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»Die Geschichte ist lediglich eine Überraschungsliste. Sie kann uns nur darauf vorbereiten, aufs Neue überrascht zu sein.« Kurt Vonnegut

Regierungen rufen zur Katastrophenvorsorge auf – wie besorgt sollten wir sein?

Ein Freund von mir hat mir neulich eine SMS mit einer Frage zum Thema „Prepping“ geschickt. Ich liebe es, wenn Freunde mir Fragen zum Thema „Prepping“ stellen. Er fragte mich im Grunde: „Sollte ich mich jetzt mit Kreditkartenschulden belasten, um Lebensmittel und Wasser zu horten? Ich habe nicht viel Geld, aber die Lage sieht echt düster aus.“ Dieser Freund hat mehrere Kinder, die noch zu Hause wohnen und um die er sich kümmern muss, und lebt tief im roten Bereich der Karte.

Ich hab ihm gesagt: „Nein.“ Ich hab ihm erklärt, dass es ein guter Zeitpunkt ist, sich vorzubereiten, aber dass man dafür nicht seine Zukunft verpfänden sollte. Ich hab ihm geraten, wenn möglich, bei jedem Einkauf im Laden 5 bis 10 Dollar extra für haltbare Lebensmittel auszugeben.

Aber es gibt definitiv einen Anstieg bei der Vorsorge, was gut ist, und einen Anstieg der Angst, was nicht gut ist.

In den letzten Wochen haben Regierungen weltweit neue Leitlinien für ihre Bürger veröffentlicht, wie sie sich auf Katastrophen vorbereiten sollen. Das Vereinigte Königreich riet seinen Bürgern, Vorräte für drei Tage zu Hause zu haben. Japan bereitet die Gründung einer neuen Nationalen Katastrophenschutzbehörde vor. Die EU beschäftigt sich dank der russischen Invasion schon seit Jahren damit. Ein ehemaliger FBI-Mitarbeiter ist in den Nachrichten, weil er davon spricht, dass alle ausflippen und zu „Preppern“ werden sollten (auf eine sehr altmodische und wenig hilfreiche Art und Weise: „Leg dir deinen eigenen Vorrat an und misstraue allen anderen“). Und natürlich haben die USA kürzlich „FORTRESS“ angekündigt, einen Plan, um Militärstützpunkte so vorzubereiten, dass sie 90 Tage lang ohne externe Stromversorgung auskommen. Und Großbritannien hat drei seiner vier Atom-Abschreckungs-U-Boote auf See, was sonst selten vorkommt.

Und natürlich stehen Wahlen bevor. Es stehen immer Wahlen bevor.

All das zusammen bringt bestimmte Teile des Internets in Aufruhr: Wissen die Regierungen etwas, was wir nicht wissen? Steht etwas Schreckliches bevor? Aber die Sache ist die … das ist verschwörungstheoretisches Denken, und verschwörungstheoretisches Denken hat selten recht (ist aber meistens rechtsgerichtet). Die Sache mit den Atom-U-Booten? Das kommt manchmal vor. Das letzte Mal war vor sieben Jahren. Es ist wahrscheinlich kein Omen.

Mit ziemlicher Sicherheit steckt nichts Unheilvolles dahinter. Wahrscheinlich reagieren die Regierungen schlicht – und aus gutem Grund – auf die allgegenwärtige Mehrfachkrise: die Kriege im Iran und in der Ukraine, die sich auf die weltweite Energie- und Nahrungsmittelversorgung auswirken; die ständigen Katastrophen infolge von El Niño und der globalen Erwärmung; den „Schwarzen Oktober“ und die Erkenntnis, dass künstliche Intelligenz die Cyberkriegsführung möglicherweise ebenso grundlegend verändern könnte wie die Atombombe die konventionelle Kriegsführung.

Das heißt: Es sind eine Menge bedrohlicher Dinge. Es sind nur bedrohliche Dinge, von denen wir bereits wussten.

Es ist ein wirklich guter Zeitpunkt, sich vorzubereiten. Die Lage wird sich wahrscheinlich noch eine Weile weiter verschlechtern. Unser El-Niño-Winter wird ein seltsamer werden, und aktuelle Vorhersagen sagen viel Schnee im Westen voraus, weniger als üblich im Norden und im Mittleren Westen, wobei die Stürme insgesamt weiter nach Süden ziehen als gewöhnlich. Die Dieselkrise ist real und verschärft sich, und die Folgewirkungen von Trumps Krieg gegen den Iran werden noch jahrelang zu spüren sein.

Dann ist da noch die Bedrohung durch KI-Hacker. Ich halte die Ängste vor einer „außer Kontrolle geratenen KI, die die Welt zerstört“ für übertrieben, aber soweit ich das beurteilen kann, hat KI als Werkzeug die Funktionsweise der Computersicherheit grundlegend verändert. Leute aus dem Bereich Computersicherheit scheinen ziemlich ernsthaft erschüttert zu sein von der Fähigkeit der KI, Schwachstellen in Netzwerken aufzudecken, und ich höre von Freunden immer wieder Anekdoten über Cyberangriffe überall. Und natürlich wurden bei dem gestrigen Hack von Binance 6,3 Milliarden Dollar gestohlen – der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte. Was wird passieren, wenn als Nächstes das normale Bankwesen ins Visier gerät?

Was ich damit sagen will, ist wohl Folgendes: Macht euch keine Sorgen darüber, dass im Verborgenen irgendwelche dunklen Machenschaften im Gange sein könnten. Macht euch lieber Gedanken über all die schlimmen Dinge, die ganz offen vor unseren Augen geschehen. Es ist gut, dass Regierungen ihre Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigen, sich auf Krisen und Katastrophen vorzubereiten. Denn je selbstverständlicher und verbreiteter eine solche Vorsorge ist, desto besser sind wir alle in der Lage, in Krisenzeiten zusammenzuarbeiten und einander zu unterstützen.

