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»Wenn Gott wirklich existierte, müsste man ihn umbringen.« Michail Bakunin

Das Verschwinden der Opfer von COVID

Patienten mit Long COVID leiden unter denselben gesellschaftlichen Einstellungen, die viele Menschen mit unsichtbaren und schwankenden Behinderungen betreffen

Siehe Bildunterschrift
Long-Covid Aktivist:*Innen halten während der LCDC-Demonstration am 15. März, dem Long-Covid-Awareness-Tag, Schilder vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. hoch. Die Organisatoren der Veranstaltung fordern mit „HEAL“, d. h. drei Long-Covid-Gesetzesvorschlägen, die auf parteiübergreifenden Gesetzesentwürfen basieren und die virale Persistenz wirksam bekämpfen. Sie haben eine Long-Covid-Biomarker-Kampagne gestartet, um die Forschung zur Validierung der ersten Biomarker zu finanzieren, mit denen Long Covid identifiziert und die Viruslast und Immunveränderungen gemessen werden können.
Quelle: © Joshua Boaz Pribanic for Public Herald
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0
Die „Augen-zu-und-durch“-Einstellung der Regierung in Bezug auf COVID-19 führte zum vermeidbaren Tod einer großen Anzahl von Menschen, vor allem schutzbedürftiger älterer Menschen in Pflegeheimen. Der fehlende Schutz für gefährdete Menschen, die unzureichende Bereitstellung von Schutzausrüstung und die erzwungene Arbeit unter gefährlichen Bedingungen setzten viele Menschen unnötig dem Virus aus. Dies hat auch dazu geführt, dass eine große Anzahl von Menschen jetzt an Long COVID leidet.

Long COVID kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die häufigsten sind jedoch Müdigkeit, Gehirnnebel, Muskelschmerzen und Atemnot. Müdigkeit ist nicht nur ein Gefühl der Erschöpfung, sondern ein sehr lähmender Zustand, der dazu führen kann, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind, ohne Hilfe zu gehen oder zu duschen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und am häufigsten tritt es in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen auf.

Wenn die Zeitungen überhaupt über Long COVID berichten, dann berichten sie jetzt, dass es den Patienten größtenteils besser geht (was nicht der Fall ist) und dass die aktuellen Stämme nicht so gefährlich sind. Aktuelle Auffrischungsimpfungen bieten einen gewissen Schutz (es ist also ein Skandal, dass die Regierung der Bevölkerung keine kostenlosen Auffrischungsimpfungen zur Verfügung stellt), und die besonders virulenten frühen Stämme führen eher zu Long Covid als die späteren Varianten. Allerdings ist niemand immun und jede COVID-Infektion birgt nach wie vor ein Risiko. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet, dass sich ihr Zustand durch eine erneute Infektion verschlechtert, was es für die Menschen sehr schwierig macht, sich an die aktuellen Annahmen „COVID ist vorbei“ zu halten.

Menschen, die an Long COVID leiden, und andere Menschen, die besonders anfällig für eine COVID-Infektion sind, müssen derzeit mit einer Situation zurechtkommen, in der es in Gebäuden keine Luftreiniger gibt, Menschen selbst in Krankenhäusern nirgendwo Masken tragen, Arbeitgeber die Menschen auffordern, mit COVID zur Arbeit zu kommen, und im Grunde genommen werden gefährdete Menschen abgeschrieben und aufgefordert, mit dem Risiko selbst fertig zu werden.

Einige Menschen, die Masken tragen, werden in Bussen beschimpft. Andere haben berichtet, dass sie als schwierige Patienten abgestempelt werden, weil sie das Personal bei Krankenhausbesuchen gebeten haben, Masken zu tragen. Ärzte neigen zu sehr dazu, Long COVID als „nur eine psychische Erkrankung“ abzutun. Der Druck, die Schulen zu besuchen, einschließlich der Aufforderung an die Kinder, auch dann zu kommen, wenn sie krank sind, setzt sowohl Kinder als auch Personal, die anfällig sind, einem Infektionsrisiko aus und setzt Schüler mit chronischen Krankheiten unter Druck, zum Nachteil ihrer Gesundheit zur Schule zu gehen.

