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»Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von Leuten, die sich kennen, aber nicht massakrieren.« Paul Valéry

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: Die Halbstarken

Der Flyer zum Filmabend zeigt neben den Angaben zum Film in Kurzfassung ein verfremdetes Foto einer Kinoreklametafel mit dem historischen Filmplakat mit Karin Baal und Host Buchholz. Der Flyer ist Blutrot mit schwarzem Kontrast gehalten

„Die Halbstarken“ skizziert den gesellschaftlichen Konflikt zwischen der kleinbürgerlichen Welt der spießigen Adenauer-Gesellschaft, sowie den an US-amerikanischen Vorbildern orientierten Jugendlichen aus Rock´n´Roll, neuen Klamotten etc. Alles was provokant wirken mußte, war beliebt und gegen die restriktiven Forderungen und preußischen Ideale wie gegen jede Ordnung, Disziplin, bedingungslose Unterordnung unter Autoritäten, der "Alten".

"Halbstarke" wurden in der BRD ab der 1950er Jahre fast überwiegend nur männliche Jugendliche aus der Arbeiterklasse bezeichnet, die durch ihr provokantes Verhalten, Lederjacken, Jeans, aufgemotzte Mopeds und besonders Rock'n'Roll gegen die bürgerliche Normen rebellierten. Ihre Krawalle prägten da ein neues, subkulturelles Jugendbild. Eine neue, von "Alten" als "verdorben" oder "Rowdy" wahrgenommene Generation. Während die post-nationalsozialistische westdeutsche Filmindustrie Produktionen wie "Hunde, wollt ihr ewig leben", "Division Brandenburg" oder "So war der deutsche Landser" auf den Markt bringt, stürmen die Jugendlichen in Filme mit amerikanischen Rebellen wie Marlon Brando ("Der Wilde", 1953, "Die Faust im Nacken"1954, James Dean, "... denn sie wissen nicht, was sie tun"1955, "Jenseits von Eden" 1955, "Giganten", 1956) Der Film ist lediglich ein kleiner Einblick, mit Ausschnitten in den westdeutschen/westberliner Nachkriegsalltag, mit rebellierenden jugendlichen gegen Zucht, Ordnung+Spießigkeit.

Der Film wurde im Juli und August 1956 in Westberlin gedreht.

Schwarzweißfilm von Georg Tressler, 92 Minuten

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


 

Wenn sie auf dem „Torment Nexus“ bestehen oder: Dein Auto sollte dich nicht ins Gefängnis fahren

Vor ein paar Wochen hat ein selbstfahrendes Taxi der Marke Waymo in San Mateo, Kalifornien, zwei Kinder in die Hände der Polizei gebracht. Die Maschine stellte fest, dass ihre beiden 15-jährigen Fahrgäste Alkohol tranken und mit Spielzeugwaffen herumschossen, also alarmierte sie die Polizei, fuhr von selbst auf einen Parkplatz und schaltete sich aus. Die Kinder wurden daraufhin von den bewaffneten Männern (und möglicherweise Frauen) festgenommen, die gnädigerweise beschlossen, die Teenager nicht hinter Gitter zu stecken, sondern sie ihren Eltern zurückzugeben. Diesmal.

Fast jeder Artikel, den ich zu diesem Thema gelesen habe, will unbedingt betonen, dass die Kinder nicht im Auto eingesperrt waren, dass sie frei waren, zu gehen. Dass es den beiden Fünfzehnjährigen freistand, von einem beliebigen Parkplatz aus zu gehen, Gott weiß, wie weit von zu Hause entfernt. Als ob das alles in Ordnung machen würde.

Und ich habe viele Artikel über den Vorfall gelesen, weil mich mindestens ein Dutzend Leute in den Beiträgen getaggt oder mir Nachrichten dazu geschickt haben. Denn 2015 veröffentlichte Vice eine Kurzgeschichte von mir namens One Star, in der es um einen nicht-binären Graffitikünstler geht, der in einem selbstfahrenden Taxi gefangen ist, das beschließt, ihn ins Gefängnis zu fahren. Es ist eine kurze Lektüre, kaum länger als mein durchschnittlicher Newsletter.

Ich kam mir damals, als ich sie schrieb, richtig clever vor. Die Idee dazu kam mir, als ich mit ein paar Freunden in dem Van, in dem ich früher gewohnt hatte und den ich „Leviathan“ getauft hatte, quer durch das Land reiste. Weil er gigantisch war und die Zivilisation verkörperte.

Selbstfahrende Autos befanden sich zu diesem Zeitpunkt gerade mal in der Proof-of-Concept-Phase, aber ich erklärte, dass ich es toll fände, wenn „Leviathan“ von selbst fahren könnte – wenn ich einfach hinten in meinem eigenen Bett schlafen könnte, während mein Van mich dorthin bringt, wo ich hinwollte.

„Wenn sie selbstfahrende Autos erfinden, werden sie die Leute einfach ins Gefängnis fahren. Das weißt du doch, oder?“, sagte mein Freund zu mir.

Ich hatte keine Antwort für ihn, denn er hatte recht. Es gab nie eine Chance, dass eine Strafgesellschaft wie die USA selbstfahrende Autos als etwas anderes entwickeln würde als eine Erweiterung der sozialen Kontrolle und der Strafjustiz.

Also schrieb ich eine Geschichte darüber, verkaufte sie an Vice und versuchte seitdem, nicht zu viel darüber nachzudenken.

Zehn Jahre später wurde diese Geschichte wahr.


Im Jahr 2021 twitterte der „The Onion“-Autor Alex Blechman:

Der Screenshot zeigt den Tweet von Alex Blechman
Sci-Fi-Autor: In meinem Buch habe ich den „Torment Nexus“ als warnendes Beispiel erfunden. 
Tech-Unternehmen: Endlich haben wir den „Torment Nexus“ aus dem klassischen Sci-Fi-Roman „Don’t Create The Torment Nexus“ geschaffen.

Seitdem ist „Torment Nexus“ zum Synonym für die schrecklichen Dinge geworden, die Menschen (vor allem diejenigen, die Tech-Unternehmen leiten) tun und die von den schlimmsten dystopischen Vorstellungen von Science-Fiction-Autoren inspiriert zu sein scheinen.

Alex Blechman sprach konkret davon, wie Facebook seinen Namen in Meta änderte und versuchte, das Metaversum zu entwickeln – inspiriert vom Metaversum aus dem dystopischen Cyberpunk-Unternehmensroman Snow Crash von Neil Stephenson. Ich denke, das „Torment-Nexus“-typischste Beispiel für dieses Phänomen ist Palantir, das durch und durch böse Überwachungsunternehmen, benannt nach den Geräten, die von den durch und durch bösen Bösewichten aus Der Herr der Ringe verwendet werden.

Wenn wir ganz genau nehmen, halte ich das Waymo-Gefängnis-Taxi nicht für einen echten „Torment-Nexus“-Moment, denn ich bin nicht so überheblich zu glauben, dass selbstfahrende Taxis – oder ihre Fähigkeit, straffällige Jugendliche in die Hände der Polizei zu liefern – von meinen Texten inspiriert wurden.

Stattdessen habe ich mich einfach als hellsichtig erwiesen, und zwar nicht auf eine Art, die sich gut anfühlt.

Ich will den „Torment Nexus“ nicht.

Was wäre, wenn wir stattdessen alle Hron aufbauen würden, aus Margaret Killjoys erfolgreichem utopischem Roman aus einer fiktiven Welt, Please Build the Country of Hron? (Na ja, eigentlich heißt er A Country of Ghosts.)


Wir rutschen immer schneller in einen Albtraum, den niemand – außer den Machthabern – will. Wir wollen keine Flock-Kameras, die jede unserer Bewegungen verfolgen. Wir wollen unser Denken nicht einer aufgeblasenen Autovervollständigung überlassen, die die Bücher dieser Welt zerstört.

Wir wollen den Klimawandel bekämpfen. Wir sehen Städte in Flammen oder unter Wasser, und manchmal sind das unsere eigenen Städte. In der vergangenen Woche wurden in Frankreich und Spanien eine Drittelmillion Menschen durch die dortigen Brände vertrieben, und entweder du oder jemand, den du kennst, hat diesen Sommer bereits miterlebt, wie das Stromnetz unter der Last von Hitzewellen und Hitzekuppeln zu kämpfen hatte.

