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»Time to ban Viagra. Because if pregnancy is "god´s will", then so is your limp dick.« Bette Midler

Löhne erhöhen, Mieten senken, Frieden schaffen!

Das Foto von © Sabine Scheffer zeigt das  Fronttransparent mit der Losung „Löhne erhöhen, Mieten senken, Frieden schaffen“ und dahinter laufende Menschen. Im HIntergrund sind weitere Transparente zu sehen.
Foto © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv
Unter dem Motto „Löhne erhöhen, Mieten senken, Frieden schaffen“ hat die Berliner Stadtteilorganisation „Hände weg vom Wedding!“ zur Demo aufgerufen. Mehrere hundert Demonstrant*innen zogen durch den Wedding. Sie forderten niedrigere Mieten, die sofortige Rücknahme von Kürzungen im sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Bereich. Die Demonstration hatte in diesem Jahr einen klar antimilitaristischen Schwerpunkt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Proteste richteten sich dabei gegen den Zusammenhang von Militarisierung, sozialem Kahlschlag und desolater Wohnraumpolitik. Die Demo führte an den Werkstoren der Pierburg GmbH in der Scheringstraße vorbei. Der Grund hierfür ist die geplante Umstellung der Produktion auf Kriegsgüter. Das Unternehmen, das bislang als Automobilzulieferer tätig war, wurde schon vor einigen Jahren von Rheinmetall, dem größten deutschen Rüstungskonzern, aufgekauft. Bislang war die Produktion dort eine zivile, doch das soll sich nun ändern. Rheinmetall gab unlängst bekannt, am Berliner Standort auf militärische Produktion umstellen zu wollen.

„Wir protestieren dagegen, dass in unserer Nachbarschaft mit der Herstellung von Waffen Kasse gemacht werden kann, während für uns immer weniger vom Lohn übrig bleibt und viele ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Die Kriegsmaschinerie, gefüttert mit unseren Geldern und zu Lasten unserer sozialen Sicherheit, produziert nun auch im Wedding“, so Ruth Sperber, Pressesprecherin von „Hände weg vom Wedding“.

Auch nach der Demonstration soll es weiterhin Aktionen gegen Aufrüstung, Sozialabbau und der Rüstungsproduktion im Gesundbrunnen und darüber hinaus geben.
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The Kids Are, As They Say, Alright. Oder: An die Absolventen des Jahrgangs 2025

Gestern habe ich zum ersten Mal bei einer Abschlussfeier gesprochen, der Lavender Graduation (für LGBT+-Studierende) am Warren Wilson College im Westen von North Carolina. Ich war noch nie eingeladen worden, bei einer Abschlussfeier zu sprechen, und ich war mir auch nicht sicher, ob ich jemals eingeladen werden würde. Ich bin ... nicht schüchtern, wenn es darum geht, zu sagen, wer ich bin.

Aber einige Studierende haben mich gebeten, die Festrede bei ihrer Abschlussfeier zu halten, also habe ich meinen Van gepackt und bin nach Asheville gefahren, wo ich seit dem Hurrikan im letzten Herbst zum ersten Mal wieder war. Rintrah (mein Hund) hat brav im Van auf dem Parkplatz gewartet (der Van ist klimatisiert und ich bekomme eine Benachrichtigung, wenn die Temperatur zu stark schwankt) und ich bin zum Pavillon gelaufen. Ich habe mich rundum willkommen gefühlt.

Es ist lange her, dass ich etwas erlebt habe, das mich so tief daran erinnert hat, dass wir alle im selben Boot sitzen. Dass Queers sich mittlerweile geoutet haben, dass es einfach zu viele von uns gibt und dass wir uns zu sehr umeinander kümmern, als dass die Faschisten uns brechen könnten.

Ich habe meine Rede in einer Raststätte auf dem Weg nach Asheville geschrieben, nachdem ich wochenlang über die Themen nachgedacht hatte, die ich ansprechen wollte. Früher habe ich keine Reden geschrieben, sondern nur Stichpunkte auf Papier gebracht. Aber dank meines Podcasts gewöhne ich mich immer mehr daran, von Skripten abzulesen und dann zu improvisieren, also habe ich diese Rede aufgeschrieben.

Ich war mir nicht sicher, wie die Leute meine Rede aufnehmen würden. Sie hatten einen anarchistischen Geschichtsnerd eingeladen, der während des Aufstiegs des Totalitarismus zu ihnen sprach, zu einer Menge, die nicht von Natur aus politisch ist. Es gibt keinen Grund, warum wir politisch radikal sein müssen, um queer zu sein.

Aber es schien gut zu laufen. Nicht alle waren begeistert davon, wie viel ich fluche, aber die Leute sind sich der Krise, in der wir alle leben, durchaus bewusst. Es ist momentan nicht besonders einnfach, den Kopf in den Sand zu stecken ... vielleicht ist das ein Silberstreif am Horizont.

Wie auch immer, hier ist, was ich ihnen gesagt habe.

An die Abschlussklasse von 2025


Hallo! Zuerst mal vielen Dank, dass ich hier sein darf. Es ist mir eine echte Ehre, hier zu stehen und zu euch zu sprechen, und ich fühle mich geehrt, dass ihr mich ausgewählt habt, um euch eine inspirierende Rede zu halten. Es wird ein Vortrag über schwere Zeiten werden. Wenn ihr eine rein positive Rede hören wolltet, hättet ihr nicht jemanden namens Killjoy engagieren sollen.

Die Sache ist die: Die Rede, die ich euch vor einem Jahr gehalten hätte, unterscheidet sich völlig von der Rede, die ich euch heute halten werde.

Die Rede, die ich euch gehalten hätte, hätte von dem Sturm am Horizont gehandelt, einem Sturm, der vielleicht kommen wird oder auch nicht, und davon, wie wir uns alle darauf vorbereiten, falls er kommt.

Stattdessen sage ich euch, dass der Sturm bereits da ist. Ich muss euch die Nachrichten nicht erzählen. Aber autoritäre Kräfte sind an der Macht und haben beschlossen, dass Transmenschen im Speziellen und queere Menschen im Allgemeinen neben Migranten das Gesicht des Bösen sind. Das sind wir natürlich nicht, und wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Feinde uns definieren. Wir müssen uns weiterhin selbst definieren.

Ihr seid also in eine Welt eingetreten, die völlig anders ist als die Welt, in der ihr aufgewachsen seid. Wir stecken alle in Schwierigkeiten. Wir müssen uns alle damit auseinandersetzen, dass wir in Schwierigkeiten stecken. Wir sind dazu in der Lage, und wir werden gewinnen, und es wird nicht einfach sein, aber es wird passieren. Auch weil wir „Gewinnen“ auf eine komplexe Art und Weise verstehen werden.

Ich möchte mit einer Geschichte beginnen, weil ich einen Geschichtspodcast mache und die Geschichten, die ich dabei lerne, in mir weiterleben und viel zu oft in zwanglosen Gesprächen auftauchen. Aber ich bin im Grunde auch ein Geschichtenerzähler, daher erinnere ich mich eher an die Geschichte als an die Details und werde euch heute nicht alles genau erzählen können.

