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»Es ist besser stehend zu sterben als auf Knien zu leben.« Emiliano Zapata Salazar

Elisée Reclus: Fünf Ebenen sozial-ökologischer Praxis

Seine überzeugende und realistische revolutionäre Vision zeigt die Voraussetzungen für eine befreite Welt

Élisée Reclus, 1889 Foto: Nadar
Élisée Reclus, 1889
Foto: Nadar
Elisée Reclus (1830–1905) war einer der bedeutendsten Geografen seiner Zeit, eine wichtige Figur des anarchistischen politischen Denkens und ein lebenslanger Revolutionär, der eine aktive Rolle in der Pariser Kommune und der Ersten Internationale spielte. Für einen politischen Denker des 19. Jahrhunderts war er außergewöhnlich, weil er sich sein ganzes Leben lang nicht nur für die soziale Revolution engagierte, sondern auch für radikale Ökologie, gegen Patriarchat und für die Gleichberechtigung von Frauen, gegen Rassismus und Kolonialismus sowie gegen Speziesismus und für Tierschutz.

Am bekanntesten ist Reclus für sein Werk „Neue Universelle Geographie“, ein 20-bändiges, 18.000 Seiten starkes Werk, das als größte Einzelleistung in der Geschichte der Geographie gilt. Reclus gilt weithin als Begründer der Sozialgeographie. Sein letztes Werk, „Humanité et Terre“ (Menschheit und Erde), war eine 3500 Seiten umfassende Synthese aus Geographie, Geschichte, Anthropologie, Philosophie und Sozialtheorie und ist sein nachhaltigster Beitrag zum modernen Denken. Das Werk beginnt mit der Aussage, dass „die Menschheit die Natur ist, die sich ihrer selbst bewusst wird“, und ist eine umfassende Darstellung der gesamten Geschichte der Menschheit und der Erde sowie eines gemeinsamen planetarischen Schicksals, das sich durch ein tiefes Verständnis des großen Verlaufs der Geogeschichte offenbart.

Reclus' Geschichte der Menschheit und der Erde hat zwei Dimensionen. Die eine ist seine Darstellung des Prozesses der Selbstverwirklichung des Menschen in dialektischer Wechselwirkung mit der Natur. Er zeigt, wie das natürliche Milieu die menschliche Entwicklung prägt, während die Menschheit gleichzeitig zur Entfaltung und Blüte der natürlichen Welt beiträgt. Er zeigt, dass der Inhalt der Geogeschichte eine Dialektik zwischen den schöpferischen Kräften der Freiheit und den einschränkenden Kräften der Herrschaft ist. Seine Idee, dass alle Phänomene der Geschichte sowohl progressive als auch regressive Aspekte enthalten und dass jede Tendenz sorgfältig analysiert werden muss, ist eines seiner einflussreichsten Konzepte.

Buchcover
Hierzulande unbekannt, unterschlagen: Sein Werk L'Anarchie, Ausgabe von 1896
Reclus zeigt, dass der historische Fortschritt vom Wachstum der gegenseitigen Hilfe (l’entr’aide) und der sozialen Zusammenarbeit abhängt – Ideen, die seinen jüngeren Kollegen Kropotkin stark beeinflusst haben. Reclus behauptet, dass die vollständige Selbstverwirklichung der Menschheit in der Natur von einer sozialen Revolution abhängt, die mutualistische Praktiken in einer freien, egalitären, anarchistisch-kommunistischen Gesellschaft verwirklicht. Außerdem meint er, dass das Schicksal der Erde davon abhängt, ob die Menschheit soziale Institutionen und Praktiken aufbauen kann, die eine tiefe Sorge um die Natur und alle Lebewesen auf dem Planeten zeigen.

Die andere Seite von Reclus' Weltgeschichtsdarstellung konzentriert sich auf die lange Geschichte der Herrschaft. Er kritisiert den zentralisierten bürokratischen Staat und den industriellen Kapitalismus ziemlich heftig, sieht aber andere Formen der Herrschaft nicht als untergeordnete Bereiche. Er war ein radikaler Feminist und ein vehementer Gegner der männlichen Dominanz sowie ein glühender Gegner aller Formen von Rassismus und der eurozentrischen Herabwürdigung indigener Kulturen. Er war ein früher Kritiker der ökologischen Zerstörung durch rücksichtslose Industrialisierung und technologische Rationalisierung und prangerte bereits in den 1860er Jahren die Zerstörung alter Wälder an. Darüber hinaus war er ein unermüdlicher Verfechter des ethischen Vegetarismus und der humanen Behandlung von Tieren.

Reclus präsentiert eine der überzeugendsten und wohl realistischsten revolutionären Visionen von den Voraussetzungen für eine befreite Welt der Freiheit und Solidarität. Konkret diskutiert er fünf Ebenen sozialökologischer Praxis, die alle von der revolutionären Bewegung angegangen werden müssen.

Die erste Ebene ist die Primärgemeinschaft (vielleicht eine Art Affinitätsgruppe), die im Mittelpunkt der persönlichen, moralischen und psychologischen Transformation steht. In einem Brief von 1895 schreibt er, dass Anarchisten „daran arbeiten müssen, sich persönlich von allen vorgefassten oder aufgezwungenen Ideen zu befreien und nach und nach Freunde um sich zu versammeln, die auf die gleiche Weise leben und handeln. Schritt für Schritt, durch kleine, liebevolle und intelligente Vereinigungen, wird die große brüderliche Gesellschaft entstehen.“ All diese Eigenschaften (kleine Größe, ein allgegenwärtiges Ethos der Liebe und die Förderung einer aktiven, engagierten Intelligenz) sind notwendig, damit solche Vereinigungen ihre grundlegende transformative Rolle erfüllen können.

Die zweite und politisch wichtigste Ebene der sozialen Organisation war für Reclus die autonome Kommune, die er in einem Brief von 1871 als „gleichzeitigen Triumph der Arbeiterrepublik und Beginn der Kommunale Föderation“ beschreibt. Er war überzeugt, dass eine radikalisierte Version der Bestrebungen der Pariser Kommune (eine mächtige Realität in der radikalen Vorstellungswelt seiner Zeit) die primäre Form der politischen Organisation sein sollte. Die Kommune würde radikale direkte Demokratie praktizieren. Die Macht des Volkes könnte delegiert, aber niemals nur repräsentiert oder von der Basis entfremdet werden. Für größere Ziele würde die Kommune durch eine freie Föderation solidarisch mit allen anderen Kommunen handeln.

Die dritte wichtige Ebene der sozialen Organisation war für Reclus, inspiriert von seinem langjährigen Engagement im globalen Arbeiterkampf, die Arbeiterinternationale, die über ihre lokalen Sektionen demokratisch handeln sollte. Reclus glaubte, dass die Revolution, um erfolgreich zu sein, die Menschen nicht nur als Mitglieder der lokalen Gemeinschaft, sondern auf der Ebene der gesamten Menschheit zusammenbringen müsse, vereint und mobilisiert als Arbeiter und Produzenten. Die Internationale war auch eine starke Kraft in der radikalen sozialen Vorstellungswelt der Zeit.

