trueten.de

»Keine Regierung kämpft gegen den Faschismus, um ihn zu zerstören. Wenn die Bourgeoisie sieht, dass ihr die Macht aus den Händen gleitet, erhebt sie den Faschismus, um an ihren Privilegien festzuhalten.« Buenaventura Durruti Dumange

Hamburg: Neue Sternbrücke fertig? Stimmt nicht!

DB InfraGo verschleiert Projektverzögerungen. Eisenbahnbundesamt prüft Einhaltung Planfeststellungsbeschluss. Initiative fordert Beschleunigung und verbindlichen Zeitplan

Das Foto zeigt eine S-Bahn, die die Sternbrücke überquert. Darunter fahren Autos.

Foto © Stephan Pflug, Initiative Sternbrücke

Während DB InfraGo und Senat sich dafür feiern lassen, dass die Züge wieder über die Monsterbrücke rollen, bleibt die Wahrheit auf der Strecke: der Bau liegt weit hinter Zeitplan. Wesentliche Arbeiten dauern nun bis Ende 2027, die Kabelhilfstrasse soll sogar bis Anfang 2028 stehen. Hinterhöfe warten auf Wiederherstellung und Renaturierung, Flächen bleiben blockiert und die Entwicklung eines lebenswerten Umfelds wird weiter verzögert.

„Die Arbeiten an der neuen Sternbrücke sind erfolgreich abgeschlossen“, meldet die Deutsche Bahn auf Instagram. Eine zumindest irreführende Formulierung. Denn auf ihrer eigenen Projektseite beschreibt die DB den aktuellen Zustand gleichzeitig als „Bauzwischenzustand“. Der Lärmschutz soll erst im Oktober 2027 vollständig fertiggestellt werden - möglicherweise im Widerspruch zur Planfeststellung, das Eisenbahnbundesamt prüft. Die massive Kabeltrasse bleibt nach Unterlagen des Hamburger LSBG sogar bis Anfang 2028 und blockiert den geplanten bus- und fahrradfreundlichen Umbau der Stresemannstraße. Die Brammerfläche bleibt auf unbestimmte Zeit in den Händen der DB. Kurzum: wesentliche Arbeiten mit massiven Beeinträchtigungen vor Ort dauern noch voraussichtlich bis mindestens 2028.

„Dass die Züge wieder fahren, begrüßen wir. Aber die Erfolgsmeldungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hässliche Realität im Viertel eine andere ist“, sagt Axel Bühler, Sprecher der Initiative Sternbrücke. „Nach Jahren von Abriss, Baumfällungen und Baustelle muss jetzt kurzfristig die Wiederherstellung beginnen: Grün zurück, Hinterhöfe renaturieren, Flächen freigeben und die mit Beteiligung laufende Umfeldplanung konkret umsetzen.“

Die Initiative Sternbrücke fordert deshalb von DB und Senat Tempo und Verbindlichkeit:

- Beschleunigung der Bauarbeiten

- einen verbindlichen und öffentlichen Zeitplan, wann welche Flächen aus der Baustelle entlassen werden und wann die Wiederherstellung von Hinterhöfen, Begrünung und Umfeld tatsächlich beginnen kann

- Flächen, die früher freigegeben werden können, müssen früher für die Entwicklung des Umfelds zur Verfügung stehen.

- der mehr als einjährigen Betrieb ohne den vollständigen planfestgestellten Lärmschutz muss erklärt und der notwendige Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner gewährleistet werden. 

Dazu Axel Bühler: „Die Monsterbrücke mag für den Zugverkehr in Betrieb sein. Ihr Bau ist längst nicht fertig. Wir wollen endlich darüber reden, wie aus diesem Ort wieder ein lebenswertes Stück Stadt wird – mit Grün, Aufenthaltsqualität und Raum für Nachbarschaft und Kultur. Für das Viertel und die Politik beginnt die eigentliche Arbeit jetzt erst.“

Quelle: Pressemitteilung 


 

Berlin: Mehr als abstrakte Hoffnung

Gegen Gewalt und organisierte Verwahrlosung: Wie eine Klinik in Chiapas kollektive Fürsorge denkbar macht. Mit Victórico Gálvez Pérez (Frayba), Pablo Uc (IRGAC), Felicitas Treue (EuropaZapatista) und medico.

