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»Jede Gesellschaft bekommt die Revolution, die sie verdient.« Michail Bakunin

Ohnmacht und Isolation

Das Foto zeigt Erich Fromm vor einem Berg an Büchern  in einem blauen Sakko beim Schreiben
Erich Fromm (1974) Foto: Müller-May / Rainer Funk Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

"Ein Mensch jedoch, der nicht völlig entfremdet ist,
der noch immer empfindsam geblieben ist und noch fühlen kann,
der noch nicht den Sinn für Würde verloren hat,
der nicht käuflich ist,
der am Leiden anderer selbst noch zu leiden vermag,
der noch nicht vollständig in der Existenz Weise des Habens lebt,
kurzum jemand, der noch Person geblieben ist, kein Ding,
ein solcher Mensch kann nicht anders, als sich in der heutigen Gesellschaft einsam, ohnmächtig und isoliert zu erleben."

Erich Fromm

Blogkino: The Tiger's coat (1920)

Zum heutigen, 126. Geburtstag der Schauspielerin, Fotografin & Revolutionärin Tina Modotti (16. August 1896 – 6. Januar 1942) zeigen wir  in unserer Reihe Blogkino den Stummfilm "The Tiger's Coat" aus dem Jahre 1920: Ein Mann willigt ein, die Tochter eines verstorbenen Freundes zu heiraten, die in Wirklichkeit von dem Dienstmädchen (Modotti) der ebenfalls bereits verstorbenen Tochter (Modotti) verkörpert wird.

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Friedrich Engels: Über den (sehr zweifelhaften) Sieg des Menschen über die Natur

Friedrich Engels ca. 1858
Friedrich Engels ca. 1858

Was den ganzen bürgerlichen Schwätzer:Innen von wegen "Das konnte keiner ahnen" (ebenso wie den ganzen Salonlinken, die von der neuen Qualitiät der Umweltfrage in Form der drohenden Klimakatastrophe als zentraler Frage, die die Existenz der Menschheit akut bedroht, nichts wissen wollen) um die Ohren zu hauen ist:

"(...) Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben. Die Leute, die in Mesopotamien, Griechenland, Kleinasien und anderswo die Wälder ausrotteten, um urbares Land zu gewinnen, träumten nicht, daß sie damit den Grund zur jetzigen Verödung jener Länder legten, indem sie ihnen mit den Wäldern die Ansammlungszentren und Behälter der Feuchtigkeit entzogen. Die Italiener der Alpen, als sie die am Nordabhang des Gebirgs so sorgsam gehegten Tannenwälder am Südabhang vernutzten, ahnten nicht, daß sie damit der Sennwirtschaft auf ihrem Gebiet die Wurzel abgruben; sie ahnten noch weniger, daß sie dadurch ihren Bergquellen für den größten Teil des Jahrs das Wasser entzogen, damit diese zur Regenzeit um so wütendere Flutströme über die Ebene ergießen könnten. Die Verbreiter der Kartoffel in Europa wußten nicht, daß sie mit den mehligen Knollen zugleich die Skrofelkrankheit verbreiteten. Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht - sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können. (...)

Wenn der einzelne Fabrikant oder Kaufmann die fabrizierte oder eingekaufte Ware nur mit dem üblichen Profitchen verkauft, so ist er zufrieden, und es kümmert ihn nicht, was nachher aus der Ware und deren Käufer wird. Ebenso mit den natürlichen Wirkungen derselben Handlungen. Die spanischen Pflanzer in Kuba, die die Wälder an den Abhängen niederbrannten und in der Asche Dünger genug für eine Generation höchst rentabler Kaffeebäume vorfanden - was lag ihnen daran, daß nachher die tropischen Regengüsse die nun schutzlose Dammerde herabschwemmten und nur nackten Fels hinterließen? Gegenüber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, handgreiflichste Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch, daß die entfernteren Nachwirkungen der hierauf gerichteten Handlungen ganz andre, meist ganz entgegengesetzte sind, daß die Harmonie von Nachfrage und Angebot in deren polaren Gegensatz umschlägt, wie der Verlauf jedes zehnjährigen industriellen Zyklus ihn vorführt und wie auch Deutschland im »Krach« ein kleines Vorspiel davon erlebt hat; daß das auf eigne Arbeit gegründete Privateigentum sich mit Notwendigkeit fortentwickelt zur Eigentumslosigkeit der Arbeiter, während aller Besitz sich mehr und mehr in den Händen von Nichtarbeitern konzentriert (...)"

