trueten.de

»Ich sehe nicht ein, warum ich, der Einfalt Anderer wegen, Respekt vor Lug und Trug haben sollte.« Arthur Schopenhauer

Regierungen rufen zur Katastrophenvorsorge auf – wie besorgt sollten wir sein?

Ein Freund von mir hat mir neulich eine SMS mit einer Frage zum Thema „Prepping“ geschickt. Ich liebe es, wenn Freunde mir Fragen zum Thema „Prepping“ stellen. Er fragte mich im Grunde: „Sollte ich mich jetzt mit Kreditkartenschulden belasten, um Lebensmittel und Wasser zu horten? Ich habe nicht viel Geld, aber die Lage sieht echt düster aus.“ Dieser Freund hat mehrere Kinder, die noch zu Hause wohnen und um die er sich kümmern muss, und lebt tief im roten Bereich der Karte.

Ich hab ihm gesagt: „Nein.“ Ich hab ihm erklärt, dass es ein guter Zeitpunkt ist, sich vorzubereiten, aber dass man dafür nicht seine Zukunft verpfänden sollte. Ich hab ihm geraten, wenn möglich, bei jedem Einkauf im Laden 5 bis 10 Dollar extra für haltbare Lebensmittel auszugeben.

Aber es gibt definitiv einen Anstieg bei der Vorsorge, was gut ist, und einen Anstieg der Angst, was nicht gut ist.

In den letzten Wochen haben Regierungen weltweit neue Leitlinien für ihre Bürger veröffentlicht, wie sie sich auf Katastrophen vorbereiten sollen. Das Vereinigte Königreich riet seinen Bürgern, Vorräte für drei Tage zu Hause zu haben. Japan bereitet die Gründung einer neuen Nationalen Katastrophenschutzbehörde vor. Die EU beschäftigt sich dank der russischen Invasion schon seit Jahren damit. Ein ehemaliger FBI-Mitarbeiter ist in den Nachrichten, weil er davon spricht, dass alle ausflippen und zu „Preppern“ werden sollten (auf eine sehr altmodische und wenig hilfreiche Art und Weise: „Leg dir deinen eigenen Vorrat an und misstraue allen anderen“). Und natürlich haben die USA kürzlich „FORTRESS“ angekündigt, einen Plan, um Militärstützpunkte so vorzubereiten, dass sie 90 Tage lang ohne externe Stromversorgung auskommen. Und Großbritannien hat drei seiner vier Atom-Abschreckungs-U-Boote auf See, was sonst selten vorkommt.

Und natürlich stehen Wahlen bevor. Es stehen immer Wahlen bevor.

All das zusammen bringt bestimmte Teile des Internets in Aufruhr: Wissen die Regierungen etwas, was wir nicht wissen? Steht etwas Schreckliches bevor? Aber die Sache ist die … das ist verschwörungstheoretisches Denken, und verschwörungstheoretisches Denken hat selten recht (ist aber meistens rechtsgerichtet). Die Sache mit den Atom-U-Booten? Das kommt manchmal vor. Das letzte Mal war vor sieben Jahren. Es ist wahrscheinlich kein Omen.

Mit ziemlicher Sicherheit steckt nichts Unheilvolles dahinter. Wahrscheinlich reagieren die Regierungen schlicht – und aus gutem Grund – auf die allgegenwärtige Mehrfachkrise: die Kriege im Iran und in der Ukraine, die sich auf die weltweite Energie- und Nahrungsmittelversorgung auswirken; die ständigen Katastrophen infolge von El Niño und der globalen Erwärmung; den „Schwarzen Oktober“ und die Erkenntnis, dass künstliche Intelligenz die Cyberkriegsführung möglicherweise ebenso grundlegend verändern könnte wie die Atombombe die konventionelle Kriegsführung.

Das heißt: Es sind eine Menge bedrohlicher Dinge. Es sind nur bedrohliche Dinge, von denen wir bereits wussten.

Es ist ein wirklich guter Zeitpunkt, sich vorzubereiten. Die Lage wird sich wahrscheinlich noch eine Weile weiter verschlechtern. Unser El-Niño-Winter wird ein seltsamer werden, und aktuelle Vorhersagen sagen viel Schnee im Westen voraus, weniger als üblich im Norden und im Mittleren Westen, wobei die Stürme insgesamt weiter nach Süden ziehen als gewöhnlich. Die Dieselkrise ist real und verschärft sich, und die Folgewirkungen von Trumps Krieg gegen den Iran werden noch jahrelang zu spüren sein.

Dann ist da noch die Bedrohung durch KI-Hacker. Ich halte die Ängste vor einer „außer Kontrolle geratenen KI, die die Welt zerstört“ für übertrieben, aber soweit ich das beurteilen kann, hat KI als Werkzeug die Funktionsweise der Computersicherheit grundlegend verändert. Leute aus dem Bereich Computersicherheit scheinen ziemlich ernsthaft erschüttert zu sein von der Fähigkeit der KI, Schwachstellen in Netzwerken aufzudecken, und ich höre von Freunden immer wieder Anekdoten über Cyberangriffe überall. Und natürlich wurden bei dem gestrigen Hack von Binance 6,3 Milliarden Dollar gestohlen – der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte. Was wird passieren, wenn als Nächstes das normale Bankwesen ins Visier gerät?

Was ich damit sagen will, ist wohl Folgendes: Macht euch keine Sorgen darüber, dass im Verborgenen irgendwelche dunklen Machenschaften im Gange sein könnten. Macht euch lieber Gedanken über all die schlimmen Dinge, die ganz offen vor unseren Augen geschehen. Es ist gut, dass Regierungen ihre Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigen, sich auf Krisen und Katastrophen vorzubereiten. Denn je selbstverständlicher und verbreiteter eine solche Vorsorge ist, desto besser sind wir alle in der Lage, in Krisenzeiten zusammenzuarbeiten und einander zu unterstützen.