Die Leute werden dir sagen, du sollst Angst haben, dass „die Gesellschaft nur neun Mahlzeiten von der Anarchie entfernt ist“. Aber ich biete dir die hoffnungsvolle Kehrseite an: „Die Gesellschaft ist nur neun Mahlzeiten von der Anarchie entfernt.“ Als der Westen von North Carolina von einem Hurrikan heimgesucht wurde, kamen alle zusammen und halfen sich gegenseitig – Anarchisten, soziale Bewegungen, Kirchen und, nun ja, einfach alle. Ich fuhr hin und brachte meinen kaputten Generator zu einer spontanen Gruppe von Kleinmotoren-Mechanikern, die sich hinter der anarchistischen Buchhandlung niedergelassen hatten, um Generatoren zu reparieren und zu verteilen.

Und ich bin im Herzen ein Mädchen vom Land, daher sage ich es nur ungern, aber: Die Stadt war während dieser speziellen Katastrophe besser dran als das Land. Es gibt jede Menge Klischees darüber, dass Stadtmenschen nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, und dass Landleute selbstständiger sind, aber die Sache ist die: Menschen sind die wichtigste Ressource, auf die man in einer Krise zurückgreifen kann.

Ich stand in einer Reihe von Freiwilligen vor dem Lebensmittelladen, während die Angestellten die Tiefkühltruhe öffneten und die Lebensmittel verteilten, und es waren die Leute, die mit mir absprachen, wohin das alles gebracht werden sollte. Es waren die Leute, die sich selbst organisiert (aber organisiert) hatten und aus den Bergen zu den nächsten Tankstellen fuhren, um Benzinkanister zu füllen, damit all die Pick-ups, die Wasser auslieferten, betankt blieben.

Obwohl Asheville vielleicht ein seltsames Beispiel ist, weil es eine Stadt ist, die in eine ländliche Kultur eingebettet ist. Vielleicht zeigt das, was dort passiert ist, die Stärke der Zusammenarbeit zwischen Stadt- und Landbewohnern, die ihre Ideen, Fähigkeiten und Lösungsansätze zusammenbringen, um etwas Schönes zu schaffen.

Vielleicht ist das die eigentliche Lektion hier.

Vielleicht lautet die Lektion: Was auch immer auf uns zukommt, wir sitzen alle im selben Boot.

 

Quelle: "Governments Are Telling Their Citizens to Get Ready for Disaster or: how much should we worry?" von Margaret Killjoy, 30. Oktober 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Gen Z regelt und Gen Z hat genug

Bei der „Gen Z“-Demonstration stehen zahlreiche überwiegend junge Menschen dicht gedrängt beieinander. Im Vordergrund halten zwei Demonstrierende große, handbeschriftete Pappschilder hoch. Auf dem linken steht in schwarzen und roten Großbuchstaben: „Wir fragen, warum Frauen keine Kinder bekommen, statt warum Mütter nachts nicht schlafen können.“ Das rechte Schild trägt die Aufschrift: „Ich brauch dringend Therapie, doch niemand gibt mir ein’ Termin.“ Das Wort „Therapie“ ist rot hervorgehoben. Zwischen den Schildern lächelt eine junge Frau mit langen dunklen Haaren in die Kamera. Die Demonstrierenden tragen warme Herbstkleidung. Im Hintergrund sind weitere Protestschilder, bunt gefärbte Bäume und ein teilweise bewölkter Himmel zu sehen.

Foto: © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv

In mehr als 30 Städten folgten am Samstag, den 31. Oktober 2026 rund 100.000 vor allem junge Menschen den Aufrufen der Inititiative „Gen Z regelt“ und demonstrierten für soziale Gerechtigkeit, bessere Bildung, für Klimaschutz und gegen Krieg.

In Berlin gab es zwei Demonstrationen. Am Nachmittag protestierten etwa 10.000 Menschen am Brandenburger Tor.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Unter dem Motto: „Gen Z hat genug!“ gab es am Abend eine weitere Demonstration am Rosenthaler Platz, zu der ein linksradikales, antifaschistisches und propalästinensisches Spektrum mobilisiert hatte.  Inspiriert von den Protesten in Frankreich gingen mehrere tausend Menschen wütend und laut auf die Straße. Die Polizei war mit 1.500 Beamten im Einsatz und griff die Demo am Ende an, vermutlich wegen Pyrotechnik und weil eine Tram blockiert war. Wiederholt wurden Teilnehmer*innen ohne ersichtlichen Grund geschubst und geschlagen. Es gab mehrere Verletzte.

Für den 20. November sind bereits die nächsten Proteste angekündigt.


 

Berlin: Hugohaus geräumt

Das Farbfoto zeigt eine Straßenszene vor dem mit Graffiti besprühten Hostel „Georghof“. Über dem Eingang leuchtet ein rotes Schild. Zwei Straßenmusiker spielen im Eingangsbereich, einer Gitarre, der andere Akkordeon. Auf dem Kopfsteinpflaster davor stehen und sitzen mehrere Menschen und hören zu. Einige Gesichter sind unkenntlich gemacht. An der Fassade hängen Transparente und Fahnen, darunter ein grünes Banner mit der Aufschrift „Nachbar*innen gegen Räumung“. Die Atmosphäre wirkt lebendig und solidarisch, geprägt von Straßenmusik, politischen Botschaften und gemeinschaftlichem Protest.

Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Das ehemalige Hostel in der Gürtelstraße 39–41 in Berlin-Friedrichshain hat eine lange Geschichte der Hausbesetzung: 2014 besetzten es Geflüchtete, um für ein Bleiberecht für alle zu demonstrieren. Das Haus stand daraufhin jahrelang leer und verfiel zunehmend, bis es vor 2 Jahren erneut von Punks besetzt wurde. Die setzten Teile wieder in Stand, räumten Müll und Dreck weg, zogen ein und gaben ihrem neuen Domizil den Namen „Hugohaus“. Am 24. September wurden die Bewohner*innen nach einer Auseinandersetzung mit Securities des Investors von der Polizei durchsucht und kalt geräumt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Lange wurde die stille Besetzung des Hugohauses geduldet, bis die Gebäude an die GSI 2 Entwicklung GmbH aus Wien verkauft wurden. Die von ihr beauftragte Projektentwicklerin dBS Investment GmbH forderte die Besetzer*innen auf, das Haus innerhalb von fünf Tagen zu räumen, schickte Securities und drohte Strom und Wasser abzustellen. Aber statt wieder auf der Straße zu wohnen, luden die Bewohner*innen Presse und Politik ein und organisierten solidarische Unterstützung. Bei einem spontanem Konzert am 1. September von Paul Geigerzähler und Faulenza vor dem Haus kamen mehrere Dutzend Menschen, die sich mit der Besetzung solidarisierten.  Sowohl die Besetzer*innen als auch die Musiker kündigten weitere Soliaktionen in den nächsten Tagen an.

Währenddessen begannen Securities im Auftrag des Investors mit Vorbereitungen für den geplanten Abriss des Gebäudes. Sie schotteten das Hugohaus mehrere Tage ab, verhinderten ein Betreten, Verlassen oder auch medizinische Hilfe und griffen die Bewohner*innen am 24. September an. Sie schlugen Fenster ein, versprühten Reizgas und versuchten erfolglos in die Räume der Bewohner*innen einzudringen. Die Securities behaupteten hingegen, selbst angegriffen worden zu sein und die Polizei durchsuchte mit 200 Einsatzkräften das Haus und nahm am Tag drauf sechs Personen fest.
Die Solimahnwache, die seit 3 Wochen vor dem Haus stand, blieb solidarisch und protestierte gegen die kalte Räumung des Hauses. Denn obwohl die Polizei betont hatte, dass es sich nicht um eine Räumung handele, konnten die Bewohner*innen nach ihrer Freilassung nicht wieder in das Haus zurückkehren. Die Securities standen im Eingang des Hugohauses, die Fenster waren zertrümmert und das Haus mittlerweile unbewohnbar gemacht worden.
 

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

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Vorbereitungen für den November oder: Niemand wird die Ergebnisse glauben, egal wie sie ausfallen

Ein Stimmzettel für die allgemeinen Wahlen in Oklahoma aus dem Jahr 2018, auf dem die Kandidaten für staatliche und kommunale Ämter sowie für den US-Kongress aufgeführt sind

Stimmzettel für die allgemeinen Wahlen in Oklahoma aus dem Jahr 2018, auf dem die Kandidaten für staatliche und kommunale Ämter sowie für den US-Kongress aufgeführt sind
Foto: Okcgunner
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International 

Ich bin nervös wegen der Wahlen, aber nicht wegen dessen, wie die Abstimmung meiner Meinung nach ausgehen wird. Ich bin nervös wegen dem, was danach kommt.

Allen Umfragen zufolge werden die Demokraten bei den Zwischenwahlen ziemlich viel gewinnen. Das derzeit wahrscheinlichste Ergebnis scheint zu sein, dass die Demokraten – sofern es eine faire Wahl gibt – das Repräsentantenhaus gewinnen und möglicherweise den Senat erobern oder eine geteilte Senatsmehrheit erreichen werden.

Es ist allerdings seltsam, all die Berichte über die Zwischenwahlen zu lesen, die davon ausgehen, dass sie fair verlaufen werden und dass irgendjemand die Ergebnisse glauben wird. Das ganze Jahr über hat Trump den Boden dafür bereitet, dass seine treuen Anhänger sich weigern werden, einen Sieg der Demokraten zu akzeptieren, und als er das letzte Mal eine Wahl verlor, hat er bekanntlich, na ja, einen seltsamen, halbherzigen Putsch inszeniert. Ich bezweifle, dass sein nächster halbherzig sein wird.

Seit Wochen sprechen Leute in Trumps Umfeld ziemlich offen darüber, wie Trump den Ausnahmezustand ausrufen könnte, um sicherzustellen, dass die Regierung unter seiner Kontrolle bleibt.

Diese Wahl ist also keine gewöhnliche Zwischenwahl. Es ist der Moment, in dem wir herausfinden, ob die USA noch über ein funktionierendes System der repräsentativen Demokratie verfügen. Nicht, weil die eine Seite an Demokratie glaubt und die andere nicht (obwohl das stimmt), sondern weil wir sehen werden, ob die Republikaner einen teilweisen Kontrollverlust akzeptieren oder nicht.

Es gibt mehrere Möglichkeiten: Die Demokraten könnten für eine große Überraschung sorgen und beide Kammern des Kongresses gewinnen; die Demokraten könnten eine Kammer gewinnen (vermutlich das Repräsentantenhaus); die Republikaner könnten die Zwischenwahlen gewinnen und die Kontrolle über beide Kammern behalten.

Und die Sache ist die: Niemand wird es glauben, egal was passiert. Wenn die Demokraten den Kongress zurückerobern, werden die Republikaner es nicht glauben und könnten versuchen, die Ergebnisse anzufechten. Es könnte passieren, dass gewählte Amtsträger am 3. Januar daran gehindert werden, ihren Amtseid abzulegen. Wenn es zum Ausnahmezustand kommt, könnte es zu einem Aufstand kommen – und möglicherweise sogar dazu, dass Teile der Regierung und des Militärs abtrünnig werden.

Wenn die Republikaner die Kontrolle über den Kongress behalten, wird – ehrlich gesagt – jeder, der kein Republikaner ist, den Ergebnissen zu Recht keinen Glauben schenken. Bei einer fairen Wahl würden die Republikaner den Kongress mit einem so unbeliebten Präsidenten wie Trump (dessen Zustimmungsrate derzeit bei etwa 38 % liegt, so niedrig wie nie zuvor) nicht behalten. Das ist einfach noch nie passiert und wird vermutlich auch nie passieren. Was die Leute angesichts einer gestohlenen Wahl tun werden, ist schwer zu sagen. Ich habe mehr Vertrauen in die Menschen selbst als in die Demokratische Partei.

