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»Das sind meine Prinzipien, und wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.« Julius Henry "Groucho" Marx

Farewell, Sepultura...

Heute Abend hatten wir die Gelegenheit, in Ludwigsburg auf einen Konzertabend zu gehen: Sepultura gehen nach 40 Jahren in die wohlverdiente Rente und touren zum Abschied 18 Monate um die Welt. Im Rahmen der European Farewell Tour hat es sie in die Weltstadt Ludwigsburg verschlagen. Begonnen hat der Abend pünktlich, wie es sich für Konzerte in der Schwabenmetropole gehört, um 18:20. Die recht frische Metalcorea Band Jesus Piece aus Philadelphia, Pennsylvania machten den Aufschlag, gefolgt von den wunderbaren Obituary. Im Anschluß heizte das ukrainische Djent Metalcore Trio Jinjer um Tatjana Shmailyuk phänomenal ein und bereitete damit der brasilianischen Metal Combo Sepultura um Andreas Kisser, Paulo Xisto Pinto Jr., Derrick Green und dem neuen Schlagzeuger Greyson Nekrutman die Bühne vor.

Was soll ich sagen, es gibt keinen Grund, schlechte Musik zu hören. Die angenehme Überraschung des Abends war für mich Obituary, die ich live noch nicht gesehen hatte. Und das nach all den Jahren...

Sepultura in der MHP Arena
Sepultura in der MHP Arena


Jinjer in der MHP Arena
Jinjer in der MHP Arena


Obituary in der MHP Arena
Obituary in der MHP Arena


Jesus Piece in der MHP Arena
Jesus Piece in der MHP Arena

Bildungsstand westdeutscher Schüler in den 50er Jahren (Dokumentation, 1959)

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Revolution an der Tanzbar: Miles Davis - Birth of the Cool

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50. Todestag: Holger Meins - Starbuck

Heute ist der 50. Todestag von Holger Meins. Um der Verdrängung der Erinnerung an diesen Teil linker Geschichte - nicht nur von Staats wegen, sondern gerade auch in Teilen der Linken selbst - entgegenzuwirken, sie vielmehr zu bewahren und die richtigen Lehren zu ziehen zeigen wir den Film "Starbuck - Holger Meins" von Gerd Conradt und fügen weitere Links und Informationen bei. Der Film wird auch am Montag, 11.11.24, 19:30 im Regenbogenkino, Berlin Kreuzberg gezeigt, im Anschluss gibt es ein Gespräch mit dem Regisseur. Siehe dazu seinen aktuellen Beitrag.

Heute Abend gibt es eine Infoveranstaltung und Diskussion zum 50. Todestag von Holger Meins mit Karl-Heinz Dellwo und Gabrielle Rollnik in der Politbibliothek in Bern (Holligerhof 8) um 19.30 Uhr.

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  • Bilder von Holger Meins, gemalt Mitte der 60er, als Student an der Filmakademie Berlin sowie Fotos.

  • Rekonstruktion eines Films von Holger Meins "Wie baue ich einen Molotow-Cocktail?".

  • Oskar Langenfeld - Film von Holger Meins über einen TB-kranken obdachlosen Lumpensammler aus Berlin-Kreuzberg. Holger Meins lebte einige Wochen mit diesem Mann und durchlief mit ihm seine taeglichen Stationen bis hin zum Männerwohnheim, wo Oskar Langenfeld, kurz nachdem der Film fertig war, starb. Während der Arbeit an dem Film und im Film selbst ist jene Konsequenz und Kompromisslosigkeit spübar, die sich durch Holgers ganzes Leben bis hin zu seinem Tod zog. Das Portrait dieses alten Mannes ist eindringlich und genau. Er kann sich durch Sprache fast nicht mehr verständigen. Jedes Wort wird von einem trockenen, nicht enden wollenden Husten unterdrückt. Der Husten wird zur Sprache, in ihm erschöpft sich die ganze Lebenskraft des alten Mannes." Siehe auch Deutsche Film-  und Fernsehakademie Berlin (DFFB) zum Film.

  • Holger Meins auf der Website der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb)

  • Holger Meins Gespräche mit seinem Vater und Biographisches sowie kurze Impressionen aus der RAF.

  • Margrit Schiller über Holger Meins.

  • Gespräch mit Harun Farocki über den Filmstudenten Holger Meins und seinen Weg in die RAF.

  • Haftstatut von Holger Meins

  • Am 10. November 1974, einen Tag nach dem Tod von Holger Meins wurde Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann (Der höchste Richter Westberlins)  bei einem Entführungsversuch durch die Bewegung 2. Juni erschossen. Dazu deren 2. Flugblatt. Am darauf folgenden 11. November beteiligen sich an einer Großdemonstration zur Unterstützung der Hungerstreikenden und aus Protest gegen die Ermordung von Holger Meins in Westberlin über 15 000 Menschen.

  • „Wir werden in den Durststreik treten“ "SPIEGEL" - Fragen an Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, und Jan-Carl Raspe.

