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»L’autorité , voilà donc quelle a été la première idée sociale du genre humain. Et la seconde a été de travailler immédiatement à l’abolition de l’autorité, [...]« Pierre Joseph Proudhon

Erklärung von PRO ASYL zum Anschlag von Solingen

Das Foto zeigt eine Demo mit einer Frau, die eine Pro Asyl Tafel mit dem Text "Hand in Hand gegen Rassismus"  hoch hält.
Foto: Pro Asyl, Screenshot vom Tätigkeitsbericht 2024
Drei Tote und acht zum Teil sehr schwer verletzte Menschen – PRO ASYL trauert um die Opfer von Solingen. Dass ein „Festival der Vielfalt“, dies war das Motto des Solinger Stadtfestes, zum Ziel eines islamistischen Attentats wurde, erschüttert uns alle, die wir für eine demokratische und offene Gesellschaft einstehen. Islamistische Gewalt greift unsere Werte und unsere Freiheit an. Ein friedliches und zukunftsfähiges Zusammenleben ist nur miteinander möglich. Der Attentäter von Solingen wollte genau dies verhindern.

PRO ASYL erinnert daran: Flüchtlinge suchen oft genau vor der islamistischen Gewalt Schutz, der wir in Solingen begegnet sind. Und wir fordern: Gegen islamistische Terroristen muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats vorgegangen werden.

Wer vor Terror, Gewalt und Verfolgung flieht, braucht Schutz. Zurzeit werden jedoch Stimmen laut, die ein Ende der Flüchtlingsaufnahme aus Afghanistan und Syrien fordern. Bundesdeutsche Grenzen sollen geschlossen und Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien forciert werden. Der „Jetzt reicht es“-Vorschlag des CDU- Parteichefs Friedrich Merz ist eindeutig verfassungswidrig und mit dem EU-Recht unvereinbar. Er verstößt zudem gegen die Genfer Flüchtlingskonvention, die Europäische Menschenrechtskonvention, ist zutiefst unmenschlich und spaltet unsere Gesellschaft.

PRO ASYL warnt: Die politischen Verantwortlichen in der demokratischen Mitte dürfen nicht in einen Überbietungswettbewerb mit den Rechtsextremen und Völkischen eintreten. Es ist unerträglich, Schutzsuchende aus Afghanistan und Syrien unter einen Generalverdacht zu stellen. In Deutschland leben über 1,3 Millionen Geflüchtete aus diesen beiden Herkunftsländern. Ein Attentäter, der vermutlich im Auftrag des IS (Islamischer Staat) gemordet hat, kann und darf diese Menschen nicht diskreditieren. Vielmehr sollte die Politik jetzt die Strukturen in unserem Land stützen, die sich seit Jahren gegen Extremismus jeglicher Art einsetzen und endlich das Demokratiefördergesetz auf den Weg bringen.

Zu den Forderungen aus der Ampel- Koalition und der CDU/CSU, nach Afghanistan und Syrien abzuschieben, stellt PRO ASYL fest: Das Völkerrecht verbietet eindeutig jegliche Abschiebungen in diese Herkunftsstaaten. In beiden Ländern drohen Folter und unmenschliche Strafen. Das Folterverbot gilt absolut und für jeden (siehe auch: Gerade jetzt: Rechtsstaat stärken! Völkerrechtswidrige Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien sind damit unvereinbar | PRO ASYL).

Eine Welt, in der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte erodieren, ist das Ziel von Islamisten und Rechtsextremisten. Die Toten und Verletzten waren noch nicht geborgen, da setzten bereits die Instrumentalisierungsversuche der Rechtsextremisten und Völkischen ein. Wir müssen nun zusammenstehen und gemeinsam für unsere Freiheitsrechte eintreten.

Quelle: Pro Asyl Pressemitteilung 26.08.2024

Offener Brief an die Liederhalle zum „Bürgergipfel 2024“

Wir dokumentieren und unterstützen den offenen Brief an die Stuttgarter Liederhalle zum „Bürgergipfel 2024“ des Bündnisses "Stuttgart gegen Rechts":

Das SharePic zum offenen Brief zeigt ein Bild der Liederhalle, recht unten das Logo von Stuttgart gegen Rechts mit dem stilisierten Fernsehturm und einem roten Stern. Auf der linken Bildseite ist ein Megafon  abgebildet, das der Liederhalle zuruft: "Hey Liederhalle! Keine Räume für Rechte!"Anlässlich des für den 7.9.2024 in der Stuttgarter Liederhalle angekündigten „Bürgergipfel“, hinter dem sich ein offenes Treffen verschiedener Akteure aus dem rechten Spektrum verbirgt, haben wir der Liederhalle sowie den kommunal zuständigen Aufsichtsräten einen Brief geschrieben. Wir fordern, diese Veranstaltung zu verhindern sowie zukünftig ähnliches zu vermeiden.

Mittlerweile hat sich die Verwaltung dazu geäußert. Wie üblich werden keinerlei Anstalten gemacht, die Rechten aus städtischen Räumen raus zu halten. Von der Haltung der Stadt sind wir zwar enttäuscht, gleichwohl haben wir leider nichts anderes erwartet. Selbst vermeintlich aussichtslose Rechtsstreitigkeiten bewirken nach unserer Überzeugung etwas, wie zuletzt die Stadt Essen beim AfD-Bundesparteitag gezeigt hat. Es setzt ein Zeichen, dass Rechte jedweder Couleur in der Stadt nicht willkommen sind. Dass die Stadt Stuttgart unter der Verantwortung von OB Nopper sich nicht traut, ein solches Zeichen zu senden, entlarvt jede Sonntagsrede geben Rechts als Farce.