Es ist eine Geschichte über schwule Künstler in Amsterdam während der Nazi-Besatzung. Der niederländische Widerstand war nicht der leidenschaftlichste Widerstand gegen den Faschismus, aber soweit ich das beurteilen kann, war er von allen von den Nazis besetzten Gebieten derjenige mit dem höchsten Anteil an der Gesamtbevölkerung. Ich glaube nicht, dass unsere aktuelle Situation eins zu eins mit der der Nazis vergleichbar ist (eher mit Putins Russland), aber ich denke, dass wir trotzdem einiges daraus lernen können. Vor allem, weil Westeuropa in den 1920er- und 1930er-Jahren einer der ersten Orte in der westlichen Welt war, an dem schwule Menschen wirklich begannen, sich zu outen.

Was diese Lehren angeht – da war zum Beispiel dieser Redakteur einer schwulen Zeitung. Ich weiß seinen Namen nicht mehr, aber ich weiß noch, was er gemacht hat. Als die deutschen Truppen an die Grenze rückten, hat er die Namen seiner Abonnenten auswendig gelernt, Hunderte von Namen, und dann hat er die Liste gegessen. Nach dem Sturz des Nazi-Regimes hat er alles wieder aufgeschrieben, und so konnten sich die Überlebenden wiederfinden.

Die Lektion daraus ist meiner Meinung nach, dass es jetzt nicht der richtige Moment ist, sich auf Listen setzen zu lassen. Jetzt ist ein Moment für Sicherheitskultur. Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren, aber wir müssen uns vielleicht an die Umstände anpassen.

Okay, die andere Lektion ... Da war diese Gruppe schwuler Künstler. Theaterleute, Bildhauer, Modedesigner und so weiter. Und sie haben erkannt, dass dies der Moment war, ihre Fähigkeiten außerhalb ihres gewohnten Umfelds einzusetzen. Mit ihren Fähigkeiten als Drucker und Künstler fingen sie an, Ausweispapiere für Juden und andere Menschen zu fälschen, die von den Faschisten bedroht waren. Mit ihren Fähigkeiten als Schauspieler und Modedesigner haben sie ... nun ja, ein paar von ihnen haben Nazi-Uniformen genäht, sind dann zu einem Nazi-Plattenlager gegangen und haben gesagt: „Wie geht's, Nazi-Kollegen?“ Dann sind sie reingegangen und haben den Laden in Brand gesteckt und Tausende von Platten verbrannt.

Willem Johan Cornelis Arondéus
Willem Johan Cornelis Arondéus
Schließlich wurden einige von ihnen gefasst und hingerichtet. Ein Mann, Willem Arondeus, hinterließ seiner Anwältin, die selbst lesbisch war, während er auf seine Erschießung wartete, eine letzte Botschaft. Er sagte ihr: „Lasst es alle wissen, dass Homosexuelle keine Feiglinge sind.“

Ich denke fast jeden Tag an diese Scheiße, wenn ich ehrlich bin.

Wir sind keine Feiglinge. Wir stammen nicht von ängstlichen Menschen ab. Unsere queeren Vorfahren haben gegen unglaubliche Widrigkeiten gekämpft und allein durch ihren Kampf gesiegt. Denn Faschisten wollen uns nicht nur töten, sondern uns unterwerfen. Stattdessen haben wir ihren Scheiß verbrannt. Wir haben im ganzen Land und auf der ganzen Welt randaliert, überall dort, wo es für uns illegal war, einander zu lieben.

Die Schwulenrechtler in den 60er und 70er Jahren hatten einen Slogan, der sich auf die schwulen Stoßtruppens der alten Griechen vor Tausenden von Jahren bezog: Eine Armee von Liebenden kann nicht verlieren. Wir werden Seite an Seite kämpfen und wir lieben uns verdammt noch mal, also werden wir gemeinsam kämpfen. Und wir sind keine Feiglinge.

Um es klar zu sagen: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Mut ist Widerstandsfähigkeit angesichts der Angst. Man muss buchstäblich Angst haben, um mutig zu sein.

Die lesbische Anwältin und andere schafften es schließlich, über die Berge in die Schweiz zu fliehen, und nahmen die Erinnerungen an Menschen wie Willem Arondeus mit sich.

Das Foto zeigt 2 Paare beim Tanzen, darunter Willem Arondeus.
Willem Arondeus (links) in Aerdenhout, 1931
Weitere Lehren, die ich aus dem Widerstand der Schwulen in Amsterdam ziehe, sind: Ja, lasst euch verdammt noch mal keine Akten über uns anlegen. Wir alle geben seit Jahren und Jahrzehnten Daten über unser Leben an Unternehmen weiter, was in Friedenszeiten fast harmlos ist (zielgerichtete Werbung ist ein bisschen nervig), aber jetzt bedeutet, dass der repressive Staat Zugang zu unglaublichen Mengen an Informationen über uns hat. Wir müssen anfangen, ihre Aufzeichnungen zu vereiteln, ohne aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden.

Eine weitere Lektion, die ich aus ihrem Kampf gelernt habe, ist, dass es unabhängig von den eigenen Fähigkeiten immer Möglichkeiten gibt, diese für die Zerstörung des Totalitarismus einzusetzen.

Die letzte Lektion, die ich aus dieser Geschichte ziehe? Wir werden uns an Willem Arondeus erinnern, aber wir werden uns an ihn wegen einer Lesbe erinnern, die zu Fuß die Alpen überquert hat. Wir sind einander verpflichtet, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um diese Bastarde zu überleben. Wir dürfen uns nicht selbst zerstören, denn wir können nicht die Arbeit der Faschisten für sie erledigen.

Ich erzähle euch diesen Scheiß, weil es gerade wieder schlecht läuft, aber es war schon einmal schlecht. Es gibt immer Höhen und Tiefen, und der Trick besteht darin, diese Höhen und Tiefen zu schätzen. Es gibt keine Siegessicherheit, wirklich nicht. Es gibt keinen statischen Zustand namens Utopie, in dem nie wieder etwas Schlimmes passiert. Um es klar zu sagen: Die Lage kann viel besser sein, und wir können sie viel besser machen. Ich möchte in meinem Bett sterben, 97 Jahre alt, nachdem ich den größten Teil meines Lebens in einer Gesellschaft ohne Gefängnisse, Polizei, Kapitalismus, Patriarchat oder anderen verdammten Mist verbracht habe. Dafür kämpfe ich. Ich werde es wahrscheinlich nicht schaffen.

Aber genauso wie es keinen automatischen Sieg gibt, gibt es auch keine Niederlage. Sie können uns einfach nicht auslöschen. Es gab schon immer queere Menschen und es wird immer queere Menschen geben. Wir sind verdammt noch mal unsterblich.

Wir können also nicht gewinnen und wir können nicht verlieren, aber wir können verdammt noch mal kämpfen und wir können die Schönheit in diesem Kampf finden, und das müssen wir auch, denn Romantisierung ist ein mächtiges Werkzeug, um komplizierte Situationen zu akzeptieren. Wir müssen verstehen, dass sowohl der Anwalt, der den Krieg überlebt hat, als auch der schwule Brandstifter, der es nicht geschafft hat, ein erfülltes Leben voller Schönheit und Sinn geführt haben.