  • Rudi Dutschke am Grab von Holger Meins: "Holger, der Kampf geht weiter". Deswegen angegriffen, schrieb er bald darauf in einem Leserbrief im Spiegel (PDF), er habe sich damit keineswegs mit den Aktionen von RAF und Bewegung 2. Juni solidarisieren wollen. Den einen Tag nach dem Tod von Holger Meins von der Bewegung 2. Juni verübten Mord am Präsidenten des Berliner Kammergerichts, Günter von Drenkmann, bezeichnete Dutschke als „in der reaktionären deutschen Tradition“ stehend. Es sei ihm vielmehr um den Kampf für menschenwürdige Haftbedingungen gegangen: "das heißt für mich, dass der Kampf der Ausgebeuteten und Beleidigten um ihre soziale Befreiung die alleinige Grundlage unseres politischen Handelns als revolutionäre Sozialisten und Kommunisten ausmacht."

  • Brief von Renato Curcio – Gefangener der Brigate Rosse zum Mord an Holger Meins, Drenkmann und zur RAF.

  • Kommando Holger Meins: Besetzung der Westdeutschen Botschaft in Stockholm. Erklärung der RAF vom 24. April 1975.

  • Materialien im Archiv Schwarzer Stern.

Vielen Dank an H. für die Hinweise.


Freiheit für Nanuk!

Das Foto zeigt die Demo vor der JVA Moabit. Zu sehen ist das Fronttransparent mit dem Text "Freiheit und Glück für Nanuk - Free all Antifas" sowie einige Seitentransparente und Teilnehmer:*Innen der Demo, die nach rechts Richtung JVA blicken
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Rund 200 Menschen demonstrierten am 2. November 2024 vor der JVA Moabit gegen die Verhaftung von Nanuk. Sie solidarisierten sich mit allen Antifaschistinnen und Antifaschisten, die im Gefängnis sitzen oder sich vor der Polizei verstecken.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Mit lautstarken Parolen ging die Demo vorbei an der Staatsanwaltschaft und rund um die JVA Moabit. Aus dem Gefängnis wurde die Demo immer wieder von Gefangenen aus den Zellenfenstern heraus begrüßt.
Nanuk wurde einige Tage vorher in Berlin verhaftet und sitzt in Moabit in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, Mitglied der sogenannten kriminellen Vereinigung im Antifa Ost-Verfahren zu sein, in dessen Kontext im letzten Mai vier Angeklagte zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Außerdem wird Nanuk vorgeworfen, Neonazis angegriffen zu haben und an dem Angriff auf die Außenstelle des Bundesgerichtshofs in Leipzig Neujahr 2019 beteiligt gewesen zu sein.

Die Verfolgungen, Festnahmen und Auslieferungen von Antifaschist:innen geschehen im Schatten der Wahlerfolge der AfD in den Parlamenten und den Nazi-Mobilisierungen auf der Straße. Diesem Staat darf niemals Vertrauen geschenkt werden im Kampf gegen den Faschismus. Er sperrt unsere Leute ein und greift die Taten die ihnen vorgeworfen werden auf der politischen Ebene an, indem er immer weiter kriminelle und terroristische Vereinigungen konstruiert um unsere Ideen von einer Welt frei von Ausbeutung und Unterdrückung zu denunzieren. Doch Antifaschismus bleibt notwendig. In Form von Demos, in alltäglichen Gesprächen und unserer Haltung und genauso in militanten Aktionen.

Unsere Solidarität gilt allen die sich weiterhin der staatlichen Repressionsmaschinerie entziehen und allen die wegen ihrem Kampf gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Faschismus im Knast sitzen. Bis alle frei sind! Glück und Kraft den Untergetauchten und Gefangenen!
(Von Frankfurt nach Berlin: Freiheit für Nanuk)

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Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel

Das Foto von © heba zeigt Teilnehmer:innen der Demo mit verschiedenen Protesttafeln: Wir gedenken aller Getöteten in Gaza und Israel",  "Gaza, Westbank, Libanon: Stoppt den Massenmord! Keine Waffen an Israel" und "Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel"
Foto © heba / Umbruch Bildarchiv
Am 18. Oktober 2024 fand in Berlin eine der seltenen öffentlichen Veranstaltungen zum Gazakrieg statt, in denen gleichermaßen die Kriegsverbrechen der Hamas wie die der israelischen Regierung verurteilt wurden. Etwa 2.500 Menschen demonstrierten vor dem Berliner Hauptbahnhof „Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel.“ Zu der Kundgebung hatte ein Bündnis von mehr als 30 Organisationen aufgerufen, darunter Amnesty International Deutschland, die Humanistische Union, medico international, IPPNW, Reporter ohne Grenzen und Terres des Hommes. Auch Israelis für Frieden und die Deutsch-palästinensische Gesellschaft hatten sich der Kundgebung angeschlossen. Wir dokumentieren untenstehend den Aufruf zur Kundgebung. Der „Freundeskreis Videoclips“ hat im livestream die ganze Veranstaltung aufgezeichnet, das Video seht ihr hier auf der website der Veranstalter.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

„Wir erleben eine erschütternde Eskalation an Gewalt und Leid in Palästina und Israel. Im aktuellen Krieg sind seit dem 7. Oktober 2023 bereits über 42.000 Menschen in Palästina und über 1.200 Menschen in Israel getötet worden. Etwa 100 Geiseln befinden sich noch immer in Gaza. Mindestens 95.000 Palästinenser:innen wurden verwundet und Unzählige werden vermisst. Nahezu die gesamte Bevölkerung Gazas, 1,9 der 2,1 Millionen Bewohner:innen, wurde bereits mehrfach innerhalb ihres Landes vertrieben. Etwa 100.000 Israelis sind seit letztem Oktober evakuiert.