Die vierte Ebene der Vereinigung ist die Universelle Republik, die auch ein globaler Ausdruck der Werte der menschlichen Gemeinschaft und Solidarität sein wird. Diese große Republik (eine weitere Idee, die die Revolutionäre der Zeit inspirierte) sollte auf dem freien Zusammenschluss autonomer Kommunen auf der ganzen Welt und auf allen Ebenen, von der lokalen über die regionale bis zur globalen, basieren.

Reclus erkannte, dass unsere Gemeinschaft mehr als nur menschlich ist. Daher erkannte er eine fünfte Ebene der Vereinigung, auf der wir unsere Einheit und Solidarität mit der Erde und unser Verantwortungsbewusstsein für alles Leben auf der Erde zum Ausdruck bringen. Dies ist die Ebene der gesamten Erdgemeinschaft. Auf dieser Ebene existiert bereits implizit eine globale Einheit in der Vielfalt, aber wir müssen lernen, zu erkennen, wie wir in die große Verbundenheit aller Wesen passen, und entsprechend handeln.

Reclus war ein engagierter Revolutionär, der sich unermüdlich für einen revolutionären sozialen Wandel einsetzte, wofür er in mindestens vierzehn verschiedenen Gefängnissen inhaftiert war und viele Jahre im Exil verbrachte. Er war ein Mensch von außergewöhnlicher Demut, großer Großzügigkeit, Liebe und Mitgefühl – nicht nur für seine Mitmenschen, sondern auch für andere fühlende Wesen. Er verdient Anerkennung (die er niemals angestrebt hätte) als einer der bedeutendsten Denker in der Geschichte des Anarchismus. Sein Werk zur Sozialgeographie und verwandten Themen, das über 25.000 Seiten umfasst, ist die mit Abstand größte Leistung in der Geschichte des sozialökologischen Denkens.

Analyse von John P Clark: Elisée Reclus: 5 levels of social-ecological practice, 5. Juli, via freedomnews.co.uk

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Weitere Quellen:
• Wikipedia (frz.)
• Wikipedia (dt.)

Neuausgabe des Klassikers: ›Eine Geschichte des amerikanischen Volkes‹

Howard Zinn 2009 Foto: Jim from Stevens Point, WI, USA
Howard Zinn 2009
Foto: Jim from Stevens Point, WI, USA
Gerade lese ich, daß der März Verlag Berlin dieser Tage das absolut empfehlenswerte, zwischenzeitlich vergriffene Werk "Eine Geschichte des amerikanischen Volkes" von Howard ZInn neu herausbringt. Kauf- und Lesetipp!

"In schlechten Zeiten hoffnungsvoll zu sein, beruht auf der Tatsache, dass die menschliche Geschichte nicht nur von Grausamkeit, sondern auch von Mitgefühl, Aufopferung, Mut und Freundlichkeit geprägt ist.

Wenn wir nur das Schlimmste sehen, zerstört das unsere Fähigkeit, etwas zu tun. Wenn wir uns an die Zeiten und Orte erinnern, an denen sich Menschen großartig verhalten haben, gibt uns das die Kraft zu handeln. Und wenn wir handeln, und sei es auch nur im Kleinen, müssen wir nicht auf eine große utopische Zukunft warten.

Die Zukunft ist eine unendliche Folge von Geschenken, und jetzt so zu leben, wie wir denken, dass Menschen leben sollten, trotz allem Schlechten um uns herum, ist selbst ein wunderbarer Sieg."

Howard Zinn

The Kids Are, As They Say, Alright. Oder: An die Absolventen des Jahrgangs 2025

Gestern habe ich zum ersten Mal bei einer Abschlussfeier gesprochen, der Lavender Graduation (für LGBT+-Studierende) am Warren Wilson College im Westen von North Carolina. Ich war noch nie eingeladen worden, bei einer Abschlussfeier zu sprechen, und ich war mir auch nicht sicher, ob ich jemals eingeladen werden würde. Ich bin ... nicht schüchtern, wenn es darum geht, zu sagen, wer ich bin.

Aber einige Studierende haben mich gebeten, die Festrede bei ihrer Abschlussfeier zu halten, also habe ich meinen Van gepackt und bin nach Asheville gefahren, wo ich seit dem Hurrikan im letzten Herbst zum ersten Mal wieder war. Rintrah (mein Hund) hat brav im Van auf dem Parkplatz gewartet (der Van ist klimatisiert und ich bekomme eine Benachrichtigung, wenn die Temperatur zu stark schwankt) und ich bin zum Pavillon gelaufen. Ich habe mich rundum willkommen gefühlt.

Es ist lange her, dass ich etwas erlebt habe, das mich so tief daran erinnert hat, dass wir alle im selben Boot sitzen. Dass Queers sich mittlerweile geoutet haben, dass es einfach zu viele von uns gibt und dass wir uns zu sehr umeinander kümmern, als dass die Faschisten uns brechen könnten.

Ich habe meine Rede in einer Raststätte auf dem Weg nach Asheville geschrieben, nachdem ich wochenlang über die Themen nachgedacht hatte, die ich ansprechen wollte. Früher habe ich keine Reden geschrieben, sondern nur Stichpunkte auf Papier gebracht. Aber dank meines Podcasts gewöhne ich mich immer mehr daran, von Skripten abzulesen und dann zu improvisieren, also habe ich diese Rede aufgeschrieben.

Ich war mir nicht sicher, wie die Leute meine Rede aufnehmen würden. Sie hatten einen anarchistischen Geschichtsnerd eingeladen, der während des Aufstiegs des Totalitarismus zu ihnen sprach, zu einer Menge, die nicht von Natur aus politisch ist. Es gibt keinen Grund, warum wir politisch radikal sein müssen, um queer zu sein.

Aber es schien gut zu laufen. Nicht alle waren begeistert davon, wie viel ich fluche, aber die Leute sind sich der Krise, in der wir alle leben, durchaus bewusst. Es ist momentan nicht besonders einnfach, den Kopf in den Sand zu stecken ... vielleicht ist das ein Silberstreif am Horizont.

Wie auch immer, hier ist, was ich ihnen gesagt habe.

An die Abschlussklasse von 2025


Hallo! Zuerst mal vielen Dank, dass ich hier sein darf. Es ist mir eine echte Ehre, hier zu stehen und zu euch zu sprechen, und ich fühle mich geehrt, dass ihr mich ausgewählt habt, um euch eine inspirierende Rede zu halten. Es wird ein Vortrag über schwere Zeiten werden. Wenn ihr eine rein positive Rede hören wolltet, hättet ihr nicht jemanden namens Killjoy engagieren sollen.

Die Sache ist die: Die Rede, die ich euch vor einem Jahr gehalten hätte, unterscheidet sich völlig von der Rede, die ich euch heute halten werde.

Die Rede, die ich euch gehalten hätte, hätte von dem Sturm am Horizont gehandelt, einem Sturm, der vielleicht kommen wird oder auch nicht, und davon, wie wir uns alle darauf vorbereiten, falls er kommt.

Stattdessen sage ich euch, dass der Sturm bereits da ist. Ich muss euch die Nachrichten nicht erzählen. Aber autoritäre Kräfte sind an der Macht und haben beschlossen, dass Transmenschen im Speziellen und queere Menschen im Allgemeinen neben Migranten das Gesicht des Bösen sind. Das sind wir natürlich nicht, und wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Feinde uns definieren. Wir müssen uns weiterhin selbst definieren.