Wenn die Wahlen geteilt ausgehen und die Demokraten das Repräsentantenhaus, aber nicht den Senat gewinnen, werden weniger Menschen davon überzeugt sein, dass es in die eine oder andere Richtung Wahlbetrug gab. Es scheint wahrscheinlich, dass dieses Ergebnis immer noch das Ergebnis von Wahlbeeinflussung durch Trump wäre, aber es wäre wesentlich schwieriger zu beweisen. In diesem Fall ist niemand glücklich, und beide Seiten sind überzeugt, dass die andere Seite betrogen hat.

Das bedeutet: Egal, wie die Wahlergebnisse ausfallen, ein großer Teil des Landes wird ihnen nicht glauben (zu Recht oder zu Unrecht). E Egal, wie die Wahlergebnisse ausfallen, werden wir am Ende noch gespaltener und misstrauischer sein und einem offenen Konflikt einen Schritt näher kommenE . Ich werde dafür sorgen, dass ich am Wahlabend unter Leuten bin, und ich empfehle dir, dasselbe zu tun. Manchmal macht es Spaß, eine Wahlparty zu feiern, aber das hier ist etwas anderes. Ich werde mit anderen zusammen sein, damit wir miteinander darüber reden können, was gerade passiert, und darüber, wie wir uns und unsere Gemeinschaften schützen können – egal, was als Nächstes kommt.

Ich glaube nicht, dass wir am 3. November ins Bett gehen und am 4. November in einem Bürgerkrieg aufwachen werden. Aber sieh es mal so: An jedem beliebigen Tag liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei fast null.

Am 4. November liegt die Wahrscheinlichkeit bei (ich denke mir diese Zahl gerade aus) einem Prozent. Ein Prozent ist ein verdammt großer Sprung von „fast null“. Und ich glaube, dass wir am 4. November alle ein etwas klareres Bild davon haben werden, wie unsere nahe Zukunft aussieht. Proteste, Bewegungen und Unruhen gegen die Sparpolitik breiten sich gerade weltweit aus. Frankreich steht in Flammen – und ja, in Frankreich brennt es ja immer, aber gerade jetzt brennt es besonders heftig. Ich habe gestern von einer französischen Freundin gehört, einer Künstlerin, die etwa eine Generation älter ist als ich, und sie erzählte mir, dass alle so stolz auf die Jugend sind, weil sie sich gegen die Polizei wehrt, und dass sie versucht hat, hinzugehen, um sie zu unterstützen, aber die ganze Stadt war von Polizei überflutet und ihr Weg wurde versperrt.

Spanien ist ebenfalls in Aufruhr, ebenso wie Italien, und die Jugend in Albanien kämpft gegen die steigenden Lebenshaltungskosten, und Indiens Version von Trump sieht sich einer massiven Bewegung gegenüber, als Reaktion auf seine Einschränkungen beim Wahlrecht.

Und wenn man die Mainstream-Nachrichten liest, geht die Gewalt von den Demonstranten aus, von den schwarz gekleideten Jugendlichen, die mit Steinen und Molotowcocktails um sich werfen. Nicht von der Polizei, die Menschen verstümmelt, nicht von den Systemen, die ganze Generationen in die Armut treiben.

Die Jugend hat recht: Die bestehenden Systeme funktionieren nicht und müssen radikal reformiert oder gestürzt werden, und es ist gut und moralisch richtig, dafür zu kämpfen (notfalls auch physisch), damit das geschieht.

Die gleichen Bedingungen betreffen uns hier in den Vereinigten Staaten natürlich auch. Aber genau deshalb hasse ich Wahljahre: Alles steht still, während wir darauf warten, was am 3. November passiert. Die nächsten zwei Wochen sind eine gute Zeit, sich auf alles vorzubereiten, was kommen könnte. Hier ist mein Vorschlag: Hoffentlich, wahrscheinlich wird sich das alles am Ende als übertrieben anfühlen. Aber das Ziel der Vorsorge ist nicht, sich auf das zu vorbereiten, was sicher ist, sondern auf das, was möglich ist.