Es gibt keinen sicheren Ort im gesamten Gazastreifen. Das bewusste Vorenthalten von humanitärer Hilfe, von Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung durch Israel bedroht akut das Leben Hunderttausender in Gaza. Und im Westjordanland sind die Menschen mehr denn je schutzlos der Gewalt von Armee und Siedler:innen ausgesetzt.

Zu all dem wollen und können wir nicht schweigen. Wir verurteilen alle Kriegsverbrechen in diesem Krieg, sowohl die der Hamas und anderer bewaffneter palästinensischer Gruppen, als auch die der israelischen Regierung. Wir trauern um alle Opfer der Gewalt in Palästina und Israel. Wir bangen um die Tausenden, die in Israel willkürlich in Haft und oft Folter und Misshandlung ausgesetzt sind. Wir bangen um diejenigen, die als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Wir solidarisieren uns mit allen, die sich für Frieden und gleiche Rechte für alle Menschen in der Region einsetzen.

Während die deutsche Regierung zu Recht die Kriegsverbrechen der Hamas verurteilt, benennt sie die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und der Armee noch nicht einmal als solche. Mehr noch, durch ihr politisches Handeln billigt sie die völkerrechtswidrigen Handlungen Israels in Gaza. Die Bundesregierung schwächt die internationale Gerichtsbarkeit durch einseitige Parteinahme.

In Deutschland erleben wir im Kontext der Palästina-Solidarität massive Eingriffe in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Wir stellen uns klar gegen die Kriminalisierung von legitimen Protesten und tragen unsere Kritik am Krieg in Gaza und der Rolle der deutschen Regierung auch selbst auf die Straße.

Wir gehen auf die Straße, um deutlich zu machen: Eine Staatsräson, die bei den Menschenrechten und dem Völkerrecht doppelte Standards anlegt, nützt niemandem und trägt – den wiederholt vorgetragenen politischen Erklärungen zum Trotz – auch nicht zur Sicherheit Israels bei. Menschenrechte und Völkerrecht sind universell. Menschenleben dürfen nicht mit zweierlei Maß gemessen werden: Palästinensisches Leben ist genauso kostbar wie israelisches Leben.

Wir fordern von der Bundesregierung:

  • Setzen Sie sich mit allen Mitteln für einen sofortigen und umfassenden Waffenstillstand ein. Nur ein Waffenstillstand schafft die Bedingungen für ein Ende des Tötens und für die Freilassung der Geiseln und unrechtmäßig Inhaftierten.

  • Liefern Sie keine Rüstungsgüter an Israel, wenn die Gefahr besteht, dass sie völkerrechtswidrig eingesetzt werden.

  • Unterstützen Sie die internationale Gerichtsbarkeit ohne Einschränkungen, um die jahrzehntelange Straflosigkeit zu beenden.

  • Setzen Sie sich im Sinne des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs vom 19. Juli 2024 mit aller Kraft für ein Ende der illegalen Besatzung, des völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus und der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland ein.

  • Schützen Sie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Deutschland: Der Schutz vor Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus darf nicht gegen das Recht auf friedlichen Protest ausgespielt werden.


Wir wollen mit der Veranstaltung einen Raum für friedlichen Protest schaffen, der frei ist von Diskriminierung und Gewalt. Rassistische, anti-palästinensische und/oder antisemitische Äußerungen oder Handlungen akzeptieren wir nicht.“ (Aufruf zur Kundgebung)

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Warum die U.S. Demokraten Israels perfekte Partner beim Völkermord waren

Indem sie ihre Unterstützung für Israel mit hohlen humanitären Gesten und Empathie für die Palästinenser verschleierten, haben Biden und Harris den Druck, den Krieg zu beenden, abgeschwächt.

Präsident Biden und Vizepräsidentin Harris treffen sich mit nationalen Sicherheitsberatern, bevor sie mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu über die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober telefonieren, 10. Oktober 2023. (Adam Schultz/Wikimedia Commons)
Präsident Biden und Vizepräsidentin Harris treffen sich mit nationalen Sicherheitsberatern, bevor sie mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu über die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober telefonieren, 10. Oktober 2023. (Adam Schultz/Wikimedia Commons)
Im vergangenen Jahr haben wir miterlebt, wie Präsident Joe Biden die „besondere Beziehung“ zwischen den USA und Israel auf ein neues Niveau gehoben hat. Von der Aufstockung der Waffenbestände Israels und der Abschirmung des Landes vor der Rechenschaftspflicht auf internationaler Ebene bis hin zum Einsatz von US-Mitteln und Personal zur Verteidigung Israels hat die Biden-Regierung alles getan, um sicherzustellen, dass Israel nicht nur seinen beispiellosen Angriff auf Gaza aufrechterhalten kann, sondern auch nicht die vollen Kosten des Krieges tragen muss.