Ihr seid also in eine Welt eingetreten, die völlig anders ist als die Welt, in der ihr aufgewachsen seid. Wir stecken alle in Schwierigkeiten. Wir müssen uns alle damit auseinandersetzen, dass wir in Schwierigkeiten stecken. Wir sind dazu in der Lage, und wir werden gewinnen, und es wird nicht einfach sein, aber es wird passieren. Auch weil wir „Gewinnen“ auf eine komplexe Art und Weise verstehen werden.

Ich möchte mit einer Geschichte beginnen, weil ich einen Geschichtspodcast mache und die Geschichten, die ich dabei lerne, in mir weiterleben und viel zu oft in zwanglosen Gesprächen auftauchen. Aber ich bin im Grunde auch ein Geschichtenerzähler, daher erinnere ich mich eher an die Geschichte als an die Details und werde euch heute nicht alles genau erzählen können.

Es ist eine Geschichte über schwule Künstler in Amsterdam während der Nazi-Besatzung. Der niederländische Widerstand war nicht der leidenschaftlichste Widerstand gegen den Faschismus, aber soweit ich das beurteilen kann, war er von allen von den Nazis besetzten Gebieten derjenige mit dem höchsten Anteil an der Gesamtbevölkerung. Ich glaube nicht, dass unsere aktuelle Situation eins zu eins mit der der Nazis vergleichbar ist (eher mit Putins Russland), aber ich denke, dass wir trotzdem einiges daraus lernen können. Vor allem, weil Westeuropa in den 1920er- und 1930er-Jahren einer der ersten Orte in der westlichen Welt war, an dem schwule Menschen wirklich begannen, sich zu outen.

Was diese Lehren angeht – da war zum Beispiel dieser Redakteur einer schwulen Zeitung. Ich weiß seinen Namen nicht mehr, aber ich weiß noch, was er gemacht hat. Als die deutschen Truppen an die Grenze rückten, hat er die Namen seiner Abonnenten auswendig gelernt, Hunderte von Namen, und dann hat er die Liste gegessen. Nach dem Sturz des Nazi-Regimes hat er alles wieder aufgeschrieben, und so konnten sich die Überlebenden wiederfinden.

Die Lektion daraus ist meiner Meinung nach, dass es jetzt nicht der richtige Moment ist, sich auf Listen setzen zu lassen. Jetzt ist ein Moment für Sicherheitskultur. Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren, aber wir müssen uns vielleicht an die Umstände anpassen.

Okay, die andere Lektion ... Da war diese Gruppe schwuler Künstler. Theaterleute, Bildhauer, Modedesigner und so weiter. Und sie haben erkannt, dass dies der Moment war, ihre Fähigkeiten außerhalb ihres gewohnten Umfelds einzusetzen. Mit ihren Fähigkeiten als Drucker und Künstler fingen sie an, Ausweispapiere für Juden und andere Menschen zu fälschen, die von den Faschisten bedroht waren. Mit ihren Fähigkeiten als Schauspieler und Modedesigner haben sie ... nun ja, ein paar von ihnen haben Nazi-Uniformen genäht, sind dann zu einem Nazi-Plattenlager gegangen und haben gesagt: „Wie geht's, Nazi-Kollegen?“ Dann sind sie reingegangen und haben den Laden in Brand gesteckt und Tausende von Platten verbrannt.

Willem Johan Cornelis Arondéus
Willem Johan Cornelis Arondéus
Schließlich wurden einige von ihnen gefasst und hingerichtet. Ein Mann, Willem Arondeus, hinterließ seiner Anwältin, die selbst lesbisch war, während er auf seine Erschießung wartete, eine letzte Botschaft. Er sagte ihr: „Lasst es alle wissen, dass Homosexuelle keine Feiglinge sind.“

Ich denke fast jeden Tag an diese Scheiße, wenn ich ehrlich bin.

Wir sind keine Feiglinge. Wir stammen nicht von ängstlichen Menschen ab. Unsere queeren Vorfahren haben gegen unglaubliche Widrigkeiten gekämpft und allein durch ihren Kampf gesiegt. Denn Faschisten wollen uns nicht nur töten, sondern uns unterwerfen. Stattdessen haben wir ihren Scheiß verbrannt. Wir haben im ganzen Land und auf der ganzen Welt randaliert, überall dort, wo es für uns illegal war, einander zu lieben.

Die Schwulenrechtler in den 60er und 70er Jahren hatten einen Slogan, der sich auf die schwulen Stoßtruppens der alten Griechen vor Tausenden von Jahren bezog: Eine Armee von Liebenden kann nicht verlieren. Wir werden Seite an Seite kämpfen und wir lieben uns verdammt noch mal, also werden wir gemeinsam kämpfen. Und wir sind keine Feiglinge.

Um es klar zu sagen: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Mut ist Widerstandsfähigkeit angesichts der Angst. Man muss buchstäblich Angst haben, um mutig zu sein.

Die lesbische Anwältin und andere schafften es schließlich, über die Berge in die Schweiz zu fliehen, und nahmen die Erinnerungen an Menschen wie Willem Arondeus mit sich.

Das Foto zeigt 2 Paare beim Tanzen, darunter Willem Arondeus.
Willem Arondeus (links) in Aerdenhout, 1931
Weitere Lehren, die ich aus dem Widerstand der Schwulen in Amsterdam ziehe, sind: Ja, lasst euch verdammt noch mal keine Akten über uns anlegen. Wir alle geben seit Jahren und Jahrzehnten Daten über unser Leben an Unternehmen weiter, was in Friedenszeiten fast harmlos ist (zielgerichtete Werbung ist ein bisschen nervig), aber jetzt bedeutet, dass der repressive Staat Zugang zu unglaublichen Mengen an Informationen über uns hat. Wir müssen anfangen, ihre Aufzeichnungen zu vereiteln, ohne aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden.

Eine weitere Lektion, die ich aus ihrem Kampf gelernt habe, ist, dass es unabhängig von den eigenen Fähigkeiten immer Möglichkeiten gibt, diese für die Zerstörung des Totalitarismus einzusetzen.

Die letzte Lektion, die ich aus dieser Geschichte ziehe? Wir werden uns an Willem Arondeus erinnern, aber wir werden uns an ihn wegen einer Lesbe erinnern, die zu Fuß die Alpen überquert hat. Wir sind einander verpflichtet, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um diese Bastarde zu überleben. Wir dürfen uns nicht selbst zerstören, denn wir können nicht die Arbeit der Faschisten für sie erledigen.

Ich erzähle euch diesen Scheiß, weil es gerade wieder schlecht läuft, aber es war schon einmal schlecht. Es gibt immer Höhen und Tiefen, und der Trick besteht darin, diese Höhen und Tiefen zu schätzen. Es gibt keine Siegessicherheit, wirklich nicht. Es gibt keinen statischen Zustand namens Utopie, in dem nie wieder etwas Schlimmes passiert. Um es klar zu sagen: Die Lage kann viel besser sein, und wir können sie viel besser machen. Ich möchte in meinem Bett sterben, 97 Jahre alt, nachdem ich den größten Teil meines Lebens in einer Gesellschaft ohne Gefängnisse, Polizei, Kapitalismus, Patriarchat oder anderen verdammten Mist verbracht habe. Dafür kämpfe ich. Ich werde es wahrscheinlich nicht schaffen.

