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»Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!« Erich Kästner

Rede des Comandante en Jefe zur Befreiung

Vor wenigen Stunden wurde die Entführung des Blogdiktators, kurz: "Comandante en Jefe" beendet. Er wurde vergangenen Dienstag entführt, direkt aus einer Demonstration gegen Polizeirepression und ausgerechnet am symbolträchtigen 2. Juni. Obwohl er sich inmitten zahlreicher Leibwächter befand, gelang es feigen militanten ostdeutschen Bloggerbanden, den Genossen - trotz dessen heftiger Gegenwehr - zu entführen.

Nachdem Donnerstag Nachmittag zuerst die geforderten Lebenszeichen bekannt wurden, gab es erste Gerüchte über eine Befreiung des Genossen. Diese  bestätigten sich zwar erst gegen 17 Uhr, sorgten aber dennoch sofort für eine weltweite Welle der Begeisterung. Genauere Einzelheiten der durch internationale Verbände anarchistischer, autonomer und stalinistischer Kräfte durchgeführten Operation blieben zunächst unklar. Die sich unter hegemonialer Führung weniger Großkonzerne befindenden bürgerlichen Medien schwiegen sich über den Entführungsfall praktisch aus. Das lässt auf deren Komplizenschaft schließen.

Foto: Comandante en Jefe während seiner Ansprache von einem bekannten Balkon (Weitere Bilder)


Während sofort nach der Befreiung des Diktators zuerst dessen Lebensgefährtin nach Santa Clara, dem Aufenthaltsort des Comandante geflogen wurde, sorgten dessen durch den persönlichen Geheimdienst des CeJ um die og. Leibwächter dezimierten Milizen für seine umgehende Ausreise in einen nicht näher genannten italienischen Stadtstaat, wo dieser seine mit Spannung erwartete Rede und im Folgenden dokumentierte (erheblich gekürzte) Rede halten sollte.

Dominus vobiscum!
ich möchte mich zuerst für meine Befreiung bei all denen bedanken, die in dieser düsteren Stunde in Taten und Gedanken bei uns waren. Es ist schon immer meine Meinung in Übereinstimmung mit den Klassikern der Revolution gewesen, dass es die Massen sind, die Geschichte machen. Gleichzeitig stechen aus den Massen immer wieder einzelne revolutionäre Persönlichkeiten hervor. Es war Berthold Brecht, der ein Gedicht verfasste, das diesen Zusammenhang so wunderbar auf den Punkt brachte:

"Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich."

Wer waren die "Unentbehrlichen" in den letzten Tagen?

Der Genosse von redblog organisierte vor Ort die Zusammenarbeit der schwarz / roten Kampfverbände, die sich aus cubanischen Genossen und Freiwilligen aus autonomen Straßenkampfverbänden aus Baden - Württemberg, zum Beispiel aus Stuttgart - Heslach und der Esslinger Plienauvorstadt zusammensetzten. Trotz äußerst widriger Umstände (vegane Küche aber prekäre Versorgungslage mit Soja, warmes Stuttgarter Hofbräu) gelang es den vereinigten proletarischen Milizen, den hinterhältigen Entführern empfindliche Schläge zuzufügen und so nach stundenlangen Gefechten unter großen Opfern meine Befreiung durchzusetzen. GenossInnen, Ihr habt Euch damit Euer Chicken-Kokos-Curry und die blaue Grütze zum Nachtisch redlich verdient!!

(...)

Daniel vom roten Blog gebührt der Dank für seine vorbildliche politische Ausrichtung und die Organisierung des Kampfes der in der revolutionären Tradition der Münchner Räterepublik stehenden bayerischen Verbände im sächsischen Hinterland der Bloggerbanden. Der Genosse musste dafür über seine pazifistische Einstellung springen und sich zu einer revolutionären Einstellung zur Rolle der Gewalt durchringen, wozu er ohne langes Zaudern bereit war. (Die Motivation dabei scheint klar: Er (...) motzt über die künstlerische Qualität der unter lebensgefährlichen Bedingungen entstandenen Testbilder mit meinem Lensbaby. Ok. Aber wer auf Marienkäfer steht...) Nichts desto trotz hatte der Genosse als einziger den Sinn des in sächsischer Sprache (!!) abgefassten Bekennerschreibens der obskuren, sich selbst als "Ostdeutsche Bewegung 2. Juni (Relaunch)", kurz OB2J bezeichnenden Terroristen erfasst und der Weltöffentlichkeit durch seine Übersetzung zugänglich gemacht. Dafür gebührt ihm unser uneingeschränkter Dank!

(...) Rufe: "Zieht den Bayern die Lederhose aus, die Lederhose aus! Zieht den Bayern die Lederhose aus, die Lederhose aus! (... usw...)

Die internationalen Brigaden wurden unter den harten Bedingungen der Schweizer Konterrevolution von den Genossen von Gonorrea organisiert. Diese unterstützten die zuvor genannten Verbände vor allem auch im äußerst unübersichtlichen Hinterland der Entführer. Gonorra war das Blog, das die politisch korrekte Forderung nach "Freilassung des politischen Gefangenen" entwickelte und trotz feiger Anwürfe der Entführer für dessen Verbreitung sorgte. Auch wenn der Genosse kurzzeitig ideologisch - politischen Schwankungen unterworfen war ("selbsternannter “Comandante en Jefe-" - wir merken uns so was!!) sorgten die Genossen uneigennützig für die unauffällige und zuverlässige finanzielle Abwicklung der Befreiungsaktionen.

RdB!, in Berlin, Hamburg und leider viel zu selten in Stuttgart ansässiger Freund & Genosse sorgte hinter den Kulissen dafür, das sowohl unser Blog als auch die Befreiungsaktionen unter anachistischer Führung und Prinzipien geführt und damit unsere Herrschaft (Anarchie & Chaos) gefestigt wurde. Gleichzeitig organisierte der in diesem Zusammenhang zum Vizediktator und Nachfolger beförderte Genosse den sicheren Transfer von Havanna nach Vatikanstadt sowie die heutige Parade auf dem Petersplatz und weitere zur Zeit stattfindende Freudenausbrüche.

(...) Stehende Ovationen, Rufe: "Hoch die Internationale Solidarität!" "Es lebe RdB!!!"

Doch kommen wir zu den politischen Hintergründen der Entführung: Gerade in Zeiten der Krise ist es den herrschenden Klassen daran gelegen, mit Repressionen gegen revolutionäre Kräfte vorzugehen. Besonders revolutionäre Strukturen, die sich nicht vereinnahmen lassen, stehen dabei im Fokus der Herrschenden.

(...) Stehende Ovationen, Rufe: "Nieder mit dem internationalen Finanzkapital!"

Sie nutzen dabei die sich verschärfende ökonmische Lage zur Vertiefung der Spaltung der Menschen. Diese Rechnung haben sie jedoch ohne die Menschen gemacht, die sich, obwohl das gerade manche "Linke" nicht auf dem Schirm haben, der allgegenwärtigen Verzichtspropaganda  zunehmend weniger unterordnen wollen. Das hat materielle Gründe, wie Karl Marx bereits vor Jahren verdeutlichte:

"Die Produktion ist unmittelbar auch Konsumtion. Doppelte Konsumtion, subjektive und objektive: das Individuum, das im Produzieren seine Fähigkeiten entwickelt, gibt sie auch aus, verzehrt sie im Akt der Produktion, ganz wie das natürliche Zeugen eine Konsumtion von Lebenskräften ist. Zweitens: Konsumtion der Produktionsmittel, die gebraucht und abgenutzt werden und zum Teil (wie z.B. bei der Feurung) in die allgemeinen Elemente wieder aufgelöst werden. Ebenso Konsumtion des Rohstoffs, der nicht in seiner natürlichen Gestalt und Beschaffenheit bleibt, die vielmehr aufgezehrt wird. Der Akt der Produktion selbst ist daher in allen seinen Momenten auch ein Akt der Konsumtion. Aber dies geben die Ökonomen zu. Die Produktion als unmittelbar identisch mit der Konsumtion, die Konsumtion als unmittelbar zusammenfallend mit der Produktion, nennen sie produktive Konsumtion. Diese Identität von Produktion und Konsumtion kommt hinaus auf Spinozas Satz: Determinatio est negatio <Bestimmung ist Verneinung>."