Biden ging in seinen Wiederwahlkampf und rang mit Donald Trump um den Titel des „besten Freundes Israels“ – ein grotesker Wettlauf nach unten, der während der US-Wahlsaison zur Tradition geworden ist. Als der Präsident schließlich beschloss, aus dem Rennen auszusteigen, hofften einige, dass Vizepräsidentin Kamala Harris uns aus dieser Abwärtsspirale befreien würde. Sie wurden bald enttäuscht.

Die Medien betonten eifrig, dass Harris „mehr Verständnis und Empathie für die Palästinenser“ zu zeigen schien, und vermuteten, dass ein solcher Perspektivunterschied zu einer Änderung der Politik führen könnte. Doch in den Monaten seit ihrer Ernennung zur Spitzenkandidatin der Demokraten hat Harris deutlich gemacht, dass sie bereit und begierig ist, Bidens katastrophales Erbe für die nächsten vier Jahre fortzuführen.

Und obwohl die Israelis Trump überwiegend bevorzugen und Harris gegenüber, und der ehemalige Präsident sicherlich der bevorzugte Kandidat unter den extremsten Führern des Landes bleibt, könnten sie das Wesentliche übersehen. Denn wenn man über die parteipolitische Haltung hinausblickt, wird Biden nicht nur als Israels beständigster Verbündeter in die Geschichte eingehen, sondern die Strategie, die er und seine demokratischen Mitstreiter verfolgt haben – ihre bedingungslose Unterstützung für Israel hinter einer Fassade der Sorge um die Menschenrechte zu verbergen – hat entscheidend dazu beigetragen, dass Israel so lange mit Völkermord davonkommen konnte.

Biden, ein überzeugter Zionist
Um fair zu sein, ist Amerikas „besondere Beziehung“ viel größer als Biden. Aber als die bedingungslose Unterstützung Israels zu einer Bedrohung für die regionalen und US-amerikanischen Interessen wurde, zogen frühere Präsidenten – von Harry Truman und Dwight D. Eisenhower bis hin zu Ronald Reagan und George Bush Sr. – echte rote Linien.

Mit 81 Jahren ist Biden der älteste Präsident in der Geschichte der USA. Seine politische Karriere erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert – eine Karriere, die er mit Hilfe der Pro-Israel-Lobby aufgebaut hat. Er prahlte einmal damit, dass er „in den 70er und frühen 80er Jahren mehr Spendenaktionen für AIPAC durchgeführt hat als so ziemlich jeder andere“, und im Gegenzug hat der Präsident seit 1990 mehr Geld von der Israel-Lobby erhalten als jeder andere US-Politiker.

Vizepräsident Joe Biden trifft sich am 9. März 2010 in Jerusalem mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. (Offizielles Foto des Weißen Hauses von David Lienemann)
Vizepräsident Joe Biden trifft sich am 9. März 2010 in Jerusalem mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. (Offizielles Foto des Weißen Hauses von David Lienemann)
Mit dieser Unterstützung hat Biden gelernt, dass die Israel-Lobby politische Karrieren zwar in ungeahnte Höhen heben, sie aber genauso leicht auch zerstören kann: Selbst die leiseste Kritik an der israelischen Politik riskiert, den Zorn der einflussreichen israelischen Apologeten zu entfesseln. Die politischen Kosten für alles, was nicht bedingungslose Treue zu Israel bedeutet, sind in Wahlperioden besonders hoch, und 2024 ist da keine Ausnahme.

Biden betrachtet die „besondere Beziehung“ als eine entscheidende Säule der umfassenderen geostrategischen Prioritäten Amerikas. Von der Rolle als wichtiger Verbündeter während des Kalten Krieges bis hin zur Funktion als vorgeschobene Operationsbasis für die Machtprojektion Amerikas stand der Schutz Israels lange Zeit im Mittelpunkt der Interessen der USA im Nahen Osten.

Wie er uns jedoch gerne in Erinnerung ruft, war Bidens Unterstützung für Israel immer in erster Linie von einem ideologischen Engagement für das zionistische Projekt geprägt. „Man muss kein Jude sein, um Zionist zu sein, und ich bin Zionist“, hat Biden wiederholt erklärt. „Gäbe es kein Israel, müsste Amerika eines erfinden.“

Biden wurde während des Aufstiegs Israels erwachsen und nahm eine einseitige Flut von Mythen auf, die die Gründung des Staates um jeden Preis rechtfertigten. Am Familientisch erzählte Bidens Vater, Joseph R. Biden Sr., seinem Sohn von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und bestand darauf, dass der einzige Weg, einen zweiten Holocaust zu verhindern, darin bestehe, Israel über alles zu schützen.

Präsident Isaac Herzog, Premierminister Yair Lapid und Verteidigungsminister Benny Gantz  am Mittwoch, 13. Juli 2022 zusammen mit US-Präsident Joe Biden in Yad Vashem in der Halle der Erinnerung bei einer Gedenkzeremonie.
Präsident Isaac Herzog, Premierminister Yair Lapid und Verteidigungsminister Benny Gantz am Mittwoch, 13. Juli 2022 zusammen mit US-Präsident Joe Biden in Yad Vashem in der Halle der Erinnerung bei einer Gedenkzeremonie.

