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»Ich sehe nicht ein, warum ich, der Einfalt Anderer wegen, Respekt vor Lug und Trug haben sollte.« Arthur Schopenhauer

Blogkino: The Human Condition / Ningen no jōken (1959-1961)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino den Film "The human Condition" von Regisseur Masaki Kobayashi mit dem am 8. November 2025 verstorbenen Hauptdarsteller Tatsuya Nakadai (1932-2025): Die Trilogie folgt dem Leben von Kaji, einem japanischen Pazifisten und Sozialisten, der versucht, im faschistischen und repressiven Kaiserreich Japan in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zu überleben. Die Entwicklung des Charakters Kaji im Verlauf der Trilogie wurde vielfach mit Begeisterung aufgenommen. Jeder der Filme ist zweigeteilt und insgesamt beträgt die reine Spielzeit der Trilogie neun Stunden und siebenundvierzig Minuten.


Über Vergebung

Thomas Walker, der die Rolle des Captain Macheath in „The Beggar's Opera“ kreierte, in seiner Rolle in einem Stich von 1728
Thomas Walker, der die Rolle des Captain Macheath in „The Beggar's Opera“ kreierte, in seiner Rolle in einem Stich von 1728
Captain Macheath tritt die sowohl in John Gays The Beggar's Opera (1728) und dessen Fortsetzung Polly (1777) als auch 150 Jahre später in Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper (1928) auf.

Dort bittet er um Verzeihung...
Die Kerle, die in Häuser brechen
Dieweil sie keine Bleibe kennen;
Die Lästermäuler, selbst die frechen
Sie könnten eure Mütter sein!
’s mag ihnen nur an Härte fehlen –
Ich bitt euch, ihnen zu verzeihn.

Habt da mehr Nachsicht mit den kleinen
Und weniger mit den großen Dieben
Die euch in Krieg und Schande trieben
Und betten euch auf blut’gen Steinen.
Die euch erpreßt zu Mord und Raube
Und nunmehr winseln ihr „Vergib!“ –
Stopft ihnen’s Maul und mit dem Staube
Der von eur’n schönen Städten blieb!

Und die da reden von Vergessen
Und die da reden von Verzeihn –
All denen schlage man die Fressen
Mit schweren Eisenhämmern ein.


Bertolt Brecht in: Gesammelte Gedichte Bd. 4, Ffm 1976, S. 1124 f.

Blogkino: The Wolves (1971)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino  den Streifen "The Wolves" von Filmemacher Hideo Gosha. "(...) 1971, als der Ninkyo-Boom des japanisches Kinos schon beinahe abgelaufen war, versuchten auch die Toho-Studios sich eine eigene Ninkyo-Filmreihe aufzubauen. Dieser erste Versuch war "The Wolves" und er scheiterte gnadenlos an den Kinokassen. Kein Wunder eigentlich, denn als Regisseur setzte man nicht irgendeinen linientreuen Vertragsregisseur ein, sondern den passionierten Auteur Hideo Gosha. Er inszenierte gnadenlos am Massengeschmack vorbei und zeigte keinen strahlenden Pathos, sondern gebrochene Charaktere in einem trostlosen und realistischen Umfeld ohne Gnade"

Der Plot: Nachdem er wegen Mordes an dem Boss der Kanno-Bande ins Gefängnis gekommen war, wird ein Gangster vorzeitig entlassen - nur um festzustellen, dass seine ehemalige Bande sich mit den Kannos zusammengeschlossen hat. Da jedoch auf beiden Seiten noch immer bittere Ressentiments herrschen, ist ein erneutes Blutvergießen vorprogrammiert.

Man kann halt nicht immer gewinnen.


Ein Schleier oder: Halloween und Wahlnacht

Diese Woche und die nächsten fünf Wochen spielen ich, Robert Evans, Io und Hazel im Cool Zone Media Book Club zusammen mit Jason Bulmahn Pathfinder (ähnlich wie D&D, aber besser).

In den letzten Wochen habe ich mich in Cool People Who Did Cool Stuff mit der Antike beschäftigt.

Zu Halloween habe ich über Druiden berichtet, diese Woche dann über die Gallae, die Trans-Priesterinnen des alten Roms.

Ich habe in letzter Zeit wieder fleißig geschrieben und hoffe, dass ich bald mehr darüber berichten kann. In der Zwischenzeit danke ich euch allen, dass ihr hier seid. Ich kann meine Dankbarkeit dafür, dass ich so viel Zeit mit meiner Kunst verbringen darf, gar nicht in Worte fassen.