Grafisch gestaltetes Plakat in Türkis, Schwarz, Hellgrün, Orange und Rot. Vor einem großen schwarzen Kreis ist eine flache, langgestreckte Klinik dargestellt. Das Gebäude ist nur durch hellgrüne Konturen und wenige Details angedeutet. Rechts daneben steht ein kleiner Krankenwagen mit einem weißen Kreuz. Ein geschwungener orangefarbener Weg führt vom unteren Bildrand zum Eingang der Klinik.  Über dem Gebäude steht in großen hellgrünen Großbuchstaben der spanische Schriftzug „CLÍNICA PARA TOD@S“, sinngemäß „Klinik für alle“. Das „@“ ist rot hervorgehoben und in ein weiß umrandetes Kreissymbol eingebettet. Im Hintergrund verlaufen türkisfarbene, wellenartige Linien durch die schwarze Fläche. Die bewusst rauen, teilweise ausgefransten und unregelmäßigen Strukturen verleihen der Grafik den Charakter eines politischen Plakats oder Siebdrucks.  Unten links befinden sich zwei rote Logos: CAREA sowie medico international.

Grafik: medico

Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas werden indigene Gemeinden systematisch von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen. Auch deshalb rebelliert dort seit 1994 die zapatistische Autonomiebewegung. Sie kämpfen für Freiheit, Gerechtigkeit und ein gutes Leben in Würde.

Während angesichts der Lage der Welt vielerorts Ohnmacht und Lähmung um sich greifen, zeigen die Zapatistas, dass Widerstand mehr als eine abstrakte Hoffnung sein kann. Angesichts eines immer gewalttätigeren Umfelds stärken sie ihre Autonomie und das Gemeinschaftliche.

Nun haben die zapatistischen Gemeinden mit Unterstützung solidarischer Initiativen wie medico international mitten im Regenwald mit dem Bau einer selbstverwalteten Klinik begonnen: Gynäkologie, Labor, zahnärztliche Versorgung – offen für alle.

Wir sprechen mit unseren Gästen über die Lage in Chiapas, den Widerstand der Zapatistas gegen organisierte Verwahrlosung und systematische Entrechtung und über die Bedeutung der Klinik als Infrastruktur der Fürsorge.

Victórico Gálvez Pérez ist Menschenrechtsverteidiger und Anwalt. Der Spezialist für Menschen- und politische Rechte arbeitet im Bereich internationale Advocacy für das Menschenrechtszentrum Frayba in San Cristóbal de las Casas, Chiapas.

Pablo Uc ist Schriftsteller, Wissenschaftler und Aktivist für den Schutz des Territoriums in Chiapas und darüber auch im engen Kontakt mit den Zapatistas. Er ist Teil der International Research Group on Authoritarianism and Counter-Strategies (IRGAC).

Felicitas Treue ist Teil von Frankfurt International, einer Gruppe des Netzwerks Europa Zapatista. Sie besucht regelmäßig die zapatistischen Gemeinden und berichtet von ihren Eindrücken.

Durch den Abend führen die medico-Referent:innen für Lateinamerika Timo Dorsch, Moritz Krawinkel und Jana Flörchinger.

Donnerstag, 15.10.2026

Beginn: 19:00 Uhr

Veranstaltungsort

aquarium
Skalitzer Str. 6
10999 Berlin

Alle Informationen und Spendenmöglichkeiten zur Kampagne “Klinik für alle“

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos. 