Friedrich Engels, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung der Affen aus: Karl Marx/ Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 20. Berlin/DDR. 1962. »Dialektik der Natur«, S. 444-455. 1. Korrektur. Verfasst im Juni 1876.

Blogkino: America, America - Part 4 - The Anatolian Smile (1963)

Heute zeigen wir im Blogkino mit Filmen zum Thema Ⓐnarchismus das Epos "America America" (Das anatolische Lächeln), geschrieben, adaptiert, inszeniert und produziert von Elia Kazan (1963). In der Rezension von Stuart Christie heißt es zum Plot: "Trotz seiner schicksalhaften Entscheidung, 1952 (dem Jahr, in dem er "Viva Zapata!" drehte) vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (HUAC) auszusagen, ist Elia Kazan, Gründer des Actor's Studio und ehemaliges Mitglied der amerikanischen KP (und Anti-Stalinist), für mich einer der großen amerikanischen Filmregisseure. Sein vielleicht stärkster, aber übersehener Film - ein Film mit politischer Relevanz in dieser Zeit der Massenmigration von Kriegsflüchtlingen und der brutalen Unterdrückung politischer Dissidenten und religiöser und ethnischer Minderheiten - war sein autobiografisches Epos "America, America" (im Vereinigten Königreich "The Anatolian Smile") von 1963.

Das Voice-over wird von Kazan selbst gesprochen: "Ich bin Grieche von Blut, Türke von Geburt und Amerikaner, weil mein Onkel eine Reise gemacht hat". Der Film beginnt mit der Zerstörung eines verarmten kappadokischen griechischen und armenischen Dorfes in der korrupten osmanischen Türkei Mitte der 1890er Jahre (die Zeit, in der Donald Trumps Großvater Zuflucht - und einen Vorteil! - in den USA), der Heimat des anatolisch-griechischen Protagonisten Stavros, und das erbarmungslose Abschlachten seiner terrorisierten und wehrlosen Bewohner, die versuchen, ihren osmanischen Peinigern zu entkommen.

Wie Herodes hatte Sultan Abdu'l-Hamid II. (ein Vorbild für Recep Tayyip ErdoÄŸan?) die Tötung der Armenier im ganzen Reich angeordnet (möglicherweise wurden bis zu 30 000 von ihnen bereits auf Hamids Befehl hin massakriert). Dieser besondere Holocaust war seine Antwort auf die 14-stündige Besetzung der in französisch-britischem Besitz befindlichen Osmanischen Reichsbank in Konstantinopel im Jahr 1896 durch 28 bewaffnete Männer und Frauen der Armenischen Revolutionären Föderation.

Es war ein vergeblicher, aber verzweifelter Protest, mit dem die westeuropäischen Mächte gezwungen werden sollten, Hamids Straffreiheit in Frage zu stellen und gegen seine anhaltenden Pogrome und Massaker an christlichen Griechen und Armeniern zu intervenieren. Die von Panik ergriffenen armenischen Dorfbewohner suchen Zuflucht in ihrer von Kerzenlicht und Weihrauch umwölkten Kirche, wo ein Priester sie zum Gebet anleitet. Draußen ist das Gebäude von türkischer Polizei und Derbendji-Hilfstruppen umstellt, die brennende Fackeln schwingen. Ein Priester, der sich widersetzt, wird gedemütigt und eine Fackel wird in das Gebäude geworfen. Flammen und Rauch verschlingen die Kirche und wir hören die Schreie der sterbenden Männer, Frauen und Kinder, die bei lebendigem Leib verbrennen.