  • Macht einen Plan mit euren Freunden und/oder eurer Familie (jetzt eure „Affinitätsgruppe“), um am Wahlabend zusammen zu sein, damit ihr persönlich und in Echtzeit auf alles reagieren könnt, was passiert. Wenn nichts passiert, hattet ihr trotzdem die Gelegenheit, mögliche Szenarien zu besprechen.
  • Erstellt gemeinsam mit euren Freunden und/oder eurer Familie Notfallpläne:
    • Wie werdet ihr kommunizieren, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen? (Meine Empfehlung nach dem PACE-Modell lautet: Signal als Hauptkommunikationsmittel, normales Handy als Reserve, GMRS-Funk als Notfalloption, im Ernstfall treffen sich alle an einem vorher festgelegten Ort)
    • Wenn jemand verhaftet wird, wer kontaktiert dann in seinem Namen einen Anwalt? Wer füttert seine Katzen, gießt seine Pflanzen und fährt seine Kinder zur Schule? Könnt ihr einen Fonds für die Kaution in bar zusammenstellen?
    • Wenn offene Konflikte ausbrechen, bleibt ihr dann, wo ihr seid, oder geht ihr weg? Wohin geht ihr, bei wem bleibt ihr, wie kommt ihr dorthin? Es ist möglich, dass Menschen in eher „blauen“ Gegenden eher dabeibleiben und solche in eher „roten“ Gegenden eher weggehen, obwohl „blaue“ Städte auch potenzielle Brennpunkte für Repressionen durch die Bundesregierung sein könnten, während es auf dem Land vielleicht ruhiger zugeht.
  • Besorg dir einen Notfallrucksack
  • Überprüfe die Notvorräte deines Haushalts. Als Ausgangspunkt solltest du Folgendes anstreben:
    • Drei Tage lang haltbare, leicht zu verzehrende Lebensmittel; Wasser für drei Tage (eine Gallone pro Person und Haustier pro Tag); mehrere Ladevorgänge für den Handy-Akku mit Ersatzakkus.
    • Ein Kurbelradio [das einzige Kurbelgerät, das sich lohnt], das zumindest AM/FM- und Wetterfrequenzen empfängt, wenn nicht sogar Kurzwelle.
    • Ein GMRS-Funkgerät pro Person im Haushalt. Das sind so etwas wie besonders leistungsstarke Walkie-Talkies. Für den Nicht-Notfallgebrauch brauchst du eine Lizenz, aber es gibt keine Prüfung, sondern nur eine einmalige Gebühr.
    • Ein gutes Erste-Hilfe-Set.
    • Notbeleuchtung wie Taschenlampen, Stirnlampen und LED-Laternen. Kerzen nur für einen längeren Notfall, da sie eine ernsthafte und oft übersehene Brandgefahr darstellen.
    • Schlafsäcke, Decken und warme Kleidung in ausreichender Menge, um in einem ungeheizten Haus zu überleben oder es sich bequem zu machen.
  • Wenn du nach deiner Bestandsaufnahme noch zusätzliche Vorräte hast, solltest du in Erwägung ziehen, diese an den Rest deiner Affinitätsgruppe oder an andere Menschen zu verteilen, die sie wahrscheinlich brauchen. Es gibt keinen Grund, drei Funkgeräte zu haben, wenn dein Freund gar keines hat.
  • Denk darüber nach, dich auf massive, turbulente Proteste vorzubereiten, für den Fall, dass die Bewegung zur Rückeroberung der Demokratie eher ein Protest als ein Krieg ist. Hier sind einige Leitfäden, die es wert sind, gelesen und aufbewahrt zu werden (alle von unseren Freunden bei CrimethInc):
  • Und hier sind ein paar grundlegende Dinge, die du für Proteste griffbereit haben solltest
    • Unauffällige schwarze Kleidung (einschließlich eines schwarzen T-Shirts, das als Maske dienen kann)
    • Helme (Skate-, Fahrrad-, Schutz-, Sport- oder ballistische Helme sind für die meisten Zwecke geeignet)
    • Entweder eine Vollgesichts-Gasmaske oder eine Schutzbrille und eine Halbmaske
    • Wasserflaschen und eine Gürteltasche, in die sie passen
    • Snacks
    • IFAK (individuelles Erste-Hilfe-Set, ein Set für Schussverletzungen)
    • Sharpie-Stifte, um rechtliche Informationen auf deinen Körper zu schreiben
    • Das Bewusstsein, dass du nach einer Festnahme bei einer Demonstration nicht mit der Polizei kooperierst, sondern dich weigerst, Fragen zu beantworten, bis du mit einem Anwalt sprechen kannst
    • Hand- und Zehenwärmer, je nach Jahreszeit
  • Überlege dir, welche Rolle du übernehmen könntest, falls die Lage noch ernster wird

Ich habe kürzlich in einem Stadtpark eine Einführung in die Notfallvorsorge gehalten, und eine Frau, die an diesem schönen Tag im Park etwas trank, kam herüber und schloss sich dem Gespräch an. „Was bedeutet es, ein Prepper zu sein?“, fragte sie, nachdem sie meine ganze Rede darüber gehört hatte, wie man sich vorbereitet.

Ich habe versucht, es ihr zu erklären.

Sie dachte kurz nach und sagte: „Ach, es geht einfach darum, auf alles vorbereitet zu sein, was auf einen zukommt – sei es ein heftiger Sturm oder ein mieser Freund.“

Und ich sagte ihr, dass ich das verwenden würde.

Denn ich kann dir nicht sagen, was für eine schlimme Sache auf uns zukommt. Ich kann dir nicht sagen, dass die Gesellschaft kurz vor dem Zusammenbruch steht, oder dass die amerikanische Regierung kurz vor dem Zusammenbruch steht, oder zum nächsten Nazi-Deutschland wird, oder einfach weiter vor sich hin dümpelt als dieser imperialistische Albtraum, der seit Jahrhunderten über der ganzen Welt schwebt. Ich kann dir nur sagen, dass wir darüber nachdenken sollten, was möglich ist, und Pläne schmieden sollten.

Denn Menschen, die sich organisieren, die Pläne, Ausweichpläne und Notfallpläne schmieden, sind besser in der Lage, ihren Willen in ihrer Gesellschaft durchzusetzen.

Quelle: "Preparing for November or: no one is going to believe the results no matter what they are" von Margaret Killjoy, 21. Oktober 2026

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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: "Suspekt"

Schwarz-weißer Veranstaltungsflyer mit farbiger Illustration zum Dokumentarfilm „Suspekt“ von Christian Labhart. Im Zentrum ist der Schweizer Strafverteidiger Bernard Rambert als gezeichnete Figur dargestellt. Hinter ihm stehen zahlreiche Protestschilder mit Namen wie „Sturm“, „Kröcher“, „Meier“ und „Krause“ zwischen stilisierten Bomben. Der Flyer kündigt den politischen Filmabend am Sonntag, 25. Oktober 2026, um 19 Uhr in der Kinzigstraße 9 in Berlin an. Der Begleittext beschreibt Ramberts jahrzehntelange Tätigkeit als Anwalt linker und linksradikaler Aktivisten sowie seinen Einsatz für faire Prozesse und gegen unmenschliche Haftbedingungen.
Flyer zum Filmabend

Seit 50 Jahren gilt der «Rote Beni» als einer der bekanntesten Strafverteidiger der Schweiz. Der Zürcher Anwalt Bernard Rambert ist für die linksradikale Bewegung aktiv

Der Film zeigt eine Zusammenfassung 
aus 16 Stunden intensiven Interview-Gesprächen -mit exklusiven Archiveinblendungen-  von der Redaktorin Julia Klebs, von der Zeitschrift «Widerspruch» über politisierte Justiz,  Politik und Klassenjustiz, beide sich gegenübersitzend in einer Fabrikhalle.

