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»Jeden Tag sorgen die Menschen dafür, dass die Haare ordentlich sitzen; warum tun sie das nicht auch mit ihrem Herzen?« Ernesto "Che" Guevara

„Der Tod ist würdiger als dieses Leben“: Israels Hungerkampagne verwüstet Gaza

Die Schreie hungriger Kinder hallen durch die Zeltlager in Gaza-Stadt, wo allein in den letzten fünf Tagen über 50 Palästinenser verhungert sind.

Der Onkel des drei Monate alten Fadi Al-Najjar hält seinen Leichnam in den Armen, nachdem dieser im Nasser Medical Complex in Khan Yunis im Gazastreifen an Unterernährung gestorben ist
Der Onkel des drei Monate alten Fadi Al-Najjar hält seinen Leichnam in den Armen, nachdem dieser im Nasser Medical Complex in Khan Yunis im Gazastreifen an Unterernährung gestorben ist
Foto: Doaa Albaz/Activestills 19. Juli 2025.
Wie alle Eltern hofften auch der 34-jährige Ahmed Draimli und seine Frau Waid, dass ihr erstgeborener Sohn Zain gesund, stark und voller Lebensfreude aufwachsen würde. Doch im vergangenen September, kurz nach seiner Geburt im Al-Sahaba Medical Complex in Gaza-Stadt, stellten Ärzte fest, dass Zain eine bakterielle Infektion im Blut hatte. Sie sagten, dass dies wahrscheinlich auf ein geschwächtes Immunsystem zurückzuführen sei – eine Folge der Unterernährung während Waids Schwangerschaft. „Während der Schwangerschaft habe ich mein Bestes getan, um alles zu kaufen, was ich konnte: Eier, Kartoffeln, alles, was gesund ist. Aber es war nicht nur teuer, oft gab es in den Geschäften einfach nichts zu essen“, erzählte Draimli +972.

„Waid hat während der Schwangerschaft viele Haare verloren und hatte schreckliche Knochenschmerzen.“

Waid litt auch unter der langen Einwirkung von Holzrauch, der zum Kochen verwendet wurde, und dem allgegenwärtigen Staub und Schutt von den israelischen Bombardements in der Nähe, da sie in ihrem Haus im Stadtteil Al-Daraj im Osten von Gaza-Stadt Zuflucht gesucht hatten. „Sie haben unser Viertel dreimal angegriffen“, erklärte Draimli.

In den ersten Monaten seines Lebens war Zains Gesundheitszustand sehr labil. Waid hatte aufgrund ihrer eigenen schlechten Ernährung Probleme mit dem Stillen, und Säuglingsnahrung war knapp. Der Säugling weinte ununterbrochen: Er hatte Schmerzen und oft hohes Fieber. Draimli erinnert sich, dass er kurz nach seiner Geburt „17 Tage lang im Krankenhaus der [Patient Friend’s Benevolent Society] blieb und über eine Infusion ernährt wurde. Die Ärzte entließen ihn schließlich, aber sein Fieber kam immer wieder zurück.“

Ahmed Draimly zeigt ein Foto von seiner Familie vor dem Tod seines Sohnes Zain in ihrem Haus im Stadtteil Al-Daraj in Gaza-Stadt
Ahmed Draimly zeigt ein Foto von seiner Familie vor dem Tod seines Sohnes Zain in ihrem Haus im Stadtteil Al-Daraj in Gaza-Stadt
Foto: Ahmed Ahmed, 20. Juli 2025
Sie brachten ihn immer wieder ins Krankenhaus im Zentrum von Gaza-Stadt. Manchmal sagten die Ärzte, sein Zustand sei stabil und er brauche nur die richtige Ernährung. Ein anderes Mal vermuteten sie eine ernstere Erkrankung, konnten dies aber ohne MRT-Untersuchung nicht bestätigen – und das einzige Gerät war bei einem israelischen Luftangriff zerstört worden. Schließlich entschieden die Ärzte, dass Zain dringend ins Ausland überwiesen werden müsse, was angesichts der geschlossenen Grenzen unmöglich war.

Ende März verschlechterte sich Zains Zustand. Am 17. Juli begannen seine Organe zu versagen. Waid brachte ihn ins Krankenhaus, wo die Ärzte ihn an ein Beatmungsgerät anschlossen.

„Wir dachten, es wäre wie all die anderen Male“, erklärte Draimli.

„Aber nur wenige Minuten später starb er. Waid rief mich an, und ich brach zusammen. Als ich im Krankenhaus ankam, lag sie immer noch auf dem Boden und umklammerte seinen Körper.“

Seit Beginn des Krieges Israels im Oktober 2023 sind laut Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza mindestens 122 Menschen, darunter mehr als 83 Kinder, in Gaza an Hunger gestorben – 54 davon allein seit Montag. Mittlerweile haben mehr als 100 internationale Hilfsorganisationen davor gewarnt, dass Gaza vor einer „Massenhungersnot“ steht. Die UNO berichtet, dass jedes fünfte Kind in Gaza-Stadt unterernährt ist und die Zahl der Fälle täglich steigt.

Trotz der seit Ende Mai nur eingeschränkten Einreise von humanitären Hilfsgüter-Lkw haben die anhaltenden israelischen Angriffe auf Zivilisten, die an den Standorten der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) Hilfe suchen, in Verbindung mit der Behinderung humanitärer Organisationen, die versuchen, lebensrettende Hilfe zu leisten, die Zahl der Todesopfer weiter in die Höhe getrieben und die Mehrheit der Bevölkerung ohne Zugang zu Nahrungsmitteln zurückgelassen.

„Die Hungersnot verschärft sich und breitet sich im gesamten Gazastreifen aus, zeitgleich mit der vollständigen Schließung aller Grenzübergänge durch die israelische Besatzungsmacht seit 145 Tagen“, schrieb das Medienbüro der Regierung in Gaza gestern in einer dringenden Erklärung. „Wir rufen alle Länder der Welt ohne Ausnahme dazu auf, die Blockade sofort zu beenden, die Grenzübergänge dauerhaft zu öffnen und die Einfuhr von Babynahrung und Hilfsgütern für mehr als 2,4 Millionen Menschen, die im Gazastreifen festsitzen, zu ermöglichen.“

Wie so viele in Gaza starb Zain an einer Kombination aus vermeidbaren Komplikationen, die alle durch den Mangel an Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung verschlimmert wurden. „Er war alles für mich und meine Frau. Er war das Licht unseres Hauses“, sagte Draimli. „Ich hoffe, dass kein Kind auf dieser Welt so stirbt wie mein Sohn.“

„Alles tut weh vor Hunger“

Ab dem 19. Juli gingen Hunderte Palästinenser auf die Straßen von Gaza – Männer und Frauen, Jung und Alt –, um gegen das Schweigen der Welt angesichts der Massenhungersnot durch Israel zu protestieren.

Wissal Marouf und ihre Familie vor ihrem Zelt im Al-Yarmouk-Stadion im Zentrum von Gaza-Stadt
Wissal Marouf und ihre Familie vor ihrem Zelt im Al-Yarmouk-Stadion im Zentrum von Gaza-Stadt
Foto: Ahmed Ahmed, 19. Juli 2025
Unter ihnen war auch die 34-jährige Wissal Marouf, die zusammen mit neun Familienmitgliedern, darunter ihr Mann und ihre kleine Tochter, in ein beengtes, 16 Quadratmeter großes Zelt im Al-Yarmouk-Stadion im Zentrum von Gaza-Stadt vertrieben wurde. „Vor zwei Monaten, als ein Kilo Mehl noch 40 NIS kostete, konnten wir uns noch zwei Brote pro Person leisten, insgesamt 18 pro Tag“, sagte Marouf gegenüber +972. „Jetzt, wenn wir überhaupt Mehl finden, kostet es 200 NIS.“

„Manchmal kann ich mir nur 100 Gramm leisten, gerade genug, um ein einziges Stück Brot für meine 6-jährige Tochter Mira zu backen“, fügte sie hinzu. „Sie weint fast den ganzen Tag und fragt oft, ob ich noch mehr backen kann, ohne zu wissen, dass ihr Vater und ich ihr unseren Anteil abgeben. Es ist einfach nichts mehr da.“

Im Mai, nach einer Reihe von Bombenangriffen auf ihr Viertel in Beit Lahiya, bei denen zehn ihrer Nachbarn ums Leben kamen, erlitt Maroufs Mann Ali auf der Flucht aus einem Zelt, das auf den Trümmern ihres zerstörten Hauses errichtet worden war, eine schwere Beinverletzung. Da er nun nicht mehr laufen kann, lastet die tägliche Last des Überlebens vollständig auf Marouf: Sie muss Feuerholz sammeln, Wasser holen und nach Essen suchen.

Jeden Tag läuft sie stundenlang herum, in der Hoffnung, eine Hilfsorganisation zu finden, aber meistens kommt sie mit leeren Händen zurück. Das bescheidene Gehalt ihres Mannes von 1.200 NIS (360 Dollar) pro Monat ist jetzt völlig wertlos, weil die Lebensmittelpreise in Gaza auf ein unvorstellbares Niveau gestiegen sind.

Ein Kilo Mehl kostet jetzt 200 NIS (60 US-Dollar), Reis 180 NIS (54 US-Dollar), Linsen 100 NIS (30 US-Dollar), lokale Tomaten 80 NIS (23 US-Dollar) und Gurken 70 NIS (21 US-Dollar).

