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»Die Tragödie meines Lebens begann an dem Tag, als ich geboren wurde, inmitten der Armut, in der meine Wiege stand.« Francisco "Pancho" Villa

Lützerath lebt!

© catwithanicecamera
Foto: © catwithanicecamera via Umbruch Bildarchiv
Im Rahmen des Unräumbar-Festivals vom 29. Oktober bis 5. November 2021 protestierten mehrere tausend Menschen in Lützerath gegen die Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler II und den akut drohenden Abriss Lützeraths sowie weiterer fünf Dörfer. Seit Wochen halten sich Klimaaktivist*innen im Dorf auf. Mit einem Camp, Baumbesetzungen, Kultur und Widerstandsaktionen wurde Lützerath wieder mit Leben gefüllt. Am 31. Oktober kamen alle zur großen Demo.
Die Bilder für diesen Fotorückblick erhielten wir von Tim Wagner, CatwithaniceCamera & Pay Numrich. Vielen Dank dafür!

Lützerath ist ein weiteres Dorf in Nordrhein-Westfalen, das für die Profite des internationalen Großkonzerns RWE zerstört werden soll, um den Tagebau Garzweiler auszudehnen. Zu der Demonstration am 31. Oktober hatte ein breites Bündnis von Organisationen aufgerufen. Am Morgen hatte Greenpeace bereits mit einer brennenden Linie dargestellt, dass die 1,5 Grad-Grenze der Klimaerhitzung vor Lützerath verlaufe. Es sollen noch 650 Mio Tonnen Braunkohle verfeuert werden. Das Bündnis „Ende Gelände“ hatte für diesen Tag Aktionen zivilen Ungehorsams angekündigt, um den Kohleabbau zu blockieren.

Die Teilnehmer zogen mit Plakaten, Bannern und lauter Musik über die Felder Richtung Tagebau Garweiler II. Dabei löste sich die Gruppe von „Ende Gelände“ vom Demozug und drang auf das RWE-Gelände ein. An der etwa 50 Meter hohen Abbruchkante des Tagebaus blieben sie stehen. Die Polizei konnte mit einem Großaufgebot eine Baggerbesetzung verhindern, blieb aber noch bis in den Abend hinein im Einsatz. RWE wendete den Bagger und schaltete ihn aus Sicherheitsgründen ab.

Im Morgengrauen des 5. November blockierten Aktivist*innen an zwei Stellen die Kohlebahn von RWE, die das Braunkohlekraftwerk Neurath versorgt. An zwei Blockadepunkten im Norden (Kohlebahn von Garzweiler) als auch im Süden (Kohlebahn aus Hambach). Mit Beton-Tonnen und Lock-Ons ketteten sich die Aktivist*innen an die Schienen. Außerdem sind Menschen im Rollstuhl bei der Blockade dabei.

Fast alles gehört in Lützerath inzwischen dem Tagebaubetreiber RWE. Nur der Hof von Eckardt Heukamp nicht. Alle anderen früheren Familien wurden umgesiedelt. Der letzte Landwirt des Ortes klagt vor dem OVG Münster gegen seine vorzeitige Enteignung für die Braunkohle durch das Land NRW und RWE. Die Bagger stehen bereits direkt vor Lützerath. Diesen Herbst will RWE und die Landesregierung das Dorf dem Erdboden gleich machen. Mit der Zerstörung von Lützerath sollen Fakten geschaffen werden, bevor das Enteignungsverfahren vom letzten Bauern im Dorf abgeschlossen ist. Unterstützt wird der Landwirt von Klimaaktivist*innen. Der Widerstand wächst und so hat sich der kleine Ort zu einer umkämpften Zone entwickelt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

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Gorilla Riders United

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
In Solidarität mit den Gorillas Arbeiter*innen demonstrierten am Abend des 16.11. mehr als 600 Menschen in Berlin. Die Demo zog vom Kreuzberger Gorilla-Standort in der Muskauerstraße 48 zum Oranienplatz. Zu Beginn gab es Soli-Beiträge u.a. von der Berliner Migrantifa, Kolleg*innen der AWO, der GEW, der Berliner Krankenhausbewegung und dem Anwalt Benedikt Hopmann. Am nächsten Tag entschied das Gericht, dass ein Betriebsrat gegründet werden kann. Ein großer Erfolg.
Silvain vom Gorillas Workers Collective schickte uns folgenden Bericht zur Demo, vielen Dank dafür! (Englische Fassung siehe unten)

„Wir, die Beschäftigten von Gorillas, waren von Anfang an unzufrieden mit der Diskrepanz zwischen den gemachten Versprechungen (gerechte Entlohnung, Ausrüstung, Möglichkeit, sich als Einzelperson und innerhalb des Unternehmens weiterzuentwickeln usw.). Viele von uns sind in das Unternehmen eingetreten, ohne zu wissen, welchen Weg ein solches Unternehmen normalerweise einschlägt und dass es, sobald es erfolgreich ist, nur für diejenigen erfolgreich sein würde, die es leiten, und dass sich die Arbeitsbedingungen für den Rest von uns verschlechtern würden.