Ich habe meinem Partner vorhin erzählt, dass ich den ganzen Slogan „Eine Armee von Liebenden kann nicht verlieren“ zitieren wollte, und er hat mir erzählt, dass er in einem lesbischen Archiv einen Anstecker gefunden hat, die lesbische Antwort auf diesen Slogan. „Eine Armee von Ex-Liebenden kann nicht verlieren.“

Wenn wir wollen, dass dieser Slogan wahr wird, wenn wir eine unaufhaltsame Kraft werden wollen, dann müssen wir uns gegenseitig den Rücken stärken. Wir müssen freundlicher zueinander werden. Wir müssen unseren Feinden gegenüber entschlossen auftreten und allen anderen gegenüber freundlicher sein. Wir müssen lernen, Konflikte zu deeskalieren. Es gibt Menschen, die unsere Feinde sind – Menschen, die versuchen, uns zu zerstören. Wir müssen vermeiden, uns in der Zwischenzeit gegenseitig zu Feinden zu machen.

Wir müssen nicht miteinander auskommen, uns nicht einig sein oder uns mögen, aber wir müssen lernen, unsere Probleme zu besprechen – oder einfach nur lernen, wie wir miteinander umgehen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass wir alle Fehler haben, große Fehler, und dass wir alle Versager sind.

Es ist eine gute Idee, zu versuchen, kein Versager zu sein, aber... erwartet nicht, dass ihr Erfolg habt. Noch einmal: Es gibt keinen sicheren Sieg. Es gibt kein „perfekt werden“. Wir versuchen einfach, unser Bestes zu geben und andere zu ermutigen, ihr Bestes zu geben, aber wir lernen, einander zu vergeben, während wir uns als fehlerhafte Menschen in dieser fehlerhaften Welt zurechtfinden.

Es liegt in unserer Verantwortung, die Welt besser zu machen, aber es ist nicht unsere Schuld, dass die Welt im Arsch ist. Vielleicht sollten Schuld und Verantwortung Hand in Hand gehen, aber das tun sie nicht. Es ist nicht unsere Schuld, dass wir gerade im Zentrum eines Kulturkrieges stehen. Es ist nicht unsere Schuld, dass unsere Rechte angegriffen werden. Aber es liegt in unserer Verantwortung, damit umzugehen. Denn es ist unser Problem. Wir können nicht auf andere warten, die uns retten. Uns selbst zu retten ist eine Aufgabe, die wir schon einmal bewältigt haben und die wir wieder bewältigen werden. Und ich sage hier „wir“ und nicht „ihr“, denn wenn Leute, die älter sind als ihr, euch sagen wollen, dass „es an eurer Generation liegt, diese Probleme zu lösen“, dann ist das nur eine weitere Abgabe von Verantwortung. Es liegt an uns allen, gemeinsam als Gleichberechtigte zu arbeiten, um den Faschismus zu stoppen, den Klimawandel aufzuhalten und eine Welt zu schaffen, die auf Solidarität und gegenseitiger Hilfe basiert.

Als ich ein kleines Kind war, herrschte noch der Kalte Krieg, ein Kalter Krieg zwischen dem oligarchischen Kapitalismus hier im Westen und dem autoritären Sozialismus im Sowjetblock. Dieser Kalte Krieg hat alles kaputt gemacht – am direktesten natürlich alle Menschen, die dabei ums Leben kamen, aber er hat uns auch philosophisch kaputt gemacht. Er hat die Menschen davon überzeugt, dass es eine riesige Kluft zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft gibt. Man muss sich für das eine oder das andere entscheiden ... entweder ist man ein Individuum und liebt den Kapitalismus, oder man liebt die Gemeinschaft und muss Totalitarismus und den Verzicht auf individuelle Freiheit akzeptieren.

Das ist Quatsch. Das ist einer der gefährlichsten Quatsch, den wir je geschluckt haben. Anstatt zu suchen, wo der Einzelne und die Gemeinschaft im Widerspruch stehen, sollten wir suchen, wo sie sich überschneiden. Wir sollten uns auf die vielen, vielen Dinge konzentrieren, die beiden helfen. Als Einzelner bin ich freier, wenn ich in einer Gesellschaft mit einem starken sozialen Netz lebe. Ich kann meinen individuellen Willen in einer Gesellschaft besser ausüben als allein im Wald. Gemeinschaften wiederum sind am stärksten, wenn sie heterogen sind und viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ideen beherbergen, die frei sind, ihren Leidenschaften nachzugehen und diese Leidenschaften dann für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen.

Das ist die Aufgabe, die vor uns liegt, wenn man einen großen Schritt zurücktritt und das Ganze betrachtet. Es ist unsere Aufgabe, herauszufinden, wofür wir uns begeistern können, und zu lernen, wie wir diese Begeisterung einsetzen können, um allen zu helfen, auch uns selbst. Auf diese Weise können wir Beziehungen der Freiheit aufbauen (denn um es klar zu sagen: Freiheit ist eine Beziehung zwischen Menschen, kein statischer Zustand). Auf diese Weise können wir ein erfülltes Leben führen, egal ob dieses Leben kurz oder lang ist – möge es lang sein.

Wenn man jedoch etwas näher heranzoomt, wird die Aufgabe, die vor uns liegt, etwas konkreter: Wir müssen den Totalitarismus zerstören, bevor er sich festsetzt und uns alle vernichtet. Wir müssen überleben, wenn möglich, und wenn nötig, kämpfen bis zum bitteren Ende. Wir müssen dafür sorgen, dass für immer festgeschrieben wird, dass Homosexuelle keine Feiglinge sind – ein Grundsatz, an dem niemand mehr zweifeln wird.

Quelle: Margaret Killjoy, in Birds Before the Storm: The Kids Are, As They Say, Alright or: to the graduating class of 2025,  08. Mai 2025
Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, sollten Sie ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung [Autorisiert]: Thomas Trueten

1. Mai 2025 im Grunewald: Musk, Milei und Merz zum Mars!

Das Foto von © heba zeigt das startende Mars Shuttle vor dem Publikum das dazu vor dem Emblem der "Grunewald Space Agency"  tanzt.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
„Musk, Milei, Merz zum Mars!“ forderten einige Tausend Menschen bei der Demonstration zum Ersten Mai im #Grunewald, der in Cape Gruneval umbenannt wurde. Vom Raumbahnhof wurden die ersten #Millionäre mit dem Antinationalen Space Shuttle „myASS“ auf den Mars geschossen. Das zurückgebliebene Vermögen sollte umverteilt werden. Rund um die zentrale Kundgebung am Johannaplatz fanden zahlreiche weitere Satelliten-Kundgebungen statt. Zum Abschluss fuhren viele Teilnehmende mit dem Fahrrad über die #A100 zurück nach #Berlin.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Berlin: Revolutionäre 1. Mai-Demonstration 2025

Das Foto zeigt demonstrierende Menschen hinter dem Fronttransparent mit dem Text Es lebe der revolutionäre 1. Mai in verschiedenen Sprachen
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
30.000 Menschen nahmen an der diesjährigen revolutionären 1. Mai-Demo in Berlin teil. Zentrale Themen waren Solidarität mit Palästina, Krieg, Rassismus und die Repressionen gegen Antifas. Die Polizei hielt sich die meiste Zeit auffallend zurück und so war es eine bunte und laute Demo. Zum Schluss kam es dann doch noch zu Angriffen der Polizei auf einzelne Blöcke der Demo.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Hier die Presserklärung des revolutionären 1. Mai-Bündnisses Berlin.

