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»Unsere Gesellschaft scheint nicht mehr verstehen zu können, dass es möglich ist, anders als unter der Herrschaft des Gesetzes zu existieren, das von einer repräsentativen Regierung ausgearbeitet und von einer Handvoll Herrschern verwaltet wird.« Pjotr Alexejewitsch Kropotkin

Nach Debanking jetzt "Nobanking"? Die Berliner Sparkasse verweigert dem Bund der Antifaschist*innen Treptow (VVN-BdA) Kontoeröffnung

Logo der VVN-BdA: Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung. Darunter die Abkürzung VVN-BdA
Logo der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisti:*Innen (VVN-BdA): Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung
Dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) Treptow ist an Freitag, 5 Wochen nach Beantragung eines neuen Vereinskontos,  die Eröffnung von der Berliner Sparkasse verweigert worden. Eine Begründung dafür nannte das Vereinscenter der Berliner Sparkasse  "entsprechend den Gepflogenheiten des deutschen Kreditgewerbes" in einer dreizeiligen Mail nicht. Der Vorstand des BdA Treptow legte beim Vorstand der Berliner Sparkasse Einspruch ein und wird juristisch gegen diese vorgehen, sollte dies nötig sein.

Zuvor hatte die Postbank, Tochter der Deutschen Bank und von 1933-1945 in NS-Verbrechen verstrickt,  der Vereinigung, der auch etliche Nachfahr*innen von Opfern des Holocaust und weitere Verbrechen des NS-Regimes angehören, Anfang des Jahres ohne Angabe von Gründen das Vereinskonto gekündigt. Ab 1.Mai steht unsere Bezirksorganisation BdA Treptow, wenn die Berliner Sparkasse nicht einlenkt,  jetzt ohne Vereinskonto da.

Der Bürgermeister des Bezirks Treptow Oliver Igel (SPD) nannte die Verweigerung der Berliner Sparkasse "sehr unerfreulich" und will sich persönlich an die Sparkasse wenden. Auch Dr Gregor Gysi, seine Eltern wurden als Verfolgte des NS-Regimes lange vom BdA Treptow betreut, wird sich bei der Sparkasse und in der Berliner Politik für den BdA Treptow einsetzen.

Das bedeutet, dass die Vereinsarbeit erheblich behindert  behindert wird. Jede*r kann sich ausmalen, was es bedeutet kein Konto zu besitzen. Die Berliner Sparkasse schädigt damit nicht nur die Betreuung der Nachkommen der Opfer des NS-Regimes, sondern auch die äußerst aktive Zivilgesellschaft im Bezirk Treptow in erheblichen Maße.   Dr. Ellen Händler, Vorsitzende des BdA Treptow, sie hat 80 Verwandte  durch die Shoa verloren, ihr Vater konnte den Nazis nur knapp durch einen Kindertransport nach England entkommen, schildert einen Aspekt der Verweigerung der Berliner Sparkasse  -  »Wir sind die Koordinierungsstelle für Stolpersteine im Bezirk, dafür benötigen wir ein Konto, weil wir sonst keine Spenden von Überlebenden oder Hinterbliebenen z.B. aus dem Ausland annehmen können"- der für vieles weitere steht. Der BdA Treptow ist seit Jahrzehnten einer der aktivsten Akteure für antifaschistische Erinnerungspolitik und Demokratiebildung, im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus im Bezirk, mit einen stets wachen Blick auf die Rechtsentwicklung im Bezirk und hat stetig darauf hingewirkt, diesen zurück zu drängen, immer in einem engen Bündnis mit der demokratischen Zivilgesellschaft im Bezirk. Überdies ist die Arbeit des BdA Treptow stattlich als gemeinnützig anerkannt.

Nicht zuletzt sind viele,  gerade betagte Mitglieder des BdA Treptow, entsetzt und bedrückt über die Zurückweisung und Missachtung ihres Lebenswerkes durch die Sparkasse, gerade in Zeiten, in denen die rasante Rechtsentwicklung und die steigenden Wahlergebnisse der AfD an die Verhältnisse gegen Ende der Weimarer Republik erinnern.

Wir wissen nicht warum die Berliner Sparkasse die Kontoeröffnung verweigert, stellen das "Nobanking" aber in Zusammenhang mit den zahlreichen "Debanking"- Fällen gegen fortschrittliche Vereine der letzten Zeit. Allein In Berlin sind in den letzten Monaten dem Berliner Landesverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie dem Kreisverband Weißensee-Hohenschönhausen und VVN-VdA (ehemals Westberlin) die Konten gekündigt worden.

Wir fordern die Berliner Sparkasse auf,  ihre Entscheidung zu überdenken, diesen Skandal zu beenden und sich nicht in das konservative Rollback gegen engagiertes antifaschistisches, demokratisches Engagement und eine lebendige  Erinnerungspolitik einzureihen. Die Berliner Sparkasse ist auch ein Instrument der Grundversorgung der Berliner Bevölkerung - diesem Auftrag hat sie nachzukommen.

Quelle: VVN-BdA Berlin, 20. April 2026

Solidarität mit der Habersaathstraße

Das Foto von © heba zeigt das Transparent mit dem Text "Abriss war gestern schon Scheiße" mit dem "Roten Rathaus" im Hintergrund.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
In der Habersaathstraße 40-48 wird seit Jahren versucht, Menschen mit Drohungen und Gewalt aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Seit vier Monaten leben die Mieter:innen ohne Heizung und Warmwasser. Leerstehende Wohnungen werden im Auftrag des Vermieters demoliert, Türen eingetreten, Sanitäranlagen zerstört. Schlägertrupps im Haus – Angst gehört für die Bewohner:innen zum Alltag.

„Das geht uns alle an!“ Der Berliner Mieterverein, das Bündnis gegen Verdrängung & Mietenwahnsinn, das Bündnis gegen Zwangsräumungen und andere organisierten am Samstag, den 28. März eine Soli-Demonstration für die Habersaathstraße. 400- 500 Menschen kamen zur Unterstützung und um Druck zu machen, das die Bewohner*innen der Habersaathstraße nach dem langen Winter endlich sicher in ihren Wohnungen bleiben können. Kein Abriss! Mieter:innen schützen! Bezahlbare Wohnungen retten! Rekommunalisierung jetzt!