Die Bewegung gegen Rechenzentren ist wahrscheinlich die Bewegung, die am ehesten in der Lage ist, uns über kulturelle Grenzen hinweg in diesem Land zu vereinen. Während die traditionellen Medien mit dem kometenhaften Aufstieg von Rechenzentren und KI als Infrastruktur prahlen, würden wir alle es lieber sehen, wenn diese Anstrengungen in die Nachrüstung von Wohngebäuden für Energieeffizienz, Kühlung und Rauchfilterung fließen würden. Denn „wäre es nicht toll, wenn eine Website dir ein kleines Lied vorsingen könnte“ fühlt sich im Moment viel weniger wichtig an als „Ich möchte nicht zusehen müssen, wie meine Liebsten am Rauch der Waldbrände ersticken.“

Die einzige stromfressende Infrastruktur, über die wir uns gerade Gedanken machen müssen, ist die Klimaanlage.

Dazu habe ich nicht viel zu sagen, was über eine Aneinanderreihung von Schimpfwörtern hinausgeht.

Und unsere Autos sollten uns nicht ins Gefängnis fahren. Ich wünschte, wir könnten selbstfahrende Autos haben, aber der Strafvollzugsstaat und der Kapitalismus sind der Grund, warum wir keine schönen Dinge haben können.

Ich bin nicht gegen Technologie, zumindest nicht im abstrakten Sinne. Aber Technologie ist nicht neutral; sie wird innerhalb von Gesellschaften entwickelt und umgesetzt. Die ursprünglichen Ludditen hassten nicht die Idee von Maschinen, sie hassten die Vorstellung, dass ihre Lebensgrundlage durch Maschinen zerstört wurde. Textilarbeiter hatten zuvor in Häuschen gearbeitet – einer buchstäblichen Heimindustrie –, wurden aber plötzlich zu ersetzbaren Rädchen im industriellen Getriebe der Städte. Es ist nicht so, dass alle Arbeiter ihre Jobs verloren hätten, sondern dass ihre Arbeit von der Würde des Handwerks in das Elend der industriellen Produktion abglitt.

Und heute Morgen zitierte die New York Times einen KI-Arsch, der meinte, KI werde „das Zehnfache der industriellen Revolution mit zehnfacher Geschwindigkeit“ bringen.

Nun bin ich glücklicherweise ein kleiner KI-Optimist. Das heißt, ich glaube, dass sie zusammenbrechen und scheitern wird, anstatt diese gewaltigen, weltverändernden Dinge zu vollbringen, die keiner von uns will. Wahrscheinlich wird sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Aber wenn nicht, nun, dann gibt es bereits jetzt eine Revolte, und diese Revolte wird wachsen.

Und wenn sie auf dem „Torment Nexus“ bestehen, können wir uns weigern, ihn zu bauen.

Und wenn sie ihn trotzdem bauen, können wir ihn zerstören.

Quelle: „When They Insist Upon the Torment Nexus or: your car should not drive you to jail“ von Margaret Killjoy, 29. Juli 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Operación Estrella - 30. Juli 1971: Die größte Flucht aus einem Frauenknast in der Geschichte

Die Collage zeigt die 38 Frauen, zusammengestellt aus Pass- oder Fahndungsfotos

38 Frauen des Movimiento de Liberaciön Nacional-Tupamaros (MLN-T)- aus dem Cabildo Gefängnis in Montevideo, Uruguay, brachen in der Nacht des 30. Juli 1971 aus dem FGefängnis aus. Inspiriert von der Nutzung der Kanalisation in Warschau durch den jüdischen Widerstands gegen das Nazi-Regime, entstand die Idee, für den Ausbruch das Abwassersystem Montevideos zu nutzen. Es wurden zwei Tunnel gebaut: einen vom Gefängnis bis zu den Abwasserkanälen u. einen von dort zu einem nahen Haus, das von der Gruppe gemietet worden war. Die Ausgrabung der Tunnel (jeweils 18 Meter lang, 1,20 ‚hoch und 80 cm breit) dauerte etwa fünf Monate...

1994 erschien ein Buch von Graciela Jorge Pansera im Verlagshaus Tupac Amaru Ediciones: Historia de 13 palomas y 38 estrellas: las fugas de la cárcel de mujeres ( ISBN 978-9974-41-025-1). Im Jahr 2018 veröffentlichte Josefina Licitra das Buch "38 estrellas: La mayor fuga de una cárcel de mujeres de la historia (Los Tres Mundos)".

Siehe auch: De 13 Palomas y 38 Estrellas. Die Gefängnisausbrüche der Tupamaras in den 1970er Jahren in Uruguay von Elisabeth Pütz in: Arbeitspapiere zur Lateinamerikaforschung, Ausgabe II-16

  1. Marta Teresita Avella Lucchini
  2. Susana Alberti Alé
  3. Sandra Verónica Angeleri Chamorro
  4. Noemí Lydia Alonso Firpi
  5. Alba Mabel Antúnez Nieto
  6. María del Carmen Beretta Curi
  7. Carmen Teresa Bonilla Bravo
  8. Griselda Borges Saravia
  9. Olga Cairello Pérez
  10. Cristina Cabrera Laport
  11. Águeda Susana Carli Alaniz
  12. Ana Elena Casamayou del Pino
  13. Adriana Iris Castera Morales
  14. Graciela Darré Francia
  15. Raquel Margarita Dupont Olivera
  16. Edda Fabbri
  17. Mirtha Ercilla Fernández Pucurull
  18. Myriam Raquel Fernández Márzico
  19. Santa Nélida Fontora Santos
  20. Xenia Itté González
  21. Graciela Nelly Jorge Pansera
  22. Telma Juárez Beli
  23. María Teresa Labrocca Rabellino
  24. Yessie Arlette Macchi Torres
  25. Lía Margarita Maciel Rodríguez
  26. Nora Maneiro Mancilla
  27. Edith Moraes Alves
  28. Sonia María Mosquera Villamil
  29. Virginia Amanda Oliveri González
  30. Martha Lorelley Pallas Silveira
  31. Rosa Rebollo Pereira
  32. Alicia Rey Morales
  33. Stella Myrna Saravia Rivera
  34. Stella María Sánchez Mendoza
  35. Lucía Topolansky Saavedra
  36. María Elia Topolansky Saavedra
  37. Elida Valdomir Coelho
  38. Esther Carmen Uribasterra Matas
Besten Dank an H. für Information, Bilder und Erinnerung.

EINTOPF braucht eure Unterstützung!

Das SharePic für die Kampagne zeigt eine Gießkanne, die einen Blumentopf gießt. Dazu die Logos des IT Kollektivs und von Eintopf.info überlagert vom Text "Let's go, let's grow Deine Unterstützung für digitale Souveränität Klasse & Methode e.V. liebt und lebt digitale Commons*: Wir betreiben Eintopf Stuttgart und weitere kostenlose Dienste für viele lokale Gruppen. So viele, dass ein neuer Server her muss, da der alte aus allen Nähten platzt.".

Klasse & Methode - IT Kollektiv Stuttgart betreibt seit einigen Jahren den Veranstaltungskalender EINTOPF Stuttgart wo wir unabhängig von Big-Tech unsere Events veröffentlichen können. Das schafft Autonomie von der Willkür der Konzerne ob und wie viel wir auf deren Plattformen stattfinden dürfen. Auf EINTOPF wird unsere Reichweite nicht beschränkt, wenn unsere Inhalte nicht in den Algorithmus passen.

Jetzt braucht Klasse & Methode einen neuen Server, und wir möchten euch bitten die Finanzierung mit einer Spende zu unterstützten, falls ihr könnt. Alle Infos gibt’s auf der Crowdfunding-Seite.

 


 

92. Todestag von Nestor Machno

Nestor Machno, 1921 Fotograf* unbekannt
Nestor Machno, 1921 Fotograf* unbekannt

"Je mehr sich ein Mensch durch Reflexion seiner unterwürfigen Lage bewusst wird, desto empörter wird er, und desto stärker wächst in ihm der anarchistische Geist der Freiheit, der Entschlossenheit und des Handelns. Das gilt für jeden Einzelnen, ob Mann oder Frau, auch wenn er oder sie das Wort „Anarchismus“ vielleicht noch nie zuvor gehört hat..."