Ein Schleier


In der Halloween-Nacht träumte ein enger Freund von mir von einem Bürgerkrieg. Er träumte davon, verzweifelt in verwüsteten Städten nach seinen Freunden zu suchen.

In der Halloween-Nacht träumte ich das auch. Ich träumte davon, in einer Stadt zu leben, in der man einen ballistischen Helm tragen musste, um nach draußen zu gehen, und in der man für jede Autofahrt einen Konvoi und Beobachter brauchte. Es ist nicht ungewöhnlich für mich, von Krieg und Apokalypse zu träumen, um das klarzustellen. In der Nacht danach fielen Asche und Papier vom Himmel, während ich einen ganz normalen Stress-Traum hatte, in dem ich als Erwachsener plötzlich wieder in der Highschool festsaß.

Aber diese Träume verbreiten sich, so wie sich ganz neue Ängste ausbreiten.

Demonstranten bei der No Kings Parade Demonstranten mit Plakaten auf denen gefordert wird, keine Stimmen für Mamdanis Mitbewerber Andrew Cuomo abzugeben, marschieren am 14. Juni 2025 durch die Straßen von New York City.
Demonstranten bei der No Kings Parade Demonstranten mit Plakaten auf denen gefordert wird, keine Stimmen für Mamdanis Mitbewerber Andrew Cuomo abzugeben, marschieren am 14. Juni 2025 durch die Straßen von New York City.

Foto: Moonlightonasnowynight
Lizenz: CC0
Letzte Nacht sind natürlich andere Ängste zurückgegangen. Ein Sozialist wurde mit überwältigender Mehrheit zum Bürgermeister der größten Stadt der USA gewählt. Ich bin skeptisch gegenüber Politikern, wie die meisten Leute wohl wissen. Ich bin skeptisch gegenüber dem System, das selbst die leidenschaftlichsten Linken zu korrumpieren scheint, und ich bin skeptisch gegenüber Mamdanis Fähigkeit, seine Versprechen einzuhalten. Was mich nicht skeptisch macht, ist die Wahlbeteiligung. Was mein anarchistisches Herz erwärmt, ist zu sehen, wie Menschen im ganzen Land beweisen, dass offener Faschismus, wenn schon nichts anderes, zumindest unpopulär ist.

Bitte hol dir deine Wahlnachrichten nicht von mir. Ich denke immer noch, dass das, was wir den Rest des Jahres tun, mehr über uns aussagt als das, was wir in der Wahlkabine tun. Aber ich bin dankbar zu sehen, dass, solange unsere demokratischen Institutionen zusammenhalten, „alle hungern lassen, Menschen entführen und alles zerstören” ein verlierendes Programm für politische Parteien ist.

Trotzdem träumen wir unsere Ängste.

In der Halloween-Nacht träumte ich, dass ich die größte Elster fand, die ich je gesehen habe, tot am Straßenrand, von kleineren Vögeln gefressen. Elstern waren schon immer Omen – eine Gruppe von ihnen wird schließlich als „Tiding“ bezeichnet –, aber für mich waren sie immer besonders wichtig, da das seit zwanzig Jahren mein Spitzname ist.

In meinem Traum versuchte ich meinem Begleiter all das zu erklären, warum ich Angst hatte, eine tote Elster am Straßenrand zu sehen. Aber sie hatten keine Zeit, mir zuzuhören, weil wir schnell an einen bestimmten Ort mussten, da Artillerie feuerte und alles kurz davor war, zerstört zu werden.

Es war kein subtiler Traum, aber wir leben auch nicht in subtilen Zeiten.

Letzte Woche war nach keltischer Tradition der Schleier zwischen den Welten am dünnsten. Letzte Woche, in der Nacht, konnten die Geister aus der anderen Welt unter den Bäumen hervorkommen und unter uns wandeln.

In der Halloween-Nacht ging ich tanzen. Ich trank ein einziges Glas Wein und es hätte mich fast umgehauen, weil ich einen leeren Magen hatte und/oder der Schleier dünner war.