Selbst der Zugang zu ihrem Geld ist eine Herausforderung: Um Bargeld abzuheben, sind sie auf Mittelsmänner angewiesen, die 45 Prozent Provision verlangen, sodass der Familie nach Abhebung von 1.200 NIS nur noch 660 NIS bleiben. Bei den aktuellen Preisen reicht das kaum für eine Woche.

„Wir haben seit dem 17. Juli nichts mehr gegessen. Wir können uns auf den Märkten nichts leisten; einige Verwandte haben mir ein paar Linsen gegeben, die ich auf mehrere Tage aufgeteilt und meiner Tochter gegeben habe“, sagte Marouf. „Mira bittet mich ständig um eine Gurke oder eine Tomate. Aber selbst wenn ich eine kaufen könnte, wie könnte ich sie vor den anderen Kindern im Zelt essen lassen?“

Die Unterernährung hat auch Marouf schwer zugesetzt. „Mein Rücken, meine Knochen, meine Arme – alles tut mir weh vor Hunger“, sagte sie. „Ich gehe hungrig und erschöpft ins Bett.“ Am 12. Juli brach sie auf der Straße zusammen. Kaum noch in der Lage zu gehen, schleppte sie sich zum nahe gelegenen Red Crescent Hospital in der Nähe von Al-Saraya.

„Ich habe geweint und mich an die Wände gelehnt, um weitergehen zu können“, erinnert sie sich. Die Ärzte gaben ihr eine Infusion und diagnostizierten schwere Unterernährung sowie eine wahrscheinlich durch übermäßigen Verzehr von Linsen verursachte Darmerkrankung und eine bakterielle Mageninfektion.

Das Leben im Zelt, sagt sie, bringe ein ständiges Gefühl der Angst und Hilflosigkeit mit sich – sowohl wegen der ständigen Luftangriffe als auch wegen des Hungers. „Ich streite mich jeden Tag mit meinem Mann.

Wir stehen kurz vor der Scheidung; wir brechen unter der Last dieses Leidens zusammen.“

Marouf ist verzweifelt, ihre Tochter ernähren zu können, und erwägt, sich zu einem der sogenannten „Hilfsverteilungszentren“ der GHF zu begeben. Seit der Eröffnung von vier solchen Zentren im Süden und Zentrum Gazas Ende Mai wurden mindestens 1.026 Palästinenser bei dem Versuch, an Lebensmittel zu gelangen, getötet. Die meisten von ihnen wurden von israelischen Soldaten oder ausländischen Sicherheitskräften erschossen, die in der Nähe der Zentren stationiert waren.

„Ich wünschte, die Menschen außerhalb Gazas könnten unsere Hungersnot wirklich spüren. Vielleicht würden sie dann alles tun, um zu helfen. Wenn wir keine Lebensmittel bekommen und diese in den nächsten Tagen nicht an alle Familien verteilt werden, werden wir alle verhungern.“

„Der Tod ist würdiger als dieses Leben“

In Gaza bleibt fast niemand von den direkten oder indirekten Folgen des Hungers verschont. Doch es sind die Schwächsten – Kinder und ältere Menschen, deren Körper lange Zeit ohne Nahrung am wenigsten aushalten können –, die am stärksten gefährdet sind.

Abdullah Abu Jalilah, 82, ein Nakba-Flüchtling aus dem Dorf Huj auf der anderen Seite des heutigen Zauns zwischen Gaza und Israel, lebt jetzt in einem provisorischen Zelt im Stadtteil Al-Saraya im Zentrum von Gaza-Stadt. Er teilt die beengte Unterkunft mit seiner Frau und zwölf seiner Kinder und Enkelkinder; seine beiden Häuser im Flüchtlingslager Jabalia wurden im Oktober 2024 durch israelische Luftangriffe zerstört.

Abdullah Abu Jalilah, 82, mit seinem Enkel Adam, 6, in einem provisorischen Zelt im Stadtteil Al-Saraya im Zentrum von Gaza-Stadt
Abdullah Abu Jalilah, 82, mit seinem Enkel Adam, 6, in einem provisorischen Zelt im Stadtteil Al-Saraya im Zentrum von Gaza-Stadt
Foto: Ahmed Ahmed, 18. Juli 2025
Nachdem Israel im März den Waffenstillstand mit der Hamas gebrochen und eine zweimonatige vollständige Sperre für humanitäre Hilfe und Lebensmittel für den Gazastreifen verhängt hatte, überlebten Abu Jalilah und seine Familie von einer einzigen Mahlzeit pro Tag, die von lokalen Hilfsorganisationen bereitgestellt wurde. Doch die meisten Suppenküchen haben keine Vorräte mehr, und die noch in Betrieb befindlichen können nur noch bescheidene Mahlzeiten zubereiten: dünne Suppe oder kleine Portionen Linsen, die oft von Dutzenden von Menschen geteilt werden.

„Am Dienstag gab es eine Lebensmittelverteilung im Lager“, erinnert sich Abu Jalilah.

„Die Suppe schwappte wegen des Gedränges und Geschubses über die Leute. Ich bekam nur eine einzige Portion – nur etwas wässrige Brühe. Aber ich gab sie einem 10-jährigen Jungen, der weinte, weil er nichts bekommen hatte.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Leben so hungrig, krank und müde sein würde“, fügte er hinzu. „Worte können diese Demütigung nicht beschreiben.

Der Tod ist würdiger als dieses Leben.“ Abu Jalilah war bis zu seiner Pensionierung vor 20 Jahren Angestellter der Palästinensischen Autonomiebehörde und lebte von seiner monatlichen Rente. Aber angesichts der steigenden Lebensmittelpreise und der hohen Gebühren, die Zwischenhändler allein für den Zugang zu Bargeld verlangen, ist das wenige Einkommen, das ihm noch bleibt, fast wertlos. „Wir brauchen mindestens 100 Dollar pro Tag, um ein halbes Stück Brot und ein paar Linsen zu kaufen“, sagte er. „

Normalerweise gebe ich meinen Anteil ab, damit meine Enkelkinder etwas zu essen haben. Sie weinen den ganzen Tag vor Hunger, bis sie vor Verzweiflung einschlafen.“

Während er sprach, weinten nicht nur seine eigenen Enkelkinder in der Nähe – aus allen Zelten in der Umgebung hallte das Weinen von Kindern. In Gaza sind die Schreie hungriger Kinder heute Teil des Alltags geworden.

Palästinenser stehen am 21. Juni 2025 in Khan Yunis im südlichen Gazastreifen vor der Tekiyat Al-Saada (Solidaritätsküche) an, um Essen zu bekommen.
Foto: Doaa Albaz/Activestills
Abu Jalilah sagte, der Hunger habe ihn schwach und benommen gemacht. „Ich kann nicht mehr so laufen wie früher. Mir ist fast ständig schwindelig. Mehr als 70 Jahre lang habe ich jeden Tag Obst gegessen und Tee mit Zucker getrunken. Jetzt habe ich seit Wochen nicht einmal mehr ein Gramm Zucker zu Gesicht bekommen.

„Israel setzt Entbehrung und Hunger als Waffe gegen unschuldige Menschen in Gaza ein“, fuhr er fort. „Was haben wir getan, um das zu verdienen? Wenn sie die Grenzübergänge nicht öffnen und keine Lebensmittel hereinlassen, werden wir alle bald sterben.“

„Israel will uns verhungern lassen“

Sara Marouf, 53, leidet unter extremem Hunger, Erschöpfung und Unterzuckerung. Sie lebt mit ihren vier Söhnen und deren Familien in einem provisorischen Zelt in der Omar Al-Mukhtar Street im Zentrum von Gaza-Stadt, nachdem israelische Luftangriffe im Dezember 2024 ihr Haus in Beit Lahiya im Norden Gazas zerstört haben.

Wie viele andere vertriebene Familien mussten sie wegen israelischer Evakuierungsbefehle immer wieder fliehen. Aber während des größten Teils des Krieges, so Marouf, war ihr dringendster und unerbittlichster Kampf, die nächste Mahlzeit zu sichern.

„Mir ist die meiste Zeit schwindelig“, sagte sie gegenüber +972. „Letzte Woche bin ich zweimal ohnmächtig geworden. Meine Kinder haben mich in eine nahe gelegene Gesundheitsklinik getragen.

Die Ärzte sagten, mein Blutzucker sei gefährlich niedrig, weil ich nicht genug gegessen habe.“

Vor dem Krieg arbeiteten ihre Söhne als Bauern und Viehhändler. Aber während des Einmarsches der israelischen Armee in den Norden Gazas wurde ihr Land zerstört, ihre Ernte vernichtet und alle ihre Ziegen getötet oder starben an Hunger.

Sara Marouf, 53, mit ihrem Enkel vor ihrem Zelt in der Omar Al-Mukhtar Straße im Zentrum von Gaza-Stadt
Sara Marouf, 53, mit ihrem Enkel vor ihrem Zelt in der Omar Al-Mukhtar Straße im Zentrum von Gaza-Stadt
Foto: Ahmed Ahmed, 18. Juli 2025
„Früher habe ich Gemüse an Nachbarn und Verwandte verteilt“, erinnert sich Sara an die Zeit vor dem Krieg. „Ich habe sogar Menschen in Not Geld gegeben. Jetzt bettle ich Fremde um alles an – um ein Stück Essen oder nur ein paar Schekel, um etwas zu essen zu kaufen.“

Ihr 20-jähriger Sohn Bilal, Vater von drei Kindern, hat sich dreimal mit Freunden in die Nähe des Netzarim-Korridors gewagt, in der Hoffnung, Hilfsgüter aus humanitären Lastwagen abzufangen.