Nestor Machno, Der Kampf gegen den Staat und andere Aufsätze.

Am 25. Juli 1934 starb Nestor Iwanowitsch Machno, Gründungsmitglied der Revolutionären Aufstandsarmee der Ukraine während der Russischen Revolution von 1917, im Alter von 44 Jahren im Exil in Paris an Tuberkulose. Seine Miliz, die als Machnowisten bezeichnet wurde, besiegte die konterrevolutionäre Weiße Armee von General Denikin, richtete Antisemiten hin und verteilte Land und Macht an die Arbeiter und Bauern. Nachdem sie von den Bolschewiki verraten worden waren, versuchten sie anschließend, die Revolution in der Ukraine gegen die Rote Armee zu verteidigen, bis sie schließlich von einer übermächtigen Streitmacht überwältigt wurden.

Makhno nimmt in der Geschichte des Anarchismus einen besonderen Platz ein. In den Gebieten, die die Aufständischen der Anarchistischen Schwarzen Armee verteidigten, lebten von 1918 bis 1921 Millionen von Menschen in einer staatenlosen Gesellschaft. Er zeigte, wie es möglich ist, sich allen Formen von Hierarchie und Unterdrückung zu widersetzen und in einer völlig freien, kooperativen Gesellschaft zu leben.

Emma Goldman zufolge „war es Makhnos Ziel, im Süden eine libertäre Gesellschaft zu errichten, die als Vorbild für ganz Russland dienen sollte“. Interessanterweise merkte Trotzki einmal an, dass er und Lenin mit dem Gedanken gespielt hätten, Makhno zu diesem Zweck das Gebiet zu überlassen, doch das Vorhaben scheiterte, als in der Ukraine Kämpfe zwischen den anarchistischen Guerillas und den bolschewistischen Truppen ausbrachen.

•    *Es ist bemerkenswert, dass eine Reihe von Veteranen seiner Aufständischen Armee 1936 tatsächlich in die Durruti-Kolonne ging, um dort zu kämpfen. Wie passend also, dass spanische CNT-Genossen finanzielle Unterstützung leisteten, als Machno todkrank an Tuberkulose in einem Pariser Krankenhaus lag.

•    Nestor Machno – Die anarchistische Revolution:

•    Keine politischen Parteien, keine Diktaturen, kein Staat, Arbeiterräte an der Basis … Machnowia: Aufbau des Anarchismus im Bürgerkrieg. Dieses Video ist eine Geschichte des freien Gebiets in der Ukraine während des russischen Bürgerkriegs, das manchmal als Machnowia oder Machnowtschina bezeichnet wird. Es handelte sich um eine riesige anarchistische Region in der Ukraine, an der Millionen von Menschen beteiligt waren und die von der Schwarzen Armee verteidigt wurde:


Mit Hand und Fuß oder: Bei einem Computerjob brauchst Du körperlich anstrengende Hobbys

Dieses Essay baut auf meinem Essay „The Punk Rock Good Life“ auf. (Zur deutschen Übersetzung hier entlang) 

Die Hausbesetzer in Amsterdam waren nicht gerade begeistert von mir.

Gebäude „Kosmos“, Koningsplein 1,  in Amsterdam. An der Ecke von Koningsplein und Singel 1890–1891 errichtetes GESCHÄFTSGEBÄUDE mit BÜROS und einer KONCIERGEWOHNUNG nach einem Entwurf im Neobarockstil von Th.G. Schill und D.H. Haverkamp im Auftrag der Direktoren der Versicherungsbank „Kosmos“. Das Geschäft befand sich im Erdgeschoss, die Büros – der Versicherungsbank „Kosmos“ selbst – waren im ersten und zweiten Stock untergebracht und die Hausmeisterwohnung befand sich im dritten Stock.

Das besetzte Kosmos in Amsterdam

Foto: Bas Koffie

Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Räumungswelle stand bevor – die Hausbesetzer in Amsterdam leisteten immer so heftigen Widerstand, dass die Polizei aus dem ganzen Land anrücken musste, um auch nur eine einzige besetzte Wohnung zu räumen; daher wurden mehrmals im Jahr mehrere besetzte Wohnungen an einem einzigen Tag geräumt. Die Räumungswelle stand bevor, und die Hausbesetzer machten sich bereit.

Wenn du nicht sofort auf der Seite der Hausbesetzer stehst, dann lass mich dir Folgendes sagen: In den 1980er Jahren hatte die Immobilienspekulation ein Drittel von Amsterdam leer stehen lassen, während die Menschen dringend Wohnraum brauchten; also begannen Hausbesetzer, leerstehende Gebäude zu nutzen, um sich selbst und andere unterzubringen. Niederländische Hausbesetzer waren stolz darauf, ihre Räume zu verschönern, statt nur in Elend zu leben, und ich habe noch nie eine Gemeinschaft von Menschen getroffen, die sich so sehr für die Eigenreparatur von Wohnungen engagierte und dazu fähig war.

Sogar die Regierung stimmte zu, dass die Hausbesetzung ein gesellschaftliches Gut war, und jahrzehntelang war es legal, jedes Gebäude zu besetzen, das seit mehr als einem Jahr leer stand und für das der Eigentümer keine Pläne hatte.

Aber die Regierung tat das nicht aus reiner Herzensgüte. Die Hausbesetzungen kamen zuerst, und die Regierung eilte hinterher. (So laufen übrigens alle gesellschaftlichen Veränderungen ab.) Selbst in einer Zeit legaler Hausbesetzungen wussten die Hausbesetzer, dass sie ihre Gebäude verteidigen mussten. Würden Räumungen jemals einfach werden, wäre es mit den Hausbesetzungen vorbei.

Jede Räumung war also ein wildes Spektakel aus Farbbomben (von den Hausbesetzern) und Wasserwerfern sowie Tränengas (von der Polizei). Die Leute erzählten mir Geschichten von Farbbomben-Katapulten auf den Dächern. Die Leute erzählten mir Geschichten davon, wie die Polizei einmal den Haupteingang aufgab, einen Schiffscontainer mit Polizisten füllte und ihn mit einem Kran hochhob, um im dritten Stock einzubrechen – nur damit die Hausbesetzer den Container mit einer langen Holzstange im Kreis herumwirbelten.

Übrigens stellten sie ihre Farbbomben so her, dass sie Luftballons in Wachs tauchten, sie dann entleerten, um eine hohle Hülle zu erhalten, die sie mit Farbe füllten und anschließend mit mehr Wachs versiegelten. Falls du neugierig warst.

Die Leute hatten mir eine wilde Geschichte nach der anderen erzählt – von versteckten, federbetätigten Falltüren, von leeren Bierfässern, die bereitstanden, um das Treppenhaus hinunterzufallen, von den Home Alone-Streichen, die ihre Lebensweise bewahrten und Immobilienjäger davon abhielten, ihre Stadt erneut zu zerstören. Sie erzählten mir diese Geschichten und waren ziemlich enttäuscht von mir, als wir uns auf die Räumungswelle vorbereiteten und ich erklärte, dass ich so gut wie keine handwerklichen Fähigkeiten hatte. Vor allem wusste ich nicht, wie man schweißt. Was für ein Mensch weiß denn nicht, wie man schweißt, fragten sie sich.

Leute wie ich, lautete die Antwort. Ein amerikanischer Kunsthochschulabbrecher, der Fotografie studiert hatte. Ich wusste nicht, wie man schweißt.

Mein Vater war tatsächlich eine Zeit lang professioneller Schweißer gewesen, und ich hatte als kleines Kind ein- oder zweimal in unserer Garage mit dem Lichtbogen geschweißt, aber es war ein kniffliger Vorgang, und aus welchem Grund auch immer war ich nicht von Natur aus mit handwerklichem Geschick (oder, was noch wichtiger ist, mit Liebe zum Detail) gesegnet, also blieb es nicht dabei. Na ja, eigentlich blieb es mir viel zu sehr im Gedächtnis. Das ist ein Witz über das Lichtbogenschweißen … Lichtbogenschweißen ist ein kniffliger Vorgang: Wenn man zu wenig Druck ausübt, entsteht keine Schweißnaht, und wenn man zu viel Druck ausübt, schweißt man den Schweißstab mit dem Werkstück zusammen.