Ich hab fast keinen Geruchssinn. Das hat nichts mit Covid zu tun, sondern ist genetisch bedingt. Meine Familie ist größtenteils anosmisch – geruchsblind. Mein eigener Geruchssinn ist relativ „hell“ (in visueller Hinsicht), aber völlig verschwommen. Düfte sind für mich normalerweise einfach nur „gut“ oder „schlecht“. Jasmin und Lavendel sind zwei meiner Lieblingsdüfte, aber ich weiß nicht, ob ich sie voneinander unterscheiden könnte.

An Halloween, nachdem ich ein Glas Wein auf nüchternen Magen getrunken hatte, erwachte mein Geruchssinn plötzlich zum Leben. Als hätte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Korrekturbrille aufgesetzt, konnte ich plötzlich alles riechen. Alkohol hat das bei mir noch nie bewirkt, zumindest habe ich das noch nie bemerkt.

Es war überwältigend. Es war zu viel. Wie schaffen es Menschen, wie schafft es mein Hund, ständig Gerüche wahrzunehmen? Wie schaffen es Menschen, so viel über das zu wissen, was irgendwo passiert ist?

Ich zog mich in die Kindhaltung zurück, bevor ich unruhig einschlief und von Krieg und diesem toten Vogel träumte.

Ich glaube daran, dass der Schleier dünner wird, obwohl dieser Glaube nicht ganz zu meiner allgemeinen Kosmologie und Theologie passt. Ich neige dazu, nicht zu glauben, dass unsere Seelen unverändert in eine andere Welt übergehen, sondern dass sie sich wie unsere Körper im Universum auflösen.

Ich kann dir nicht sagen, warum ich etwas glaube, das im Widerspruch zu dem steht, was ich sonst glaube, aber es fühlt sich nicht wie Heuchelei an, unvereinbare Überzeugungen zu haben. Stattdessen fühlt es sich menschlich an. Es fühlt sich an, als würde ich meine philosophischen Wetten absichern, sodass ich, egal was wahr ist, ein wenig Recht bekomme. Ich glaube, dass sich unsere Seelen in der großen Suppe der Welt auflösen. Ich glaube auch, dass der Herbst die richtige Zeit ist, um mit den Toten zu sprechen und von ihnen zu lernen, und ich glaube, dass meine Träume dieser Woche Omen sind, obwohl ich nicht glaube, dass sie Omen sind.

Ich kann dir nicht sagen, warum ich etwas glaube, das im Widerspruch zu dem steht, was ich sonst glaube, aber ich kann dir sagen, dass ich mich freue, dass ein Sozialist zum Bürgermeister der größten Stadt der USA gewählt wurde, obwohl ich gesehen habe, wie progressive Kandidaten und Parteien auf der ganzen Welt nach ihrer Wahl Teil der neoliberalen Maschinerie geworden sind. Ich glaube an etwas, das im Widerspruch zu meinen übrigen Überzeugungen steht. Ich glaube nicht, dass er Busse und Kinderbetreuung kostenlos machen wird, aber ich würde gerne sehen, wie er es versucht, und ich bin dankbar zu wissen, dass die Menschen sich umeinander kümmern wollen und ein System stärken wollen, das ihnen das ermöglicht.

An Politiker zu glauben ist ein bisschen wie an Magie, an Träume, an Gebete zu glauben. Ich werde dir nicht sagen, dass diese Dinge keine Rolle spielen, denn das tun sie eindeutig. Unsere Träume sind wichtig. Es ist wichtig, diese Träume auszudrücken und sich mit anderen zusammenzuschließen, um zu sagen: „Wir wollen eine bessere Welt.“

Aber wie William Blake sagte: „Wie der Pflug den Worten folgt, so belohnt Gott die Gebete.“ Man muss tatsächlich den Pflug schieben, wenn man das Feld pflügen will. Der Sieg progressiver Kandidaten ist ein Nebenprodukt unserer Arbeit, in der wir uns umeinander kümmern und eine bessere Welt aufbauen, nicht das Ziel unserer Arbeit.

Ich weiß nicht, ob diese Wahlen die schlimmsten meiner Träume, von Bürgerkrieg und zerbombten Städten, wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen. Ich weiß nicht, was die tote Elster bedeutet. Aber ich bin heute Morgen am Leben, und mein Hund schläft neben mir im Bett, und Träume bringen uns nicht um.