Foto: Israelisches Außenministerium, 13.07.2022
Für Biden und seine Generation war Israel eine inspirierende Erlösungsgeschichte, in der Palästinenser überhaupt nicht vorkamen. Deshalb wurden die am 7. Oktober getöteten Israelis nach Bidens Ansicht „ermordet“, „massakriert“ und „nicht nur getötet, sondern abgeschlachtet“. Wenn es jedoch um die Beschreibung des Massakers an Palästinensern geht, schlägt Biden einen anderen Ton an. „Ich habe keine Ahnung, ob die Palästinenser die Wahrheit über die Zahl der Toten sagen. Ich bin sicher, dass Unschuldige getötet wurden, und das ist der Preis für die Kriegsführung.“

Wenn man Bidens tiefe Bewunderung für Israel mit seiner offensichtlichen Verachtung für Palästinenser und Araber vergleicht, erhält man ein klares Bild von der Weltanschauung, die seine politische Entscheidungsfindung beeinflusst.

Humanität als Waffe
Aber über Bidens persönliche Verpflichtungen und Vorurteile hinaus verkörpern er, Harris und das demokratische Establishment eine umfassendere liberale Strategie: die doppelzüngige Akzeptanz des humanitären Völkerrechts und die selektive Durchsetzung der sogenannten „regelbasierten“ Weltordnung.

Im vergangenen Jahr haben wir gesehen, wie Biden und Harris diese liebenswerten Züge des Liberalismus zu Waffen gemacht haben, um von der Realität abzulenken, dass sie Israel bei der Durchführung eines Völkermords unterstützen. Auf diese Weise haben sie sowohl den breiteren Widerstand gegen diese Politik im eigenen Land als auch internationale Bemühungen um eine Intervention wirksam unterbunden.

Ein anschauliches Beispiel für die Folgen dieser Politik ist der inzwischen berüchtigte „humanitäre Pier“, den die Biden-Regierung als Lösung anpries, um humanitäre Hilfe an der israelischen Blockade vorbeizuschmuggeln. Der Pier war eine technische Katastrophe, brach in stürmischem Wasser zusammen, nachdem er keine Hilfe geliefert hatte, und kostete den US-Steuerzahler über 230 Millionen Dollar. Aber was er erreichte, war, vorübergehend von der Weigerung der Biden-Regierung abzulenken, ihren großen Einfluss zu nutzen, um Israel dazu zu zwingen, die Einschränkung der humanitären Hilfe für Gaza zu beenden. Dadurch verschafften sie Israel mehr Zeit, um den Gazastreifen auszuhungern.

Die Mainstream-Medien wiederum konzentrierten sich mehr auf Bidens zahnlose Rhetorik und seine angebliche „Frustration“ über den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu als auf die Unterstützung seiner Regierung für die Kriegsanstrengungen Israels. Dadurch entstand der Eindruck, dass eine Änderung der israelischen Taktik immer nur eine weitere scharfe Rüge entfernt sei, wobei die eklatante Realität der Komplizenschaft der USA ignoriert wurde.

Vizepräsidentin Harris trifft sich am 25. Juli 2024 im Weißen Haus mit Premierminister Netanjahu. (Wikimedia Commons)
Vizepräsidentin Harris trifft sich am 25. Juli 2024 im Weißen Haus mit Premierminister Netanjahu. (Wikimedia Commons)
Auch wenn Harris vielleicht nicht so viel von Bidens zionistischem Eifer hegt, hat sie wiederholt versprochen, dass sie Bidens völkermörderisches Erbe fortsetzen wird. Wenn sie nicht gerade Fragen ausweicht, warum die „unermüdlichen“ Bemühungen ihrer Regierung, einen Waffenstillstand zu erreichen, bisher gescheitert sind und wie sich ihr Ansatz von dem Bidens unterscheiden würde, hat Harris ihr „Engagement für die Verteidigung Israels und seine Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen“ bekräftigt.

Das mag wie ein vager Slogan klingen, ohne politische Einzelheiten. Aber die Absicht ist so deutlich wie nur möglich: Harris wird weiterhin die Macht der USA nutzen, um Israel vor der Rechenschaftspflicht zu schützen, um „Israels Verteidigung“ zu gewährleisten, und sie wird dafür sorgen, dass weiterhin Waffenlieferungen fließen, damit Israel sich „selbst verteidigen“ kann. Harris' einfühlsame Rhetorik, die nicht viel von Bidens abweicht, wird genauso leer und ablenkend sein.

Das „kleinere Übel“?
Viele, die die bedingungslose Unterstützung der derzeitigen Regierung für Israel ablehnen, haben argumentiert, dass Biden und Harris mit Trump als Alternative immer noch das „kleinere Übel“ darstellen. Diese Argumentation ignoriert jedoch sowohl die Folgen ihrer leeren, ablenkenden Rhetorik auf die innen- und außenpolitische Opposition als auch die Tatsache, dass die Politik der Regierung Biden und Harris, selbst lange vor dem 7. Oktober, der Politik ihrer Vorgängerin sehr ähnelt.

Seit dem ersten Tag hat die Biden-Regierung die umstrittensten Schritte Trumps aufrechterhalten: die Beibehaltung der US-Botschaft in Jerusalem, die Anerkennung der israelischen Souveränität über die Golanhöhen, die Nichtwiedereröffnung der PLO-Mission in Washington und die verzweifelte Suche nach Normalisierungsabkommen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, die die Palästinenser völlig auslöschen. Während Biden die Finanzierung des UNRWA wiederherstellte, kürzte seine Regierung diese umgehend wieder, nachdem sie durch eine israelische Verleumdungskampagne unter Druck gesetzt worden war.