Aber genauso wie es keinen automatischen Sieg gibt, gibt es auch keine Niederlage. Sie können uns einfach nicht auslöschen. Es gab schon immer queere Menschen und es wird immer queere Menschen geben. Wir sind verdammt noch mal unsterblich.

Wir können also nicht gewinnen und wir können nicht verlieren, aber wir können verdammt noch mal kämpfen und wir können die Schönheit in diesem Kampf finden, und das müssen wir auch, denn Romantisierung ist ein mächtiges Werkzeug, um komplizierte Situationen zu akzeptieren. Wir müssen verstehen, dass sowohl der Anwalt, der den Krieg überlebt hat, als auch der schwule Brandstifter, der es nicht geschafft hat, ein erfülltes Leben voller Schönheit und Sinn geführt haben.

Ich habe meinem Partner vorhin erzählt, dass ich den ganzen Slogan „Eine Armee von Liebenden kann nicht verlieren“ zitieren wollte, und er hat mir erzählt, dass er in einem lesbischen Archiv einen Anstecker gefunden hat, die lesbische Antwort auf diesen Slogan. „Eine Armee von Ex-Liebenden kann nicht verlieren.“

Wenn wir wollen, dass dieser Slogan wahr wird, wenn wir eine unaufhaltsame Kraft werden wollen, dann müssen wir uns gegenseitig den Rücken stärken. Wir müssen freundlicher zueinander werden. Wir müssen unseren Feinden gegenüber entschlossen auftreten und allen anderen gegenüber freundlicher sein. Wir müssen lernen, Konflikte zu deeskalieren. Es gibt Menschen, die unsere Feinde sind – Menschen, die versuchen, uns zu zerstören. Wir müssen vermeiden, uns in der Zwischenzeit gegenseitig zu Feinden zu machen.

Wir müssen nicht miteinander auskommen, uns nicht einig sein oder uns mögen, aber wir müssen lernen, unsere Probleme zu besprechen – oder einfach nur lernen, wie wir miteinander umgehen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass wir alle Fehler haben, große Fehler, und dass wir alle Versager sind.

Es ist eine gute Idee, zu versuchen, kein Versager zu sein, aber... erwartet nicht, dass ihr Erfolg habt. Noch einmal: Es gibt keinen sicheren Sieg. Es gibt kein „perfekt werden“. Wir versuchen einfach, unser Bestes zu geben und andere zu ermutigen, ihr Bestes zu geben, aber wir lernen, einander zu vergeben, während wir uns als fehlerhafte Menschen in dieser fehlerhaften Welt zurechtfinden.

Es liegt in unserer Verantwortung, die Welt besser zu machen, aber es ist nicht unsere Schuld, dass die Welt im Arsch ist. Vielleicht sollten Schuld und Verantwortung Hand in Hand gehen, aber das tun sie nicht. Es ist nicht unsere Schuld, dass wir gerade im Zentrum eines Kulturkrieges stehen. Es ist nicht unsere Schuld, dass unsere Rechte angegriffen werden. Aber es liegt in unserer Verantwortung, damit umzugehen. Denn es ist unser Problem. Wir können nicht auf andere warten, die uns retten. Uns selbst zu retten ist eine Aufgabe, die wir schon einmal bewältigt haben und die wir wieder bewältigen werden. Und ich sage hier „wir“ und nicht „ihr“, denn wenn Leute, die älter sind als ihr, euch sagen wollen, dass „es an eurer Generation liegt, diese Probleme zu lösen“, dann ist das nur eine weitere Abgabe von Verantwortung. Es liegt an uns allen, gemeinsam als Gleichberechtigte zu arbeiten, um den Faschismus zu stoppen, den Klimawandel aufzuhalten und eine Welt zu schaffen, die auf Solidarität und gegenseitiger Hilfe basiert.

Als ich ein kleines Kind war, herrschte noch der Kalte Krieg, ein Kalter Krieg zwischen dem oligarchischen Kapitalismus hier im Westen und dem autoritären Sozialismus im Sowjetblock. Dieser Kalte Krieg hat alles kaputt gemacht – am direktesten natürlich alle Menschen, die dabei ums Leben kamen, aber er hat uns auch philosophisch kaputt gemacht. Er hat die Menschen davon überzeugt, dass es eine riesige Kluft zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft gibt. Man muss sich für das eine oder das andere entscheiden ... entweder ist man ein Individuum und liebt den Kapitalismus, oder man liebt die Gemeinschaft und muss Totalitarismus und den Verzicht auf individuelle Freiheit akzeptieren.

Das ist Quatsch. Das ist einer der gefährlichsten Quatsch, den wir je geschluckt haben. Anstatt zu suchen, wo der Einzelne und die Gemeinschaft im Widerspruch stehen, sollten wir suchen, wo sie sich überschneiden. Wir sollten uns auf die vielen, vielen Dinge konzentrieren, die beiden helfen. Als Einzelner bin ich freier, wenn ich in einer Gesellschaft mit einem starken sozialen Netz lebe. Ich kann meinen individuellen Willen in einer Gesellschaft besser ausüben als allein im Wald. Gemeinschaften wiederum sind am stärksten, wenn sie heterogen sind und viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ideen beherbergen, die frei sind, ihren Leidenschaften nachzugehen und diese Leidenschaften dann für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen.

Das ist die Aufgabe, die vor uns liegt, wenn man einen großen Schritt zurücktritt und das Ganze betrachtet. Es ist unsere Aufgabe, herauszufinden, wofür wir uns begeistern können, und zu lernen, wie wir diese Begeisterung einsetzen können, um allen zu helfen, auch uns selbst. Auf diese Weise können wir Beziehungen der Freiheit aufbauen (denn um es klar zu sagen: Freiheit ist eine Beziehung zwischen Menschen, kein statischer Zustand). Auf diese Weise können wir ein erfülltes Leben führen, egal ob dieses Leben kurz oder lang ist – möge es lang sein.

Wenn man jedoch etwas näher heranzoomt, wird die Aufgabe, die vor uns liegt, etwas konkreter: Wir müssen den Totalitarismus zerstören, bevor er sich festsetzt und uns alle vernichtet. Wir müssen überleben, wenn möglich, und wenn nötig, kämpfen bis zum bitteren Ende. Wir müssen dafür sorgen, dass für immer festgeschrieben wird, dass Homosexuelle keine Feiglinge sind – ein Grundsatz, an dem niemand mehr zweifeln wird.

Quelle: Margaret Killjoy, in Birds Before the Storm: The Kids Are, As They Say, Alright or: to the graduating class of 2025,  08. Mai 2025
Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, sollten Sie ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung [Autorisiert]: Thomas Trueten

Anarchismus und die neue Welle der Militarisierung (Teil 2)

Während die herrschende Klasse Europas auf die Welt nach dem Ende der Pax Americana mit Angst und Aufrüstung reagiert, sehen wir uns hier mit den Chancen und Gefahren konfrontiert, mit denen britische Anarchisten konfrontiert sind


Teil 1 dieses Artikels, der sich mit Stärken und Schwächen befasst, finden Sie hier.