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Nach der Auftaktkundgebung vor dem Roten Rathaus führte die Demo quer durch Berlin-Mitte zur Novalisstraße 13 zur Zwischenkundgebung. An der immer noch von Abriss bedrohten ehemaligen CHARITE Papageienplatte in der Habersaathstrasse 40-48 wurde die Demo mit großem Hallo und Musik von Judith’s Krise, dem Resonanzchor und Kiezchor zur Abschlusskundgebung empfangen. In den Beiträgen zur Geschichte und aktuellen Situation in der Habersaathstraße findet auch ein Thema Gehör, das auf öffentlichen Kundgebungen sonst eher Tabu ist. Annegret Taube von „Leerstand Hab Ich Saath“ spricht über die hohe emotionale Belastung, die diese Kämpfe bedeuten. Hier ihr Beitrag.

„Ich komme jetzt schon einige Jahre und immer gerne hier ins Haus, um ein bisschen zur Hand zu gehen wo ich kann. Ob bei Reparaturen von Türen, Lampen, Spülkästen oder zerschlagenen Fenstern, ob zur Gartenpflege oder zum aufwischen des letzten Wasserschadens und vor allem auch um emotionalen Beistand zu leisten in diesem psychisch, physisch und emotional so belastenden Kampf um das eigene Zuhause.
Nie, Daniel, vergisst du nach einem langen gemeinsamen Arbeitstag dich für meine Hilfe zu bedanken. Aber wer sollte hier eigentlich wem danken? Wer hilft hier eigentlich wem?
Helfe ich Miriam, Ibrahim oder Daniel darin ihren Wohnraum nicht zu verlieren, weil ich ein bisschen bei der Instandhaltung helfe, ein bisschen Fürsorge leiste?
Ist es nicht viel mehr umgedreht: Dadurch das ihr immer noch diese fünf Häuser vor dem Abriss verteidigt, mit allen Strapazen, die das bedeutet, kämpft ihr auch für meine Chancen auch in Zukunft noch einen irgendwie bezahlbaren Wohnraum zu finden. Und heute ist eine Wohnung schneller verloren als eine neue gefunden, dieser Erfahrung bin ich Anfang des Jahres selbst knapp entkommen. Das hier geht uns also alle an!
Wenn diese Wohnungen erhalten bleiben, wenn das Recht auf Wohnen über Pichottas Traum vom Abriss siegt, hat das nicht nur einen positiven Einfluss auf den Berliner Mietspiegel insgesamt. Es sendet auch ein Signal an andere Eigentümer*innen mit ihren verbrecherischen Entmietungsmethoden, ist auch ein Mut-machendes Signal an andere Menschen in Mietenkämpfen und bestenfalls hilft es sogar gegen die Arbeitsverweigerung mancher trüben Tasse im Bezirksamt, die mit ihrer Untätigkeit, ihrem schwachen Willen und fehlendem Mut diese kriminellen Eskalationen wie sie in der Habersaathstraße 40-48 seit Jahren geschehen, erst ermöglichen. Ja, dieser Kampf hier geht uns alle etwas an!
Für unser Zuhause müssen wir selber kämpfen, das ist in dieser Stadt längst bekannt. Die Bewohner*innen der Habersaathstraße 40-48 sind ein besonders beeindruckendes Beispiel, denn
hier kämpfen Menschen seit bald 20 Jahren und sie tun es ausgesprochen erfolgreich! In diesem Sinnen möchte ich die Gelegenheit nutzen einmal ausdrücklich Danke zu sagen an alle
Bewohner*innen der Habersaathstraße 40-48. Besonders bedanken möchte ich mich bei den Langzeitmieter*innen der IG Hab für ihre unglaubliche Ausdauer, für ihre Hartnäckigkeit und
Widerstandsfähigkeit, für die längst nicht mehr zu zählenden Stunden an harter Arbeit, die du Daniel seit Jahren investierst diesen Wohnraum nicht nur für dich, sondern für so Viele zu erhalten und das unter Umständen, für die mir früher die Fantasie gefehlt hätte. Danke an euch alle, die ihr euch dem eskalierenden Wohnungsmarkt nicht ergebt! Sondern euch widersetzt und für den Erhalt dieser Häuser einsteht und damit nicht nur das eigenen Zuhause schützt, sondern auch mein Zukünftiges.

Das war der angenehme Teil meines Beitrags.
Jetzt möchte ich über die andere Seite politischer Arbeit sprechen, die viel weniger Beachtung findet, von der öffentlich nur selten gesprochen wird, die nicht kämpferisch und laut auf
Kundgebungen und Soliveranstaltungen von allen gefeiert werden kann. Ich denke, viel zu selten sprechen wir über die hohe emotionale Belastung, die diese Kämpfe auch bedeuten. Vielleicht tun wir das im kleinen vertrauten Kreis, in dem man sich traut von seiner Verzweiflung und von seiner Angst zu sprechen. Auf öffentlichen Veranstaltungen, in großen Plenas, auf Bühnen einer Kundgebung oder in Texten, die wir schreiben, kommt dieser Teil oft nicht vor.
Nicht anschlussfähig für ein Demopublikum was vor allem motiviert werden möchte?
Psychische und physische Belastungen und ihre Folgen sind in den letzten Jahren auch ein erheblicher Teil des Kampfes um die Habersaathstraße 40-48 geworden. Sie sollten auch Beachtung finden. Wer die Geschichte dieses Haus hören möchte, soll auch von dem Schaden hören, den dieser lange harter Kampf an unseren Seelen angerichtet hat.
Mit der emotionalen Belastung die der existenziellen Kampf um den eigenen Wohnraum auch bedeutet meine ich: Die Angst zu scheitern, das Gefühl vor lauter Überarbeitung den Sinn nicht mehr zu kennen, viel zu viel Arbeit für zu wenige Hände, die doch schon so müde sind von aller Schufterei. Die Last von zu viel Verantwortung, auch seinen Mitstreiterinnen gegenüber. Ich meine damit auch die Wut darin nicht angehört zu werden, über sogenannte innere Konflikte nicht sprechen zu sollen und sich von den eigenen Leuten im Stich gelassen zu fühlen. Ich meine auch die Last, die Angst der Anderen mit aushalten zu müssen und die, am eigenen Anspruch bei allem trotzdem verständnisvoll zu bleiben, letztlich doch zu scheitern.
Solidarität mit erhobener Faust auf der Straße ist leichter als in Solidarität mit denen, die vom Kampf kaputt gegangen sind sich zu verbünden. Wenn wir aber von einer besseren Welt für alle träumen, wie wir sagen, dann geht auch das uns alle an.