(...)

Daraus folgt, dass die Ausgebeuteten die einzig revolutionären Elemente dieser Gesellschaft sind. Denn: Sie haben nichts zu verlieren "außer ihre Ketten..."

(...) Rufe: "Hoch die Internationale Solidarität!"

Nicht umsonst waren es gerade perspektivlose ostdeutsche Bloggerbanden, die sich einbildeten, dieser klaren Analyse und wegweisenden Strategie und Taktik durch die Entführung führender Kräfte entgegensetzen zu können. Sie wurden - als bewußter Akt des revolutionären Prozeses - gestoppt, denn sie vergaßen eine alte revolutionäre Erkenntnis, die in übertragenem Sinne auch heute unserer Ansicht nach Gültigkeit besitzt:

"Diese weißgardistischen Wichte, deren Kraft man höchstens mit der Kraft eines elenden Gewürms vergleichen kann, hielten sich, wie es scheint, komischerweise für die Herren des Landes und bildeten sich ein, dass sie in der Tat Bayern, Baden- Württemberg und Berlin an andere verteilen und verkaufen könnten.

Dieses weißgardistische Gezücht vergaß, dass niemand anders als das Bloggervolk Herr des Bloggerlandes ist, während die Herrschaften Ferkel, Dauerwelle und Weinmeier weiter nichts waren als Leute, die zeitweilig im Dienste des Staates standen, der sie jede Minute wie nutzloses Gerümpel aus seinen Kanzleien hinauswerfen konnte.

Diese nichtswürdigen Lakaien der Faschisten vergaßen, dass das Bloggervolk nur einen Finger zu rühren brauchte, damit von ihnen nicht einmal eine Spur übrig bleibe." (Stalin, Geschichte der KPdSU (B)) (So oder so ähnlich).

(...) Rufe: "Öhhhh...."

Was folgen wird, liebe GenossInnen ist klar: Die festgesetzten Kräfte der Konterrevolution werden der produktiven Arbeit zugeführt. Schneeschippen in der Antarktis und Staubwischen bei den GenossInnen der Tuaregs erscheint uns nach Rücksprache mit den cubanischen GenossInnen aber auch mit den internationalen militanten Kräften als milde, aber gerechte Strafe für den frechen Angriff auf unsere Vorherrschaft.

(...)

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit!

(...) Stehende Ovationen, Rufe: "Hoch die Internationale Solidarität!" Es lebe unser "Comandante en Jefe"! usw. usf. etc. pp.

Soweit die erste Verlautbarung des Genossen, die - das bitten wir zu beachten - erst in der Vortragssprache - Esperanto - vorliegt.

EILT: Blogdiktator befreit!

Nachdem es am Mittag erste Informationen über die Befreiung gab, herrscht nun Gewissheit. Der Blogdiktator konnte aus den Händen der "Ostdeutschen Bewegung 2. Juni Relaunch" befreit werden.

Nach Informationen, die redblog vorliegen und von höchsten Stellen bestätigt wurden, befreite eine Einheit cubanischer Genossen den Blogdiktator aus den Händen der sächsischen Entführer.



Am Dienstag Vormittag verschwand er unter mysteriösen Umständen von der Bildfläche. Am Abend veröffentlichte das Rote Blog ein aus der sächsischen Sprache übersetztes Bekennerschreiben. Die Gruppe war vorher nie durch andere oder ähnliche Erklärungen in Erscheinung getreten. Auch die aufgestellten Forderungen sorgten unter den Angehörigen und Freunden für Verwirrung.
* Keine Veröffentlichung von blauer Grütze und Chicken-Kokos-Curry-Rezepten mehr!

• Freilassung aller Terrormäuse sowie uneingeschränkte Versorgung mit Ritalin!

• Studium der Grundlagen von HTML durch den Blogdiktator!

• Anerkennung des Roten Blogs als das alleinherrschende anarchistisch-stalinistische Blog!
Besonders die letzte Forderung sorgte für Verwirrung. Sollte der verehrte Bloggerkollege vom Roten Blog hinter dem Verbrechen stehen? Auch die Erwähnung des redblogs und von gonorrea.ch passten so gar nicht ins Bild. Es handelte sich um nicht mehr als eine billige Täuschung. Keiner der drei war mit den Entführern verbunden. Ein Indiz dafür lieferten die Entführer heute selber. Verbreiteten sie doch ein Foto des Blogdiktators mit der aktuellen BLÖD-Zeitung als Lebenszeichen. Und niemand der drei hier erwähnten Blogger würde Geld für dieses Blatt ausgeben. Ironie an der Geschichte: Kurz nachdem das Foto entstand und in Umlauf gebracht wurde, erfolgte die geglückte Befreiungsaktion.


Mittlerweile befindet sich der Blogdiktator in Cuba, wo er sich kurz erholen soll und die Gelegenheit besteht, den für die Befreiungsaktion verantwortlichen Genossen Dank auszusprechen.
redblog wurden nicht nur diese Informationen zugespielt, sondern auch zwei exklusive Bilder, die hier die Wahrhaftigkeit der Befreiung beweisen sollen.







Nährere Informationen über die "Ostdeutsche Bewegung 2. Juni Relaunch" und ihre wahren Hintermänner sind noch nicht bekannt, dürften aber bald zur Verfügung stehen.

Einer Rückkehr des Blogdiktators steht nun nichts mehr im Weg. Es sei denn, er bliebt lieber in Cuba. So wie er einzuschätzen ist, wird er jedoch zurückkommen, um hier vor Ort weiter zu kämpfen.

Solidaritätserklärung der SSB Vertrauensleute mit 5 Antifaschisten gegen die Anzeige erstattet wurde

Screenshot
Die NPD Stuttgart hatte kürzlich 5 Antifaschisten, die als Erstunterzeichner für den Demonstrationsaufruf der Bündnisdemonstration "Nazis keine Basis bieten" im vergangenen Jahr (!) zeichneten, auf ihrer Webseite mit Namen und - inzwischen entfernten - Adressen genannt.

Gestern wurde eine Solidaritätserklärung der Vertrauensleute bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG bekannt:


Solidaritätserklärung der SSB Vertrauensleute mit 5 Antifaschisten gegen die Anzeige erstattet wurde

Gegen 5 Antifaschisten, die Erstunterzeichner des Aufrufs eines Aktionsbündnisses aus dem Raum Stuttgart sind hat ausgerechnet der Landesvorstand der faschistischen NPD Strafanzeige gestellt. Unter ihnen ist Bernd Riexinger, Geschäftsführer des ver.di Bezirks Stuttgart und Sprecher der Linken Ba-Wü, Brigitte Renkl von der VVN und Wolfram Straiff, Vertreter der Montagsdemo Kreis Böblingen und bekanntes Mitglied der MLPD. Die Strafanzeige wird provokativ mit dem Vorwurf der „Volksverhetzung“ und „ Bildung einer kriminellen Vereinigung“ wegen angeblicher Drohung mit dem Einsatz eigener Schlägertrupps begründet

Die Faschisten haben spätestens seit 1933 bewiesen, dass sie die Todfeinde der Arbeiterbewegung sind. Ausgerechnet diese Verbrecher diffamieren ihre Gegner.
Sie schüren und rechtfertigen damit Überfälle, wie die auf die 1. Mai Kundgebung in Dortmund.