Kazan schneidet auf die rauchenden, verkohlten Überreste der Kirche; die Opfer des staatlich geförderten Massakers liegen auf den Straßen, und wir sehen Stavros, der neben der Leiche seines armenischen Freundes Vartan kauert. Nach dem Massaker erkennt Stavros' Familie, dass es in der Hamidian-Türkei keine Hoffnung auf Gerechtigkeit oder Toleranz für armenische, aserbaidschanische, arabische, assyrische, griechische, persische und kurdische Minderheiten gibt. Sie schicken ihn mit den Schätzen der Familie auf eine gefährliche und brutale Odyssee auf einem Esel und zu Fuß quer durchs Land, um der Familie in Konstantinopel ein sichereres Zuhause zu bereiten.

Stavros hingegen träumt von einem Neuanfang in einem neuen, verheißungsvollen Land, Amerika. Es sind jedoch die Missgeschicke und die moralische Entwicklung des unverwüstlichen Protagonisten, der auf seiner Reise in das Land der Freiheit lernt, mit Verrat, Verrat, Demütigung, Gewalt und Korruption umzugehen, die sich zu dem großen filmischen Bildungsroman "Amerika, Amerika" entwickeln."

Wir zeigen heute den letzte von vier Teilen. Externes VideoDas Video liegt auf einem fremden Server. Beim Öffnen wird eine Verbindung zum Anbieter hergestellt.Video beim Anbieter öffnen

Blogkino: America, America - Part 3 - The Anatolian Smile (1963)

Heute zeigen wir im Blogkino mit Filmen zum Thema Ⓐnarchismus das Epos "America America" (Das anatolische Lächeln), geschrieben, adaptiert, inszeniert und produziert von Elia Kazan (1963). In der Rezension von Stuart Christie heißt es zum Plot: "Trotz seiner schicksalhaften Entscheidung, 1952 (dem Jahr, in dem er "Viva Zapata!" drehte) vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (HUAC) auszusagen, ist Elia Kazan, Gründer des Actor's Studio und ehemaliges Mitglied der amerikanischen KP (und Anti-Stalinist), für mich einer der großen amerikanischen Filmregisseure. Sein vielleicht stärkster, aber übersehener Film - ein Film mit politischer Relevanz in dieser Zeit der Massenmigration von Kriegsflüchtlingen und der brutalen Unterdrückung politischer Dissidenten und religiöser und ethnischer Minderheiten - war sein autobiografisches Epos "America, America" (im Vereinigten Königreich "The Anatolian Smile") von 1963.

Das Voice-over wird von Kazan selbst gesprochen: "Ich bin Grieche von Blut, Türke von Geburt und Amerikaner, weil mein Onkel eine Reise gemacht hat". Der Film beginnt mit der Zerstörung eines verarmten kappadokischen griechischen und armenischen Dorfes in der korrupten osmanischen Türkei Mitte der 1890er Jahre (die Zeit, in der Donald Trumps Großvater Zuflucht - und einen Vorteil! - in den USA), der Heimat des anatolisch-griechischen Protagonisten Stavros, und das erbarmungslose Abschlachten seiner terrorisierten und wehrlosen Bewohner, die versuchen, ihren osmanischen Peinigern zu entkommen.

Wie Herodes hatte Sultan Abdu'l-Hamid II. (ein Vorbild für Recep Tayyip ErdoÄŸan?) die Tötung der Armenier im ganzen Reich angeordnet (möglicherweise wurden bis zu 30 000 von ihnen bereits auf Hamids Befehl hin massakriert). Dieser besondere Holocaust war seine Antwort auf die 14-stündige Besetzung der in französisch-britischem Besitz befindlichen Osmanischen Reichsbank in Konstantinopel im Jahr 1896 durch 28 bewaffnete Männer und Frauen der Armenischen Revolutionären Föderation.