Das haben wir gelernt, als wir uns innerhalb des Unternehmens als Teil des Gorillas Workers Collective oder anderer informeller Gruppen organisiert haben. Viele haben diese Gefühle geäußert und Lösungen vorgeschlagen, wie wir gemeinsam vorankommen können. Aber viele wurden entweder beschuldigt, „die Stimmung zu zerstören“, ihnen wurden Dinge versprochen, die auch den nächsten Arbeitnehmern versprochen wurden, oder sie wurden sogar entlassen. In einer durchgesickerten internen Nachricht gibt der CEO sogar zu, einen Fahrer wegen seiner gewerkschaftlichen Betätigung entlassen zu haben. Da der Beweis schwarz auf weiß vorlag, räumte das Unternehmen die Gültigkeit der Nachricht ein, bestritt aber, den Fahrer wegen seiner gewerkschaftlichen Betätigung entlassen zu haben. Dasselbe Unternehmen, dessen CEO im Sommer auf Video sagte, dass „niemand wegen eines Streiks entlassen wird“, hat im Herbst desselben Jahres genau das getan. Die Arbeiter haben entweder wegen der unmöglichen Wetterbedingungen im Winter gestreikt, oder wegen der Entlassung von Arbeitern ohne jeden Grund und ohne ordnungsgemäßem Verfahren. Und in der letzten Streikwelle, weil sie nicht pünktlich, vollständig oder überhaupt nicht bezahlt wurden. Viele, die entweder noch bei den Gorillas arbeiten oder bereits gegangen sind, warten immer noch auf ihre Bezahlung. Aber das Unternehmen meldet sich einfach gar nicht mehr. Parallel zu diesem Prozess des gegenseitigen Kennenlernens sowie der Gesetze und der Funktionsweise dieser Art von Unternehmen haben wir auch versucht, einen Betriebsrat innerhalb des Unternehmens zu gründen, was das Unternehmen von Anfang an privat ablehnte, während es öffentlich vorgab, es zu unterstützen. Die Arbeitnehmer, die zur Vorbereitung der Wahlen gewählt wurden, wurden auf Schritt und Tritt schikaniert und zusammen mit den Initiatoren des Betriebsratsprozesses sogar in die am weitesten von ihrem Wohnort entfernten Lager umgesiedelt. Eine Maßnahme, die inzwischen zur Firmenpolitik geworden ist, wenn es darum geht, Arbeitnehmer loszuwerden, die die Probezeit überschritten haben, ohne sie zu entlassen. Der letzte Versuch, ihre Moral zu zerstören, bestand darin, sie zu verklagen und ihnen mit Zehntausenden von Euro an Geld- und Gefängnisstrafen zu drohen.

Am 16. November machte das Gorillas Workers Collective mit einer Demonstration von über 600 Personen deutlich, das sie Unterstützung aus dem gesamten Spektrum der politischen Linken für ihren Arbeitskampf haben. Am nächsten Tag, dem 17. November, wurde der Fall Gorillas gegen Gorillas-Arbeiter vor Gericht verhandelt und die Arbeiter haben gewonnen! So können wir nun mit der Organisation einer Wahl für einen Betriebsrat in Gorillas weitermachen.

Aber wir erwarten auch das sich die Auseinandersetzungen verschärfen z. B. durch US-amerikanische Union-Busting-Experten wie beispielsweise Deena Fox, die vor ihrer Tätigkeit bei Gorillas bei Amazon gearbeitet hat. Sie ist bekannt für ihre absolut kompromisslose Haltung bei der Zusammenarbeit mit Arbeitnehmern.

Wir, die Gorillas-Beschäftigten, waren sehr froh über die große Unterstützungsdemonstration und das Gerichtsurteil. Das hat uns die Energie gegeben weiter zu machen. Nicht nur für die Gorillas-Beschäftigten, sondern für alle Beschäftigten in dieser Branche und unter ähnlich prekären Bedingungen.“ -“ Silvain -“

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

English Version:

„We, workers from Gorillas have been unhappy with the difference between the promises made (fair pay, equipment, chance to grow as individuals and inside the company, etc.) from the first the company started. A lot of us came in the company unaware of the trajectory such a company usually takes and that once it would be successful it would only be so for the ones running it and that working conditions would have to worsen for the rest of us. We-™ve learned that in our time organizing within the company as part of the Gorillas Workers Collective or other informal groups. Many have aired those feelings and solutions on how we could go forward together. But many have either found themselves either accused of „destroying the vibe“, promised things that the next workers would be promised as well or even fired. In one leaked internal message the CEO even admits to having terminated a rider for unionizing. With the proof in black and white the company admited to the message-™s validity but denying having fired the rider for unionizing. The same company who-™s CEO was saying in summer on video that „nobody would be fired for striking“ for exactly that to happen in autumn of the same year. Workers have been striking either pushed by impossible weather conditions in winter, impossible situations in which workers would be fired with no reason or proper procedure and in the last wave of strikes because of not being paid on time, in full or at all. Many either still working in Gorillas or having already left are still waiting to be paid with no communication from the company. So along with this process of getting to know each other, the law and how these sort of companies work we-™ve been also trying to set up a Workers-˜ Council within the company which the company opposed privately from day one while publicly pretending to support it. The workers elected to prepare the elections have been harrassed every step of the way and along with the initiators of the Workers-˜ Council process even moved to the furthest possible warehouses from their homes in a move that become company policy when wanting to get rid of workers who are out of probation without firing them. The latest attempt at destroying their morale was to sue them with threats of tens of thousands of euros in fines and jail time.