Guten Tag,

Am Samstag, 07.09.2024 soll im Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle der sogenannte „Bürgergipfel 2024“ stattfinden.

Diese Veranstaltung ist ein Zusammentreffen verschiedener Kräfte aus dem konservativen bis radikal rechten Spektrum. Im Programm werden unter anderem die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry und der rechtspopulistische Publizist Roland Tichy angekündigt. Besonders hervor sticht Ulrich Vosgerau, der an dem durch Correctiv aufgedeckten Vernetzungstreffen der rechten Szene im November 2023 in Potsdam teilgenommen hatte.

Vor allem diese Recherchen hatten zu Beginn des Jahres bundesweite Proteste ausgelöst, an denen auch in Stuttgart zehntausende teilnahmen. Das gut ein halbes Jahr später unter anderem Teilnehmer dieses Treffens zusammen mit anderen Akteuren der rechten Szene ein überhaupt nicht geheimes Treffen mitten in Stuttgart veranstalten können, ist traurig.

Die Veranstaltung hält sich mit der Ankündigung der Inhalte der Veranstaltung zurück. Eine kurze Recherche der beteiligten Personen offenbart aber schnell die Geisteshaltung des Gesamten. Desinformation und Hetze bekommen eine öffentliche Plattform in Stuttgarts zentralstem Kongresszentrum. Insbesondere betonen die Veranstalter die Möglichkeit für Hinterzimmergespräche. Angesichts der rechten Zuspitzung in unserer Gesellschaft dürfen solche Räume nicht zur Verfügung gestellt werden.

Die Liederhalle schreibt in ihrem Leitbild: „Wir stehen für Weltoffenheit, Respekt und Wertschätzung aller Nationen und Kulturen.“ Der sogenannte „Bürgergipfel“ ist ein Zusammentreffen von Leuten, die das Gegenteil anstreben.

Wir sind davon überzeugt: Wenn wir die gesellschaftliche Rechtsentwicklung aufhalten wollen, wenn wir rechten Kräften keinen Raum geben wollen, dann müssen diesen Worten auch Taten folgen. Daher fordern wir sie auf, die Zusammenarbeit mit dem sogenannten „Bürgergipfel“ zu beenden.

Lassen sie den rechten und ihren Kollaborateuren buchstäblich keinen Raum und kündigen sie den Mietvertrag für den 7. September. Achten sie in Zukunft darauf, welche Inhalte in ihren Räumen verbreitet werden, welche gesellschaftliches Kräfte dort vernetzen wollen.

Insbesondere als Gesellschaft in öffentlicher Hand haben sie einen besonderen Auftrag, im Sinne aller Stuttgarter*innen zu handeln und Hass und Hetze keinen Raum zu geben. Es gilt: keine Toleranz für Intoleranz! Keine Plattform für Falschinformation! Keinen Raum zur Vernetzung rechtsradikaler Kräfte!

Mit freundlichen Grüßen
Stuttgart gegen Rechts

Qualifizierter Musikunterricht muss umsatzsteuerfrei bleiben!

Das Bild zeigt das erste Blatt / Anfang des sechsstimmigen Ricercars aus dem Musikalischen Opfer (Bachs Autograph), Handschrift von Johann Sebastian Bach
Anfang des sechsstimmigen Ricercars aus dem Musikalischen Opfer (Bachs Autograph), Handschrift von Johann Sebastian Bach
Ich hab's ja eher nicht so mit Petitionen. Eigentlich gar nicht. Zum einen sind sie geradezu inflationär und zum anderen oft nicht mit real exisiterenden sozialen oder politischen Bewegungen verbunden. Weil das Thema Musikuntericht jedoch bei mir unter dem Schirm geblieben ist geht das evtl. anderen Menschen auch so. Und vielleicht ist das ja für den einen oder die andere* ein Grund, gegen diese und andere Grausamkeit​en der Bundesregierung aktiv zu werden. Es betrifft nicht nur die in dem Bereich Tätigen, sondern vor allem auch Familien mit geringem Einkommen, Bürgergeldempfänger* und so weiter.

Qualifizierter Musikunterricht muss umsatzsteuerfrei bleiben!


Vielen Dank an Franziska W. für den Hinweis!

97 Jahre Justizmord an Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti

Sacco (rechts) und Vanzetti (links) als Angeklagte, mit Handschellen aneinander gefesselt
Heute vor 97 Jahren, am 9. April 1927, wurde das Todesurteil gegen die beiden aus Italien in die USA eingewanderten Arbeiter Ferdinando „Nicola“ Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die sich der anarchistischen Arbeiterbewegung angeschlossen hatten, verkündet. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1927 wurden beide im Staatsgefängnis von Charlestown, Massachusetts, hingerichtet.

Morde an Revolutionären und Arbeiterführern mit Hilfe der Justiz sind eng mit der Geschichte der USA verbunden: Die Chicagoer Arbeiterführer Parsons, Spies, Engels und Fischer wurden am 11. November 1887 als Reaktion auf die große Streikwelle Opfer der Klassenjustiz. Die Tradition setzte sich mit den in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts trotz weltweiter Solidaritätskampagnen hingerichteten anarchistischen Arbeitern Sacco und Vanzetti fort. Auch heute gehört die Todesstrafe zu den Mitteln der rassistischen Klassenjustiz in den USA.

„Ich habe nicht nur mein ganzes Leben lang kein wirkliches Verbrechen begangen, wohl einige Sünden, aber keine Verbrechen, sondern auch das Verbrechen bekämpft, das die offizielle Moral und das offizielle Gesetz billigen und heiligen: Die Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen. Wenn es einen Grund gibt, warum Sie mich in wenigen Minuten vernichten können, dann ist dies der Grund und kein anderer.“

Bartolomeo Vanzetti

Kurt Tucholsky widmete ihnen das Gedicht 7,7 („Sieben Jahre und sieben Minuten mussten zwei Arbeiterherzen bluten“).