Der einzige erkennbare politische Unterschied ist Bidens weitgehend ineffektive Sanktionskampagne gegen israelische Siedler, die weiterhin Palästinenser im gesamten Westjordanland angreifen. Unterdessen hat die Biden-Regierung Israel mehr finanzielle und militärische Unterstützung gewährt als jede andere Regierung zuvor.

Präsident Biden begrüßt Vizepräsidentin Harris bei ihrer Ankunft, um seine Rede zur Lage der Nation am Dienstag, dem 7. Februar 2023, zu halten. (Adam Schultz/Wikimedia Commons)
Präsident Biden begrüßt Vizepräsidentin Harris bei ihrer Ankunft, um seine Rede zur Lage der Nation am Dienstag, dem 7. Februar 2023, zu halten. (Adam Schultz/Wikimedia Commons)
Bis heute besteht der größte Unterschied in der Rhetorik. Aber wenn Trump sagt, dass er Israel in Gaza „den Job zu Ende bringen“ lassen würde, ist er zumindest ehrlich, sodass die Mitschuld der USA nicht zu übersehen ist. Trumps unverblümter, schockierender Rassismus – er benutzt beispielsweise „palästinensisch“ als Schimpfwort – macht ihn zu einem klaren Feindbild. Im Gegensatz dazu tarnen Biden und Harris ihre Unterstützung für Israel mit humanitären Phrasen, was Wähler und Aktivisten in Sicherheit wiegt, während sie Israel erlauben, den Job „zu Ende zu bringen“.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Tausende Palästinenser gestorben wären, unabhängig davon, wer im vergangenen Jahr das Oval Office besetzt hat. Aber angesichts der notorischen Unberechenbarkeit Trumps ist es schwierig, wenn nicht gar aussichtslos, genau zu wissen, wie die Rolle der USA bei diesem Völkermord ausgesehen hätte.

Hätte eine konservative, „America-first“-Regierung unter Trump auch mehr für Militärhilfe an Israel ausgegeben als jede vorherige Regierung oder hätte sie ihre Energie eher auf andere außenpolitische Prioritäten wie den verschärften Wettbewerb mit China konzentriert? Da Trump Bidens persönliches ideologisches Engagement für Israel nicht teilt, hätte er Israel erlaubt, seinen Krieg auf die gesamte Region auszudehnen, wenn dies bedeutet hätte, die Hoffnungen auf eine Ausweitung der Abraham-Abkommen auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel zunichte zu machen?

Wichtiger noch: Hätten sich sowohl nationale als auch internationale Akteure, wenn Trump Präsident gewesen wäre, durch Aufrufe zu Waffenembargos, Sanktionen oder Desinvestitionen dazu ermutigt gefühlt, sich dem Völkermord Israels und der Mitschuld der USA energischer entgegenzustellen? Wäre die Anti-Völkermord-Bewegung in den USA so stark verunglimpft worden, oder hätte sie sich zu einer breiten Koalition von Liberalen und Progressiven ausweiten können, die sich in ihrer Opposition gegen Trumps Extremismus einig sind?

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Loyalität zur Demokratischen Partei den Widerstand gegen die Mitschuld der Biden-Regierung am Völkermord gedämpft hat. Und man könnte argumentieren, dass die internationale Gemeinschaft nicht die Dringlichkeit verspürt hat, Washingtons Missachtung des Völkerrechts auf die gleiche Weise auszugleichen, wie es der Fall gewesen wäre, wenn Trump es missachtet hätte.

Zwischen offenem Extremismus und vorgetäuschter Empathie
Nach mehr als einem Jahr Völkermord, der in grausamen Details weltweit übertragen wurde, müssen wir uns fragen, was eine breitere, politisch vielfältigere Anti-Völkermord-Bewegung in den USA und im Ausland, motiviert durch das gemeinsame Interesse, Trump zu stürzen, hätte erreichen können. Denn alles, was die Biden- und Harris-Regierung getan hat, ist, denselben Völkermord unter dem Deckmantel der Legitimität fortzusetzen – sie hat den Druck mit Plattitüden über Frieden abgebaut und gleichzeitig die Mitschuld der USA vertieft.

Dies ist kein Aufruf, für jemanden zu stimmen (oder nicht zu wählen). Die Demokraten werden nicht „ihre Lektion lernen“, indem sie Wähler verlieren, die gegen Völkermord sind; stattdessen werden sie ihnen die Schuld für Trumps Sieg geben und die Bemühungen untergraben, in den kommenden Jahren eine breitere, effektivere Bewegung aufzubauen. Wir sollten auch nicht die Folgen herunterspielen, die sich daraus ergeben, dass Trump Israel dazu ermutigt, „den Job zu beenden“ in Gaza, im Libanon und im Iran – selbst wenn dies lediglich eine beschleunigte Version dessen wäre, was Israel derzeit mit Bidens stillschweigender Unterstützung tut. Trump hat auch klargestellt, dass er alles in seiner Macht Stehende tun wird, um die parteiübergreifenden Bemühungen zur Unterdrückung aller pro-palästinensischen Organisationen zu verstärken.