On the 16th of November the Gorillas Workers Collective along with many allies from across the entire spectrum of the political left made it visible that there is support for workers in a demonstration of over 600 people. The next day, the 17th of November the court case of Gorillas versus Gorillas workers was on trial and the workers won! We can now go on with organizing an election for a Workers-˜ Council in Gorillas while also expecting escalating actions against us from U.S. American Union Busting experts such a Deena Fox who before starting work at Gorillas worked at Amazon known for it-™s no compromise attitude towards working with workers. We, Gorillas workers were happy to see the large demonstration in support and the court ruling that gave us the energy to continue to organize not only for Gorillas workers but for all workers in this industry and in similar precarious conditions.“ -“ Silvain -“

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Open the Borders!

Foto: © Bernd Sauer-Diete via Umbruch Bildarchiv / Berlin
Foto: © Bernd Sauer-Diete via Umbruch Bildarchiv / Berlin
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, ohne Nahrung und Hilfe sitzen derzeit Geflüchtete an der Polnisch-belarussischen Grenze fest. Sie dürfen weder nach Polen, deren Grenze massiv mit Stacheldraht und Armee verstärkt wurde, noch zurück nach Belarus. Für die sofortige Aufnahme der Flüchtenden, ungehinderten Zugang für Hilfsorganisationen und Journalist*innen und einen sicheren Korridor nach Deutschland demonstrierten am 14.11.2021 rund 500 Menschen vom Brandenburger Tor zum Auswärtigen Amt.

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Geschichte der Startbahnbewegung

Foto: © Wolf Wertzel via Umbruch Bildarchiv
Für die erste Widerstandshütte auf dem Gelände der geplanten Startbahn 18 West stellte mensch noch einen Bauantrag bei der Stadt Flörsheim. Ein Jahr später begann man mit ihrem Bau - auch ohne Genehmigung. Um sie herum entstanden über 50 Holzhütten, Erdwohnungen und Baumhäuser. Als das erste Hüttendorf am 2. November 1981 von der Polizei gewaltsam geräumt wurde, war das der Startschuß für die Startbahnbewegung und für einen jahrelangen Widerstand. Was später die Koalition der -ºGrau - und Langhaarigen-¹ genannt wurde, bestimmte fortan das Geschehen rund um die Startbahn West. Während der seit 1982 regelmäßigen -ºSonntagspaziergänge-¹. wurden hunderte, tausende von Streben aus der Mauer herausgebrochen, manchmal in der Dunkelheit, oft unter Applaus der -ºVorzeigebürger-¹

Als Jahre später, am 2. November 1987 gegen 19 Uhr, ca. 3- bis 400 StartbahngegnerInnen zum 6. Jahrestag der Hüttendorfräumung vom Sammelpunkt aus losgingen, dachten die aller meisten mehr an eine -ºPflichtübung-¹, als an das, was dann passierte: Um 21.01 Uhr wurden aus der Dunkelheit heraus Schüsse auf Polizeibeamte abgegeben, die fliehenden StartbahngegnerInnen nachsetzten. Zwei Polizeibeamte wurden tödlich, mehrere Beamte (schwer) verletzt.

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Wolf Wetzel, langjähriger Aktivist der Startbahnbewegung, hat drei Jahre lang die Umstände der tödlichen Schüsse recherchiert. Was er dabei herausbekommen hat, dokumentiert sein Buch "Tödliche Schüsse". Anläßlich des Jahrestages der dramatischen Ereignissen an der Startbahn West schrieb er für Umbruch einen Rückblick über die "Geschichte und Gegenwart der Startbahnbewegung" (siehe unten). Die Fotos stammen aus den Jahren 1979 bis 2008. Besonders hinweisen möchten wir auch auf ein Radiointerview, das Wolf Wetzel dem freien Radio X zu seinen Recherchen gab und das wir hier ebenfalls dokumentieren. Radiointerview anhören.

Am Anfang stand ein Antrag der FAG (Flughafen Frankfurt / Aktiengesellschaft) aus dem Jahr 1965 zum Bau der Startbahn 18 West, die quer durch den Flörsheimer Wald geschlagen werden sollte. Rechtschaffen und in völligem Glauben an den Rechtsweg wurden Tausende von Einsprüchen erhoben. Dem meisten ging es dabei schlicht darum, das bisherige Leben zu verteidigen - gegen Fluglärm, Kerosin, mit viel Wald drum herum.

Erst als leichte Zweifel an dem juristischen und politischen Prozedere aufkamen, gründete sich 1979 die -ºAktionsgemeinschaft gegen die Flughafenerweiterung-¹, die -ºgewaltfrei, aber aktiv-¹ den Bau der Startbahn verhindern wollte. Unter dem Druck dieser Bürgerinitiativbewegung schlossen sich auch die Parteigliederungen vor Ort, von CDU bis hin zur DKP, zu einem einmaligen Parteienbündnis zusammen.