Sieben Jahre und sieben Minuten
mußten zwei Arbeiterherzen bluten.

Sieben Jahre?

Zellenenge,
Nächte –“ Luft! –“ Visionengedränge.

Zehnmal in die Todeskammer –“
zehnmal den allerletzten Jammer –“
zehnmal: jetzt ist alles aus.

Zehnmal: Grüßt uns die zu Haus!

Zehnmal: vor der eignen Bahre.

Zum Tode verurteilt sieben Jahre.

Sieben Minuten:
Das Blut gerinnt.

Wißt ihr, wie lang sieben Minuten sind –“?
Sieben Minuten Krampf und Qual,

Muskeln zucken noch ein Mal –“
Blut kocht in Venen –“ Hebelgekreisch –“
es riecht nach angesengtem Fleisch –“
irr drehn sich Pupillen –“ das Ding sitzt gebunden
420 lange Sekunden . . .

Strom weg. Tot? Hallelujah!
Bravo! Bravo, U.S.A. –“!

Sieben Jahre und sieben Minuten
mußten zwei Arbeiterherzen bluten.
Sieben Minuten und sieben Jahre –“
Diesen Schwur an ihrer Bahre:

Alle für zwei. Ihr starbt nicht allein.
Es soll ihnen nichts vergessen sein.

(Theobald Tiger, Die Weltbühne, 30.08.1927, Nr. 35, S. 342.)


Vor 32 Jahren: The Truth lies in Rostock-Lichtenhagen

Heute vor 32 Jahren begann in Rostock - Lichtenhagen ein "Volksfest" der ganz besonderen Art: Eine Woche lang, vom 22. bis zum 26. August 1992, griffen mehrere hundert junge Rechtsradikale die Flüchtlingsunterkunft und ein von vietnamesischen VertragsarbeiterInnen bewohntes Haus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Unterstützt wurde der Mob von über tausend "ganz normalen" Deutschen, die Polizei griff kaum ein. Es handelte sich um die massivsten rassistischen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der von Mark Saunders und Siobhan Cleary produzierte Dokumentarfilm „The truth lies in Rostock“ dokumentiert die Ereignisse. Er entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Deshalb zeichnet sich die Produktion nicht nur durch einen authentischen Charakter aus, sondern versteht sich auch Jahre danach als schonungslose Kritik an einer Grundstimmung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die Pogrome gegen Migranten oder einfach nur „anders aussehende“ überhaupt erst möglich macht. Nicht umsonst sorgte der Film auch in der Linken für eine heiße Debatte um die Frage, in wieweit die rassistischen Übergriffe mit der „Wiedervereinigung“ Deutschlands und dem darauf folgenden nationalistischen Taumel zu tun hatten.

Im übrigen ist deswegen jedwede Orientierung auf staatliche Institutionen (... Politik und Staat dürfen nicht zulassen, dass Rassisten auf der Straße erneut die Oberhand gewinnen....) fehl am Platz. Denn Chemnitz und Heidenau wie auch Lichtenberg und Freital konnten nur in Folge, Billigung und als Ergebnis rassistischer Politik der Bundesregierung als auch der Handlung der Bullen etc. passieren....

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• Informationen bei WikiPedia
• Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen (Antifa Info Blatt)
• Für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung!
• Kein Mensch ist illegal!
• Mehr Videos
Quellen:
• FAU-FFM
• Umbruch Bildarchiv
• gegen0310
• Antifa SFA - Soltau Fallingbostel Walsrode


Alle auf die Straße - gegen die AfD und andere Faschisten - in Ost und West

SharePic zur Kundgebung am 2. September mit dem Text: "Kundgebung 02. September - auf die Straße gegen die AfD und andere Faschisten. Zeit zu handeln!" vor dem Hintergrund einer Antifa Demo und dem Link auf zeitzuhandeln.org
SharePic zur Kundgebung am 2. September
Die AfD wird am 01.09. bei den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen starke Ergebnisse einfahren. Genauso bei den anderen anstehenden Wahlen in den Ostdeutschen Bundesländern. Das Ergebnis könnte Geschichte schreiben. Die Partei und mit ihr weite Teile der allgemeinen Rechten, wird ihren bisher größten Erfolg feiern, während die gesellschaftliche Linke weiterhin nicht in der Lage ist, dem etwas entgegenzusetzen oder eigene politische Gegenmacht aufzubauen.

Die Ampelkoalition arbeitet, aus parteipolitischen Gründen, durchaus gegen die AfD, die CDU schwört sich, mehr oder wenig konsequent, auf eine Brandmauer gegen „alles rechts von uns“ ein und das Bündnis Sahra Wagenknecht bleibt ohne klares Profil gegen Rechts.

Ob die AfD in Regierungsverantwortung kommt oder die „Brandmauer“ tatsächlich hält bzw. die bürgerlichen Parteien aus eigener Kraft regieren können wird sich erst noch zeigen.

Für uns steht fest: Die bürgerlichen Parteien sind Teil der Rechtsentwicklung. Die Ampel-Regierung setzt einen rechten Kurs um. Sie reagiert mit Abschiebungen, Sozialabbau und Aufrüstung im Inneren und Äußeren auf die aktuellen Krisen. Die CDU hat, all ihren Versprechen von der Brandmauer zum Trotz, längst einen rechten Kurs übernommen und nähert sich der AfD immer weiter an.