Wir fordern:
Einstellung etwaiger Ermittlungen aufgrund der Anzeige gegen die Antifaschisten
Verbot der NPD und aller faschistischen Organisationen


Stuttgart, 3. Juni 2009



Zum Thema siehe auch:


• Freitag, 9. Februar 2007: Aktionsbündnis ruft zur Verhinderung von NPD-Veranstaltung in Stuttgart auf
• Samstag, 17. Februar 2007: VVN Presseerklärung zum NPD-Rennicke Auftritt in Stuttgart am 16.2.2007
• Mittwoch, 21. Februar 2007: VVN-BdA Baden-Württemberg zum Rennicke-Konzert in Sindelfingen
• Freitag, 23. Februar 2007: Rennicke-Auftritt in Sindelfingen: Gegendarstellung zur VVN-Presseerklärung
• Samstag, 24. Februar 2007: Veranstaltungsort für "private" Faschingsfeier war bekannt
• Sonntag, 25. März 2007: Stuttgart/Sindelfingen: Der Rennicke-Auftritt als Symptom der Lage
• Freitag, 30. März 2007: Sindelfingen: "Zwischen Nachsicht und Härte"
• Donnerstag, 18. Oktober 2007: Sindelfingen: Unterschriftensammlung für NPD Verbot
• Samstag, 18. April 2008: 80 Teilnehmer bei Veranstaltung: „Nazis hetzen wieder gegen Migranten und Flüchtlinge! Warum, wozu, für wen?“
• Mittwoch, 9. Juli 2008: Antifaschistische Kampagne gegen die NPD in Sindelfingen
• Mittwoch, 16. Juli: Stuttgart: Flash-Mob Aktion gegen Nazi-Propaganda
• Samstag, 19. Juli 2008: Demonstration: Nazis keine Basis bieten!
• Sonntag, 20. Juli 2008: Knapp 500 Menschen demonstrierten in Sindelfingen gegen die NPD und andere faschistische Strukturen
• Bündnisaufruf des Bündnis "Nazis keine Basis bieten!"
• "Auf der Strasse und in Parlamenten: Nazis keine Basis bieten" Beitrag von Brigitte Renkl, Vorsitzende der Kreisvereinigung der VVN-BdA Böblingen-Sindelfingen- Leonberg.
• Samstag, 23.05.2009: Städtetour "Nazis keine Basis bieten" von Polizei schikaniert!
• Samstag, 23.05.2009: Antifaschistische Städtetour vorzeitig abgebrochen! Bericht der Antifaschistischen Aktion (Aufbau) Stuttgart
• Rede von Conny Renkl, gehalten am 23.5.2009 bei der Städtetour "Nazis keine Basis bieten"
• Presseerklärung des Bündnisses "Nazis keine Basis bieten" vom 28. Mai 2009 zur Städtetour am 23.05.2009
• Vertrauensleute der IG Metall bei Festo Esslingen sind solidarisch mit Antifaschisten (29.05.2009)

Stuttgart: Bürgerbegehren “100 - Wasser“ und die Wahlversprechen der Parteien

Die Stuttgarter Wassergeschäfte stehen beispielhaft für den Irrweg der "Cross Border Leasing" und anderer krummer Spekulations Geschäfte, die mit der Verramschung öffentlichen Eigentums an sog. Finanzinvestoren begangen wurden. Folgende Presse-Erklärung des Stuttgarter Wasserforums vom 3. Juni 2009 veröffentlichen daher wir gerne:

Wir wollen vor den Wahlen klar und unmissverständlich feststellen:
Es gibt keinen Beschluss ges Gemeinderats zum Rückkauf unserer Wasserversorgung. Vorlagen der Verwaltung und Anträge von CDU, SPD und den GRÜNEN wurden nicht eingebracht. In mehreren Anträgen wird von der Einbeziehung der EnBW in unsere Wasserversorgung gesprochen.

Die Parteien haben sich nicht darauf festgelegt, dass sie entsprechend dem Ziel von „100 -“Wasser“ den 100 %igen Rückkauf durchsetzen wollen. Sie haben sich auch nicht festgelegt darauf, dass die Stadt Stuttgart den Wasserversorgungsbetrieb mit allen Rechten in eigener Regie mit eigenen Mitarbeitern selbst betreiben wird. Ein Versorgungsbetrieb, dessen Infrastruktur zu 100 % der Stadt gehört, für dessen Betrieb aber z.B. die EnBW eingesetzt wird, ist kein kommunaler Betrieb, sondern nach wie vor ein intransparenter, gewinnorientierter Privatbetrieb ohne demokratische Kontrolle. Es würde sich im Vergleich zu heute nichts ändern. OB Schuster und weitere 26 Mitglieder aus der Verwaltung und dem Gemeinderat sitzen bei der EnBW als Beiräte. D.h., unser Gemeinderat ist gegenüber der EnBW befangen.

Gemeinderäte, die im EnBW-Beirat sitzen, sind deshalb
sofort abzuziehen bzw. bei Abstimmungen wegen Befangenheit auszuschließen.

OB Schuster macht gegen eine Rekommunalisierung Stimmung, indem er wiederholt verlauten lässt, dass dadurch der
Wasserpreis steigen würde. Laut Verwaltungsvorlage steht das Geld zum Rückkauf -“ angelegt in Fonds -“ zur Verfügung. Bei dessen Anlage in der Wasserversorgung wird derzeit eine Verzinsung von 4 % angestrebt. Will uns der OB tatsächlich weismachen, der Ertrag der EnBW sei niedriger als 4%, so dass deshalb der Wasserpreis steigen müsse? Will er uns für dumm verkaufen?


Dass der Wasserpreis unabhängig davon aber tatsächlich steigen wird, liegt daran, dass
OB Schuster die CrossBorderLeasing-Geschäfte mit der Bodensee- und der Landeswasser-versorgung iniitiert hat. Für diese Geschäfte -“ und auch für die totgeschwiegenen Stuttgarter CBL-Geschäfte - ist er hauptverantwortlich. Die Folgen dieser Spekulationsgeschäfte sind es, die jetzt zu steigenden Wasserpreisen führen.

Die StuttgarterInnen wollen eine kommunale Wasserversorgung. Viele verbinden eine kommunale Versorgung mit hoher Qualität und Investitionen in den Erhalt der Versorgungseinrichtungen. Die Wahlreden der verschiedenen Parteien haben ihre Wirkung gezeigt: Viele glauben, die Parteien würden die Wasserversorgung zurückholen, ein Engagement der BürgerInnen sei nicht mehr erforderlich. Wir sind leider sicher: PolitikerInnen haben ein miserables Kurzzeitgedächtnis. Man denke nur an OB Schusters Versprechen vor den letzten Bürgermeisterwahlen, dass es einen Bürgerentscheid zu Stuttgart 21 geben solle. So ist zu befürchten, dass nach den Wahlen auch eine kommunale Wasserversorgung kein Thema mehr sein wird.

Nur wenn wir BürgerInnen über dieses Bürgerbegehren und einen erfolgreichen Bürgerentscheid selbst beschließen, dass die Wasserversorgung zu 100 % kommunal und durch die Stadt in einem Eigenbetrieb betrieben wird - ohne EnBW oder andere private Beteiligungen - nur dann bekommen wir unseren kommunalen Betrieb, aber nur dann.

Wir rufen alle BürgerInnen auf, sich noch stärker als bisher zu engagieren und immer weitere Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen
. Dieses Bürgerbegehren entscheidet über die Zukunft unserer kommunalen Daseinsvorsorge in Stuttgart insgesamt: Wenn es uns gelingt, die Wasserversorgung in kommunale Hand zurück zu holen, dann haben wir die beste Voraussetzung auch für die Rekommunalisierung der Strom-, Gas- und Wärmeversorgung.