An der Kunsthochschule fragte mich mein Bildhauerlehrer: „Du warst doch der Junge, der nicht entlang der gepunkteten Linien schneiden konnte, oder?“ Was stimmte. Später nahm mich mein Zeichenlehrer beiseite und sagte mir:

„Es ist keine Schande, abzubrechen, wenn die Kunsthochschule nichts für dich ist.“

Also nein, die niederländischen Hausbesetzer waren von mir genauso wenig beeindruckt wie mein Zeichenlehrer damals.

Zehn Jahre später baute ich mir eine Hütte und lebte darin. Heutzutage verbringe ich den Großteil meiner Freizeit damit, Dinge zu basteln. Zum Schweißen bin ich noch nicht zurückgekehrt, aber es steht auf meiner Liste und ich glaube, ich werde es lernen können. Als Kind spielten sich die meisten meiner Hobbys am Computer ab. Videospiele, digitale Kunst. Computer reparieren. Spiele mit einfachen Programmierprogrammen wie ZZT entwickeln. Schreckliche Cyberpunk-Geschichten über einsame, introvertierte Teenager schreiben. Layout – ich war der Designer für das Jahrbuch meiner Schule und, falls es dich interessiert, habe ich meinen Abschluss als Chefredakteur sowohl des Jahrbuchs als auch der Literaturzeitschrift gemacht.


Es wird dich nicht überraschen, dass ich nicht besonders sportbegeistert war. Ich bin viel mit dem Fahrrad herumgefahren, da ich kein Auto hatte, aber alles, was ich zum Spaß gemacht habe, hatte mit einer Tastatur und einem Bildschirm zu tun. (Ich bin unendlich dankbar, dass ich vor der Zeit der Smartphones und vor World of Warcraft aufgewachsen bin).

Ein paar Jahre, nachdem ich das College abgebrochen hatte und per Anhalter herumgereist war, besorgte ich mir einen Laptop, den ich mitnehmen konnte. Ich reiste mit einem großen Wanderrucksack, einer Ziehharmonika in einem schweren Holzkasten und einer Laptoptasche. Ich war nicht gerade ein Ultraleicht-Wanderer. Aber ich habe diesen Laptop gut genutzt. Ich betrieb anarchistische Websites. Ich betrieb einen Zine-Vertrieb, der noch heute existiert. Ich schrieb furchtbare Cyberpunk-Geschichten über einsame, introvertierte Twens. Ich machte Musik. Während des halben Jahres, das ich in Amsterdam lebte, nahm ich ein ganzes furchtbares Industrial-Album auf. Ich half beim Layout eines Hausbesetzer-Magazins und lernte dabei von einer Österreicherin Punk-Grafikdesign. Ich tat all die Dinge, die schon bald zu meinem Lebensunterhalt wurden (ich gestaltete Buchinnengestaltung und E-Books für AK Press – das war etwa ein Jahrzehnt lang meine Haupteinnahmequelle).

Aber ich habe auch schon früh eine Entscheidung getroffen, für die ich jeden Tag dankbar bin. Ich beschloss, dass, da ich am Computer arbeitete, alle meine neuen Hobbys körperlich sein mussten.

Deshalb habe ich nie 3D-Design gelernt. Deshalb programmiere ich nicht. Deshalb habe ich nie einen dieser RPG-Generatoren benutzt, um zu versuchen, mein eigenes Videospiel zu entwickeln. Ich habe nichts gegen diese Dinge. Ich habe mich in all das mal reingeschnuppert, und ich glaube, es würde mir sowieso leichter fallen als körperliche Hobbys, aber ich darf es einfach nicht.

Stattdessen arbeite ich mit Holz. Ich spiele Instrumente (schlecht, aber es macht mir Spaß). Eine Hütte zu bauen oder einen Schuppen zu dämmen, ist für mich das, was Spaß macht. Ich kann einen Baum fällen, wenn es keine allzu knifflige Aufgabe ist. Mit Gleichstromsystemen komme ich ganz passabel zurecht. (Dass ich früher ein Computerfreak war, zeigt sich, wenn es darum geht, ein Auto zu reparieren – ich bin besser in der Elektrik als in der Mechanik, ganz anders als alle anderen, die ich kenne).

Ich bin in all dem nicht von Natur aus begabt. Ich verbringe Stunden damit, über Ampere, Watt und Volt zu lesen, über Holzarten und darüber, wie man ein Fenster abdichtet. Mein YouTube-Algorithmus ist ein Chaos, aber er weiß, dass ich tatsächlich einschlafen möchte, während ich mir ein Video anschaue, in dem jemand einen Keller ausbaut oder darüber spricht, welche Ausrüstung er mitgebracht hat, um den Pacific Crest Trail zu wandern.


In Asheville, North Carolina, gibt es eine Reihe von genossenschaftlich geführten Wohnwagenparks. Sie gehören den Bewohnern selbst, werden aber von einer Gruppe namens Poder Emma organisiert („Emma“ ist der Name des ländlichen Viertels, daher bedeutet der Name auf Spanisch „Power Emma“). Die Finanzierung erfolgte über Seed Commons. Ich halte Poder Emma und Seed Commons für zwei der wichtigsten Bausteine einer revolutionären Infrastruktur in diesem Land, und so sehr ich das Hausbesetzen auch geliebt habe, finde ich genossenschaftliches Eigentum noch besser.

Eines Tages gab es eine Arbeitsaktion in einem dieser Wohnwagenparks. Jemand entkernte gerade seinen Wohnwagen, um ihn neu aufzubauen, also tauchten ein paar Dutzend von uns auf, um zu helfen. Ich brachte meinen Pick-up mit, um Müll abtransportieren zu können, und bekam Komplimente dafür. „Der war nicht billig“, gab ich zu. (Ich hatte mir einen Kredit für einen gebrauchten Pick-up aufgenommen, kaum dass ich meinen ersten festen Job bekommen hatte, bei dem ich Computerarbeit für Seed Commons erledigte) .

„Na ja, wenn du ihn für die Arbeit brauchst, dann brauchst du ihn eben für die Arbeit“, antwortete jemand.

Ich musste ihnen gestehen, dass ich am Computer arbeitete. Aber ich kam mir kein bisschen wie ein Angeber vor, weil ich diesen Tundra hatte – ich lebte autark in einer Hütte, die ich selbst gebaut hatte, und ich hatte mir den Pick-up zugelegt, weil ich es satt hatte, mir Fahrzeuge auszuleihen oder zu versuchen, Bauholz aus dem Fenster meines winzigen Hybrid-Sedans zu quetschen. Ich habe diesen Pick-up benutzt, um Kies zu transportieren, ich habe ihn benutzt, um einen Holzhäcksler abzuschleppen, und ich habe ihn benutzt, um mit meinem Hund und einem Bett im Laderaum durch das Land zu reisen.

Dieser Moment in diesem Wohnwagenpark war für mich irgendwie sehr bedeutsam, weil er mein gespaltenes Leben deutlich machte. Ja, ich verdiente meinen Lebensunterhalt am Computer (indem ich Förderanträge schrieb, die zur Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten beitrugen), aber ich hatte mir tatsächlich ein Leben aufgebaut, das auch meinen Körper und meine Hände einbezog. Es ist kein Arbeits-Truck, aber auch kein „Asphaltprinz“.

Auch wenn der Großteil der Umbauten, die ich selbst daran vorgenommen habe, elektrischer Natur ist. Wie die violetten Lichter im Fußraum und die USB-Steckdose. Genau wie in meiner alten Hütte habe ich bei der Solaranlage und dem Mobilfunk-Signalverstärker bessere Arbeit geleistet als bei der Verkleidung und dem Anstrich.

Denn wenn man ein „Innenkind“ nach draußen schickt, wird es Kabel verlegen.

Und das ist in Ordnung.