Wer glaubt, siegreiche Häuserkämpfe führen nur die mit einer starken Psyche, mit einem stabilen gesunden Umfeld, mit einer guten Work-Life-Balance und der viel gelobten Selbstfürsorge, der täuscht sich. Nein. Diese Häuser erhalten Menschen, von denen Viele massiven Schaden an ihrer Seele erlitten haben, durch das was hier passiert. Diese Häuser erhalten die oft Gebrochenen und wieder Zusammengeflickten, die psychisch Instabilen, die Traumatisierten. Wenn wir nach unserem Befinden gefragt werden, kann es passieren, dass wir viel zu viel reden, zu emotional zu wenig sachorientiert, wir vergreifen uns im Ton, wir haben Schlafstörungen, Haarausfall, dünne Nerven und trinken Tee gegen nervöse Unruhezustände – auch so sind die Kämpfer*innen der Habersaathstraße 40-48 und siehe da die Häuser stehen noch! Der Maschinenraum in diesem Haus läuft aber manchmal klappert, quietscht und keucht er eben gewaltig.

Der Maschinenraum in diesem Haus läuft aber manchmal klappert, quietscht und keucht er eben gewaltig.

Ich frage mich oft, wie solidarisch diese Welt, auf die wir hoffen ist, wenn wir uns so wenig trauen öffentlich zuzugeben, dass diese Kämpfe zu führen für viel von uns auch bedeutet kaputt zu gehen, auszuscheiden, damit allein zu bleiben und schließlich vergessen zu werden.
Um ehrlich zu sein habe ich schon lange genug von kämpferischen Parolen, die schnell verklingen, nichts wissen wollen von unseren Belastungen, die da aber auch eben sind. Parolen, die mich vor allem daran erinnern, dass ich bloß tapfer weiter machen soll. Ich habe auch genug von guten Ratschlägen zur besseren Abgrenzung und Selbstfürsorge. So ein Projekt wie dieses zu erhalten, bedeutet für die, die das hier vor Ort tun oft, über die eigenen Grenzen zu gehen. Auch weil schon viele gegangen sind, auch wenn das immer niemand hören will.
Ein Mieter sagte mal zu mir: Dieses Haus ist auch ein Gefängnis. Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand.

Dieses Haus ist auch ein Gefängnis. Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand.

Lieber noch als manche Kundgebung es oft war, ist mir jeder Arm, der mir gereicht wird, um zu heulen über die Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die wir hier oft empfinden, ist mir jedes ernst gemeinte ‚Wie geht es euch?‘, was einen Moment hilft sich weniger allein in diesem Kampf zu fühlen.
Ich wünsche mir, dass wir anfangen uns von der Kehrseite unseres Aktivismus genauso selbstbewusst zu berichten, wie von den gewonnenen Kämpfen. Das wir uns trauen öffentlich zu
sagen ‚Ich kann nicht mehr, es ist zu viel‘ und auch das geht uns alle etwas an. Ich wünsche mir die Stärke, gemeinsam auch laut und öffentlich „Schwach“ sein zu können und das als neue Praxis der Selbstfürsorge anzuerkennen.
Ich habe hier nicht nur gelernt wie unbeschreiblich schön es sich anfühlt etwas gemeinsam zu bewegen. Ich habe hier aber auch schmerzlich lernen müssen: Soziale Kämpfe haben für manche Menschen etwas Zerstörerisches. Ich möchte das das nicht vergessen wird. Es gehört genauso zur Geschichte dieser Häuser.
Diese Rede wird deshalb auch keine ermutigende Pointe haben. Denn unsere seelischen Schmerzen, die wir bei allem immer mit uns tragen, all die Tränen die um und in diesen Häusern schon geweint wurden hatten sie auch oft genug nicht.

Ich wünsche mir, dass die schmerzliche Seite beim Widerstand leisten nicht mehr so oft vergessen wird, das Menschen sich in diesen so emotional belastenden Kämpfen weniger allein fühlen und das sie ermutigt werden darüber zu sprechen. Ich bin froh über unseren Zusammenhalt.“
Annegret Taube

Weitere Hintergrundinformationen gibt es auf der Seite EINE PLATTE WILL BLEIBEN und auf der Seite DAS GEHT UNS ALLE AN

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Stagehands hinter Berlins größten Bühnen fordern faire Arbeitsbedingungen

Das SharePic zeigt zwei Bühnenarbeiter*Innen, die eine Traverse tragen, dazu der Text "Stagehands hinter Berlins größten Bühnen fordern faire Arbeitsbedingungen".  Dazu das Logo der FAU
Stagehands Logo
Die Arbeiter*innen des Veranstaltungsunternehmens „36 Stage XL GmbH“ wehren sich gegen unsichere Arbeitsbedingungen. Die selbstorganisierte Betriebsgruppe innerhalb der Gewerkschaft FAU Berlin fordert Verbesserungen hinsichtlich der Arbeitssicherheit und feste Arbeitsverträge. Bislang schweigt 36 Stage XL zu diesen Forderungen.

Ein großer Teil der Belegschaft arbeitet auf Basis eines Rahmenvertrags, der eine sogenannte „unständige Beschäftigung“ vorsieht. Germán G., einer der Arbeiter*innen, erläutert dazu: „Wir wissen nie, wie viel Geld wir am Ende des Monats haben werden. Es gibt keine Garantie für Arbeitsstunden. Es gibt keine durchgängige Krankenversicherung, keinen bezahlten Urlaub, keine bezahlte Krankschreibung.“

Ein Sprecher der FAU Berlin erklärt: „Uns liegen Hinweise vor, dass solche Verträge möglicherweise illegal sind. Wir werden sie daher vor Gericht anfechten.“

Darüber hinaus sind die Beschäftigten von 36 Stage XL weiteren Risiken ausgesetzt: Vojta C., ein ehemaliger Arbeiter, betont: „Unsere Gesundheit ist ständig gefährdet gewesen. Ich kenne niemanden, der oder die ein Sicherheitstraining oder bezahlte Schutzausrüstung erhalten hat. Es gab mehrere schwere Unfälle, wobei fast niemand der Verletzten Zahlungen für die Schäden erhalten halt.“

Die Mitarbeiter*innen haben sich in der Vergangenheit bereits an den Arbeitgeber gewandt, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen, jedoch ohne wahrnehmbaren Effekt. Vor zwei Jahren haben sie begonnen, sich als Betriebsgruppe in der FAU Berlin zu organisieren.