Für die Einschätzung der neuesten Initiative der SPD zur Gründung von Stadtwerken wird es auf die konkrete Ausgestaltung ankommen. Die SPD spricht von -šeigenen Stadtwerken unter kommunalem Einfluss“ -“ also nicht 100 % kommunal -“ und von der Beteiligung strategischer Partner...“. Also wieder nicht 100 % kommunal, jedenfalls wieder keine Festlegung.

Mehr Informationen zum Bürgerbegehren “100 -“ Wasser“: www.Hundert-Wasser.org

Wahlkrampf Teil 4: Europawahlen

"Nächsten Sonntag sind Europa-Wahlen. Ich werde wahrscheinlich Schweden wählen!" (Einfach Übel via redblog)

Wir nehmen Norwegen. Da gibt's so nette Trolle.


Bisher:
• Wahlkampf Teil 3: Keine Macht für Niemand!
• Wahlkampf Teil 2: Basteln gegen Nazis
• Wahlkampf Teil 1: Wahlkampf eröffnet. Mit einem kräftigen: PLONK!

Steckt ER hinter der Entführung des Blogdiktators??

Bei einem bekannten ostdeutschen Blogger aus einem der neuen Bundesländer ging inzwischen ein Bekennerschreiben zur Entführung des "Comandante en Jefe" von trueten.de ein. Zu dieser Entführung kam es während einer Demonstration gegen Polizeiterror. Verfasser ist offenbar die bislang nach Auskunft des Verfassungschutzes nicht in Erscheingung getretene "Ostdeutsche Bewegung 2. Juni (Relaunch)", kurz OB2J. Deren schäbiger, ungewaschener, unrasierter, gewalttätiger und daher offensichtlich zu allem bereiter (Oma's Haus beschlagnahmen, gemeinsame Zahnbürsten für alle usw.) und mit aus den Clownwars bekannten schweren Waffen ausgerüsterter Kommandeur ist auf dem Bild rechts abgelichtet.

Erfreulicherweise wurde dieses verachtenswerte Machwerk, welches selbstsverständlich Ausdruck der kleinbürgerlich - anarchistischen Denkweise ist, von dem Genossen "aus der sächsischen Sprache ins Deutsche übersetzt". Damit bestätigt sich zugleich der zuerst von "betlehemterrorist", einem Genossen der Propagandaabteilung unseres Blogs gehegten Verdacht, es handle sich um ein feiges Verbrechen einer "militanten ostdeutsche Bloggerbande". Uns bedrückt insbesondere, dass es bislang kein aktuelles Lebenszeichen unseres geliebten großen Vorsitzenden gibt. Bei dem von den Terroristen veröffentlichten Bild handelt es sich offensichtlich um eine sogenannte "Foto Montage", eines mittels elektronischen Bildbearbeitungsprogrammen verfälschten Fotos.

Im folgenden dokumentiere ich den Beitrag des Genossen und bitte alle Leser des Blogs um Solidarität und weitere Hinweise über den Verbleib meines Ehegatten & lieben Kampfgefährten:

Revolutionäre Grüße sehr geehrte Kampfesgenossen!

Wir, die Ostdeutsche Bewegung 2. Juni Relaunch bekennen uns hiermit offiziell zur Entführung des Blogdiktators. Um dies zu beweisen, übersenden wie ein Foto mit der freundlichen Bitte um Kenntnisnahme.

blogdiktator

Desgleichen bitten wir Sie, unsere Forderungen zu veröffentlichen, welche folgendermaßen lauten:

Sollte es Ihnen nicht möglich sein, uns bei der Erfüllung unserer Forderungen zu unterstützen, so bitten wir Sie, gegebenfalls die entsprechenden Stellen in Deutschland und der Schweiz über unser Anliegen zu informieren. Andernfalls sehen wir uns leider gezwungen, von der Waffe Gebrauch zu machen. Und wir haben wirklich sehr gefährliche Waffen!!!

Mit kämpferischen Grüßen

Ostdeutsche Bewegung 2. Juni Relaunch

Blogdiktator von militanten ostdeutschen Bloggerbanden entführt?

Der Blogdiktator wurde entführt! Direkt aus der Demo heraus! Ausgerechnet am heutigen, symbolträchtigen Tag!! Angeblich sollen militante ostdeutsche Blogger in den Fall verwickelt sein!! Laut Zeugenaussagen seiner Hinterbliebenen wurde er vermutlich mit seinem "Terrorlappen" gefesselt. Über Lösegeldforderungen wurde noch nichts bekannt. Wir berichten weiter.

Verdrängt und ungesühnt - nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle in und aus Stuttgart

Anlässlich der Auseinandersetzung um den Erhalt des ehemaligen Hotel Silber - der ehemaligen Gestapo Zentrale in Stuttgart - und dessen Umwandlung in eine zentrale Gedenkstätte heute ein Beitrag von Ralf Bogen und Joachim Stein von der Weissenburg e. V.:

Warum eine dauerhafte Gedenk- und Lernstätte im ehemaligen Gestapo-Gebäude des Hotel Silbers eine wichtige Chance für die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg darstellt.


• Willi Karl App, geb. 1919 in Stuttgart, von Beruf Schreiner, wohnte 1937-1940 am Leonhardsplatz 15, 1942 im KZ Dachau, im März 1943 Tod im KZ Sachsenhausen;
• Gottlieb Doderer, geb. 1890 in Stuttgart-Heslach, von Beruf Schriftsetzer, wohnte 1937-1939 Förstlerstraße 2 und Marienstraße 36, 1940 in den KZ Dachau und Buchenwald, 1941 im KZ Natzweiler, im August 1942 Tod im KZ Dachau, angeblich an einer Atemwegserkrankung;
• Friedrich H. Enchelmayer, geb. 1908 in Stuttgart-Untertürkheim, wohnhaft zuletzt in Cannstatt, 1937 verurteilt zu 2 Jahren/1 Monat Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für 3 Jahre, auf Grund von polizeilicher Sicherungsverwahrung 1940 in den KZ Dachau und Sachsenhausen, 11/1940 im KZ Neuengamme umgekommen, offizielle Todesursache Herzschlag.
• Anton Ferbach, geb. 1912, wohnte in der Albertstraße 21, 1935 im KZ Dachau, 1936 im Strafgefangenenlager Börgermoor und wieder in Dachau, im August 1943 Tod im KZ Dachau;
• Karl Paul Griesinger, geb. 1905, von Beruf Tischler, wohnte zuletzt in der Böheimstraße 1A, kam im März 1941 ins KZ Sachsenhausen, verstorben im Oktober 1941, angeblich durch einen Infekt;
• Wilhelm Klein, geb. 1904, zuletzt wohnhaft Silberburgstraße 150, verurteilt zu 4 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus sowie 5 Jahre Ehrverlust, 1941 im Strafgefangenenlager Börgermoor, im Januar 1943 Tod im KZ Sachsenhausen.