Ich glaube, ich begann stärker an den Schleier und die andere Welt zu glauben, als ich alleine in den Wald zog, weil ich mich häufiger auf meine Träume als Gesellschaft verließ. Aber es war die Liebe zu meinem Hund, einem kurzlebigen Wesen, die mich tief glauben ließ – ich möchte fast verzweifelt wissen, dass mein Hund und ich eines Tages am selben Ort sein werden. Ich werde ihn wahrscheinlich um Jahrzehnte überleben, aber eines Tages werden unsere Körper und Seelen Teil derselben großen Ursuppe des Universums sein.

[Das Wort „Suppe” für diese Idee habe ich von Bernard Mayes, dem schwulen Mann, der die erste Selbstmord-Hotline in den USA eingerichtet hat. Nachdem er sein Leben als anglikanischer Priester verbracht hatte, verlor er seinen Glauben nicht an den Atheismus, sondern an den „Soupismus”, und ich finde diese Idee ansprechend.]

Ich mache mir allerdings Sorgen, dass ich meinen Hund nicht überleben werde. Es ist schwer vorstellbar, dass wir irgendeine Zukunft haben, während sich die Welt erwärmt und Krieg droht, während in meinen Träumen Granaten fallen. Hoffnung ist jedoch eine Disziplin, und ich bin diszipliniert.

Im Herbst setzt die Dunkelheit ein, und danach kommt die Kälte. Das Licht wird bald zurückkehren, aber die Kälte wird danach noch monatelang zunehmen. Es gibt immer eine Verzögerung zwischen dem Versprechen des Lichts und dem Kommen des Frühlings. Das muss ich mir immer vor Augen halten.

Quelle: Margaret Killjoy, A Veil or: halloween and election night, 5. November 2025

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]

Blogkino: Three Outlaw Samurai (1964)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino  den Samurai Streifen von Schwertkampf-Filmemacher Hideo Gosha, der dessen Debüt bei abendfüllenden Filmen war:  Three Outlaw Samurai. Als arme Bauern die Tochter eines Richters entführen, um ihn dazu zu bringen, ihre unfairen Steuern zu senken, beschließt ein umherziehender Ronin, ihnen zu helfen.




k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Finding Fela“- Dokumentarfilm über Fela Anikulapo Kuti

Der Flyer zum Filmabend mit Screenshot aus dem Film sowie den Text: kg » größenwahn » politischer filmabend SONNTAG 16. NOVEMBER 2025 - 19uhr FInding Fela  Dokumentarfilm über Fela Anikulapo Kuti (1938-97) aus Nigeria.  "Finding Fela" zeigt Fela Kutis musikalische Entwicklung, seinen einzigartigen Musikstil Afrobeat u. seine politischen Aktivitäten gegen die nigerianische Regierung, wie er seine Musik nutzte, um gegen die Korruption u. Unterdrückung zu protestieren und eine Bewegung für panafrikanische Politik anzustoßen. Der Film enthält auch Interviews mit Fela Kutis Familie, Freunden, ehemaligen Bandmitgliedern sowie Archivmaterial u. einige seiner bekanntesten Songs, aus Konzertmitschnitten der Band „Africa '70“ Ein komplexes u. faszinierendes Bild eines charismatischen Künstlers, kämpferischen Aktivisten und eines sextrunkenen Egomanen. Er gilt als Begründer des Afrobeat  combatiente zeigt geschichtsbewußt:  revolucion mus sein: filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen kinzigstraße 9 + 10247 berlin + Us samariterstraße + S frankfurter alleeSonntag 16. November 2025 - 19 Uhr:

"Finding Fela"

Dokumentarfilm über Fela Anikulapo Kuti (1938-97) aus Nigeria.

Alex Gibney erzählt die Geschichte von Felas Leben - 2014 — 119 min.

Fela Kuti war ein engagierter Künstler, Unbeugsamer Freiheitskämpfer und Politaktivist, der sich selbst als „antikolonialistischen Panafrikaner“ verstand. Mit AFROBEAT, die Funk+Jazz mit traditionellen westafrikanischen Klängen u. Yoruba-Rhythmen verband machte Kuti den neuen Stil zum Sound der Rebellion.

Bei seinem Aufenthalt in den USA 1969 lernte Fela Kuti bekannte Musiker wie James Brown, Miles Davis u. Sly Stone kennen. Er traf Angela Davis, Stokely Carmichael und The Last Poets und fand die Black Panther gut.