Die Leute werden dir sagen, du sollst Angst haben, dass „die Gesellschaft nur neun Mahlzeiten von der Anarchie entfernt ist“. Aber ich biete dir die hoffnungsvolle Kehrseite an: „Die Gesellschaft ist nur neun Mahlzeiten von der Anarchie entfernt.“ Als der Westen von North Carolina von einem Hurrikan heimgesucht wurde, kamen alle zusammen und halfen sich gegenseitig – Anarchisten, soziale Bewegungen, Kirchen und, nun ja, einfach alle. Ich fuhr hin und brachte meinen kaputten Generator zu einer spontanen Gruppe von Kleinmotoren-Mechanikern, die sich hinter der anarchistischen Buchhandlung niedergelassen hatten, um Generatoren zu reparieren und zu verteilen.

Und ich bin im Herzen ein Mädchen vom Land, daher sage ich es nur ungern, aber: Die Stadt war während dieser speziellen Katastrophe besser dran als das Land. Es gibt jede Menge Klischees darüber, dass Stadtmenschen nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, und dass Landleute selbstständiger sind, aber die Sache ist die: Menschen sind die wichtigste Ressource, auf die man in einer Krise zurückgreifen kann.

Ich stand in einer Reihe von Freiwilligen vor dem Lebensmittelladen, während die Angestellten die Tiefkühltruhe öffneten und die Lebensmittel verteilten, und es waren die Leute, die mit mir absprachen, wohin das alles gebracht werden sollte. Es waren die Leute, die sich selbst organisiert (aber organisiert) hatten und aus den Bergen zu den nächsten Tankstellen fuhren, um Benzinkanister zu füllen, damit all die Pick-ups, die Wasser auslieferten, betankt blieben.

Obwohl Asheville vielleicht ein seltsames Beispiel ist, weil es eine Stadt ist, die in eine ländliche Kultur eingebettet ist. Vielleicht zeigt das, was dort passiert ist, die Stärke der Zusammenarbeit zwischen Stadt- und Landbewohnern, die ihre Ideen, Fähigkeiten und Lösungsansätze zusammenbringen, um etwas Schönes zu schaffen.

Vielleicht ist das die eigentliche Lektion hier.

Vielleicht lautet die Lektion: Was auch immer auf uns zukommt, wir sitzen alle im selben Boot.

 

Quelle: "Governments Are Telling Their Citizens to Get Ready for Disaster or: how much should we worry?" von Margaret Killjoy, 30. Oktober 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Gen Z regelt und Gen Z hat genug

Bei der „Gen Z“-Demonstration stehen zahlreiche überwiegend junge Menschen dicht gedrängt beieinander. Im Vordergrund halten zwei Demonstrierende große, handbeschriftete Pappschilder hoch. Auf dem linken steht in schwarzen und roten Großbuchstaben: „Wir fragen, warum Frauen keine Kinder bekommen, statt warum Mütter nachts nicht schlafen können.“ Das rechte Schild trägt die Aufschrift: „Ich brauch dringend Therapie, doch niemand gibt mir ein’ Termin.“ Das Wort „Therapie“ ist rot hervorgehoben. Zwischen den Schildern lächelt eine junge Frau mit langen dunklen Haaren in die Kamera. Die Demonstrierenden tragen warme Herbstkleidung. Im Hintergrund sind weitere Protestschilder, bunt gefärbte Bäume und ein teilweise bewölkter Himmel zu sehen.

Foto: © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv

In mehr als 30 Städten folgten am Samstag, den 31. Oktober 2026 rund 100.000 vor allem junge Menschen den Aufrufen der Inititiative „Gen Z regelt“ und demonstrierten für soziale Gerechtigkeit, bessere Bildung, für Klimaschutz und gegen Krieg.

In Berlin gab es zwei Demonstrationen. Am Nachmittag protestierten etwa 10.000 Menschen am Brandenburger Tor.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Unter dem Motto: „Gen Z hat genug!“ gab es am Abend eine weitere Demonstration am Rosenthaler Platz, zu der ein linksradikales, antifaschistisches und propalästinensisches Spektrum mobilisiert hatte.  Inspiriert von den Protesten in Frankreich gingen mehrere tausend Menschen wütend und laut auf die Straße. Die Polizei war mit 1.500 Beamten im Einsatz und griff die Demo am Ende an, vermutlich wegen Pyrotechnik und weil eine Tram blockiert war. Wiederholt wurden Teilnehmer*innen ohne ersichtlichen Grund geschubst und geschlagen. Es gab mehrere Verletzte.

Für den 20. November sind bereits die nächsten Proteste angekündigt.


 

Vernetzung von Beobachter*innen des PUA »Neukölln-Komplex« an Berliner Koalitionsverhandlungen

Berlin, 02. November 2026 – Die Vernetzung von Beobachter*innen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zum »Neukölln-Komplex« appelliert an die künftigen Koalitionsparteien in Berlin, die im PUA gewonnenen Erkenntnisse zentral in die Verhandlungen zum neuen Koalitionsvertrag einzubeziehen. Die geforderten Maßnahmen zur Bekämpfung rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt dürfen nicht durch Forderungen nach einem Ausbau der Polizei oder des Verfassungsschutzes unterlaufen werden.

