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»Vielleicht interessierst du dich nicht für den Krieg, aber der Krieg interessiert sich für dich.« Lew Dawidowitsch Bronstein aka Leo Trotzki

Berlin ist unkürzbar - Umverteilung jetzt!

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Transparent mit dem Text: 100 Milliarden  € für Bildung und Soziales - Schluss mit Kürzungen und Aufrüstung! Dahinter ist der Berliner Fernsehturm zu sehen sowie eine Reihe Demonstrant:*innen, die hinter dem Hochtransparent laufen.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Einen Tag vor der Bundestagswahl protestierten tausende Menschen gegen die Sparorgie des schwarz-roten Senats in Berlin. Zahlreiche Sozial-, Kultur-, Bildungs-, Jugend- und Umweltverbände riefen zur Demo auf. Sie kritisierten die Sparmaßnahmen, die besonders die schwächsten der Gesellschaft treffen und mühsam aufgebaute Strukturen und Angebote in der Stadt zerstören.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Die Pflicht zur Flucht oder: Tolkien und Le Guin über eskapistische Fantasien

Barad-dûr - die Festung Saurons in Mordor und auf einem südlichen Vorsprung des Ered Lithui in der Ebene von Gorgoroth.
Herr der Ringe - Barad-dûr - die Festung Saurons in Mordor und auf einem südlichen Vorsprung des Ered Lithui in der Ebene von Gorgoroth.
Grafik: Thomas Trueten
Neulich Abend unterhielt ich mich mit einem Freund, dessen Leben sich in vielerlei Hinsicht radikal von meinem unterschied – er ist fast zwanzig Jahre jünger als ich und in einem Haushalt aufgewachsen, der meinem überhaupt nicht glich. Wir sprachen darüber, wie wir beide im Unterricht Bücher unter unseren Schreibtischen lasen. Keine Schulbücher, sondern eskapistische Fantasy-Literatur. Während der gesamten Mittelstufe hatte ich eine Linie quer über der Stirn, von der Stelle, an der die Kante des Schreibtisches in meine Haut drückte, während ich unter dem Tisch Bücher las.

Ich hatte keine besonders gute Zeit in der Mittelstufe. Meine beiden besten Freunde waren gerade weggezogen, und unsere Mittelschicht-Nachbarschaft mit gemischten Einkommen war in ein wohlhabenderes Viertel umgesiedelt worden, um den Ort zu diversifizieren. Ich hatte nicht mehr nur einen Mobber, wie in der Grundschule, sondern etwa die Hälfte der Schule beteiligte sich an den Misshandlungen, die ich erlitt. (Ich hasse es wirklich, wie abfällig wir über „Mobbing“ sprechen, als wäre routinemäßiger körperlicher und emotionaler Missbrauch etwas, das keiner weiteren Analyse bedarf.)

Die Mittelschule war die Hölle. Sobald ich sie hinter mir hatte und auf die Highschool ging, erinnere ich mich, dass ich mir dachte: „Warum habe ich nicht viele konkrete Erinnerungen an die letzten Jahre meines Lebens?“

Die Mittelstufe war die Hölle, aber ich habe überlebt, und vielleicht habe ich überlebt, weil ich Tolkien und Heinlein und Dumas und Jacques und Pierce und was auch immer für kitschige Fantasy-Romane ich mir jede Woche aus der Bibliothek holte. Vielleicht habe ich überlebt, weil es das öffentliche Bibliothekssystem gab. Vielleicht habe ich überlebt, weil es den Spieleladen gab, der Bücher über Dungeons & Dragons verkaufte – ich hatte niemanden zum Spielen, aber ich verbrachte viel Zeit damit, Enzyklopädien über Welten zu lesen, die es nie gab.

Daher habe ich die Bedeutung von spekulativer Fiktion und Eskapismus nie wirklich in Frage gestellt. Die Möglichkeit, für eine Weile nicht ich selbst zu sein, hatte schon immer einen sehr hohen Stellenwert. Am Ende der Highschool fühlte ich mich mehr zur „Literatur“ hingezogen, insbesondere zu ängstlichen europäischen Männern wie Camus und Hesse, aber ich habe nie aufgehört, Fantasy zu lesen.