Chancen

Das Foto zeigt eine eingeschneite Rose
Foto: freedomnews.org.uk
Mit einem zynischen Blick betrachtet, gab es in vielerlei Hinsicht noch nie einen günstigeren Zeitpunkt, um Anarchist zu sein. Wir beobachten den Zusammenbruch des liberalen kapitalistischen Traums in Echtzeit, während der Starmerismus jeden Anschein von Samthandschuhen für die Arbeiterklasse ablegt. Die Spinnweben-Linke ist in völliger Unordnung und selbst die neue Welle der Linken des Corbynismus hat keine Ideen. Labour zurückerobern? Tot. Neue/radikale Partei? Das ist doch lächerlich. Die Grünen einfangen? Sie werden sie mit diesem Versuch umbringen – das Projekt ist bereits eine unangenehme Balance zwischen Rot-Grünen und liberalen Tories aus der Grafschaft, die um ihre sehr unterschiedlichen Gründe für ihre Anwesenheit herumreden.

Die Notwendigkeit einer selbstbewussten, radikalen Basis, die ihre eigenen Ressourcen aufbaut, um das Ziel zu erreichen, eine Hebelwirkung zu erzielen, die die Regierungspolitik hin und wieder tatsächlich bedrohen kann, könnte nicht deutlicher sein. Wir haben sowohl aus unserer eigenen jüngeren Geschichte als auch von jenseits des Atlantiks ein anschauliches Beispiel dafür, was mit einer progressiven Bewegung passiert, die alles auf eine Karte setzt und dann verliert.

Es ist auch wichtig zu bedenken, dass sowohl der aktuelle Druck der Labour-Partei auf das Leben der Arbeiterklasse als auch die bevorstehende Welle nationalistischer, militärischer und umweltfeindlicher Politik, die die 2020er Jahre dominieren wird, sowohl in der Spalte „Bedrohungen“ als auch in der Spalte „Chancen“ aufgeführt sind. Dies zu beobachten, wird für viele Menschen ein fokussierender und radikalisierender Faktor sein. Wir haben in diesem Land schon seit geraumer Zeit keinen ernsthaften militärischen Vorstoß mehr erlebt, und das wird ein Kulturschock sein. Zusätzlich zu all den anderen wirtschaftlichen Problemen, mit denen die Arbeiterklasse derzeit zu kämpfen hat, neigen viele nach links, können dies aber nirgendwo zum Ausdruck bringen. Wir haben jedoch einige offene Türen, auf die wir Druck ausüben können, wenn wir dabei klug vorgehen und es vermeiden, potenzielle Verbündete zu verprellen.

Auch die gefährliche Position der Reformer wird sowohl Elemente der Bedrohung als auch der Chance enthalten. Bei ersteren werden die üblichen „Es gibt keine Alternative“-Verkäufer uns sagen, dass der einzige Weg, den Faschismus zu stoppen, darin besteht, wählen zu gehen, die Dinge schön ruhig und diszipliniert zu halten, das übliche Geschwätz, das offensichtlich keinen Schutz vor dem Faschismus bietet, sondern ihm Raum für die europaweite Entwicklung gibt. Letzteres ist unsere Fähigkeit, das zu sagen. Dass der Post-Thatcher-Konsens mit seiner Hochwasser-Wirtschaft und dem Rückzug der staatlichen Unterstützung das Problem ist. Dass die Lösung nicht darin besteht, uns an diesen zerfallenden Status quo zu binden und unsere Entscheidungsfreiheit und unser Vertrauen an Anzug tragende Unternehmensschläger abzugeben, sondern darin, persönliche Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.

Eine unserer Stärken, die gegenseitige Hilfe, passt perfekt in dieses düstere Szenario. Unsere Politik fördert die Eigeninitiative und die Solidarität, die oft durch die staatliche Übernahme der Wohlfahrtsvermittlung, die erstickende unpolitische liberale Freundlichkeit der großen Wohltätigkeitsorganisationen und die wirtschaftliche Entfremdung untergraben wird. Aber der Staat zieht sich aus diesen Bereichen zurück, die Wohltätigkeit wird nicht alles auffangen und die Tage der billigen Waren neigen sich dem Ende zu. Was bleibt, ist die Solidarität in der Gemeinschaft, die als Solidarität strukturiert ist und nicht als der oft falsche Prozess, bei dem ein halbes Dutzend Würdenträger Menschen, die immer noch wie Verbraucher denken und handeln, eine Dienstleistung mit radikalen Begleiterscheinungen anbieten.

Bedrohungen

Es gibt fast zu viele, um sie alle aufzulisten, aber um einige der offensichtlicheren herauszugreifen ...

Ich habe einmal mit Phil Ruff etwas getrunken und mit ihm über die direkten Aktionskampagnen der 1970er Jahre gesprochen – die Angry Brigade, Banküberfälle zur Geldbeschaffung und dergleichen. Er war, wie mehrere Menschen aus dieser Zeit, versöhnlich gestimmt, was den Mangel an ähnlich kraftvollem Straßenaktivismus in der modernen Bewegung angeht, was zum Teil daran lag, dass die Situation damals so anders war. Wie er bemerkte, gab es keine Videoüberwachung. Und es geht nicht nur um Videoüberwachung. Umfangreiche, automatisierte, leicht durchsuchbare Datenbanken und Biometrie waren noch kein Thema. Soziale Medien und Sousveillance waren noch kein Thema.

Und zunehmend haben wir nicht nur allgegenwärtige Augen, die uns beobachten. Sie wird von KI gespeist und kann im großen Stil aus allen Ecken des Internets stehlen. Wenn Sie heute bei einer Kundgebung durch das Zentrum Londons gehen, werden Sie archiviert, und falls Sie vergessen, sich für eine Aktion zu maskieren, wird das Bild Jahre später verwendet. Für die Vorsichtigen – diejenigen, die wissen, dass sie sich frühzeitig und oft maskieren und sich außerhalb der Reichweite von Polizisten aufhalten müssen, die Gesichter entlarven wollen – mag das machbar sein. Für weniger erfahrene Menschen wird es ein wirksames Mittel für den Staat sein, diejenigen zu identifizieren, zu kategorisieren und stark zu unterdrücken, die er als gegenwärtige oder zukünftige Unruhestifter betrachtet. Ein System zur Bestrafung vor der Straftat, bei dem Menschen einfach wegen öffentlicher Versammlungen verhaftet werden, unterstützt durch eine erfahrene (und jetzt schändlicherweise rechtlich immun) verdeckte Ermittlung und eine außerordentlich mächtige Medienmaschinerie, gibt der herrschenden Klasse mehr Befugnisse als je zuvor, um vermeintliche Bewegungen zu stören und zu zerstören.