Aber wir müssen erkennen, dass die Gefahr nicht nur im offenen Extremismus liegt, sondern auch in der vorgetäuschten Empathie, die den Status quo aktiv bewahrt. Denn die Wahrheit ist, dass es kein „kleineres Übel“ gibt. Und während wir darüber streiten und uns auf die Unterschiede zwischen Regierungen versteifen, die zwar dieselben völkermörderischen Ziele verfolgen, aber unterschiedliche Taktiken anwenden, wächst der Berg palästinensischer und libanesischer Leichen nur noch weiter an.

Quelle:Tariq Kenney-Shawa, via +972mag 29. Oktober 2024

Tariq Kenney-Shawa ist US-Politikstipendiat bei Al-Shabaka, dem palästinensischen Thinktank und Politiknetzwerk. Er hat einen Master-Abschluss in Internationalen Angelegenheiten von der Columbia University und einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft und Nahoststudien von der Rutgers University. Tariqs Forschungsschwerpunkte reichen von der Rolle der Erzählung bei der Aufrechterhaltung und dem Widerstand gegen die Besatzung bis hin zur Analyse palästinensischer Befreiungsstrategien. Seine Arbeiten wurden unter anderem in Foreign Policy, +972 Magazine, Newlines Magazine und dem New Politics Journal veröffentlicht. Twitter: @tksshawa.

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

BDI – Kongress der Klimakiller

Das Foto zeigt das Banner "BDI = Lobby der Klimakiller"
Foto: © Angelika Goder via Umbruch Bildarchiv (Ausschnitt)
Am 15. Oktober 2024 hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im Futurium einen Klimakongress veranstaltet. Vor dem Tagungsort protestierten 120 Menschen gegen den Versuch der Industriebosse, sich als Klimaschützer darzustellen. Die Kundgebung der Klimaaktivist*innen, viele aus der serbischen Community in Berlin, hatte noch einen konkreten Anlass: die Solidarität mit dem Widerstand in Serbien gegen deninternationalen Bergbaukonzern Rio Tinto. Ausgerechnet in einer der fruchtbarsten, aber zugleich auch ärmsten Regionen im Jadar-Tal plant der Konzern, in großem Maßstab Lithium für den europäischen Markt aus der Erde zu holen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Ausbuhen der BDI-Klimakonferenz „Nicht noch mehr Zerstörung durch die Klimakiller!“ (Aufruf zur Veranstaltung)

Am 15. Oktober veranstaltete der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) einen Klimakongress zur Notwendigkeit des Umbaus der deutschen Industrie. Zur Begründung heißt es: „Gebremstes Wachstum, schwächelnde Wettbewerbsfähigkeit – der Industriestandort Deutschland ist zunehmend mit den Symptomen einer strukturellen Krise konfrontiert.“ Für die Manager und Lobbyisten ist dabei die Hauptfrage: „Welche Transformationspfade führen in die Zukunft des Industriestandortes?“ und Wie können „ökonomisch tragfähige Projekte realisiert und Wachstum generiert“ werden? An erster Stelle soll im Rahmen der Dekarbonisierung der grundlegende Umbau hin zu einer „Wasserstoffwirtschaft“ vorangetrieben werden. Ziel ist außerdem, möglichst viele Industriesparten wie die Stahl-, Auto- und Chemieindustrie mit „klimaneutraler Energie“ zu versorgen und diese gewinnbringend zu produzieren.

Als Teil der Klimabewegung haben wir da erhebliche Einwände und Fragen:

Woher kommen die Rohstoffe?

Auf wessen Kosten geht der ökologisch und menschenrechtlich katastrophale Abbau von Lithium und den seltenen Erden?

Wo und unter welchen Bedingungen soll der Wasserstoff produziert werden?

Kann es überhaupt sozial- und klimaverträgliches Wachstum geben?

Die Rohstoffe für eine – angeblich – klimaneutrale Elektrifizierung der Industrie und des Verkehrs kommen vor allem aus China, Afrika und Lateinamerika. Für Batterien

zum Beispiel braucht es vor allem Lithium. Der Abbau von Lithium soll nun auch in Europa und hier vor allem in Serbien vorangetrieben werden.

Im Lithiumbergbau wird eine Unmenge giftiger Abfälle hinterlassen und sehr viel Wasser verbraucht. In Chile liegen die Lithiumvorkommen in einer der trockensten Regionen der Welt, in der Atacamawüste. Dort regt sich bereits massiver Widerstand der indigenen Bäuerinnen gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.

In Serbien passiert gerade das gleiche. Die ARD-Tagesschau berichtete Anfang August von einer der größten Demonstrationen der letzten Jahre in Serbien. Sie richtete sich gegen den geplanten Lithiumabbau durch den berüchtigten Rio-Tinto-Konzern. Ausgerechnet in einer der fruchtbarsten, aber zugleich auch ärmsten Regionen, im Jadar-Tal, soll in großem Maßstab Lithium für den europäischen Markt aus der Erde geholt werden.

Kanzler Scholz besuchte vor ein paar Wochen die serbische Regierung und drängte den serbischen Staatspräsidenten Vucic, grünes Licht zu geben.