Ich möchte hier nicht einmal Bücher über Fernsehen, Videospiele, Filme und andere Formen der Realitätsflucht stellen, obwohl Bücher immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben werden.

Als ich das College abbrach, um Güterzüge zu fahren und gegen die Regierung zu kämpfen, flüchtete ich, nun ja, vor etwas. Ich befreite mich. Ich zahlte keine Miete mehr, ich arbeitete nicht mehr in einem regulären Job. Ich lebte in verlassenen Gebäuden und unter Brücken. Anstatt Würfel zu werfen, um Schlösser zu knacken, lernte ich, Schlösser zu knacken. Anstelle von Schatztruhen gab es Müllcontainer. Anstelle einer Abenteurergruppe hatte ich Tramper-Kumpels und eine Bezugsgruppe. Ich hatte den schwarzen Block und ich hatte Waldverteidigung.

Aber die ganze Zeit über las ich Bücher. Niemand verschlingt Romane so wie Baumpfleger – was zum Teufel soll man sonst den ganzen Tag machen?

Als Kind habe ich „Der Hobbit“ wieder und wieder gelesen, aber als ich „Der Herr der Ringe“ zum ersten Mal las, war ich erwachsen, vielleicht 20 oder so, in einem Waldschutzlager im pazifischen Nordwesten. Ich hatte Wache. Ich und ein Freund saßen die ganze Nacht hinter einem Baumstamm neben einer Schotterstraße und verfolgten, wer rein- und rauskam, und informierten alle, wenn Polizisten auftauchten, um uns zu verhaften. Mein Begleiter schlief sofort ein, jede Nacht. Ich las „Herr der Ringe“ im Licht einer roten Stirnlampe. Ich entkam nicht einmal meiner Flucht, nicht wirklich, sondern verstärkte sie stattdessen. Hier war ich nun und lebte ein Leben voller Abenteuer, las über Leben voller Abenteuer.

Und doch war ich mir trotz allem nicht sicher, ob es für einen Möchtegern-Revolutionär eine gute Zeitverwendung war, eskapistische Dinge zu schreiben. Klar, ich blieb lange auf, um zu lesen (oder Videospiele zu spielen, wenn ich einen Ort mit ausreichend Strom finden konnte). Aber so etwas tatsächlich zu machen? War es nicht wichtiger, etwas zu organisieren? Ich schrieb hier und da Geschichten, aber ich war zu schüchtern, um sie zu teilen. Was bedeutete das Schreiben schon, wenn im Wald Bäume fielen und im Ausland Bomben fielen?

Ich schrieb Ursula K. Le Guin einen Brief. Sie war eine meiner Heldinnen, eine pazifistische Anarchistin, die so viele Bücher geschrieben hatte, die so vielen Menschen so viel bedeuteten. Ich schrieb ihr einen Brief an ihr Postfach und sagte: „Hallo, ich bin eine junge Autorin von anarchistischer Belletristik und frage mich, welche Rolle Belletristik beim sozialen Wandel spielt. Kann ich dich für ein Zine dazu interviewen?“

Sie antwortete mir per E-Mail und wir schrieben eine Weile miteinander. Ich erweiterte das Projekt von einem Zine zu einem Buch, in dem ich jeden anarchistischen Romanautor interviewte, den ich zu diesem Zeitpunkt finden konnte. So lernte ich die Rolle der Belletristik, insbesondere der spekulativen Belletristik, im sozialen Wandel kennen. Es gibt so viele Dinge: Belletristik stellt Fragen besser als sie Antworten liefert und fordert die Leser so heraus, ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen; Belletristik gibt uns Vorbilder; Belletristik ermöglicht es uns, die Idee zu erforschen, dass die Gesellschaft grundlegend anders sein könnte (zum Besseren oder Schlechteren).

Aber Fiktion ermöglicht uns auch, zu entkommen. Und das ist nicht falsch.

