trueten.de

»Die Geschichte ist lediglich eine Überraschungsliste. Sie kann uns nur darauf vorbereiten, aufs Neue überrascht zu sein.« Kurt Vonnegut

Mit Nazis marschieren ist kein Spazieren! Für Aufklärung und Solidarität statt Verschwörungsmythen - Erklärung des Bundesausschusses der VVN-BdA

Die größte verschwörungsideologische Organisation in Deutschland hieß NSDAP. Im Namen der „deutschen Freiheit“ mobilisierte sie gegen eine „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“, die das deutsche Volk vergiften und knechten wolle. Das kann man alles nachlesen in einem der meistgedruckten Bücher deutscher Sprache -“ Adolf Hitlers „Mein Kampf“.

An dieses Vorbild knüpfen heute der „III. Weg“, die „Freien Sachsen“, die „AfD“ und weitere extrem rechte und neofaschistische Organisationen an. Ihnen ist es in diesen Wochen gelungen die von Anfang an wissenschaftsfeindliche, egoistische und nach Feindbildern gierende Szene der deutschen Impfgegner*innen in nie dagewesenem Ausmaß bundesweit in vielen Städten zu mobilisieren.

Längst geht es nicht mehr nur darum, inmitten einer Pandemie, in völliger Verkennung der Realität, lebensrettende Maßnahmen des Infektionsschutzes zu hintertreiben, sondern gegen „das System“ an sich zu mobilisieren. Diese Bewegung ist:

• antidemokratisch, indem sie einen angeblichen „Volkswillen“ über demokratische Prozesse stellt
• mindestens latent antisemitisch, indem sie erneut das altbekannte antisemitische Denkmuster von der Existenz einer angeblichen geheimen Elite mit ebensolch geheimen Pläne behauptet
• sozialdarwinistisch -“ soll doch sterben, wer nicht gesund genug ist
• geschichtsrevisionistisch und eine Beleidigung der Opfer des NS-Regimes, indem sie sich selbst als „verfolgt wie die Juden“ gerieren
• zunehmend verbal und körperlich gewaltbereit gegen Journalistinnen, Beamtinnen und sogar Ärztinnen, die ohnehin schwer genug an der Pandemie zu kämpfen haben
Es zeigt sich außerdem, dass sowohl Behörden und Polizei als auch etablierte Politiker
innen dem Druck des Mobs zu weichen beginnen.

Stattdessen fordern wir:

• Gesetzte Regeln für das öffentliche Leben, die Leib und Leben retten sollen, müssen auch durchgesetzt werden.
• Infrastruktur und Personal des Gesundheitswesens als auch Journalist*innen sind zu schützen.
• Mordaufrufe in Sozialen Medien sind genauso zu verfolgen wie in der realen Welt.
• Tatsächliche soziale Verwerfungen, die durch die Pandemie verstärkt werden, gehören auf die Tagesordnung, u.a. die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens.
• Wir brauchen klare Kante gegen die Ideologien des Egoismus und der Verschwörungsmythen.

Wir halten dagegen!

Quelle

Blogkino: Piazza Fontana 2 anni dopo (1972)

Heute zeigen wir im Blogkino mit Filmen zum Thema Ⓐnarchismus Piazza Fontana 2 anni dopo von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahre 1972, der 2 Jahre nach dem Bombenanschlag von Mailand gedreht wurde. Der Bombenanschlag auf der Piazza Fontana am 12. Dezember 1969 war der erste große rechtsterroristische Anschlag in der italienischen Nachkriegsgeschichte. Gegen 16:37 Uhr explodierte vor dem Hauptsitz der Banca Nazionale dell-™Agricoltura eine Bombe, die 17 Menschen tötete und 88 schwer verletzte. In der Vorweihnachtszeit tötete eine Bombe auf der Piazza Fontana vierzehn Menschen sofort. Weitere Opfer starben im Krankenhaus, sodass insgesamt 17 Menschen ums Leben kamen; über 80 weitere wurden verletzt.