Es war ein vergeblicher, aber verzweifelter Protest, mit dem die westeuropäischen Mächte gezwungen werden sollten, Hamids Straffreiheit in Frage zu stellen und gegen seine anhaltenden Pogrome und Massaker an christlichen Griechen und Armeniern zu intervenieren. Die von Panik ergriffenen armenischen Dorfbewohner suchen Zuflucht in ihrer von Kerzenlicht und Weihrauch umwölkten Kirche, wo ein Priester sie zum Gebet anleitet. Draußen ist das Gebäude von türkischer Polizei und Derbendji-Hilfstruppen umstellt, die brennende Fackeln schwingen. Ein Priester, der sich widersetzt, wird gedemütigt und eine Fackel wird in das Gebäude geworfen. Flammen und Rauch verschlingen die Kirche und wir hören die Schreie der sterbenden Männer, Frauen und Kinder, die bei lebendigem Leib verbrennen.

Kazan schneidet auf die rauchenden, verkohlten Überreste der Kirche; die Opfer des staatlich geförderten Massakers liegen auf den Straßen, und wir sehen Stavros, der neben der Leiche seines armenischen Freundes Vartan kauert. Nach dem Massaker erkennt Stavros' Familie, dass es in der Hamidian-Türkei keine Hoffnung auf Gerechtigkeit oder Toleranz für armenische, aserbaidschanische, arabische, assyrische, griechische, persische und kurdische Minderheiten gibt. Sie schicken ihn mit den Schätzen der Familie auf eine gefährliche und brutale Odyssee auf einem Esel und zu Fuß quer durchs Land, um der Familie in Konstantinopel ein sichereres Zuhause zu bereiten.

Stavros hingegen träumt von einem Neuanfang in einem neuen, verheißungsvollen Land, Amerika. Es sind jedoch die Missgeschicke und die moralische Entwicklung des unverwüstlichen Protagonisten, der auf seiner Reise in das Land der Freiheit lernt, mit Verrat, Verrat, Demütigung, Gewalt und Korruption umzugehen, die sich zu dem großen filmischen Bildungsroman "Amerika, Amerika" entwickeln."

Wir zeigen den dritten von vier Teilen heute, der letzte Teil folgt kommenden Dienstag. Externes VideoDas Video liegt auf einem fremden Server. Beim Öffnen wird eine Verbindung zum Anbieter hergestellt.Video beim Anbieter öffnen

 

Friedensgruppen fordern vor der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffen-Nichtverbreitungsvertrag in New York von der Bundesregierung die Beendigung der nuklearen Teilhabe

Kampagnenlogo Büchel AtomwaffenfreiVon 1. bis 26. August 2022 findet bei den Vereinten Nationen die 10. Überprüfungskonferenz zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (NVV/engl. NPT) statt. Die Vertreter*innen der Vertragsstaaten, zu denen auch Deutschland gehört, treffen sich alle fünf Jahre. Wegen Corona ergab sich diesmal eine Verschiebung um mehr als zwei Jahre.

Die bundesweite Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ fordert von der Bundesregierung die Beendigung der nuklearen Teilhabe, wie sie in Büchel mit ca. 20 US-Atombomben im Widerspruch zum NVV ausgeübt wird. Die Bundesregierung hat durch Beitritt zum NVV auf Atomwaffen verzichtet, diese aber mittelbar – im Ernstfall unmittelbar – angenommen 1 und verletzt somit den Vertrag. Die atomwaffenfrei-Kampagne fordert von der Bundesregierung den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland, den Ausstieg aus der nuklearen Teilhabe in der NATO und die Unterzeichnung des 2021 in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrages.

Auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel (Eifel) sind derzeit im Rahmen der nuklearen Teilhabe ca. 20 US-Atombomben stationiert, die in den kommenden Jahren für viele Milliarden Euro gegen neue, technisch aufgerüstete und „einsetzbarere“ Atombomben (B61-12) ausgetauscht werden sollen. Für den Einsatz dieser Atomwaffen hat die Bundesregierung den Kauf von F-35-Kampfjets der Firma Lockheed Martin beschlossen.

Die atomwaffenfrei-Kampagne fordert von der NVV-Konferenz, den Bruch dieses Vertrages durch die nukleare Teilhabe-Praxis in der NATO zu verurteilen. Kampagnensprecher Martin Singe: „Eine Mehrheit der Vertragsstaaten, insbesondere die blockfreien Staaten, verurteilten die nukleare Teilhabe wiederholt als vertragswidrige Praxis, deshalb kann diese auch nicht als Völkergewohnheitsrecht deklariert werden. Die Hinweise der USA und der Bundesregierung, dass der NVV im Kriegsfall nicht gelte, sind vertragsrechtlich unhaltbar."