Mit über 30.000 Teilnehmer:innen fand 2025 die größte 1. Mai-Demo statt, die es seit langem in Berlin gab. Der Demonstrationszug hatte zwischenzeitlich eine Länge von fast drei Kilometern.“Wir freuen uns sehr, mit so Vielen gemeinsam gegen Krieg, Faschismus und Kapital auf die Straßen gegangen zu sein! Mit sechs verschiedenen inhaltlichen Blöcken konnten wir unterschiedliche politische Schwerpunkte setzen“, erklärt die Aktivistin Rosa Hikmet, Mitglied beim Revolutionären 1. Mai-Bündnis Berlin. Die Inhalte konnten an die Anwohner*innen – bis ins Ausland vermittelt werden, deshalb sei das Demonstrationskonzept aufgegangen.

„Aufrüstung, Kürzung und Verarmung – Schluss damit!“ hieß es auf Transparenten und es gab Sprechchöre wie „Hoch mit den Löhnen – runter mit der Miete“ und zahlreiche feministische und antirassistische Parolen.

In einem verlesenen Redebeitrag grüßte auch die in Vechta inhaftierte Daniela Klette den Demonstrationszug. Sie betonte die Wichtigkeit des vereinten Protests gegen den Völkermord an den Palästinensern und richtete „solidarische Grüße an alle Unterdrückten und Ausgebeuteten und allen in der Legalität, der Illegalität oder in den Gefängnissen, deren Sehnsucht ein gutes Leben für alle ist“. Ihr Grußwort ist vollständig dokumentiert und hier nachzulesen:
https://freiheit-fuer-daniela.de/grusswort-von-daniela-klette-zum-revolutionaeren-1-mai-berlin/

Begonnen hat die Veranstaltung mit einem Konzert mit Acts wie Mads, STL-Crew, L-Sura, PTK und Sechser. An diesem nahmen bereits mehrere tausend Menschen teil. Als sich die Demo aufstellte, füllte sich der Platz immer mehr. Am Herrmannplatz schlossen sich weitere Demonstrationszüge der Revolutionären Demo an. Auch der Demozug gegen den von Bürgermeister Wegner geplanten Zaun um den Görlitzer Park.

Der 1. Mai, der internationale Kampftag der Arbeiter:innenklasse, lebt und immer weniger Menschen sind bereit den Regierungskurs von Kürzungen und Sozialabbau für immer mehr Aufrüstung mitzutragen. Die repressive Verschärfung nach Innen und die Verfolgung von Antifaschist:innen bleibt nicht unwidersprochen. Das haben wir heute eindrücklich bewiesen. Wir sind viele und wir werden mehr.

– Presseerklärung des Revolutionären 1. Mai Bündnis Berlin –

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Die Bewohner von Khirbet Khilet al-Dabe' sind heute Morgen mit Bulldozern aufgewacht. Bis Mittag war ihr Dorf komplett zerstört.

Innerhalb weniger Stunden haben israelische Truppen Häuser, Brunnen und sogar Höhlen in dem westjordanischen Weiler Khilet al-Dabe' abgerissen und Familien ohne Obdach zurückgelassen.

In den frühen Morgenstunden des Montags rasten zwei riesige Hyundai-Bagger und zwei Caterpillar-Bulldozer aus den Toren der Siedlung Ma'on in den südlichen Hebron-Hügeln – illegal gebaut auf palästinensischem Land, das zum Dorf At-Tuwani gehört. Für die Bewohner der Gegend ist der Anblick dieser „gelben Monster“, wie sie sie nennen, ein Vorzeichen: Der Tag wird voller Zerstörung sein, und Familien werden ihre Häuser verlieren, in denen sie noch wenige Stunden zuvor aufgewacht sind.

Etwa 90 Minuten später wurde das ganze Ausmaß der Operation deutlich. Militärjeeps, Soldaten der israelischen Armee, Grenzsicherungseinheiten, Beamte der Zivilverwaltung und eine Gruppe von Arbeitern versammelten sich und rückten dann gemeinsam in Richtung Khirbet Khilet al-Dabe' vor, einem kleinen, aber widerständigen Dorf, das zwischen den höheren Lagen von Shafa Yatta und den niedrigeren Hügeln von Masafer Yatta liegt. Ich eilte mit anderen lokalen Aktivisten dorthin, um zu dokumentieren, was wir befürchteten.

Etwa 80 Meter vor den Häusern des Dorfes wurden wir von einer Gruppe maskierter Soldaten aufgehalten. „Ihr dürft nicht weitergehen“, bellte ein Soldat, warf einen rostigen alten Eimer auf den Boden und erklärte: „Dies ist die Grenze einer gesperrten Militärzone: Wer sie überschreitet, wird verhaftet.“

Wir fragten, ob es einen offiziellen Militärbefehl gebe, der das Gebiet als Sperrzone ausweise. Ein Soldat antwortete: „Der kommt in ein paar Minuten.“ Aber die Zerstörung zog sich über Stunden hin, und ein solcher Befehl kam nie. Das war keine Durchsetzung einer rechtlichen Entscheidung, sondern die Ausübung purer militärischer Macht. In Wahrheit gaben die Soldaten nicht einmal vor, Israels eigene diskriminierende Gesetze aufrechtzuerhalten. Sie bedrohten uns einfach mit Waffen und Verhaftungen.

Während Soldaten uns zurückhielten, riss ein Bagger zwei Wasserbrunnen ein, während andere in die Gemeinde stürmten. Familien wurden gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Unter ihnen waren die 80-jährige Amna Dababseh und ihr 87-jähriger Ehemann Ali.

„Meine Tochter brachte uns Frühstück, und wir wollten gerade essen, als sie sagte, die Armee sei ins Dorf gekommen“, erzählte Amna. ‚Plötzlich standen Soldaten vor unserer Tür. Einer zeigte auf unser Haus und sagte: ‘Raus hier. Wir werden dieses Haus abreißen.‚ Ich sagte ihm: ‘Mein Mann hatte einen Schlaganfall und kann kaum laufen. Ich habe Diabetes. Wo sollen wir denn hin?‚ Er sagte nur: ‘Geht in die Berge. Bewegt euch!'“

Amnas Stimme brach, als sie das Chaos beschrieb. Grenzpolizisten gingen von Haus zu Haus und vertrieben eine Familie nach der anderen. Männer, Frauen und Kinder wurden einen Hügel hinaufgetrieben, von wo aus sie die Zerstörung ihrer Gemeinde beobachten mussten. „Dieses Dorf wird seit 20 Jahren zerstört“, sagte Amna, „aber noch nie so.“

Sie stand weinend zwischen Dutzenden anderen Menschen und sah zu, wie ihr Lebenswerk in Schutt und Asche gelegt wurde. Trotz des Traumas und des Schocks wiederholte sie immer wieder: „Ich werde dieses Dorf niemals verlassen – nicht bis zu meinem letzten Tag.“ Ihr Mann und andere schlossen sich ihr an, entschlossen, sich einem System zu widersetzen, das darauf aus war, sie auszulöschen.