Die Stärke der Rechten zeigt sich aber nicht nur an der AfD:
Die faschistische Rechte von Identitärer Bewegung bis zum III. Weg wird zunehmend selbstbewusster und gewinnt an Stärke, ihnen gelingt es ,bis jetzt, gut die allgemeine Krise für sich zu nutzen, sich aufzubauen und „Rechts-sein“ als Gegenkultur zum vermeintlich „linken“ Mainstream zu etablieren. Auch nehmen militante Übergriffe, sowohl organisiert als auch spontan auf politische Feinde und Minderheiten immer mehr zu, so zum Beispiel in Berlin vor einigen Wochen, als eine Gruppe Antifaschist:innen von Faschisten des III. Wegs angegriffen wurden, oder zahlreiche Anfeindungen rund um den CSD in verschiedenen Städten. Besonders hier braucht es einen antifaschistischen Selbstschutz.

Den die Rechtsentwicklung findet auch, wenn nicht sogar hauptsächlich, außerhalb von Wahlkämpfen und Parlamenten statt - das weiß auch die AfD.

Wir wissen nicht, welche Dynamiken der Wahlkampf im Osten mit sich bringen wird. Übergriffe auf echte oder vermeintliche Feinde, von Seiten der Rechten, sind keine Seltenheit mehr und auch rechte Massenbewegung (wenn auch oft sehr kurzlebig) können schnell entstehen. Hier gilt es aufmerksam zu bleiben und sich auch spontan dem Kampf gegen die Faschisten anzuschließen bzw. diesen zu organisieren und durchzuführen.

Auch ist klar: Im Westen hinkt die AfD ihren Kameraden stimmen technisch noch hinterher aber die Rechtsentwicklung ist ein deutschlandweites Phänomen, dem es sich überall entgegenzustellen gilt.

Die Wahlen am ersten September sind für uns der Startschuss für eine Phase, in der wir konkret gegen Rechte vorgehen müssen. Dafür braucht es Entschlossenheit, Organisierung und langfristige Arbeit.

Einen Startschuss für antifaschistische Arbeit hier in der Region, möchten wir am 02.09., dem Tag nach der Wahl, setzen. Wir wollen hier in Stuttgart, in Verbindung und im Anschluss an direkte Proteste in Erfurt am 31.08., auch gegen AfD und Rechtsentwicklung auf die Straße gehen und klarmachen, dass wir weiterhin aktiv sein werden - 365 Tage im Jahr.

Kommt alle am 02.09. um 18.00 Uhr auf den Rotebühlplatz/ Stadtmitte. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass wir entschlossen und bereit sind, den Faschisten entgegenzutreten.

Quelle

Blogkino: The Blue Gardenia (1953)

Heute zeigen wir im Blogkino "Die Blaue Gardenie". Der 1953 gedrehte Krimi von Fritz Lang, der auf einer Novelle von Vera Caspary basiert und in dem Anne Baxter, Richard Conte, Raymond Burr und Ann Sothern die Hauptrollen spielen, ist ein zynischer Blick auf die Presseberichterstattung über einen sensationellen Mordfall und war der erste Teil von Langs "newspaper noir"-Filmtrio, dem 1956 die beiden Filme "Während die Stadt schläft" und "Jenseits eines begründeten Zweifels" folgten. Für die Kameraführung bei Die blaue Gardenie war Nicholas Musuraca verantwortlich.

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Le Samouraï est mort

Heute zeigen wir anlässlich des dahin geschiedenen Alain Delon (der bevor er sich zu einem reaktionären Sack entwickelte, ein paar richtungsweisende Filme drehte) eine Sondersendung im Blogkino, nämlich den Thriller "Le Samouraï", der hierzulande unter dem Titel "Der eiskalte Engel" lief und einer meiner Lieblingsthriller ist. Regie führte Jean-Pierre Melville, die Hauptrolle spielte Alain Delon. Gut. Über Delon lässt sich außerhalb der Leinwand nicht streiten, in vielen seiner älteren Filme ist er Monsieur Cool, so auch in diesem Film:

"„Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, außer vielleicht die eines Tigers im Dschungel.“ Mit diesem fiktiven Zitat aus den Büchern des Bushidō begegnet der Zuschauer Jef Costello, der einsam auf dem Bett in seinem äußerst bescheidenen, spärlich möblierten Appartement liegt. Fast mechanisch kleidet er sich an, setzt den Hut auf und verabschiedet sich von seinem Zimmergenossen, einem Dompfaff im Käfig. Auf der Straße entwendet er routiniert einen unverschlossen geparkten Citroën DS und fährt zu einer abgelegenen Garage, wo ein Mann wortlos die Nummernschilder austauscht und ihm einen Revolver aushändigt.

Nachdem er sich bei seiner Freundin, die als illegale Edelprostituierte mit eigener Wohnung arbeitet, ein Alibi verschafft hat, geht er in einen Nachtklub und erschießt den Barbesitzer. Dabei wird er von der Pianistin Valérie überrascht, die ihn flüchten lässt, ohne einen Ton zu sagen. Costello wird noch in der gleichen Nacht mit vielen anderen Männern bei einer ganz Paris umfassenden Razzia von der Polizei mitgenommen. Er war im Lokal von mehreren Gästen gesehen worden, und so kommt es zu einer polizeilichen Gegenüberstellung. Da sich aber nicht alle Zeugen sicher sind, die Pianistin Valérie leugnet, in ihm den Mörder zu erkennen, und das Alibi seiner Freundin stichhaltig scheint, kann der Kommissar ihn nicht festhalten. Bei der Freundin Costellos dringt der Kriminalist mit dem Versuch nicht durch, ihr einerseits wegen Falschaussage zu drohen und sie andererseits mit dem Verweis auf die Pianistin eifersüchtig zu machen. Costello lässt er beschatten.