Obwohl man weiterhin den Klageweg beschritt, beschloss man im selben Jahr, ein Hüttendorf auf dem Gelände der geplanten Startbahn 18 West zu errichten - nicht ohne Ironie: Man stellte für die erste Hütte einen Bauantrag bei der Stadt Flörsheim und begann schließlich am 3.5.1980 auch ohne Baugenehmigung mit ihrem Bau. Um diese Hütte herum entstanden im Laufe des folgenden Jahres über 50 Hütten, Erdwohnungen und Baumhäuser - selbst eine Kirche und ein -ºNeubauviertel-¹ sollten nicht fehlen. Nur fünf Monate später eskalierte die hessische Landesregierung: Obwohl verschiedene Klagen anhängig und noch nicht abgeschlossen waren, verfügte die SPD-geführte Landesregierung den -ºSofortvollzug-¹, zog über 4000 Polizeibeamte zusammen, um das erste Teilstück, das Sieben-Hektar-Gelände zu roden. Die Bürgerinitiativen/BIs schlugen Alarm und es dauerte schließlich mehrere Tage und Nächte, die über 3.000 Menschen, die sich dem -ºSofortvollzug-¹ in den Weg stellten, zu vertreiben.

Trotz des gewaltsamen Vorgehens vonseiten der hessischen Landesregierung wollten die BIen den Glauben an den Rechtstaat und die Demokratie nicht aufgeben und entschlossen sich für eine Art Doppelstrategie: Zum einen sollte das Hüttendorf den gewaltfreien, aber aktiven Protest verkörpern, zum anderen leitete man 1981 ein Volksbegehren und einen Volksentscheid ein, um die Startbahn noch zu verhindern. Wieder verweigerte die SPD-geführte Regierung jede politische Lösung des Konfliktes, erklärte - im Gestus des Absolutismus - das in der hessischen Landesverfassung verankerte Recht auf ein Volksbegehren für verfassungswidrig und ließ abermals ein Polizeiheer aufziehen, um die nächste Bauphase (Baulos I) gewaltsam durchzusetzen. Dieses Mal wurden 10.000 Polizeibeamte dafür bereitgestellt, wieder dauerte es Tage und Nächte, bis diese staatliche Gewaltstrategie Erfolg hatte. Am 2.11.1981 wurde schließlich das Hüttendorf geräumt, unter Einsatz von Sondereinsatzkommandos/SEK's und einer bis dahin nie gekannten Brutalität. Was für gewöhnlich zu Resignation und Rückzug führt, löste eine Protest- und Solidarisierungswelle im Rhein-Main-Gebiet und weit darüber hinaus, aus: Bahnhöfe, Rathäuser, Straßen wurden besetzt, der Hessische Rundfunk wurde belagert, der Frankfurter Flughafen für Stunden blockiert ... das Gespenst von -ºUnregierbarkeit einer ganzen Region-¹ machte die Runde. Auch das führte zu keinem Umdenken auf Seiten der Regierungsparteien. Sie diskutierten lieber über die Möglichkeit eines vorübergehenden, -ºfreiwilligen-¹ Verzichts auf die Ausübung von Grundrechten, lehnten ein Volksbegehren ab, dem sich devot der hessische Staatsgerichtshof anschloss, und ordneten die Rodung von Baulos II an. Zum ersten Mal stießen die Polizeieinheiten auf massiven Widerstand: " Statt der Besetzung eines von Anfang an freigegebenen Bereiches wird die -ºRückeroberung-¹ propagiert. Anstelle der Demonstrationsperspektive der regionalen BI's ist es die -ºWald-Guerilla-¹, die dominiert." (FR vom 1.2.1982)

Die Hunderte zum Teil Schwerverletzten hinterließen nicht nur körperliche Spuren. Nachdem alle rechtlichen, demokratischen Mittel vor ihren Augen wie Zigarettenstummel auf dem Boden ausgedrückt wurden, traten in Teilen der BI Resignation und Rückzug ein. Für all die anderen war der Glaube an den Rechtsstaat zerbrochen und die Bereitschaft groß, Widerstand zu leisten - egal, ob er rechtens ist oder nicht. Was später die Koalition der -ºGrau - und Langhaarigen-¹ genannt wurde, bestimmte fortan das Geschehen rund um die Startbahn: Hunderte, Tausende von Streben wurden aus der Mauer herausgebrochen, manchmal in der Dunkelheit, oft unter Applaus der -ºVorzeigebürger-¹ im Zuge der 1982 aufgenommenen -ºSonntagspaziergängen-¹, denen Hunderte folgten. Immer wieder wurden Baufahrzeuge zerstört, Lichtmasten und Gangways in Brand gesetzt und am helllichten Tage ein halb fertiger Mast umgezogen. Zweifelsohne stellte die am 14.4.1984 offiziell eingeweihte Startbahn 18 West eine Zäsur innerhalb der Startbahnbewegung dar. Obwohl über 10.000 Menschen dagegen protestierten, schien für viele der Kampf endgültig verloren zu sein. Die BI-Strukturen zerfielen, ein kleiner, prominenter Teil nutzte die Resignation für eine parlamentarische grüne Karriere.