Ärzte bevorzugen es, wenn Patienten mit einer Erkrankung kommen, die sich mit einem einfachen Test diagnostizieren lässt und für die es einen anerkannten Behandlungsplan gibt. Patienten mit Erkrankungen, die nicht in dieses Modell passen, werden oft falsch behandelt und vernachlässigt.

Patienten mit Long COVID leiden unter vielen der gleichen gesellschaftlichen Einstellungen, die viele Menschen mit unsichtbaren und schwankenden Behinderungen betreffen. Viele Menschen nehmen „echte“ Behinderungen nur dann als solche wahr, wenn eine Person überhaupt nichts tun kann und ihr Zustand immer derselbe ist. Ein klassisches Beispiel ist, dass ein Rollstuhlfahrer seine Beine nicht bewegen können sollte – es gab viel Aufhebens, als eine Figur in der Serie Doctor Who im Rollstuhl saß und die Beine übereinanderschlug. Diese Schauspielerin sitzt im echten Leben im Rollstuhl und kann ihre Beine übereinanderschlagen. Viele Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können kurze Strecken zu Fuß zurücklegen, und viele Menschen trauen sich aufgrund feindseliger Reaktionen nicht, in der Öffentlichkeit aus ihrem Rollstuhl aufzustehen. Das einzige Kriterium dafür, ob jemand das „Recht“ hat, einen Rollstuhl zu benutzen, ist, ob diese Person von der Nutzung eines Rollstuhls profitiert und sich die Umstehenden um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern können.

Long COVID ist eine postvirale Erkrankung, die weder neu noch unbekannt ist. Nach der SARS-Epidemie waren zahlreiche Patienten langfristig daran erkrankt. Die Regierung wurde von Wissenschaftlern zu Beginn der COVID-Pandemie davor gewarnt, hat dies aber offenbar ignoriert. Viele Patienten, die angaben, sich nach der akuten Infektion krank zu fühlen, wurden von Hausärzten aufgefordert, Sport zu treiben, was sich nun als schädlich herausgestellt hat.

Die Prävalenz von Long COVID wird aus verschiedenen Gründen unterschätzt. Viele Menschen mit Long COVID wissen nicht, dass sie daran erkrankt sind, da sie die vor Monaten durchgemachte COVID-Infektion nicht mit dem scheinbar separaten Gesundheitsproblem in Verbindung bringen, das nun aufgetreten ist. Es gibt keinen einfachen Long-COVID-Test, zumindest keinen, den Hausärzte routinemäßig verwenden. Menschen, denen es nicht gut genug geht, um zu arbeiten und an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, fallen für alle außer denjenigen, die sich die Mühe machen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, aus dem Blickfeld.

Die Behandlung von Patienten mit ME oder chronischer Müdigkeit ist für Long-COVID-Patienten sehr relevant. ME wurde in den 1950er Jahren in einem Londoner Krankenhaus identifiziert und von Anfang an als eine echte Erkrankung mit einer körperlichen Ursache angesehen. Sie wurde als postvirale Erkrankung untersucht und erforscht. Die weit verbreitete Ansicht, dass ME eine vorgetäuschte Krankheit, im Grunde eine Hysterie, sei, stammt von einer kleinen Anzahl von Wissenschaftlern, die von der Regierung viel Legitimität erhalten haben und es vorzogen, andere Wissenschaftler abzutun, weil sie so ME-Patienten einfach ignorieren und missachten konnten. Die schockierende Misshandlung von ME-Patienten ist eine sehr schwere Ungerechtigkeit, und Long-COVID-Patienten müssen sich mit ihnen solidarisieren, die für Forschung und mitfühlende medizinische Behandlung kämpfen.

Die immer schärferen Ankündigungen der Regierung, dass zu viele Menschen „wirtschaftlich inaktiv“ seien und Langzeitkranke an ihren Arbeitsplatz zurückkehren müssten, lösen bei kranken und behinderten Menschen aller Art Angst und Furcht aus. Wenn Menschen dazu gedrängt werden, einer Arbeit nachzugehen, die sie nicht ausüben können, kann dies ihrer Gesundheit schweren Schaden zufügen. Berichte über Long-COVID, die den Schweregrad der Erkrankung herunterspielen, sind in diesem Zusammenhang sehr beunruhigend. Viele Long-COVID-Patienten haben ihren Arbeitsplatz verloren, weil ihre Arbeitgeber sich weigern, Vorkehrungen zu treffen, und viele andere sind selbst mit Vorkehrungen zu krank, um zu arbeiten.