„Der Untersuchungsausschuss hat eines eindrucksvoll belegt: Die mangelnde Bekämpfung rechter Gewalt ist kein Ressourcenproblem. Der PUA hat gezeigt, dass die Behörden nicht willens waren, den Neukölln-Komplex angemessen aufzuklären. Wer angesichts dieser Erkenntnisse nunmehr mehr Befugnisse und Personal für ebendiese Behörden fordert, ignoriert die Lehren aus dem Ausschuss. Wir erwarten von den Parteien, dass sie im Koalitionsvertrag den Schutz der Betroffenen in den Vordergrund stellen." (Claudia v. Gélieu, Betroffene des Neukölln-Komplex)

Erfahrungen aus dem Untersuchungsausschuss zeigen strukturelle Defizite

Der PUA hat gezeigt, dass das Fehlverhalten von Polizei und Verfassungsschutz und die fehlenden Ermittlungserfolge keine Folge von Ressourcenmangel waren. Ein Ausbau der Sicherheitsbehörden ist daher keine Lösung für die strukturellen Probleme, die den Sicherheitsbehörden zugrunde liegen. Vielmehr müssen folgende Punkte verankert werden:

  • Schutzrechte stärken: Die Rechte und der Schutz von Betroffenen rechter Gewalt gegenüber den Behörden müssen ausgebaut werden. Beratungsstellen und zivilgesellschaftliche Unterstützungsstrukturen müssen dauerhaft gestärkt und finanziert werden. Es müssen verbindliche Konzepte für Betroffene und Zeug*innen zur Prävention und zum Schutz vor rechter und rassistischer Gewalt entwickelt werden. Unabhängige Beschwerdestellen müssen zu Institutionen mit umfassenden Rechten, ausreichenden Mitteln und eigenständigen Ermittlungsbefugnissen ausgebaut werden.

  • Fehlverhalten innerhalb der Behörden muss aufgeklärt und verfolgt werden: Die Öffentlichkeit muss über die Anzahl und den Ausgang von Disziplinarverfahren informiert werden. Darüber hinaus wird gefordert, dass Verbindungen von Polizei und Verfassungsschutz in die extrem-rechte Szene konsequent aufgeklärt werden. Qualifikation und Sensibilisierung innerhalb der Behörden sind verbindlich sicherzustellen. Dazu gehören verpflichtende Antirassismus-Trainings, Schulungen zur Szenekunde und feste, geschulte Ansprechpersonen für rechte Gewalt. Konzepte zum Schutz vor Rassismus und Antisemitismus sowie extrem-rechter Gewalt und Terror müssen entwickelt und umgesetzt werden.

  • Transparenz herstellen: Die Rechte von Untersuchungsausschüssen gegenüber den Behörden müssen ausgebaut und vollständige Öffentlichkeit muss gewährleistet werden. Dazu gehören die Offenlegung von Akten, die Änderung von Geheimhaltungseinstufungen und die Veröffentlichung von Wortprotokollen. Über Geheimeinstufungen darf nicht länger von den Behörden selbst entschieden werden, sondern durch eine unabhängige, demokratisch legitimierte Instanz. Zudem braucht es kritischen, investigativen Journalismus und eine kontinuierliche öffentliche Berichterstattung, die von den Behörden unterstützt werden muss. Bestimmungen, die einer demokratischen Transparenz und Kontrolle entgegenstehen, müssen geändert werden. Das Informationsfreiheitsgesetz muss ausgebaut, nicht eingeschränkt werden. Alle eingestellten Ermittlungen sollen verpflichtend evaluiert werden.

  • Zivilgesellschaft einbeziehen und stärken: Unabhängige Expert*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen gleichwertig in Untersuchungsausschüsse einbezogen werden. Unabhängige zivilgesellschaftliche Expertise zu extrem-rechter Gewalt und Terror, etwa von Initiativen und Organisationen wie MBR, ReachOut oder Berliner Register, ist zu stärken. Allen Angriffen, Infragestellungen und Mittelstreichungen muss entschieden entgegengetreten werden. Der aktuelle Versuch der Berliner Finanzbehörden der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. die Gemeinnützigkeit zu entziehen, muss zurückgewiesen werden.

  • Rücknahme der Berliner ASOG-Novelle: Die Berliner ASOG-Novelle vom Dezember 2025 ist zurückzunehmen, da finanzielle und personelle Aufstockungen sowie weitere Überwachungsmaßnahmen den Erkenntnissen des PUA widersprechen und die strukturellen Probleme nicht lösen. Was sich als ineffektiv erwiesen hat und sich demokratischer Kontrolle entzieht, ist abzuschaffen. Dazu gehören insbesondere der Verfassungsschutz und weitreichende Ermessensspielräume der Sicherheitsbehörden.

  • AfD: Auch der PUA zum Neukölln-Komplex hat gezeigt, dass die AfD personell und ideologisch mit rechter Gewalt verbunden ist. Wir fordern die Koalitionsparteien dazu auf, sich für ein Verbot einzusetzen.

Die Vernetzung von Beobachter*innen hat den PUA zum »Neukölln-Komplex« über mehrere Jahre begleitet und dokumentierte zahlreiche Versäumnisse bei der Aufklärung rechter Gewalt und struktureller Probleme in den Sicherheitsbehörden.