Unsere bevorzugten Methoden werden daher in einer Situation, in der die Militärkultur zunimmt und mit so mächtigen Instrumenten der polizeilichen und staatlichen Unterdrückung einhergeht, gefährlicher und schwieriger. Da die Gesetze inzwischen so verschärft wurden, dass selbst für grundlegende Proteste eine polizeiliche Genehmigung erforderlich ist, können unsere Möglichkeiten begrenzt sein. Die Stadtzentren sind zunehmend Zonen, in denen wir ohne massive Menschenmengen und operative Sicherheit, die erheblich ernster ist als die des US-Militärs, nicht effektiv sein können. Das soll nicht heißen, dass keine Aktivitäten stattfinden können, aber unsere Strategien müssen sich ändern, um dieser Realität Rechnung zu tragen. Ein großer Glücksfall für die Tories war im vergangenen Jahr der Sturz eines Gesetzes, das Masken verbot, aber darauf können wir uns selbst unter Starmer nicht verlassen, geschweige denn auf das, was als Nächstes kommt. Ein weiterer Punkt ist, dass es unwahrscheinlich ist, dass Labour bei der Behebung der Überbelegung der Gefängnisse viel mehr Glück haben wird als die Tories, was bedeutet, dass sie die Inhaftierung von Demonstranten wahrscheinlich nicht noch weiter verschärfen werden (obwohl es ebenso unwahrscheinlich ist, dass sie, sofern es nicht zu einer größeren Krise kommt, zu den früheren Normen zurückkehren werden).

Kulturell scheint Großbritannien mit voller Geschwindigkeit auf einen dunklen Ort zuzusteuern. Einerseits erleben wir, ähnlich wie anderswo, die Wiederbelebung alter frauenfeindlicher Ideale als Teil der Vermählung von Hustle-Kultur und Entfremdung bei jungen Männern. Andererseits werden wir die nächste große Militärrekrutierungskampagne erleben, die den nationalistischen Impuls fördert. Während der zügellose Individualismus des ersteren nicht unbedingt gut mit dem „Stirb für dein Land“-Ethos des letzteren harmoniert, passen Machismo und Waffen sicherlich gut zusammen, was zu der gefährlichen Wahrscheinlichkeit führt, dass eine neue Generation rechtsextremer junger Männer massenhaft in den Militärdienst eintritt. Was das für die Zukunft faschistischer Straßenschlägereien bedeuten könnte, ist unklar.

Was einst als weit entfernte Möglichkeit einer reformorientierten Regierung erschien, die viele Jahre lang durch das Mehrheitswahlrecht behindert wurde, rückt immer näher. Ihre Aussichten scheinen sich in den letzten Monaten (vor allem durch die Bemühungen von Labour) deutlich verbessert zu haben, aber die Umsetzung in echte Macht ist vielleicht noch in weiter Ferne. Es ist ziemlich sicher, dass sie sich in ihrer weiteren Entwicklung neben der Stimmung gegen Migranten stärker auf die Stimmen der „Alle-außer“-Wähler konzentrieren werden, aber aus anarchistischer Sicht ist ihre Positionierung und Botschaft am wirksamsten, um den Tenor der nationalen Debatte zu verändern. Mit Medien wie GB News, sozialen Medien und zunehmend auch den rechten Massenmedien im Rücken treten sie ähnlich auf wie andere Gruppen dieser Art auf dem Kontinent, wie die National Rally in Frankreich und die AfD in Deutschland.

Im nationalistischen Sinne ist schwer zu sagen, ob der Isolationismus der Reformpartei mit atlantischen Aspekten oder die Tendenzen der Labour Party und der Konservativen zur europäischen Annäherung im Interesse einer Festigung der EU-russischen Grenze einflussreicher sein werden, aber keine von beiden verheißt Gutes für die anarchistische Sache. In beiden Fällen sind höhere Verteidigungsausgaben sicher (entweder um die USA zu beschwichtigen oder um sich den europäischen Normen anzupassen), und nichts in der politischen Agenda der Reformpartei deutet auf ein Interesse daran hin, den Neoliberalismus zurückzudrängen, dem Labour und die Tories so hoffnungslos verfallen sind. Wie bereits erwähnt, birgt dies sowohl Chancen als auch Gefahren, da eine Wirtschaft, die bereits in der Lage ist, mächtigeren Blöcken zu folgen, zur Verarmung führt, aber nicht unbedingt zur Mobilisierung von Gegenmacht.

Zusammenfassend

Der Anarchismus agiert seit einiger Zeit als Randgruppe der breiteren Linken, auch wenn er diese Rolle regelmäßig anprangert und ablehnt, was auf unsere geringe Größe und unsere internen Ressourcen zurückzuführen ist. Da wir weder über eine solide Klassenbasis verfügen noch unsere Aktivitäten in der Öffentlichkeit als schlecht organisierte Teenagerrebellion, bestenfalls als gedankenlose Zerstörer wahrgenommen werden, haben wir aus vielen Gründen Schwierigkeiten, über diese Rolle hinauszuwachsen. Einige Faktoren habe ich bereits erwähnt, ein weiterer könnte das ewige Problem sein, dass wir nicht in der Lage waren, schnelles Wachstum in eine verbesserte langfristige Position umzuwandeln. Wir haben es wiederholt versäumt, mit der „Erfolgskrise“ umzugehen, bei der ein Zustrom von Menschen zu Herausforderungen für den Status quo, zu Streit, Burnout und Spaltungen führt.

Dies sind Dinge, über die wir nachdenken müssen, wie wir sie überwinden (im ersten Fall) oder durch sie hindurchkommen (im zweiten Fall), wenn wir die sich bietenden Chancen bestmöglich nutzen und, was vielleicht noch wichtiger ist, Wege finden wollen, den Bedrohungen entgegenzuwirken. Wir wissen, dass wir uns absolut nicht auf Politiker verlassen können, seien sie nun gemäßigt oder „radikal“, und die Linke scheint sich kaum bewusst zu sein, was auf uns zukommt, geschweige denn, sich darauf vorzubereiten, es aggressiv zu bekämpfen. Die Antwort auf rechtsextreme Massendemonstrationen bestand darin, die gleichen kämpferischen Anorakträger wie eh und je auf den Plan zu rufen, die außerhalb einiger weniger Kernzonen immer in der Unterzahl sind, während nur wenige Ideen vorgelegt wurden, um Reform oder sogar Andrew Tate entgegenzutreten. Gesetzesänderungen stoßen auf die gleichen Gesichter von Gewerkschaften und NGOs, die wie eh und je Kolumnen schreiben, mit genau der gleichen minimalen Auswirkung auf die Regierungspolitik.

So klein wir auch sind, wenn die anarchistische Bewegung etwas von der Energie und Kreativität aufbauen kann, die wir in den letzten Jahrzehnten immer wieder an die Oberfläche steigen sahen, haben wir wie Reform mit den Tories jede Gelegenheit, die Flagge des Widerstands zu ergreifen, die ein großer Teil der Bevölkerung immer noch gehisst sehen möchte. Aber wir müssen sie dann halten, in dem Wissen, dass der Staat sich mehr für uns interessieren wird als für die Umtriebe loyaler Oppositioneller. Das erfordert Disziplin, vorausschauendes Denken und Strukturen, die etwas robuster sind als die, die wir derzeit haben.