„Einmal hat er es geschafft, einen 25-Kilo-Sack Mehl aus einem Lkw zu klauen“, erinnert sich Sara. „Aber Banditen haben ihn aufgehalten und gedroht, ihn zu erstechen, wenn er ihnen den Sack nicht gibt. Also hat er ihn ihnen gegeben.

Ich habe ihn davon abgehalten, noch mal zurückzugehen. Es ist zu gefährlich – israelische Soldaten schießen auf Menschen, und lokale bewaffnete Banden machen Jagd auf diejenigen, die versuchen zu überleben“, sagt sie.

„Israel will uns in Gaza verhungern lassen“, fügt sie mit fester, aber müder Stimme hinzu. „Wir sind nicht die Hamas. Warum sollten unsere Kinder verhungern?“

Quelle: Ahmed Ahmed 25. Juli 2025 in +972magazine: ‘Death has more dignity than this life’: Israel’s starvation campaign ravages Gaza

Ahmed Ahmed ist ein Pseudonym für einen Journalisten aus Gaza-Stadt, der aus Angst vor Repressalien anonym bleiben möchte.

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Fotos: ActiveStills (mit freundlicher Genehmigung), Ahmed Ahmed via +972magazine

+972 Magazine ist ein im August 2010 von einem Kollektiv palästinensischer und israelischer Journalisten und Bloggern gegründetes unabhängiges, gemeinnütziges, linkes Online-Magazin mit Sitz in Israel und mit Mitarbeitern im Westjordanland und im Gazastreifen.

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Neuausgabe des Klassikers: ›Eine Geschichte des amerikanischen Volkes‹

Howard Zinn 2009 Foto: Jim from Stevens Point, WI, USA
Howard Zinn 2009
Foto: Jim from Stevens Point, WI, USA
Gerade lese ich, daß der März Verlag Berlin dieser Tage das absolut empfehlenswerte, zwischenzeitlich vergriffene Werk "Eine Geschichte des amerikanischen Volkes" von Howard ZInn neu herausbringt. Kauf- und Lesetipp!

"In schlechten Zeiten hoffnungsvoll zu sein, beruht auf der Tatsache, dass die menschliche Geschichte nicht nur von Grausamkeit, sondern auch von Mitgefühl, Aufopferung, Mut und Freundlichkeit geprägt ist.

Wenn wir nur das Schlimmste sehen, zerstört das unsere Fähigkeit, etwas zu tun. Wenn wir uns an die Zeiten und Orte erinnern, an denen sich Menschen großartig verhalten haben, gibt uns das die Kraft zu handeln. Und wenn wir handeln, und sei es auch nur im Kleinen, müssen wir nicht auf eine große utopische Zukunft warten.

Die Zukunft ist eine unendliche Folge von Geschenken, und jetzt so zu leben, wie wir denken, dass Menschen leben sollten, trotz allem Schlechten um uns herum, ist selbst ein wunderbarer Sieg."

Howard Zinn

Leben auf dem Land, Leben am Rande, gutes Leben oder: Margaret mag das Foghorn Mag

Zuerst mal möchte ich klarstellen, dass ich die aktuellen Ereignisse nicht ignoriere, ich sehe mich nur nicht als jemand, der heiße Takes schreibt. Ich hab unendlich viel Liebe und Unterstützung für die Anti-ICE-Rebellen, und die Proteste im ganzen Land geben mir Kraft. Ich glaube, dass wir gewinnen werden. Ich glaube, dass wir viele sind und sie wenige. Ich glaube, dass wir alle das Gedicht „First they came for“ gelesen haben und wissen, dass wir den Faschismus hier und jetzt stoppen müssen, mit den ersten Menschen, die sie holen, und dass es alles ein Kampf ist.

Außerdem möchte ich gleich zu Beginn sagen, dass ich zwei neue Bücher herausgebracht habe. Das eine ist The Immortal Choir Holds Every Voice, über das ich schon eine Weile gesprochen habe, das dritte Buch in der Danielle-Cain-Reihe. Das andere heißt „The Defenders Almanac“ („Der Almanach der Verteidiger“) und ist ein Begleitrollenspiel zum Brettspiel „Defenders of the Wild“ („Verteidiger der Wildnis“). Der Almanach und das Rollenspiel funktionieren völlig unabhängig vom Brettspiel. Ich habe das Spielsystem nicht geschrieben, aber zusammen mit ein paar anderen habe ich Jahre damit verbracht, die Welt zu entwickeln und darin zu schreiben. Ich durfte viele Geschichten über Tierhexen schreiben, die gegen riesige Maschinen kämpfen, und ich denke, es wird euch gefallen. Es ist auch so konzipiert, dass es für Leute, die das Rollenspiel nicht spielen werden, lesbar und unterhaltsam ist.

Leben auf dem Land, Leben am Rande, gutes Leben

Heute Morgen, gegen 11:40 Uhr, fiel mir ein, dass die Postämter auf dem Land samstags mittags schließen. Das war ein Problem, weil ich jemandem eine Expresssendung schicken musste und ich im Wald wohne und das Postamt, zu dem ich normalerweise gehe, etwa 20 Minuten Fahrtzeit entfernt ist. Google Maps sagte mir, dass es noch eine andere Post in einer winzigen Stadt nur 11 Minuten entfernt gibt, also zog ich meine Real Tree Crocs an, sprang in meinen Van, raste die kurvigen Straßen entlang und fand mich schließlich ... auf einem großen Bauernhof inmitten der Berge wieder. Anstelle einer Post gab es einen kleinen, unbeaufsichtigten Hofladen, in dem Tomaten auf Vertrauensbasis verkauft wurden.

Ich parkte kurz und näherte mich einer blonden Frau mittleren Alters, die einen Side-by-Side-Bike fuhr. Ich trug eine schwarze taktische Hose, eine Punkweste mit einem brennenden Polizeiauto darauf und ein Hello Kitty-Shirt mit der Aufschrift „Free Palestine“. Ich trug Goldschmuck im Gesicht, hatte glitzernde lila Fingernägel und meine Haare waren offen und wild. „Google Maps hat mir gesagt, dass es hier ein Postamt gibt“, sagte ich ihr, „aber ich schätze, es gibt keins.“

Sie lachte und wir unterhielten uns eine Weile darüber, wie Google Maps von Zeit zu Zeit Leute vor ihrer Tür absetzt. Sie hatte angenommen, ich sei wegen eines Bluegrass-Festivals dort, das kilometerweit entfernt in einem anderen County stattfand und zu dem Google Maps jedes Jahr Leute vor ihrer Haustür absetzt. Dass ich vielleicht zu einem Festival wollte, war angesichts meiner Kleidung und des Vans, den ich fuhr, eine durchaus naheliegende Vermutung. Nachdem wir uns eine Weile freundlich unterhalten hatten, fuhr ich weiter. Ich habe heute zwar nicht das bekommen, was ich brauchte, aber ich habe eine schöne Erinnerung daran gewonnen, dass ich das Landleben mag und dass die Menschen in den Appalachen keine Angst vor Fremden haben. Die Leute hier sagen mir oder meinen Gästen ziemlich regelmäßig, dass sie „alle Arten von Menschen hier mögen“.

Natürlich mögen nicht alle hier „alle Arten von Menschen“, und die meisten Leute hier wählen nicht so, dass man sagen könnte, sie mögen alle Arten von Menschen, aber im Großen und Ganzen wollen die Menschen in den Appalachen einfach nur leben und leben lassen.

Das Foto zeigt die Titelseite des Foghorn Mag, ein grob gezimmertes Holzzhaus und ein Holzofen im Vordergrund. Das Dach besteht aus Wellblech, die Wände aus Schindeln.
Foto: Margaret Killjoy
Als ich nach Hause kam, warteten in meinem Briefkasten meine Autorenexemplare des Foghorn Mag, „ein anarchistisches Dokument des Lebens am Rande der Gesellschaft“. Kurz gesagt, es ist eine gedruckte Zeitung für ländliche Anarchisten. Ich habe über meine Erfahrungen beim Bau und Leben in einer 12 x 12 Meter großen, netzunabhängigen A-Frame-Hütte geschrieben, und dieser Artikel steht neben Einführungen darüber, wie man ein Landprojekt startet, wie man Couchsurfing macht, wie man Lehmfarbe verwendet, Ratschlägen für den Umgang mit Bezirksinspektoren, Memoiren darüber, wie das Vorbereiten von Brennholz der Felsbrocken ist, den man immer wieder den Berg hinaufschleppt (vielleicht kann man oben einen Deal mit Gott aushandeln?), und vielem mehr.

Um die Zeitung selbst zu zitieren:

Foghorn Mag ist ein halbjährlich erscheinendes Printmagazin, eine anarchistische Chronik des Lebens am Rande der Gesellschaft. Es richtet sich an Hausbesetzer, Off-Grid-Freaks, Landverteidiger, Waldbewohner, kommunale Sonderlinge und alle, die außerhalb der Grenzen leben, außerhalb der Reichweite von Vermietern, Behörden und Staat. An diejenigen, die schon seit Generationen so leben, und an diejenigen, die gerade erst damit anfangen. Foghorn wird im traditionellen Gebiet der Twana & S’klallam auf der sogenannten Olympic Peninsula veröffentlicht.