Weitere Informationen: Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss »Neukölln-Komplex«, Herausgeber: Vernetzung von Beobachter*innen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) »Neukölln-Komplex«, Berlin 2026

Quelle: Pressemitteilung 02. November 2026


 

Goethe-Universität Frankfurt: unter_bau kündigt gewerkschaftlichen Widerstand gegen massiven Stellenabbau an

Das breitformatige Bild zeigt das Logo „unter_bau“ in kräftigem Violett auf reinweißem Hintergrund.  Der Schriftzug erstreckt sich nahezu über die gesamte Bildbreite und besteht ausschließlich aus Kleinbuchstaben. Die Buchstaben sind sehr groß, auffallend fett und in einer modernen, serifenlosen Schriftart gestaltet. Ihre Formen sind geometrisch, mit breiten senkrechten Strichen und schmalen, abgerundeten Aussparungen.  Zwischen den Wörtern „unter“ und „bau“ befindet sich ein violetter Unterstrich, der auf gleicher Höhe wie die unteren Enden der Buchstaben verläuft.  Links unten, deutlich unterhalb des eigentlichen Schriftzugs, steht ein weiteres violettes Gestaltungselement. Es besteht aus einem breiten, rechtwinkligen Balken in Form eines großen, spiegelverkehrten L. Dieses Element greift die kantige Gestaltung der Schrift auf.  Das Logo ist minimalistisch und kontrastreich gestaltet. Die Kombination aus massiver violetter Typografie, weißem Hintergrund und geometrischen Formen vermittelt einen markanten, selbstbewussten und modernen Eindruck.

unterbau.org Logo

Bis zu 1.500 Stellen könnten durch Kürzungen gefährdet sein – über 80 Hilfskräfte beraten über Proteste und Arbeitskampfmaßnahmen.

Am 27. Oktober 2026 kamen mehr als 80 studentische Beschäftigte auf Einladung des Hilfskräfterats und des autonomen Hilfskräftereferats des AStA zur Hilfskräftevollversammlung zusammen, um über den drohenden Stellenabbau an der Goethe-Universität zu diskutieren. Die Hochschulgewerkschaft unter_bau kündigte dort an, die gewerkschaftliche Organisierung und den Widerstand gegen die Stellenstreichungen aktiv voranzubringen. Die Zahl der studentischen Hilfskräfte ist bereits von rund 2.100 im Jahr 2025 auf aktuell 1.700 gesunken. Nun drohen weitere 300 bis 400 Stellenstreichungen.

Fünf Jahre lang hat die Goethe-Universität bewusst Tarifflucht begangen: Trotz des eindeutigen Urteils des Bundesarbeitsgerichts vom 30. Juni 2021, das die Beschäftigung studentischer Hilfskräfte in der Verwaltung untersagt, hielt die Universität an diesem Modell fest, um sich den Verpflichtungen eines Tarifvertrags zu entziehen. Teilweise machen die studentischen Hilfskräfte die gleiche Arbeit wie ihre tariflich beschäftigten Kolleg_innen, berichtete ein Mitarbeiter der Universitätsbibliothek.  Entgegen den Aussagen der Pressestelle der Universität werden in den Bibliotheken keine Tarifstellen ausgeschrieben, so berichten die Beschäftigten. Vielmehr wurde ihnen Arbeitsverdichtung und der Einsatz externer Dienstleister angekündigt. 

„Die Universitätsleitung verkauft einen massiven Stellenabbau als tarifliche Verbesserung. Von 320 betroffenen Hilfskraftstellen sollen gerade einmal 20 erhalten bleiben. Das ist keine Überführung in den Tarifvertrag, sondern die Streichung von fast 94 Prozent der bisherigen Arbeitsplätze. Wir werden diesen Personalabbau nicht einfach hinnehmen. Als Hochschulgewerkschaft organisieren wir die betroffenen Kolleg_innen und bereiten gemeinsam die nächsten Schritte vor. Wenn die Universitätsleitung an ihren Plänen festhält, werden wir auch gewerkschaftliche Arbeitskampfmaßnahmen prüfen.“, erklärt Daniel Katzenmaier, Pressesprecher der Hochschulgewerkschaft unter_bau.

Neben dem Stellenabbau bei den Hilfskräften steht auch die geplante Streichung von 60 Professuren im Raum. Da mit Professuren häufig weitere wissenschaftliche sowie administrativ-technische Stellen verbunden sind, könnten die Auswirkungen auf die Beschäftigung deutlich über die Zahl der gestrichenen Professuren hinausgehen.

„Allein bei den Hilfskräften könnten innerhalb eines Jahres 600 bis 700 Arbeitsplätze wegfallen. Hinzu kommen die möglichen Folgen der geplanten Streichung von 60 Professuren für wissenschaftliche und administrativ-technische Beschäftigte. Hochgerechnet auf die bisherige Personalstruktur könnten damit insgesamt rund 1.500 Stellen gefährdet sein. Die Folgen für Studium, Lehre und Forschung wären gravierend. Wir können allen betroffenen Kolleg_innen nur raten, sich gewerkschaftlich zu organisieren und gemeinsam gegen diese Kürzungen vorzugehen.“, erklärt Katzenmaier.

Die Hochschulgewerkschaft unter_bau fordert den Erhalt sämtlicher betroffener Arbeitsplätze, ihre Überführung in reguläre, tariflich abgesicherte studentische Beschäftigungsverhältnisse und einen sofortigen Stopp weiterer Stellenstreichungen.

Quelle: Pressemitteilung unterbau.org 31.10.2026


 

Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 14: Anteo Zamboni vs. Benito Mussolini

Das Foto zeigt Anteo Zamboni als Kind um 1918
Anteo Zamboni, um 1918
Anteo Zamboni versuchte am 31. Oktober 1926 auf der Via Rizzoli in Bologna, Mussolini zu erschießen, während dieser an einer Parade zur Erinnerung an den Marsch auf Rom teilnahm.

Zambonis Schüsse verfehlten den Diktator leider; er selbst wurde sofort von nahestehenden Schwarzhemden attackiert und gelyncht. Der Mann, der ihn zuerst festhielt, war Pier Paolo Pasolinis Vater, der Kavallerieoffizier Carlo Alberto Pasolini.

Zwei Straßen in Bologna tragen Anteo Zambonis Namen: Die Mura Anteo Zamboni und die Via Anteo Zamboni. In einem Film von Gianfranco Mingozzi über das Attentat, Gli ultimi tre giorni (1978), wurde Zamboni von Franco Lotterio verkörpert.

