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»Zu argumentieren, dass Sie keine Privatsphäre brauchen, weil Sie nichts zu verbergen haben, ist so, als würden Sie sagen, dass Sie keine Meinungsfreiheit brauchen, weil Sie nichts zu sagen haben.« Edward Snowden

Staatsräson vor Rechtsstaat - Wie die Ulm 5 Deutschland auf die Probe stellen

Externer Inhalt von YouTube Beim Laden wird eine Verbindung zu YouTube (Google) hergestellt. Dabei können personenbezogene Daten, insbesondere Ihre IP-Adresse, übertragen werden. „Wir haben einen Rechtsstaat. Daran habe ich keinen Zweifel." Das war Friedrich Merz' Antwort, als er auf einer Pressekonferenz in Dublin am 28. Juli gefragt wurde, ob der Prozess gegen die sogenannten Ulm 5 ein Schauprozess sei – eine Einschätzung, die irische Politiker bereits zuvor öffentlich vertreten hatten, nachdem eine parteiübergreifende Delegation aus sechs Abgeordneten und einer Europaabgeordneten am 22. Juli 2026, dem elften Verhandlungstag, nach Stammheim gereist war, um sich den Prozess selbst anzusehen. Sie besuchten Daniel Tatlow-Devally, den irischen Staatsbürger unter den fünf Angeklagten, in der Ulmer Haftanstalt, wo er seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft isoliert ist, durften jedoch nicht mit ihm über seinen Fall sprechen. Im Gerichtssaal untersagte ihnen die vorsitzende Richterin Kathrin Lauchstädt am nächsten Tag jegliche Mitschrift – ein Vorgehen, das die Verteidigung als skandalöse Verletzung parlamentarischer Rechte bezeichnete –, während die Angeklagten hinter einer Glasscheibe saßen, ohne vertraulich mit ihren Anwälten sprechen zu können, in einem Prozess, von dem es kein vollständiges Protokoll gibt. Politiker Richard Boyd Barrett und Barry Ward bezeichneten dies als Schauprozess.

Den Ulm 5 werden Sachbeschädigung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB vorgeworfen, nachdem sie im September 2025 in das Ulmer Büro von Elbit Systems eingedrungen waren. Ihre Anwälte argumentieren, die Aktion sei ziviler Ungehorsam gewesen, gedeckt durch den Rechtsbegriff der Notwehr – notwendige Verteidigung, um Schaden von anderen abzuwenden –, und verweisen darauf, dass Elbit bis zu 85 Prozent der Drohnen liefert, die Israels Militär in Gaza, im Westjordanland und im Libanon einsetzt, eine Technologie, die Zivilisten getötet hat, viele von ihnen Kinder. Am selben Verhandlungstag beantragte die Verteidigung förmlich, Marian Rachow, den Geschäftsführer von Elbit Systems Deutschland, als Zeugen zu laden – in der Überzeugung, er könne die Beteiligung der deutschen Tochtergesellschaft an Israels Kriegsführung durch Technologietransfer, Ausrüstungslieferungen und finanzielle Verflechtungen bestätigen. Über die Zulassung dieses Beweisantrags hat das Gericht bislang nicht entschieden. Wochen zuvor hatte die Verteidigung bereits die Ablösung des leitenden Staatsanwalts gefordert, weil dieser keinerlei Ermittlungen gegen Elbit Deutschland geführt und die Polizei sogar angewiesen habe, in diese Richtung nicht zu ermitteln.

Zusammengenommen machen diese Anträge aus einem Sachbeschädigungsprozess die Prüfung einer größeren Frage: ob die deutsche Justiz wirklich unabhängig von der Staatsräson sein kann – jener ungeschriebenen Regel, die außerhalb des Rechts selbst wirkt –, um Israels Kriegsmaschinerie und eine mögliche deutsche Mitverantwortung daran losgelöst von Berlins Politik der bedingungslosen Unterstützung Israels zu untersuchen. Dieselbe Frage begleitete Merz, als er auf derselben Pressekonferenz gefragt wurde, warum Deutschland Sanktionen gegen Israel weiterhin ablehnt – trotz der laut UN auf einem historischen Höchststand befindlichen Gewalt im besetzten Westjordanland und eines UN-Untersuchungsausschusses, der im Juni zu dem Schluss kam, dass Israel einen Völkermord an palästinensischen Kindern in Gaza begeht. Genau darin liegt der Widerspruch, der in Stammheim aufeinanderprallt.

Vor dem Ulmer Gefängnis, in dem Daniel einsitzt, steht ein Denkmal für Hans und Sophie Scholl von der Widerstandsgruppe Weiße Rose, die in ihren Flugblättern dazu opferten, Rüstungsfabriken zu sabotieren, und die heute als Helden geehrt werden. Der deutsche Staat liest seine Geschichte als eine Schuld, die vor allem gegenüber Israel besteht. Die Ulm 5 lesen dieselbe Geschichte als Aufforderung, den Waffenfluss hin zu Massentötungen zu stoppen. Sie handelten, um zu stoppen, was ein UN-Ausschuss als Völkermord bezeichnet hat; Deutschland unterstützt Israel unter Berufung auf dieselbe Vergangenheit weiterhin militärisch wie diplomatisch – ungeachtet dessen.