Nach seiner Rückkehr nach Lagos gründete Fela Kuti den (Afrika) Shrine Club, einen Nachtclub, der bald zum Mittelpunkt seiner musikalischen und politischen Aktivitäten wurde. Der Laden war die wichtigste und zeitweilig einzige Live-Spielstätte im Zwölf-Millionen-Einwohner-Großraum von Lagos. Er arbeitete mit dem südafrikanischen Trompeter und Sänger Hugh Masekela zusammen. James Brown, Stevie Wonder und Paul McCartney besuchten ihn im Shrine.

Er gründete dort seine "Republic Of Kalakuta" mit Tonstudio (als Provokation erklärte Fela seine Republic zur einzigen Freien Republik des Landes).

Zunehmend kritisierte Fela Kuti in seinen Texten die durch die Kolonialisierung deformierten Gesellschaftssysteme in Afrika und verurteilte das diktatorische Militärregime Nigerias. 1977 griffen rund 1000 Soldaten Kalakuta an, setzten es in Brand und zerstörten das Musikstudio.

Fela war mehrfach Jahre im Knast, zeitweise in Ghana im „Exil“ Trotz der immer wiederkehrenden Drohungen, Verfolgungen, Verhaftungen und körperlicher Gewalt durch die nigerianische Regierung, setzte er seine Kritik fort, prangerte immer wieder die unterdrückenden Zustände in seiner Heimat an. Seine Musik sorgte in der Bevölkerung für viel Furore u. Kritik am herrschenden System. Die Zeitschrift Rolling Stone bezeichnete ihn als den „gefährlichsten Musiker der Welt“.

Der Film enthält auch Interviews mit Fela Kutis Familie, Freunden, ehemaligen Bandmitgliedern sowie Archivmaterial u. einige seiner bekanntesten Songs, aus Konzertmitschnitten der Band „Africa '70* Ein komplexes und faszinierendes Bild eines charismatischen Künstlers, kämpferischen Aktivisten und eines sextrunkenen Egomanen.

In den 1990er Jahren erkrankte Kuti an AIDS, an dessen Folgen er am 2. August 1997 starb. Als die Leiche von Fela Kuti am 11. August 1997 in einem gläsernen Sarg durch Lagos gefahren und am bedeutendsten Platz aufgebahrt wurde, strömten mehr als eine Millionen Menschen auf die Straße. Chöre sangen Klagelieder; Bands spielten seine Stücke.

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Wieviel Metal steckt in der Vergangenheit? Oder: Über Opfer, Horror und Geschichte

Die Druiden, die gebildete Philosophenklasse der alten Kelten, haben nichts aufgeschrieben. Sie hätten es tun können – einige Kelten waren gebildet und schrieben in gallischer Sprache entweder mit dem griechischen oder dem römischen Alphabet –, aber sie taten es aus Prinzip und Gewohnheit nicht.

Nun, eigentlich wissen wir nicht genau, warum sie es nicht taten, weil sie es uns nicht gesagt haben, weil kein einziger Druide jemals etwas aufgeschrieben hat. Julius Cäsar, der damit beschäftigt war, Gallien (das heutige Frankreich) zu unterwerfen und zu überfallen, meinte, dass die Druiden nichts aufschrieben, weil sie dachten, dass das Aufschreiben von Dingen das Gedächtnis schwächt.

Es dauerte 19 oder 20 Jahre Ausbildung, um Druide zu werden, wodurch sie über umfassende Kenntnisse in Recht, Zeremonien, Konfliktlösung und der Bewegung der Himmelskörper verfügten.

Ein Bild aus einer Reihe von 8 extra illustrierten Bänden von „A tour in Wales“ von Thomas Pennant (1726–1798), die seine drei Reisen durch Wales zwischen 1773 und 1776 beschreiben. Diese Bände sind echt einzigartig, weil sie für Pennants eigene Bibliothek in Downing zusammengestellt wurden. Diese Ausgabe kam 1781 raus. Die Bände haben eine Reihe von Originalzeichnungen von Moses Griffiths, Ingleby und anderen bekannten Künstlern dieser Zeit.
The Wickerman of the Druids, Thomas Pennant (1726–1798)
Wahrscheinlich lernten sie auch, wie man Menschen opfert, aber darüber sind sich Historiker weniger sicher. Wahrscheinlich opferten sie Menschen, indem sie sie unter anderem in riesigen Statuen aus Stroh oder Weidengeflecht lebendig verbrannten, aber das wissen wir nicht mit Sicherheit.