Die Regierung kündigt gerne weitere Razzien gegen Antragsteller an, Razzien, die die Feindseligkeit erhöhen, einschließlich gewalttätiger Angriffe auf behinderte Menschen, aber nicht gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz, unzugängliche Verkehrsmittel und fehlende Vorkehrungen vorgehen.

Saubere Luft in Gebäuden, insbesondere in Krankenhäusern und Schulen, würde viel dazu beitragen, die Ausbreitung von COVID zu verhindern. Das Tragen von Masken an wichtigen Orten wie Krankenhäusern würde dazu beitragen, die Schwächsten zu schützen. Diese Gesellschaft ist kein Ort, an dem Menschen mit chronischen Erkrankungen Fürsorge und Unterstützung erfahren. Unsere Bewegung sollte es sein, ist es aber in der Praxis nicht immer viel besser. Menschen, die durch ein Virus behindert wurden, brauchen Unterstützung bei der Erholung und Genesung, nicht die Beurteilung, ob sie sich wirklich genug anstrengen.

An die Sicherheit vor Covid zu denken, fällt Menschen, die sich nach Jahren der Pandemie ausgebrannt fühlen, schwer, aber immungeschwächte Menschen können nicht als austauschbar behandelt werden. Wenn man an Menschen mit Long-COVID denkt und sie einbezieht, sind Maßnahmen erforderlich, die auch für viele andere Menschen hilfreich sind. Luftreiniger helfen Menschen mit Allergien, das Mitbringen eines Stuhls für Streikposten hilft Menschen mit Knieproblemen oder Schwangeren.

Krankheit ist kein moralisches Versagen oder eine Belästigung, die Verletzlichkeit des Körpers ist Teil des Menschseins.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Winterausgabe 2024/25 des Freedom Anarchist Journal

Weitere Informationen zu den Ansätzen des Anarchismus und der gegenseitigen Hilfe während der Pandemie finden Sie unter „Fight For a New Normal?“

Quelle: Analyse Disappearing COVID’s victims von Fingers Malone, 2. März 2025

Übersetzung [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten

Anmerkung: Mir fehlt die Zeit und das Fachwissen, die Unterschiede der ursprünglich im Artikel verlinkten englischsprachigen und dem von mir verwendeten deutschen Wikipedia Eintrag zu Long Covid qualifiziert zu vergleichen.

Blockaden gegen Neonazi-Aufmarsch

Das Transparent mit dem Text "Antifa bleibt Handarbeit" hinter dem viele Menschen laufen.Im Hintergrund ist der Berliner Fernsehturm zu sehen.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Mehr als 1.000 Menschen protestierten am 22. Februar 2025 mit Blockaden gegen einen Neonazi-Aufmarsch mit rund 170 Teilnehmenden in Berlin-Mitte. An dem rechten Aufzug um Ex-AfDler Ferhat Sentürk beteiligten sich überwiegend junge Neonazis aus dem Spektrum von „Deutsche Jugend Voran“ (DJV), „Jung & Stark“ (JS) & Konsorten. Immer wieder räumte die Polizei Blockaden. Teilweise schlugen und tritten Polizisten auf Gegendemonstrant:innen ein und drängten sie zur Seite, um die Nazis direkt an den Demonstrant:innen vorbei zu schleusen. Kaum war eine Blockade geräumt, bildete sich die nächste.
„Der Rechtsruck ist schon lange Realität – weitere Machtdemonstrationen von Sentürk, AfD & Co. werden folgen, wenn wir uns dem nicht entschieden entgegen stellen. Wir müssen jetzt handeln! Dafür braucht es Proteste und Bündnisse, die die Linke in ihrer ganzen Vielfalt zeigen. Gemeinsam gegen den Rechtsruck – für eine antirassistische, antikapitalistische, tolerante und offene Gesellschaft“

(aus einem Aufruf zu den Protesten)

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Berlin ist unkürzbar - Umverteilung jetzt!