„Sie wollen uns auslöschen“

Was in Khilet al-Dabe' passierte, war nicht nur eine Zerstörung – es war eine vollständige Auslöschung. Insgesamt wurden neun Häuser zerstört, dazu sechs Höhlen, sieben Brunnen, vier Viehunterstände, zehn Wassertanks und die einzige Solaranlage und Internetinfrastruktur des Dorfes.

Khirbet Khilet al-Dabe' ist eine der Hauptgemeinden, die in unserem Dokumentarfilm „No Other Land“ vorgestellt werden. Das Dorf ist bekannt für seine grüne Natur und sein landwirtschaftliches Leben. Anders als viele andere in Masafer Yatta konzentrieren sich die Bewohner weniger auf Viehzucht und mehr auf den Anbau von Mandeln, Trauben und Oliven. Sie pflegen traditionelle Steinterrassen und bewirtschaften das Land das ganze Jahr über. Die erhöhte Lage und die üppige Vegetation machen das Dorf zu einem der schönsten der Gegend.


Aber die Lage schützt nicht. In den letzten 18 Monaten wurden östlich und westlich von Khilet al-Dabe' vier neue Siedlungsaußenposten errichtet. Vor weniger als drei Monaten, am 10. Februar, sind israelische Truppen in Khilet al-Dabe' eingedrungen und haben sieben Häuser und zwei Höhlen zerstört. Amer Dababseh, der Sohn von Amna und Ali, hat an diesem Tag sein Haus und seine Höhle verloren. Seit 2018 wurde sein Eigentum mindestens sieben Mal zerstört. Nach dem Angriff im Februar suchten er und seine Familie Zuflucht bei seinen alten Eltern; nun ist auch dieses Haus zerstört.

Diesmal ließen die israelischen Streitkräfte Amer und viele andere buchstäblich mit nichts zurück. Sogar die Höhlen, die historisch als Notunterkünfte für vertriebene Familien dienten, wurden zerstört. Jetzt haben viele Dorfbewohner, darunter auch Kinder, keine andere Wahl, als im Freien zu schlafen.

Nachdem sich die Armee zurückgezogen hatte, kehrten die Dorfbewohner zurück und durchsuchten die Trümmer nach allem, was noch zu retten war: Kleidung, Küchenutensilien, persönliche Gegenstände. Die Szene glich einer Naturkatastrophe, als hätte ein Erdbeben ihre Häuser, Brunnen und ihr Leben zerstört.

Die Dorfbewohner glauben, dass die Zerstörung am Montag Teil eines größeren Plans ist: die palästinensischen Bewohner von ihrem Land zu vertreiben und den Weg für weitere illegale Siedlungsausweitungen freizumachen. „Sie wollen uns auslöschen – nicht nur unsere Häuser, sondern unsere Existenz, unsere Geschichte und unsere Zukunft“, sagte Amer. Für die Familien von Khilet al-Dabe' sind die Trümmer nicht nur Schutt – sie erinnern sie daran, dass sie einer sich ausbreitenden Besatzung im Weg stehen. Und trotz allem weigern sie sich, zu gehen.

Auf Anfrage von +972 erklärte der israelische Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT), dass seine Mitarbeiter „Durchsetzungsmaßnahmen gegen mehrere illegale Bauten durchgeführt haben, die ohne Genehmigung in der Schusszone 918 errichtet wurden und sowohl gegen Planungsvorschriften als auch gegen militärische Zugangsbeschränkungen verstoßen“, und dass „die Operation in voller Übereinstimmung mit den gesetzlichen Verfahren und den genehmigten Durchsetzungsprioritäten durchgeführt wurde“.

Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, dass „die Durchsetzungsmaßnahmen nach Abschluss aller erforderlichen Verwaltungsverfahren und in Übereinstimmung mit dem zuvor dem Obersten Gerichtshof vorgelegten Rahmen für Durchsetzungsprioritäten durchgeführt wurden“. Er behauptete weiter, dass „eine Sperrverfügung für das angrenzende Gebiet erlassen wurde und die allgemeine Anordnung, die für den betreffenden Ort galt, den Bewohnern ebenfalls bekannt war. Die erlassene vorübergehende Anordnung wurde auf Anfrage vorgelegt“.

Quelle: Basel Adra, in +972magazine: "Palestinians awoke to bulldozers. Their village was destroyed by noon", 6. Mai 2025.  Basel Adraa ist Aktivist, Journalist und Fotograf aus dem Dorf a-Tuwani in den südlichen Hebron-Hügeln.

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Zeiten des Zorns“ - Zur Geschichte und Politik der "Revolutionären Zellen" und "Die Rote Zora"

Der Flyer zum Filmabend zeigt neben den Angaben zum Film in Kurzfassung die Symbole der Revolutionären Zellen- die Buchstaben RZ in einem fünfzackigen Stern und der Roten Zora: den fünfzackigen Stern in einem Zeichen für weiblich..Ausschnitte aus dem Film und Veranstaltung am 22. März 2001 im SO386, Berlin mit Klaus Viehmann -Bewegung 2. Juni- von 1978 bis 1993 im Knast + Stefan Wisniewski -RAF- von 1978 - 1999 im Knast.

Der Film vermittelt die langjährige Geschichte der Theorie und Praxis der Revolutionären Zellen / Rote Zora. Wieso entstanden die RZ zum Anfang der 70er Jahre? Mit welcher Konzeption traten sie an? Welche Sozialrevolutionären und antiimperialistischen Ansätze versuchten sie zu verwirklichen? Wie kam es zur Aktion gegen die OPEC- Konferenz 1975. Was waren die Aktionen der Roten Zora, was geschah wirklich bei der Entführung des Verkehrsflugzeugs nach Entebbe 1976?Wie veränderten sich die RZ in den 80er Jahren? Warum wurde die „Flüchtlingskampagne“ gestartet? wieso haben die RZ ihre Aktionen eingestellt? Bewußtes nachdenken über legal und illegalität u.a. mehr.

Die RZ und die Rote Zora waren für mehrere Hundert Sprengstoff- und Brandanschläge und sonstige Aktionen verantwortlich. Dabei erfreuten sie sich in großen Teilen der linksradikalen Szene und darüber hinaus großer Beliebtheit, da es zumeist gelang, ihre Aktionen so zu vermitteln, dass sie nachvollziehbar u. verstanden werden konnten.

In ihren Aktionen knüpften die RZ/Rote Zora meist an bestehende Bewegungen an und versuchten, sich stets (militant) zu sozialen Bewegungen in Beziehungen zu setzen.

Film am 18. Mai 2025 19 Uhr - Stefan Wisniewski ist anwesend.

combatiente zeigt geschichtsbewußt: revolucion muß sein! filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen

kinzigstraße 9 + 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


Alles raus zum 1. Mai!