Die meisten zeitgenössischen Schriften über Druiden wurden von ihren Feinden verfasst, die nach einer moralischen Rechtfertigung für die Eroberung Galliens suchten. Ich habe allerdings meine eigene Theorie, warum sie nie etwas aufgeschrieben haben. Eine Theorie, mit der ich mich vielleicht irre. Ich glaube, sie haben nichts aufgeschrieben, weil das Festhalten von Gesetzen und bewährten Praktiken auf Papier diese unveränderlich macht.

Ich bin mir sicher, dass sich die Lehren der Druiden in den Jahrhunderten oder Jahrtausenden, in denen sie lebten, verändert haben. Obwohl sie wahrscheinlich über ein Gedächtnis verfügten, das uns, die wir uns auf das Schreiben verlassen, in Erstaunen versetzen würde, kann ich mir nicht vorstellen, dass es zwischen den Generationen keine subtilen oder radikalen Veränderungen gab – und ich vermute, dass dies beabsichtigt war. Ich vermute, dass die Druiden keine Angst hatten, hier und da Veränderungen zuzulassen und sich den Umständen anzupassen.

Einige Historiker vermuten zum Beispiel, dass die Kelten schon vor der Erklärung Roms, sie seien böse Barbaren, die einer ordentlichen Eroberung bedürften, von Menschenopfern abrückten.

Es ist möglich, dass die Kelten, als überwältigende Legionen aus dem Süden in Gallien und Britannien einfielen, aus Verzweiflung begannen, sich wieder ihren alten Bräuchen zuzuwenden. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Wir wissen nicht viel darüber, was sie dachten, weil sie nichts aufgeschrieben haben.

Wir wissen nicht, ob sie Menschen lebendig in Weidenmännern verbrannten. Wir wissen nicht, ob die Iren ihrem König die Brustwarzen abschnitten und ihm dann an Samhain die Kehle durchschnitten, wenn er seine Arbeit schlecht machte. Wir wissen nicht, ob heilige Frauen in einen ekstatischen Zustand verfielen, eine von ihnen zerfleischten und mit dem zerteilten Körper ihrer Freundin in den Händen herummarschierten. Wir wissen nicht, ob die Kelten dreißig Meter tiefe Löcher gruben, nur um Menschen zu fesseln und hineinzuwerfen. Wir wissen nicht, ob „Woodhenge” (man stelle sich Stonehenge vor, nur aus Holz) durch die Opferung eines dreijährigen Jungen geheiligt wurde.

Die vielleicht wichtigste Frage, die mir beim Studium der Geschichte für meinen Podcast bleibt, ist: „Wieviel Metal war die Vergangenheit?” Hat Lady Bathory zur Hautpflege in Jungfrauenblut gebadet? Haben Astrologen in europäischen Städten des Spätmittelalters Kinder geopfert, wurden bei schwarzen Messen Unschuldige getötet? Haben irische Könige bei ihrer Krönung wirklich mit Pferden gevögelt? Gab es im mittelalterlichen Irland Nudistenkulte, die in Höhlen lebten?

Wenn man über Europa hinausblickt, werden diese Fragen noch fragwürdiger. Was haben die Menschen getrieben? Wo liegen die Grenzen menschlichen Verhaltens?

Denn wenn wir diese Fragen stellen, wirken zwei konkurrierende gesellschaftliche Kräfte. Zunächst einmal sollte man sich bewusst machen, dass es meist diejenigen waren, die diese Anschuldigungen erhoben, die sie auch niederschrieben. Es sind Gerichtsakten, päpstliche Untersuchungen und Kriegspropaganda, die alle Übel der antiken und mittelalterlichen Welt katalogisieren.

Die Römer schürten anti-keltische Leidenschaft, um ihre Eroberungen zu rechtfertigen. Später wurde das mittelalterliche Irland als rückständiger, barbarischer Ort dargestellt, um 800 Jahre Kolonialisierung zu rechtfertigen. Weiter östlich schuldete der König Lady Bathory Geld, und die Untersuchung ihrer bösen Machenschaften durch die Kirche rechtfertigte es, dass der König diese Schulden nicht beglich und sie in ihrem Schloss einsperrte, um sie daran zu hindern, wirtschaftliche oder politische Macht auszuüben. Und diese Astrologen in den mittelalterlichen Städten wurden vor Gericht gestellt, weil sie Frauen dabei halfen, ihre Ehemänner in einer Zeit zu vergiften, in der es noch keine Scheidung gab.