Rambert, heute 80 Jahre alt, war Mitbegründer des Zürcher Anwaltskollektivs und des Komitees gegen Isolationshaft, aus dem später der Revolutionäre Aufbau Zürich hervorging. 

Er verteidigte zb. berühmte Ausbrecher, wie Walter Stürm oder den Anarchisten und Öko-Kämpfer Marco Camenisch.

Er besuchte Andreas Baader in Stammheim, verteidigte zb. Aktive der westeuropäischen  Stadtguerilla, auch aus brd-zusammenhängen, etwa Gabriele Kröcher-Tiedemann oder Petra Krause und mehrere andere, sowie einige im Film nicht genannte. B. Rambert steigt in seine Vergangenheit hinab. 

Erinnerungen werden lebendig - aus ihnen wachsen Bilder u. Geschichten; Geschichten von Erfolgen und Niederlagen, von Hoffnungen u. Träumen, von Höhepunkten und Abstürzen, mit Zeitzeugnissen aus 50 Jahren Weltgeschichte.


„SUSPEKT“ SONNTAG 25.OKTOBER 2026 - 19 uhr
Dokfilm von Christian Labhart Schweiz 2025, Sprache: CH-Dialekt/d - 83 min.

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


 

Faschismus kommt nicht überraschend und fällt auch nicht vom Himmel: Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus

Mit ihren Theorien zum Totalitarismus richtete Hannah Arendt den Blick auf die Wirkungsweisen totalitärer Herrschaft und auf die Voraussetzungen politischen Handelns. Kontroverse Debatten löste 1963 ihr Buch über den Eichmann-Prozess aus. Im Gespräch mit Günter Gaus spricht Arendt unter anderem über ihre Sicht auf Eichmann als kleingeistigen „Hanswurst“ im Räderwerk des Nationalsozialismus.

Die jüdisch-deutsche Publizistin Hannah Arendt (1906–1975), die 1933 über Paris in die USA emigrierte, lehnte die Bezeichnung „Philosophin“ für sich selbst ab. Auch im Interview mit Günter Gaus von 1963, das im ZDF am 28. Oktober 1964 ausgestrahlt wurde, zieht Arendt es vor, ihre Arbeiten als Beitrag zur politischen Theorie zu verstehen: Der Mensch ist für sie nicht nur ein denkendes, sondern immer auch ein handelndes Wesen.

Im Gespräch spricht Arendt über ihre Jugend in Deutschland bis zum Reichstagsbrand 1933, über ihre Hinwendung zur politischen Opposition und ihre Emigration, über die Gleichschaltung der Intellektuellen im nationalsozialistischen Deutschland, über ihr bewusstes Festhalten an der deutschen Sprache und über Auschwitz als einen Zivilisationsbruch, nach dem von „Wiedergutmachung“ nicht mehr im eigentlichen Sinne gesprochen werden könne. Breiten Raum nehmen außerdem ihr Verhältnis zum Nachkriegsdeutschland, die Kritik an ihrem Bericht über den Eichmann-Prozess und ihr Werk Vita activa ein.

Mehr als sechzig Jahre später gewinnt dieses Gespräch eine bedrückende Aktualität. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 erhielt die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Sie gewann 38 der 41 Direktmandate. Von einer politischen Entwicklung, die plötzlich und unerwartet über das Land hereingebrochen wäre, kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Stärke der AfD ist weder über Nacht entstanden noch war sie vor der Wahl verborgen.

Gerade deshalb erscheint ein Gedanke Arendts aus dem Gespräch bemerkenswert: ihre Skepsis gegenüber der nachträglichen Behauptung, historische Entwicklungen seien vollkommen überraschend gekommen. Politische Verhältnisse entstehen nicht außerhalb der Gesellschaft. Sie werden vorbereitet, normalisiert, hingenommen, unterstützt oder bekämpft – durch Institutionen, öffentliche Debatten und durch das Handeln oder Nichthandeln von Menschen.

Wer angesichts des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt vor allem von einer „Überraschung“ spricht, läuft daher Gefahr, den Blick auf die lange Vorgeschichte zu verstellen. Seit Jahren waren die politischen Positionen der AfD, ihre zunehmende Stärke und ihre Verankerung insbesondere in Teilen Ostdeutschlands öffentlich sichtbar. Überraschend mag die Höhe des Ergebnisses für manche gewesen sein. Dass eine solche Entwicklung möglich war, war es nicht.

Das macht Arendts Gespräch nicht zu einem Kommentar über eine Partei, die zu ihren Lebzeiten nicht existierte. Aber ihre Überlegungen über politische Verantwortung, Anpassung, Urteilsfähigkeit und die Rolle des Einzelnen in gesellschaftlichen Prozessen bieten einen Anlass, genauer hinzusehen – gerade dann, wenn politische Entwicklungen im Nachhinein als etwas dargestellt werden, das niemand habe kommen sehen können.

(Mit Informationen des ZDF: Gaus, Günter. 1964. Zur Person: Hannah Arendt)

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Kriminalpolizei durchsucht erneut das AZ Aachen

Das Foto zeigt die demolierte Tür des AZ
Polizeiarbeit...

Nach den Ereignissen des gestrigen Tages, nachzuvollziehen in der Pressemitteilung zu den Ereignissen am 6.9., kam es am Montag, den 07.09.2026 zu weiteren Maßnahmen am Autonomen Zentrum.