Dennoch stellt es ein Novum in der Geschichte sozialer Bewegung dar, dass mit der Durchsetzung eines Großprojektes der Widerstand dagegen nicht verstummte. Die Sonntagsspaziergänge gingen weiter und das politische Terrain erweiterte sich: Hunderte von StartbahngegnerInnen beteiligten am Widerstand gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage/WAA in Wackersdorf, gegen die Stationierung von Pershing II-Raketen in Frankfurt-Hausen, gegen die Rhein-Main-Air-Base, über die der Nachschub für US-geführte Kriege abgewickelt wurde, gegen die Nuklear-Fabriken in Hanau, wo unter dem Deckmantel der -ºzivilen Nutzung der Kernenergie-¹, waffenfähiges Kernmaterial hergestellt wurde. Und als in Tschernobyl 1986, einige Jahre nach der Inbetriebnahme des Atomreaktors, das eintrat, was statistisch alle 10.000 Jahre passieren durfte, der GAU/Größter Anzunehmender Unfall, wurden im Rhein-Main-Gebiet vier Strommasten gefällt...

Und natürlich war an der Startbahn wie an vielen anderen Orten auch, das zu spüren, was Mitte der 80er Jahre offensichtlich wurde: Der Zenit von Massenbewegungen war überschritten, die Faszination und Begeisterung machten den Erfahrungen von paramilitärischen Polizeieinsätzen (Kalkar, Brokdorf) und Repressionen (hohe Geld- und Haftstrafen) Platz.

Wie kann man eine breite, also auf Kompromiss ausgelegte Bewegung mit Radikalität verbinden? Wie kann man -º Masse und Entschlossenheit-¹ (Konstantin Wecker) zusammenbringen und -halten? Wie kann man einer paramilitärischen Auseinandersetzung entgehen, ohne auf Militanz zu verzichten? Wie offen und transparent müssen Strukturen sein, damit möglichst Viele sich daran beteiligen? Wie verdeckt müssen Strukturen sein, damit sie vor Repression geschützt sind?

Wann läuft Gegengewalt Gefahr zu Gewalt zu werden ... (Ulrike Meinhof)

All diese Fragen waren durchaus präsent, als die Vorbereitungen zum 6. Jahrestag der Hüttendorfräumung 1987 begonnen wurden. Wie immer sollte eine nächtliche Demonstration durch den Wald an die Startbahn West führen, um dort, je nach Möglichkeit an der -ºMacht des Faktischen-¹, der Mauer, den Lichtmasten, den Gangways zu rütteln.

Als ca. 3- bis 400 StartbahngegnerInnen am 2.11.1987 gegen 19 Uhr vom Sammelpunkt aus losgingen, dachten die aller meisten mehr an eine -ºPflichtübung-¹, als an das, was dann passierte: Um 21.01 Uhr wurden aus der Dunkelheit heraus Schüsse auf Polizeibeamte abgegeben, die fliehenden StartbahngegnerInnen nachsetzten. Zwei Polizeibeamte wurden tödlich, mehrere Beamte (schwer) verletzt.

Gerade weil die aller meisten mit einem solchen Verlauf nicht rechneten, waren sie auf die folgende Repressionswelle nicht im Geringsten vorbereitet. Dutzende von Wohnungen wurden durchsucht, zahlreiche StartbahngegnerInnen wurden inhaftiert und waren plötzlich mit dem Mordvorwurf konfrontiert. Es kam zu zahlreichen, belastenden Aussagen, die später durch die -ºAnna und Arthur-¹ Aussageverweigerungskampagne weitgehend zurückgenommen wurden.

Die meisten sogenannten Startbahnprozesse 1989 hatten mit den tödlichen Ereignissen am 2.11.1987 nichts zu tun. Sie hatten vielmehr die Verurteilung von Strommastaktionen zum Gegenstand. Erst 1991 ging der Prozess gegen zwei Angeklagte zu Ende, denen die Staatsanwaltschaft Mord vorwarf. Ein Angeklagter wurde freigesprochen, Andreas Eichler wurde wegen Totschlag zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Wer mehr zur Geschichte der Startbahnbewegung wissen will, dem sei das Buch

-ºTödliche Schüsse-¹, Unrast Verlag, Münster 2008, ans Herz gelegt.

Und wer wissen will, wie es weiterging, dem empfehle ich meine Webseite:

wolfwetzel.wordpress com

Dort findet ihr aktuelle Informationen über die in diesem Jahr stattgefundene Besetzung des Kelsterbacher Waldes, durch den eine weitere Landebahn geschlagen werden soll. Außerdem sind dort zahlreiche Dokumente abgelegt, die im Buch angeschnitten sind - Ereignisse, die weit über die Rhein-Main-Region in den 80er Jahren Bedeutung erlangt haben.

Im Buch -ºTödliche Schüsse-¹ habe ich die Ereignisse am 2.11.1987 so dargestellt wie sie auch juristisch dokumentiert sind. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen verjährt der Mordvorwurf nicht, zum anderen konnte der Ermittlungsausschuss/EA, der sich nach den tödlichen Schüssen aus den Reihen der Startbahnbewegung gebildet hatte, keinen anderen Ablauf glaubhaft belegen.

Dennoch gibt es große Lücken in der juristischen Aufarbeitung, zahlreiche besondere Umstände, die vom Gericht unterschlagen und von der Presse verschwiegen wurden. In dem Interview mit Radio X aus Frankfurt, gehe ich diesen Zweifeln nach.

Die hier gezeigten Fotos sind ein kleiner Ausschnitt und dokumentieren in großen Schritten die Zeit von 1979 bis 1991.