Ich denke, es ist auch für alle Menschen mit unstillbarer Neugier, für Menschen, die immer gerne erfahren, wie andere Menschen Dinge tun, für Menschen, die sich alle Optionen in ihrem Leben offen halten wollen.

Als ich mit dem Reisen anfing, zog ich von Stadt zu Stadt. Nach ein paar Jahren, als ich mich vom globalisierungskritischen Aktivismus zum Waldschutz wandte, zog ich stattdessen von Dorf zu Dorf. Ich fand mich in Landprojekten wieder, die sowohl funktionierten als auch dysfunktional waren, statt nur in besetzten Häusern und Punk-Häusern (die in etwa zu gleichen Teilen funktionierten und dysfunktional waren ... nichts ist besser als das andere). Ich fing an, draußen zu duschen und auf Komposttoiletten zu kacken und lernte die feinen Unterschiede zwischen Hippies an der Ost- und Westküste und zwischen ländlichen Hippies und ländlichen Punks kennen, aber auch einfach zwischen Menschen, die schon immer draußen oder in der Nähe der Natur gelebt haben und sich nicht wirklich in eine subkulturelle Schublade stecken lassen.

Behold, the Power of the Triangle or: A-Frames for the Power of the Adventourous
Der im Beitrag erwähnte Artikel von Margaret Killjoy: "Behold, the Power of the Triangle or: A-Frames for the Power of the Adventourous"
Als ich zum ersten Mal mit dem Landleben in Berührung kam, kam es mir nicht wirklich zugänglich vor. Ich war immer nur auf der Durchreise in diesen verschiedenen Landprojekten und hatte kein festes Einkommen, weil Aktivismus mein Vollzeitjob war. Es ist viel schwieriger, auf der Straße Akkordeon zu spielen, um Geld zu verdienen, wenn man auf dem Land lebt. (Allerdings muss ich hier den Bauernmarkt auf Pender Island in British Columbia erwähnen, wo ich ein paar kanadische Dollar verdient habe, während ich mit den anderen Punks schreckliche Lieder geschrien habe. Ich kann nicht glauben, dass ich so viele Jahre lang so getan habe, als würde ich nicht Folk-Punk spielen.)

Die einfache Wahrheit war, dass die meisten Landprojekte, in denen ich gelebt habe, zwar von vielen Menschen mit geringem Einkommen bewohnt waren, das Land selbst aber fast immer mit dem Vermögen mehrerer Generationen gekauft worden war. Und es ist meistens schwieriger, einfach so in ein Landprojekt zu ziehen als in ein Punkhaus in der Stadt. Es ist schwieriger, Leute auf dem Land kennenzulernen, wenn man nicht schon dort lebt, und es ist ein größeres Risiko, einen neuen Mitbewohner auf dem Land aufzunehmen, als jemandem für 50 Dollar oder so den Waschraum in deinem städtischen Punkhaus zu vermieten (ein großes Dankeschön an das Haus in Santa Cruz, das mir für eine Weile den Waschraum vermietet hat).

Ich weiß nicht, ob sich die Art und Weise, wie Landprojekte ins Leben gerufen werden, tatsächlich verändert hat oder ob ich einfach Glück hatte, aber als ich endlich aus meinem Van auszog, traf ich jemanden, der ein Landprojekt gestartet hatte, indem er einfach bei verschiedenen Jobs hart gearbeitet und sich um verschiedene Fördermittel für Erstbauern beworben hatte.

Es ist seltsam, denn das Leben auf dem Land, abseits der Zivilisation, ist bemerkenswert günstig, wenn man es einmal eingerichtet hat. Es ist nur nicht immer einfach, es einzurichten.

Ich liebe das Leben auf dem Land. Ich denke, das ist der Kern dieses Beitrags. Ich liebe es, den Trauertauben und den Windspielen zuzuhören. Ich liebe es, dass körperliche Arbeit Teil meines Alltags ist, Mulch zu schaufeln, im Garten zu arbeiten oder auf das Dach zu klettern. Ich liebe es, Platz zu haben, ich liebe meine Privatsphäre und ich liebe es, dass es sich wie ein besonderes Ereignis anfühlt, wenn ich Besuch habe.

Ich liebe es, wie nahtlos das Landleben mit dem „marginalen Leben” zusammenpasst, um den Slogan des Foghorn Mag zu zitieren. Ich liebe es, dass das Bauen von Bücherregalen und das Planen einer Außenküche für Zusammenkünfte sich wie eine logische Fortsetzung meiner Zeit als Couchsurfer und Vollzeit-Tramper anfühlt.

Diese Woche habe ich mich mit Bread & Puppet beschäftigt, einem radikalen Theater, das 1963 in New York City gegründet wurde und sieben Jahre später nach Vermont zog, wo es den verfügbaren Freiraum für groß angelegte Spektakel nutzt. Eine der Gründerinnen von Bread & Puppet, Elka Schumann, wurde in der UdSSR geboren, aber ihr Großvater war ein amerikanischer Sozialist aus der Zeit der Jahrhundertwende, der (zusammen mit seiner Frau, die selten erwähnt wird) ein Buch über das „gute Leben” auf dem Land schrieb, das die Back-to-the-Land-Bewegung der 60er und 70er Jahre stark inspirierte.

Es gibt so viel über dieses Buch und die „Back to the Land”-Bewegung zu denken, dass ich es nicht einfach so zusammenfassen kann. Elkas Ururgroßvater, der Großvater ihres Großvaters, war ein Kohlebaron in Pennsylvania, und das Geld der Familie half ihrem Großvater, dieses „gute Leben” zu führen und darüber zu schreiben. Aber ihr Großvater und vor allem Elka selbst halfen so vielen anderen Menschen, genauso zu leben. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die ich kenne und die abseits der Zivilisation (oder einfach nur in abgelegenen ländlichen Gegenden) in diesem „marginalen Leben” leben, tun dies nicht, weil sie auf den Reichtum ihrer Vorfahren zurückgreifen können, sondern weil sie sich auf das anarchistische soziale Netz verlassen, das wir füreinander aufbauen. Das anarchistische soziale Netz ist real, weil wir an Solidarität glauben. Es ist der Kern unserer Politik.

Die Leute machen seltsame und schreckliche Jobs, um ein bisschen Geld zu sparen, um sich winzige Hütten zu bauen, aber sie können ein fantastisches (oder zumindest nicht langweiliges) Leben führen, indem sie das in einer Gemeinschaft miteinander tun. Die Arbeit wird geteilt, das Essen wird geteilt. Wir versuchen, wo wir können, dass niemand durch das Raster fällt.

Das letzte Landprojekt, in dem ich gelebt habe (mein jetziger Wohnort ist eher „ein Haus auf einem Berg“ als ein Landprojekt), fühlte sich nicht wie eine Kommune an, sondern wie eine Gemeinschaft. Ich konnte von meiner Hütte zum Wohnwagen den Hügel hinunterlaufen und eine Tasse Zucker ausleihen – oder, was noch wichtiger war, in der Scheune abhängen und gemeinsam Tabletop-Rollenspiele spielen. Wir haben Projekte miteinander gestartet, aber als Nachbarn und Freunde und nicht alle zusammen als eine Einheit. Wir trafen uns ab und zu, um über die anstehenden Gemeinschaftsarbeiten zu reden. Wir waren manchmal frustriert voneinander. Eine Person hat den Großteil der Arbeit im angeblich gemeinschaftlichen Garten gemacht. Wer passt auf die Hühner auf? Ich war regelmäßig genervt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich der Einzige war, der die Außendusche reparierte, und andere waren regelmäßig genervt von mir (obwohl sie natürlich immer im Unrecht waren und ich in jedem Konflikt völlig unschuldig war).

Wir konnten uns nicht mal auf einen Namen für das Landprojekt einigen. Die Hälfte von uns nannte es so, die andere Hälfte anders. Es hat funktioniert. Es fühlte sich an wie Anarchie, wie Anarchismus. Natürlich hat es irgendwann nicht mehr funktioniert. Aber das ist nicht wirklich eine Erinnerung an dieses Landprojekt, deshalb werde ich nicht ins Detail gehen.

Der Klimawandel war wahrscheinlich der größte Faktor – der Bach überschwemmte das Gelände immer schlimmer, und es überstieg bei weitem unsere Möglichkeiten, ihn so zu befestigen, dass die Gebäude auf dem Feld, das niemals eine Überschwemmungsfläche hätte sein dürfen, gerettet werden konnten. Covid und die damit einhergehende Isolation waren wahrscheinlich der größte Faktor für mich und führten mich ein Stück weiter nach Norden, immer noch in den Appalachen, in ein Backsteinhaus mit Stromanschluss.

Kontaktdaten und Preis für das Mag
Kontaktdaten und Preis für das Mag
Mir wird auch immer mehr bewusst, was das Schöne an Städten ist. Was schön ist, wenn einfach mehr Menschen zusammen sind, die besser in der Lage sind, komplexe soziale Ökosysteme aufzubauen. Was mein Leben angeht, bin ich gierig. Ich möchte beides haben. Ich möchte zu Konzerten gehen und mit queeren Menschen zu Post-Punk tanzen, und ich möchte nackt auf der Veranda sonnenbaden und dem Windspiel und den Trauertauben lauschen.

Solange ich lebe, werde ich also beides nach besten Kräften tun.

Und wenn euch Foghorn Mag anspricht, einschließlich meines Essays über Dreieckshäuser, könnt ihr Exemplare für 6 Dollar (das ist günstig!) bestellen, indem ihr eine E-Mail an foghornmag@riseup.net schreibt.