Hausbesetzen nach niederländischer Art (wo man den Ort aufwertet, anstatt ihn herunterzukommen) hat unglaublich viel mit Eigentum (vor allem genossenschaftlichem Eigentum) gemeinsam. Bei beidem geht es darum, Verantwortung für deinen Raum zu übernehmen.

Eine Welt voller Vermieter und Mietwohnungen ist aus tausend Gründen schrecklich. Vor allem wegen der Tatsache, dass Vermieter ihren Mietern Reichtum abziehen. Aber auch, ähnlich wie bei der Arbeit an nicht-genossenschaftlichen Arbeitsplätzen, lehrt dich das Mieten nicht, Verantwortung für deinen Raum zu übernehmen.

Ich habe nur etwa ein halbes Jahr in Amsterdam verbracht, aber es war eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Und eine Erkenntnis, die ich daraus mitgenommen habe, war, dass man auch für vorübergehende Räume Verantwortung übernimmt. Wo auch immer du lebst, solltest du diesen Raum verbessern. Zwei spanische Lesben wohnten weniger als zwei Wochen in unserem besetzten Haus und bauten dort ein Hochbett, wobei sie dicke Ankerbolzen ins Mauerwerk schraubten. Als sie gingen, zog ich in dieses Zimmer ein, und ihre Verbesserungen hielten jahrelang – bis die Polizei die Tür aufbrach und alle mit vorgehaltener Waffe hinaustrieb, auf Geheiß des inhaftierten Mafiabosses, dem das Gebäude gehörte.

Die Gesellschaft beraubt uns unseres Verantwortungsbewusstseins, und indem wir Verantwortung für unsere Umgebung und unsere Gemeinschaften übernehmen, gewinnen wir unsere Freiheit und unsere Würde zurück.


Manchmal denke ich, der Höhepunkt meines Lebens war, bevor ich diesen Job bei Seed Commons antrat: Ich saß auf der Veranda meiner selbstgebauten Hütte, schnitzte Löffel mit einem Hakenmesser und hörte dabei Hörbücher. Ich war unglücklich und pleite, es herrschte Pandemie und ich war einsam, aber ich habe auch jede Menge Löffel geschnitzt und vermisse das.

Und wenn ich jemals zurückkehren würde, könnte ich ein uraltes holländisches Haus viel besser gegen die Polizei verbarrikadieren. Obwohl ich wahrscheinlich immer noch jemanden bräuchte, der mir das Schweißen beibringt.

Quelle: „With Our Hands and Our Bodies or: if you work on a computer for a living, do physical hobbies“ von Margaret Killjoy, 08. Juli 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

250 Jahre Lügen, 500 Jahre Aufstand

Gedanken.
Die sogenannten „Vereinigten Staaten“ feiern am 4. Juli 2026 den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Wir, die Ureinwohner dieses Landes, müssen nicht lange suchen, um die Heuchelei zu erkennen, die darin liegt, ein Dokument zu feiern, das unsere Vorfahren als „gnadenlose indianische Wilde“ bezeichnet. Heute erleben wir ein Land, das „Freiheit“ proklamiert, während es unsere Nachbarn mit Migrationshintergrund ohne ordentliches Verfahren entführt, Gesetze verabschiedet, die Belästigung und Diskriminierung unserer LGBTQ- und Two-Spirit-Verwandten fördern, und jede politische, rechtliche und militärische Strategie aus dem Ärmel zieht, um jede Form von Widerstand gegen den Staat zu unterdrücken. Zu Beginn dieser Nation ratifizierte die Regierung über 350 Verträge mit indigenen Nationen – und brach anschließend jeden einzelnen davon. So wie es unseren Vorfahren klar war, ist es auch uns heute klar: Dieses koloniale Experiment ist daran gescheitert, etwas aufzubauen, das auch nur annähernd einer echten Demokratie ähnelt.

Die Haudenosaunee-Konföderation verfügt über die älteste ununterbrochene partizipative Demokratie der Welt, bekannt als Gayanesshagowa, das Große Gesetz des Friedens. Viele der Strukturen, die für die Schaffung von Gewaltenteilung in der US-Regierung gelobt werden, sind direkt vom Gayanesshagowa übernommen – wurden jedoch verdreht, um den Interessen der „Gründerväter“ zu dienen, die für den Völkermord und die Versklavung unserer schwarzen Vorfahren verantwortlich waren. Die ursprünglichen Gesetze dieses Landes führten zu einem System, das darauf ausgelegt war, weiße, wohlhabende Männer zu begünstigen – durch den versuchten Völkermord an den indigenen Völkern und den Bison, den Raub unseres Landes, die Entführung unserer Kinder sowie die Verschleppung und Versklavung schwarzer Menschen. Wir lehnen den Mythos ab, dass die „Erbauer“ Amerikas es verdienen, gefeiert zu werden.

Stattdessen suchen wir nach den Träumen unserer wahren Gründungsmütter – der indigenen Frauen, die unsere Gemeinschaften anführten, noch bevor Siedler hier überhaupt Fuß fassten. Die Matriarchinnen, die unser Volk durch über 500 Jahre Völkermord, Zwangsumsiedlungen und Versuche, unsere Kultur und Sprachen auszulöschen, geführt haben. Wir ehren die Träume derer, die dieses Land lange vor der Ankunft der Kolonisten zu Überfluss geführt haben. Wir streben nach gemeinsamer Heilung und Befreiung mit unseren schwarzen Brüdern und Schwestern, deren Zwangsarbeit damals die Geldbeutel der reichen weißen Männer füllte. Wenn Amerika sich weiterhin weigert, sich mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen – einem Land, das auf Völkermord, Landraub und Sklaverei aufgebaut ist – ist es dazu verdammt, sich selbst zu wiederholen.

Widerstand.
Vor 150 Jahren schlossen sich die Oceti Sakowin in der Schlacht von Greasy Grass (auch bekannt als die Schlacht am Little Bighorn) zusammen. Am 25. und 26. Juni 1876 kämpften Krieger der Lakota, Dakota, Northern Cheyenne und Arapaho gegen die 7. Kavallerie und gewannen, nachdem Oberstleutnant Custer von der US-Armee ihr Dorf angegriffen hatte. Indigene Matriarchinnen kämpften an der Seite der Männer, um ihre Kinder, Gemeinschaften und ihre Lebensweise zu verteidigen. Der Sieg bei Greasy Grass erinnert uns an unsere Kraft, wenn wir uns gemeinsam gegen diese völkermörderische Regierung zusammenschließen.

Als indigene Völker haben wir nie aufgehört zu kämpfen, um unser Land, unsere Ökosysteme und Gewässer zu schützen; um unsere Kultur, unsere Lieder und Sprachen zu pflegen; und um unsere Vertragsrechte und Souveränität auszuüben.

Wiedererstarken.
Beim indigenen Widerstand ging es schon immer um mehr als nur den Kampf gegen die weiße Vorherrschaft; es geht darum, eine Zukunft aufzubauen, in der unsere Kultur, unser Wissen und unsere Lebensweisen gelebt, respektiert und geehrt werden. Die Welt braucht das Wissen der Indigenen, um sicherzustellen, dass unsere Enkelkinder sicheres Wasser, saubere Luft und ein lebenswertes Klima haben.

Wir wissen, dass wir gewinnen können – denn genau das haben wir bereits getan. Wir haben ein Bohrunternehmen aus dem heiligen Pe’ Sla vertrieben, weil wir uns im Gebet vereint haben. Kurz darauf wurden wir Zeugen eines historischen Moments, als alle neun Stämme in South Dakota Beschlüsse fassten, um mit der Ausarbeitung von Gesetzen zu beginnen, die alle Bundesgebiete in den Black Hills wieder in den Besitz der Stämme zurückführen sollen.

Die Zukunft heißt „LANDBACK“ und „Black Reparations“. Unsere Befreiung ist untrennbar miteinander verbunden, und je mehr wir gemeinsam über und innerhalb der Bewegungen Stärke aufgebaut haben, desto klarer ist das geworden. Heute tragen wir wichtige Lehren aus dem American Indian Movement und der Black Panther Party in uns. Die notwendige Verwandlung dieses Landes in etwas Lebensspendendes und Regeneratives erfordert den Mut, diese aufgezwungenen Systeme abzulehnen – Netzwerke der Solidarität aufzubauen, damit wir boykottieren und die US-Wirtschaft zum Stillstand zwingen können.