Grüner Wasserstoff – die neue Verheißung?

Im letzten Jahr waren ganze Ministerscharen des Bundeskabinetts auf Werbetour für die Produktion von grünem Wasserstoff in den Ländern des Südens. Es geht um die Bereitstellung von riesigen Flächen für Solarkollektoren oder Windkraftanlagen, um den begehrten grünen Wasserstoff „klimaneutral“ zu produzieren. Dass dabei die Landbevölkerung vertrieben wird bzw. der hohe Wasserverbrauch für die Wasserstoffproduktion ihre Ernährungsgrundlage zerstört, interessiert die Herren aus Berlin nicht.

In neokolonialer Arroganz forderte Kanzler Scholz schon vor zwei Jahren: „Wir können uns es nicht leisten, etepetete (sinngemäß: abwägend, rücksichtsvoll) zu sein“ und müssten eine „aktive Rohstoffstrategie“ entwickeln (so in einem Gespräch mit der ‚Süddeutschen Zeitung‘ am 16.12.22). Menschenrechte und verbriefte indigene Rechte gelten eben nicht, wenn es um die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Industrie und um unseren verbrauchsintensiven Lebensstandard geht.

Dieser Lebensstandard ist jedoch auch durch eine Dekarbonisierung der Wirtschaft, das Ende der Verbrennung der fossilen Rohstoffe, Kohle, Gas und Öl, nicht mehr aufrecht zu halten.

Wenn es eine gerechte Zukunft für die Menschheit geben soll, muss vor allem in den Industrieländern, also in Nordamerika, Europa oder Ostasien, der Energieverbrauch drastisch reduziert und das Zeitalter des unbegrenzten Wachstums im Kapitalismus beendet werden. Armin Paasch von „Misereor“ bringt es auf den Punkt: „Das macht deutlich, dass wir eine sehr viel grundsätzlichere soziale und ökologische Transformation brauchen, dass wir dringend wegkommen müssen von diesem Wachstumspfad, von dieser Vorstellung, dass die Wirtschaft immer weiter in die Höhe wachsen kann und dass unsere Erde das verkraften könnte. Das wird einfach nicht funktionieren.“

Und: Damit nicht wie üblich die eh schon sozial Benachteiligten verzichten müssen, braucht es eine entschiedene Umverteilung der Einkommens-und Vermögensverhältnisse.

– Serbische und deutsche Klimaaktivist*innen –

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Karlsruhe: Naziaufmarsch am Tag der Reichspogromnacht verhindern!

Wir unterstützen den Aufruf des Netzwerks Karlsruhe gegen Rechts:

Das SharePic zum Protest gegen den Neonaziaufmarsch in Karlsruhe mit den Eckdaten.Am Jahrestag der Reichspogromnacht wollen die faschistischen Kleinstparteien „Die Rechte“ und die „NPD“ in Karlsruhe Durlach aufmarschieren und mobilisieren dazu überregional in ihren Kreisen. Die von der NSDAP organisierten Pogrome vom 9. auf den 10. November 1938 richteten sich flächendeckend gegen die jüdische Bevölkerung im Land und markierten den Beginn der systematischen Verfolgung und Deportation von Jüd:innen in Konzentrationslager, was später in die Shoa mündete.

Dass nun 86 Jahre später Faschist:innen aufmarschieren stellt eine Provokation sondergleichen dar.

Diese Provokation werden wir nicht dulden und rufen daher alle Karlsruher:innen auf, sich an der Protestaktion des Netzwerks Karlsruhe gegen rechts zu beteiligen und gegen die Nazis aktiv zu werden!

Alle zusammen gegen den Faschismus!

Naziaufmarsch verhindern!

"Patriarchat sterben lassen": F*Antifa gegen Neonazis

Das Foto zeigt das zur Hälfte von Polizisten verdeckte pinke Fronttransparent "Patriarchat sterben lassen". Dahinter die Demonstration
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Unter dem Motto „Patriarchat sterben lassen“ beteiligten sich rund 1.300 Menschen am 19. Oktober 2024 an einer feministischen und antifaschistischen Demonstration durch Berlin-Marzahn. Der Protest richtete sich sowohl gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt und Patriarchat als auch deren Instrumentalisierung durch extreme Rechte, Konservative, Antifeminist*innen und Fundamentalist*innen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Knapp über 100 Neonazis fühlten sich anscheinend getroffen und kamen zu einer Gegendemonstration zusammen – darunter u.a. „Deutsche Jugend Voran“ (DJV), „Jung & Stark“ (JS), „Chemnitz Revolte“, „3. Weg“ und „Die Heimat“ (vormals NPD). Angemeldet waren 400 Teilnehmende, die trotz überregionaler Mobilisierung ausblieben.
Die Polizei ermöglichte den Neonazis, der feministischen Demo mit hunderten Metern Abstand auf ihrer Strecke zu folgen. Die feministische Demonstration ließ sich davon weder stören, noch beeindrucken.

„Kreuzberger Gratismut ist vorbei, gerade in Berliner Außenbezirken, wo viele der Faschos wohnen, muss Antifeminismus und Faschismus die Stirn geboten werden“, hieß es im Aufruf der F*Antifaschist*innen.

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