Kampagnensprecherin Marion Küpker macht deutlich: „Alle Vertragsbrüche müssen benannt werden, sowohl die nukleare Teilhabe der NATO in Europa als auch eine zukünftig mögliche nukleare Teilhabe von Belarus an russischen Atomwaffen, die von den Präsidenten Lukaschenko und Putin kürzlich angekündigt wurde. Die nukleare Abschreckungspolitik konnte einen völkerrechtswidrigen Krieg Russlands in der Ukraine nicht verhindern. Ein Ende der Atomkriegsbedrohungen kann nur über redliche Verhandlungen zur vollständigen Abrüstung aller Atomwaffen (in good faith) gemäß Artikel VI des NVV funktionieren.“

Die atomwaffenfrei-Kampagne unterstützt die Initiative des ehemaligen costaricanischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers, Oscar Arias, und des Präsidenten des Global Security Institute, Jonathan Granoff. Sie schlagen vor, als Geste des guten Willens gegenüber Russland den Abzug der US-Atomwaffen aus Europa und aus der Türkei anzubieten, der wirksam werden soll, sobald im Ukrainekrieg eine Verhandlungslösung erreicht ist.

Für die bundesweite Kampagne "Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt" wird Kampagnensprecherin Marion Küpker in der ersten Woche der Überprüfungskonferenz in New York dabei sein.

1 Artikel II des NVV lautet: „Jeder Nichtkernwaffenstaat, der Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen, […]“
 
Quelle: Pressemitteilung 1. August 2022
 
 

Laufzeitverlängerung: AKW-Weiterbetrieb nicht genehmigungsfähig - BUND legt aktuelle Studie zum Sicherheitszustand der laufenden Atomkraftwerke vor

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine stellt Deutschland vor große Herausforderungen bei der Energieversorgung. Aus der Debatte um Gasengpässe und kalte Wohnungen ist ein Szenario um einen drohenden Stromengpass geworden, in dessen Folge der Weiterbetrieb der verbliebenen Atomkraftwerke (AKW) debattiert wird. Die sicherheitspolitischen Fakten sind für die Befürworter eine vernachlässigte Randnotiz. Eine aktuelle Sicherheitsstudie im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt, dass ein Weiterbetrieb aufgrund ungeklärter Sicherheitsfragen nicht genehmigungsfähig ist. Der Umweltverband lehnt den Weiterbetrieb und damit eine Laufzeitverlängerung der AKW Emsland, Neckarwestheim 2 sowie von Isar 2 über den 31. Dezember 2022 hinaus ab.

“Die Forderungen nach einem Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke sind populistisch. Energie aus Atomkraft ist unsicher, unrentabel und unnötig”, erklärt Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender. “Wer angesichts der drohenden Gasengpässe behauptet, nur mit Atomkraft einen warmen Winter ermöglichen zu können, führt eine Scheindebatte und rechnet die Leistungsfähigkeit der AKW schön. Sowohl die Opposition als auch die Regierungsparteien stellen leichtfertig den vor elf Jahren von einem breiten Konsens getragenen gesamtgesellschaftlichen Vertrag zum Atomausstieg zur Disposition. Damit riskieren sie auch die Verlässlichkeit und Tragfähigkeit langfristiger politischer Entscheidungen in diesem Land. Einige Grüne Politker*innen stellen mit ihrer Öffnung für verlängerte Atomlaufzeiten den Gründungskonsens der Grünen in Frage.”