Wegen des Verhörs bei der Polizei beginnen Costellos Auftraggeber, ihm zu misstrauen, und wollen ihn loswerden. Bei der vereinbarten Geldübergabe auf einem Bahnhof versucht ihn der Handlanger der Auftraggeber zu ermorden; Costello setzt sich erfolgreich zur Wehr und wird dabei am linken Arm verletzt. Der Killer flieht. Costello gerät zwischen die Fronten. Da er sich das Motiv der Pianistin nicht erklären kann, sucht er sie auf und stellt sie zur Rede. Eine nachts in seiner Wohnung angebrachte Wanze, die von einem gegenüberliegenden Hotelzimmer aus abgehört werden soll, entdeckt der misstrauische Costello nach seiner Rückkehr schnell und setzt sie außer Betrieb. Costello wird nun auf Schritt und Tritt von Dutzenden Zivilpolizist(inn)en überwacht. Er bemerkt dies und kann seine Verfolger nach einer Irrfahrt durch die Pariser Metro abschütteln. Erneut stiehlt er einen Wagen und gelangt unbemerkt in seine Wohnung. (...)"

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Demonstrationen am 24. August in Hamburg und Karlsruhe vor dem Urteil im G20-Rondenbarg-Prozess

Sharepic zu den Demos in Hamburg und KarlsruheDer G20-Rondenbarg-Prozess neigt sich seinem Ende entgegen. Mit einer Urteilsverkündung ist Ende August zu rechnen. Wir wollen vor der Urteilsverkündung gemeinsam unter dem Motto „Versammlungsfreiheit verteidigen! Freispruch für die Angeklagten im G20-Rondenbarg-Prozess!“ auf die Straße gehen und rufen am Samstag, dem 24. August, zu Demonstrationen in Hamburg und Karlsruhe auf. Für die Mobilisierung zu den beiden Demonstrationen haben wir Plakate, Flyer und Aufkleber gedruckt. Ihr könnt gerne kostenlos Material bei uns bestellen, schreibt uns einfach eine E-Mail. Wenn ihr gemeinsame Anreisen plant, sagt uns gerne Bescheid.

Für Versammlungsfreiheit und widerständigen Protest! United we Stand!

24. August 2024 | 15 Uhr | Demonstration | Hamburg | Gänsemarkt
24. August 2024 | 15 Uhr | Demonstration | Karlsruhe | Friedrichsplatz


Quelle
Zum Aufruf

Wir befinden uns bereits in einem regionalen Krieg. Nur ein Waffenstillstand in Gaza kann ihn beenden

Solange die Palästinenser die Hauptleidtragenden waren, haben Israels Verbündete der militärischen Hybris des Landes nachgegeben. Jetzt fürchten sie die bitteren Früchte ihres Fehlers.

Palästinenser demonstrieren gegen die Ermordung des Leiters des politischen Büros der Hamas, Ismail Haniyeh, in Hebron im besetzten Westjordanland, 31. Juli 2024.
Palästinenser demonstrieren gegen die Ermordung des Leiters des politischen Büros der Hamas, Ismail Haniyeh, in Hebron im besetzten Westjordanland, 31. Juli 2024. Haniyeh war Ziel eines israelischen Anschlags in Teheran, Iran, und wurde zusammen mit seinem Leibwächter getötet. Er war der Hauptverhandlungsführer bei den Waffenstillstandsgesprächen im Gazastreifen. Die Demonstranten skandierten zur Unterstützung des Widerstands gegen die israelische Besatzung und es kam zu Zusammenstößen mit israelischen Soldaten.
Foto: © Mosab Shawer / ActiveStills Collective
Die aufeinanderfolgenden Attentate auf den Hisbollah-Befehlshaber Fuad Shukr in Beirut und den politischen Führer der Hamas , Ismail Haniyeh, in Teheran waren entweder strategische Torheit oder vorsätzliche Pyromanie. Während Israel die Verantwortung für den ersten Fall übernommen hat und sich über den zweiten Fall bedeckt hält, besteht kaum ein Zweifel daran, dass es beides inszeniert hat - und selbst einige seiner Verbündeten sind der Meinung, dass die Israelis dieses Mal zu weit gegangen sind.

Israelische Politiker haben sich schnell auf einen Vorwand für einen hochrangigen Schlag gegen die Hisbollah gestürzt - einen Raketenangriff aus dem Libanon, bei dem 12 syrische drusische Kinder und Jugendliche in den besetzten Golanhöhen getötet wurden, für den die Hisbollah eine Beteiligung bestritt -, obwohl die Anwohner vehement gegen ihre Rufe nach Vergeltung protestierten. Shukr und Haniyeh waren sicherlich wichtige Mitglieder ihrer jeweiligen Gruppen, aber Israel weiß sehr wohl, dass beide Organisationen über interne Mechanismen und Notfallpläne verfügen, um sie zu ersetzen; schließlich sind dies kaum die ersten Attentate, die die beiden Widerstandsbewegungen erlebt haben.

Wie Hassan Nasrallah von der Hisbollah und der iranische Ayatollah Ali Khamenei erklärten, war die Ermordung zweier hochrangiger Persönlichkeiten in ausländischen Hauptstädten innerhalb weniger Stunden eine eindeutige Botschaft, die die in den letzten zehn Monaten zwischen den kämpfenden Parteien festgelegten so genannten "roten Linien" durchbrach. Jetzt wartet die Welt auf eine Vergeltung für ein unnötiges Machtspiel, das uns einem Flächenbrand näher bringt, wie wir ihn seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben.