(Informationen zu den Einzelschicksalen von Mathias Strohbach und Elke Martin von der Stuttgarter Stolpersteininitiative)

Nach offiziellen Statistiken wurden zwischen 1933 und dem Kriegsende im Mai 1945 etwa 100.000 Männer in Deutschland in §175-Gerichtsverfahren angeklagt und rund die Hälfte davon verurteilt. Nach diesem Paragraphen, den die Nazis 1935 erheblich verschärft hatten, wurden unter „Unzucht unter Männern“ auch schon einfachste oder vermutete gleichgeschlechtliche Liebesbekundungen wie Blickkontakte und Liebesbriefe verstanden und staatlich verfolgt. Erklärtes Ziel der NSDAP war es, die Homosexualität „auszurotten“. Hierzu konnten sie Jahrhunderte alte, religiöse Vorurteile über die angebliche „Unnormalität“ und „Widernatürlichkeit“ der Homosexualität instrumentalisieren und so zuspitzen, dass auch Kastrationen und Tötungen von homosexuellen Männern legitimiert wurden (1).
Wegen „§175-Verbrechen“ wurden etwa 10.000 Männer in Konzentrationslager verschleppt, mit dem "Rosa Winkel" erniedrigt, gefoltert, zu Tode geschunden und ermordet. Unter ihnen sind Bürger aus der Stuttgarter Region, über deren Schicksal bis heute in Stuttgart und im Land Baden-Württemberg kaum etwas bekannt ist.
Die „Weissenburg e. V.“, das schwullesbische Zentrum Stuttgarts, will in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der „Stuttgarter Stolpersteininitiative“ diese Verbrechen sichtbar machen.
In der von der „Initiative Gedenkort Hotel Silber“ angestrebten, dauerhaften Gedenk- und Lernstätte im Gebäude der ehemaligen Gestapo-Zentrale sehen wir eine wichtige Chance, die Politik des Totschweigen und Verdrängen des NS-Terrors gegen Homosexuelle endlich zu überwinden wie sie bislang u. a. durch eine kaum erfolgte oder gar fehlende Beteiligung an der Aufarbeitung homosexueller Schicksale aus unserer Region durch die Stadt Stuttgart, das Land Baden-Württemberg und der Geschichtswissenschaft in Stuttgart und Tübingen zum Ausdruck kommt.

Die Rolle der Stuttgarter Gestapoleitstelle bei der Homosexuellenverfolgung

Neben der Stuttgarter Kripoleitstelle wurden regionale Diskriminierungs- und Verfolgungsmaßnahmen gegen Homosexuelle von der Stuttgarter Gestapoleitstelle organisiert und durchgeführt,. Seit dem sog. „Röhm-Putsch“, bei dem 1934 u. a. der bekanntermaßen homosexuelle SA-Chef Ernst Röhm ermordet wurde, wurde die staatliche Homosexuellenerfolgung „reichsweit“ ausgeweitet und verschärft. Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei, sorgte dafür, dass diese Verfolgung straff zentralisiert und dass auch Mitarbeiter der Politischen Polizei, d. h. der Gestapo, neben der Kriminalpolizei an der NS-Unterdrückung Homosexueller beteiligt waren. Hierzu wurde 1936 die „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung“ beim Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin gegründet. Die Kombination der Bekämpfung von Homosexualität und Abtreibung in einer Reichszentrale mag heute verwundern. Damals erschien sie „rassepolitisch“ richtig, denn entsprechend der Logik nationalsozialistischer Ideologen reduzieren beide „Verbrechen“ angeblich das Wachstum der „arischen Rasse“ und gefährden die „Volksgesundheit“.
Wie die Kripoleitstelle hatten die Stuttgarter Gestapomitarbeiter und ihre dazugehörenden Zweigstellen mit dem sog. Vordruck B („Meldung über Verbrechen und Vergehen nach den § 174, 175, 175a und 176 RStGB“) der Reichszentrale die Personalien der Homosexuellen aus der Region Württemberg und dem Regierungsbezirk Sigmaringen (Beruf, Wohnort, Geburtstag und -“ort, Religion, Rasse, Familienstand, Staatsangehörigkeit) sowie die Namen ihrer Sexualpartner zu melden. Auf der Rückseite des Vordrucks war zusätzlich zu vermerken, ob und wann der Homosexuelle festgenommen und in welche Anstalt er gegebenenfalls gebracht worden war. In einer weiteren Anweisung der Reichszentrale vom 10. August 1937 wurden die Polizisten dazu verpflichtet, im Drei-Monats-Takt zu berichten, wie viele Homosexuelle ermittelt werden konnten (2). Die Zweigstellen der Stuttgarter Gestapoleitstelle wie z. B. Heilbronn/Neckar, Sigmaringen, Ulm, Friedrichshafen, Ellwangen oder Tübingen halfen dabei, auch aus der Umgebung homosexuelle Männer „aufzuspüren“. Über 90.000 Jugendliche und Männer konnte die Reichszentrale dadurch zwischen 1937 und 1940 „reichsweit“ in ihren „Rosa Listen“ registrieren. (3)
Doch bei der Bekämpfung der Homosexualität ging es nicht nur um ihre Erfassung. Durch die sog. „Schutz“haft als Instrument der Geheimen Staatspolizei und die sog. „Polizeiliche Vorbeugehaft“ als Instrument der Kriminalpolizei wurde eine dem Zugriff der Justiz entzogene Praxis der KZ-Haft eingeführt. Ab 1940 wurde aufgrund eines Erlasses von Himmler alle Homosexuelle, die mehr als einen Sexualpartner gehabt hatten, nach Verbüßung ihrer Gefängnis- oder Zuchthausstrafe in ein KZ gebracht. Auch ohne diese Anweisung waren längst vor 1940 homosexuelle Männer aus Stuttgart und anderen Städten von der Polizei in KZs verschleppt worden.
Uns liegen nur einzelne Protokolldokumente von Verhören vor, die in der Stuttgarter Gestapoleitstelle 1937 durchgeführt wurden und bei denen im Zusammenhang mit Maßnahmen gegen die Fortsetzung der bündischen Jugend jungen Männern Vergehen nach §175 vorgeworfen wurde. Aus den Dokumenten gehen in diesem Zusammenhang Verhaftungen in 1937 in Stuttgart-Degerloch, Stuttgart-Bad Cannstatt und Stuttgart-Mitte hervor (4).

Defizitäre Quellenlage -“ nicht nur Folge von NS-Vernichtungen und Kriegseinwirkungen

„Adressen und Telefonnummern ihrer Freunde lernen sie auswendig. Briefe werden sofort vernichtet.“ „Wenn hier eingebrochen wird oder uns stößt etwas zu und die Polizei kommt ins Haus -“ hier findet niemand einen Hinweis.“ -“ man könnte denken, dass der Spiegel in einem Leitartikel über die Lebenssituation Homosexueller in der Nazizeit berichtete, während es hier aber um das Jahr 1969 geht (5). Denn der §175 blieb in der Nazifassung bis 1969 bestehen. Dadurch war es den Homosexuellen nicht möglich, sich wie die anderen Opfergruppen in Verfolgtenverbänden zu organisieren, das erlebte Unrecht zu dokumentieren und eine Wiedergutmachung einzufordern. So fehlen individuelle Zeugnisse und autobiografische Mitteilungen.
Die defizitäre Quellenlage ist bezüglich der Selbstzeugnisse überlebender, homosexueller Häftlinge also alles andere als ein Überlieferungszufall. In ihr spiegelt sich die Spezifik der NS-Homosexuellenverfolgung ebenso wider wie das erschreckende Ausmaß der Kontinuität von Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller in Deutschland auch nach 1945. Diese Homosexuellenfeindlichkeit in Nachkriegsdeutschland drückte sich auch in einem weitgehenden Desinteresse der deutschen akademischen Geschichtswissenschaft an der Aufarbeitung der NS-Verfolgung Homosexueller aus (6). Dies führt dazu, dass nur wenige Dokumente bislang zusammengetragen werden konnten. So wissen wir nicht genau, wie viele Männer nach §175 in Stuttgart verurteilt wurden, wie es zu den Anzeigen gekommen ist, was mit ihnen danach geschah, wie viele z. B. in der Gestapozentrale im Hotel Silber verhört wurden und wie viele in welchen Konzentrationslagern landeten und dort starben oder auch die Naziherrschaft überlebten.