Am eigentlichen Sachverhalt hat sich seit dem Atomausstiegsbeschluss 2011 nichts geändert. Bandt weiter: “Atomkraft ist eine unberechenbare Hochrisikotechnik. Für die Energieversorgung spielt sie mit einem Anteil von etwa einem Prozent am Endenergieverbrauch weder kurz- noch mittelfristig eine wesentliche Rolle. Die bestehenden Sicherheitsrisiken bei einem Weiterbetrieb der drei AKW, die selbst die Betreiber nicht mehr tragen wollen, werden in der politischen Debatte auf sträfliche Weise missachtet.” Aus Sicht des BUND stehen Sicherheitsrisiken und die Kosten für den Erhalt der geringen AKW-Kapazitäten in keinem Verhältnis. Daran ändert auch ein erneuter Stresstest nichts.

Deutschland hat den Ausstieg aus der Atomenergie 2011 aufgrund der unberechenbaren Sicherheitsrisiken beschlossen. Die AKW sind heute elf Jahre älter und haben allesamt eine Betriebsdauer von 30 Jahren weit überschritten. Oda Becker, Diplom-Physikerin und Expertin für Risiken von Atomanlagen, führt mit Verweis auf eine für den BUND erstellten aktuellen Sicherheitsstudie aus: “Die AKWs Emsland, Neckarwestheim 2 und Isar 2 sind seit 13 Jahren nicht mehr umfänglich sicherheitstechnisch überprüft worden. Die letzte periodische Sicherheitsprüfung, die mindestens alle 10 Jahre erfolgen, fand 2009 und nach einem Sicherheitsanforderungen aus den 1980er Jahren. Dass die Atomaufsicht auf dieser Basis Laufzeitverlängerungen ohne umfassende Sicherheitsüberprüfungen genehmigt, ist aus fachlicher Sicht nicht vorstellbar. Denn ein sicherer Betrieb der Reaktoren nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik ist nicht gewährleistet.” Mit Blick auf die AKW Emsland und Neckarwestheim 2 fügt Becker an: “Die Anlagen wurden seit mehr als 10 Jahren in Hinblick auf die vereinbarten Restlaufzeiten betrieben, das zeigt sich zum Beispiel an dem Umgang an den gefährlichen Rissen in den Dampferzeugern im AKW Neckarwestheim 2.”

Der Weiterbetrieb der AKW wäre nicht nur aufgrund langfristiger und aktuell nicht verfügbarer Brennelemente, sondern auch durch die massiven Sicherheitsrisiken nicht zielführend. “Selbst die Betreiber stellen fest, dass auch ein kurzer Weiterbetrieb nur möglich wäre, wenn der Anspruch an Sicherheitsprüfungen massiv verringert oder umfangreiche Nachrüstungen nicht vorgenommen werden. Die aktuelle Situation in Frankreich belegt zudem, dass die angestrebte Versorgungssicherheit mit Atomkraftwerken nicht gewährleistet ist”, führt die Sicherheitsexpertin weiter aus.

In der aktuellen Auseinandersetzung rächt sich jetzt, dass jahrzehntelang auf fossile Brennstoffe gesetzt wurde und der Ausbau der Erneuerbaren Energien vernachlässigt oder verhindert wurde. Angela Wolff, BUND-Expertin für Atom- und Energiepolitik, erklärt: “Diese Debatte ist der letzte verzweifelte Versuch von CDU und CSU, die Atomenergie in Deutschland am Leben zu halten. Die Unionsparteien haben die Energiewende jahrelang massiv blockiert und Deutschland mit ihrer reaktionären Energiepolitik weiter in die fossile Abhängigkeit gedrängt. Und auch jetzt in der Krise fällt den beiden Parteien nichts Besseres ein als der energiepolitische Rückwärtsgang. Dabei können die AKW weder die Gaskrise lösen, noch spielen sie mit einem Anteil von insgesamt lediglich fünf Prozent im Strommix eine wesentliche Bedeutung für die Stromversorgung.”

Aktuell produzieren die deutschen AKW ihren Strom rechnerisch allein für den Export nach Frankreich, wo seit etwa einem halben Jahr die Reaktorflotte stillsteht. Dort zeigt sich das ganze energiepolitische Dilemma der Atomkraft-Nutzung. “Atomkraft bietet weder Versorgungssicherheit noch schafft sie Energieunabhängigkeit von Russland”, so die BUND-Expertin weiter. “Vielmehr hat die verstaatlichte russische Atomindustrie Europa und die USA als Lieferant von Uran und Nukleartechnik so fest im Griff, dass diese es sich bislang nicht leisten konnten, im Atomsektor Sanktionen gegen den Aggressor zu verhängen.”