Heute ermutigen wir alle unsere Angehörigen, über die Realität der letzten 250 Jahre nachzudenken und zu erkennen, dass die wahren Terroristen auf diesem Land schon immer die Architekten, Treiber und Nutznießer dieses Kolonialprojekts waren – nicht wir, das Volk. Wir laden euch ein, euch dem Kampf für eine Zukunft zu verpflichten, in der alle Menschen und Mutter Erde respektiert werden. Fragt euch selbst: Welche Rolle spiele ich bei diesem Wiederaufleben? Wie lange werde ich noch zulassen, dass andere Menschen über die Zukunft meiner Kinder entscheiden? Sind wir nicht Krieger?

Indigene Völker gab es schon lange vor der Gründung des US-Imperiums und sie werden auch darüber hinaus weiter gedeihen.



Quelle: NDN Collective
Übersetzung und Bearbeitung: Thomas Trueten


„Es ist doch nur Sport“, sage ich mir mit einem nervösen Lachen oder: Es geht einfach nur um gesellschaftliche Akzeptanz

Vor vielleicht fünf Jahren habe ich mich dem Typen, der meine Klärgrube in den ländlichen Appalachen gereinigt hat, als Transperson geoutet. Wir hatten uns schon ein paar Stunden unterhalten, weil ich neugierig war, wie Klärgruben funktionieren, und weil ich ziemlich froh war, den angesammelten Mist der Vorbesitzer meines Hauses loszuwerden. Wir redeten hauptsächlich darüber, Prepper zu sein und Fahrzeuge in Wohnräume umzubauen … Ich hatte meinen Van, er hatte einen Krankenwagen. Er fand heraus, dass ich in einer Band war, also fragte er, in welcher, und ich sagte ihm Feminazgul. Um den Namen zu erklären, erzählte ich ihm, dass ich trans bin.

„Oh, also bist du sozusagen eine Tussi, wenn du ausgehst?“

Nun höre ich in meinem Alltag das Wort „Tussi“ nicht allzu oft. Aber ich nehme an, ich bin eine, wenn ich ausgehe. Und wenn ich zu Hause bin. Aber ich trug schwarze Jeans und ein ärmelloses Shirt, denn ich bin vielleicht eine Tussi, aber wenn schon, dann bin ich eine Punk-Tussi.

Ich hatte keine Lust zu streiten, also sagte ich: „Ja, im Grunde schon“, und wir redeten eine Weile darüber.

„Was ist deine Meinung – oder besser gesagt, die Meinung der Trans-Community – zu Trans-Menschen im Sport?“, fragte er.

Ich dachte einen Moment darüber nach und sagte dann zu ihm: „Das ist eine Ablenkung. Es ist ein Streitpunkt, den sie nutzen können, um die Leute gegen uns aufzuhetzen.“

„Oh“, sagte er und dachte darüber nach, während ein zweihundert Fuß langer Schlauch Abwasser aus meinem Hinterhof in seinen Lkw saugte. „Das leuchtet ein.“

Später, als ich die Rechnung bezahlte, fragte er mich: „Also … weiß deine Freundin, dass du eine Frau bist?“

„Ja, das weiß sie“, sagte ich.

„Wow“, sagte er. „Ihr seid also so was wie Lesben?“

„Das sind wir.“

„Das ist cool, meine Cousine ist auch lesbisch.“



Meistens, wenn ich über diese Geschichte nachdenke, ist es eine Geschichte über Akzeptanz auf dem Land. Es ist eine Geschichte darüber, dass es den meisten Leuten – zumindest den armen Leuten in den Appalachen – eigentlich völlig egal ist, was du tust. Es ist eine Geschichte über einen lustigen, aber freundlichen kleinen Kulturkonflikt, wenn man in einem abgelegenen Tal lebt.

Sport, das kann ich mir einreden, spielt keine Rolle. Ich bin nicht mit Sport aufgewachsen – ich bin mit Büchern aufgewachsen.



Das Sharepic zeigt Becky Pepper-Jackson vor dem Capitol in Washington D.C. sowie den Text in der Bildunterschrift.
"Meine Rechte und mein Leben wurden von Politikern diskutiert, die mich noch nie getroffen haben. Niemand sollte so behandelt werden, wie ich und viele andere Transgender-Kinder heute in diesem Land behandelt werden."


Becky Pepper-Jackson, ACLU-Klägerin im Fall „West Virginia gegen B.P.J.“ vor dem Obersten Gerichtshof
Foto: ACLU

Das sollte aber keine Entweder-oder-Sache sein. Gestern hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass Bundesstaaten Transmädchen vom Mädchensport ausschließen dürfen, und vieles davon dreht sich um ein Mädchen aus West Virginia, Becky Pepper-Jackson, die gar nie eine „männliche“ Pubertät durchgemacht hat und einfach nur in ihrer Mittelschule Leichtathletik betreiben wollte. In der Highschool, als Neuntklässlerin, belegte sie nach Jahren harter Arbeit und Training – dank ihrer angeborenen männlichen Überlegenheit (das ist Sarkasmus) – den dritten Platz im Diskuswerfen und den achten Platz im Kugelstoßen.

Sie ist die drittbeste Schülerin in West Virginia darin, sich im Kreis zu drehen und einen Frisbee loszulassen, und sie ist die achtbeste darin, einen schweren Gegenstand zu werfen – also müssen wir die anderen Mädchen vor ihr schützen.



Letztes Wochenende unterhielt ich mich mit jemandem, einem Mann aus dem Mittleren Westen Ende 60, der für seine drei Kinder Mädchenfußball trainiert hatte. Die Weltmeisterschaft lief gerade, und er fragte mich, ob ich Sport verfolge.

Ich bin gerne ehrlich, wenn es irgendwie geht. Ich sagte ihm, dass ich als Kind keinen Sport getrieben habe.

Ich verfiel in meine übliche Abwehrhaltung: „Wir sind stattdessen in die Bibliothek gegangen“, was stimmt. Und ich erzählte ihm meine übliche Geschichte: „Im Sportunterricht in der Highschool saß ich mit den anderen Mädchen in der Ecke, wir lackierten uns die Nägel und machten nicht mit“, was ebenfalls stimmt. Beides klang für mich nach niedlichen, unschuldigen Geschichten. Einfache Wege, um zu erklären, wer ich heute bin.

„Das ist schade“, sagte er. Das war mir noch nie bewusst geworden.

„Ach?“, fragte ich.

„Es ist schade, dass dir diese Erfahrung von Zusammengehörigkeit, von Teamwork und Erfolg gefehlt hat.“

Mir wurde klar, dass ich diese Liste der Dinge, die mir entgangen waren, noch weiter hätte ausbauen können. Mir fehlte die Erfahrung, meinen Körper kennenzulernen, meine Grenzen und Stärken zu entdecken.

Denn die Wahrheit ist: Als Kind habe ich es geliebt, Sport zu treiben – wenn ich sozial damit zurechtkam. Der einzige Grund, warum ich nicht mitgemacht habe, war, dass ich regelmäßig verspottet und angegriffen wurde. Das höfliche Wort dafür lautet „gemobbt“. Ich hatte mich nicht dafür entschieden, außerhalb der Gesellschaft zu stehen – ich war ausgestoßen worden.

Außerdem war ich schlecht im Sport, aber das ist ein echtes Henne-Ei-Problem.

Rückblickend scheint es mir, dass Jungen und Mädchen einander instinktiv erkennen, und ich gehörte nicht zu den Jungen – das wussten wir alle –, und die einzigen Mädchen, die mich aufnahmen, trugen Marilyn-Manson-Shirts und große, klobige Stiefel, saßen in der Ecke und starrten alle finster an. Also tat ich das auch, und diese Mädchen haben mir das Leben gerettet. Emily ist vor ein paar Jahren an Krebs gestorben, und ich weiß nicht, was aus Valerie oder Maria geworden ist. Zwei der anderen sind immer noch meine Freundinnen, eine ist Aktivistin gegen die ICE und eine andere ist meine Mitstreiterin bei Strangers in a Tangled Wilderness.