Als Motiv von Il Quarto Stato wird eine aus der Dunkelheit ins Licht hervorschreitende Masse von Landarbeitern abgebildet; ein Demonstrationszug von Menschen beiderlei Geschlechts und fast jeden Lebensalters, der dem Betrachter frontal (auch konfrontativ), fordernd und selbstbewusst entgegenzumarschieren scheint (sinnbildlich „aus dem Schatten der Vergangenheit und der Geschichte in die erleuchtete Gegenwart“). Dessen vorderste Linien nehmen die gesamte Breite des Gemäldes ein. Ein Ende des Menschenstroms, der sich bis zum in der Dunkelheit angedeuteten Horizont zu erstrecken scheint, ist nicht auszumachen.  Im Zentrum und Vordergrund sind drei auf dem Originalgemälde lebensgroß dargestellte Personen (zwei entschlossen wirkende Männer und eine in klagender Mimik seitlich herbeitretende, vom Hochrenaissance-Maler Raffael inspirierte madonnenhaft erscheinende Frau mit männlichem Kleinkind auf dem Arm) als hervorstechende bzw. anführende Einzelpersonen mit individuellen Zügen zu erkennen; wohingegen die einzelnen Menschen der unmittelbar dahinter folgenden Menge oft nur schemenhaft erscheinen – sozusagen noch in der Anonymität der Masse verborgen und mit ihr verschmelzend.
„Der vierte Stand“ (1901) von Giuseppe Pellizza da Volpedo zählt zu den bekanntesten Darstellungen des modernen Proletariats.

Theatertipp: Thomas Müntzer - der Mann mit der Regenbogenfahne. Ein Schauspiel von Friedrich Wolf

Stilisiertes Plakat, das einen Bauern mit einer Mistgabel zeigt, dazu der Text: "Der Bauer stund auf im Land: Dran, dran, dran!" sowie "Theaterstück Thomas Müntzer" 500 Jahre Bauernkrieg
Plakat zum Theaterstück nach Friedrich Wolf
Im Deutschland des frühen 16. Jahrhunderts brodelt es: Steigende Abgaben und harte Strafen treiben die Bauern in die Revolte. Inspiriert von Luthers Botschaft der Freiheit eines Christenmenschen und seiner Bibelübersetzung, die dem gemeinen Mann die Erkenntnis vermittelt, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, fordern sie Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit für alle. Damit rufen sie aber die Fürsten und Feudalherren auf den Plan, die die Reformation auf den geistlichen Bereich beschränken wollen. Während Luther einknickt, fordert der Pfarrer Thomas Müntzer die Fürsten heraus. Er unterstützt die Sache der Bauern, fordert eine grundlegende gesellschaftliche Erneuerung und führt neben der Bundschuhfahne die Regenbogenfahne ein als Symbol der Vielfalt und Hoffnung.

Das Ensemble der Produktion „Thomas Müntzer – der Mann mit der Regenbogenfahne“ setzt sich zusammen aus Schauspielerinnen und Schauspielern des Kleinen Bühnenbodens Münster und einer freien Theatergruppe. Die Akteure kommen aus Münster, dem Münsterland und aus Stuttgart.

Bearbeitung: Gerhard Schepper Regie: Konrad Haller

Quelle, mehr Informationen und Onlinebuchungen.

Dein Bedrohungsmodell hat sich geändert oder: Reduziere Deinen digitalen Fingerabdruck

Egal, wer du bist und was du machst, wenn du in den USA lebst, hat sich dein Bedrohungsmodell geändert. Das gilt wahrscheinlich überall auf der Welt, weil die politische Lage hier die politische Lage weltweit durcheinanderbringt, aber ich kann wirklich nur für die USA sprechen. Die Dinge sind jetzt anders. Das müssen wir akzeptieren.

Die Grafik zeigt ein Bedrohungsmodell mit den Begriffen: ": Big Brother Datensicherheit Polizei Auto Television and Handy"
Ein Bedrohungsmodell, generiert von einer KI
Wenn du eine Sicherheitsstrategie entwickelst (für ein Haus, ein Netzwerk, eine Person, eine Protestkundgebung oder was auch immer), arbeitest du mit einem sogenannten „Bedrohungsmodell“. Das ist ein ziemlich einfaches Konzept: Es bringt nichts, sich gegen jede mögliche Bedrohung zu schützen, also entwickelst du stattdessen ein Modell der wahrscheinlichsten Bedrohungen und bereitest dich auf diese vor.

Wir alle erstellen Bedrohungsmodelle, ob bewusst oder unbewusst. Wir betrachten die Welt um uns herum, überlegen, was uns schaden könnte, und ergreifen Maßnahmen, um dieses Risiko auf der Grundlage unserer eigenen Bedrohungsmodelle zu minimieren. In Vororten und Städten werden die Türen häufiger abgeschlossen als in ländlichen Gebieten. Die Menschen an der Westküste achten mehr auf Waldbrandkarten und Evakuierungsrouten, während die Menschen an der Ostküste in Bezug auf Brandschutz laxer sind. Soldaten rauchen häufiger als der Rest der Bevölkerung (etwa jeder Vierte statt jeder Fünfte). Ich vermute, dass in einem Kriegsgebiet die langfristige Gesundheit in der Bedrohungsanalyse eine geringere Priorität hat.

Ich kann dir nicht sagen, wie dein Bedrohungsmodell vor einem Jahr aussah, nur dass es jetzt anders ist. Ich kann dir nicht einmal sagen, wie dein neues Bedrohungsmodell aussieht. Das Bedrohungsmodell einer cis-Frau unterscheidet sich von dem einer trans-Frau, das sich wiederum von dem eines trans-Mannes unterscheidet, das sich wiederum von dem eines cis-Mannes unterscheidet. Jemand, der mit einem Studentenvisum hier ist, befindet sich in einer prekäreren Situation als ein US-Bürger. Ein Bundesbeamter und ein Bauarbeiter können sich beide in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, aber das sieht nicht ganz gleich aus. Natürlich hat jeder, unabhängig von seiner Identität, etwas zu verlieren, wenn es darum geht, sich in einem totalitären Regime zurechtzufinden.

Es lohnt sich, sich Zeit für die Erstellung eines Bedrohungsmodells zu nehmen, damit du dich auf die Situationen vorbereiten kannst, die du für am wahrscheinlichsten hältst. Das kannst du mit deinen Freunden, Mitbewohnern, deiner Familie und/oder deiner lokalen Community machen. Setzt euch zusammen und sprecht darüber, was euch Sorgen macht.

Ich kann dir nicht sagen, worüber du dir Sorgen machen solltest, aber ich kann dir einige Veränderungen aufzeigen und habe ein paar Vorschläge, wie du damit umgehen kannst, insbesondere in Bezug auf deine digitalen Spuren.

Vor zwanzig Jahren kannte ich all diese technikbegeisterten Aktivisten, die die Vorzüge von Linux und Datenschutz priesen. Sie versuchten uns zu warnen, dass wir unsere Daten nicht in die Hände von Unternehmen fallen lassen sollten. Vor zwanzig Jahren habe ich nicht wirklich darauf gehört, weil mein Bedrohungsmodell mir keine allzu großen Sorgen um den Datenschutz machte.

Vor einem Jahr habe ich die politische Lage eher als Dreikampf gesehen. Das ist zwar etwas vereinfacht, aber man könnte „die Linke“ (und vor allem diejenigen, die eine freiere und kooperativere Welt wollen) in einer Ecke sehen. Der Kapitalismus und seine großen Unternehmen waren in einer anderen Ecke (was wir Neoliberalismus nennen, was sich von „liberal sein“ unterscheidet, da politische Begriffe so verwirrend sind). Die dritte Ecke war die Staatsmacht. Der Staat war zwar selbst weitgehend neoliberal, aber er unterschied sich deutlich von den Unternehmen, und zwischen beiden gab es Spannungen.