Nachdem wir auf Veranstaltungen immer wieder auf die Bedeutung der Bilder hingewiesen wurden, entstand die Idee, ergänzend zum Buch, ein Seh- und Hörbuch zu machen: Wir nahmen wesentliche Kapitel aus dem Buch und unterlegten sie mit über 160 Fotos und Bilddokumenten.

Wer Interesse an diesen -ºHör - und Sehbuch-¹ hat, kann dieses für 8 Euro

unter folgender Adresse bestellen: wolfwbox-mail@yahoo.de

- Wolf Wetzel -

Weitere Informationen:

Zwangsräumungen in Kreuzberg

Foto: © Peter Homann via Umbruch Bildarchiv
Foto: © Peter Homann via Umbruch Bildarchiv
Begleitet von Protesten & Blockaden gab es in den letzten Tagen gleich zwei Zwangsräumungen in Kreuzberg. Rund 80 Menschen versuchten am 25. Oktober die Zwangsräumung von Daniel am Mehringdamm 67 zu stoppen. Vor der Haustür bildete sich eine Sitzblockade und die Protestierenden riefen „Alle gemeinsam gegen jede Räumung“.

Daniel hatte seine Miete gemindert, weil sein Vermieter Samuel Czarny die Wohnung herunter kommen ließ. Vor Gericht erstritt Czarny die Zwangsräumung, weil die geminderte Miete als Mietschulden behandelt wurden. Obwohl Daniel die Summe nachzahlte, zog der Vermieter die Räumung durch.

Die Polizei war anscheinend nicht darauf vorbereitet, dass sich Nachbar*innen der Zwangsräumung in den Weg stellten, setzte sie am Ende aber mit Gewalt durch. Die Gerichtsvollzieherin warf Daniel aus seiner Wohnung, damit der CEO von Berggruen (Czarny) Profite mit der Miete machen kann.

Am Dienstag, den 26. Oktober folgte die nächste Zwangsräumung, gegen die das „Bündnis Zwangsräumung verhindern“ bereits seit Monaten protestiert hatte. In der Adalbertstrasse 22 war Michel einem lange währenden Verleumdungskampf unterlegen. Das ehemals besetzte Haus -“ heute eine Genossenschaft -“ beendete einen Kleinkrieg gegen Michel mit seinem Rausschmiß. (Mehr Infos hier)

Diesmal war die Polizei besser vorbereitet. Sie wollte nicht dulden, dass die angemeldete Kundgebung mit 100 Teilnehmer*innen auf die Strasse geht, was die Aktivist*innen und Nachbar*innen dennoch durchsetzten. Michel kam wohnungslos, aber angesichts der Solidarität nicht gebrochen heraus. Im Weggang nahm die Polizei mehrere Menschen kurzzeitig zur Feststellung der Personalien fest. -“ Karin, Bündnis gegen Zwangsräumungen -“

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Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

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Køpi-Wagenplatz geräumt

Foto: © neukoellnbild via Umbruch Bildarchiv
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Mit einem massiven Aufgebot wurde am 15. Oktober der Köpi-Wagenplatz geräumt. Mehrere tausend Polizisten, Räumpanzer, Hubschrauber, weiträumige Absperrungen und eine bereits zwei Tage zuvor eingerichtete Rote Zone -“ wie immer zeigt die Berliner Polizei viel Einsatzbereitschaft, wenn es darum geht, den Weg für die Profitinteressen eines Spekulanten freizumachen. Erneut wurde damit ein selbstorganisiertes und subkulturelles Wohnraumprojekt zerstört. Die Räumung des Wagenplatzes ist eines von vielen Beispielen für die Verdrängung von Mieter*innen und nicht-kommerziellen Kulturprojekten in den letzten Jahren. Als Teil des angrenzenden Hausprojektes Köpi war er stellvertretend für ein unangepasstes Leben, das sich nicht den Regeln der Marktwirtschaft beugen will.

Die Wut über die Räumung zeigte sich am Abend, als bis zu 8.000 Menschen vom Neuköllner Zickenplatz durch den Kreuzberger Kiez zur Köpi zogen. Dem Versuch der Polizei auch hier mit engen Spalieren ihre Machtstellung zu zeigen setzte die Demonstration deutliche Grenzen. Am Rande gingen zahlreiche Auto- und Schaufensterscheiben zu Bruch, u.a. von dem Luxus-Hotel am Oranienplatz. Bis in die Nacht folgten Auseinandersetzungen in der Oranienstrasse und am Heinrichplatz.

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Defend Köpi-Platz!

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Gegen die drohende Räumung des Köpi-Wagenplatzes am 15. Oktober und für den Erhalt selbstverwalteter Räume und Projekte demonstrierten am 2. Oktober 2021 über 1200 Menschen in Berlin. Die Demonstration zog von der Köpi durch Kreuzberg vorbei am vor wenigen Wochen geräumten Buchladen Kisch & Co in der Oranienstrasse in den Friedrichshainer Nordkiez.
Dort wurde sie von solidarischen Bewohner*innen des Hausprojekts Rigaer Str. 94 aus deren Fenstern begrüßt. Und auch von Aktivist*innen, denen es gelang ein Feuerwerk auf dem Dach des vor knapp einem Jahr geräumten queerfeministischen Wohnprojekt Liebigstrasse 34 zu zünden, obwohl die Polizei das Haus mit Absperrgittern und Flutlichtanlage sicherte. So werden die Kämpfe für kollektive nicht-kommerzielle Räumen in den verschiedenen Kiezen Berlins symbolisch verbunden und deutlich gemacht, dass die Stadt auch mit Räumungen diese nicht beenden wird. Die nächste Demonstration zum Jahrestag der Liebig-Räumung am 9. Oktober wird deshalb diesmal in umgekehrter Richtung von der Liebig zur Köpi führen.