Wir haben uns lange Zeit darauf verlassen, dass immer wieder junge Menschen zu uns kommen, sich verausgaben und dann weggehen, um Familien zu gründen und ein Zuhause zu schaffen, was dazu geführt hat, dass wir nur noch sehr wenig von dem haben, was Staat und Unternehmen gerne als „institutionelles Gedächtnis“ bezeichnen. Wir müssen einen Weg finden, diesen Kreislauf zu durchbrechen, und nicht nur das Engagement junger Menschen fördern, sondern ihnen auch konkrete Verbindungen und Wissen sowie ein Gefühl der Kontinuität vermitteln, anstatt 20-Jährige, eine Gruppe von Menschen über 50 und eine Lücke dazwischen zu haben. Und das bedeutet, dass wir uns bemühen müssen, die Entfremdung, der wir zum Opfer gefallen sind, rückgängig zu machen. Eine Ausweitung der physischen Interaktion innerhalb der Gemeinschaften und in unseren eigenen Räumen. Ein Bruch mit den sozialen Medien und eine erneute Hinwendung zu anarchistisch geführten und kontrollierten Medien, die nicht einfach in direkt involvierten Kreisen isoliert werden und dann verschwinden, wenn die Kampagne abgeschlossen ist. Eine Wiederherstellung des Prinzips des menschlichen Engagements bei Workshops, Festivals und Genossenschaften.

Das Feld ist in der Tat weit offen für die anarchistischen Samen unter dem Schnee, um zu wachsen. Und es gibt keinen wichtigeren Zeitpunkt, um mit der Gartenarbeit zu beginnen.

Quelle: Analyse von Rob Ray via freedomnews.uk, 30 März 2025

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Anarchismus und die neue Welle der Militarisierung (Teil 1)

Ein paar Gedanken darüber, wo wir uns befinden, während wir an der Schwelle zu einem Jahrzehnt stehen, das von einem Wandel hin zu einem bewaffneten Nationalismus geprägt sein wird


Der britische Premierminister Keir Starmer bei einem Truppenbesuch

Quelle: Number 10/CC
In der Flut von kapitalen Nachrichten, die wir im letzten Monat hatten, war die Ankündigung einer europaweiten massiven Aufrüstung bei weitem die folgenreichste für unsere kriegsentfremdeten Inseln.

Nach den schwindelerregenden Ausgabenplänen Deutschlands und der EU sowie der verspäteten Erkenntnis der lokalen Mächte, dass die Auslagerung der Produktion an Konkurrenten vielleicht keine gute Strategie war, sieht das Versprechen der Labour-Partei, 2,5–3 % des BIP für die Verteidigung auszugeben, nicht einmal wie das aggressivste Engagement aus.

Aber es scheint wahrscheinlich, dass das nächste Jahrzehnt auf mehreren Ebenen von Veränderungen geprägt sein wird, wobei der weitere Aufstieg rechtsextremer politischer Gruppen mit einem militärischen Revival, einer permanenten Neuausrichtung des „Great Game“ und höchstwahrscheinlich der Aufgabe von Umweltverpflichtungen einhergeht, selbst wenn die Folgen der Klimakrise buchstäblich in unser tägliches Leben eindringen.

Während wir auf diese Katastrophe für die Arbeiterklasse der Welt zusteuern (die gezwungen sein wird, die Kosten und Folgen zu tragen, während man ihr gleichzeitig sagt, dass sie selbst daran schuld ist), können und sollten die Anarchisten Großbritanniens daran arbeiten, sie zu stoppen. Aber wir müssen auch bedenken, dass wir, wie in den meisten der letzten vier Jahrzehnte, nicht über die nötigen Mittel verfügen werden, um dies zu tun oder es auch nur zu verlangsamen. Was sind unsere Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken als Bewegung mit begrenzten Mitteln?

Stärken

Seien wir ehrlich, physisch haben wir im Moment nicht viele. Es gibt viele unverbundene lokale Gruppierungen, eine kleine (wenn auch lebhafte) Szene von Hausbesetzern, ein paar Orte wie „Freedom“ oder „Star and Shadow“, ein paar Kooperativen wie „Radical Routes“, Verlage wie „Active“, etwas rechtliche Unterstützung, ein soziales Randnetzwerk und so weiter. Das soll nicht heißen, dass es kein Potenzial gibt – wir haben schon früher ernsthafte Fortschritte gemacht. Die letzten drei Wellen anarchistisch geprägter Aktivitäten, 1999–2003, 2010–2013 und die Bewegung für gegenseitige Hilfe 2020–2021, sind noch nicht aus dem Gedächtnis verschwunden und haben viele Lehren zu ziehen. Außerdem gibt es eine große Welle von Ehemaligen, die möglicherweise von einem Angebot begeistert werden könnten, das einige Lektionen darüber gelernt hat, wie man Bewegungen nicht nur inspiriert, sondern auch aufrechterhält.

Im Gegensatz zu unseren frenetischen Freunden in der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Szene kämpfen wir nicht am falschen Ende eines Challenge-Fail-Zyklus und tatsächlich wurden viele unserer Vorhersagen über die Mängel des Corbynismus voll und ganz bestätigt. Wir haben ein hervorragendes aktuelles Beispiel für spontane gegenseitige Massenhilfe (Covid), auf das wir verweisen können, wenn wir für den (Wieder-)Aufbau dezentraler Solidaritätsnetzwerke in der Arbeiterklasse plädieren. Obwohl es uns an großen föderalen Organisationen fehlt, die das ganze Land abdecken können, verfügen wir über Räume, die als Knotenpunkte für schnelles Wachstum dienen könnten, sowie zumindest über einige freundschaftliche Kontakte zu Zentren, die von Gleichgesinnten betrieben werden (Friends Meeting Houses, Arbeitervereine, Arbeitergenossenschaften und dergleichen).

Und trotz all der vielen Schrecken, die vor uns liegen, wird unsere Politik wahrscheinlich durch das zunehmend repressive Verhalten der Regierungen im In- und Ausland schärfer konturiert werden. Die britische Öffentlichkeit hat sich im letzten Jahrzehnt insgesamt erstaunlich gleichgültig gezeigt, wenn es um den Schutz ihrer eigenen Freiheiten ging. Sie schaute weg, als Proteste auf von der Polizei genehmigte Spaziergänge reduziert wurden, während direkte Aktionen kriminalisiert und Gefängnisstrafen verhängt wurden, während die Innenstädte im ganzen Land unter die ständige Beobachtung der gläsernen Augen von Big Brother gestellt wurden. Wir können auf jahrelange Warnungen verweisen und Maßnahmen vorschlagen, wenn das eine oder andere Ereignis, das durch die neue Ordnung der Dinge ausgelöst wurde, die Öffentlichkeit dazu bringt, aufmerksam zu werden.