Obwohl ich nicht wirklich so schreibe wie einer von ihnen, sind meine beiden größten Vorbilder als Romanautor Tolkien und Le Guin. Und ich habe das Glück sagen zu können, dass sie beide ausführlich über die Rolle des Eskapismus geschrieben haben.

In On Fairy Stories schrieb Tolkien:

Ich habe behauptet, dass Flucht eine der Hauptfunktionen von Märchen ist, und da ich sie nicht missbillige, ist es klar, dass ich den Ton der Verachtung oder des Mitleids, mit dem „Flucht“ heute so oft verwendet wird, nicht akzeptiere: ein Ton, für den die Verwendung des Wortes außerhalb der Literaturkritik keinerlei Berechtigung bietet. In dem, was die Missbraucher gerne als „Real Life“ bezeichnen, ist Flucht in der Regel sehr praktisch und kann sogar heldenhaft sein. Im wirklichen Leben ist es schwierig, ihr die Schuld zu geben, es sei denn, sie scheitert; in der Kritik scheint sie umso schlimmer zu sein, je besser sie gelingt. Offensichtlich haben wir es mit einem Missbrauch von Worten und auch mit einer Verwirrung der Gedanken zu tun. Warum sollte man einen Mann verachten, der sich im Gefängnis befindet und versucht, herauszukommen und nach Hause zu gehen? Oder wenn er, wenn er das nicht kann, an andere Themen als Gefängniswärter und Gefängnismauern denkt und darüber spricht? Die Welt da draußen ist nicht weniger real geworden, nur weil der Gefangene sie nicht sehen kann. Indem sie Flucht auf diese Weise verwenden, haben die Kritiker das falsche Wort gewählt, und darüber hinaus verwechseln sie, nicht immer aus aufrichtigem Irrtum, die Flucht des Gefangenen mit der Flucht des Deserteurs.

Genauso könnte ein Parteisprecher die Flucht aus dem Elend des Führers oder eines anderen Reiches und sogar die Kritik daran als Verrat bezeichnen. Ebenso kleben diese Kritiker, um die Verwirrung noch zu vergrößern und ihre Gegner zu verachten, ihr verächtliches Etikett nicht nur auf die Desertion, sondern auch auf die echte Flucht und auf die oft damit verbundenen Gefühle wie Ekel, Wut, Verurteilung und Empörung. Sie verwechseln nicht nur die Flucht des Gefangenen mit der Flucht des Deserteurs, sondern scheinen auch die Zustimmung des „Quisling“ dem Widerstand des Patrioten vorzuziehen. Solchen Denkweisen muss man nur sagen: „Das Land, das du geliebt hast, ist dem Untergang geweiht“, um jeglichen Verrat zu entschuldigen, ja, ihn zu verherrlichen.

Das gefällt mir. „Warum sollte ein Mann verachtet werden, wenn er im Gefängnis sitzt und versucht, auszubrechen und nach Hause zu gehen?“ In zahlreichen Ländern der Welt gilt die Flucht aus dem Gefängnis nicht an und für sich als Verbrechen. Alle Verbrechen, die du bei dem Fluchtversuch begehst, können gegen dich verwendet werden, aber der Versuch, auszubrechen, wird einfach als natürlich angesehen, als menschliche Natur.

Natürlich wollte ich als Mittelschüler überall sein, nur nicht in diesem reichen Vorort voller Tyrannen. Natürlich wollte ich mir vorstellen, auf fremden Welten zu sein, oder in der Vergangenheit, oder einfach nur in einer Schule in der realen Welt, die nicht meine eigene Schule war. Dieser „Eskapismus“ hinderte mich nicht daran, meine eigenen sozialen Probleme anzugehen, er ermöglichte es mir, lange genug zu überleben, um diese Situation physisch zu verlassen.

Le Guin nahm das, was Tolkien schrieb, und baute darauf auf, in einer Sammlung von Essays mit dem Titel The Language of the Night:

Das älteste Argument gegen SF ist sowohl das oberflächlichste als auch das tiefgründigste: die Behauptung, dass SF, wie jede Fantastik, eskapistisch ist.