Als in den Morgenstunden des 7. Septembers die letzten Personen das AZ verlassen hatten und die Maßnahmen beendet waren, wurde das AZ verschlossen und der Zutritt verwehrt. Gegen 17 Uhr versammelten sich Beamte der Kriminalpolizei vor dem AZ. Obwohl während der gesamten Zeit der Vorstandes erreichbar war, wurde die Tür erneut aufgebrochen und unsere Räumlichkeiten von der Kriminalpolizei durchsucht, ohne ihn hinzuzuziehen. 

Wir forderten die Polizei mehrfach dazu auf, uns einen Durchsuchungsbeschluss zu zeigen, uns einen Grund für die Durchsuchung zu nennen und uns an die Einsatzleitung zu vermitteln. Diese Forderungen wurden verweigert oder vertröstet. Der offizielle Grund der Durchsuchung wurde uns erst um 18:30 Uhr, mehr als eine Stunde nach dem Eindringen der Kriminalpolizei in das Autonome Zentrum, mitgeteilt. Das erneute gewaltvolle Eindringen wurde mit dem vortäglichen Tatvorwurf im Rahmen der Demonstration legitimiert. 

Unser Recht, die Durchsuchung durch unseren Vorstand und eine*n weiteren Zeug*in begleiten zu lassen wurde uns, auch nach mehrfachen Kommunikationsversuchen, verwehrt. Auch unabhängige Zeugen des Ordnungsamtes, welche bei solchen Durchsuchungen anwesend sein müssen, wenn keine anderen
befugten Personen dabei sind, waren zu keinem Zeitpunkt vor Ort. Mehrfach wurde unsererseits Widerspruch gegen die Maßnahmen eingelegt, auch durch unseren Anwalt, welcher uns telefonisch begleitete, und mit dem die Polizei die Kooperation verweigerte.

Gegen 21 Uhr wurde die Maßnahme seitens der Polizei beendet und wir konnten uns ein Bild des Zustandes unserer Räumlichkeiten machen. Der verursachte Sachschaden ist noch nicht zu beziffern, ist aber erheblich. Ein Protokoll der beschlagnahmten Gegenstände wurde unserem Vorstand, der verspätet der Maßnahme beiwohnen konnte, vor Ort nicht ausgehändigt.

Während die AfD in Sachsen-Anhalt zur stärksten Kraft gewählt wurde und deutschlandweit alternative Jugendzentren von Neonazis angegriffen werden, werden durch den Staat antifaschistische Strukturen gelähmt und mit massiven Repressionen belegt. 
Was wir hier erlebt haben, ist schlicht eine Machtdemonstration. Die Erfahrung zeigt, dass solches Fehlverhalten für die Polizei in der Regel folgenlos bleibt und dass Betroffene dieser Willkür auf den Schäden (körperlich, emotional oder finanziell) sitzen bleiben. Das Ende des Einsatzes ist nicht das Ende der Repression. Das volle Ausmaß wird sich in Zukunft noch zeigen.

In Zeiten der autoritären Zuspitzung, wenn der Staat zu antidemokratischen Mitteln greift um Antifaschismus und linke Organisierung zu kriminalisieren, müssen wir uns entschlossen dagegen stellen. Sich politisch zu organisieren, sich frei zu bewegen, gegen Unrecht laut zu sein, sich um einander zu kümmern anstatt sich gegenseitig klein zu machen, einander zu respektieren auch wenn wir nicht einer Meinung sind, das sind die Grundsätze unserer Räume, für die wir einstehen.

Wir sind dankbar für alle, die sich in den letzten Tagen solidarisch mit uns gezeigt haben und sich gegen Willkür und Repression aussprechen. Wir ziehen daraus Kraft und Motivation weiter zusammen zu stehen, uns zu wehren, zu kämpfen.

Wir machen weiter. Kein Schritt zurück.
AZ bleibt!

Autonomes Zentrum Aachen

Quelle: Pressemitteilung 8.9.2026


 

A/I shuts down - Stay human

Zentral steht ein großer Textblock mit der Überschrift 'GOODBYE A/I'. Darunter folgt in schwarzer Schrift auf beigem Hintergrund die Mitteilung, dass Autistici/Inventati neunzehn Tage vor der Frist eingestellt wird. Rechts daneben befindet sich eine stilisierte Kalendergrafik. Im oberen rechten Bereich steht ein rot unterlegtes Logo mit dem Schriftzug 'NOBLOGS' und dem Zusatz 'Welcome to A/I'. Am unteren Rand sind weitere Informationen und Logos abgebildet, darunter 'sabot.media', der Hinweis auf einen vollständigen Artikel sowie auf ein kostenloses Buch.

An dem Tag, als wir erfuhren, dass wir als globale Terrororganisation eingestuft worden waren, haben wir versprochen, dass wir versuchen würden, so lange wie möglich Widerstand zu leisten, dass wir nicht nachgeben würden, solange wir noch Möglichkeiten sähen, unsere Position zu verteidigen. Seit Jahren pflegen und verteidigen wir stolz eine freie, datenschutzfreundliche, autonome und politisch engagierte Infrastruktur.

„Bleibt menschlich“ ist für uns keine leere Floskel.

Es bedeutet vor allem, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Nutzer*innen zu schützen – jene, die die menschlichen Netzwerke aufbauen, auf die wir uns verlassen, und die Gemeinschaften, die uns mit Botschaften der Unterstützung und Solidarität überschüttet haben.

Wir können uns nicht auf einen Kampf einlassen oder uns Manipulationen aussetzen, die das Leben dieser Menschen und ihrer Angehörigen bedrohen und sie der Gnade von Autokraten, Faschisten und Behörden ausliefern, die extralegale Maßnahmen ergreifen. Die Möglichkeit, dass unsere Arbeit rechtliche und finanzielle Konsequenzen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die uns nahestehen – oder auch nur irgendetwas mit uns zu tun haben –, lässt uns keine andere Wahl.

A/I wird geschlossen. Das Kollektiv Autistici/Inventati löst sich auf und wird in Kürze alle von uns angebotenen Dienste einstellen.