Der Wagenplatz braucht eure Unterstützung jetzt mehr denn je! Wir haben den Räumungstermin für den 15. Oktober erhalten. Nichtsdestotrotz werden wir nicht stillschweigend zusehen. Nach einem Jahr voller Höhen und Tiefen, leeren Versprechungen von Politikern und der Stadt, Diskussionen in der BVV, falschen Hoffnungen und der zerstörerischen Realität sind wir immer noch geschockt von der niederschmetternden Nachricht, dass wir in nur 3 Wochen aus unseren Wägen vertrieben werden sollen.

Wir werden weiter dagegen ankämpfen. Køpiplatz is here to stay!

Wir konnten schon erahnen, dass die Wahlen Auswirkungen auf unseren Räumungstermin haben werden. Tatsächlich haben wir den Brief mit der Ankündigung nur 6 Tage vor den Bundestagswahlen erhalten. Durch die Übergangszeit nach den Wahlen ist es der Politik somit möglich sich jeglicher Verantwortung zu entziehen.
Jeder einzelne Tag bis zur Räumung ist jetzt entscheidend. Es macht uns traurig, emotional und WÜTEND, aber wir haben keine Angst. Genau für diese Wochen haben wir uns vorbereitet. Wir werden alle Mittel nutzen die uns zur Verfügung stehen, um uns zu verteidigen.

Jetzt ist die Zeit gekommen, in der wir auch unsere Freunde*innen und Unterstützer*innen brauchen. Solidarität ist unsere Waffe! Wenn wir unsere kollektiven Räume in Berlin behalten wollen, in denen wir zusammen leben, kreieren, lachen und weinen, müssen wir auch zusammen kämpfen! Deshalb möchten wir unsere Freunde*innen und Verbündeten in Berlin und auf der ganzen Welt dazu aufrufen, in den Wochen vor der Räumung sich uns anzuschließen. Wir wollen dem dreckigen System ins Gesicht spucken und zeigen, dass wir viel größer und stärker sind, als sie es sich je vorstellen könnten. Berlin ist eine Stadt voller alternativer und autonomer Räume, speziell in unserer widerspenstigen Nachbarschaft. Jeder von ihnen trägt durch seine Einzigartigkeit zur Vielfalt unserer Gemeinschaft bei. Das bedeutet jedoch nicht, das wir selbstgefällig werden dürfen. Wir dürfen es nicht zulassen das unsere Straßen farblos und eintönig werden. Wir müssen diesen Wandel stoppen, bevor es zu spät ist. WIR BLEIBEN ALLE !“

-“ Köpi Statement und Aufruf vom 1. Oktober 2021 -“

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Demo der Berliner Krankenhausbewegung

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
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"Seit Jahren bekommen wir Krankenhausbeschäftigten und unsere Patien*innen die schlechten Arbeitsbedingungen im Krankenhaus zu spüren. Wir sind im Streik. Wir streiken nicht gerne, aber der Streik ist unser letztes Mittel, um etwas für uns und unsere Patient*innen zu verändern. Wir wollen Menschen heilen und nicht an underen Arbeitsbedingungen kaputt gehen. Wir brauchen deshalb jetzt deine Unterstützung. Komm am Dienstag, den 14. September mit uns auf die Straße." (aus Aufruf der Berliner Krankenhausbewegung)
Seit dem 9. September 2021 befinden sich zahlreiche Beschäftigte der beiden städtischen Berliner Krankenhauskonzerne, Charité und Vivantes, sowie in den Tochterbetrieben von Vivantes in einem unbefristeten Streik. Vorausgegangen war am 12. Mai ein 100-Tage-Ultimatum an die Klinikleitungen sowie an den Senat als Eigentümer der städtischen Krankenhäuser. Das Ultimatum blieb ohne Reaktion von Seiten der Klinikleitungleitungen und des Senats.

Es folgte am 19. August eine Kundgebung am Anhalter Bahnhof mit anschließender Demo zum Abgeordnetenhaus unter den lautstark vorgetragenen Forderungen: „TvöD für alle an der Spree“ und „Mehr Personal noch vor der Wahl“. Einen drei Tage später geplanten Warnstreik ließ Vivantes per einstweiliger Verfügung durch das Arbeitsgericht verbieten. Durch zahlreiche Aktionen gelang es der Krankenhausbewegung, ihr Streikrecht zu verteidigen. In der Widerspruchsverhandlung wies das Arbeitsgericht die Anträge von Vivantes ab. Der Weg für einen unbefristeten Arbeitskampf war nun frei.