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Transparent mit dem Text: 100 Milliarden  € für Bildung und Soziales - Schluss mit Kürzungen und Aufrüstung! Dahinter ist der Berliner Fernsehturm zu sehen sowie eine Reihe Demonstrant:*innen, die hinter dem Hochtransparent laufen.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Einen Tag vor der Bundestagswahl protestierten tausende Menschen gegen die Sparorgie des schwarz-roten Senats in Berlin. Zahlreiche Sozial-, Kultur-, Bildungs-, Jugend- und Umweltverbände riefen zur Demo auf. Sie kritisierten die Sparmaßnahmen, die besonders die schwächsten der Gesellschaft treffen und mühsam aufgebaute Strukturen und Angebote in der Stadt zerstören.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Vor 50 Jahren: "So ein Tag, so wunderschön wie heute!"

Peter Lorenz in der Gefangenschaft der Bewegung 2. Juni
Peter Lorenz in der Gefangenschaft der Bewegung 2. Juni
Foto: Bewegung 2. Juni via Wikimedia
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International
Am Donnerstag, den 27. Februar 1975 entführt ein Kommando der Bewegung 2. Juni mitten im Westberliner Wahlkampf, den Spitzenkandidaten der CDU, Peter Lorenz, der die folgenden fünfeinhalb Tage im „Volksgefängnis“ verbringt. Im Austausch mit Lorenz gelingt es, fünf Inhaftierte verschiedener westdeutscher Guerilla-Gruppen, sowie zwei nach dem Tod von Holger Meins inhaftierte Demonstranten, zu befreien. Die erste und einzige erfolgreiche Entführung eines Politikers in der BRD, die die Freilassung von gefangenen Genoss:innen ermöglichte.
Die Entführer verlangten die Freilassung und Ausreise der sechs inhaftierten Gesinnungsgenossen Horst Mahler (der einen Austausch ablehnte) Ingrid Siepmann, Rolf Heißler, Rolf Pohle, Gabriele Kröcher-Tiedemann und Verena Becker.

aus: Die Bewegung 2.Juni Gespräche über Haschrebellen, Lorenz-Entführung und Knast



Neben der Freilassung der RAF-Genossen hatten die Entführer die Forderung erhoben, dass sie alle miteinander unter Begleitung des ehemaligen Bürgermeisters von Berlin, Pfarrer Heinrich Albertz, in ein Land ihrer Wahl ausgeflogen werden. Erst nach dem Start der Maschine am 3. März 1975 gaben sie den Zielort bekannt: Aden, Hauptstadt der Volksrepublik Südjemen. Nach seiner Rückkehr verlas Albertz eine vom 2. Juni verfasste Erklärung, in der das Codewort "So ein Tag, so wunderschön wie heute" enthalten war. Peter Lorenz wurde daraufhin im Volkspark Wilmersdorf freigelassen.

Vielen Dank an H. für die Zusammenstellung

Bundestagswahl: Auf dem Weg in ein neues Reich?

Wahlergebnisse 2025. Die Hauptkarte zeigt die Gewinner der Wahlkreise und die Ergebnisse für die Sitze nach dem Verhältniswahlrecht werden unten links angezeigt.
Wahlergebnisse 2025. Die Hauptkarte - Kliock auf das Bild für Vergrößerung - zeigt die Gewinner der Wahlkreise und die Ergebnisse für die Sitze nach dem Verhältniswahlrecht werden unten links angezeigt.
Quelle
Das Land driftet langsam in die Hände der extremen Rechten ab und wiederholt die Schritte, die Adolf Hitler an die Macht gebracht haben

Wenn man heutzutage mit deutschen Antifaschisten oder Anarchisten spricht, überkommt einen ein gewisses Gefühl der Verzweiflung. Die Wahlen von 2025 wurden stark beeinflusst von der Agenda der extremen Rechten – Migration, Sozialleistungen und „Frieden“ mit Russland. Nur wenige Politiker versuchten tatsächlich, dieser Diskussion politische Inhalte zu verleihen. Die regierenden Sozialdemokraten (SPD) schienen zu versuchen, sich weiter nach rechts und weg von jeglicher sozialdemokratischer Politik zu bewegen. Trotz all dieser Bemühungen verlor Olaf Scholz gegen seinen Gegenkandidaten von der Christlich Demokratischen Union (CDU), Friedrich Merz, einem reichen Bankier, Merkels ehemaligem Stellvertreter und baldigem neuer Bundeskanzler Deutschlands. Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) ist nun die zweitgrößte Partei.