Diese Aussage ist oberflächlich, wenn sie von Oberflächlichen gemacht wird. Wenn ein Versicherungsmakler dir sagt, dass SF nicht mit der realen Welt zu tun hat, wenn ein Chemie-Erstsemester dir mitteilt, dass die Wissenschaft Mythen widerlegt hat, wenn ein Zensor ein Buch verbietet, weil es nicht dem Kanon des sozialistischen Realismus entspricht, und so weiter, dann ist das keine Kritik, sondern Bigotterie. Wenn es sich lohnt, darauf zu antworten, dann gibt Tolkien, Autor, Kritiker und Gelehrter, die beste Antwort. Ja, er sagte, Fantasy sei eskapistisch, und das sei ihr Ruhm. Wenn ein Soldat vom Feind gefangen genommen wird, halten wir es dann nicht für seine Pflicht, zu fliehen? Die Geldverleiher, die Besserwisser, die Autoritären haben uns alle im Gefängnis; wenn wir die Freiheit des Geistes und der Seele schätzen, wenn wir für die Freiheit eintreten, dann ist es unsere klare Pflicht, zu fliehen und so viele Menschen wie möglich mitzunehmen.

Die Welt von Erdsee besteht aus einem riesigen Archipel hunderter kleiner Inseln, die in einem großen Ozean liegen. Im Hintergrund fliegen Drachen.
Die Welt von Erdsee aus dem Romanzyklus von Ursula Le Guin besteht aus einem riesigen Archipel hunderter kleiner Inseln, die in einem großen Ozean liegen. Im Hintergrund fliegen Drachen.
Grafik: Thomas Trueten
Es ist unsere Pflicht, zu fliehen und so viele Menschen wie möglich mitzunehmen.

Als ich Autoren nach dem gesellschaftlichen Nutzen von Belletristik fragte, habe ich vielleicht die falschen Fragen gestellt. In gewisser Weise ist es mir eigentlich egal, welchen „Wert“ Belletristik oder Eskapismus haben. Diese Art des Denkens basiert auf der Vorstellung, dass die materielle Welt die einzige Welt mit Wert ist.

In „Die zwei Türme“ (zumindest im Film, ich habe die Bücher schon eine Weile nicht mehr gelesen und werde es trotzdem umschreiben) hat Aragorn einen Traum über seine Partnerin Arwen. In der realen Welt ist er fast tot, aber im Traum ist er in Sicherheit und mit seiner Liebe vereint. Er sagt zu Arwen: „Es ist nur ein Traum.“

„Dann ist es ein guter Traum“, antwortet sie.

Und wenn ich in den letzten Jahren eines gelernt habe, dann, dass die Welt unserer Träume nicht von Natur aus weniger wert ist als die Welt im Wachzustand. Wir können Fiktion um ihrer selbst willen genießen. Kunst sollte nicht im Dienste der Revolution stehen, das ist völlig rückständig. Die Revolution sollte im Dienste der Kunst stehen.

Das Material kann im Dienste des Ideals stehen. Die Welt des Wachseins kann im Dienste unserer Träume stehen.

Es war ein weiterer anarchistischer Romanautor, der mir das beigebracht hat, obwohl er fast ein Jahrhundert vor meiner Geburt starb. Oscar Wilde machte in seinem Buch „Die Seele des Menschen im Sozialismus“ deutlich, dass der Zweck des Sozialismus der Kunst dient und nicht, dass die Kunst dem Sozialismus dienen sollte. Und er hat eine der interessantesten Sichtweisen auf das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft entwickelt: „Die Gemeinschaft wird die nützlichen Dinge bereitstellen und die schönen Dinge werden vom Einzelnen geschaffen. Es ist der einzig mögliche Weg, wie wir entweder das eine oder das andere bekommen können.“

Ich glaube nicht, dass wir den Wert des Eskapismus intellektuell verstehen müssen. Unser Körper und unser Geist wissen, dass es schön ist, ein Buch zu lesen oder einen Film zu schauen und für eine Weile jemand anderes zu sein.