Die Erinnerung an homosexuelle Vereine und Lokale vor 33 ist in Stuttgart nahezu vollständig ausgelöscht

Umso wichtiger ist die Arbeit von Mathias Strohbach und Elke Martin von der Stuttgarter Stolpersteininitiative, die Informationen von 33 Männern, die in Stuttgart während der Nazizeit nach §175 verurteilt wurden und von sechs Männern aus Stuttgart, die im KZ landeten und dort starben, zusammengetragen haben. Die Informationen zu den Einzelschicksalen, die wir im oben stehenden Kasten hier veröffentlichen, haben sie uns für diesen Beitrag dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.
Homosexuelle kamen schlimmstenfalls nicht nur in KZs. Noch 1944 erhielt Josef W. wegen „Verbrechen nach §175 StGB“ vom „Sondergericht für den Oberlandgerichtsbezirk Stuttgart“ sogleich ein Todesurteil. Im Urteil wurde er im Nazijargon „als gefährlicher Gewohnheits- und Sittlichkeitsverbrecher“ bezeichnet. (7)
Doch wenn wir an Schicksale homosexueller Stuttgarter erinnern wollen, so geht es uns nicht nur um jene, die in KZs verschleppt oder zu Tode verurteilt wurden. Die Emanzipation der Schwulen und Lesben wurde durch den NS-Terror weit über die zwölf Jahre der Diktatur hinaus zurückgeworfen und zwang sie zur entwürdigenden Selbstverleugnung über Generationen hinweg. Die Erinnerung an homosexuelle Vereine und Lokale, die sich in Stuttgart in der Weimarer Republik entwickeln konnten, ist in unserer Stadt nahezu vollständig ausgelöscht. Kaum jemand weiß, dass sich z. B. die Ortsgruppe Stuttgart des „Bundes für Menschenrecht“ (größte homosexuelle Vereinigung der Weimarer Republik, die zeitweise 48.000 Mitglieder in Deutschland hatte) 1930 im damaligen Lokal „Zum Josefle“ in der Gutenbergstraße 50a drei Mal die Woche traf (Mittwochs, Sonnabend und Sonntags) (8). Noch im Januar und Februar 1933 warben in der homosexuellen Monatszeitschrift „Freundschaftsblatt“ Anzeigen für den Treffpunkt im „Cafe/Weinstube Lachenmaier“ (Kasernenstr. 1) und für einen „Zille-Ball“ (= Maskenball) im Saalbau „Rosenau“ (Rotebühlstr. 109b) in Stuttgart. Werden wir wohl nie erfahren können, was aus den feiernden Teilnehmern in den Folgejahren geschehen ist?

„Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft“ - Hoffnungen und Wünsche, die wir mit der angestrebten Gedenk- und Lernstätte „Hotel Silber“ verbinden

Homosexuelle Überlebende traten nur einmal kollektiv aus ihrer Isolation an die Öffentlichkeit. Acht Überlebende aus vier Ländern unterschrieben ein Memorandum, welches im Rahmen eines Programms des „United States Holocaust Memorial Museums“ am 28. Mai 1995 in Washington DC erstmals veröffentlicht wurde, in dem es u. a. heißt:
„Vor 50 Jahren wurden wir von den alliierten Truppen aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen befreit. Aber die Welt, auf die wir gehofft hatten, wurde nicht wahr.
Wir mussten uns wiederum verstecken und wurden erneuter Verfolgung ausgesetzt. (...) Einige von uns -“ gerade aus den Lagern befreit -“ wurden erneut zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. (...)  Heute sind wir zu alt und zu müde, um für die Anerkennung des an uns begangenen Unrechts zu kämpfen. Viele von uns wagten es nie, darüber zu sprechen. Viele von uns starben allein mit den qualvollen Erinnerungen. Wir haben lange, aber vergeblich auf eine deutliche politische und finanzielle Geste der deutschen Regierung und deutscher Gerichte gewartet. Unsere Verfolgung wird heute an Schulen und Universitäten kaum erwähnt. Selbst in Holocaust Museen und Gedenkstätten werden wir als verfolgte Gruppe manchmal nicht einmal genannt. Heute, 50 Jahre später, wenden wir uns an die junge Generation und an alle, die sich nicht von Hass und Vorurteilen leiten lassen wollen. Helfen Sie mit, sich mit uns zusammen gegen eine noch immer von Vorurteilen geprägte und unvollständige Erinnerung der nationalsozialistischen Verfolgung von Homosexuellen zu wehren. Lassen Sie uns das an Juden, Roma und Sinti, Zeugen Jehovas, Freimaurern, Behinderten, polnischen wie russischen Kriegsgefangenen, Homosexuellen und vielen anderen begangene Unrecht nie vergessen. Lassen Sie uns aus der Geschichte lernen und die jüngere Generation von homosexuellen Frauen und Männern, Mädchen und Jungen dabei unterstützen, ihr Leben im Gegensatz zu uns in Würde und Respekt zusammen mit ihren Partnern, Freunden und Familien führen zu können. Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft.“ (9)
In diesem Sinne wollen wir uns von der „Weissenburg e. V.“ nach Kräften an der „Initiative Gedenkstätte Hotel Silber“ beteiligen. Uns ist in Baden-Württemberg keine einzige Gedenkstätte bekannt, bei der die NS-Verfolgung Homosexueller in der Stuttgarter Region seitens der Stadt Stuttgart oder des Landes Baden-Württemberg eine Erwähnung findet. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Politik des Totschweigens und Verdrängens des NS-Terrors gegen Homosexuelle endlich beendet wird und dass die angestrebte Gedenkstätte im Gebäude der ehemaligen Gestapoleitstelle neben den anderen Opfergruppen auch an die Schicksale Homosexueller aus der Stuttgarter Region erinnert. Wir verbinden mit dieser Initiative für eine Gedenkstätte mitten im Zentrum der Stadt Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg die Hoffnung, dass die weitere Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit unserer Stadt und unseres Landes Baden-Württemberg einen höheren Stellenwert bekommt und die bisher kaum erfolgte oder gar fehlende Beteiligung an der Aufarbeitung des Schicksals Homosexueller aus unserer Region durch die Stadt Stuttgart, das Land Baden-Württemberg und durch die Geschichtswissenschaft in Stuttgart und Tübingen mit diesem Projekt überwunden werden kann, so dass u. a. auch folgende Forschungsaufgaben angegangen werden können:


• Die Namenslisten von Rosa-Winkel-Trägern aus verschiedenen Konzentrationslagern, in denen wir Häftlinge aus Stuttgart vermuten (z. B. dem Stuttgart nahgelegenen KZ Natzweiler), örtlich und familiär zuzuordnen.
• die Recherche nach Zeitungsausschnitten zum Thema in der lokalen Presse,
• die weitere Recherche nach der homosexuellen Infrastruktur (Vereine, Lokale etc.), die sich in Stuttgart während der Weimarer Republik entwickeln konnte
• sowie die Auswertung sämtlicher verfügbaren, gerichtlichen Unterlagen von §175-Verfahren in Stuttgart bis 1969.

Wir wünschen uns insbesondere, dass durch diese Gedenkstätte Schulklassen dazu angeregt werden, sich mit dieser Vergangenheit zu beschäftigen. Denn bis heute ist das Thema Liebens- und Lebensvielfalt und dabei die gleichgeschlechtliche Liebe meist kein Thema im Unterricht, aber dennoch immer wieder Thema im Schulalltag in Form von Mobbing und Beleidigungen. Schimpfwörter wie „Schwule Sau“ gehören noch immer in vielen Stuttgarter Schulen zum Schulalltag und werden allzu oft von Schulleitungen passiv und als relativ „normal“ hingenommen (10). Wir hoffen mit unserer Erinnerungsarbeit eine bejahende Einstellung zur Vielfalt von SchülerInnen, LehrerInnen und von allen Menschen fördern zu können, egal ob es um die Merkmale „Gender“, „ethische Herkunft“, „Behinderung“ oder „sexuelle Orientierung“ geht. Denn diese positive Einstellung halten wir sowohl für jede/n Einzelne/n als auch für das Klima in der Schule und in der gesamten Gesellschaft für sehr wichtig. Neonazis und faschistische Einstellungen hingegen dürfen in Deutschland und weltweit nie wieder eine Chance erhalten.