Quellen: WikiPedia

Berlin: Massenüberwachung & KI-Kameras stoppen!

Nachtaufnahme einer Protestaktion gegen KI-gestützte Videoüberwachung am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Im Vordergrund steht eine als Clown geschminkte Person mit auffälligem rot gemustertem Jackett, kurzen Hosen und schwarzen Stiefeln neben einer Aluminiumleiter. Auf der Leiter befindet sich eine weitere Person, die an einer überdimensionierten, selbst gebastelten Überwachungskamera aus Karton hantiert. Links stehen weitere bunt kostümierte Aktivist*innen mit fantasievollen Kameraattrappen. Im Hintergrund beobachten mehrere Polizeibeamt*innen die Szenerie. Die vom Scheinwerferlicht hell erleuchtete Aktion hebt sich deutlich vom dunklen Nachthimmel ab.
Foto: © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv

Ab Anfang November geht KI-gestützte Videoüberwachung am Kottbusser Tor in Kreuzberg in Betrieb. An insgesamt 15 Standorten sollen dann 30 Kameras rund um die Uhr Straftaten und unerwünschtes Verhalten erfassen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Gegen die Massen-Videoüberwachung, die nach einer Testphase auch für den Görlitzer Park geplant ist, demonstrierten am 23. September rund 100 Anwohner*innen und Aktivist*innen. Die Clowns-Army hatten eigene Giga-Ultra-Power-Kameras dabei, die sie vor Ort testeten. Zumindest eine Überwachungs-Kamera, als Piñata getarnt, konnte sich nicht lange halten.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links


Berlin: Hugohaus geräumt

Das Farbfoto zeigt eine Straßenszene vor dem mit Graffiti besprühten Hostel „Georghof“. Über dem Eingang leuchtet ein rotes Schild. Zwei Straßenmusiker spielen im Eingangsbereich, einer Gitarre, der andere Akkordeon. Auf dem Kopfsteinpflaster davor stehen und sitzen mehrere Menschen und hören zu. Einige Gesichter sind unkenntlich gemacht. An der Fassade hängen Transparente und Fahnen, darunter ein grünes Banner mit der Aufschrift „Nachbar*innen gegen Räumung“. Die Atmosphäre wirkt lebendig und solidarisch, geprägt von Straßenmusik, politischen Botschaften und gemeinschaftlichem Protest.

Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Das ehemalige Hostel in der Gürtelstraße 39–41 in Berlin-Friedrichshain hat eine lange Geschichte der Hausbesetzung: 2014 besetzten es Geflüchtete, um für ein Bleiberecht für alle zu demonstrieren. Das Haus stand daraufhin jahrelang leer und verfiel zunehmend, bis es vor 2 Jahren erneut von Punks besetzt wurde. Die setzten Teile wieder in Stand, räumten Müll und Dreck weg, zogen ein und gaben ihrem neuen Domizil den Namen „Hugohaus“. Am 24. September wurden die Bewohner*innen nach einer Auseinandersetzung mit Securities des Investors von der Polizei durchsucht und kalt geräumt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Lange wurde die stille Besetzung des Hugohauses geduldet, bis die Gebäude an die GSI 2 Entwicklung GmbH aus Wien verkauft wurden. Die von ihr beauftragte Projektentwicklerin dBS Investment GmbH forderte die Besetzer*innen auf, das Haus innerhalb von fünf Tagen zu räumen, schickte Securities und drohte Strom und Wasser abzustellen. Aber statt wieder auf der Straße zu wohnen, luden die Bewohner*innen Presse und Politik ein und organisierten solidarische Unterstützung. Bei einem spontanem Konzert am 1. September von Paul Geigerzähler und Faulenza vor dem Haus kamen mehrere Dutzend Menschen, die sich mit der Besetzung solidarisierten.  Sowohl die Besetzer*innen als auch die Musiker kündigten weitere Soliaktionen in den nächsten Tagen an.

Währenddessen begannen Securities im Auftrag des Investors mit Vorbereitungen für den geplanten Abriss des Gebäudes. Sie schotteten das Hugohaus mehrere Tage ab, verhinderten ein Betreten, Verlassen oder auch medizinische Hilfe und griffen die Bewohner*innen am 24. September an. Sie schlugen Fenster ein, versprühten Reizgas und versuchten erfolglos in die Räume der Bewohner*innen einzudringen. Die Securities behaupteten hingegen, selbst angegriffen worden zu sein und die Polizei durchsuchte mit 200 Einsatzkräften das Haus und nahm am Tag drauf sechs Personen fest.
Die Solimahnwache, die seit 3 Wochen vor dem Haus stand, blieb solidarisch und protestierte gegen die kalte Räumung des Hauses. Denn obwohl die Polizei betont hatte, dass es sich nicht um eine Räumung handele, konnten die Bewohner*innen nach ihrer Freilassung nicht wieder in das Haus zurückkehren. Die Securities standen im Eingang des Hugohauses, die Fenster waren zertrümmert und das Haus mittlerweile unbewohnbar gemacht worden.
 