Der Anschlag in der Mailänder Landwirtschaftsbank war nicht der einzige für diesen Tag geplante. Vielmehr bettete er sich in eine zeitlich abgestimmte Bombenserie ein. Ein Bankangestellter fand um 16:25 Uhr in der Filiale der italienischen Handelsbank an der Piazza della Scala in einer abgestellten Aktentasche eine Bombe. Er konnte sie noch rechtzeitig im Hof der Bank vergraben. In Rom ereigneten sich fast gleichzeitig drei weitere Detonationen. Etwa um 16:45 Uhr explodierte in der Via Veneto im Gebäude der Banca Nazionale del Lavoro eine Bombe, die 14 Angestellte verletzte. Zwei weitere Bomben explodierten auf der Piazza Venezia in Rom im Abstand von zehn Minuten. Diese verletzten drei Zivilisten und einen Polizisten.

Die Attentate in Rom und Mailand wurden von Anhängern der Ordine Nuovo (ON) durchgeführt. Die Haupttäter waren Franco Freda (* 1941) und Giovanni Ventura (1944-“2010). Die Planung und Leitung des Mailänder Anschlags übernahm der ON-Führer Pino Rauti.[4] Nach dem Anschlag gelang es Freda zu fliehen. Er konnte jedoch 1979 in Costa Rica festgenommen werden. Die Zuweisung der Tat in Richtung neofaschistischer Terrorgruppen, von denen die ON die bedeutendste war, ist nicht vollständig. Die Auftraggeber des Anschlags werden in den Reihen der Propaganda Due verortet. Ziel des Anschlags war es, das Klima in Italien weiter für einen faschistischen Putsch anzuheizen. Die Faschisten besaßen zu dieser Zeit eine auf zahlreiche Organisationen verteilte Massenbasis.

Die politische Legitimation für den Einsatz des Militärs sollten linke Terroranschläge bilden. Da die Linke diese nicht wie gewünscht durchführte, sollte durch fingierte Handlungen die Schuld für eigene Anschläge den Linken zugeschoben werden (Falsche Flagge). Dieser Anschlag bildete, wie sich später herausstellte, keine Ausnahme hinsichtlich der Legung falscher Spuren. So führten die ON bereits im Vorfeld Anschläge durch, welche die Handschrift anarchistischer Gruppen trugen. Unterdessen beseitigte die Polizei Beweise, die zu den faschistischen Tätern führten. Die nicht detonierte Bombe wurde auf Anweisung des Polizeipräsidiums gesprengt. Unterdessen wurden etwa dreihundert Anarchisten festgenommen. Über die Polizei wurde die Schuld sofort den Anarchisten zugewiesen. Die rechte Presse nahm dies auf und forderte ein Ende des kommunistischen Terrors. Die verantwortlichen Polizeiführer konzentrierten ihre Ermittlungen sodann auf den bekannten Anarchisten Giuseppe Pinelli. Dieser hatte zwar ein Alibi, doch behauptete die Polizei, dies sei nicht sicher. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1969 wurde Pinelli aus dem vierten Stock des Polizeipräsidiums gestürzt und war sofort tot. Die Polizeiführung verbreitete sogleich die Behauptung, er habe sich wegen seines fehlenden Alibis zu Tode gestürzt. Die Todesermittlungen ergaben, dass Pinelli keinen Selbstmord begangen hatte. (WikiPedia)

Jagd auf Verfassungsfeinde · Der Radikalenerlass und seine Opfer

"Ob angehende Lehrer oder Postboten, viele junge Leute hat der Verfassungsschutz in den 70er- und 80er-Jahren politisch durchleuchtet. Grundlage: der sogenannte Radikalenerlass; er hat die Jagd auf Verfassungsfeinde ausgelöst. Die Opfer fühlten sich in ihrem Recht auf Meinungsfreiheit angegriffen, sprachen von Berufsverboten. Auch Winfried Kretschmann, heute Ministerpräsident von Baden-Württemberg, war betroffen.

Alle Parteien wollten den Staatsdienst damals vor der rebellischen Jugend und der "Gefahr aus dem Osten" schützen. Auch der damalige Bundeskanzler Willy Brandt. Rückblickend bewertete er den Beschluss als großen Fehler. Doch bis heute zeigt die Politik kaum Interesse an der Aufarbeitung. Gleichzeitig ist die Verteidigung unserer Demokratie aktueller denn je." (ARD.de)

Der Film von Hermann G. Abmayr ist in der ARD Mediathek zu sehen.