Die übliche linke, respektable Politik hat zu diesen Angriffen wenig Bemerkenswertes zu sagen, außer „das ist schlecht, mkay“, während der Free Englishman Ruuule Britannnia, der sogenannte Pro-Freiheits-Mob (Spiked!, rechte Broadsheets usw.) dies entweder ignoriert oder aktiv zu mehr anstachelt. Anarchisten sind eine der wenigen Gruppierungen, die nicht nur konsequent vor einem Problem gewarnt oder vage über Westminster gejammert haben, das sich absolut nicht darum schert, sondern sich auch dafür eingesetzt und manchmal Maßnahmen ergriffen haben, um es zu bekämpfen. Während der Phase der Anti-Masken-Pandemie haben einige unserer verschwörerischeren Genossinnen und Genossen alles gegeben. Wenn wir klug vorgehen, gibt es viel Spielraum für Gegenwehr. Wir verfügen über aktuelles und historisches Know-how über den wahren Stand der Gesetze und unsere gepriesenen „Freiheiten“, was uns auf der Straße einen übergroßen Einfluss verschafft, wenn Schocks wie eine Welle des militärischen Nationalismus über uns hereinbrechen.

Schwächen

Oh Mann, davon haben wir einige. Innerhalb der Szene gibt es eine Kultur der üblen Nachrede, der Gerüchteküche und der Abschottung, die uns seit fast einem Jahrzehnt lähmt und durch die Müdigkeit von Gruppen verschlimmert wird, denen es (verständlicherweise) oft leichter fällt, automatisch die kalte Schulter zu zeigen, als sich in noch mehr endlose Streitereien und unlösbare Untersuchungen hineinziehen zu lassen. Wir haben uns wiederholt wegen Trans-Rechten, relativen Positionen zu internationalen Konflikten und guten alten Burnout-Folgen zerstritten. Auch wenn ich wie ein mürrischer Typ klinge, der auf eine Fabrik zeigt und „Organisieren“ ruft, sollten wir uns nicht wegen dieser Themen selbst zerstören, außer wir streiten über Trans-Rechte (die für unsere Fähigkeit, uns zu organisieren, wo wir sind, direkt relevant sind).

Die Grafik zeigt einen IWW Organizer, der Personen, die in den Himmel schauen und auf die dortigen Sterne zeigen zu "Organize!" und zeigt auf eine Fabrik, die mit  "Industries"beschriftet ist. Er spielt damit auf die theoretisierende Suche nach dem revolutionären Subjekt bei den dargestellten Anarchisten, Sozialisten und anderen an, die sich statt dessen lieber an die real existierenden (Industrie)Arbeiterschaft wenden sollen.
Historisches IWW-Plakat, Bildung – Organisation – Emanzipation (Ausschnitt)

Dieses undatierte Organisations-/Werbeposter wurde von den Industrial Workers of the World (IWW) in New York zur Verteilung in den gesamten Vereinigten Staaten und möglicherweise in jedem anderen englischsprachigen Land veröffentlicht. Die Überschrift des Plakats, „Bildung – Organisation – Emanzipation“, steht für die grundlegendste Strategie, die die IWW in ihrem Kampf anwendet, um die Kontrolle über die Industrien der Welt der „Arbeitgeberklasse“ zu entreißen und in die Hände der „Arbeiterklasse“ zu legen, die sie zu einer „großen Gewerkschaft“ zusammenzuschließen versuchte. Mehr darüber beim Oregon History Project.
Meine persönlichen Ansichten, zum Beispiel zur Ukraine und zu Palästina, sind weitgehend konsistent – ich bin dafür, die Menschen in beiden Ländern zu unterstützen. In der Ukraine wollen die Menschen (und die Anarchisten) nicht zu einem imperialen Ausläufer eines blutigen autokratischen Russlands werden, das dafür bekannt ist, Andersdenkende zu töten. In Palästina wollen sie nicht ethnisch gesäubert werden. Ich finde, dass beide Standpunkte ziemlich vernünftig sind, während ich die umfassendere Bedeutung der Position „Kein Krieg, aber Klassenkampf“ verstehe und schätze.

Aber realistisch gesehen halte ich sie für unwichtig, abgesehen von einem winzigen Teil der britischen Linken, der historisch gesehen wirklich ziemlich schlecht darin war, selbst die Kriege seiner eigenen Regierung zu stoppen, geschweige denn die von irgendjemand anderem. Und die Argumente, die wir zu diesem Thema haben, sollten uns nicht bei Aufgaben schwächen, bei denen wir tatsächlich einen bedeutenden Unterschied machen können. Ich muss mit den Leuten nicht einer Meinung über die Ukraine sein, um mit ihnen bei anderen Themen zusammenzuarbeiten, und unsere Bewegung sollte, das dürfen wir nicht vergessen, heterodox sein. So wie sie derzeit dasteht, ist sie jedoch für Außenstehende (manchmal auch für Insider) oft fremd und abweisend, da sie durch ständige interne Streitereien zurückgehalten wird, bei denen persönliche Differenzen oft hinter übertriebenen politischen Meinungsverschiedenheiten versteckt werden.

Im Allgemeinen leiden wir sowohl unter der schlechten Integration mit der linken Basis, die es in diesem Land gibt, als auch unter der langen Malaise, die diese Basis erlebt. Der Anarchismus hat eine Geschichte, in der er viele seiner besten Organisatoren aus den Reihen der Gewerkschaften, der Studentenbewegungen, des Minderheitenaktivismus und der desillusionierten extremen Linken rekrutiert hat, die alle zu kämpfen haben.

Diese Gewerkschaften und linken Gruppen sind politisch am Ende und befinden sich größtenteils seit einiger Zeit in einem kontrollierten Niedergang, abgesehen von einigen Gruppierungen in strategischen Branchen, wie RMT auf den Gleisen oder Beschäftigte im Gesundheitswesen im chronisch unterbesetzten staatlichen Gesundheitssystem NHS. NGOs, die nicht einfach nur in einer für uns nutzlosen Weise liberal sind, wurden größtenteils von der Regierung neutralisiert, indem sie „politisch sein“ einfach zu einem schwarzen Fleck für ihre Finanzierung oder sogar illegal gemacht hat. Die Genossenschaftsbewegung hat längst den Großteil ihres radikalen Charakters verloren, abgesehen von einer Randgruppe kleinerer Unternehmen, die in Bereichen wie Wohnungswesen, Buchhandel, Fahrräder und Vollwertkost tätig sind (wobei letztere eine kleine Gruppe ist, die man potenziell in die Kategorie „stark“ einordnen könnte, obwohl sie oft Schwierigkeiten hat, effektiv genug zu konkurrieren, um ein finanzielles Rückgrat zu bilden).

Der Dornröschenschlaf der Institutionen und unsere zufällige Verbindung zu ihnen untergraben unsere Fähigkeit, außerparlamentarische Maßnahmen in den Gemeinden erfolgreich anzugehen und zu mobilisieren – und die größte Schwäche von allen ist, dass wir an den meisten Orten außerhalb bestimmter Gebiete in Großstädten und bestimmten Kleinstadt-Enklaven keine klare, zugängliche Basis haben. Es wird erhebliche Anstrengungen erfordern, die Basis wieder aufzubauen, die in der Vergangenheit einen Großteil der Linken im Allgemeinen getragen hat, da das politische Klassenbewusstsein so zersplittert, demobilisiert und entfremdet ist.

Ich gebe zu, dass dies den Artikel mit einer etwas traurigen Note beendet, aber keine Sorge! Nächste Woche geht es um Chancen, und davon gibt es eine ganze Menge.

Teil 2 dieses Artikels erscheint nächsten Sonntag.

Quelle: Analyse von Rob Ray via freedomnews.uk, 23. März 2025

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]