Es gibt keinen einfachen Weg, dies anzukündigen oder zu erklären

Jeder Tag, an dem wir nach dem 26. August 2026 online geblieben sind, war ein Sieg, doch nun sind wir gezwungen, aufzuhören.

Keiner von uns hält heldenhafte Gesten und Märtyrer für besonders bewundernswert, daher werden wir keine Opfer verlangen. Weder von uns noch von irgendjemand anderem. In diesem politischen Klima gefährdet die Fortsetzung unserer Dienste unsere Nutzer und alle, die Teil unserer Gemeinschaften sind. In einer Welt, in der Anschuldigungen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, können wir nur damit rechnen, dass die Repressionen zunehmend unverhältnismäßig ausfallen werden. Unter diesen Umständen sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche Mission aufrechtzuerhalten – nämlich sichere und nichtkommerzielle digitale Tools anzubieten.

Diese 25 Jahre waren fantastisch. Es war eine „unglaubliche Reise“.

Schaltet jetzt eure PCs aus, geht raus aus euren Wohnungen, kämpft, umarmt euch und hört nicht auf zu lächeln. Wir hören auf, aber der Widerstand und die Ideen hören nicht auf. Bleibt menschlich.

Wir werden euch bald Anleitungen schicken, wie ihr den Inhalt eurer Blogs, E-Mail-Postfächer und Websites sichern könnt, zusammen mit weiteren technischen Empfehlungen. Aber denkt daran: Genauso wie die Domain autistici.org ohne Vorwarnung unerreichbar gemacht wurde, könnten wir in den nächsten Tagen ähnliche Probleme erleben, die wir vielleicht nicht vorhersehen können.

 

Autistici/Inventati-Kollektiv

Quelle: keepitfree.ai, 6. September 2026

Wikipedia zu Autistici/Inventati
Listung in den USA

Eigene Übersetzung, Danke an Thomas für die Links


 

55 Jahre Operación Abuso

„Operation Abuso“ war der Codename für einen der größten und berühmtesten Gefängnisausbrüche der Weltgeschichte, der sich in den frühen Morgenstunden des 6. September 1971 im Gefängnis von Punta Carretas in Montevideo, Uruguay, ereignete.

Im Rahmen dieser Operation gelang 111 Häftlingen die Flucht. Die große Mehrheit von ihnen (106) waren politische Gefangene der Nationalen Befreiungsbewegung Tupamaros (MLN-T), darunter die Führungsspitze der Organisation und Persönlichkeiten, die die spätere uruguayische Politik prägen sollten, wie der ehemalige Präsident José „Pepe“ Mujica. Die anderen 5 Flüchtigen waren gewöhnliche Häftlinge, die im Gefängnis mitgeholfen hatten.

Das Bild zeigt eine gezeichnete Skizze des Tunnels sowie die Lage des alten Tunnels von 1931

Skizze des Tunnels

Die Häftlinge flohen durch einen 45 Meter langen, komplexen Tunnel, der eine der Zellen im Erdgeschoss mit dem Obergeschoss eines Einfamilienhauses direkt gegenüber dem Gefängnis verband, das zuvor von der Guerillagruppe eingenommen worden war.  Während der geheimen Grabungsarbeiten stießen die Tupamaros auf die Überreste eines alten, im Jahr 1931 von anarchistischen Gefangenen genutzten Fluchttunnels, was ihnen die Belüftung und den Vortrieb erleichterte.

Um die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte während der Flucht abzulenken, organisierten Militante außerhalb des Gefängnisses Unruhen und einen bewaffneten Aufstand in den Stadtvierteln El Cerro und La Teja – ein Manöver, das als „Operation Tero“ bekannt wurde.

Der Plan wurde so präzise umgesetzt, dass kein einziger Schuss fiel. Wegen des Ausmaßes der Flucht wurde das Unterfangen sogar vorübergehend im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet.

Die Flucht war ein schwerer politischer Schlag für die Regierung des damaligen Präsidenten Jorge Pacheco Areco, dessen Kabinett nach der Massenflucht in eine Krise geriet. Wenige Tage nach dem Vorfall beschloss die Exekutive, die Streitkräfte offiziell einzuberufen, damit sie direkt in den Kampf gegen die Guerillabewegung eingreifen – was die Eskalation der staatlichen Gewalt im Land beschleunigte.

Heute dient das ehemalige Gefängnis von Punta Carretas nicht mehr als Haftanstalt; das Gebäude wurde umgebaut und beherbergt nun ein bekanntes Einkaufszentrum sowie einen Bereich, der der Gedenkstätte des ehemaligen Gefängnisses von Punta Carretas gewidmet ist, um an die Ereignisse jener Zeit zu erinnern.


 

STAATSSCHUTZ - Film und Gespräch: Was, wenn Rechtsextreme den Staat schützen?

07. September 2026 | 19:30 Uhr | Hackesche Höfe Kino in Berlin

Eine junge Staatsanwältin überlebt einen rassistischen Brandanschlag und stößt bei den Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens in den eigenen Reihen. Faraz Shariats Justizthriller STAATSSCHUTZ, auf der Berlinale 2026 mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet, zeigt, wie schnell der Rechtsstaat Rechtsextremismus verharmlosen und Betroffene von Neonazi-Gewalt im Stich lassen kann.

Am 7. September zeigt United! Gemeinsam gegen Rechtsextremismus den Film im Hackesche Höfe Kino und diskutiert danach, wo Fiktion auf Realität trifft: Welche Konsequenzen hat es für Betroffene, wenn der ermittelnde Staatsanwalt mit den Täter*innen sympathisiert? Welche realen Fälle sind bekannt? Und wie geht die Justiz mit rechtsextremen Richter*innen und Staatsanwält*innen um?

GÄSTE: Claudia Schaefer, Drehbuchautorin von STAATSSCHUTZ Laurenz Schreiner, Journalist

Weitere Infos zum Film und zum Projekt. Tickets gibt es HIER.

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