Wenige Tage vor dem Wahlsieg sagte Merz in seiner Rede in München: „Es gibt kein ‚links‘ mehr in Deutschland. Wir regieren jetzt.“ Und obwohl die CDU die AfD wahrscheinlich nicht in die Regierung aufnehmen wird, wird die politische Richtung der neuen Regierung dem Wind des Rechtspopulismus folgen. Und obwohl Merz „Unabhängigkeit“ von Washington versprach, ist die deutsche Wirtschaft nach wie vor stark vom Handel mit den USA abhängig, und die Regierung wird zögern, sich Trump entgegenzustellen.

Die reaktionäre Politik der SPD/Grünen/FDP-Koalition hat bereits in großen progressiven Zeitungen für Schlagzeilen gesorgt. Unter einem SPD-Kanzler schloss Deutschland seine Grenzen für Schengen und kontrolliert nun die Einreisen auf dem Landweg. Die Abschiebung von Migranten und die Unterdrückung ihrer Unterstützer und Umweltaktivisten erreichten neue Höhen. Und in Zusammenarbeit mit autoritären Staaten setzte die deutsche Polizei die Unterdrückung antifaschistischer und antiautoritärer Bewegungen fort. All dies geschah in dem Versuch, den Informationsraum von der extremen Rechten zu erobern. Es grenzt an ein Wunder, dass die Koalition zerbrach, bevor ein neues Sicherheitsgesetz verabschiedet wurde, das einen neuen Tiefpunkt für die Freiheiten der im Land lebenden Bürger und Nicht-Bürger bedeutet hätte.

Es ist ganz klar, dass sich all dies unter Merz noch ausweiten wird. Versuche rechter Politiker, eine neue starke Persönlichkeit in der EU zu werden, sind jedoch systematisch gescheitert. Macrons Machtspielchen machten ihn zu einem Meme unter den politischen Eliten und zu einer sehr verhassten Persönlichkeit unter den einfachen Menschen in Frankreich. Wenn Merz versucht, den Sozialstaat zu zerstören, kann er sehr schnell zum Macron Deutschlands werden. Und genau wie Macron kann der neue Kanzler den Weg für den Aufstieg der extremen Rechten ebnen. Die verzweifelten Versuche der CDU, unter dem Druck der extremen Rechten relevant zu bleiben, bergen nicht nur die Gefahr einer Zusammenarbeit mit der AfD, sondern auch, dass sich die Regierungsparteien weiter in das Lager der extremen Rechten bewegen.

Das Fehlen einer konsolidierten Reaktion auf den Aufstieg des Faschismus in Deutschland wiederholt das Szenario der Vergangenheit, bei dem politische Parteien der extremen Rechten direkt in die Hände spielen. Angesichts dieser Erkenntnis haben die fortschrittlichen Kräfte und die gemäßigte Linke keine Strategie, um mit der aktuellen Situation umzugehen. Der starke Glaube an die repräsentative Demokratie droht die fortschrittlichen zu zerstören, während die von der Stellvertreterarbeit der NGOs gelähmte Graswurzelbewegung zu wenig politische Macht zu haben scheint, um Veränderungen herbeizuführen.

Die hoffnungsvolle Stimmung, die durch die Erfolge der Linkspartei entstanden ist, kann sehr schnell vergiftet werden, wenn man bedenkt, dass es in der Partei viele reaktionäre Kräfte gibt, die beispielsweise eine Unterstützung der Ukraine zugunsten einer weiteren Zusammenarbeit mit Putin verhindern würden.

Sicher ist jedoch, dass die kommenden Zeiten einen starken Druck auf alle progressiven Kräfte in Deutschland ausüben werden. Es ist unklar, ob die Linke und die Anarchisten für diese Herausforderung bereit sind.

