
Über das Wegsehen
Foto: Jeremy J. Shapiro / CC-BY-SA-3.0
"Der bürgerliche Antisemitismus hat einen spezifischen ökonomischen Grund: die Verkleidung der Herrschaft in Produktion. Waren in früheren Epochen die Herrschenden unmittelbar repressiv, so daß sie den Unteren nicht nur die Arbeit ausschließlich überließen, sondern die Arbeit als die Schmach deklarierten, die sie unter der Herrschaft immer war, so verwandelt sich im Merkantilismus der absolute Monarch in den größten Manufakturherrn. Produktion wird hoffähig. Die Herren als Bürger haben schließlich den bunten Rock ganz ausgezogen und Zivil angelegt. Arbeit schändet nicht, sagten sie, um der der andern rationaler sich zu bemächtigen. Sie selbst reihten sich unter die Schaffenden ein, während sie doch die Raffenden blieben wie ehedem. Der Fabrikant wagte und strich ein wie Handelsherr und Bankier. Er kalkulierte, disponierte, kaufte, verkaufte. Am Markt konkurrierte er mit jenen um den Profit, der seinem Kapital entsprach. Nur raffte er nicht bloß am Markt sondern an der Quelle ein: als Funktionär der Klasse sorgte er dafür, daß er bei der Arbeit seiner Leute nicht zu kurz kam. Die Arbeiter hatten so viel wie möglich abzuliefern. Als der wahre Shylock bestand er auf seinem Schein. Auf Grund des Besitzes der Maschinen und des Materials erzwang er, daß die andern produzierten. Er nannte sich den Produzenten, aber er wie jeder wußte insgeheim die Wahrheit. Die produktive Arbeit des Kapitalisten, ob er seinen Profit mit dem Unternehmerlohn wie im Liberalismus oder dem Direktorengehalt wie heute rechtfertigte, war die Ideologie, die das Wesen des Arbeitsvertrags und die raffende Natur des Wirtschaftssystems überhaupt zudeckte.
Darum schreit man: haltet den Dieb! und zeigt auf den Juden. Er ist in der Tat der Sündenbock, nicht bloß für einzelne Manöver und Machinationen, sondern in dem umfassenden Sinn, daß ihm das ökonomische Unrecht der ganzen Klasse aufgebürdet wird. Der Fabrikant hat seine Schuldner, die Arbeiter, in der Fabrik unter den Augen und kontrolliert ihre Gegenleistung, ehe er noch das Geld vorstreckt. Was in Wirklichkeit vorging, bekommen sie erst zu spüren, wenn sie sehen, was sie dafür kaufen können: der kleinste Magnat kann über ein Quantum von Diensten und Gütern verfügen wie kein Herrscher zuvor; die Arbeiter jedoch erhalten das sogenannte kulturelle Minimum. Nicht genug daran, daß sie am Markt erfahren, wie wenig Güter auf sie entfallen, preist der Verkäufer noch an, was sie sich nicht leisten können. Im Verhältnis des Lohns zu den Preisen erst drückt sich aus, was den Arbeitern vorenthalten wird. Mit ihrem Lohn nahmen sie zugleich das Prinzip der Entlöhnung an. Der Kaufmann präsentiert ihnen den Wechsel, den sie dem Fabrikanten unterschrieben haben. Jener ist der Gerichtsvollzieher fürs ganze System und nimmt das Odium für die andern auf sich. Die Verantwortlichkeit der Zirkulationssphäre für die Ausbeutung ist gesellschaftlich notwendiger Schein."