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

Links


 

Berlin: Thiel shall not pass

Das hochformatige Farbfoto zeigt eine Gruppe fantasievoll verkleideter Menschen bei einer satirischen Demonstration auf einer Berliner Straße. Mehrere Personen tragen lange, graue Perücken und künstliche Bärte, die an den Philosophen Friedrich Nietzsche erinnern. Sie halten handbeschriftete Schilder aus brauner Pappe mit Wortspielen über den Namen des Unternehmers Lars Windhorst beziehungsweise den früheren Karstadt-Eigentümer René Benko nicht – vielmehr beziehen sich die Sprüche auf den Namen „Thiel“.  Im Mittelpunkt steht eine Person mit langem grauem Haar, einem ausladenden grauen Bart und einer kleinen bunten Sonnenbrille. Sie trägt einen auffälligen pinkfarbenen Mantel, darunter eine bunt gemusterte Hose und schwarze Stiefel. In der Hand hält sie ein großes Schild mit der Aufschrift „Thiel mir das Lied vom Tod“.  Direkt davor kniet eine weitere verkleidete Person auf einem Bein. Sie trägt eine graue Langhaarperücke, eine dunkle Jacke und eine braune Hose. Vor ihrem Oberkörper hält sie ein Schild mit der Aufschrift „Alles viel zu Thiel!“.  Links stehen weitere Demonstrierende mit Schildern, auf denen „Dit is mir allet viel zu Thiel“ und „zu THIEL des BÖSEN“ zu lesen ist. Rechts sind mehrere bunt kostümierte Personen zu sehen, darunter eine mit einer langen gelben Perücke und eine weitere mit einem spitzen Hexenhut. Einige tragen glitzernde Bänder und andere dekorative Accessoires.  Im Hintergrund erhebt sich links ein großes, verglastes Hochhaus. Weiter entfernt ist der Berliner Fernsehturm zu erkennen. Fahrzeuge, Bäume mit herbstlich gefärbtem Laub und weitere Menschen säumen die Straße. Der Himmel ist hellgrau und bewölkt.  Die Aufnahme wirkt humorvoll und theatralisch. Die bewusst übertriebenen Kostüme und die Wortspiele auf den Pappschildern verleihen der Demonstration den Charakter einer politischen Satire.

Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Unter dem Motto „Thiel shall not pass“ protestierten am 24. September 2026 etwa 100 Menschen vor dem Axel Springer Haus in Berlin mit einer Kundgebung und einem queeren „Gandalf Catwalk“. Viele waren verkleidet als Gandalf oder Saruman und nahmen damit Bezug auf die Überwachungssoftware Palantir. Sie kritisierten Thiels rechte und antidemokratische Haltung und die Massenüberwachung durch Palantir, das auch von der deutschen Polizei eingesetzt wird.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Vom Axel Springer Verlag bekam Peter Thiel später einen Preis für seine „gesellschaftlichen und demokratischen Leistungen“, nachdem letztes Jahr bereits Elon Musk ausgezeichnet wurde.

„Thiel ist großer Herr der Ringe Fan. Sein Überwachungsunternehmen Palantir ist nach magischen Steinen benannt, mit denen der dunkle Herrscher Sauron die Weltherrschaft erringen will. Finden wir kacke und beziehen uns mit „Thiel shall not pass“ auf eine der epischen Szenen im Film“

(aus dem Aufruf zur Kundgebung)

Links


 

Goethe-Universität Frankfurt streicht Hunderte Hilfskraftstellen – unter_bau kündigt Widerstand gegen Kürzungspolitik an

Das breitformatige Bild zeigt das Logo „unter_bau“ in kräftigem Violett auf reinweißem Hintergrund.  Der Schriftzug erstreckt sich nahezu über die gesamte Bildbreite und besteht ausschließlich aus Kleinbuchstaben. Die Buchstaben sind sehr groß, auffallend fett und in einer modernen, serifenlosen Schriftart gestaltet. Ihre Formen sind geometrisch, mit breiten senkrechten Strichen und schmalen, abgerundeten Aussparungen.  Zwischen den Wörtern „unter“ und „bau“ befindet sich ein violetter Unterstrich, der auf gleicher Höhe wie die unteren Enden der Buchstaben verläuft.  Links unten, deutlich unterhalb des eigentlichen Schriftzugs, steht ein weiteres violettes Gestaltungselement. Es besteht aus einem breiten, rechtwinkligen Balken in Form eines großen, spiegelverkehrten L. Dieses Element greift die kantige Gestaltung der Schrift auf.  Das Logo ist minimalistisch und kontrastreich gestaltet. Die Kombination aus massiver violetter Typografie, weißem Hintergrund und geometrischen Formen vermittelt einen markanten, selbstbewussten und modernen Eindruck.

unterbau.org Logo

An der Goethe-Universität Frankfurt droht ein massiver Stellenabbau unter studentischen Beschäftigten. Im Rahmen des sogenannten „Stellenumbaus“ sollten die bisherigen Hilfskraftstellen in den Bibliotheken, im Hochschulrechenzentrum (HRZ) und in der Verwaltung ursprünglich in reguläre, tariflich bezahlte Beschäftigungsverhältnisse überführt werden. Doch statt besserer Arbeitsbedingungen und tariflicher Absicherung droht nun die Streichung von rund 300 bis 400 Stellen. Ab Januar 2027 sollen in den Bibliotheken keine neuen Hilfskraftverträge mehr vergeben werden. Auch in der zentralen Verwaltung sollen künftig kaum Studierende mehr beschäftigt werden. Für die Hochschulgewerkschaft unter_bau ist klar: Die Beschäftigten dürfen nicht die Rechnung für die Kürzungspolitik der Landesregierung und des Universitätspräsidiums bezahlen.

„Die Universitätsleitung verspricht tarifliche Beschäftigung und streicht gleichzeitig Hunderte Stellen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Kolleg_innen, die seit Jahren die Bibliotheken, die Verwaltung und andere zentrale Einrichtungen am Laufen halten. Wir werden nicht zulassen, dass die versprochene Überführung in den Tarifvertrag als Vorwand für einen massiven Personalabbau genutzt wird. Wir werden gemeinsam mit unseren Mitgliedern alle uns zur Verfügung stehenden gewerkschaftlichen Aktionsmittel ausschöpfen, um diese Stellenstreichungen zu verhindern“, erklärt Daniel Katzenmaier, Pressesprecher der Hochschulgewerkschaft unter_bau.