„Als FAU Berlin erwarten wir von 36 Stage XL, dass unsere Forderungen unverzüglich erfüllt werden. Die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse und die Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz müssen ein Ende haben“, erklärt ein Sprecher der FAU Berlin.

Mehr als 100 Arbeiter*innen sind bei 36 Stage XL beschäftigt. Auf den bekanntesten Bühnen in Berlin, darunter die Uber Arena und das Olympiastadion, ermöglichen sie Shows so berühmter Künstler*innen wie Marylin Manson, Lady Gaga oder Katy Perry. Zur alltäglichen Arbeit gehört das Heben und Tragen schwerer Bühnenkomponenten.

Kernforderungen
  • Einhaltung rechtlicher Vorgaben (u.a.: pünktliche und vollständige Lohnzahlungen, Bezahlung von Urlaubszeit und im Krankheitsfall, Maßnahmen für Arbeitssicherheit am Arbeitsplatz)
  • Das Recht für alle Beschäftigten auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag oberhalb eines Mini-Job-Vertrags
  • Eine Lohnerhöhung von 2,50 Euro pro Stunde
  • Schutz vor Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz
  • Übernahme der Kosten für An- und Abfahrt zum bzw. vom Einsatzort


Zeitleiste
Sommer 2023: Erste Klage gegen 36 Stage XL wegen der Kündigung eines FAU Mitglieds
Mai 2024: Gründung der Betriebsgruppe
Juni 2025: Die Website „Stage Workers United“ geht online
Dezember 2025: Ein FAU-Mitglied wird nachdem es ausstehenden Lohn gerichtlich einforderte entlassen
6. Februar 2026: Erstes Forderungsschreiben an die Geschäftsleitung, in dem Verhandlungen über die Verbesserung der unsicheren Arbeitsbedingungen, gefordert werden
20. Februar 2026: Zweites Forderungsschreiben an die Geschäftsleitung, in dem erneut Verhandlungen gefordert und die Veröffentlichung der Forderungen gegenüber allen Beschäftigten sowie der Öffentlichkeit angekündigt werden
9. März 2026: Offener Brief an alle Beschäftigten
11. März 2026: Drittes Schreiben an die Geschäftsleitung, in dem diese über den Offenen Brief informiert wird und die Forderungen nach Verhandlungen erneut bekräftigt werden
30. März: Arbeitskonflikt wird publik gemacht

Quelle: FAU Berlin, 30. März 2026

This Saturday: All Out for No Kings Day 3!

Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Masked secret police are terrorizing our communities. An illegal, catastrophic war is putting us in danger and driving up our costs of living. Attacks on our freedom of speech, our civil rights, and our freedom to vote are happening on a daily basis. Costs are pushing families to the brink. #Trump is acting like a tyrant. But this is America, and power belongs to the people - not to wannabe kings or their billionaire cronies.

This Saturday, March 28th, we will show up together to demand, No Kings!


Please plan to join what promises to be the largest democracy, human rights, and peace demonstration in U.S. history. More than 3,000 events are planned.

FIND A NO KINGS EVENT NEAR YOU!

As President Trump escalates his attempts to control us, it is on us, the people, to show that we will fight to protect one another and our country. If he believes we will roll over and allow him to take our freedoms, he is mistaken. We are coming together on March 28 across issues, ages, races, and religions, because we know we can overcome this repression when we unite.



(In #Germany also in #Munich / #München #Nuremberg / #Nürnberg #Frankfurt #Wiesbaden #Düsseldorf #Bremen & #Hamburg)

#NoKings! #NoWars! #NoNukes! #NoICE


Straßenfeste und Ölkrisen oder: Wie man sich vorbereitet

Es ärgert mich, wenn abgedroschene Sprüche tatsächlich zutreffen. Deshalb ärgert es mich, dass ja, der beste Zeitpunkt, sich vorzubereiten, gestern war. Der nächstbeste Zeitpunkt, sich vorzubereiten, ist heute.

Es ist Zeit, sich vorzubereiten. Oder, wenn du regelmäßig meine Beiträge liest, ist es Zeit, deine Vorbereitungen zu überprüfen und aufzufrischen.

Um es klar zu sagen: Ich mache mir keine besonderen Sorgen um einen Atomkrieg. Nicht mehr als gestern. Ich bin fest davon überzeugt, dass man auf alles vorbereitet sein sollte, aber man muss Prioritäten setzen, und ein Atomkrieg sollte auf deiner Liste immer ziemlich weit unten stehen, denn er ist unwahrscheinlich, schwer vorzubereiten und selbst wenn du vorbereitet bist, schwer zu überleben. In sehr vielen Szenarien mit einem Atomkrieg werden du und alle, die du liebst, mehr oder weniger ohne Vorwarnung sterben.

Klar, du kannst dir Jodtabletten besorgen, um deine Schilddrüse zu schützen und das Risiko für eine bestimmte Krebsart zu senken (obwohl diese Tabletten für alle über 40 kontraindiziert sind). Du kannst dir überraschenderweise sogar ziemlich einfach einen selbstgebauten Atombunker bauen, und vielleicht mache ich mir das eines Tages auch mal. Aber ein Atomkrieg kommt entweder oder eben nicht, und es ist durchaus möglich, dass er einfach das Leben auf der Erde auslöscht, also lohnt es sich ehrlich gesagt nicht, sich darüber große Sorgen zu machen.

Nein, es ist die Ölkrise, die mir Sorgen bereitet, und sie wird Folgewirkungen haben. Ein Fünftel des weltweiten Öls fließt durch die Straße von Hormus im Persischen Golf, südlich des Iran. Als ich heute Morgen aufwachte, erfuhr ich, dass Öltanker brannten. Das ist die größte Störung der Ölversorgungskette in der Geschichte.

Es kommt mir seltsam vor, mich auf die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Amerikaner zu konzentrieren, wenn ich einen Krieg beschreibe, der von einem verrückten Kriegstreiber wie Pete Hegseth geführt wird, der mit falschen Gewichten trainiert, um muskulös zu wirken, und Moral als Schwäche betrachtet. Es ist ein extrem unmoralischer Krieg, der von zwei extrem unmoralischen Regimes geführt wird (gegen ein drittes Land, das von einem extrem unmoralischen Regime regiert wird, aber wie immer sind es die Menschen selbst, die darunter leiden). Aber ich kann nur über so viele Dinge auf einmal schreiben.