Quelle: Margaret Killjoy, in Birds Before the Storm: Rural Life, Marginal Life, Good Life or: Margaret likes Foghorn Mag,  28. Juni 2025

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, sollten Sie ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung [Autorisiert]: Thomas Trueten

Auflösung der PKK: Der lange Abschied vom Avantgardismus

Dieser Schritt spiegelt eine umfassendere strategische Vision wider, die Geschlechtergleichstellung, Pluralismus und lokale Demokratie umfasst.

Das Foto zeigt zwei ausgesteckte Arme, die Hände zeigen das Zeichen für Sieg. Im Hintergrund die Fahne von Rojava und die Kurdische Fahne.
Foto: Montecruz Foto
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die offizielle Ankündigung der Auflösung der PKK hat bei den Kurden in der Türkei und ihren internationalen Unterstützern gemischte Reaktionen ausgelöst. Allerdings hat sich dieser Schritt über Jahre hinweg abgezeichnet und kommt für langjährige Beobachter der kurdischen Bewegung und Leser der Theorie des demokratischen Konföderalismus von Abdullah Öcalan nicht überraschend. Die Wende hatte sich bereits vor Monaten angekündigt und bedeutet eine strategische Neuausrichtung, die einer umfassenderen Vision von Autonomie jenseits von Staat, Partei und bewaffnetem Kampf entspricht.

Die PKK wurde 1978 gegründet und begann 1984 einen bewaffneten Kampf für die Autonomie der Kurden. Die Türkei reagierte mit harter militärischer Unterdrückung, und beide Seiten verstrickten sich in einen blutigen Konflikt, der Jahrzehnte andauerte. Im Laufe dieses Krieges wurden zwischen 40.000 und 50.000 Menschen getötet, darunter Zivilisten, PKK-Kämpfer, türkische Soldaten, Polizisten und Dorfwächter. Die 1990er Jahre waren besonders brutal und geprägt von weit verbreiteten Dorfbränden, Zwangsumsiedlungen von bis zu 3 Millionen Menschen und systematischen Menschenrechtsverletzungen. Trotz mehrerer Versuche, einen Waffenstillstand zu erreichen und Friedensgespräche aufzunehmen, eskalierte die Gewalt immer wieder – insbesondere nach dem Scheitern der Verhandlungen im Jahr 2015, als erneute städtische Kämpfe in Städten wie Cizre und Sur zahlreiche Opfer forderten.

Seit der Festnahme von Öcalan im Jahr 1999 hat sich die kurdische Freiheitsbewegung allmählich von traditionellen Modellen des bewaffneten Avantgardismus, des nationalistischen Statismus und der stalinistischen Rigidität abgewandt. Während die PKK ihre Streitkräfte – insbesondere in den Bergen des irakischen Kurdistans – aufrechterhielt, rückte in ihrer ideologischen Ausrichtung der soziale Wandel zunehmend vor die militärische Konfrontation.

Dieser Wandel fand seinen strukturellen Ausdruck in der Gründung der Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK) Anfang der 2000er Jahre: einem Dachverband von Organisationen mit dezentralem und horizontalem Charakter. Die KCK umfasst ein breites Spektrum von Gemeinschaften, politischen Parteien, Bürgerinitiativen, Komitees und Basisorganisationen in der Türkei, Syrien, Irak und Iran. Sie ist ein bewusster Schritt weg vom starren, zentralisierten Modell der Avantgardepartei hin zu einer vernetzten Struktur, die auf direkter Beteiligung und lokaler Autonomie basiert.

In der Türkei ist die KCK politisch aktiv und koordiniert kulturelle, soziale und kommunale Initiativen. Sie hat erfolgreich Kommunalwahlen gewonnen und Kandidaten in Bürgermeisterämter gebracht. Der türkische Staat hat darauf mit anhaltender Repression reagiert, darunter Massenverhaftungen von mutmaßlichen „KCK-Mitgliedern“ in den letzten zehn Jahren.

In dieser neuen Weltanschauung schrumpft der Raum für eine hierarchische Parteistruktur wie die PKK stetig. Öcalans Aufruf vom Februar 2025, die PKK offiziell aufzulösen, wurde von Vertretern der Kongra-Gel, dem gesetzgebenden Organ der KCK, unterstützt, die behaupteten, dieser Schritt markiere den Beginn einer breiteren Demokratiebewegung, die Frauen, Arbeiter und Umweltaktivisten einbeziehe und damit besser mit dem Rahmenkonzept der Demokratischen Modernität im Einklang stehe.

Der demokratische Konföderalismus wurde zuerst innerhalb der PKK formuliert und dann – am deutlichsten sichtbar – in Rojava umgesetzt. Wo die PKK einst zur ethnischen Polarisierung innerhalb der Türkei und sogar unter den Kurden beitrug, betont das Rojava-Modell nun den Übergang zu Pluralität, Feminismus und Dezentralisierung. Seit über einem Jahrzehnt widersteht die Region türkischen Invasionen, ISIS-Offensiven, der Feindseligkeit des Regimes und der internationalen Vernachlässigung und treibt gleichzeitig die soziale und politische Revolution voran. Wie die Zapatisten, deren Einfluss in der gesamten Bewegung deutlich zu spüren ist, haben kurdische Kader die Idee des bewaffneten Kampfes neu definiert und entmystifiziert. Im Zentrum dieses Paradigmas steht die „Jineologie“ – die „Wissenschaft der Frauen“ –, die die Befreiung der Frauen als Grundlage jedes sinnvollen revolutionären Prozesses betrachtet.

Wendepunkt

Die Entscheidung, den Kreislauf der bewaffneten Polarisierung mit dem türkischen Staat zu beenden, könnte eine Wende hin zu einem zeitgemäßeren revolutionären Horizont signalisieren – einem Horizont, der nicht auf der Ersetzung der Elite, sondern auf der Beteiligung der Massen basiert. Auch Rojava tritt in eine neue Phase ein. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben mit der syrischen Zentralregierung eine erste Vereinbarung unterzeichnet, um Verhandlungen über die formelle Anerkennung des autonomen Status der Region aufzunehmen – nicht als unabhängiger Nationalstaat, sondern als dezentraler Bestandteil eines neu gestalteten syrischen Staatswesens. Obwohl frühere Bemühungen unter Assad blockiert wurden, haben sich durch die veränderten Machtverhältnisse die Möglichkeiten für einen Dialog wieder eröffnet.

Die Ideen des Konföderalismus und der Geschlechterbefreiung könnten nun näher denn je an einer breiteren Verwirklichung und territorialen Verankerung sein. Trotz der großen Gefahren, die Verhandlungen mit dem dschihadistischen syrischen Regime mit sich bringen, treibt die kurdische Verwaltung ihre Bemühungen um Anerkennung als selbstverwaltete Einheit innerhalb einer zersplitterten und zentralisierten Region weiter voran. Diese Entwicklung fällt natürlich mit der Auflösung der PKK zusammen. In der Türkei könnten diese Entwicklungen die grundlegende Narrative des Regimes infrage stellen.

Seit Jahrzehnten nutzt Ankara die Einstufung der PKK als terroristische Organisation, um Militäroperationen, politische Unterdrückung und die Verfolgung kurdischer Organisationen, Journalisten und internationaler Verbündeter zu rechtfertigen. Es behauptet, dass alle kurdischen Strukturen – von der PYD über die YPG/YPJ bis hin zur SDF – Frontorganisationen der PKK seien. Mit der Auflösung der PKK ist die rechtliche Grundlage für diese Strategie geschwächt. Auch wenn der staatliche Diskurs weitergeht, könnte seine Glaubwürdigkeit – vor allem international – schwinden. Das könnte Erdoğan die Chance bieten, sich für einen politischen Ansatz zu entscheiden, der kurdische Autonomie im Austausch für innenpolitische Stabilität und verfassungsrechtlichen Einfluss anerkennt. Ankaras jüngste Zusagen finanzieller Unterstützung für kurdisch geprägte Regionen – die etwa 15 bis 20 % des türkischen Staatsgebiets ausmachen und schätzungsweise 12 bis 17 Millionen Menschen beheimaten – könnten Anzeichen für diesen Wandel sein.

Die große Frage ist, ob das autoritäre Regime in der Türkei einen solchen demokratischen Ansatz zulassen wird oder ob es die kurdische Bewegung zurück in den bewaffneten Aufstand treiben wird. In der Vergangenheit hat die PKK mehrmals versucht, ihre Kräfte aus der Türkei abzuziehen, doch jedes Mal wurde dieser Prozess vom türkischen Staat gestört.

Was als Nächstes kommt, ist ungewiss. Die Geschichte der Verrat ist lang, und die Risiken der Kooptierung oder erneuter Repression bleiben bestehen. Dennoch hat die kurdische Bewegung eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit bewiesen, die in gelebtem Widerstand und revolutionärer Vorstellungskraft verwurzelt ist. Wenn dies das Ende der Partei ist, könnte es durchaus den Beginn von etwas Tieferem markieren: einer staatenlosen Alternative, die inmitten der Trümmer des patriarchalischen Nationalstaates um ihr Überleben kämpft.