Der geplante Abbau trifft nicht nur die unmittelbar betroffenen Hilfskräfte. Die Aufgaben in Bibliotheken, Verwaltung und Hochschulrechenzentrum verschwinden nicht einfach mit den gestrichenen Stellen. Vielmehr drohen eine massive Arbeitsverdichtung für die verbleibenden Beschäftigten und weitere Einschränkungen für Studierende.

„Seit Jahren wird an den Hochschulen gespart, während die Arbeitsbelastung steigt. Jetzt sollen ausgerechnet diejenigen ihren Arbeitsplatz verlieren, die ohnehin häufig unter prekären Bedingungen beschäftigt sind. Statt die Arbeitsverhältnisse endlich tariflich abzusichern, will die Universität einen Großteil der Stellen beseitigen. Wir brauchen mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und eine vollständige Überführung der betroffenen Beschäftigten in den Tarifvertrag – keine Entlassungswelle!“, erklärt Katzenmaier abschließend.

Die Hochschulgewerkschaft unter_bau fordert einen sofortigen Stopp des geplanten Stellenabbaus. Die ursprünglich angekündigte Überführung in tariflich abgesicherte Beschäftigungsverhältnisse muss umgesetzt werden, ohne dass dabei Arbeitsplätze verloren gehen. Die Gewerkschaft unterstützt die heutige Hilfskräftevollversammlung des Hilfskräfterates um 14 Uhr am Campus Westend und wird sich in den kommenden Wochen an den Protestaktionen der Hilfskräfte beteiligen.

Quelle: Pressemitteilung unterbau.org 27.10.2026


 

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: Rosen für den Staatsanwalt

Das hochformatige, überwiegend schwarz-weiß gestaltete Veranstaltungsplakat kündigt einen politischen Filmabend mit Wolfgang Staudtes Film „Rosen für den Staatsanwalt“ aus dem Jahr 1959 an. Am oberen Rand steht in großen schwarzen Buchstaben „kg • größenwahn • politischer filmabend“.  Den größten Teil des Plakats nimmt das historische Filmplakat ein. Es zeigt eine düstere, expressionistisch wirkende Darstellung eines Männergesichts, dessen linke Hälfte menschlich und dessen rechte Hälfte als Totenschädel gestaltet ist. Das Gesicht ist in Schwarz, Weiß und Grautönen gehalten, während eine auffällige rote Rose über der Nase und dem rechten Wangenbereich liegt. Oberhalb des Gesichts steht der Filmtitel „Rosen für den Staatsanwalt“ in weißen Großbuchstaben.  Links neben dem Motiv steht senkrecht der Name „Wolfgang Staudte – Ein Film“, rechts auf schwarzem Untergrund das Veranstaltungsdatum „Sonntag, 8. November 2026 – 19 Uhr“.  Unter der Abbildung folgen Angaben zum Film und eine Inhaltsbeschreibung: Der Film erzählt von einem ehemaligen Wehrmachtsrichter, der 1945 einen Soldaten wegen des Diebstahls von zwei Dosen Schokolade zum Tode verurteilt und diesem fünfzehn Jahre später als Staatsanwalt wiederbegegnet. Die Beschreibung bezeichnet den Film als Spiegelbild der finsteren westdeutschen Nachkriegsgesellschaft.  Im unteren Bereich steht der Satz „combattente zeigt geschichtsbewußt:“ und darunter, besonders hervorgehoben in weißer Schrift auf einem schwarzen, abgerundeten Balken, die Parole „revolution muß sein!“. Es folgt der Hinweis „filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen“. Ganz unten sind die Veranstaltungsorte beziehungsweise Adressen „kinzigstraße 9 • 10247 berlin • U5 samariterstraße • S frankfurter allee“ aufgeführt.  Die Gestaltung verbindet das bedrückende, kontrastreiche Filmmotiv mit einer klaren politischen Botschaft. Die rote Rose bildet den einzigen kräftigen Farbakzent und zieht den Blick auf das zwischen menschlichem Gesicht und Totenschädel geteilte Porträt.

Flyer zum Film (Vorderseite)

1945, in den letzten Kriegstagen wird der Gefreite Rudi K. beschuldigt zwei Dosen "Scho-Ka-Kola" gestohlen zu haben. Militärrichter - Kriegsgerichtsrat Schramm verurteilt Rudi wegen "Diebstahls" und "Wehrkraftzersetzung" zur Todesstrafe. Rudi flieht nach nem Fliegerangriff. 15 Jahre später trifft Rudi den Schramm, Staatsanwalt in einer brd-Kleinstadt. Schramm immer noch stramm NS-gesinnt will rudi durch die bullen aus der stadt vertreiben. Spiegelbild der finsteren brd-nachkriegsgesellschaft.

schwarzweißfilm - von Wolfgang Staudte - 1959 (brd) - 97 min. 

Sonntag, 8. November 2026 19 Uhr

Wolfgang Staudtes Film „Rosen für den Staatsanwalt“, ein unverzerrtes Spiegelbild der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft.

Der westdeutsche Nachkriegsfilm war beherrscht von sogenannten Heimatfilmen, in denen es praktisch keine Vergangenheit und keine Zukunft gab, in denen die bis zum Exzess gesteigerte Idylle einer unwirklichen Welt ausgebreitet wurde; zum anderen von Wirtschaftswunder-Filmen, so eine Art Mutmacher-Streifen, in denen die Jahre 1933–45 ebenfalls ausgeblendet waren. Nur wenige Regisseure wagten sich an das, was man gemeinhin als Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit nannte.