Der BUND fordert einen konsequenten und naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren und schnelle sowie sinnvolle Energiesparmaßnahmen. Bandt: “Es wäre fatal, wenn sich die Bundesregierung in dieser schweren Krise weiter von einer populistisch geführten Debatte antreiben lässt und damit nicht nur wichtige Maßnahmen verpasst, sondern auch die energiepolitische Zukunft Deutschlands aufs Spiel setzt. Sicherheit, Frieden und eine zuverlässige Energieversorgung sind nur mit einem Schritt nach vorn erreichbar. Dazu müssen wir Atomkraft und fossile Brennstoffe so schnell wie möglich hinter uns lassen. Das Atommüll-Problem ist nach wie vor ungelöst. Das laufende Suchverfahren für eine dauerhafte Lagerstätte für die Jahrtausende lang gefährlichen hochradioaktiven Abfälle wird mit dieser sinnlosen Debatte um Laufzeitverlängerungen aufs Spiel gesetzt. Der BUND wird eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten nicht tatenlos hinnehmen und rechtliche Schritte prüfen.”

Mehr Informationen:

Quelle: Pressemitteilung BUND, 28. Jul 2022, via Fairändern

Neustart: 41. Umsonst und Draussen

Plakat zum 41. Umsonst & Draussen 5. - 7. August 2022Zweimal musste das U&D in Stuttgart ausfallen. 2022 wird es wieder stattfinden!

Wir planen, organisieren, bereiten vor. Und wir stellen fest: hier und da sind wir in den vergangenen 3 Jahren etwas eingerostet. Aber so nach und nach fällt uns alles wieder ein. Und nicht mehr lange, dann wird die Brache wieder zur U&D-Wiese.

Ganz verlernt haben wir U&D aber nicht, das beweist schon dieses großartige Programm, das wir auf die Beine gestellt haben. Wir können es selber kaum noch erwarten und sind uns sicher, ihr freut euch ebenso.

Das Thema beim Forum dieses Jahr: Klimaschutz selber machen. Hier sind wir gerade noch dabei, Kontakte zu knüpfen und Initiativen einzuladen, ihr Projekt beim U&D vorzustellen.

Eine Woche vor dem U&D findet in Stuttgart die Politparade des CSD statt. Auch hier sind wir wieder dabei, mit fahrender Bühne und Gurutari live on Truck.

Wenn Ihr über die aktuellen Entwicklungen beim U&D auf dem Laufenden sein wollt, abonniert unseren Newsletter, schaut gelegentlich mal hier auf der Seite rein, folgt uns bei Twitter oder bei Facebook. Und Ihr könnt Vereinsmitglied werden.

Unterstützt Eure Künstler*innen, Bands, Clubs, Veranstalter wenn Ihr wollt, dass sie weiter für Euch da sind. Z.Bsp www.kuenstlersoforthilfe-stuttgart.de.

Und vor allem: Falls Ihr es noch nicht getan habt:

Lasst Euch impfen!

Passt auf Euch und die Menschen in Eurer Umgebung auf, seid zuversichtlich und solidarisch.

Aufs gute Wetter beim 41. U&D!

Blogkino: America, America - Part 2 - The Anatolian Smile (1963)

Heute zeigen wir im Blogkino mit Filmen zum Thema Ⓐnarchismus das Epos "America America" (Das anatolische Lächeln), geschrieben, adaptiert, inszeniert und produziert von Elia Kazan (1963). In der Rezension von Stuart Christie heißt es zum Plot: "Trotz seiner schicksalhaften Entscheidung, 1952 (dem Jahr, in dem er "Viva Zapata!" drehte) vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (HUAC) auszusagen, ist Elia Kazan, Gründer des Actor's Studio und ehemaliges Mitglied der amerikanischen KP (und Anti-Stalinist), für mich einer der großen amerikanischen Filmregisseure. Sein vielleicht stärkster, aber übersehener Film - ein Film mit politischer Relevanz in dieser Zeit der Massenmigration von Kriegsflüchtlingen und der brutalen Unterdrückung politischer Dissidenten und religiöser und ethnischer Minderheiten - war sein autobiografisches Epos "America, America" (im Vereinigten Königreich "The Anatolian Smile") von 1963.