Quelle: PKK dissolution: The long goodbye to vanguardism by Blade Runner, via freedomnews.org.uk, 19. Mai 2025

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

UnplugTrump: Mach dich digital unabhängig von Trump und Big Tech

Vom 1. Februar bis zum 2. März 2025 hat es die Mastodon-Serie #UnplugTrump gegeben, in der Mike Kuketz & Co. täglich eine neue Anregung vorgestellt hatten. Mit dieser Serie wollten sie zeigen, wie viele kleine, aber wirkungsvolle Möglichkeiten es gibt, sich digital von Trump und den großen Tech-Oligarchen abzukoppeln und gleichzeitig eine gerechtere, unabhängige Digitalwelt zu fördern.

Nun sind alle 30 Tipps in seinem Blog versammelt, für die wir uns an der Stelle bedanken wollen und wünschen viel Spaß beim Stöbern und Umsetzen!




Wir sind die seltsamen und furchterregenden Dinge in diesen Wäldern

„Ich bitte nicht darum, vor meinen Feinden sicher zu sein, sondern ihnen gefährlich zu werden.“

- das Gebet des Anarchisten


KI Bild: Dunkler Wald mit Eichen und Buchen und einer Person, die in einiger Entfernung zwischen den Bäumen steht
Bild: Thomas Trueten
Ich habe vor etwa zwölf Jahren aufgehört, mir Horrorfilme anzusehen, als ich in einem Van lebte. Ich habe viele Nächte allein in diesem Van mitten im Nirgendwo verbracht - tief im Wald oder auf leeren Parkplätzen im ganzen Land - und es war nicht gut für mein Nervensystem, Horrorfilme zu schauen. Menschen wie ich, der seltsame und unheilvolle Herumtreiber, werden normalerweise nicht allzu lange nach dem Zeitpunkt getötet, an dem wir den mutigen, aber unglücklichen Protagonisten von den uralten Schrecken erzählen, die unter dem Schnee oder was auch immer lauern. Der Punkt ist, dass ich oft genug allein an unheimlichen Orten war, und es hat mir nicht viel gebracht, Horrorfilme zu schauen.

2019 zog ich in eine winzige, schwarze A-förmige Hütte, die in den Wald eingebettet war. Es war nicht ganz mitten im Nirgendwo - es gab vielleicht zwei Nachbarn, die mich hätten schreien hören können. Aber es war niemand in Sicht. In der ersten Nacht, die ich in dieser Hütte verbrachte, fühlte ich mich wie in einem Horrorfilm. Da war ich nun, in einer dunklen und stürmischen Nacht, zu abgelenkt von den Blitzen, die durch das Glasfenster in der Tür zuckten, um auf meinen Schatz zu achten. Ich wartete darauf, dass der nächste Blitz eine Silhouette gegen die Bäume warf.

Stattdessen war alles in Ordnung. Am nächsten Tag verlegten wir den Boden und sie sprachen über ihre Liebe zu Podcasts über wahre Verbrechen, als queere Sexarbeiterin.

Im ersten Monat, als ich nachts den Hügel hinauf zu meiner Hütte ging, hatte ich Angst. Ich hielt ein Messer umklammert und schreckte vor Schatten zurück. Es dauerte nicht lange, bis ich aufhörte, mich vor diesem Wald zu fürchten. Vielleicht hörte ich vor allem deshalb auf, Angst zu haben, weil mir klar wurde: Ich war das Unheimliche in diesem Wald.

Der erste Eintrag im ersten Liber Monstorum, dem Buch der Monster aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert, handelt von einer Transfrau - oder vielleicht einer intersexuellen Person. Jemand, der männlich erscheint, aber als Frau lebt.

In einem durchschnittlichen Horrorfilm war ich nicht das unheilvolle erste Opfer, sondern das Monster.

Ich war eine bewaffnete Transfrau, die allein in den Wäldern in einer schwarzen A-förmigen Hütte lebte, die ich selbst gebaut hatte. Der Weg zu meinem Haus begann am Ende einer Schotterstraße und schlängelte sich durch ein Landprojekt voller bewaffneter Queers mit Hunden.

Zu dieser Zeit in meinem Leben haben mich Nazis gedoxed und fälschlicherweise festgestellt, dass ich einer der Anführer der Antifa war. Sie haben Fotos von mir herumgereicht. Sie gaben Informationen darüber weiter, wo ich wohnte und mit wem ich mich traf. Es ist eine nette Beschreibung; sie wählten schmeichelhafte Fotos aus und übertrieben die Bedeutung sowohl meiner Schriften als auch meines Aktivismus. Und ich hatte einfach ... keine Angst. Ich meine das nicht als Angeberei. Ich war nicht einmal mutig - man muss Angst haben, um mutig zu sein. Die Nazis haben mir keine Angst gemacht. Stattdessen hatten die Nazis eindeutig Angst vor mir.

So ist die richtige Reihenfolge der Dinge.

Manchmal schaue ich mir wieder Horrorfilme an.

Als queere Person in den USA, insbesondere als Transfrau, die in einem tiefroten Staat lebt, brechen für uns schreckliche Zeiten an. Dieses Mal werde ich nicht so tun, als hätte ich keine Angst. Dieses Mal werde ich mutig sein. Wir brechen in schreckliche Zeiten auf, aber wir sind nicht machtlos, und wir sind mindestens genauso furchteinflößend wie unsere Feinde.

Ich lebe in West Virginia und habe hier nicht mehr Angst zu leben als anderswo. Um es klar zu sagen: Es gibt konkrete und greifbare Bedrohungen, denen queere Menschen durch die Rechtssysteme der roten Staaten ausgesetzt sind. Wenn ich ein transsexuelles Kind oder ein Teenager wäre oder wäre, würde ich mir wahrscheinlich andere Orte zum Leben suchen, andere Orte, an denen der Zugang zu medizinischer Versorgung sicherer ist.

Mutig zu sein, bedeutet nicht, diese Bedrohungen zu ignorieren. Ich würde zwar niemandem raten, wegzulaufen (oder zu bleiben), aber ich denke, dass es für viele Menschen, insbesondere für Transpersonen, angebracht ist, ihre Pässe in Ordnung zu halten und Notfallpläne zu erstellen. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, meinen Namen legal zu ändern, aber die jüngsten Ereignisse haben mein Interesse daran, dies in nächster Zeit zu tun, stark verringert - ich möchte lieber, dass mein Regierungsname nicht mit meinen politischen Schriften in Verbindung gebracht wird, und ich möchte lieber, dass mein Regierungsname dem Geschlecht entspricht, als das ich mich leichter ausgeben kann.

Aber nur weil wir uns sehr realen Bedrohungen gegenübersehen - sowohl jetzt als auch deutlich sichtbar am Horizont - heißt das nicht, dass wir keine Handlungsfähigkeit haben, und es bedeutet nicht, dass wir aufgeben, fliehen oder verzweifeln sollten. Es war noch nie sicher, in diesem Land eine Transperson zu sein. Nach enormen Anstrengungen und Blutvergießen hatten wir einige Höhepunkte in Bezug auf rechtlichen Schutz und kulturelle Akzeptanz erreicht, und wir sehen, wie die Flut vor uns zurückgeht. Das ist in Ordnung. Wir haben das schon einmal durchgemacht. Vielleicht nicht als Einzelpersonen, aber sicherlich als Kultur.

Ein Journalist namens Edward R. Murrow hat ein Zitat, das mir oft genug durch den Kopf geht: „Denkt daran, dass wir nicht von ängstlichen Männern abstammen.“

Wir Queers haben eine Abstammungslinie der Tapferkeit, die einfach nicht zu leugnen ist.

Das längere Zitat von Murrow ist in diesem Zusammenhang und in diesem Moment ebenfalls erwähnenswert. Er schrieb über Senator McCarthy, er schrieb gegen die Angst vor dem Kommunismus. „Wir werden nicht in Angst voreinander leben. Wir werden uns nicht von Angst in ein Zeitalter der Unvernunft treiben lassen, wenn wir tief in unserer Geschichte und unseren Grundsätzen graben und uns daran erinnern, dass wir nicht von ängstlichen Männern abstammen - nicht von Männern, die Angst hatten, zu schreiben, zu sprechen, sich zu verbinden und für Dinge einzutreten, die im Moment unpopulär waren.“

Die Idee in diesem Zitat ist, dass wir den McCarthyismus bekämpfen müssen, aber auch, dass wir uns nicht von Angst in ein Zeitalter der Unvernunft treiben lassen sollten. Wir sollten nicht zulassen, dass die Angst voreinander unser Leben beherrscht. Das möchte ich vor allem all den Menschen sagen, die sich in letzter Zeit der Propaganda gegen queere Menschen, insbesondere Transmenschen, angeschlossen haben. Aber ich möchte auch mich selbst daran erinnern. Wir sollten nicht in Angst voreinander leben.

Ich habe Feinde, das ist klar. Sie haben mir Fotos von meiner Familie geschickt. Sie haben mir gesagt, dass sie mein Haus niederbrennen würden, während ich darin bin. Aber der Durchschnittsbürger, auch der Durchschnittsbürger hier in West Virginia, wo ich lebe, ist nicht mein Feind. Ich bin frustriert - mehr als frustriert - zu wissen, dass eine überwältigende Mehrheit meiner Nachbarn für einen Präsidenten gestimmt hat, der ausdrücklich Hass gegen queere Menschen verbreitet. Dennoch haben diese Menschen mir persönlich nie ein Gefühl der Unsicherheit vermittelt.