Die brisanten Auswirkungen der militärischen Hybris Israels sind seit den ersten Tagen der "Operation Eiserne Schwerter", der brutalen Kampagne, die nach dem tödlichen Angriff der Hamas vom 7. Oktober auf den Gazastreifen gestartet wurde, deutlich geworden. Aber die internationale Politik hat schon immer mehr Wert auf die Tötung von symbolischen Führern gelegt als auf die von Zivilisten.

Obwohl der 7. Oktober den gesamten Nahen Osten in einen gewalttätigen Strudel gestürzt hat, wurde uns wiederholt gesagt, dass die Schwelle zu einem "regionalen Krieg" noch nicht überschritten sei. Die kämpfenden Akteure, so betonen Experten, spielen immer noch ein riskantes, aber wohldurchdachtes Spiel, um die gegenseitige "Abschreckung" wiederherzustellen und ein gewisses Maß an Gewalt zuzulassen, das immer noch so verstanden werden kann, dass eine totale Verwüstung vermieden wird.

In vielerlei Hinsicht ist dies jedoch ein diskursiver Trick, der die erschütternde Wahrheit vor Ort herunterspielt: Wir befinden uns bereits seit Monaten in diesem regionalen Krieg. Der Beweis dafür sind die Leichen und Trümmer, die sich im Gazastreifen und im Südlibanon auftürmen, und die Aktivierung der vom Westen geführten Allianz und der Achse des Widerstands an mehreren Fronten - von US-Kriegsschiffen im Mittelmeer bis zu den Houthi-Milizen im Roten Meer, von israelischen Luftangriffen im Libanon bis zu einem Raketensperrfeuer aus dem Iran.

Diese Konfrontation kann sich unendlich zuspitzen. Der Grund dafür, dass die internationalen Akteure in der vergangenen Woche mit Verspätung in Aktion getreten sind, ist jedoch derselbe, warum der Krieg in seine bisher gefährlichste Phase getrieben wird: dass bestimmte Leben und bestimmte Interessen mehr zählen als andere.

Arroganz und Ehrgeiz

Für die westlichen Regierungen besteht die Hauptgefahr, die von den Morden an Shukr und Haniyeh ausgeht, nicht in der ungezählten Zahl von Arabern oder Iranern, die bei einer Eskalation der Feindseligkeiten getötet werden könnten. Wenn überhaupt, dann haben die vergangenen zehn Monate gezeigt, dass ein langwieriger Krieg ein erträglicher, wenn auch bedauerlicher Zustand ist, solange die Palästinenser die Hauptleidtragenden sind. Infolgedessen lehnten es die westlichen Hauptstädte, allen voran Washington, ab, alle Register zu ziehen, um die Kämpfe einzudämmen, und verschafften Israel stattdessen Zeit, um seine erklärten Ziele im Gazastreifen und im Libanon voranzutreiben - selbst als klar war, dass die Israelis scheitern würden.

Jetzt aber geraten die westlichen Regierungen in Panik. Sie befürchten nicht nur, dass ein eskalierter Krieg die globale Ordnung stören könnte, indem er ein Sicherheitschaos auslöst und die wirtschaftlichen Lieferketten unterbricht. Es ist auch die sehr reale Aussicht, dass ein solcher Krieg ein massives israelisches Todesopfer fordern könnte - und damit eine noch nie dagewesene Schwächung des israelischen Staates.

Dieser Schwächungsprozess hat wohl schon Anfang 2023 begonnen, während der internen Kämpfe um die rechtsextreme Justizreform, aber er wurde durch den 7. Oktober und die Gaza-Operation noch beschleunigt. Der volle Schaden der gegenwärtigen militärischen Zermürbung Israels und des Verlusts seines Ansehens in der Welt muss sich erst noch einstellen, aber ein ernsthafter Angriff der Hisbollah oder des Irans wird diesen Niedergang wahrscheinlich noch verschlimmern.

Verteidigungsminister Yoav Gallant mit Premierminister Netanjahu, US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, US-Militärchef CQ Brown und IDF-Chef Herzi Halevi in Tel Aviv, 18. Dezember 2023
Foto: U.S. Embassy Jerusalem, Lizenz: CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons
Selbst wenn einige in Israel zugeben, dass das Militär möglicherweise zu weit gegangen ist, könnte das nationale Ego sie dazu zwingen, erneut zu reagieren; Verteidigungsminister Yoav Gallant weist die Armee bereits an, sich auf einen "schnellen Übergang zur Offensive" vorzubereiten. Der ständige Wunsch, Rechnungen zu begleichen und eine Art Sieg zu erringen, könnte jede Begründung für das Ablegen der Waffen zunichte machen.

Man hätte erwarten können, dass Israels eigene Führer diese sich verschlimmernde Spirale erkennen, in der die Wirtschaft des Landes im Keller ist, die Armee müde wird und die Bevölkerung im Norden und Süden vertrieben wird. Aber diese Führer sind zu sehr von ideologischen Ambitionen, nationalistischer Arroganz und der Angst um ihr eigenes politisches Überleben geblendet, um einen anderen Weg als Militarismus und Bombast in Betracht zu ziehen.

Es ist nicht nur Benjamin Netanjahu, dessen eigenes Sicherheitskabinett zugibt, dass der Premierminister ein Geiselabkommen mit der Hamas direkt sabotiert. Von Gallant bis hin zu IDF-Stabschef Herzi Halevi hat ein Großteil der politischen und militärischen Führungsriege ein persönliches Interesse an einer Form des anhaltenden Konflikts. Sie alle hatten an dem Tag das Sagen, an dem Israel das schlimmste Sicherheitsversagen seit Jahrzehnten erlitt, und sie alle kämpfen darum, ihren Ruf, wenn nicht gar ihre Karriere wiederherzustellen; ein endloser Notstand, so glauben sie, kann dazu beitragen, ihre Amtszeit zu verlängern.