Wir bedanken uns bei Suse Enchelmayer, Elke Martin, Dieter Salwik und Mathias Strohbach, die uns bei der Erstellung dieses Beitrags geholfen haben.

P.S. Wer das Projekt „Rosa Winkel“ unterstützen möchte, kann sich an Ralf Bogen wenden und auf das Konto des Weissenburgzentrums mit dem Vermerk „Rosa Winkel“ Spenden überweisen (BW Bank, Kontonr.: 2455206, BLZ 60050101).

Fußnoten:

(1) Zur Rolle der Kirche bei der NS-Verfolgung von homosexuellen Menschen nahm die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg in einer Erklärung vom 2.08.1991 wie folgt Stellung: „Die Ausgrenzung homosexuell geprägter Menschen hat in unserer Gesellschaft eine lange, leidvolle Geschichte. Wir bedauern, dass daran auch die christliche Kirche eine erhebliche Mitschuld trägt. Das Schweigen von Christen in der Nazizeit zu der Ermordung Homosexueller in den Konzentrationslagern ist ein Teil dieser Mitschuld. Deshalb haben wir allen Anlass, aus dieser Geschichte zu lernen. Toleranz ist geboten, gerade auch gegenüber dieser Minderheit.“ (zitiert nach: „Homosexualität in der NS-Zeit -“ Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung“, Grau, Frankfurt 1993)
Den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam liegen in großen Teilen die ca. 5000 Jahre alten fünf Bücher Moses gemeinsam zugrunde, die zum ersten Mal homosexuelles Empfinden als unnormal und widernatürlich thematisiert haben. Insbesondere nach der „Schöpfungsgeschichte“, die sich um Adam und Eva dreht, hätte Gott bzw. Allah den Menschen zweigeschlechtlich und ausschließlich heterosexuell angelegt. Homosexuelles Empfinden sei demnach eine „Abweichung“ von einer angeblich „gottgewollten“ Norm, was unter Berücksichtigung moderner human- und naturwissenschaftlicher Befunde längst widerlegt ist. Diese diskriminierenden Aussagen können nicht mehr als allgemeingültiges „Gottes/Allahs Wort“, sondern lediglich als historisches Produkt eines zeitgebundenen „Gottes-/Allahs-Verständnisses“ gewertet werden (siehe hierzu auch die Broschüre „CSD Stuttgart 2008 -“ „Ich glaube“ -“ Verweigerte Grußworte -“ Eine Analyse, herausgegeben von der Weissenburg e. V., Stuttgart 2008)

(2) Siehe „Homosexuelle unter dem Hakenkreuz“ von Jellonek, Paderborn 1990, S. 123ff

(3) Nach „Homosexualität in der NS-Zeit -“ Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung“, Grau, Frankfurt 1993, S. 171

(4) Die Dokumente wurden veröffentlicht in einem Beitrag von Herzer in „Capri“ -“ Zeitschrift für schwule Geschichte, Februar 2008, Nr 40, herausgegeben vom Schwulen Museum Berlin 2008. Sie basieren auf einen Aktenfund im Landesarchiv NRW Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Zweigstelle Kalkum unter dem Titel „Akten in der Strafsache gegen Zwiauer + And.“, Gerichte, Rep. 17 Nr. 292-295. Die Akten sind in vier Bündel geordnet, wobei die ersten drei Dokumente der Voruntersuchungen und des Verfahrens vor dem Sondergericht Stuttgart enthalten.

(5) „§175: Das Gesetz fällt -“ bleibt die Ächtung?“ aus „Der Spiegel“, Nr. 20, 1969, S. 62 -“ zitiert nach: NS-Terror gegen Homosexuelle, Jellonnek/Lautmann, Paderborn 2002, S. 405.

(6) Siehe auch „Vergesssen und unterschlagen? Die Darstellung des Schicksals homosexueller Häftlinge in den deutschen KZ-Gedenkstätten“, Thomas Rahe, veröffentlicht in „Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle“ von Jellonnek/Lautmann, Paderborn 2002, S. 361f.

(7) Herr Endemann hat uns dieses Todesurteil vom 20.06.1944 für unsere Arbeit zur Verfügung gestellt. Er hat sich vorgenommen, die NS-Strafjustiz und die gefällten Terrorurteile durch alle Gerichtsbarkeiten im damaligen Württemberg um eines Stückes nachgeholter Gerechtigkeitswillen gegenüber den ermoderten und gequälten Menschen aufzudecken, wofür wir ihm sehr dankbar sind

(8) Siehe „Blätter für Menschenrecht“ -“ Offizielle Monatsschrift des Bundes für Menschenrechte e. V., Sitz Berlin, Nr. 6 / Juni 1930, Adressen-Verzeichnis des Bundes für Menschenrechte e. V. - Eigenrecherche im Schwulen Museum in Berlin, wo wir sämtliche dort verfügbaren überregionalen homosexuellen Zeitschriften der Jahrgänge 1928-1933 durchgegangen sind.

(9) Zitiert nach: „Totgeschlagen, totgeschwiegen? Das autobiographische Zeugnis homosexueller Überlebender“, Klaus Müller, veröffentlicht in „Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle“ von Jellonnek/Lautmann, Paderborn 2002, S. 416. Die Opfer des §175 in der NS-Zeit wurden erst 2002 gesetzlich rehabilitiert, was die meisten KZ-Überlebenden nicht miterleben konnten. Die Opfer des Nazi-Paragraphen 175, die nach 1945 verurteilt wurden, und das waren allein in der Bundesrepublik zwischen 1950 und 1969 über 44.000 homosexuelle Männer, sind noch immer nicht rehabilitiert und haben bis heute keinerlei Entschädigung erhalten.

(10) Siehe hierzu „Schule ohne Homophobie -“ Schule der Vielfalt“: www.schule-der-vielfalt.de. Dort heißt es „Schätzungen zufolge sind zwischen 5 bis 10 % aller Menschen lesbisch oder schwul. Das heißt: In jeder Schulklasse sitzt mindestens eine lesbische Schülerin oder ein schwuler Schüler, und in jedem Kollegium gibt es lesbische Lehrerinnen und schwule Lehrer sowie bisexuelle Jugendliche und Erwachsene. Lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche erleben in ihren Schulen Beschimpfungen, Beleidigungen und körperliche Gewalt. Die Mehrzahl der Lesben und Schwulen wusste vor dem 18. Lebensjahr, dass sie lesbisch oder schwul sind. Mehr als die Hälfte versuchte dies aber in der Folge zu verleugnen oder zu verbergen. Dies ist mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden, die sich u. a. in einer vier bis siebenfach höheren Suizidrate von lesbischen und schwulen Jugendlichen äußern. (Studien der Senatsverwaltung Berlin 1999 und des Sozialministeriums Niedersachsen 2001).“

毛澤東 / 毛泽东

"Unsere Dogmatiker sind faule Kerle, die jede mühselige Forschungsarbeit an konkreten Dingen ablehnen; sie betrachten die allgemeinen Wahrheiten als etwas vom Himmel Gefallenes, verwandeln sie in unfaßbare, rein abstrakte Formeln, negieren total die normale Reihenfolge der Erkenntnis der Wahrheit durch den Menschen und stellen sie auf den Kopf. Ebensowenig verstehen sie die wechselseitige Verbundenheit zwischen den beiden Prozessen der menschlichen Erkenntnis: vom Besonderen zum Allgemeinen und vom Allgemeinen zum Besonderen. Sie verstehen überhaupt nicht die marxistische Erkenntnistheorie."