Nehmen wir zum Beispiel den Datenschutz bei E-Mails. Es gab schon immer E-Mail-Anbieter, die sich speziell auf die Bereitstellung von Diensten für Aktivisten konzentriert haben (wie riseup.net), aber die meisten Aktivisten bevorzugten weiterhin Gmail. Warum? In gewisser Weise war die Antwort: Bequemlichkeit. Aber es gab auch Argumente dafür, dass Google tatsächlich die sicherere Plattform war. Megakonzerne haben wesentlich mehr Ressourcen, um Hacker zu bekämpfen und sich sogar gegen den Staat zu behaupten. Reiche Unternehmenskunden bestehen darauf, dass ihre Daten sicher bleiben, also hat Google hart daran gearbeitet, diese Daten zu schützen, auch vor der US-Regierung.

Aber die Dinge ändern sich. Da sich derzeit Milliardäre anstellen, um sich vor Trump zu verbeugen, und Gesetze verschärft werden, um die Repressionsmacht des Staates zu erhöhen, ist es immer unwahrscheinlicher, dass große Tech-Unternehmen uns noch nennenswerten Schutz bieten werden.

Die großen Tech-Unternehmen haben uns schon immer ausspioniert. Das steht in den Datenschutzrichtlinien, die wir ohne zu lesen anklicken. Es ist nur so, dass sie mit diesen Daten nichts besonders Gefährliches anzufangen schienen, sodass es uns (mich eingeschlossen) nicht wirklich interessiert hat. Große Smart-TVs sind um ein Vielfaches billiger als normale Bildschirme, nicht weil die Technologie grundlegend anders ist, sondern weil die Produktionskosten für einen Smart-TV durch den Verkauf der Nutzerdaten ausgeglichen werden können. Eine schockierende Vielzahl von Tools in unserem Leben macht das. Apps, für die wir auf unseren Handys bezahlen, sammeln und verkaufen unsere Daten. Websites, die wir besuchen, sammeln und verkaufen unsere Daten. Soziale Medien sammeln und verkaufen unsere Daten.

Tech-Unternehmen haben kleine Biografien über jeden einzelnen von uns erstellt. Das war schon immer etwas beunruhigend, hatte aber bisher kaum Auswirkungen auf unsere tatsächliche Sicherheit.

Nun könnte sich das ändern.

Zum Glück ist es noch nicht „zu spät“. Wir können und sollten daran arbeiten, den Schaden rückgängig zu machen. Wir können auf ein sich änderndes Bedrohungsmodell reagieren, indem wir unsere Sicherheitsgewohnheiten ändern (oder ganz neue entwickeln). Wenn es um unsere eigene Sicherheit geht, muss man sich daran erinnern, dass Perfektion der Feind des Guten ist: Manchmal geben Menschen, wenn sie erkennen, dass sie niemals perfekte Sicherheit erreichen können, die Bemühungen um Sicherheit ganz auf. Das ist unsinnig. Jeder, der schon einmal ein Rollenspiel gespielt hat, sollte sofort erkennen, dass das unsinnig ist. Ein +1-Schild macht dich nicht unbesiegbar, es macht dich nur 5 % schwerer zu treffen. Es lohnt sich, unglaubliche Anstrengungen zu unternehmen, um einen +1-Schild zu bekommen.

Zitate zum Thema Bedrohung auf Wikipedia
WikiPedia Zitate zum Thema Bedrohung
Sicherheitsmaßnahmen sind Gewohnheiten, die du dir mit der Zeit aneignest. Schau dir keine Liste mit Vorschlägen an und denke: „Das kann ich alles nicht, also mache ich gar nichts davon.“ Nicht alle diese Vorschläge sind ohnehin auf dich zutreffend. Für die meisten Menschen ist es nicht das Ziel, „von der Bildfläche zu verschwinden“ und ein digitaler Geist zu werden, sondern ihre digitalen Spuren zu begrenzen und zu kontrollieren.

Einiges davon ist ziemlich aufwendig. So ist das nun mal.

Hier sind ein paar Vorschläge. Betrachte diese Liste als „vielleicht solltest du das mal machen“.

  • Installiere als Erstes Signal auf deinem Handy und Computer und benutze es anstelle von SMS. Mit Signal kannst du noch weitere Schritte unternehmen, z. B. das Verschwinden von Nachrichten aktivieren und die Vorschau von Benachrichtigungen deaktivieren, aber schon allein die Umstellung auf Signal reduziert die Menge der Daten, die dem Staat zur Verfügung stehen, erheblich.

  • Überleg dir, von Windows oder Mac auf Linux umzusteigen. Das ist zwar weniger bequem, und obwohl Linux in Sachen Benutzerfreundlichkeit große Fortschritte gemacht hat, erfordert es immer noch mehr Arbeit und einen gewissen Lernaufwand. Aber es ist definitiv günstiger – die gesamte Software ist kostenlos. Einige Programme kannst du auf einem Linux-Computer nicht verwenden, daher brauchst du möglicherweise einen zweiten Computer für bestimmte Aufgaben oder musst dich mit virtuellen Maschinen vertraut machen.

  • Wenn du nicht auf Linux umsteigen kannst, schau dir Anleitungen an, wie du die Privatsphäre von Windows oder Mac verbessern kannst. Es gibt eine ganze Reihe von Datenschutzkontrollen.

  • Verzichte nach Möglichkeit auf Cloud-basierte Programme, insbesondere auf unverschlüsselte Programme, die deine Daten sammeln, um ein Profil von dir zu erstellen und/oder KI-Modelle zu trainieren. Je mehr du in der Cloud arbeitest, desto größer ist deine „Angriffsfläche“. Das heißt, desto mehr Möglichkeiten gibt es, deine Sicherheit zu gefährden. Unverschlüsselte Daten können von der Polizei angefordert werden, und alles deutet darauf hin, dass dieser Prozess einfacher und nicht schwieriger wird. Such nach „End-to-End“-Verschlüsselung.

  • Andere empfehlen, einfach von US-basierten Cloud-Diensten wegzugehen.

  • Verleg deine Social-Media-Konten weg von deinem richtigen Namen. Jemand, der deinen Ausweis sieht (z. B. an der Grenze oder bei einer internen Kontrolle), sollte nicht sofort unzählige Infos über deine Familie, deine Gewohnheiten und deine politischen Ansichten finden können. Wenn du keine Person des öffentlichen Lebens bist (oder eine solche werden willst), dann mach deine Accounts privat und nur für Freunde sichtbar. Lösche alte Beiträge und Bilder (einige Dienste, wie z. B. Meta, ermöglichen es dir, deine Daten in großen Mengen herunterzuladen, sodass du nicht riskierst, alle deine Fotos zu verlieren). Hilf deinen Freunden und deiner Familie dabei, ihre sozialen Medien zu überprüfen, um sicherzustellen, dass keine Fotos öffentlich zugänglich sind.

  • Erwäge, unter deinem richtigen Namen eine "öffentliche" Social-Media-Präsenz (insbesondere auf Meta und/oder X) zu haben, die völlig harmlos ist, während du für dein tatsächliches Leben eine verdeckte Social-Media-Präsenz beibehältst.