Veranstaltet von: medico international und Carea

Quelle: medico


 

Roman Danyluk: Wenn der Himmel brennt

Das Buchcover von Roman Danyluk, „Wenn der Himmel brennt – Ein Jahrzehnt autonomer Bewegung in Westdeutschland und Westberlin von 1979 bis 1989“, zeigt die historische Fassadenmalerei des ehemaligen besetzten Hauses „KuKuCK“ (Kunst- und Kultur-Centrum-Kreuzberg) in der Anhalter Straße 7 in Berlin-Kreuzberg.  Das Wandbild wurde 1981 von der Künstlergruppe Ratgeb geschaffen und bedeckte eine der freistehenden Brandmauern des besetzten Gewerbehauses.  Vor einem hellblauen, stellenweise wie aufgebrochen oder zerklüftet wirkenden Hintergrund steigt eine große, vielfarbige Form in Grün, Blau, Rot und Gelb nach oben. Über ihr dominiert in kräftigem Rot das Hausbesetzerzeichen: ein stilisierter Blitz beziehungsweise Pfeil, der von einem Kreis umschlossen wird. Das Zeichen war ein weithin bekanntes Symbol der Hausbesetzerbewegung.  Im unteren Teil des Wandbildes sind drei dunkel gekleidete, hexenartige Gestalten dargestellt. Sie versammeln sich um einen gemauerten Kessel beziehungsweise eine Feuerstelle, die symbolisch für ein besetztes Haus steht. Die Figuren wirken durch ihre schwarze Kleidung und ihre teilweise maskenhaft dargestellten Gesichter düster und bedrohlich. Eine der Hexen hält eine Bombe in der Hand. Gerade dieses Motiv führte später zu heftigen politischen und juristischen Auseinandersetzungen um das Wandbild.  Links erscheint außerdem das große grüne Profil eines menschlichen Gesichts. Rechts und im oberen Bereich verteilen sich weitere stark stilisierte Figuren, Pflanzen und abstrakte Formen. Die leuchtenden Farben stehen in deutlichem Kontrast zu den dunklen Hexengestalten am unteren Bildrand.  Das Wandbild verbindet damit Hausbesetzung, Widerstand und politische Symbolik mit einer märchenhaft-fantastischen Bildsprache. Nach der Räumung des KuKuCK wurde die Fassadenmalerei aufgrund eines Gerichtsbeschlusses 1984 übermalt. Historische Fotografien des Wandbildes wurden später zu einem bekannten Bildmotiv für die West-Berliner Hausbesetzer- und Alternativbewegung der frühen 1980er Jahre.  Im oberen weißen Bereich des Buchcovers stehen in schwarzer Schrift der Name Roman Danyluk, der Titel „Wenn der Himmel brennt“ und darunter der Untertitel „Ein Jahrzehnt autonomer Bewegung in Westdeutschland und Westberlin von 1979 bis 1989“
Buchcover

Ein Jahrzehnt autonomer Bewegung in Westdeutschland und Westberlin von 1979 bis 1989

Dieses Buch über die autonome Bewegung der Achtzigerjahre versucht das originäre Lebensgefühl und militante Sozialmilieu der damaligen Handlungsfiguren sowie deren gesellschaftlichen Vorstellungen möglichst genau und lebendig zu rekonstruieren.

Die Autonomen brachen mit den überkommenen Vorstellungen der bisherigen Linken und starteten etwas erfrischend Neues. Von einer starken gegenkulturellen Mentalität geprägt, erzielten die autonomen Protagonist:innen eine erstaunliche politische und soziale Breitenwirkung.

Genauso wie Punk im ursprünglichen Sinne eher eine bestimmte Haltung, Herangehensweise und subversive Strategie darstellte, verhielt es sich auch mit der autonomen Revolte: Im Vordergrund stand das Machen, die Unmittelbarkeit und das In-Bewegung-sein.

Jede angemessene Rekonstruktion der ursprünglichen militanten Sozialrevolte 1979/80, sowie des darauffolgenden autonomen Jahrzehnts, muss das Neuartige, Außergewöhnliche und Mobilisierende dieses Aufbruchs vermitteln. Da die autonome Bewegung nach einer äußerst ereignisreichen Dekade schließlich scheiterte, endet das vorliegende Buch mit der Kritik und Aufarbeitung dieser historischen Niederlage.

Roman Danyluk
Wenn der Himmel brennt
in Jahrzehnt autonomer Bewegung in Westdeutschland und Westberlin von 1979 bis 1989
Edition AV
ISBN 978-3-86841-339-7
516 Seiten
48 Euro