Schichtung, auf strenge soziale Ordnung. Und doch bin ich hier und sage nicht nur jedem auf der Welt, dass ich ein Mädchen bin, sondern bringe alle dazu, mir entweder zu glauben oder höflich zu akzeptieren, dass ich die Welt anders sehe als sie.

Denn letztendlich verstehen die meisten Menschen, dass wir alle die Welt unterschiedlich sehen. Die meisten Menschen verstehen im Grunde genommen Multikulturalismus, dass unsere Art, Dinge zu tun, nicht die einzige Art ist, Dinge zu tun.

Meine Großtante, die katholische Nonne, hatte einen muslimischen Gebetsteppich in ihrer Zelle im Kloster. Ich fragte sie danach, und sie sagte mir, er solle sie daran erinnern, dass jeder auf seine eigene Weise nach Gott sucht. Sie widmete ihr Leben einer bestimmten Institution und deren Theologie und deren Art, Dinge zu tun, aber sie verstand Flexibilität. Das tun wir alle.

Genau dieses Verständnis wollen die Faschisten zerstören. Der autoritäre Drang sieht nur einen einzigen Weg, Dinge zu tun.

In meinen Augen erscheint es albern, aus Transsein eine große Sache zu machen. Um es noch einmal zu betonen: Mein Transsein ist nicht einmal für mich eine große Sache, und ich lebe schon seit fast einem Jahrzehnt offen damit. Es erscheint absurd, sich vorzustellen, dass wir eine Bedrohung für die Macht sind.

Aber das sind wir.

Unser albernes queeres Leben und unser albernes queeres Drama und unser endloses Streiten über Terminologie – all das ist grundsätzlich unvereinbar mit Autoritarismus, weil es im Grunde eine Erklärung ist, dass wir uns entweder jeglicher Klassifizierung entziehen (meine Vorliebe) oder dass wir zumindest diese Klassifizierung untereinander selbst bestimmen dürfen. Der Staat will derjenige sein, der entscheidet, wer von uns gültig ist. Er will uns das nicht in gehässigen Instagram-Reels selbst ausdiskutieren lassen.

Das Foto zeigt Margaret Killjoy im Auto und ihren Hund Rintrah, der ihr über die Schulter schaut
Selfie mit Rintah
Es ist Trans-Sichtbarkeitstag, und ich glaube, ich bin nicht sichtbar trans, aber die meisten meiner Freunde lachen, wenn ich das sage. Ich kann einen großen Truck fahren und so viel Carhartt tragen, wie ich will, aber ich schätze, die Einordnung für mich lautet „langhaarige Butch“, und das ist für jeden sichtbar, der auch nur ein bisschen Gaydar hat.

(Ich nehme an, das Rückenaufnäher von Willem Arondeus mit dem Zitat „Es sei bekannt, dass Homosexuelle keine Feiglinge sind“ hilft da nicht gerade).

Vielleicht sollte ich anfangen, mich für Transsein zu interessieren, vielleicht ist das die Lektion für mich. Der faschistische Staat sagt mir ständig, dass mein Geschlecht eine existenzielle Bedrohung für ihn darstellt, und vielleicht sollte ich darauf hören.

Ich hätte schwören können, dass es mein Wunsch war, die Gesellschaft von unten nach oben statt von oben nach unten neu zu organisieren, aber vielleicht ist das ganze Gerede darüber, „wer wirklich die Macht hat, wenn es Bottoms und Tops gibt“, sowieso verdammt queer.

So oder so, frohen Trans-Sichtbarkeitstag. Passt aufeinander auf und hört auf, über Blödsinn zu streiten. Der Staat will uns tot sehen, und ich will, dass wir leben. Nichts ist schöner als das Älterwerden. Also lasst uns das alle gemeinsam tun. Lasst uns Älteste werden, bevor wir zu Vorfahren werden.

Allgemeine Nachrichten


Aus der Bewegungsszene: Der Anti-ICE-Aktivist Trenten Barker wurde wegen „Brandstiftung“ zu 18 Monaten Haft verurteilt (er warf während einer Demonstration eine Leuchtfackel auf Schutt, der vor einem Metallzaun außerhalb einer ICE-Einrichtung aufgestapelt war). Er sammelt Geld für Anwaltskosten und um seiner Familie zu helfen, während er im Gefängnis ist.

Idris Robinson, ein Philosophieprofessor aus Texas, wurde wegen eines Vortrags entlassen, den er auf der Anarchist Book Fair in North Carolina über Palästina gehalten hatte. Ich werde sein Buch bestellen.

Der anarchistische Trans-Häftling Marius Mason wird am 4. Mai in eine Resozialisierungseinrichtung entlassen, nachdem er wegen seiner Rolle in der Earth Liberation Front etwa 17 Jahre hinter Gittern verbracht hat. Ich verspreche dir: Wenn es in zweihundert Jahren noch Menschen gibt, wird über die Earth Liberation Front geschrieben werden als über einige der wenigen Menschen aus den frühen 2000er Jahren, die tatsächlich versucht haben, etwas zu tun.

Quelle: "Our Visibility is Somehow a Threat to Power or: on Trans Day of Visibility", 31. März 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

8. März - Feministischer Kampftag 2026

Das Foto von © Kinkalitzken zeigt das Fronttransparent mit dem Text "feministisch solidarisch gewerkschaftlich - Für eine feministische und antifaschistische Zukunft!" das von einem bunt gewürfelten Haufen Frauen* getragen wird. Dahinter weitere Transparente und Plakate.
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Rund 30.000 Menschen zogen unter dem Motto „feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“ zum feministischen Kampftag am 8.3.2026 von Berlin-Kreuzberg nach Mitte, um für eine feministische und antifaschistische Zukunft zu protestieren.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Demonstration eines breiten Bündnisses aus feministischen und stadtpolitischen Initiativen, Gewerkschaften und Verbänden richtete sich gegen Antifeminismus, Rechtsruck, Rassismus und Antisemitismus sowie gegen die zunehmende Gewalt an Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans* und agender Menschen (FLINTA*), die sich in gesellschaftlichen Debatten ebenso wie in konkreten Angriffen und Bedrohungen niederschlägt.

Mit Blick auf die wachsende Zustimmung zur AfD warnte das Bündnis vor einer weiteren Normalisierung antifeministischer und queerfeindlicher Positionen im öffentlichen Diskurs und stellte sich klar gegen Spaltung, Ausgrenzung und Hass. International erklärte es sich solidarisch mit feministischen Bewegungen weltweit und fordert Investitionen in soziale Sicherheit und Friedenspolitik statt weiterer Aufrüstung.
„Das gute Leben für alle ist möglich – wenn wir es gemeinsam erkämpfen. Ob für sexuelle Selbstbestimmung oder Löhne, die für ein gutes Leben reichen. Unsere Alternative heißt Solidarität!“

(aus dem Aufruf)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

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