Die Welt wird in vielerlei Hinsicht immer düsterer. Sicherlich wird es, aus einer eher wörtlichen Sichtweise, immer heißer und immer faschistischer. Mehr denn je werden wir uns der Flucht als einem der uns zur Verfügung stehenden Mittel zuwenden.

Mehr denn je sehen wir uns in dem Kampf der seltsamen kleinen Hobbits, die in der wilden Welt mit ihrem Krieg und Elend gefangen sind und nur nach einem Fass Longbottom-Blatt suchen, aber dabei versuchen, etwas Gutes in der Welt zu tun. Mehr denn je denken wir an Frodo und Sam, die miteinander reden, während sie auf Gefahr und Verderben zugehen, als Sam sagte:

Und wir sollten überhaupt nicht hier sein, wenn wir mehr darüber gewusst hätten, bevor wir angefangen haben. Aber ich nehme an, so ist es oft. Die mutigen Dinge in den alten Geschichten und Liedern, Herr Frodo: Abenteuer, wie ich sie nannte. Ich dachte immer, dass die wunderbaren Menschen in den Geschichten sich auf die Suche nach diesen Abenteuern machten, weil sie sie wollten, weil sie aufregend waren und das Leben ein bisschen langweilig, eine Art Sport, wie man sagen könnte. Aber so ist es nicht bei den Geschichten, die wirklich wichtig sind, oder bei denen, die im Gedächtnis bleiben. Die Menschen scheinen in ihnen gelandet zu sein, normalerweise – ihre Wege waren so vorgezeichnet, wie du es ausdrückst. Aber ich nehme an, dass sie, wie wir, viele Gelegenheiten hatten, umzukehren, nur haben sie es nicht getan. Und wenn sie es getan hätten, sollten wir es nicht wissen, weil sie vergessen worden wären. Wir hören von denen, die einfach weitergemacht haben – und nicht alle mit einem guten Ende, wohlgemerkt; zumindest nicht mit dem, was die Leute innerhalb einer Geschichte und außerhalb davon ein gutes Ende nennen.

Wir suchen die Flucht nicht, weil wir Angst haben, unsere eigenen Abenteuer zu erleben, sondern weil wir alle in einem gefangen sind und es so gut wie möglich meistern. Wir werden vielleicht nicht „ein gutes Ende“ erleben, aber wir können uns vorstellen, dass wir es könnten. Und wenn wir das nicht überleben? Dann, wie Théoden, König von Rohan, sagte (ich bin gerade im Herr der Ringe-Fieber, okay?), „können wir zumindest ein Ende finden, das ein Lied wert ist.“

Quelle: Margaret Killjoy, The Duty to Escape or: tolkien and le guin on escapist fantasy 15. Januar 2025 in Birds before the Storm

Übersetzung: Thomas Trueten


Der Ordnung halber: Linkliste aktualisiert

Seit ewigen Zeiten wollte ich mal die Linkliste mit einer kleine Auswahl Webseiten, die wir zur Beachtung empfehlen, aus"misten" und aktualisieren sowie ein paar neue Links hinzufügen. [X] Erledigt.


Brechen in den Mediatheken bald dunklere Zeiten für Wissenschaftsjournalismus an?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll "sparen" - und eine mögliche Zusammenlegung von Sendern wie ARTE und @3sat sorgt für Besorgnis. Mehr als 10.000 Stellungnahmen zu den Reformplänen sind eingegangen. Auch die Kommunikationsverantwortlichen der Helmholtz-Gemeinschaft haben sich klar positioniert, was wir nachfolgend dokumentieren:

Die Grafik zeigt auf einer Landkarte von Deutschland die Lage der Helmholtz-Zentren
Lage der Helmholtz-Zentren in Deutschland
Sehr geehrte Rundfunkkommission,
Mit diesem Schreiben wenden sich die für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlichen der Helmholtz-Gemeinschaft und ihrer Forschungszentren an Sie. Unsere 18 Zentren mit zirka 45.000 Beschäftigten sind durch Bund und Länder finanzierte außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Thematisch forschen wir in den sechs Bereichen: Gesundheit, Erde und Umwelt, Energie, Materie, Information sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Wir befassen uns mit den großen und drängenden Fragen der Gesellschaft und entwickeln hierfür nachhaltige Lösungsansätze für morgen und übermorgen.