Max Horkheimer - Theodor W. Adorno, Elemente des Antisemitismus - Grenzen der Aufklärung
A Life in the Balance - Ein Leben in der Schwebe
Der aktuelle Bericht von Amnesty International zu Mumia Abu-Jamal ist das Ergebnis des Studiums von Mumias Fall und den damit verbundenen Prozeßprotokollen und original Akten. In der Broschüre sind in kompakter Form wesentliche Punkte des Tathergangs, der Prozessführung und der Situation in Philladelphia, vor Gericht und im Knast geschildert und dokumentiert. Es eignet sich in guter weise, einen umfassenden Einblick in die Thematik zu bekommen
Nach der englischsprachigen Broschüre, die schon seit März 2000 zum download verfügbar ist, ist im Oktober 2000 die deutsche Übersetzung von Amnesty International Deutschland herausgegeben worden. Sie enthält u.a. weitere Quellen zur Arbeit von Amnesty zum Verfahren von Mumia Abu-Jamal und zur Todesstrafe in den USA. Die Übersetzung kahm durch Mithilfe von verschiedenen Gruppen der Bundesweiten Kampagne in der BRD zustande.
Aus der Beschreibung der englischsprachigen Broschüre:
After many years of monitoring Mumia Abu-Jamal's case and a thorough study of the original documents, including the entire trial transcripts, Amnesty International has concluded that the proceedings used to convict and sentence Mumia Abu-Jamal to death were in violation of minimum international standards that govern fair trial procedures and the use of the death penalty. Amnesty International believes that the interests of justice would best be served by the granting of a new trial to Mumia Abu-Jamal.
Nach vielen Jahren der Beobachtung des Falles von Mumia Abu-Jamal und sorgfältigem Studium der Originaldokumente einschließlich der gesamten Prozeßmitschriften ist Amnesty International zu dem Schluß gelangt, daß das Verfahren, in dem Mumia Abu-Jamal schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde, gegen die internationalen Mindestnormen für faire Prozeßführung und die Verhängung der Todesstrafe verstoßen hat. Amnesty International ist der Meinung, daß den Interessen der Gerechtigkeit am besten gedient wäre, wenn Mumia Abu-Jamal ein neues Verfahren gewährt würde.
Den Text gibt es in englischer Sprache als PDF zum Download: A Life in the balance (English; PDF; 248kb)
Quelle: mumia.de
Wir bitten darum, Mumia einfach mal einen Brief oder eine Postkarte zu schreiben:
Mumia Abu-Jamal
#AM 8335
SCI Mahanoy
301 Morea Road
Frackville, PA 17932
USA
irRWEge stoppen - Hambi bleibt!
Am Dienstag musste RWE die Rodungsarbeiten um 18 Uhr stoppen. Das endschied das OVG Münster auf Antrag des nordrhein-westfälischen Landesverbands des BUND. Der Rodungsstopp ist aber nur eine Zwischenentscheidung. Das Urteil gilt bis über eine Beschwerde gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln entschieden ist. Dort war der BUND am letzten Freitag mit dem Versuch gescheitert, den Braunkohletagebau Hambach und damit verbundene Rodungen zu stoppen.
Hier Fotos aus den letzten Monaten, die uns die Besetzer*innen zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank dafür! Aktuelle Infos findet ihr im Blog von Hambi bleibt!
Zum Hintergrund: Deutschland ist der größte Braunkohleproduzient der Welt; das Rheinische Revier die größte CO2-Schleuder Europas und der Tagebau Hambach die größte & tiefste Mine -“ ein gigantisches Loch in der Erde. Der Hambacher Forst gehört mit seiner jahrtausende alten Geschichte zu den letzten großen Mischwäldern in Mitteleuropa. Durch die Rodungen für den Kohleabbau sind schon 90% davon vernichtet worden.
Seit 2012 gibt es im Hambacher Forst Baumbesetzungen, die den Vorstoß der Bagger aufhalten und sich so dem Klimakiller Kohleindustrie entgegenstellen. Seit über fünf Jahren wehren sich die Aktivist*innen mit den Besetzungen gegen die Waldvernichtung, Abholzung und die geplante Tagebauerweiterung, gemeinsam mit lokalen Bürgerinitativen, Umweltschutzgruppen und Klimaschutzgruppen.