Das Foto zeigt zwei Reiter vor einem Laden, die in Anzügen und mit Aktenkoffer auf Pferden sitzen. Dem Vorderen wird ein Dokument von einem dritten Mann überreicht, der in einen weißen Laborkittel gekleidet vor einem Laden mit der Aufschrift "G.F & D. Thomas" steht.
Ölkrise 1974: Titelseite der 'Foundation News'
Quelle: Wellcome Library, London

In den 1970er Jahren gab es eine Reihe von Ölkrisen, die durch Spannungen in Westasien verursacht wurden. 1973 weigerten sich die meisten arabischen Länder, Öl an Länder (wie die USA) zu verkaufen, die Israel während des Jom-Kippur-Kriegs unterstützt hatten (sechs Jahre zuvor, im Sechstagekrieg, hatte Israel den Westjordanland und den Gazastreifen von Nachbarländern gestohlen, und 1973 versuchten verschiedene Länder vergeblich, diesen Landraub zu stoppen).

Das Embargo vervierfachte die Ölpreise im Westen, was zu Energie-Rationierungen und einem Börsencrash führte, der die US-Wirtschaft und damit die Weltgeschichte neu prägte. Die Revolution im Iran 1979 führte zu einer Verdopplung der Ölpreise und einer zweiten Ölkrise. Während dieser Krisen bildeten sich kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen, wobei sich die Leute um die Zapfsäulen prügelten und sich gegenseitig aus den Autos bestahlen.

Die Benzinpreise sind bereits um etwa fünfzig Cent gestiegen und könnten bis nächste Woche 4 Dollar erreichen. Die Wirtschaft steckte bereits in Schwierigkeiten, da die USA im letzten Monat 92.000 Arbeitsplätze verloren haben. Es hätte also zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können.

Das heißt, der aktuelle Krieg gegen den Iran könnte (oder auch nicht) zu viel größeren Problemen führen als „Benzin ist 50 Cent teurer“.

Der Benzinpreis wirkt sich auf die Preise für alles aus. Die Sachen, die wir im Laden kaufen, wurden mit Lkws dorthin transportiert, die Benzin verbrauchen. Dünger wird aus Petrochemikalien hergestellt (ob das nun richtig ist oder nicht) und die Produktion von Lebensmitteln wird teurer werden.

Wir stecken natürlich schon in einer Wirtschaftskrise. Und diese Krise wird sich noch verschärfen. Wenn die aktuelle Energiekrise nur von kurzer Dauer ist, werden Einzelhändler und Großhändler die Kosten tragen. Aber wenn sie einen Monat oder länger andauert (nach dem, was ich gelesen habe), dann werden die Kosten die Kunden erreichen, die ohnehin schon Schwierigkeiten hatten, das Nötigste zu bezahlen. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass die USA in der Lage sind, einen Krieg innerhalb eines Monats zu beenden.

Also: Vorsorge. Wie bereitet man sich auf eine Ölkrise vor? Nun, mehr oder weniger so, wie man sich auf alles vorbereitet: Stärke deine Fähigkeit, kurz- und mittelfristige Störungen in der Lieferkette zu überstehen, indem du zu Hause Vorräte für ein paar Tage oder Wochen vorrätig hast. Lebensmittel, Wasser, Medikamente. Notstromversorgung. Halte zusätzliche haltbare Lebensmittel vorrätig, indem du jedes Mal, wenn du einkaufen gehst, etwas mehr kaufst, als du verbrauchst. Erweitere deine Vorratskammer.

Man kann Benzin lagern, aber das ist kompliziert. Ich persönlich habe das nur eine kurze Zeit lang gemacht, weil die Pflege mühsam ist. Da Benzin nicht lange haltbar ist, musst du deine Vorräte etwa alle 3 Monate austauschen (etwas länger, wenn du ethanolfreies Benzin bekommst, und noch etwas länger als das, wenn du dir die Mühe machst, Additive hinzuzufügen). Wenn du Benzin lagern willst, besorg dir hochwertige Benzinkanister, füll sie auf und beschrifte sie mit dem Datum. Lagere sie zwei Monate lang und füll das Benzin dann in dein Fahrzeug und füll die Kanister wieder auf.

Ich persönlich mache mir diese Mühe nur, wenn Grund zur Annahme besteht, dass es zu Engpässen kommen könnte. So wie, na ja, gerade jetzt. Ich glaube, ich gehe heute mal tanken.

Aber im Allgemeinen solltest du dein Auto einfach öfter volltanken. Mach es dir zur Regel, nicht mit weniger als einem halben Tank zu Hause zu parken. Letztendlich kostet es genauso viel, den Tank immer voll zu halten.

Wenn du darüber nachgedacht hast, dir ein Elektroauto zuzulegen, ist jetzt vielleicht kein schlechter Zeitpunkt dafür. Es ist schwer zu sagen, wie sich eine Energiekrise auf die Stromkosten auswirken wird, aber sie wird wahrscheinlich nicht so schnell oder dramatisch zuschlagen wie der Benzinpreis.

Aber das Wichtigste, was du tun kannst, um dich auf eine Energiekrise vorzubereiten, ist derselbe Schritt, der bei der Vorsorge immer der wichtigste ist: baue eine Gemeinschaft auf.

Das ist ohnehin etwas, was immer mehr Menschen aufgrund der ICE-Krise tun, in der bewaffnete Banden durch unsere Straßen ziehen und Menschen entführen. Überall im Land werden Schnellreaktionsnetzwerke aufgebaut, und ehrlich gesagt kann ich mir kein besseres Netzwerk vorstellen, in das man sich für jede Krise einbinden könnte, als Nachbarn, die sich um andere Nachbarn sorgen und bereit sind, für sie zu kämpfen.

Die Art und Weise, wie ich gesehen habe, wie Menschen hyperlokale Gemeinschaften aufbauen, ist ein zweigleisiger Ansatz. Ein Ansatz besteht darin, sich mit den Menschen in deiner Nachbarschaft zusammenzutun, mit denen du die größte ideologische oder subkulturelle Affinität hast. Punk-Treffen, Anarchisten-Treffen oder, ich schätze, Transgender-Furry-Treffen (was auch immer ihr Zoomers so macht). Versucht, euch regelmäßig zu treffen – zum Abendessen, zu Potlucks, zum Gleitgel-Wrestling oder was auch immer euch so gefällt. Schafft dafür einen Kommunikationskreislauf. Diese Gruppe von Menschen lässt sich leichter organisieren, weil ihr von einem ähnlichen Standpunkt aus startet. Aber das reicht nicht.