  • Schließ alte Konten. Wenn du einen Dienst, insbesondere einen Social-Media-Dienst, nicht mehr nutzt, deaktivier dein Konto. Einige Dienste, wie z. B. X, löschen deine Daten nicht, wenn du dich abmeldest, aber es gibt Anwendungen, mit denen du alle deine Daten in einem Rutsch löschen kannst.

  • Verlass X. Twitter gibt's nicht mehr. Es wurde nicht „umbenannt“, es ist weg. Seine Daten wurden von einem Faschisten gekauft, der daran arbeitet, einen totalitären Staat aufzubauen. Lösche deine Daten und lösche deinen Account. Es tut mir leid.

  • Instagram-Stories werden standardmäßig für immer gespeichert und sind daher für jeden zugänglich, der Zugriff auf deine Daten hat. Es gibt eine Einstellung, um dies zu deaktivieren, und du kannst alte Stories aus deinem Archiv löschen, allerdings nur einzeln.

  • Entgoogeln Sie Ihr Leben. Wechseln Sie zu Duck Duck Go, einer datenschutzorientierten Suchmaschine. Seitdem das Internet von KI-artikeln überschwemmt wird, ist Google ohnehin immer weniger nützlich. Wenn Sie Gmail oder andere Google-Dienste weiterhin nutzen müssen, verwenden Sie einen Browser wie Firefox, mit dem Sie „Container“ einrichten können, damit Google den Rest Ihres Surfverhaltens und Ihren Computer nicht ausspionieren kann.

  • Hör auf, Chrome zu benutzen. Firefox und Brave sind zwei Browser, die auf Sicherheit setzen. Firefox hat eine längere Geschichte als vertrauenswürdiger Browser. Brave basiert auf „Chromium“, einer Open-Source-Architektur von Google, was bedeutet, dass es viele „Chrome-only“-Webanwendungen ausführen kann und dabei einigermaßen sicher bleibt.

  • Investiere in ein VPN, mit dem du deinen Internetverkehr umleiten kannst. Dies könnte mit zunehmendem Totalitarismus immer wichtiger werden. Nicht alle VPNs sind in Bezug auf Komfort, Geschwindigkeit und Sicherheit gleich.

  • Beginne mit der „Telefonhygiene“. Lösche nicht verwendete Apps. Gewöhne dir an, dein Telefon manchmal zu Hause zu lassen, da es ständig einen Standortprotokoll hinterlässt und es ein Leichtes ist, anhand unserer Telefongewohnheiten Profile über uns zu erstellen. Nimm dein Handy möglichst nicht zu Demos mit, auch nicht zu legalen. Besorg dir eine Faraday-Tasche, die alle Übertragungen von deinem Handy blockiert, und lass es manchmal darin, vor allem, wenn du das Gefühl hast, dass du es an Orte mitnehmen musst, an denen du es besser nicht dabei haben solltest.

  • Es gibt ein sicherheitsorientiertes Handy-Betriebssystem namens GrapheneOS, das auf Pixel-Handys installiert werden kann und dir unglaublich viel Kontrolle darüber gibt, wie Daten gesammelt und übertragen werden.

  • Verbinde dein Handy nicht mehr direkt mit deinem Auto, denn dein Auto greift auf alle Informationen auf deinem Handy zu (oder zumindest auf deine Kontakte und Anrufprotokolle) und verkauft diese wahrscheinlich an Werbetreibende und gibt sie an die Polizei weiter. Verwende einen Aux-Anschluss, um Musik zu hören, oder einen kleinen Bluetooth-Dongle, wenn dein Handy keinen Kopfhöreranschluss hat. GrapheneOS (und vermutlich auch andere Handy-Betriebssysteme) können sich mit einem Gerät verbinden, ohne Kontakte und Anrufprotokolle preiszugeben.

Es gibt noch mehr (fast unvorstellbar viel mehr), was du tun kannst, um deinen digitalen Fingerabdruck zu reduzieren. Dein Fernseher verkauft deine Daten. Du kannst auf physische Medien umsteigen. Du kannst auf Piraterie umsteigen. Du kannst einen „selbst gehosteten“ Medienserver wie Plex einrichten und dann deinen Fernseher mit einer Firewall schützen, sodass er nur mit deinem lokalen Netzwerk kommunizieren kann.

Auch dein Auto ist ein Verräter, und alle großen Autohersteller verkaufen deine Daten – wo du warst, wie du fährst, manchmal sogar, mit wem du fährst. Hier gibt es zwei verschiedene Gefahren: Erstens werden die Daten vom Auto über eine Antenne an den Hersteller übertragen, der diese Daten verkauft und möglicherweise an die Polizei weitergibt. Alle neueren Autos machen das. Zweitens werden noch mehr Daten (der Zeitstempel jedes Öffnens der Tür, die GPS-Koordinaten des Autos zu jedem Zeitpunkt, der Inhalt jeder Kamera im Auto, innen und außen) unverschlüsselt auf einer Festplatte im Auto gespeichert, auf die jede Strafverfolgungsbehörde Zugriff hat, die physische Kontrolle über das Auto erlangt.

Leider kenne ich keinen Hersteller, der sich auf Datenschutz konzentriert (der Wert deiner Daten muss für sie zu hoch sein, als dass sie darauf verzichten wollen), und ich kenne auch niemanden, der daran arbeitet, Autos zu „jailbreaken“, damit sie tatsächlich von ihren angeblichen Besitzern kontrolliert werden können. Ich habe den Eindruck, dass Autos, die vor etwa 2014 gebaut wurden, deutlich weniger Kapazitäten zum Speichern und Übertragen von Daten haben, aber natürlich ist die Wartung älterer Fahrzeuge komplizierter und teurer.

Meines Wissens gibt es noch keine Tools dafür. Ich kann nur hoffen, dass daran gearbeitet wird. Ich hoffe, dass die aktuelle Situation dazu führt, dass robustere und benutzerfreundlichere digitale Tools mit Fokus auf Sicherheit entwickelt werden. Ich hoffe, dass wir die Kontrolle über unsere Autos und deren Daten zurückgewinnen können. Ich hoffe, dass anonymes Filesharing einfacher wird. Ich hoffe, dass Leute einen Weg finden, YouTube auf dem Fernseher zu schauen, ohne Daten preiszugeben. Ich hoffe, dass Leute offene, vorprogrammierte Plug-and-Play-Firewalls entwickeln, die an Heimrouter angeschlossen werden können, um auch technisch weniger versierten Nutzern die Möglichkeit zu geben, ihre Daten zu schützen.

Natürlich hoffe ich auch, dass die sozialen Bewegungen, die sich dem Faschismus entgegenstellen, weiter wachsen und irgendwann (bald?) den faschistischen Staat zerschlagen und dann ihre eigene Macht erkennen und, anstatt eine Rückkehr zum alten Status quo zu akzeptieren, voranschreiten, um die Natur nationaler Grenzen, die Existenz des Kapitalismus und die Bedrohung durch den Klimawandel in Frage zu stellen.

Ich habe viele Hoffnungen.

Ich glaube, wir können es schaffen.

Quelle: Margaret Killjoy, in Birds Before the Storm: "Your Threat Model Has Changed or: reducing your digital fingerprint",  23. April 2025

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Übersetzung [Autorisiert]: Thomas Trueten