Gleichzeitig wurde die Darstellung von Nicht-Europäern als barbarisch und rückständig genutzt, um koloniale Expansion, Sklaverei, Völkermord und jede Menge andere Gräueltaten zu rechtfertigen.

Dabei wird natürlich übersehen, dass viele der schrecklichsten Taten, die wir in der Geschichte finden können, von europäischen Königen und Regierungen begangen wurden. Man vergisst die „Handwirtschaft”, die Belgien im Kongo eingeführt hat, man vergisst die beiden Völkermorde an den Iren (zuerst durch Cromwells Invasion, später durch die Zwangsernährung mit nur einer einzigen Kulturpflanze, der Kartoffel) oder den absoluten existenziellen Horror, den die Abholzung eines ganzen Landes darstellt. Vergessen wir, dass Lady Bathory, die vielleicht in Blut gebadet hat (ich glaube eher nicht), mit angesehen hat, wie ihr Vater, der Herrscher der Region, eine Frau als Strafe für Diebstahl in den Bauch eines lebenden Pferdes einnähen ließ.

Vergiss, dass Gewalt in großem Maßstab nur von Systemen ausgeübt wird, nicht von Einzelpersonen. Vergiss die endlosen kreativen Methoden, die die Europäer gefunden haben, um Verbrecher hinzurichten. Der erste Mann, der einen Aufstand gegen die Einhegung von Gemeindeland anführte, war ein Wanderarbeiter, der sich Captain Pouch nannte. Er wurde gevierteilt, was du nachschlagen kannst, wenn du möchtest.

Historiker – und wir – haben allen Grund, wilden Behauptungen über wilde Taten von Menschen aus der Vergangenheit misstrauisch gegenüberzustehen. Jeder, der die satanische Panik miterlebt oder darüber gelesen hat, weiß, dass Teenager viel eher Gras rauchen und im Wald Sex haben, als dass sie Kinder dem Satan opfern. Jeder, der über die Hexenprozesse in Europa oder im kolonialen Amerika gelesen hat, weiß, dass die Massenhysterie viel mehr Menschen getötet hat, als die Hexerei jemals hätte töten können.

Andererseits sind Menschen zu einigen verrückten Sachen fähig.

Lady Bathory sah, wie ihr Vater eine Frau in den Bauch eines Pferdes nähte. Ist es so schwer zu glauben, dass sie in dem Blut von Jungfrauen gebadet haben könnte, als sie an die Macht kam? (Ich glaube nicht, dass sie das getan hat, um das klarzustellen.) Bei den Astrologinnen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienten, Ehemänner zu vergiften, ist es wahrscheinlicher, dass die in ihren Gärten gefundenen menschlichen Überreste von Abtreibungen und nicht von Opfern stammten, aber es ist auch nicht schwer zu glauben, dass sie Menschen bei Kindermord halfen. Ich habe keine Probleme damit, den Zeugnissen zu glauben, dass irische Könige Pferde opferten und in ihrem Blut badeten, um gekrönt zu werden, und noch weniger Probleme damit, zu glauben, dass es auf der Insel Nudisten-Sexkulte gab, die in Höhlen lebten. Die Gallier waren wahrscheinlich Kopfjäger, wie die Griechen behaupteten, und die Kelten verbrannten ihre Verbrecher wahrscheinlich in Weidenmännern (denn selbst Caesar gab zu, dass die meisten ihrer „Opfer“ solche von Todesstrafen waren, obwohl ich persönlich die beiden Ideen auch in der modernen Welt für austauschbar halte).

Ich vermute, dass die imperiale Propaganda (und/oder die frauenfeindliche Propaganda im Fall der Astrologen) oft in der Realität begründet war. Sie war nur sehr selektiv in ihrer Auswahl, denn die kolonisierenden Kulturen praktizierten zu Hause ebenso schreckliche Dinge. Ich vermute, dass alle Menschen alle möglichen verrückten Sachen machen und Propaganda davon abhängt, wie man das Bild zuschneidet. So wie moderne Islamfeinde davon reden, dass „Muslime Homosexuelle von Dächern werfen“ (wobei sie die unterschiedlichen Positionen zur Homosexualität in der muslimischen Welt verallgemeinern und eine ganze Religion mit den seltenen Handlungen einiger weniger Menschen gleichsetzen), während dieselben Islamfeinde aktiv daran arbeiten, uns unsere Rechte zu nehmen, und viele von ihnen uns umbringen.