Ich habe an vielen Orten gelebt und ehrlich gesagt habe ich in Städten (zufälligerweise in Städten in blauen Bundesstaaten, basierend auf meinen Wohnorten) weitaus mehr Belästigungen erlebt als in Kleinstädten (oft in roten Bundesstaaten). Das liegt nicht daran, dass das Land ein magischer Ort ist, an dem es keine Vorurteile gibt, sondern einfach daran, dass es hier weniger Menschen gibt. Wenn ich in New York City die Straße entlanggehe, komme ich buchstäblich an Tausenden von Menschen vorbei, sodass es viel wahrscheinlicher ist, dass jemand etwas Schreckliches zu mir sagt.

Meine Daten werden auch durch die Tatsache verzerrt, dass ich unbewusst erwarte, in großen liberalen Städten sicherer zu sein, sodass ich weniger Vorsichtsmaßnahmen treffe und mich provokanter kleide. Wo ich lebe, bin ich manchmal im „Jungenmodus“. Manchmal auch nicht. Einige der Leute hier wissen, dass ich eine Transfrau bin, andere denken einfach, ich sei ein seltsamer, schwuler Mann mit Pony und Ohrringen (und einem Pick-up und einem Carhartt-Mantel, was hilfreich ist). Niemand macht mir wirklich Probleme.

Es ist nicht so, dass man die imaginäre Grenze von Maryland nach West Virginia überquert und plötzlich jeder ein anderer Mensch ist. Die Leute hier sind keine Monster. Egal, was dir Horrorfilme erzählt haben.

Das Motto, das man bei der Verteidigung der Gemeinschaft am häufigsten hört, lautet: „Wir sorgen für unsere Sicherheit“, und das ist etwas, woran ich aus tiefster Seele glaube. Ich erwarte nicht, dass der Staat für meine Sicherheit sorgt. Vielleicht sollte ich das erwarten können. Es ist schön, wenn es Gesetze gibt, die Arbeitgebern verbieten, Mitarbeiter zu entlassen, weil sie trans sind. Aber selbst wenn es diese Gesetze gibt, ist es verdammt schwer, als nicht-passende trans Person einen Job zu finden. (Ich persönlich habe Glück, denn in meinem Bereich als „anarchistische Autorin und Podcasterin“ ist das kein Problem.)

Es gibt einen Unterschied zwischen „Schuld“ und „Verantwortung“, mit dem Menschen in Aktivistenkreisen manchmal zu kämpfen haben. Es ist nicht meine Schuld, dass die Gesellschaft mich als monströs ansieht - dass die Ansicht, ich sei monströs, älter ist als die moderne englische Sprache. Es ist nicht meine Schuld, dass Menschen Schwierigkeiten haben, mich zu akzeptieren. Es ist nicht meine Schuld, dass Transfrauen im Mittelpunkt eines Kulturkrieges stehen, weil wir ein so gutes Keilthema sind, mit dem wir versuchen können, Progressive von Liberalen zu trennen.

Für meine eigene Sicherheit und Befreiung bin ich jedoch selbst verantwortlich. Niemand anderes (außer einer breiteren Gemeinschaft von Queers, Anarchisten und Aktivisten) wird das für mich tun. Wenn ich in einer besseren Welt, einer sichereren Welt leben möchte, muss ich akzeptieren, dass das an mir liegt, und aufhören, darauf zu warten, dass mich jemand anderes rettet.

Wer setzt Antidiskriminierungsgesetze durch? Die Polizei? Die Polizei ist bekanntermaßen nicht gerade die toleranteste Gruppe von Menschen.

Aber ich und „wir“ sind in diesem Kampf nicht allein.

Jahre bevor ich nach West Virginia zog, kam ich dorthin, um im Kampf gegen den Kohleabbau durch Bergbau zu helfen. Eines Nachts unterhielt ich mich lange mit einem pensionierten Bergarbeiter, einem weißen Mann namens Sid, der leider inzwischen verstorben ist.

Er erzählte mir eine Geschichte über den Kampf gegen den Vietnamkrieg in den späten 60er Jahren. Er sagte: „Wir standen mit unseren Antikriegsschildern an einer Ecke, an der anderen Ecke standen die schwarzen Radikalen mit ihren Antirassismus-Schildern und an einer dritten Ecke standen die Schwulen mit ihren Schwulenrechtsschildern. Eines Tages wurde uns allen klar, dass wir alle stärker wären, wenn wir alle an derselben Ecke stehen würden, also taten wir es und das waren wir auch.“

Es war so einfach und wahr. Eine Metapher und eine wahre Geschichte zugleich.

Er ist auch ein Beispiel für eine der Arten von Menschen, die man in West Virginia findet, die Art von Bergmann, der vor fünfzig Jahren an der Seite schwarzer und schwuler Aktivisten stand und vor zehn Jahren, im Herbst seines Lebens, verhaftet wurde, als er die Berge verteidigte.

Ich habe Angst vor dem, was kommt, aber ich habe keine Panik. Mir ist bewusst, dass ich in einem roten Staat lebe, aber ich habe keine Panik. Wenn wir Monster sind, dann haben wir Krallen und Reißzähne. Wenn wir Monster sind, dann können wir Angst einflößen. Wenn wir Monster sind, dann haben wir Freunde. Wenn wir Monster sind, dann haben wir eine Abstammungslinie der Macht. Wenn wir Monster sind, dann haben wir einander.

Oder keiner von uns ist ein Monster, weder wir noch sie, und wir sind alle Menschen. Gefährliche Menschen.

Ich mag aber Monster. Und wirklich gruselige Horrorfilme.

Quelle: © Margaret Killjoy: We Are the Strange and Scary Things in These Woods, 27. November 2024

Autorisierte Übersetzung: © Thomas Trueten / thomas@trueten.de

Der Ordnung halber: Linkliste aktualisiert

Seit ewigen Zeiten wollte ich mal die Linkliste mit einer kleine Auswahl Webseiten, die wir zur Beachtung empfehlen, aus"misten" und aktualisieren sowie ein paar neue Links hinzufügen. [X] Erledigt.


Podiumsgespräch: Wissenschaft gegen Antiziganismus

Das Bild zeigt eine Podiumsdiskussion mit 3 Personen, im Hintergrund eine Beamerleindwand
Podiumsdiskussion
Mittwoch, 16.10.2024
19:00 Uhr
Hotel Silber, Dorotheenstraße 10, 70173 Stuttgart, Foyer

Antiziganismus erfährt seit einigen Jahren erhöhte Aufmerksamkeit. Baden-Württemberg räumt durch den Staatsvertrag mit dem Landesverband der Sinti und Roma dessen Bekämpfung einen hohen politischen Stellenwert ein. Die Forschungsstelle Antiziganismus (FSA) an der Universität Heidelberg setzt sich als erste akademische Institution wissenschaftlich mit dem Phänomen auseinander.

Mit zwei Impulsvorträgen geben Dr. Frank Reuter, Wiss. Geschäftsführer der FSA, und Dr. Karola Fings, Leiterin des Projekts „Enzyklopädie des NS-Völkermords an den Sinti und Roma in Europa“, Einblicke in die Arbeit der Forschungsstelle. Danach diskutieren sie gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, Daniel Strauß, dem Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus Dr. Michael Blume und der Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Sybille Thelen mögliche Strategien gegen Antiziganismus und welche Rolle Wissenschaft dabei spielen kann.

Die Veranstaltung findet als Teil der Veranstaltungsreihe „ROMANI VOICES – Sinti/Roma/Stimmen“ und im Rahmen des 3. Stuttgarter Wissenschaftsfestivals statt.

Wir bitten um Anmeldung unter veranstaltungen-hs@hdgbw.de.

Veranstalter*innen: Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg e. V., Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., Stadtjugendring Stuttgart e. V. und Haus der Geschichte Baden-Württemberg


Bürgergelddebatte: Schuften wie im Frühkapitalismus?

Vor 20 Jahren wurde in Ostdeutschland gegen die Einführung von Hartz IV protestiert. Im Museum des Kapitalismus in Berlin wurde kürzlich über die heutige Situation von Arbeitslosen diskutiert.

Eingang zum Jobcenter Region Hannover an der Vahrenwalder Straße 145 in Hannover.
Foto: Bernd Schwabe, Lizenz: CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Friedrich Merz war erst wenige Stunden zum Kanzlerkandidaten der Union ausgerufen, als er von einem Journalisten im Fernseh-Interview gefragt wurde, was aus seiner Sicht die „wichtigste Einzelmaßnahme“ sei, „um die Wirtschaft in Gang zu bringen“. Der CDU-Politiker gab darauf seine bekannte Position zur Antwort, dass er dafür sorgen wolle, dass das Bürgergeld so geändert werde, dass sich Arbeit wieder lohne. Menschen, die einer Arbeit nachgingen, müssten mehr Geld haben als Menschen, die nicht arbeiteten.

Für Gitta Schalk von der Berliner Initiative Basta, die Erwerbslose und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen unterstützt, sind die Äußerungen des Unionskanzlerkandidaten eine Bedrohung für arme Menschen. Sie saß vergangenen Woche auf einem Podium mit Aktiven aus Erwerbslosengruppen und Wissenschaftlern im Museum des Kapitalismus in Berlin-Kreuzberg. „Armut ohne Widerstand“ hieß die Veranstaltung, die ich selbst mitorganisiert habe. Eingeladen hatten die Herausgeberinnen und Herausgeber des Buches „Klassenlos. Sozialer Widerstand von Hartz IV bis zu den Teuerungsprotesten“, wozu ich ebenfalls gehöre. Bei der Veranstaltung selbst hörte ich aber nur aus dem Publikum heraus zu.