Text: jW


EINTOPF braucht eure Unterstützung!

Das SharePic für die Kampagne zeigt eine Gießkanne, die einen Blumentopf gießt. Dazu die Logos des IT Kollektivs und von Eintopf.info überlagert vom Text "Let's go, let's grow Deine Unterstützung für digitale Souveränität Klasse & Methode e.V. liebt und lebt digitale Commons*: Wir betreiben Eintopf Stuttgart und weitere kostenlose Dienste für viele lokale Gruppen. So viele, dass ein neuer Server her muss, da der alte aus allen Nähten platzt.".

Klasse & Methode - IT Kollektiv Stuttgart betreibt seit einigen Jahren den Veranstaltungskalender EINTOPF Stuttgart wo wir unabhängig von Big-Tech unsere Events veröffentlichen können. Das schafft Autonomie von der Willkür der Konzerne ob und wie viel wir auf deren Plattformen stattfinden dürfen. Auf EINTOPF wird unsere Reichweite nicht beschränkt, wenn unsere Inhalte nicht in den Algorithmus passen.

Jetzt braucht Klasse & Methode einen neuen Server, und wir möchten euch bitten die Finanzierung mit einer Spende zu unterstützten, falls ihr könnt. Alle Infos gibt’s auf der Crowdfunding-Seite.

 


 

Arbeitskonflikt mit Keyf – nächste Runde

Das Foto zeigt die Solikundgebung vor dem Keyf am 17. Juli 2026 mit solidarischen Teilnemer*innen und dem "Pay Your Workers" Transpartent sowie einige FAU Fahnen und weitere, unter anderem mit dem Anarcho A
Solikundgebung vor dem "Keyf" am Stuttgarter Rotebühlplatz

Eine Woche vor der Güteverhandlung haben wir es uns nicht nehmen lassen: Am 17.07. versammelten sich ein weiteres Mal Mitglieder und Unterstützer:innen der FAU Stuttgart vor dem Keyf Grill & Frühstück Döner. Mit Redebeiträgen auf deutsch und türkisch, mehrsprachigen Flyern, einem Banner und Gesprächen mit interessierten Passant*innen machten wir auf die Forderung unseres Mitglieds aufmerksam. Es fordert vom Gastronomiebetrieb Keyf Grill & Frühstück Döner nicht bezahlten Lohn.

Wir stehen solidarisch an der Seite unseres Mitglieds. Arbeitsrecht gilt auch in der Gastronomie. Jede Arbeit muss bezahlt werden.

Wir fordern Keyf auf: Zahlen Sie den geforderten Lohn – Geld her!

Am 24. Juli ab 10:30 findet die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Stuttgart, Gerichtstag Waiblingen, Amtsgericht Waiblingen, Fronackerstr. 56, 71332 Waiblingen, Saal 0.01, Erdgeschoss, statt.

Kommt zur Verhandlung und unterstützt unser Mitglied!

Du hast Ärger an deinem Arbeitsplatz? Organisier dich – komm zur FAU!

Mehr zum "Fall Keyf"

Quelle: FAU Stuttgart


 

Keyf Stuttgart: Nach der Kundgebung ist vor der nächsten Kundgebung!

Das Foto zeigt Teile der Kundgebung vor dem Keyf am 5. Juni mit einem Transparent, auf dem der Text "Pay your Workers! - FAU" zu lesen ist. Daneben verschiedene Aktivist*innen und Passanten.
Foto: FAU Stuttgart

Am 5. Juni 2026 versammelten sich Mitglieder und Unterstützer*innen der FAU Stuttgart vor dem Keyf Grill & Frühstück Döner, um mit Redebeiträgen auf den von einem Mitglied gegenüber dem Betrieb geforderten Lohn aufmerksam zu machen und die Forderung "Geld her!" öffentlich zu machen. Damit zeigen wir: braucht ein Mitglied unsere Hilfe, so sind wir da!

Die Chefs erschienen während der Kundgebung persönlich vor Ort.

Am 17. Juli 2026 ab 19 Uhr findet erneut eine Kundgebung statt.

Wir fordern Keyf auf:

• Zahlen Sie den geforderten Lohn – Geld her!

Am 24. Juli ab 10:30 findet die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Stuttgart, Gerichtstag Waiblingen, Amtsgericht Waiblingen, Fronackerstr. 56, 71332 Waiblingen, Saal 0.01, Erdgeschoss, statt.

Kommt zur Verhandlung und unterstützt unser Mitglied!

 

Quelle: FAU Stuttgart