Autor: Nikita Ivansky in "German elections: On the way to a new Reich?", 26. Februar
Übersetzung: Thomas Trueten

"Remember Hanau" - Demonstration zum fünften Jahrestag

Das Foto zeigt das Transparent mit dem Text: "5 Jahre Hanau - Gerechtigkeit und Widerstand - Für Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin". Dahinter zahlreiche Menschen mit Fahnen und Tafeln mit den Gesichtern und Namen der Opfer.
Foto: © Protestfotografie.Frankfurt via Umbruch Bildarchiv
Zum fünften Jahrestag des rassistischen Anschlags vom 19. Februar fand am Samstag, den 15. Februar 2025 in Hanau eine Gedenkdemonstration statt. Aufgerufen hatte das Hanauer Jugendbündnis, ein Zusammenschluss von verschiedenen Hanauer Jugendorganisationen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Laut Veranstalterinnen beteiligten sich rund 1500 Menschen an dem Demonstrationszug. Bei der Auftaktkundgebung am Marktplatz sprachen unter anderem Serpil Unvar, Mutter des getöteten Ferhat Unvar und Gründerin der Bildungsinitiative Ferhat Unvar, Vertreterinnen der aufrufenden Gruppen und des DBG. Die Demonstration zog lautstark durch die Hanauer Innenstadt und endete am Marktplatz. Am benachbarten Heumarkt, einem der zwei Tatorte in Hanau, gab es eine Zwischenkundgung. Nach einer Schweigeminute wurden neun weiße Tauben fliegen gelassen, in Erinnerung an Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin. Emiş Gürbüz, die Mutter des getöteten Sedat Gürbüz, dankte am Heumarkt den Demonstrierenden, dass sie auch fünf Jahre nach der Tat die neun Toten nicht vergessen haben.

Neben der Jugenddemonstration gab es am Abend noch das selbstorganisierte Gedenken der Initiative 19. Februar Hanau mit rund 400 Besucher*innen in einer Veranstaltungshalle. Ein Mitschnitt der Veranstaltung findet sich auf dem Youtube-Kanal der Initiative 19. Februar Hanau.


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Leonard Peltiers Rede anlässlich seiner Heimkehr nach Belcourt, North Dakota

Nach fast 50 Jahren hinter Gittern kehrte der indigene politische Gefangene Leonard Peltier heute nach Hause zurück. Indigene Aktivisten von ‪NDN Collective, einer von Indigenen geführte Organisation, die sich dem Aufbau indigener Macht verschrieben hat und Bewohner:Innen von Belcourt, North Dakota, versammelten sich, um seine Freiheit zu feiern, nachdem er jahrzehntelang Ungerechtigkeit ertragen hatte.
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Hanau - Die Konsequenz bleibt Widerstand

Das Foto zeigt ein Transparent mit dem Text: "Hanau mahnt! Rechtsruck den Boden entziehen - rechten Terror bekämpfen" sowie Portraits von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov und Ferhat Unvar und dem Hashtag #HanauIstÜberall
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Mehr als 5.000 Menschen haben am 19. Februar 2025 in Berlin mit einer Kundgebung und Gedenkdemonstration an den rassistischen Anschlag in Hanau vor fünf Jahren erinnert. Mit Portraits, Kerzen und Redebeiträgen gedachten sie Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov und Ferhat Unvar. Nach der Kundgebung am Abend in der High-Deck-Siedlung führte die Demonstration in Richtung Sonnenallee in Neukölln. Auf dutzenden mit Lichterketten beleuchteten Schildern, die Teilnehmer*innen hochhielten, waren die Namen von weiteren Opfern rassistischer Gewalt der letzten Jahre zu lesen.

Zu der Veranstaltung aufgerufen hatte die Migrantifa Berlin. Ihre Antwort auf Naziterror und zunehmende rassistische Gewalt ist Selbstorganisation. Die Konsequenz aus Hanau bleibt Widerstand.