Ich vermute, dass die Vergangenheit verdammt hart war und dass unser Bewusstsein für die Lügen der satanischen Panik und unser Bewusstsein für die Lügen der imperialen Propaganda uns zu der Annahme verleiten, dass die Menschen keine wilden – und oft bösen – Sachen gemacht haben, obwohl sie das in Wirklichkeit oft getan haben. Das ist jedoch nur meine Vermutung und eine der treibenden Kräfte meiner Forschung, weil ich die Neugier nicht aus meinem Kopf bekommen kann.

Außerdem, wenn meine Vorfahren tatsächlich Königen die Brustwarzen abgeschnitten und ihnen die Kehle durchgeschnitten haben, dann scheint mir das eigentlich etwas zu sein, worauf man stolz sein kann.

Quelle: Margaret Killjoy, How Metal Is the Past? or: on sacrifice and horror and history, 29. Oktober 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]

Blogkino: Sword of the Beast (1965)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino  den Samurai Streifen „Sword of the Beast“. Der legendäre Schwertkampf-Filmemacher Hideo Gosha erzählt in dem Film die Geschichte von Gennosuke, einem einfachen Schwertkämpfer, der im Rahmen einer Verschwörung einen seiner Minister umbringt. Seine ehemaligen Kameraden wenden sich daraufhin gegen ihn, und dieser Verrat erschüttert sein Ehrgefühl so sehr, dass er beschließt, wie ein Tier in der Wildnis zu leben. Dort schließt er sich einer bunten Gruppe an, die illegal das Gold des Shoguns abbaut, und mit der Hilfe eines anderen Schwertkämpfers bekommt er die Chance, nicht nur zu überleben, sondern auch seinen Namen und seine Ehre zurückzugewinnen.




k9 » größenwahn » politische fiimabende November - Februar 2025

Text auf der Flyerrückseite: kg größenwahn politische filmabende  SONNTAG 16. NOVEMBER 2025 - 19uhr ‚Finding Fela!“ Film über Fela Kuti Er gilt als Begründer des Afrobeat Die Geschichte von Felas Leben - 2014 — 119 min. Fela Kuti war engagierter Künstler, Unbeugsamer Freiheitskämpfer+Politaktivist der sich selbst als „antikolonialistischen Panafrikaner“ verstand  SONNTAG 14. DEZEMBER 2025-19 uhr „AMANDLA! A Revolution in Four-Part Harmony“ südafrikanischen Musik, Geschichte des Widerstands gegen die Apartheid mit Miriam Makeba, Abdullah Ibrahim, Masekela u.a. Der Film blickt zurück auf 40 Jahre Kampf gegen die Rassentrennung in Südafrika, erzählt hier Geschichte des Widerstands über die Musik  SONNTAG 18. JANUAR 2026 - 19 uhr „Soundtrack zu einem Staatsstreich“ Der Film thematisiert die Ermordung Lumumbas, den Kalten Krieg, Dekolonisierung Afrikas, die Rolle der UN, „US-Präsident Eisenhower habe den Mord an Lumumba in Auftrag gegeben. Der erste frei gewählte Premier Kongos“  SONNTAG 22. FEBRUAR 2026 - 19 uhr „MALCOLM X“ -Leben, Kampf, Ideen eines Revolutionärs - Er verband radikalen Einsatz für Bürgerrechte mit Antiimperialismus und Internationalismus  kinzigstraße 9 + 10247 berlin « U5 samariterstraße + S frankfurter allee
Flyer zu den Filmabenden
Sonntag 16. November 2025 - 19 Uhr:

"Finding Fela"
Sonntag 14. Dezember 2025 - 19 Uhr:

"Amandala! A Revolution in four-part Harmony"
Südafrikanische Musik, Geschichte des Widerstands gegen die Apartheid mit Miriam Makeba, Abdulla Ibrahim, Masekala u.a.

Sonntag 18. Januar 2026 - 19 Uhr:
"Soundtrack zu einem Staatsstreich"
Der Film thematisiert die Ermordung Lumumbas, den kalten Krieg, Dekolonisierung Afrikas, die Rolle der UN

Sonntag 22. Februar 2026 - 19 Uhr:
"Malcolm X"
Leben, Kampf und Ideen eines Revolutionärs

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