Derzeit gibt es über 30 Baumhäuser im Wald, viele sind durch mehrere Bäume in der Luft durch Walkways verbunden. Sie sind Winter tauglich, die Wände sind mit Stroh isoliert und es kann mit Öfen geheizt werden. Auf einigen Baumhäusern gibt es sogar Strom von selbst installierten Solarpanelen und Internet. Das höchste Baumhaus im Wald ist 25m hoch. Je höher die Häuser, desto schwerer sind sie zu räumen. Baumbesetzungen sind sehr effektiv, da es aufwändig ist, sie zu räumen. Unbesetzte Bäume werden einfach gefällt. Deswegen ist es wichtig, die Häuser 365 Tage im Jahr besetzt zu halten -“ mit Erfolg seit mittlerweile 5 Jahren.
Fotoserie anschauen
Weitere Informationen und Fotoberichte:
- Hambi bleibt (website)
- Blog mit Infos zur aktuellen Situation
- Hintergrundmaterial zum Hambacher Forst und den Besetzungen
- Live Twitter
Blogkino: 10.000 dollari per un massacro (1967)
Heute in der Westernserie unserer Reihe Blogkino ein Film nach Geschmack des Hauses "10.000 blutige Dollar": „Zynischer Italo-Western, der allzu distanzlos und selbstzweckhaft seine negativen -šHelden-˜ in einer Welt nackter Gewalt darstellt.“ bzw. „Harter, ja geradezu grausamer Western, ..., in dem sinnlos gemordet, gefoltert und Verrat geübt wird.“. Also wie im richtigen Leben. Zur Handlung, den Film zeigen wir im italienischen Original: "Erst ab 10.000 Dollar wird ein Steckbrief für Django interessant; so viel muss auch bezahlt werden, damit er sich auf die Suche nach dem Banditen Manuel Vasquez macht. Der hat zusammen mit seinem Freund Cisco die Tochter des Haziendabesitzers Mendoza verschleppt, der ihn ins Gefängnis gebracht hatte. Mendoza möchte Django engagieren, der sich der Lösung des Problems annehmen soll, der aber -“ er kennt auch Vasquez -“ nimmt die Offerte zunächst nicht an. Django begegnet im Ort seiner alten Liebe Mijanou, dann geht er nach San Francisco, wo er sich der Bande von Sanchez anschließt, um Misstrauen zu zerstreuen und die Leute kennenzulernen. Bei einem Überfall auf einen Goldtransport hält Django, der unter der Bedingung mitmischt, dass niemand ums Leben kommen darf, die begleitende Militäreskorte auf, während Vasquez und seine Leute alle Reisenden töten, unter denen sich auch Mijanou befindet. Nun akzeptiert Django die Offerte Mendozas. Sanchez-™ Vater versucht noch, seinem Sohn zu helfen, doch auch er findet in Django seinen Meister."
25 Jahre Silvio Meier Gedenken
Silvio Meier wurde vor 25 Jahren auf dem U-Bahnhof Samariter Straße von Neonazis erstochen. Er hat sich in linken, selbstorganisierten Bewegungen engagiert, war in der DDR-Opposition aktiv, hat die Umweltbibliothek mitgegründet und das Element-of-Crime-Konzert 1987 in der Zionskirche mitorganisiert. Silvio war Teil der Hausbesetzer*innen-Bewegung in Ostberlin. Angesichts des erstarkenden Rassismus und Neofaschismus im wiedervereinten Deutschland stellte er sich den Neonazis aktiv entgegen. Sein Engagement kostete ihn am 21. November 1992 sein Leben.
Zur Fotoreportage beim Umbruch Bildarchiv Berlin.