„Hanau war kein Einzelfall und wird kein Einzelfall sein. Hanau ist bereits das zweite Halle. Halle ist der zweite NSU. Und der NSU das zweite Solingen. Und Solingen das zweite Rostock-Lichtenhagen. […] Was wir brauchen, ist Widerständigkeit und Gegenmacht. Wir wollen nicht nur den Toten gedenken, sondern für die Lebenden und eine bessere Zukunft kämpfen“
(aus dem Aufruf zum „Antirassistischen Kampftag“)

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Dresden wi(e)dersetzen

Das Foto von © Kinkalitzken zeigt eine Sitzblockade, verborgen hinter drei schwarzen Regenschirmen, der mittlere bemalt mit dem Anarchiezeichen Ⓐ Dahinter stehen einige Menschen.
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
4.000 Menschen stellten sich am 15. Februar 2025 in Dresden teilweise mit Blockaden einem Neonazi-„Trauermarsch“ mit rund 2.500 Teilnehmenden entgegen. Die Polizei ging mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Blockaden vor.

Am geschichtsrevisionistischen und den Holocaust relativierenden Aufmarsch anlässlich des 80. Jubiläums der Bombardierung Dresdens nahmen deutlich mehr Personen teil als in den Vorjahren. Die Opferzahlen der Bombardierung vervielfachten die Neonazis traditionell im Anschluss an Propaganda des historischen Nationalsozialismus.

„Wenn wir eines dieses Jahr gemerkt haben, dann war es, dass Antifaschistische Praxis nur gemeinsam Erfolg haben kann. Es war beeindruckend, mit wie viel Elan sich Menschen jeden Alters zum 80. Jahrestag dem Opfermythos entgegengestellt haben“, resümierte das Bündnis „Dresden WiEdersetzen“.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Ausstehende Löhne: FAU Berlin fordert 14.000 Euro vom Café Superfoods

Kundgebung vor dem Superfoods mit zwei Dutzend Menschen mit FAU Fahnen und Westen stehen vor dem Kundgebung vor dem Superfoods
Kundgebung vor dem Superfoods
Foto FAU Berlin
Das Allgemeine Syndikat der FAU Berlin fordert vom Café Superfoods für drei ehemalige Beschäftigte mehr als 14.000 Euro brutto. Die Forderungen ergeben sich aus offenen Lohn- und Urlaubsansprüchen. Bereits im November hatte Superfoods in einem außergerichtlichen Vergleich mit der FAU Berlin unterschrieben, die Forderung ab dem ersten Dezember in monatlichen Raten von je 2000€ zu begleichen.

Dazu erklärt Enrico S., der den Konflikt für die FAU Berlin als Gewerkschaftssekretär betreut:
„Dass wir von den bis heute offenen 6000 Euro keinen Cent gesehen haben deuten wir so, dass sich die Geschäftsführung über Vereinbarungen und geltendes Recht hinwegsetzt, nicht nur unseren Mitgliedern sondern auch uns als Gewerkschaft gegenüber.“

Die Kommunikation der Verantwortlichen der Superfoods UG bezeichnet die FAU Berlin als Hinhaltetaktik. Paral lel zum öffentlichen Druck hat die Gewerkschaft rechtliche Schritte eingeleitet.

Dazu erklärt Cosmo B., eines der betroffenen Mitglieder:
„Unsere Forderungen sind nicht nur eine rechtliche Frage, sondern auch eine Frage der Gerechtigkeit. Wir sind alle drei Immigrant*innen und sind es leid, ignoriert zu werden, weil wir nicht deutsch und nicht reich sind. Wir brauchen das Geld zum Leben. Wie Superfoods seine Beschäftigten behandelt darf nicht unwidersprochen bleiben.“

Croma R., ein weiteres betroffenes Mitglied, fügt hinzu:
„Da wir alle drei betroffenen Kolleg*innen Migrant*innen sind, wenig Deutsch sprechen und nicht so viel Ahnung von deutschem Arbeitsrecht haben, ging das Unternehmen wahrscheinlich davon aus, dass wir nicht lange für unsere ausstehenden Löhne kämpfen würden.“

Die FAU Berlin fordert im Sinne ihrer Mitglieder Superfoods auf, die offenen Ansprüche unverzüglich zu zahlen.

Am 23. Februar ruft die FAU Berlin zu 12.30 Uhr erneut zu einer Kundgebung vor dem Café in der Schlüterstraße 37 in Berlin-Charlottenburg auf.

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