„Bei der Hetze gegen Bürgergeldbezieher überbieten sich AfD und CDU schon lange. Da hat es nie eine Brandmauer gegeben“, erklärte Gitta Schalk. Sie verwies darauf, dass sowohl die AfD als auch die Unionsparteien das Bürgergeld als leistungsloses Einkommen diffamierten und schärfere Sanktionen gegen Menschen forderten, die sich angeblich weigerten, Arbeit um jeden Preis anzunehmen.

Der Protest gegen diese Diffamierung ist heute allerdings sehr leise. Anne Seeck, die vor 20 Jahren im Kampf gegen Hartz IV aktiv war und noch heute in Stadtteilinitiativen in Berlin-Neukölln mitarbeitet, merkte etwa an: „Vor 20 Jahren, im Spätsommer und Herbst 2004, sind in vielen deutschen Städten Zehntausende gegen die Einführung von Hartz IV auf die Straße gegangen. Der Schwerpunkt der Proteste lag in Ostdeutschland. Heute geht die Hetze gegen das Bürgergeld weitgehend ohne Protest über die Bühne.“ Stattdessen werde in der öffentlichen Debatte der Eindruck erweckt, nicht die Armut, sondern die Migration sei das größte Problem in Deutschland. Davon würden die rechten Parteien profitieren, vor allem die AfD, so Seeck.

Roman und Zlatina von der Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg (ALSO), die seit über 40 Jahren eine unabhängige Erwerbslosenberatung anbietet, konnten von Fällen berichten, die in starkem Kontrast stehen zu dem, was Merz und andere behaupten. „Wir machen in unserer Beratungsarbeit die Erfahrung, dass die Armut zugenommen hat und viele Menschen nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, obwohl sie in Arbeitsverhältnissen stehen und große Probleme bei der Beantragung und Bewilligung ihnen eigentlich zustehender sozialer Leistungen haben“, sagte Roman. Zlatina berät auch Beschäftigte der Fleischindustrie, die im Umkreis von Oldenburg stark vertreten ist. Es sind oft Menschen aus Osteuropa, die dort zu Bedingungen schuften müssen, wie man sie eigentlich eher aus dem Frühkapitalismus kennt. Der Lohn ist gering, der Arbeitsdruck hoch, bei Arbeitsunfällen werden die Beschäftigten oft gekündigt. Mithilfe der ALSO fordern die Beschäftigten ihre Rechte ein, die sie vor der Beratung oft gar nicht kannten.

Zlatina selbst kam als Akademikerin nach Deutschland und musste als Reinigungskraft arbeiten. Sie ließ sich zur Integrationsberaterin ausbilden und setzt sich in dieser Rolle für die Rechte der Beschäftigten in der Fleischindustrie ein. Bei der Podiumsdiskussion berichtete sie allerdings, mit welchen Widerständen sie in ihrer Arbeit konfrontiert wird. Sie erzählte etwa folgende Anekdote: Als sie bei den zuständigen Behörden angefragt habe, ob sie einen Raum für sich und die Ratsuchenden bekommen könnte, in dem sie sich treffen und über ihre Probleme reden könnten, sei das Ansinnen vehement abgelehnt worden. Da könnten ja Widerstandsstrukturen entstehen, die man nicht unterstützen wolle, so die Begründung. Im Sozialen Zentrum, in dem die ALSO seit langem Sozialberatung anbietet, habe sie schließlich einen geeigneten Raum gefunden.

Arme Menschen sind nicht nur Opfer der Verhältnisse

Die Berichte von den Aktiven der Erwerbslosengruppen Basta und ALSO machten deutlich, dass das Bild von armen Menschen als bloße Opfer der Verhältnisse, die zu Protest und Widerstand nicht in der Lage seien, einer Korrektur bedarf. Diese Beobachtung wurde während der Veranstaltung vom Sozialwissenschaftler Harald Rein unterstützt. Er berät seit Jahrzehnten in einem Arbeitslosenzentrum in Frankfurt am Main Menschen in Notlagen.

Auf dem Podium wandte er sich gegen eine auch unter Linken verbreitete Erzählung, dass Lohnarbeit solidarische Beziehungen ermögliche, während Erwerbslose dazu nicht fähig seien. Für Rein ist diese Annahme doppelt falsch. „Weder sind die Beziehungen unter Arbeitern automatisch solidarisch noch sind alle Erwerbslosen hilflos und resigniert.“ Rein verwies auf historische Beispiele, die er in dem Buch „Wenn arme Menschen sich nicht mehr fügen“ ausführlich beschreibt.

Allerdings würden auch viele Linke den Fehler machen, die Bereitschaft zu Protest und Widerstand von Erwerbslosen an der Teilnahme an Kundgebungen und Demonstrationen ablesen zu wollen. Dass es eher selten zu solchen Protesten komme, werde dann als Beweis für die These herangezogen, dass Erwerbslose nicht bereit seien, für ihre Interessen zu kämpfen. Dabei würden die sehr unterschiedlichen Formen von individuellem Widerstand ignoriert, mit denen sich arme Menschen gegen die Zumutungen von Jobcentern und anderen Behörden wehren würden. Dazu zählte Rein beispielsweise die Praxis bei Terminen im Jobcenter Personen des Vertrauens mitzunehmen, um nicht allein der Bürokratie ausgeliefert zu sein; ebenso erwähnte Rein den Gang vor die Sozialgerichte. Die Vertreter von ALSO und Basta betonten, dass viele Sanktionen und Leistungskürzungen des Jobcenters vor Gericht gekippt würden.

Nichtsdestotrotz stand das Podium dem Sozialstaat teilweise ambivalent gegenüber. Der Übersetzer und Aktivist Christian Frings bezeichnete den Sozialstaat aus historischer Perspektive als Instrument der Spaltung: „Die Aufteilung in angeblich verschuldete und unverschuldete Armut wird oft auch von den Betroffenen übernommen und trägt dazu bei, dass sich oft Protestbewegungen schnell spalten.“

Diese Spaltung erschwere auch größere Bündnisse zwischen Gewerkschaften und aktiven Erwerbslosen, so Frings. Die Vertreter von ALSO und Basta beklagten, dass sie öfter solidarisch Streiks der Gewerkschaften unterstützt hätten, indem sie sich als Erwerbsloseninitiative an Kundgebungen und Demonstrationen beteiligt hätten. Sie hätten es aber selten erlebt, dass Aktionen von Erwerbslosen gewerkschaftlich unterstützt wurden. Aktuell vermissen sie auch Stellungnahmen des DGB und der Einzelgewerkschaften gegen die Angriffe auf das Bürgergeld.

Dabei wäre eine solche Positionierung auch im Interesse der Gewerkschaftsmitglieder. Denn laut Christian Frings sähen die Kapitalverbände in den Erwerbslosen immer eine Reservearmee, die Druck auf die Lohnabhängigen ausübe. Mit dem Argument, es stünden genügend Menschen bereit, die ihre Arbeitskraft zu einem niedrigeren Preis verkaufen würden, könnten auch die Beschäftigten gefügig gemacht werden. So seien die Angriffe auf das Bürgergeld durchaus auch ein Angriff auf die Menschen, die (noch) in Lohnarbeit sind.

Peter Nowak arbeitet als freier Journalist für verschiedene Tages-, Wochen- und Internetzeitungen und ist Mitherausgeber des Buches „Klassenlos sozialer Widerstand von Hartz IV bis zu den Teuerungsprotesten“.



Das ist ein Beitrag, der im Rahmen Open-Source-Initiative der Berliner Zeitung eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

Dieser Beitrag, erschienen bei der Berliner Zeitung, unterliegt der Creative-Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0). Er darf für nichtkommerzielle Zwecke unter Nennung des Autors und der Berliner Zeitung und unter Ausschluss jeglicher Bearbeitung von der Allgemeinheit frei weiterverwendet werden.

Der Originalartikel kann hier besucht werden


Spiel, Spaß, Bolzenschneider!

Das Foto von © heba zeigt Demonstrant:Innen mit einem grünen Transparent, auf dem der Text "DE-FENCE GÖRLI - Sie bauen Zäune, wir bauen Treppen" steht. Dahinterist auch ein Hichtransparent mit dem Text "Rassistische Zäune zerstören Leben" zu sehen.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Gegen den geplanten Zaun und die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks demonstrierten am 7. September 200 Menschen rund um den Görli. Mit einem Parcour des Bündnisses Görli 24/7 mit spielerischen Widerstandsübungen für den Ernstfall ging am Sonntag die Aktionswoche „Der Görli bleibt auf!“ zu Ende.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Aktionswoche lief erfreulich, sie war informativ und hat viele Strukturen und Menschen aus dem Kiez zusammengebracht. Alle Veranstaltungen waren gut besucht: von Videovorführungen, über Nachbarschaftsversammlungen, der Demo bis hin zum Aktionstag am Sonntag.

Die Demo von „Ihr seid keine Sicherheit“ gegen Mauern, Zäune und Ausgrenzung stand unter dem Motto: „Sie bauen Zäune, wir bauen Treppen“. Dementsprechend führte auf der Abschlusskundgebung eine selbstgezimmerte Treppe über die Mauer zum Cornern in den Park.

Am Aktionstag gab es an 16 verschiedenen Orten quer durch den Park Mitmach-Spiele zum Thema spaßiger Ungehorsam. Rund 200 Personen waren beteiligt und hatten beste Laune.
Stimmung und Teilnahme haben gezeigt, der Kiez ist sich ziemlich einig: Niemand will einen Zaun! Soziale Lösungen für soziale Probleme!

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