Weitere Informationen:
- Silvio Meier (Wikipedia)
- Interview mit Silvio Meier im Sommer 1992
- Damals - Heute - Morgen Veranstaltungsreihe anlässlich des 25. Todestages von Silvio Meier
- Impressionen von der Demo am 25.11.17 (Audiobeitrag von radio aktiv)
- “Und die, die sterben, die werden weiter leben...- Broschüre zu Silvio Meier der Autonomen Antifa Berlin (A2B)
- ausführliches Interview mit Freunden und Angehörigen von Silvio Meier
- Antifa Infoblatt Ostberlin über Faschisten in der DDR und ANTIFASCHISTISCHER WIDERSTAND (Juli 1989 bis Juli 1990)
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 22.11.2014
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 23.11.2013
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 24.11.2012
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 19.11.2011
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 20.11.2010
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 21.11.2009
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 22.11.2008
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 24.11.2007
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 25.11.2006
- Umbruch-Fotos von der Demonstration am 22.11.2003
Über Hautkrankheiten

Die Zeitlosigkeit der Gedichte des heute leider meist als Kinderbuchautoren wahrgenommenen Erich Kästner ist unglaublich. Wir hatten darauf ja schon in "Das Führerproblem, genetisch betrachtet", Der Zweck und die Mittel und anderen Texten Kästners hingewiesen. Heute nun ein weiteres aktuelles Gedicht:
Misanthropologie
Schöne Dinge gibt es dutzendfach.
Aber keines ist so schön wie diese:
eine ausgesprochen grüne Wiese
und ein paar Meter veilchenblauer Bach.
Und man kneift sich. Doch das ist kein Traum.
Mit der edlen Absicht, sich zu läutern,
kniet man zwischen Blumen, Gras und Kräutern.
Und der Bach schlägt einen Purzelbaum.
Also das, denkt man, ist die Natur?
Man beschließt, in Anbetracht des Schönen,
mit der Welt sich endlich zu versöhnen.
Und ist froh, dass man ins Grüne fuhr.
Doch man bleibt nicht lange so naiv.
Plötzlich tauchen Menschen auf und schreien.
Und schon wieder ist die Welt zum Speien.
Und das Gras legt sich vor Abscheu schief.
Eben war die Landschaft noch so stumm.
Und der Wiesenteppich war so samten.
Und schon trampeln diese gottverdammten
Menschen wie in Sauerkraut herum.
Und man kommt, geschult durch das Erlebnis,
wieder mal zu folgendem Ergebnis:
Diese Menschheit ist nichts weiter als
eine Hautkrankheit das Erdenballs.
Erich Kästner
(Aus: Erich Kästner -“ Die Gedichte. Haffmansverlag bei Zweitausendeins, 5. Auflage 2012, S. 190. Via Horizontverschmelzung)
Demonstration am Samstag, 9. Dezember, in Stuttgart: „Für eine Welt, in der niemand fliehen muss!“
Ein breites Bündnis aus Organisationen und Initiativen aus allen Teilen Baden-Württembergs ruft unter dem Motto „Für eine Welt, in der niemand fliehen muss!“ zu einer Demonstration am Samstag, 9. Dezember, in Stuttgart auf. Diese Demonstration will auf Fluchtursachen, Asylrechtsverschärfungen und Abschiebungen aufmerksam machen.
ïƒ Aufruf: english / deutsch / dari / arabisch / französisch
ïƒ Mobimaterial (Flyer/Plakate)
ïƒ Banner für Websiten
ïƒ Aufruf online unterzeichnen
ïƒ Folgt uns auf Facebook

Blogkino: Slaughterbots (2017)
In unserer Reihe Blogkino bringen wir heute zwischendurch mal einen aktuellen Kurzfilm. Der Film soll für die Kampagne "Stop Killer Robots" mobilisieren. Dabei eht es um die Diskussion um autonome Killerroboter, siehe auch den Beitrag im Standard: "Maschinen zu erlauben, sich für das Töten von Menschen entscheiden zu können, wäre vernichtend für unsere Sicherheit und Freiheit"
Berlin: Über 50 Kitas bedroht - Monstermäßiger Laternenumzug gegen Verdrängung
Weitere Informationen:




