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»Unsere Gesellschaft scheint nicht mehr verstehen zu können, dass es möglich ist, anders als unter der Herrschaft des Gesetzes zu existieren, das von einer repräsentativen Regierung ausgearbeitet und von einer Handvoll Herrschern verwaltet wird.« Pjotr Alexejewitsch Kropotkin

Mumia Abu-Jamal: Der 1. Mai inmitten globaler Verwüstung

Seite 1 der Botschaft von Mumia
Der 1. Mai inmitten globaler Verwüstung

von Mumia Abu-Jamal 1, 31.03.2010

Während sich der 1. Mai nähert - ein Tag, der seit über einem Jahrhundert als Symbol der Stärke der Arbeiter gefeiert wird - scheint er sich zum Symbol des Zerfalls zu wandeln.

Während das ökonomische System Beben, Nachbeben und Erschütterungen durchläuft, sind sozialer und kommunaler Wohlstand an Banken und Konzerne verschleudert worden. Millionäre erhalten Finanzhilfen, während ArbeiterInnen bestenfalls die Qual von Lohnkürzungen ertragen mussten, im schlimmsten Fall auch Massenentlassungen. Auf dieser arbeiterInnenfeindlichen Grundlage saniert sich die Wirtschaft.

Marx und Engels haben zu Recht festgestellt, dass der Staat nicht mehr als als das ausführende Komitee der Bourgeoisie ist 2. Warum auch sonst gießen die Wirtschaftsmächte der Welt ohne irgend eine Nachfrage Milliarden in Konzernkassen, während sie Almosen an ArbeiterInnen und deren Familien verteilen, fast wie Münzen in den Hut eines Bettlers?

Der 1. Mai begann in Amerika während der schicksalhaften Vorgänge des Haymarket Aufstandes im 19. Jahrhundert, als ArbeiterInnen für die 40-Stundenwoche und eine Abschaffung der Kinderarbeit kämpften.

Noch immer steht der 1. Mai für den Kampf der Arbeitenden in Amerika, Europa, Afrika und Asien gegen die staatliche und kapitalistische Unterdrückung und Gier.

Im wesentlichen ist der Kapitalismus in einer schweren Krise. Die wahnsinnigen Kriege als auch der sehr reale Anstieg der Vetternwirtschaft spiegeln diese Krise wider. Wenn die Milliarden Arbeitenden die Welt verändern wollen, müssen sie sich über die falschen Barrieren hinweg die Hände reichen, um eine neue und bessere Welt zu errichten, in der Leben und Freiheit kostbarer sind als der Profit.

Dass ist nicht nur möglich, das ist notwendig!

Seite 2 der Botschaft von Mumia
Danke. Ona Move!

Genosse Mumia

Originalbeitrag als MP3 Datei - via Prison Radio Projekt San Francisco:

Der 1. Mai inmitten globaler Verwüstung


Anmerkungen:

Mumia Abu-Jamal wurde am 24. April 1954 unter dem Namen Wesley Cook in Philadelphia geboren. Er wuchs in den „Projects“, städtischen Wohnbausiedlungen für Schwarze, Arme und sozial Benachteiligte auf und wurde bereits früh mit dem Rassismus der US-amerikanischen Gesellschaft konfrontiert. Anfang 1969 gehörte er zu den Mitgründern der Black Panther Party in Philadelphia. Nach seiner Schul- und Collegezeit arbeitete Mumia Abu-Jamal bis zu seiner Verhaftung und Mordanklage im Dezember 1981 als progressiver Radiojournalist und berichtete über Themen wie Wohnungsnot, Polizeibrutalität und den fortgesetzten Krieg der Stadt Philadelphia gegen die radikalökologische Organisation MOVE.

Er ist seit Mai 1983 in den Todestrakten des Bundesstaates Pennsylvania inhaftiert und kämpft bis heute für die Aufhebung seines Urteils, einen neuen Prozess und seine Freilassung. Er hat seine journalistische Tätigkeit auch im Gefängnis fortgesetzt und ist Verfasser mehrerer Bücher und vieler Hunderter Kolumnen zu historischen und aktuellen Fragen. Er ist verheiratet mit Wadiya Jamal und hat zwei Söhne, eine Tochter und mehrere Enkel.

Sofortige Freiheit für Mumia Abu-Jamal!


Marx/Engels - Manifest der kommunistischen Partei 1848: "Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftliche Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet."

Homepage von Mumias Verteidigung

Petition: Mumia Abu-Jamal und die globale Abschaffung der Todesstrafe

Helden?

Blutiger Krieg - begründet auf einem Berg von Lügen
Foto: peacearena / Oklahoma
Ich war bei kürzlich bei McDonald's, als mir etwas ganz eigentümliches passiert ist. Ich wartete in der Schlange auf mein Essen, als ein an seiner Veteranenmütze erkennbarer älterer Veteran mit seiner Frau auf mich zukam. Er streckte mir seine Hand entgegen und sagte, er möchte mir die Hand schütteln und mir für meinen Dienst  danken. Er sagte, dass ich und meine Kameraden seine Helden wären. Er sagte, er sei stolz auf mich und alles, was ich im Dienst meines Landes getan hätte. Seine Frau sah mich an und lächelte breit. Sie sagte: "Wir sind alle so stolz auf euch Jungs" und "mehr junge Menschen sollten genau so sein wie Sie." Ich wollte nicht unhöflich sein, also schüttelte ich seine Hand und nickte anerkennend. Das Paar lächelte und war offenbar der Meinung, es hätte seine patriotische Pflicht getan, indem sie einem Veteranen die Hand geschüttelt haben.

Erst nachdem sie gegangen waren, traf mich das Ausmaß dessen, was dieser Mann gesagt hatte, wirklich. Er dankte mir für meinen Dienst. Er dankte mir und sagte mir, ich sei sein Held! Nachdem mir das bewusst wurde, war es mir irgendwie peinlich. Ich wusste nicht, was ich denken sollte und, nahme mein Essen und ging wieder an die Arbeit. Ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken. Was genau war es denn, für das sich dieser Mann bei mir bedankte? Was hatte ich wirklich "heldenhaftes" getan?

"Heldenhaft" stand ich im Irak und bewachte eine ganze Nation, die von Bushs Kriegsmaschinerie unterjocht wurde. Wie ein echter Held, habe ich tapfer meinen Küchendienst geleistet und geholfen Scheiße zu entsorgen. Ich zeigte mein Heldentum, indem ich täglich Wachdienst um unseren Fahrzeugpark schob. Im Angesicht aller Widrigkeiten spielte ich jede Nacht für mehrere Stunden heldenhaft "Call of Duty" auf meiner XBOX 360. Ich höre unseren Bataillonskommandeur zu uns sagen, wie wichtig unsere Aufgabe ist. Wie jeder von uns wichtig für die Veränderung des Lebens der Iraker ist. Ich erinnere mich deutlich an diese "Veränderungen", wenn ich Wache schob im Haftzentrum in Tal Afar. Ich wachte "heldenhaft" über die Gefangenen, die ohne Verurteilung saßen und darüber, dass sie ihre Essensration und eine Flasche Wasser erhielten.

Nichts von all dem, was ich im Nahen Osten getan habe scheint besonders heldenhaft. Immer, wenn sich jemand für meinen Dienst bedankt, frage ich mich: Für was? Danken sie mir dafür, das sichergestellt wurde, daß die Iraker unmöglich in einem demokratischen Staat leben können, weil das natürlich gegen  die amerikanischen Interessen verstößt? Vielleicht ist mir aber auch dafür zu danken, dass die Profite derer, die an diesem Krieg verdienen von mir gesichert wurden.

Ein Held zu sein würde für mich bedeuten, sicherzustellen, dass die Iraker sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben, statt dieses zur Straßenreinigung einzusetzen, damit darauf der Staub nicht zu dick wird. Heldenhaft wäre der Einsatz der Arbeitskraft und Ressourcen um die Straßen in Basra zu reparieren und sauberzuhalten und nicht die in unserem Camp.

Das nächste Mal, wenn sich bei mir jemand für meinen Dienst bedankt, werde ich vielleicht fragen, ob sie wissen, wofür sie sich bedanken. Ich möchte  wissen, ob der durchschnittliche Mensch genau weiß, was im Irak vorgeht, und was wir dort tun. Wenn sie wußten, daß ihre Steuergelder benutzt werden, um das   sechsstellige Gehalt eines Söldners zu zahlen, die im Grunde den gleichen Job wie ich mit der Hälfte des Risikos machen. Vielleicht, wenn sie den Schmerz und das Leid in den Augen der irakischen Kinder erkennen, wenn sie uns in unseren LKWs und Panzern fahren sehen.

Ich bin nicht stolz auf meinen Dienst. Ich bin nicht mit dem, was ich tat und mit den Gräueltaten, deren Zeuge ich wurde, glücklich. Ich will nicht mit dem Wissen leben, daneben gestanden zu haben und nichts getan zu haben, während unzählige unschuldige Menschen täglich wegen dieser Gleichgültigkeit sterben. Denn ich habe in einen illegalen und ungerechten Krieg der Besetzung gedient. Ich bin kein Held.

Quelle: Eigene Übersetzung eines Beitrags von Brett McFann @ "Iraq Veterans against the War" via "World can't wait"