Mit großer Sorge und großem Unverständnis haben wir von Ihren Plänen gehört, die Sender 3Sat und Arte zusammenzuschließen. Das Programm von zwei Sendern soll auf einen Sender komprimiert werden. Gewöhnlich heißt das: 50 Prozent des Programms entfallen.

In diesem Fall heißt das, es wird bei Sendern gekürzt, die ganz gezielt Aufgaben wahrnehmen, die nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk bedient. Dazu gehört auch die Berichterstattung aus der Wissenschaft. Wenn die tägliche Wissenschaftsberichterstattung in NANO, die Wissenschaftsdoku Wissenhoch2, Scobel, u.v.m. auf der Strecke zu bleiben, erfüllt uns das mit großer Sorge. Die qualitativ hochwertige und seriöse Kommunikation von Wissenschaft ist ein Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft und unseres Wohlstands.

Wie wichtig es ist, nicht nur wissenschaftliche Fakten, sondern auch den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess dem Publikum näher zu bringen, haben wir während der Pandemie gesehen und erleben es im Zeitalter von Fake News und „gefühltem“ Wissen und Halbwissen täglich. Gerade in den Sozialen Medien hat die sachliche und kritisch einordnende Berichterstattung über Wissenschaft immer häufiger keine Chance gegen die Logik der skandalisierenden Desinformation. Gute Berichterstattung über Wissenschaft braucht deshalb ein verlässliches Zuhause in den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Wir schreiben Ihnen, weil Sie mit der Zusammenlegung der Sender einen gefährlichen Trend weiterbefördern: den Abbau von Expertise in den Medien. So wie Wirtschaft, Politik, Sport und Kultur benötigt auch die Wissenschaft eine valide mediale Begleitung. So wie andere Quellen produzieren auch wir (und andere Akteure) eine Vielzahl von Informationen. Wer aber ordnet diese ein, kuratiert und hinterfragt? Wenn kompetente Wissenschaftsredaktionen in den öffentlich-rechtlichen Medien abgebaut und auch freie Wissenschaftsjournalisten nicht mehr nachgefragt werden, wird die Expertise in den Medien einen erheblichen Schaden nehmen.

Aus unserer Sicht müsste das Gegenteil von Abbau passieren: In einer immer komplexer werdenden Welt muss mediale Wissenschafts-Expertise eher aufgebaut werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat hier einen medienpolitischen Auftrag. Redaktionen brauchen in ihren Reihen wissenschaftsjournalistische Kompetenz, um unwissenschaftliche Behauptungen in gesellschaftspolitischen Debatten seriös und aus eigener Urteilskraft hinterfragen oder einordnen zu können.

Wir brauchen mehr Formate und mehr Journalist:innen die den komplexen Prozess des Erkenntnisgewinns verstehen und medienadäquat vermitteln können: unterhaltsam und spannend, einordnend und fragend. Unsere Medienlandschaft braucht Journalist:innen, die in der Lage sind, Wissenschaftler:innen und Personen, die sich als solche ausgeben, die richtigen Fragen zu stellen. Die in der Lage sind, neue Formate zu entwickeln und in den modernen neuen Medien agieren können. Die ein Netzwerk zu Wissenschaftler*innen haben und auch anderen Fachredaktionen zuarbeiten können. Dies zu gewährleisten, ist Ihre Aufgabe. Eine Reduktion von bestehenden wissenschaftsjournalistischen Sendungen und Formaten bewirkt das Gegenteil.

Mit freundlichen Grüßen,
Ina Helms (HZB), Vorsitzende des Arbeitskreises Presse der Helmholtz-Gemeinschaft

Im Namen von Presse- und Öffentlichkeitsarbeits-Verantwortlichen folgender Zentren:

• Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Roland Koch
• Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, Maike Bierbaum
• Deutsches Krebsforschungszentrum, Sibylle Kohlstädt
• Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Sabine Hoffmann
• Forschungszentrum Jülich, Anne Rother
• GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Anna Niewerth.
• Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), Ina Helms
• Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), Simon Schmitt
• Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Susanne Thiele
• Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Doris Wolst
• Helmholtz-Zentrum Hereon, Torsten Fischer
• Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Josef Zens
• Max Delbrück Center, Jutta Kramm
• Helmholtz-Gemeinschaft (Geschäftsstelle), Sebastian Grote

Quelle (PDF)

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. ist die größte deutsche Organisation zur Förderung und Finanzierung der Forschung und mit rund 45.000 Mitarbeitern sowie einem Budget von 6 Milliarden Euro eine der größten wissenschaftlichen Forschungsorganisationen der Welt. Wikipedia

CIRCUITO: Auf Sendung bleiben!

Unterstützt die technische Ausbildung für kommunitäre, alternative Radios in Mittelamerika!

Seit 20 Jahren ist die Arbeit von COMPPA dank der Unterstützung von verschiedenen internationalen Organisationen und Einzelpersonen möglich, die unsere Vision teilen: Eine partizipative, demokratische und von der Basis ausgehende Kommunikation und der Aufbau von eigenen Kommunikationsmedien sind Schlüsselelemente zur Stärkung der Autonomie und der Kämpfe indigener Gemeinschaften und Basisorganisationen.

Für viele Dörfer und Organisationen ist die Kommunikation von unten (comunicación popular) ein wichtiges Werkzeug in ihren Kämpfen zur Verteidigung von Mutter Erde und ihren Rechten als indigene Gemeinschaften. Kommunitäre, von Gemeinden oder Organisationen verwaltete und betriebene Radiosender informieren, organisieren und sensibilisieren die Bevölkerung, um sich für einen gesellschaftlichen Wandel und eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse einzusetzen. Durch die Ausübung ihres Rechtes auf Meinungs- und Informationsfreiheit verteidigen sie das Leben gegen die Zerstörung und Bedrohungen durch wirtschaftliche Interessen und räuberische und korrupte Politik. Deshalb verstärken wir durch COMPPA ihre Worte und Stimmen.

Wir begleiten Organisationen und Gemeinden bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien, bei der Anwendung und Aneignung von Technologien und beim Aufbau eigener Kommunikationsmedien.

Mehr über unsere Aktivitäten findest du auf unserer Homepage.

Mit deiner Unterstützung trägst du zur Realisierung der folgenden Aktivitäten bei:

CIRCUITO ist eine Initiative für eine kontinuierliche technische Aus- und Weiterbildung für kommunitäre Radios in Mittelamerika, mit dem Ziel deren Autonomie und Betrieb, sowie die Zusammenarbeit von lokalen Technikern*innen zu stärken. Weitere Informationen.


Die gespendeten Mittel werden für die folgenden Aktivitäten verwendet:

• Drei Workshops und Treffen in Mexiko, Guatemala und Honduras für lokale Techniker*innen.

• Zwei 8-wöchige Fernlehrgänge zu Elektrizität und zu Wartung und Installation von Radioantennen.

• Redaktion eines neuen Handbuches für kommunitäre Radios mit technischen Schwerpunkt. Dieses Handbuch ist Teil der Serie Sembrando Voces und wird kostenlos für kommunitäre Radiosender und andere interessierte Kollektive und Organisationen zugänglich sein.

• Die Durchführung regelmäßiger Treffen für den Austausch und die gegenseitige Unterstützung zwischen Techniker*innen, Radiosendern und Organisationen um gemeinsame Strategien und Aktivitäten zu planen.

An den Aktivitäten beteiligen sich 30 lokale Techniker*Innen die in indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinden und Organisationen aktiv sind. Ziel ist es, technische Probleme in Radiostationen zu vermeiden, zu erkennen und zu beheben. Unter anderem werden in den Workshops und Kursen Grundkenntnisse zu Elektrizität und Radiotechnik und der Umgang mit Werkzeugen und Messgeräten zur Wartung und Reparatur von Geräten vermittelt. Außerdem soll die technische Dokumentation und der Zugang zu Bildungsmaterialien in den Radiosendern verbessert werden. Die Aneignung dieses Wissens fördert die technische Unabhängigkeit der Radiosender und trägt dazu bei, dass diese auf Sendung bleiben, ihren Betrieb verbessern und Kosten senken.

Für die Durchführung dieser Aktivitäten benötigen wir noch 10.000 USD.

Hilf uns, unser Ziel zu erreichen!
Wir laden dich ein, diese Kampagne zu unterstützen, indem du sie weiterverbreitest und/oder einen Beitrag leistest. (Die Höhe spielt keine Rolle, jede*r nach seinen/ihren Möglichkeiten).

SPENDENKONTO:
Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE65 7015 0000 0056 1762 58
Betreff: comppa (in das Bemerkungsfeld)


Quelle: PCI / Via Chiapas98 Liste


IMI-Kongress 2024: „Zeitenwende“ in Bildung und Hochschulen

Die Grafik zeigt das Plakat mit dem vorläufigen Programm des IMI Kongresses am 16. und 17. November 2024 im Schlatterhaus in Tübingen. Es zeigt verschieden  geformte Pfeile, die von hinten auf ein aus bunten Kreisen hinterlegtes Profil eines Gesichtes weisen. Vor dem Gesicht flieft eine Friedenstaube. Darunter das Logo der IMI, rechts davon das vorläufige  Programm. Mehr dazu im verlinkten Beitrag.Fast unmittelbar nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine verkündete der deutsche Bundeskanzler Scholz die „Zeitenwende“, seit dem versucht die Politik, die Gesellschaft „kriegstüchtig“ zu machen. Während im Parlament hierzu große Mehrheiten bestehen, das Sondervermögen samt Grundgesetzänderung ungehindert verabschiedet werden konnten, ist bei weiteren Initiativen zur „Kriegstüchtigkeit“ mit größeren Widerständen zu rechnen – auch weil die Gesellschaft als Ganzes oder in einzelnen Bereichen mitspielen muss.

Besondere Umbrüche stehen u.a. im Bereich Bildung und Wissenschaft bevor. So bestehen verschiedene Initiativen, sog. „Zivilklauseln“ abzuschaffen oder gar zu verbieten und die Hochschulen enger mit Rüstung und Militär zu verzahnen. Hiergegen regt sich Widerstand. Auch Schulen sollen künftig ihren Beitrag zur Wehrfähigkeit leisten und der Bundeswehr als Rekrutierungspool dienen. Mittelfristig wird sich die Frage stellen, was für Folgen die aktuell in der Außenpolitik vertretene Maxime – Gewalt als Mittel der Konfliktbearbeitung – für das (Selbst-)Verständnis von Schulen, Lehrkräften und der Pädagogik im Allgemeinen bedeuten werden. Zum Ende des Kongresses wollen wir Wege aus der Eskalationsspirale ausloten und auch der Frage nachgehen, welchen Antworten die aktuell insbesondere von jungen Menschen getragene Bewegungen bieten.

Mehr Informationen und vorläufiges Programm

129. Todestag: Friedrich Engels

Das Foto zeigt Friedrich Engels im Jahr 1877 mit langem Vollbart
Friedrich Engels, 1877
Foto: William Hall (1826-ca. 1898)
„Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab.“

Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Erstdruck in: Die Neue Zeit (Berlin), 4. Jg., Nr. 4 und 5, 1886. Gedruckt via Dietz Verlag erhältlich.

Eine Perle des Arbeiterkinos: Der Jobkiller

Frank, 22 Jahre und Student an einer großen Pariser Handelsschule, wird als Praktikant im Vorstand des Unternehmens eingestellt, in dem sein Vater als kleiner Arbeiter seit dreißig Jahren an der Maschine steht. Seine Aufgabe: die Einführung der 35-Stunden-Woche. Schnell gerät Frank zwischen die Fronten ...