Die Demonstration vom Bettenhochhaus der Charité Mitte zum Roten Rathaus war geprägt durch die kämpferische Stimmung der streikenden Klinikbeschäftigten. In zahlreichen Redebeiträgen schilderten sie ihre Arbeitsbedingungen, geprägt durch Personalmangel und Arbeitshetze, durch Lohndumping in den Tochterfirmen und Gehaltsunterschiede von bis zu 1.000 Euro für die gleiche Tätigkeit. Sie berichteten von Einschüchterungen und Repressionen gegenüber streikenden Kolleg*innen. Sie brachten ihre Wut über die Ignoranz der Klinikleitungen und der Senatsvertreter*innen zum Ausdruck.

Ebenfalls zu Wort kamen zahlreiche Unterstützer*innen der Krankenhausbewegung. Für die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ rief Kalle Kunkel unter großem Beifall den Streikenden zu: „Es gibt einen Sinnspruch, der Ghandi zugeschrieben wird. Erst ignorieren sie euch, dann belächeln sie euch, dann bekämpfen sie euch und dann gewinnt ihr. Im Krankenhaus muss man diesen Spruch umändern. Erst ignorieren sie euch, dann beklatschen sie euch, dann bekämpfen sie euch um so härter, und dann gewinnt ihr trotzdem.“ Weiter führte er u.a. aus: „Gesundheit und Wohnen dürfen keine Ware sein, Punkt. Sowohl eure Krankenhausbewegung als auch die Bewegung für die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne senden ein Zeichen der Hoffnung in diese Republik, in der uns seit 30 Jahren erzählt wird, alles sei alternativlos. Dem setzen wir ein Zeichen der Hoffnung entgegen. Wenn ihr die größte Uniklinik Europas und den größten Klinikkonzern Deutschlands bestreikt und euch durchsetzt, wenn wir von der Initiative 350.000 Unterschriften sammeln, dann wird das in der gesamten Republik zur Kenntnis genommen, als ein Kampf der Hoffnung gibt, als ein Nein zu der Erzählung von der Alternativlosigkeit, die uns seit 30 Jahren eingebläut wird. Sie sind aber auch ein großes JA für die Vorstellung, dass sich die Gesundheitsversorgung an dem Bedürfnis des Menschen orientiert, dass unsere Mieten dafür da sind, den Bestand der Wohnungen zu erhalten und nicht die Pofite der Konzerne zu bedienen. Demokratie bedeutet nicht nur alle paar Jahre seine Stimme abzugeben, Demokratie bedeutet, dass wir unsere Arbeits- und Lebensbedingungen selbst gestalten können. Dafür müssen wir gemeinsam kämpfen. Stimmt am 26. September beim -šVolksentscheid Deutsche Wohnen & Co enteignen-˜ mit JA, damit Berlin unser aller Zuhause bleibt.“ -“ Andi -“

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Berlin: Wohnen für alle!

Foto: © Christina Winter via Umbruch Bildarchiv Berlin
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Rund 20 000 Menschen versammelten sich am 11. September 2021 in Berlin auf der Straße. Eine breite Mischung aus Mieter*inneninitiativen und -vereinen, Hausgemeinschaften, stadtpolitischen Gruppen, Gewerkschaften und Verbände wie der Paritätische Wohlfahrtsverband kamen aus dem gesamten Bundesgebiet um einen radikalen Kurswechsel in der Mieten- und Wohnungspolitik zu fordern. Die Liste reicht von A wie „Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser“ bis Z wie „Zossener 48“ und umfasst um die 300 Initiativen, die den Aufruf unterstützt haben. Mit dabei auch eine Zubringerdemo der „Interkiezionalen“, die vom bedrohten Köpi-Wagenplatz aus zum Alex zieht. So unterschiedlich ihre Ziele sind -“ die vielen Tausenden auf der Demonstration vereint der Unmut auf die überall wahrnehmbare Verdrängung von Bewohner*innen und der Wille, dem entschlossen entgegenzutreten. Ein würdiger Abschluss mit guten Redebeiträgen und Livebands fiel mittendrin leider ein wenig ins Wasser. Aber das lässt die Mietenbewegung auf ihrem außerparlamentarischen Weg nicht verzagen. Auch diese Demo hat Mut gemacht.

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Afghanistan. Evacuate now - Aufnahme Jetzt!

Foto: © Bernd Sauer-Diete via Umbruch Bildarchiv
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In mehreren Städten demonstrierten am 22. August Tausende für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan. In Berlin beteiligten sich rund 2000 Menschen an einer Demonstration vom Bundeskanzler*innenamt zum Auswärtigen Amt. Sie forderten eine Luftbrücke für Menschen, die in Afghanistan gefährdet sind. Vor allem alle Ortskräfte und gefährdete Personengruppen wie Menschenrechtler*innen oder Journalist*innen sowie deren Familien müssen unbürokratisch und schnell evakuiert werden. Aufgerufen hatte ein Bündnis von Seebrücke, Migrantifa, dem Berliner afghanischen Kommunikations- und Kulturzentrum, Seawatch, Pro Asyl, Wir packen´s an und weitere Organisationen.

„Wir haben schon im Mai gefordert, dass die Ortskräfte ausgeflogen werden sollen“, sagt Sayed Madi-Hosaini, Mitglied im afghanischen Kommunikations- und Kulturverein und Teil des Organisationsbündnisses. Deutschland habe viel zu spät reagiert: „Wenn die Politiker*innen der Zivilgesellschaft zugehört hätten, hätten wir jetzt diese Situation nicht.“

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