Der andere Ansatz besteht darin, sich mit all euren Nachbarn zu organisieren, die bereit sind, eine grundlegende Grundidee zu teilen, wie zum Beispiel: „Wir sollten nicht zulassen, dass bewaffnete Banden unsere Nachbarn entführen.“ Das ist eine ziemlich weit verbreitete Einstellung, und ihr werdet wahrscheinlich Leute finden, die dem zustimmen. Du kannst dazu aufrufen, ein Schnellreaktionsnetzwerk aufzubauen, aber du kannst auch zu einem Grillfest oder einer Straßenparty einladen. Ich habe den Verdacht, dass die Straßenparty die wichtigste soziale Struktur der Revolution sein wird. Dein Ziel mit deinen Nachbarn ist vielleicht nicht, sich sofort zu organisieren, sondern einfach, sich gegenseitig in eurem Leben wahrzunehmen.

Ich habe schon einiges zum Thema Vorsorge geschrieben, falls du neugierig bist:



Quelle: Block Parties and Oil Crises or: how to get ready, 12. März 2026 von Margaret Killjoy.
Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Görli zu – Rave against the Zaun

Das Foto von © Björn Obmann zeigt eine Menge Menschen am Abend auf einem Rondell, die in Richtung einer Bühne schauen
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Am 1. März 2026 ist der Görlitzer Park das erste Mal nachts abgeschlossen worden. In den letzten Wochen wurde der Görli – gegen den Widerstand der Anwohner*innen und des Kreuzberger Bezirks – für teure 1,5 Millionen Euro eingezäunt. Zuvor feierten am Sonntag mehrere Hundert Menschen mit einem „Rave against the Zaun“ gegen die nächtliche Schließung. Ab 22 Uhr standen dann Polizisten an den Eingängen und ließen Menschen heraus – aber niemanden mehr herein.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Schon vor der Schließung am Sonntag gab es in den letzten Wochen zahlreiche Sabotageaktionen am Zaun, an den Schlössern und Eingängen. Görli zaunfrei, das Bündnis goerli24/7, das Revolutionäre 1. Mai-Bündnis und andere Kiezbewegte planen für die nächste Zeit weitere öffentliche Protestaktionen. Informiert euch auf den Webseiten der Initiativen. Kein Zaun hält ewig!

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Elon Musk wird uns nicht zum Mars bringen oder: über Raumfahrt, KI und Föderationen

Der Mars in natürlichen Farben, aufgenommen von der al-Amal. In der Bildmitte ist der Tharsis Montes zu sehen, links davon der Olympus Mons und rechts das Valles Marineris.
Der Mars in natürlichen Farben, aufgenommen von der al-Amal. In der Bildmitte ist der Tharsis Montes zu sehen, links davon der Olympus Mons und rechts das Valles Marineris.

Foto: Kevin Gill from Los Angeles, CA, United States - Mars - August 30 2021
Lizenz: CC BY 2.0
Elon Musk wird dich nicht zum Mars bringen, und keine der KI-Firmen arbeitet wirklich an einer allgemeinen künstlichen Intelligenz. Musks Technologie scheint bestenfalls dazu zu dienen, das Sonnensystem auszubeuten, und KI-Firmen bauen nur komplizierte, aber unintelligente Copy-Paste-Maschinen, die vorübergehend die gesamte Weltwirtschaft am Laufen halten.

Bei allem, was gerade los ist (eine Aktionswoche in Minneapolis läuft, ein Krieg gegen den Iran droht, die ICE verwüstet weiterhin Gemeinden, die Ukraine geht in ihr fünftes Jahr der Abwehr der russischen Invasion), scheint es seltsam, sich darauf zu konzentrieren, aber ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass Elon Musk dich nicht zum Mars bringen wird. Ich denke, das unterstreicht die Tatsache, dass die Menschen nur irgendwo auf dem Spektrum zwischen Betrüger und Tyrann liegen. Als mein Großvater in den Krieg zog, diente er im Pazifik auf der USS Scamp, einem U-Boot der Gato-Klasse. Die Gato-Klasse war das serienmäßig hergestellte U-Boot der US-Marine im Zweiten Weltkrieg. Weil die Marine beschloss, einen Landstreicher aus Iowa aufs College zu schicken, um Schiffbau zu lernen, überlebte mein Großvater den Krieg, die Scamp jedoch nicht. Ein paar Einsätze, nachdem er zur Schule gegangen war, ging die Scamp mit der gesamten Besatzung unter – zumindest nehmen wir das an, da ihre Überreste nie gefunden wurden. Die Schuld des Überlebenden verfolgte meinen Großvater bis zu seinem Lebensende.

Ein U-Boot der Gato-Klasse wurde mit einer wasserdichten Trennwand in der Mitte des Maschinenraums gebaut, die die beiden Generatoren voneinander trennte, falls Wasser eindringen sollte. Geräte, die für widrige Bedingungen ausgelegt sind, werden absichtlich mit mehreren Redundanzen überdimensioniert. Ich bin mir sicher, dass jedes System an Bord über mehrere Backups verfügte, und das war das serienmäßig hergestellte Modell.

Das Militär verwendet das Akronym PACE: Primary, Alternate, Contingency, Emergency (Primär, Alternativ, Notfall, Notfall). Man hat immer einen Plan und drei Backup-Pläne. Nicht nur die Backup-Systeme sollten über Backup-Systeme verfügen, sondern auch die Backup-Systeme der Backup-Systeme sollten über Backup-Systeme verfügen.

Tesla baut tödliche Autos, in denen regelmäßig Menschen ums Leben kommen, weil ihre elektronischen Türgriffe im Notfall nicht funktionieren. Die meisten, aber nicht alle dieser Türen haben eine manuelle Überbrückung für den Fall eines Stromausfalls, aber bei vielen dieser manuellen Überbrückungen müssen Verkleidungen von den Türen entfernt werden. Und diese Überbrückungen sind nur von innen verfügbar. Bei einem Stromausfall sind die ausklappbaren Türgriffe von außen nicht zugänglich. Cybertrucks haben gepanzerte Glasfenster, was bedeutet, dass Rettungskräfte regelmäßig nicht in der Lage sind, Menschen zu retten.

Dies ist kein Unternehmen, das Dich zum Mars bringen wird.

Ich will hier nicht extra die Vorzüge des US-Militärs anpreisen, aber mein Großvater und Ingenieure wie er hätten uns vielleicht zum Mars bringen können (und Ingenieure seiner Generation haben uns zum Mond gebracht). Jedes Schiff, das mein Großvater entworfen hat, hat er persönlich getestet. Er ließ sich vom Kapitän in die schlimmsten Stürme fahren, die man sich vorstellen kann, und stand an Deck, um die Wellen und den Wind zu spüren und zu sehen, wie seine Konstruktion sich bewährte.