Wir Sonderlinge haben sogar manchmal Sport getrieben, wenn auch nie in der Schule. Wir schnallten uns Inlineskates an und spielten Straßenhockey auf den Tennisplätzen, und wir haben uns nicht nach Geschlecht getrennt und auch diejenigen von uns (wie mich), die darin furchtbar schlecht waren, nicht ausgeschlossen. Ich gebe zu, als sie es auf Trans-Sportler*innen abgesehen hatten, habe ich mich zu dem Thema nicht groß geäußert, weil ich Sport von vornherein „hasste“. Es war so offensichtlich ein Spaltthema, dass ich dachte, meine Zeit am besten damit zu nutzen, einfach weiterhin dafür einzutreten, dass Trans-Menschen überhaupt im öffentlichen Leben existieren dürfen.

Sport ist ein so erfolgreiches Spaltthema, weil es nun mal Reaktionen auf Hormone gibt, die unsere Körper unterschiedlich formen. Und beide Seiten des Themas können wissenschaftliche Veröffentlichungen finden, die ihre Sichtweise stützen. Ja, es gibt eine Metaanalyse von Studien aus dem Jahr 2026, die zeigt, dass Transfrauen, die eine Hormonersatztherapie machen (was nicht auf alle von uns zutrifft), keinen statistischen Vorteil gegenüber Cis-Frauen haben, wenn man die Körpergröße berücksichtigt. Aber die andere Seite kann sich auf eine scheinbar seriöse Quelle wie die BBC berufen, um zu sehen, wie ein Experte vor vier Jahren selbstbewusst das Gegenteil behauptete.

Trans-Sportler*innen befinden sich in einer seltsamen Zwickmühle. Selbst wenn sie an Wettkämpfen teilnehmen dürfen, dürfen sie in ihrer Sportart nicht zu gut werden, sonst kommen die Mistgabeln und Fackeln zum Vorschein.

Natürlich sehen wir bereits, wie sich dieses Spalt-Thema immer weiter ausweitet. Es würde niemals bei Trans-Sportler*innen aufhören, und das ist es auch nicht. Die Faschisten, die gerade dabei sind, die Kontrolle über die US-Regierung zu erlangen, haben uns ein Recht nach dem anderen entzogen.



Letztes Wochenende bin ich mit ein paar Leuten in ein Wissenschaftsmuseum in Chicago gegangen, weil ich das erbeutete Nazi-U-Boot sehen wollte, das dort ausgestellt ist – weil ich gerade eine Art Hyperfokus auf U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg habe, weil ich ganz normal bin und ganz normale Interessen habe.

Ich habe im Museum keine Toilette benutzt, weil es nirgendwo eine „Familientoilette“ gab. Ich weiß nicht, ob Cis-Menschen wissen, wie lange wir gelernt haben, ohne Pinkeln auszukommen.

Ich benutze die Herrentoilette, wenn ich eine öffentliche Toilette benutzen muss, selbst wenn ich ein Kleid trage und geschminkt bin. Ich verlasse mich auf meine allgemeine Schroffheit und mein Punkrock-Auftreten, um mich zu schützen. Andere Frauen, die ich kenne, gehen auf die Damentoilette und verstecken sich in der Kabine, wenn sie fertig sind, und warten, bis die Luft rein ist, bevor sie herauskommen.



Es ging nie nur um Sport. Es ging nie nur um Sport, aber selbst wenn es so gewesen wäre, müssen wir uns wehren, denn die Teilnahme am Sport ist genauso selbstverständlich wie ein Ort, an dem man in der Öffentlichkeit pinkeln kann. Teilnahme am Sport bedeutet Teilnahme an der Gesellschaft.

Ich bin mit Dysphorie aufgewachsen. Ich habe erst mit Mitte dreißig wirklich verstanden, wie groß und wie mein Körper geformt ist. Ich dachte immer, ich wäre viel kleiner, als ich bin. Die beiden Dinge, die meine eigene Vorstellung von meinem Körper korrigiert haben, waren mein Coming-out als Frau und der Beginn, bewusst Sport zu treiben.

Ich hebe jetzt Gewichte, und mein Trainer nennt uns alle „Sportler*innen“ – die meisten von uns wurden noch nie in ihrem Leben so bezeichnet –, aber wir sind eine Gruppe von dicken, queeren und älteren Menschen, die Deadlifts, Kniebeugen und Snatches machen und Übungen, deren Namen ich nie gelernt habe, wie zum Beispiel „den 100-Pfund-Sandsack immer und immer wieder über die Stange heben“. Ich nenne den Kurs „Kurs für schwere Gegenstände“ und ich will eigentlich nie hingehen, aber ich gehe trotzdem hin und es ist der Höhepunkt meiner Woche. Ich habe mit vierzig angefangen, alleine in meinem Keller Gewichte zu stemmen, und das ist eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

Ich mag Gewichtheben, weil ich nicht gegen andere antrete – nicht wirklich. Es wird immer Leute geben, die mehr Gewicht bewegen können als ich. Ich trete gegen mich selbst an. Ich will so fit sein, wie ich nur kann; ich will an einigen meiner Grenzen arbeiten und andere überwinden.



Ich sage mir, ich sei geboren, um ein Rebell zu sein, weil die Gesellschaft mich nie akzeptiert hat. Aber ich träume nicht von einer Gesellschaft, in der ich überhaupt rebellieren müsste. Ich träume von einer anarchistischen Gesellschaft, einer horizontal strukturierten, nicht-kapitalistischen Gesellschaft, in der lokale Räte gemeinsam Entscheidungen treffen und sich dann zu Verbänden zusammenschließen, um größere Entscheidungen zu treffen, ohne dabei einen Staat oder eine nationale Grenze zu schaffen.

Wenn ich in dieser Gesellschaft leben würde, wäre ich kein Rebell – außer vielleicht im Sinne von Le Guins "Die Enteigneten", in dem ich mir immer wünsche, dass sich meine Gesellschaft verbessert.

Eigentlich mag ich es gar nicht, immer am Rande von allem zu stehen. Ich sage den Leuten schon seit Jahren, dass der einzige Grund, warum ich ästhetisch gesehen nicht noch schräger bin, darin liegt, dass ich bereits den „Höhepunkt der Schrägheit“ erreicht habe. Ich bin so schräg, wie ich es gerade ertragen kann. Ich hätte lieber spitze Ohren und würde lieber einen Umhang tragen, und ich habe tatsächlich einen ganzen Sommer lang Kettenhemd unter meiner Punkweste getragen. Diese Dinge passen zu meinem ästhetischen Verständnis und ich möchte sie tun, aber ich werde bereits so oft angestarrt, wie ich es ertragen kann.

Ich halte das eigentlich nicht für Feigheit meinerseits, obwohl es das vielleicht ist. Vielleicht kommt es aus derselben Ecke, die mir sagt, dass es nicht sicher ist, in der Öffentlichkeit Kleider zu tragen – was ich trotzdem tue.

Aber ich ziehe mich nicht seltsam an, nur um mich seltsam anzuziehen. Eigentlich würde ich mich sogar noch seltsamer anziehen, aber ihr macht euch ständig lustig deswegen.

Ich lehne die Gesellschaft nicht ab. Die Gesellschaft hat mich abgelehnt.

Der Grund, warum mir das Sportverbot das Herz bricht, ist, dass ich, wenn ich trans Jugendliche sehe, alles sehe, was mir verwehrt wurde. Die Gesellschaft hat mir eine Kindheit als Mädchen verwehrt, und für einen kurzen Moment in den 2010er Jahren sah ich Transmädchen, die einfach nur Mädchen sein durften, die richtig aufwachsen durften. Das war eines der schönsten Dinge, die ich je gesehen habe.

Ich glaube nicht, dass ich jemals in Worte fassen kann, wie sehr ich mir als Kind einfach nur gewünscht habe, eines der Mädchen zu sein, oder wie dankbar ich den Mädchen bin, die versucht haben, mich dabei zu akzeptieren. Ich bin den Mädchen ewig dankbar, die mich mit ihnen in der Ecke meine Nägel lackieren ließen, die mir halfen, mich zu schminken, nachdem ich es zur Schule geschafft hatte. Ich bin unendlich dankbar für die Goth-Szene, die mir gezeigt hat, dass es okay ist, Geschlechterrollen zu durchbrechen.