Mao Tse-Tung
, in: Über den Widerspruch: III. Die Besonderheit des Widerspruchs

Was mir heute wichtig erscheint #117

Befreiung: Es ist eine der spektakulärsten Geiselnahmen der Neuzeit, die uns seit Tagen in Atem hält. Mit ungeahnter Dreistigkeit war eine schwerbewaffnete Gruppe in ein Unternehmen eingedrungen, das man vor solchen Attacken sicher glaubte. Nachdem sie den Werkschutz kampflos ausgeschaltet hatte, nahm sie unzählige Personen als Geiseln. Wie viele in der Hand der Geiselnehmer sind, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ungeklärt. Man muss jedoch davon ausgehen, dass sich über 20.000 Personen in der Gewalt der Kidnapper befinden. Weiterlesen bei Wolf Wetzel. Siehe auch den Beitrag "Opel -“ alles in den Strohsack, oder was?". Peter Nowak: "Durchbruch in der Opelrunde". War klar: Der Opel-Mutterkonzern General Motors wird US-Medien zufolge am Montag Insolvenz anmelden.

Verdrängung: Der DGB hat zu dem „bedeutsamsten Instrument der Arbeitsmarktpolitik“ eine Studie herausgegeben. Aus der Studie wird deutlich, dass 45 % der Ein-Euro- Jobs im Bereich regulärer Arbeitsbereiche eingesetzt werden und somit reguläre Arbeitsverhältnisse verdrängen.

Mehrwertsteuererhöhung: Der "Verbraucher" soll nun die Krisenzeche mit einer Mehrwertsteuerehöhung auf 25% zahlen. Das fordert der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann. Irgendwoher muss die Asche ja kommen: "Jetzt wurden die neue Schuldenaufnahme für 2009 wieder um 10 Milliarden auf 47,4 Mrd. erhöht, wahrscheinlich werden das noch 80 Mrd., sagt Steinbrück, 2010 90 Mrd. und bis 2013 noch 300 bis 350 Mrd.. Dabei sind die 120 Mrd., die schon an die Banken gingen (oder mehr) und 3 Rettungspakete für die Konzernaktionäre über 200 Mrd. gar nicht eingerechnet, sie werden nicht über den Staatshaushalt gebucht." (Norbert Nelte in Linkezeitung) Aber das ist sicher nur linkes Gejammer. Denn die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, Carmina Brenner, rechnet im zweiten Halbjahr mit einem Anziehen der Konjunktur. Die andauernde wirtschaftliche Talfahrt habe sich zwar im ersten Quartal 2009 verstärkt fortgesetzt, erklärte Brenner am Freitag in Stuttgart: "Allerdings gibt es Anzeichen für eine allmähliche Stabilisierung."

Propagandadelikt: Wie die "taz" berichtet bietet der Onlinehändler Amazon zahlreiche Bücher des NPD-Verlags "Deutsche Stimme" (DS) an. Unter den 29 Büchern finden sich Titel wie "Soldaten wie andere auch: Der Weg der Waffen-SS" oder "Polen - nicht nur Opfer: Die Verschwörung des Verschweigens". Auch eine modifizierte Auflage des "Handbuchs für Patrioten und nationale Aktivisten" mit dem Namen "Funkenflug" ist bestellbar, das laut Netz-gegen-Nazis.de in Deutschland wegen Volksverhetzung verboten war.

Gesinnungspolitik:
Im Düsseldorfer Oberlandesgericht wurden einige ProzessbeobachterInnen des §129b-Verfahrens gegen Faruk Ereren für das stille Erheben der Faust, als Zeichen der Solidarität mit dem Angeklagten, im Keller des Prozessgebäudes von ca. 15 Justizbeamten bei gelöschtem Licht zusammengeschlagen. Danach wurden sie dem Richter vorgeführt, der ihre offensichtlichen Verletzungen ignorierte und 100 Euro Bußgeld pro Kopf wegen „Störung des Prozesses“ verhängte.

Strafbefehl:
Bundesangie's Forderung, die Bürger müssten sich den Rechten entgegen stellen, klingelt mir immer noch in den Ohren. Ok, das ist ja auch schon eine Weile her. Mit welchen behördlichen Schikanen gegen zivilgesellschaftliches Engagement in Gräfenberg sich die dortigen Antifaschisten auseinandersetzen müssen, thematisiert die "Sueddeutsche". Kein Problem haben die NPD Agenten im hat der  bayerische Verfassungsschutz dagegen mit den Kriminalisierungsbemühungen desgegen das Archiv-Projekt aida in München. Demnächst dürfen die Vollpfosten wohl auch Online-Durchsuchungen vornehmen.

Turboverarmung: Die Wirtschaftskrise tötet nach Schätzungen der Weltbank 400 000 Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Die "Zeit" berichtet, dass in vielen Ländern der Welt die Armut durch die Krise dramatisch gestiegen sei. Dadurch habe sich die Ernährungs- und Gesundheitslage deutlich verschlechtert.

Delirium: Große Ernüchterung nach der Revision des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Vereinigten Staaten für das erste Quartal 2009: Der Konsum der amerikanischen Haushalte und der Lagerabbau fielen in den ersten drei Monaten des Jahres schwächer aus als gedacht. Das weckt Befürchtungen, dass die Amerikaner sich trotz zahlreicher Regierungsprogramme mit dem Shopping zurückhalten, und die Industrieprodukten auch in den kommenden Monaten auf niedrigem Niveau verharren wird.

Gesundheitskarte:
Das Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V. beschäftigt sich seit Herbst 2005 mit den Implikationen der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Zur Stellungnahme.

Atheismus:
Wie Hanno berichtet, startete Samstag in Berlin die atheistische Buskampagne ihre Tour quer durch das Land. Er schreibt: "Die Buskampagne war ursprünglich eine in England entstandene Idee, auf öffentlichen Verkehrsmitteln atheistische Werbung zu schalten. Nach der Aktion in England gab es in vielen anderen Ländern Initiativen für ähnliche Aktionen. Bemerkenswerterweise hatte die Aktion in Deutschland deutlich mehr Schwierigkeiten, ihr Ansinnen durchzuführen: Alle öffentlichen Verkehrsbetriebe sagten ihr mit geradezu absurdenBegründungen ab. (...)" Am 10. 6. werden Karlsruhe und Stuttgart angefahren.

Tsunami: Auf der Google I/O Developers Conference stellte Google ein neues Konzept für eine Art von interaktiver E-Mail vor. Es soll eine Mischungaus E-Mail, interaktiven Chatrooms und einem flexiblem Nutzerrechte-Management sein. Sie bezeichnen Google Wave als "Kommunikations- und Zusammenarbeits-Werkzeug". Die Software, die sie schon seit zwei Jahren intern entwickeln, soll im Laufe der nächsten Monate als Open-Source Code veröffentlicht werden. (Via Gulli)

Hungertuch: Die Finanz- und Wirtschaftspolitik der US-Regierung kommt den Bürgern teuer zu stehen. Allein 2008 stieg die Staatsverschuldung um 12 Prozent an, was jeden Haushalt mit weiteren 55.000 Dollar belasten würde. Persönlich sind die Amerikaner pro Haushalt mit "nur" 141.953 US-Dollar verschuldet, wovon fast 90.000 auf Hypotheken und 22.000 auf Privatkredite gehen. Eine Zusammenfassung von Florian Rötzer bei telepolis

Deportation: Am Montag, 8.Juni 2009 sollen mit einer AirBerlin Maschine, gechartert von der Bundespolizei, über 100 Menschen vom Flughafen Schönefeld nach Vietnam abgeschoben werden. Sie kommen aus Deutschland und Polen. Die Abschiebung wird von der Grenzschutzagentur FRONTEX koordiniert. Das soll verhindert werden. Siehe auch: Klima, Flucht, Flughafen -“ Diskussionsforum in Offenbach

Föhrer: Pastörs, sie galanter Fuchs! Ich verleih ihnen gleich das Mutterkreuz in Rosa - NNN - Neueste Nationale Nachrichten