Elon Musk würde so was nie machen, weil sein Unternehmen nicht auf Zuverlässigkeit ausgelegt ist. Es geht um Kosteneffizienz. Der Hauptgrund, warum ich weiß, dass niemand ernsthaft daran interessiert ist, den Mars zu kolonisieren, ist, dass es schon Jahrzehnte her ist, seit jemand versucht hat, eine Biosphäre zu schaffen – ein in sich geschlossenes künstliches Ökosystem. Alle bisherigen Versuche sind gescheitert, und es scheint, als hätten die meisten Leute einfach aufgegeben. Solange wir nicht beweisen können, dass wir in autarken künstlichen Umgebungen leben können, können wir keine autarken Kolonien auf leblosen Planeten gründen.

Jedes Science-Fiction-Buch und jeder Science-Fiction-Film nimmt diese spezielle Technologie als selbstverständlich hin, aber Autarkie ist eines der größten ungelösten Probleme zwischen uns und der Expansion innerhalb des Sonnensystems. Ich nehme an, wir halten es für selbstverständlich, weil es von außen so einfach aussieht, aber wir wissen einfach nicht, wie wir es machen sollen.

Elon Musk versucht lediglich, Raketen kostengünstig zu bauen. Eine Zeit lang war ich verwirrt, warum so viele Starts von SpaceX mit spektakulären, explosiven Fehlschlägen enden, während die NASA seit Jahrzehnten Menschen auf dem Mond landen kann. Dann unterhielt ich mich auf einer Messe mit einem betrunkenen NASA-Ingenieur, der mir erzählte, dass das einzige Ziel von SpaceX darin bestehe, herauszufinden, wie kostengünstig sie Raketen bauen können. Das große technologische Problem, das sie lösen wollen, ist: „Wie viel können wir weglassen?“ Sie fragen sich: „Was ist das absolute Minimum an funktionsfähigem Produkt?“

Es gibt alle möglichen dystopischen Anwendungen für solche Technologien. Wie zum Beispiel den Abbau von Asteroiden, hoffentlich durch Roboter, aber wahrscheinlich durch eine neue Klasse von Leibeigenen. Aber das ist kein Weg, um sichere, zuverlässige Transportmöglichkeiten zu einem anderen Planeten zu schaffen. Es ist nur ein Weg, das Sonnensystem auszubeuten. Wenn man einer KI eine Frage stellt, auf die sie keine Antwort weiß, erfindet sie eine Antwort. Das heißt nicht, dass sie „lügt“, sondern dass das, was wir als KI bezeichnen, eigentlich nicht intelligent ist. Sie denkt nicht. Große Sprachmodelle sind nur ausgefallene Textvorhersagen, die die Erde austrocknen, die Strompreise in die Höhe treiben und bald die gesamte Weltwirtschaft zerstören werden.

Das NASA-Shuttle Enterprise vor der Werksanlage in Palmdale mit der Star-Trek-Besetzung. Von links nach rechts: Dr. James C. Fletcher (damaliger Leiter der NASA), DeForest Kelley (Dr. „Pille“ McCoy), George Takei (Mr. Sulu), James Doohan (Chefingenieur „Scotty“ Scott), Nichelle Nichols (Lt. Uhura), Leonard Nimoy (Mr. Spock), Gene Roddenberry (der Erfinder von Star Trek), Kongressabgeordneter Don Fuqua und Walter Koenig (Fähnrich Pavel Chekov).
Das NASA-Shuttle Enterprise vor der Werksanlage in Palmdale mit der Star-Trek-Besetzung.
Ich bin mit Star Trek aufgewachsen, wo die Charaktere einem Computer eine Frage in einfacher Sprache stellen können und eine Antwort bekommen. „Wie oft haben Menschen die folgenden Planeten besucht?“ oder „Vergleiche den folgenden Virus mit allen bekannten außerirdischen Kulturen, um seinen wahrscheinlichen Ursprung zu bestimmen.“ Der Computer lügt sie nie an, weil er auf Datenbanken zurückgreift und Daten analysiert.

Es ist eine subtilere Technologie als der Warp-Antrieb, der Teleporter, der Lebensmittelreplikator oder das Holodeck, aber der Bordcomputer ist in der Tat mächtig.

Und die Sache ist die: Wir sind davon genauso weit entfernt wie von künstlicher Schwerkraft. Denn LLMs sind eine Technologie, die grundsätzlich nicht in der Lage ist, künstliche Intelligenz zu erzeugen. Die einzigen Menschen, die halluzinieren, sind die Gläubigen an KI.

Die anderen Technologien, die es den Menschen in Star Trek ermöglichen, den Weltraum zu erforschen, sind soziale Technologien. Konkret geht es natürlich um die Art von demokratischem Kommunismus der Föderation und ihre radikale Inklusivität und ihren Multikulturalismus. Nichts davon befasst sich natürlich mit den ethischen Fragen der Weltraumkolonisierung. Die Frage „Sollen wir in den Weltraum gehen?“ spaltet die Linke ebenso tief wie Fragen rund um Autorität, Staatsmacht und Taktik, und ich treffe fast nie jemanden, der in dieser Frage agnostisch ist. Die Leute scheinen entweder zu glauben, dass es grundsätzlich gut oder schlecht ist, die Weltraumforschung voranzutreiben.

Ich vermute, dass diejenigen von uns, die mit Science-Fiction-Romanen aufgewachsen sind, eher dazu neigen, zu sagen: „Ja, lasst uns in den Weltraum fliegen.“ Um meine Karten offen auf den Tisch zu legen: Ich bin mit vielen Science-Fiction-Romanen aufgewachsen.

Octavia Butler beschreibt in ihren „Parable“-Romanen eine im Wesentlichen religiöse Überzeugung, dass es das Schicksal der Menschheit ist, das Universum zu erforschen. Andere haben diese Idee kritisiert und darauf hingewiesen, dass sie aus derselben „offensichtlichen Bestimmung“ stammt, die so viel Siedlerkolonialismus und Völkermord ausgelöst hat.

Aber theoretisch gibt es nirgendwo anders Leben, zumindest nicht im Sonnensystem, sodass die meisten ethischen Kritikpunkte gegen die Kolonisierung des Sonnensystems bei den meisten Leuten nicht so richtig ankommen.