Aber es wäre auch cool gewesen, im Feldhockey-Team zu sein. Es macht Spaß, in Dingen gut zu werden. Es macht Spaß, unseren Körper einzusetzen. Es macht Spaß, all diese Dinge gemeinsam mit anderen Menschen zu tun.



Das Sportverbot wird natürlich endlose Folgewirkungen haben. Wir erleben bereits rassistische Kontrollen der Körper von Cis-Frauen im Namen der Transphobie. Die Gesellschaft wird anfangen, auf die Genitalien von Kindern zu starren, um sie in der Schule in Schubladen zu stecken – und das ist nicht gut.

Und natürlich lieben es Faschisten, Menschen in Kategorien einzuteilen, um sie zu unterdrücken oder zu vernichten, und anti-trans-Liberale helfen ihnen dabei, „Weiblichkeit“ als unveränderliche Kategorie festzulegen. Faschisten werden ein Gefängnis für Cis-Frauen bauen, das aus den Knochen von Trans-Menschen errichtet ist.

Aber selbst wenn dieses Urteil nur die trans-Mädchen-Sportlerinnen betreffen würde und sie formal aus der Gesellschaft ausgrenzen würde, indem man sie aus dem Sportteam ausschließt, wäre das schon schlimm genug.

Selbst wenn es nur die drittbeste Diskuswerferin in West Virginia beträfe, wäre das schon schlimm genug.

Quelle: „It's Just Sports, I Tell Myself, With Nervous Laughter or: it's just acceptance in society“ von Margaret Killjoy, 01. Juli 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

GFF gewinnt zwei Verfahren gegen rechtswidrige Kontrollen an deutschen EU-Grenzen

Die Grafik zeigt den Text "Gegen rechtswidrige Kontrollen an deutschen EU-Grenzen"
Kontrollen an deutschen Grenzen sind rechtswidrig, aber inzwischen wieder üblich. Dagegen geht die GFF in mehreren Verfahren vor, mit Erfolg: Zwei Verfahren vor dem Verwaltungsgericht München sind bereits gewonnen.
Screenshot: GFF
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat heute zwei Klagen vor dem Verwaltungsgericht München gewonnen gegen rechtswidrige Kontrollen an deutschen Grenzen. Gemeinsam mit "Equal Rights Beyond Borders" hatte die GFF gegen eine diskriminierende Kontrolle (racial profiling) an der deutsch-österreichischen Grenze geklagt. Auch den Innsbrucker Professor Werner Schroeder hat die GFF unterstützt: Bei seinem beruflichen Übertritt der deutsch-österreichischen Grenze wurde er rechtswidrig kontrolliert. In beiden Fällen hat das Gericht die Rechtswidrigkeit der Kontrollen festgestellt. Die Begründung der Urteile steht noch aus. Die Kläger werden von Rechtsanwalt Christoph Tometten vertreten.

„Die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts München machen deutlich: Rechtswidrige Grenzkontrollen sind kein Einzelfall. Jede bislang gerichtlich überprüfte Kontrolle wurde für rechtswidrig erklärt. Seit Jahren missachtet die Bundesregierung systematisch EU-Recht. Das untergräbt das Vertrauen in den Rechtsstaat und die Gewaltenteilung“, sagt Joschka Selinger, Rechtsanwalt bei der GFF.

Zu den Verfahren:

  • Die GFF klagte mit dem Innsbrucker Rechtsprofessor Werner Schroeder. Er überquert – als einer von vielen Werktätigen – aus beruflichen Gründen fast täglich die deutsch-österreichische Grenze. Trotz seines Hinweises auf die Europarechtswidrigkeit wurde er von Polizeibeamt*innen gezwungen, sich auszuweisen. Zusätzlich hat die GFF einen Eilantrag auf vorläufige Unterlassung weiterer Kontrollen gestellt. Das Gericht hat den Eilantrag abgewiesen. Sobald die Entscheidungsgründe vorliegen, wird die GFF prüfen, ob sie Rechtsmittel einlegt.

  • "Equal Rights Beyond Borders" und die GFF setzen sich für Zugfahrende ein, die aufgrund ihres Äußeren und damit diskriminierend kontrolliert werden (racial profiling). Im konkreten Fall hatte eine Schwarze Person im Juli 2025 auf Höhe Freilassing als einziger Fahrgast des Abteils ihre Papiere vorzeigen müssen. Das Gericht erklärte auch in diesem Fall die Kontrolle für rechtswidrig. Ob es dafür auf die diskriminierende Auswahl des Klägers ankam, wird sich erst aus der schriftlichen Begründung des Urteils ergeben.
An der Grenze zwischen Deutschland und Österreich führt die Bundesregierung bereits seit 2015 Grenzkontrollen durch. Die Bundesregierung hatte im September 2024 die Kontrollen auf alle deutschen Landesgrenzen ausgeweitet und seitdem mehrfach verlängert. Deshalb ist aktuell bei jeder Grenzüberquerung mit polizeilichen Maßnahmen zu rechnen.

Die Kontrollen verletzen EU-Recht, insbesondere das Recht, sich frei im Schengenraum zu bewegen (Freizügigkeit). Die Freizügigkeit im Schengenraum vereinfacht nicht nur den Wirtschaftsverkehr und privates Reisen. Sie hat auch dazu beigetragen, dass sich Menschen über Grenzen hinweg besser verstehen und enger zusammenleben. Anhaltspunkte dafür, dass die Kontrollen Deutschland sicherer machen, fehlen.

„Bundesinnenminister Dobrindt muss die Kontrollen an den Binnengrenzen umgehend beenden. Das Verwaltungsgericht München lässt erneut keine Zweifel daran, dass die Grenzkontrollen rechtswidrig sind. Dieser Rechtsbruch darf nicht weiter hingenommen werden“, sagt Rechtsanwalt Christoph Tometten.

Der Europäische Gerichtshof und der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatten die Europarechtswidrigkeit der Kontrollen für vergangene Zeiträume festgestellt. Dieses Jahr folgten Urteile des Verwaltungsgerichts Koblenz sowie des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, die die Kontrollen ebenfalls für rechtswidrig erklärten.
Ein weiteres Verfahren ist aktuell noch am Verwaltungsgericht Stuttgart anhängig. Dieses Verfahren führt die GFF mit dem "European Center for Constitutional and Human Rights".

Quelle: Pressemitteilung Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), 2. Juli 2026

Mehr Informationen.


Berlin: Demo gegen KI-Videoüberwachung und die digitale Aufrüstung der Polizei

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Transsparent mit dem Text "Gegen die digitale Aufrüstung der Polizei" sowie vier verpixelte Träger*innen
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Noch vor der Sommerpause will der Bundestag ein massives Überwachungspaket beschließen – mit KI-Fahndung, biometrischem Internetabgleich und Palantir-Software für die Polizei. Über 1.000 Menschen protestierten am 13. Juni 2026 in Berlin gegen die geplante digitale Aufrüstung und Massenüberwachung. Die Demonstration zog lautstark und begleitet von Pyro und Rauch von der Warschauer Straße zum Görlitzer Park und weiter zum Rio-Reiser-Platz.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Bundesregierung plant, Polizei und BAMF zu erlauben, Gesichtsbilder und Stimmen mit dem gesamten öffentlichen Internet abzugleichen. Auch der Einsatz dystopischer Programme wie Palantir & Co soll kommen – und dazu sollen gigantische Datenmengen zur automatisierten Analyse zusammengezogen werden. Massenhaft dürften persönliche Daten außerdem ohne Anonymisierung zum Training von Polizei-KI genutzt und an private Unternehmen weitergegeben werden. Der Bundesrat möchte diese Gesetzentwürfe durch Befugnisse zur Live-Gesichtserkennung noch weiter verschärfen. Zugleich gibt es einen neuen Anlauf zur Vorratsdatenspeicherung.
Der schwarz-rote Senat in Berlin will die Polizei zudem aufrüsten mit KI-gesteuerten Kameras an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten (KBOs) wie zum Beispiel in der Rigaer Straße oder dem Görlitzer Park.

Es reicht! Dagegen gehen wir lautstark auf die Straße!

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