Das Voice-over wird von Kazan selbst gesprochen: "Ich bin Grieche von Blut, Türke von Geburt und Amerikaner, weil mein Onkel eine Reise gemacht hat". Der Film beginnt mit der Zerstörung eines verarmten kappadokischen griechischen und armenischen Dorfes in der korrupten osmanischen Türkei Mitte der 1890er Jahre (die Zeit, in der Donald Trumps Großvater Zuflucht - und einen Vorteil! - in den USA), der Heimat des anatolisch-griechischen Protagonisten Stavros, und das erbarmungslose Abschlachten seiner terrorisierten und wehrlosen Bewohner, die versuchen, ihren osmanischen Peinigern zu entkommen.

Wie Herodes hatte Sultan Abdu'l-Hamid II. (ein Vorbild für Recep Tayyip ErdoÄŸan?) die Tötung der Armenier im ganzen Reich angeordnet (möglicherweise wurden bis zu 30 000 von ihnen bereits auf Hamids Befehl hin massakriert). Dieser besondere Holocaust war seine Antwort auf die 14-stündige Besetzung der in französisch-britischem Besitz befindlichen Osmanischen Reichsbank in Konstantinopel im Jahr 1896 durch 28 bewaffnete Männer und Frauen der Armenischen Revolutionären Föderation.

Es war ein vergeblicher, aber verzweifelter Protest, mit dem die westeuropäischen Mächte gezwungen werden sollten, Hamids Straffreiheit in Frage zu stellen und gegen seine anhaltenden Pogrome und Massaker an christlichen Griechen und Armeniern zu intervenieren. Die von Panik ergriffenen armenischen Dorfbewohner suchen Zuflucht in ihrer von Kerzenlicht und Weihrauch umwölkten Kirche, wo ein Priester sie zum Gebet anleitet. Draußen ist das Gebäude von türkischer Polizei und Derbendji-Hilfstruppen umstellt, die brennende Fackeln schwingen. Ein Priester, der sich widersetzt, wird gedemütigt und eine Fackel wird in das Gebäude geworfen. Flammen und Rauch verschlingen die Kirche und wir hören die Schreie der sterbenden Männer, Frauen und Kinder, die bei lebendigem Leib verbrennen.

Kazan schneidet auf die rauchenden, verkohlten Überreste der Kirche; die Opfer des staatlich geförderten Massakers liegen auf den Straßen, und wir sehen Stavros, der neben der Leiche seines armenischen Freundes Vartan kauert. Nach dem Massaker erkennt Stavros' Familie, dass es in der Hamidian-Türkei keine Hoffnung auf Gerechtigkeit oder Toleranz für armenische, aserbaidschanische, arabische, assyrische, griechische, persische und kurdische Minderheiten gibt. Sie schicken ihn mit den Schätzen der Familie auf eine gefährliche und brutale Odyssee auf einem Esel und zu Fuß quer durchs Land, um der Familie in Konstantinopel ein sichereres Zuhause zu bereiten.

Stavros hingegen träumt von einem Neuanfang in einem neuen, verheißungsvollen Land, Amerika. Es sind jedoch die Missgeschicke und die moralische Entwicklung des unverwüstlichen Protagonisten, der auf seiner Reise in das Land der Freiheit lernt, mit Verrat, Verrat, Demütigung, Gewalt und Korruption umzugehen, die sich zu dem großen filmischen Bildungsroman "Amerika, Amerika" entwickeln."

Wir zeigen den zweiten von vier Teilen heute, die restlichen an den kommenden Dienstagen. Externes VideoDas Video liegt auf einem fremden Server. Beim Öffnen wird eine Verbindung zum Anbieter hergestellt.Video beim Anbieter öffnen