Das Problem für mich ist, dass die Organisationen, die am ehesten den Weltraum erforschen und kolonisieren würden – Unternehmen und Regierungen –, genau die sind, denen man das nicht erlauben sollte.

Immer wieder nutzen Machtsysteme die besten Absichten von Menschen aus – die meisten Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten daran, das Wissen und die Fähigkeiten der Menschheit zu erweitern, und nicht, um dieses oder jenes System zu bereichern. Also sagt eine Regierung oder ein Unternehmen zu ihren Bürgern oder Mitarbeitern: „Wir werden den Mars kolonisieren, um das Universum besser zu verstehen und neue Lebensweisen zu ermöglichen!”, aber ihr Ziel ist eigentlich die Konsolidierung ihrer Macht.

Unter dem aktuellen System scheint Sklaverei im Asteroidenbergbau viel wahrscheinlicher als irgendeine Art von utopischer Erforschung.

Kritiker der Weltraumforschung sagen oft: „Wir müssen erst unsere Probleme hier lösen, bevor wir überhaupt über die Kolonisierung des Weltraums reden sollten“, und ich denke, da ist was Wahres dran. Nicht unbedingt als moralische Verpflichtung (ich denke, mit 8 Milliarden Menschen können wir an mehr als einem Projekt gleichzeitig arbeiten), sondern als technische Notwendigkeit.

Eine der Voraussetzungen für die Erforschung des Weltraums ist die Zerstörung der Gesellschaft, die Leuten wie Musk, Trump, Putin (oder, ehrlich gesagt, Biden) Macht verleiht.

Wenn wir eine Zukunft wie in Star Trek wollen, müssen wir das Geld abschaffen und den Multikulturalismus begrüßen, das ist alles, was ich sagen will.

Und beweisen, dass wir in einer Biodome leben können.

Oh, und das Problem der Weltraumstrahlung lösen.

Sehen Sie, wir werden das wahrscheinlich nicht so schnell schaffen.

Vielleicht sollten wir also einfach den Kapitalismus und den Staat abschaffen und von dort aus weitermachen.

Quelle: "Elon Musk Won't Get Us to Mars or: on space travel and AI and federations" von Margaret Killjoy, 25.02.2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

DAS GEHT UNS ALLE AN: Mieter:innen der Habersathstraße 40-48 unterstützen!

Das Plakat zeigt die Gebäude der Habersathstraße sowie stilisierte Abrissbagger sowie die Eckdaten zur Solidemo aus dem Textbeitrag. Dazu die unterstützenden Organisationen.
Plakat zur Demo
AUFRUF ZUR SOLI-DEMO FÜR DIE HABERSAATHSTRAßE 40-48 IN BERLIN MITTE

Entmietung mit Kälte, Gewalt und Zerstörung – mitten in Berlin, mitten im Winter.

KOMMT ZUR SOLI-DEMO Soli-Demo

Samstag, 28.03.2026
13:00 Uhr
Treffpunkt: Vor dem Roten Rathaus
Die Route der Demonstration wird rechtzeitig bekannt gegeben.

WORUM GEHT ES?

In der Habersaathstraße wird seit Jahren versucht, Menschen mit Drohungen und Gewalt aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Seit vier Monaten leben die Mieter:innen ohne Heizung und Warmwasser. Leerstehende Wohnungen werden im Auftrag des Vermieters demoliert, Türen eingetreten, Sanitäranlagen zerstört. Schlägertrupps im Haus – Angst gehört für die Bewohner:innen zum Alltag.

Das ist brutale Entmietung. Es reicht!

DIE FAKTEN
  • Seit 4 Monaten: keine Heizung, kein Warmwasser
  • Seit Jahren: Schikanen, Zerstörung und Gewalt gegen Mieter:innen
  • 120 bezahlbare Wohnungen sollen abgerissen werden
  • 3 Kündigungswellen gegen die Mieter:innen – gerichtlich für ungültig erklärt
  • Beschlüsse der BVV-Mitte zum amtlichen Eingreifen liegen vor
  • Aber: Das Bezirksamt Mitte bleibt untätig

WARUM DAS UNS ALLE BETRIFFT

Was hier passiert, ist kein Einzelfall. Es ist Teil eines Systems, das bezahlbaren Wohnraum zerstört und Menschen verdrängt. Wenn wir das hinnehmen, wird es überall Schule machen.

Heute trifft es sie – morgen uns alle.

DIE GUTE NACHRICHT

Gemeinsam können wir das stoppen.

Öffentlicher Druck wirkt. Solidarität wirkt. Die Soli-Demo ist ein klares Signal gegen Verdrängung, gegen Abriss und für bezahlbaren Wohnraum in Berlin.

UNSERE FORDERUNGEN

KEIN ABRISS! MIETER:INNEN SCHÜTZEN! BEZAHLBARE WOHNUNGEN RETTEN! REKOMMUNALISIERUNG JETZT!

AUFRUF VON

Bündnis gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung
Bündnis Zwangsräumungen verhindern
UfO – Union für Obdachlosenrechte
Berliner Mieterverein e.V.

KOMMT ALLE!

Wohnraum ist keine Ware – der Abriss intakter Wohnungen ist keine Option.

SOLI-DEMO | SAMSTAG, 28.03.2026 | 13 UHR TREFFPUNKT: VOR DEM ROTEN RATHAUS




Aktuelle Berichterstattung zum Kampf der Mieter:innen um ihre Wohnungen:

rbb Abendschau: Eigentümerterror gegen Mieter der Habersaathstraße
rbb Inforadio: Mieter kämpfen weiter um ihre Wohnungen 
tagesspiegel: Umkämpftes Haus in der Berliner Haberssathstraße

Quelle: Berliner Mieterverein

Ausgeliefert! Das Geschäft mit den Kurierfahrern

Nicht nur in Berlin und Hamburg gehören sie längst dazu: Fahrradkuriere, die Burger, Pizza und Co nach Hause liefern. Tausende der Rider kommen aus Indien, angelockt vom Versprechen auf ein Studium in Deutschland – und haben sich dafür hochverschuldet. Die rbb Story deckt ein System mehrfacher Ausbeutung junger Menschen auf, an dem viele mitverdienen: Sprachschulen, Vermittler, Subunternehmer und Liefer-Apps. Eine Recherche auf der dunklen Seite der Lieferdienste.

Film von Fabian Grieger und Jan Wiese | Erstausstrahlung: 02.12.2025/rbb