Die rechtsextremen Minister in der Regierung, angeführt von Finanzminister Bezalel Smotrich und dem Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir, nutzen die Krise, um ihre messianischen Ziele zu verfolgen. Ihre Wähler vor Ort, vor allem die Siedler im Westjordanland, begleiten die gesetzgeberischen Vorstöße für eine formale Annexion mit von der Armee unterstützten Pogromen gegen palästinensische Gemeinden und festigen so ihre Vision von Groß-Israel, während sie gleichzeitig Pläne zur Umsiedlung des Gazastreifens vorantreiben.

Mehr Weitsicht als das Weiße Haus

Genau diese Beamten werden von Präsident Joe Biden und anderen westlichen Staatsoberhäuptern nahezu ungestraft geduldet, obwohl alles auf ihre Hintergedanken, ihre eklatanten Kriegsverbrechen und sogar auf den wachsenden Unmut in der israelischen Öffentlichkeit hindeutet. Zehn Monate lang haben sich die mächtigsten Regierungen der Welt dumm und hilflos gestellt und so getan, als hätten sie wenig Einfluss auf einen Staat, der sich um mehr Waffen, Gelder und diplomatische Unterstützung für seine Angriffe bemüht. Und Biden hat, obwohl er angeblich merkt, wie sehr er von Netanjahu "belogen" wird, Amerikas Wasserhähne immer noch offen gehalten und dafür gesorgt, dass die Zügel der Macht in den Händen der Narren und Pyromanen bleiben.

Jetzt erntet Washington - und damit auch die arabischen Unterzeichner des Abraham-Abkommens - die bitteren Früchte eines ihrer größten Fehler: die Annahme, dass die Umgehung der Palästinenser den Weg zum regionalen Frieden ebnen würde. Der Angriff der Hamas am 7. Oktober hat diesen Irrglauben erschüttert, aber die Regierung Biden hat die Lektion nicht verstanden.

Treffen zwischen Joe Biden (links im Bild) und Benjamin Netanjahu (rechts im Bild), 18. Oktober 2023
Treffen zwischen Joe Biden und Benjamin Netanjahu, 18. Oktober 2023
Quelle: The White House, Public domain, via Wikimedia Commons
Tatsächlich haben die Vereinigten Staaten es vorgezogen, Luftangriffe im Jemen und im Irak zu starten, die höchsten Gerichte der Welt zu bedrohen und Netanjahu in Washington mit stehenden Ovationen zu verwöhnen, anstatt Israel zu einem Waffenstillstand im Gazastreifen zu zwingen. Die Tatsache, dass Millionen von Demonstranten weltweit von den ersten Tagen an auf den Straßen und in den Universitäten ein Ende des Krieges forderten und die Regierung Biden dies nicht tat, zeigt, wie viel vorausschauender der normale Bürger im Vergleich zu den Entscheidungsträgern im Weißen Haus ist.

Aber die Katastrophe ist nicht unausweichlich. In der diplomatischen Lücke, die die Vereinigten Staaten hinterlassen haben, haben sich in den letzten Monaten andere darum bemüht, die Folgen des Konflikts zu begrenzen. Katar vermittelt nach wie vor bei den Verhandlungen zwischen der Hamas und Israel, obwohl letzteres die Bemühungen seiner Gastgeber regelmäßig beleidigt und untergräbt und nun einen der Hauptverhandlungsführer der anderen Seite ermordet hat.

China, das sich traditionell aus dem Konflikt heraushält, unterstützte die jüngsten Bemühungen um eine palästinensische Versöhnung, als 14 Fraktionen, darunter Fatah und Hamas, letzten Monat in Peking eine Einheitserklärung unterzeichneten. Die neue, von der Labour-Partei geführte britische Regierung hat die Kürzungen ihrer Vorgängerin beim UNRWA rückgängig gemacht, ihre Einwände gegen die Anträge des Internationalen Strafgerichtshofs auf Haftbefehle zurückgezogen und steht Berichten zufolge kurz davor, bestimmte Waffenverkäufe an Israel zu stoppen.

Wichtig ist, dass der Internationale Gerichtshof, der die Plausibilität eines sich anbahnenden Völkermords in Gaza anerkannt hat, die israelische Besatzung unmissverständlich als illegal bezeichnet und entschlossene Maßnahmen zu ihrer Beendigung gefordert hat. Und der Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, wartet auf grünes Licht, um Netanjahu und Gallant in Den Haag vor Gericht zu stellen, zusammen mit dem Gaza-Chef der Hamas, Yahya Sinwar (der, wenn die Berichte über die Ermordung des Kommandeurs Mohammed Deif stimmen, jetzt der einzige überlebende Hamas-Verdächtige ist).

All dies sind winzige Maßnahmen im Vergleich zu Washingtons massivem Druckmittel oder dem ernsthafteren wirtschaftlichen und politischen Druck, den andere Regierungen immer noch ausüben. Aber sie sind Indikatoren dafür, wohin sich die internationale Politik letztendlich bewegt. Die Vereinigten Staaten müssen diesen Veränderungen nicht hinterherhinken, aber um voranzukommen, müssen sie die Wahrheit akzeptieren, dass ihr wertvollster Verbündeter in der Region - und die Macht der USA selbst - eine Quelle von mehr Verwüstung als Frieden gewesen ist.

Übergroße Macht ausüben

Israelische Kolonialtruppen reißen das Haus des Palästinensers Abdul Karim Zaloum im Stadtteil Haska nördlich der Stadt Hebron ab, unter dem Vorwand, ohne Genehmigung im Gebiet C zu bauen. Seit Beginn dieses Jahres wurden mindestens 860 Gebäude von israelischen Kolonialtruppen abgerissen, wodurch 1.760 Palästinenser vertrieben wurden.

Foto: © Mosab Shawer / ActiveStills Collective
Die Palästinenser ihrerseits sind zahlenmäßig, waffentechnisch und durch regionale und globale Kräfte, die sie nicht kontrollieren können, unterlegen und leiden unter einem Völkermord, der zerstörerischer ist als die Nakba von 1948. Israels Tötungsfelder haben jede palästinensische Familie in Gaza auseinandergerissen, einen Großteil des Streifens in ein Trümmerfeld verwandelt und 2 Millionen Belagerte, die Hälfte davon Kinder, zu einem lebenslangen physischen und psychosozialen Trauma verurteilt.

Die Hamas überlebt durch ihren bewaffneten Widerstand und ihre politischen Organe, aber sie hat schwere militärische Schläge einstecken müssen, nach den Massakern vom 7. Oktober viel internationale Legitimität verloren und ringt um Kontrolle und Unterstützung im Gazastreifen selbst. Die von der Fatah geführte Palästinensische Autonomiebehörde hat einmal mehr bewiesen, dass sie völlig unfähig ist, ihrem Volk zu helfen, da sie an ihrer Rolle als Polizeikräfte der Besatzung festhält und dabei schnell in den politischen und finanziellen Bankrott schlittert.

Doch die Palästinenser haben auch bewiesen, dass sie angesichts dieser kolossalen Hindernisse über eine überragende Macht verfügen - und sie müssen sie entsprechend ausüben. Während die oberste Priorität darin besteht, das Überleben der Palästinenser im Gazastreifen vor Raketen, Hunger und Krankheiten zu sichern, ist es auch von entscheidender Bedeutung, ihre politische Handlungsfähigkeit in einer Zeit zu behaupten, in der externe Akteure - von der israelischen Armee bis zu arabischen und westlichen Staaten - Pläne ausarbeiten, um ihr Schicksal zu diktieren.

Insofern ist die Einheitserklärung von Peking eine wichtige, wenn auch unvollkommene Initiative, um die es sich zu mobilisieren lohnt. Obwohl Präsident Mahmoud Abbas und seine Getreuen wahrscheinlich versuchen werden, die Versöhnungsbemühungen zu vereiteln, erkennen viele Mitglieder von Fatah und Hamas die dringende Notwendigkeit einer Zusammenarbeit, um ihre Legitimität wiederherzustellen und die palästinensische Eigenverantwortung für ihre Angelegenheiten zu bewahren. Die palästinensische Zivilgesellschaft wird Druck auf die Eliten ausüben müssen, damit diese ihren Erklärungen konkrete Taten folgen lassen und gleichzeitig darauf bestehen, dass Wege für die Beteiligung des Volkes und der Demokratie eröffnet werden.

Die Bemühungen um die Einrichtung eines Wiederaufbaurats für den Gazastreifen, der von Palästinensern geleitet wird und finanzielle und technische Unterstützung aus dem Ausland erhält, sollten verstärkt werden, um sicherzustellen, dass der Gazastreifen nicht zu einem Spielplatz für ausländische Einmischung wird, weder aus dem Westen noch aus dem Osten. Außerdem muss ein Plan für einen nationalen Sicherheitsapparat ausgearbeitet werden, der die Sicherheitskräfte der Fatah, die Polizei der Hamas und andere bewaffnete Gruppen einbindet, um die Fähigkeit und Glaubwürdigkeit zu haben, Ordnung und Sicherheit in der Bevölkerung wiederherzustellen.

Fragen der Staatlichkeit und der Friedensverhandlungen dürfen nicht die Priorität oder Voraussetzung für dieses nationale Programm sein: Überleben, Wiederaufbau und Reorganisation müssen Vorrang haben. Und die internationalen Akteure müssen dies respektieren.

All dies wird jedoch wenig bedeuten, wenn die Palästinenser in der geopolitischen Dynamik gefangen bleiben, die ihre Sache seit einem Jahrhundert vereitelt und die Region an den Rand einer Katastrophe gebracht hat. So sehr die westlichen Mächte das Problem auch umgehen mögen, ein Waffenstillstand im Gazastreifen bleibt der Grundstein für eine Deeskalation in der Region und die Befreiung der Palästinenser die Blaupause für regionale Hoffnung.

Palästina ist kaum das erste Epizentrum der regionalen Kämpfe im Nahen Osten, aber es könnte der letzte Riss sein, der jeden Anschein der internationalen Ordnung zerstört, die einen solchen Krieg nicht verhindern konnte. Was als Nächstes kommt, wird davon abhängen, was in Gaza geschieht - und die Palästinenser müssen die Mittel ergreifen, um es zu gestalten.

Amjad Iraqi ist leitender Redakteur bei +972 Magazine. Er ist außerdem Associate Fellow des MENA-Programms von Chatham House, Mitglied der Denkfabrik Al-Shabaka und war zuvor Advocacy-Koordinator beim Rechtszentrum Adalah. Zusätzlich zu +972 hat er unter anderem für die London Review of Books, die New York Review of Books, The Nation und The Guardian geschrieben. Er ist palästinensischer Staatsbürger Israels und lebt derzeit in London.

Quelle: +972magazine
Übersetzung [nicht authorisiert]: Thomas Trueten