Es schwappte eine Flut von sogenannten Heimatfilmen in die westdeutschen Kinos, deren Titel schon die Zugehörigkeit zu diesem Genre signalisieren: „Schwarzwaldmädel“, „Grün ist die Heide“, „An der Donau, wenn der Wein blüht“, „Der Förster vom Silberwald“, „Wetterleuchten um Maria“ – das alles klingt heute unfreiwillig komisch, die Streifen laufen aber immer noch mit schöner-hässlicher Regelmäßigkeit im deutschen Fernsehen. Sie boten den Zuschauenden dadurch die gewünschte Ablenkung von der Alltagsrealität und ließen vor allem die faschistische Vergangenheit vergessen, mit der man sich nicht auseinandersetzen wollte, zumal das kaum ohne Schuldeingeständnisse vonstattengegangen wäre. Dabei waren die Filme interessanterweise oft Remakes alter UFA-Streifen aus dem NS-Faschismus, aber nun natürlich politisch gereinigt.

1945, in den letzten Kriegstagen, wird der Gefreite Rudi K. beschuldigt, zwei Dosen „Scho-Ka-Kola“ gestohlen zu haben. Militärrichter – Kriegsgerichtsrat Schramm – verurteilt den Gefreiten Rudi wegen „Diebstahls“ und „Wehrkraftzersetzung“ zur Todesstrafe. Dem Todesurteil kann Rudi nur entgehen, weil ein Fliegerangriff ihm die Flucht ermöglicht.

Das hochformatige Veranstaltungsplakat auf weißem Hintergrund kündigt eine Filmvorführung von Wolfgang Staudtes satirischem Schwarz-Weiß-Film „Rosen für den Staatsanwalt“ aus dem Jahr 1959 an.  Im oberen Drittel steht auf einem breiten schwarzen Balken der Filmtitel in großen, weiß geschriebenen, leicht verschnörkelten Großbuchstaben. Darunter sind zwei historische, runde Schokoladendosen der Marke Scho-ka-kola nebeneinander abgebildet. Die linke Dose zeigt ihre stark vergilbte, fleckige Unterseite mit einer kleingedruckten Produktbeschreibung und dem Herstellernamen Hildebrand. Die rechte Dose zeigt den braun-beigen Deckel mit der umlaufenden Aufschrift „Scho-ka-kola – Die stärkende Schokolade“. In der Mitte befindet sich ein stilisierter Adler mit ausgebreiteten Flügeln, der ein Hakenkreuz in einem Kranz hält. Strahlenförmige Linien gehen von dem nationalsozialistischen Hoheitszeichen aus.  Unter den beiden Dosen steht auf einem weiteren schwarzen Balken in großer weißer Schrift das Veranstaltungsdatum „Sonntag 8. November 2026 – 19 Uhr“.  Die untere Hälfte des Plakats besteht aus mehreren Absätzen schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund. Zunächst werden Regisseur, Erscheinungsjahr und Laufzeit des Films genannt. Anschließend folgt eine ausführliche Inhaltsangabe: Ein Wehrmachtsrichter verurteilt 1945 einen Soldaten wegen des angeblichen Diebstahls zweier Dosen Scho-ka-kola zum Tode. Der Soldat entkommt und begegnet seinem ehemaligen Richter fünfzehn Jahre später wieder, als dieser bereits Staatsanwalt in der Bundesrepublik ist. Der Text beschreibt, wie der frühere NS-Jurist versucht, seine Vergangenheit zu vertuschen.  Ein weiterer Absatz hebt die satirische Kritik des Films an den personellen und ideologischen Kontinuitäten zwischen Nationalsozialismus und westdeutscher Nachkriegsgesellschaft hervor. Darunter steht in größerer, fett gedruckter Schrift der Satz „Ein unverzerrtes Spiegelbild der BRD Nachkriegsgesellschaft.“  Am unteren Plakatrand werden die Veranstaltungsadresse „Kinzigstraße 9, 10247 Berlin“ sowie die nahegelegenen Haltestellen Samariterstraße und Frankfurter Allee genannt.  Die Gestaltung ist sachlich und zugleich politisch zugespitzt. Besonders die beiden historischen Schokoladendosen mit dem deutlich sichtbaren nationalsozialistischen Emblem stellen einen unmittelbaren Bezug zur Filmhandlung und zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der frühen Bundesrepublik her.

Flyerrückseite - Hakenkreuz unkenntlich gemacht

Knapp 15 Jahre später sieht Rudi durch Zufall seinen einstigen Ankläger Schramm wieder. Ex-Nazi Schramm ist mittlerweile Staatsanwalt, angesehener Bürger einer BRD-Kleinstadt. Schramm, noch immer von seiner treudeutschen Gesinnung geleitet, verhilft einem Ex-Nazi zur Flucht, unterschlägt dessen Haftbefehl und bekommt einen Rosenstrauß nach Erfolg. Er fürchtet nun um die Aufdeckung seiner dunklen Vergangenheit und setzt alles daran, Rudi über die Polizei aus der Stadt zu jagen.

„Fliegerschokolade“ & Wehrmacht: Scho-Ka-Kola wurde 1935 von der Berliner Firma Hildebrand eingeführt. Sie wurde wegen ihrer stimulierenden Wirkung durch Koffein (aus Kakao, Kolanuss und Kaffee) gezielt an Piloten der Luftwaffe ausgegeben, um Konzentration und Ausdauer bei langen Flügen zu steigern. Später wurde sie auch beim Heer und der Marine, insbesondere bei U-Boot-Besatzungen, als Standardverpflegung eingesetzt.“

Wikipedia zu Scho-Ka-Kola

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee